Falch: Die Innviertler haben eine besondere Qualität

25. Januar 2012

Gerhard Falch (63) ist Vorstandsvorsitzender der AMAG in Ranshofen. Der Aluminium-Spezialist ist mit 1352 Mitarbeitern der Leitbetrieb im Bezirk Braunau. Ich führte mit ihm in der OÖ-Beilage des Sonntagskurier foglendes Interview.

Frage: Vor Ihrem Büro steht Ihr Dienstwagen, ein Audi A8. Ist er aus Aluminium?
Gerhard  Falch: Ja, er ist weitgehend aus Aluminium. Der Alu-Anteil an den Autos wird die nächsten Jahre steigen. Denn Aluminium wiegt nur ein Drittel des Stahls. Es  ermöglicht eine Gewichts- und damit eine Verbrauchsreduktion.

Damit ist ja die Zukunft der AMAG gesichert.
Der Aluminiumverbrauch wird sich die nächsten zehn, zwölf Jahre verdoppeln. Das ist erfreulich. Der Anteil unserer Walz-Produktion für die Auto-Zulieferung  beträgt zwischen 13 und 15 Prozent. Wir sind vor allem bei den Premium-Herstellern Mercedes, BMW, Audi und Volkswagen vertreten. Wir haben uns bei ihnen einen sehr guten Ruf erworben, weil wir in den vergangenen Jahren die Qualität vorangetrieben haben.  Beim Mercedes SLS  mit den Flügeltüren waren wir bei den Flügeltüren das einzige Unternehmen, das in der Lage war, das notwendige Material zu liefern.  Das war für uns ein großer Türöffner.

Was ist der Hauptabsatz?
Von der Menge her ist es die Firma Costantia Teich in Mühlhofen bei St. Pölten. Sie produzieren Blisterfolien für Medikamente. Die  Aluminiumbeimischung hat hier den Vorteil, dass es zu keiner Diffusion und damit zu keiner Beeinträchtigung  der Produktqualität kommt. Weiters produzieren sie Nahrungsmittel- und Tierfutterverpackungen. Sie stellen  Dosenschalen  für das Hunde- und Katzenfutter  und  Deckel für Joghurtbecher her.
Es ist wichtig, dass wir in der Produktion breit aufgestellt  und damit von niemandem abhängig sind. Stark aufgestellt sind wir auch bei Flugzeugteilen und  Sportgeräten. In allen guten Skiern ist unser Aluminium enthalten,  da sind wir beinahe  alleine am Markt.  Außerdem wird unser Aluminium bei Trittblechen verwendet. Wir haben viel Geschäft in der Maschinenbauindustrie. Auch bei den Lkw wird der Aluminiumanteil immer mehr. Wenn der Lkw weniger wiegt, kann er mehr transportieren.

In Ranshofen wird hauptsächlich wiedergewonnenes  Aluminium verarbeitet.
Von den Walz-Produkten, die wir in Ranshofen erzeugen, basieren rund 80 Prozent auf Schrott. Einen Teil des Vormaterials kaufen wir auch zu, damit wir flexibel sind. Mit  80 Prozent Schrottquote sind wir bei Aluminium-Walzprodukten weltweit führend.  Im Gegensatz zu manchen anderen metallen kann Aluminium unendlich oft wiederverwertet  werden, weil es die guten Eigenschaften behält. Im Gegensatz zu Stahl, der nach sechs bis sieben Mal ausgelaugt und nicht mehr wiederverwendbar ist. Dazu wird noch Energie gespart, 95 Prozent im Vergleich zur Primärproduktion über Elektrolysen.

Ist es vernünftig, wenn der Konsument Alu-Dosen sammelt und der Wiederverwertung zuführt?
Ja, natürlich. In Österreich führt die Firma ARA dieses Sammelsystem.  Wir beziehen den Hauptteil des Schrotts aus Deutschland. Im Radius von 500 km gibt es dort sehr viele Industriebetriebe. Doch die Sache muss sowohl von der Logistik als auch vom Transport her machbar sein. Wenn es hochqualitativen Schrott gibt und wir ihn brauchen, holen wir ihn sogar aus dem Mittleren Osten. Wir sind auch die Einzigen, die jede Art von Schrott verarbeiten können.
Industrielle Aluminium-Produkte  gibt es eigentlich erst seit dem Ersten Weltkrieg. Drei Viertel des jemals produzierten Aluminium sind noch immer im Kreislauf.

Die Neuproduktion erfolgt durch Alouette, eine Aluminiumschmelze in Kanada, an der die Amag mit 20 Prozent beteiligt ist. 
Bei der Produktion in Kanada haben wir den Vorteil, dass der Strom günstig von der Wasserkraft kommt.   Es ist ein einmaliger Standort.  Hochseetaugliche Schiffe können das Werk anfahren, es müssen ja jährlich zwei Millionen Tonnen Tonerde hintransportiert werden. Alouette produziert derzeit 600.000 Tonnen Aluminium.    Wir haben im Oktober des vergangenen Jahres  ein „memorandum of understanding“ zur Versorgung mit elektrischer Energie unterzeichnet. Darin sind unter anderem die Parameter geregelt, dass die Stromversorgung bis 2041 gesichert ist.  Geplant ist die Erhöhung des Ausstoßes der Alouette auf bis 930.000 Tonnen.

Die AMAG ist seit vergangenem Jahr an der Börse. Was hat sich dadurch verändert?
 Der Börsegang war für uns ein schöner Erfolg. Wir konnten dadurch verhindern, dass das Unternehmen an einen strategischen Investor verkauft wurde, denn  dann   hätten wir unsere  Unabhängigkeit und Selbstständigkeit verloren.  Wir wären dann ein Standort  von vielen gewesen. Das wollten wir nicht, denn die Entscheidungen wären irgendwo im Ausland  und nicht hier in der Region gefallen. Die AMAG war und ist höchst erfolgreich. Wir haben selbst in der Krise  hervorragende Ergebnisse geschrieben.  Wenn wir heute zurückdenken, freuen wir uns jeden Tag darüber, dass der Börsegang gelungen ist.

Mit dem derzeitigen  Börsenkurs von 16 Euro sind Sie zufrieden?
Nein, ich bin  nicht zufrieden. Ich habe immer gesagt, dass die AMAG keine Spekulationsaktie ist. Wir leiden derzeit unter der allgemeinen Börse-Schwäche. Während die  österreichische Börse im ATX 35 Prozent verloren hat, haben wir  seit dem Start im April 2011  nur 10 bis 12 Prozent verloren. Aber unsere Aktien werden kommen. Die Analysten sagen, ein fairer Wert wäre 22 bis 25 Euro. Wir haben 2010 ein Rekordjahr hingelegt. Wir werden es 2011  nochmals übertreffen.
Der Bezirk Braunau floriert, obwohl er eine Randregion in Oberösterreich ist. Was sind die Gründe?
Der Bezirk hat schwierige Zeiten hinter sich, vor allem als die AMAG noch verstaatlicht war.  Seit der Privatisierung ist das Unternehmen wieder herzeigbar.
Zum zweiten haben die Innviertler eine besondere Qualität. In Bezug auf Firmenloyalität und Engagement. Diese Qualität sucht ihresgleichen. Hier gibt es   zweifellos ein regionales Gefälle. Die Menschen sind sehr motiviert.  Wie wir wissen, sind die Innviertler ein bisschen stur.   Aber wenn der Innviertler sagt, er macht es so, dann macht er es so.
 Dazu kommt der Lernwille.  Wenn ich unsere Leute vergleiche mit jenen unserer Mitbewerber weltweit, dann muss ich feststellen,   dass es die Verbundenheit mit dem Unternehmen wie bei uns dort nicht gibt.

Finden Sie in der Region noch genügend  ausgebildete Arbeitskräfte?
Es geht noch. Wir haben eigene Ausbildungssysteme entwickelt. Problematisch  wurde es voriges Jahr  zum ersten Mal bei den Lehrlingen. Die  Schulausbildung  war teilweise so unzureichend,  dass wir sie nicht nehmen konnten.  Sie können teilweise nicht rechnen oder  schreiben. Wir haben das Kontingent von 20 Lehrlingen voriges Jahr nicht aufgefüllt.  
 Wir sind gezwungen, innerbetrieblich fast ein Schuljahr anzuhängen, um sie  höher zu qualifizieren.

Verlorene Jahre

21. Januar 2012

Kenneth Rogoff redet Klartext. Mit der heutigen Politik sei Europa auf dem besten Weg, sich ein verlorenes Jahrzehnt einzuhandeln. „Griechenland, Portugal, Irland und wahrscheinlich auch Spanien sind insolvent und benötigen einen Schuldenschnitt“, sagt der einflussreiche Professor für Volkswirtschaftslehre an der Harvard University  bei Boston im Interview mit der  Schweizer  Zeitung Finanz und Wirtschaft.  Die Länder bräuchten eine Entschuldung, mit Wachstum sei  eine Lösung  nicht möglich.

Harte Kritik

 Jemandem ein verlorenes Jahrzehnt zu prognostizieren, ist eine harte Sache, eine harte Kritik.  Doch wenn wir ehrlich zu uns selbst sind und auf die vergangenen  Jahre in Österreichs Politik zurückblicken, stehen wir da nicht auch vor verlorenen Jahren?   Was hat sich  bewegt, welche Probleme wurden gelöst?   Das Pensionsproblem? Die Verwaltungsreform? Das Gesundheitswesen? Die Sanierung des Staatshaushaltes? Nichts von alledem. Ganz im Gegenteil. Die Situation hat sich verschlechtert.  Die Verschuldung stieg von 60 Prozent auf 75 Prozent des    Bruttoinlandsprodukts. Die große Koalition hat ihre  Hausaufgaben nicht gemacht.

Too late, too little

Jetzt, wo uns das Wasser bis zum Hals steht, will die Regierung  erste Maßnahmen setzen. In den Augen der internationalen Investoren sind wir bereits zweitklassig. Man braucht kein großer Prophet zu sein, um zu wissen, wie ihr Urteil  lauten wird.  „Too late, too little“,  sagen die Amerikaner über Europas Handeln.  „Too late, too little“ werden wohl auch die Maßnahmen der Koalition sein.

Ehrenzeichen

21. Januar 2012

Ehre, wem Ehre gebührt. Aber gebührt jedem ein Ehrenzeichen? In der Politik offensichtlich schon.  Sämtliche ausgeschiedenen Landespolitiker gingen Dienstagabend mit  einem Kreuz aus Gold oder Silber nach Hause.  Verdienste?  Die eine hatte eine rechtzeitige Gesundheitsreform verhindert.  Die andere hatte ihre Mitarbeiter schlecht behandelt. Aber alle wurden belobigt,  denn sie hatten ihre Jahre abgedient und keine silbernen Löffel gestohlen. Je höher die Position, umso größer das Ehrenzeichen. Für   Leute, die sich jahrzehntelang an der Basis  abrackern und keine fünfstelligen Monatsgehälter beziehen,   sind kleine  Auszeichnungen vorgesehen. Die Ernennung zum Konsulenten zum Beispiel.
Im Kanzleramt geht es ähnlich zu.  Einem Medienmanager, der hierzulande  12    Kaufzeitungen in kleinformatige Anzeigenblätter umgewandelt hat,  wurde von Werner Faymann das Große Ehrenzeichen der Republik angeheftet. Begründung:  Der  Tiroler  fühle     sich der Qualität im Journalismus besonders verpflichtet. Was werden sich da die Leser und die vielen gekündigten Mitarbeiter denken?

Anschober: “Viele Männer sind Leichtgewichte”

18. Januar 2012

Rudi Anschober (51) ist seit 2003 Mitglied der Landesregierung. Von 1990 bis 1997 saß der Grüne im Nationalrat, von 1997 bis 2003 im Landtag. In der OÖ-Beilage des Kurier führte ich mit ihm zu aktuellen Themen ein Interview.

Frage: Ich wünsche mir  so manches Mal Alexander van der Bellen an die Spitze der Grünen zurück. Geht es Ihnen nicht auch so?
Rudi Anschober: (lacht) Nein, mir geht es nicht so. Van der Bellen ist ein guter Freund, Eva Glawischnig  ebenfalls eine gute Freundin. Sie macht das hervorragend, obwohl der Übergang kein einfacher war.  Van der Bellen  hat die Grünen auf seine Art geprägt und ihr Spektrum erweitert.  Glawischnig ist die nächste Erweiterungsstufe.  Sie hat meine volle Unterstützung. Wenn es da oder dort so billige Kritik und Zurufe aus der Region gegeben hat, ist das nicht unsere Sache. Wir reden uns das aus, es gibt eine sehr gute Teamarbeit. Mit Stefan Wallner gibt es auch eine sehr starke Bundesgeschäftsführung. Der Vorbereitungsprozess für die Wahl 2013 läuft sehr gut.  Wir haben die Chance eine Regierungsbeteiligung zu erreichen.

Frage: Ist  Glawischnig nicht ein politisches Leichtgewicht?
Anschober: So eine Formulierung halte ich für frauenfeindlich, weil es kein Zufall ist, dass solche  Formulierungen einer Frau gegenüber getätigt werden.   Bei Männern höre ich das viel seltener, obwohl sehr  viele Männer ziemliche Leichtgewichte sind.  Wenn wir uns die  großen Krisen in Österreich und in der Welt anschauen, dann waren es die Männer, die uns in diese Zustände gebracht haben.

Frage: Mit Frauen an der Spitze wird die Welt besser?
Anschober: Das muss nicht unbedingt sein, aber ich halte von einer gleichberechtigten Vertretung von Frauen sehr, sehr viel. Das ist auch ein Schritt zu einer vielseitigeren Politik, weil Frauen oft andere Zugänge haben als Männer.

Frage: Die Grünen haben sich den Altparteien angenähert. Abgeordnete wie Peter Pilz oder Karl Öllinger sitzen schon viele Jahre auf ihren Mandaten. Man glaubt es kaum, dass es bei den Grünen einmal ein Rotationsprinzip gegeben hat.
Anschober: Wenn man von einem Peter Pilz immer dasselbe hört, ist das positiv, denn es gibt keinen Zweiten, der so viele Skandale aufgedeckt hat wie er. Jetzt gemeinsam mit Gabi Moser. Wir sind auf einem sehr guten Weg, im heurigen Jahr diese Serie von Korruptionsfällen aufzudecken.  Damit sich dieser Mief und die Korruption aus der Zeit der schwarz-blauen Koalition  nicht wiederholt. Wichtig ist die Mischung aus Bewährtem und Neuem. Bei der Nationalratswahl 2008 haben wir unser Parlamentsteam zur Hälfte ausgetauscht.

Frage: Die Grünen lehnen den Linzer Westring ab. Sollen die Einpendler aus dem Bezirk  Rohrbach zu Fuß oder mit dem Rad nach Linz  anreisen?
Anschober: Die Alternative in allen Großstädten in Europa ist ein attraktives  öffentliches Verkehrsangebot.  Damit man schneller und preisgünstiger zum  Arbeitsplatz kommt. 

Frage: Dieses Angebot gibt es nicht.  Was soll  der Pendler  aus Ulrichsberg oder  Julbach machen?
Anschober: Das ist genau das Problem, dass es an öffentlichen Verkehrsmitteln mangelt. Im ländlichen Raum hat ja das Auto seine Berechtigung. Es wird in Richtung Elektromobilität gehen. Aber diese einseitige Fixierung  auf die Straße ist keine Perspektive und hat keine Zukunft. Wir zahlen beim Westring für 4,5 km Straße 700 Millionen Euro. In Zeiten, wo überall gespart wird, muss es hier eine Verschwendungsbremse geben. Dieses Geld soll in eine Ausbauoffensive für den öffentlichen Verkehr investiert werden. Wir könnten mit den 700 Millionen ein S-Bahn-Netz für den Großraum Linz schaffen. In Schweizer und in deutschen Städten benutzen 30 bis 45 Prozent öffentliche Verkehrsmittel. Weil sie  attraktiv sind. Wir in Linz haben 17 Prozent.  Diesen Anteil könnten wir verdoppeln. Damit würden sich auch die Staus auf den Straßen auflösen. Derzeit zwingt die Politik die Pendler ins Auto. Ich will Wahlfreiheit.

Frage: Sie sprechen von einem S-Bahn-System.  In Großraum Linz ist aber der Ausbau der Straßenbahnen geplant.
Anschober: Das S-Bahn-Netz ist langfristig die spannendere Alternative. Denn die Frage ist, wie rasch kann  ich mit einer Straßenbahn eine Region erreichen?  Die Zeitfrage ist im Wettbewerb mit dem Auto eine mitentscheidende.

Frage: Die Grünen sind autobahnfeindlich. Sie sind gegen  den Westring und gegen den dreispurigen Ausbau der Innkreis-Autobahn.
Anschober: Dass der dreispurige Ausbau nicht kommt, haben wir gemeinsam mit Franz Hiesl beschlossen.

Auf Ihren Druck hin. Hiesl sagt, er ist Landesrat für den Straßenbau und nicht für die Straßen-Verhinderung.
Tatsache ist, dass wir es gemeinsam  beschlossen haben. Wir können die Probleme nicht lösen, indem wir die Straßen immer breiter machen. Eine Konsequenz ist, dass wir ständig steigende Feinstaubwerte haben und dass die Kinder gesundheitliche Probleme bekommen. Wir müssen lernen, dass  jetzt der öffentliche Verkehr ausgebaut werden muss. 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung hat kein Auto. Das, was in der Schweiz machbar ist, müssen wir doch auch schaffen.

Frage: Wie geht es Ihnen mit Ihrem Koalitionspartner ÖVP?
Anschober: Die Bundes-ÖVP ist in einem katastrophalen Zustand. Die Kooperation auf Landesebene ist korrekt. Es herrscht eine  Kultur der Zusammenarbeit. Das unterscheidet Regierungen mit grüner Beteiligung von jenen ohne Grüne. Das werden wir im Wahlkampf  sichtbar machen. Die Zusammenarbeit ist ein tägliches Ringen, aber das ist normal. Es bewegt sich in die richtige Richtung.

Frage: Wo merkt man die Handschrift der Grünen?
Anschober: Ohne Grüne hätte es nie eine Energiewende gegeben, es hätte keine Joboffensive für 38.000 grüne Arbeitsplätze gegeben.  Grüne Technologien sind die Leitindustrie des 21. Jahrhunderts. Es würde ohne Grüne keine Einspar- und Effizienzprogrogramme im Energiebereich geben. Oberösterreich ist hier inzwischen eine Modellregion in Europa.

Frage: FP-Obmann Manfred Haimbuchner kritisiert, es werde im Bereich der Alternativenergien zu viel und zu lange gefördert.
Anschober: Er will mit allen Mitteln, das Rad der Zeit, das wir vorangetrieben haben, zurückdrehen. Er will zurück in die 1960er-Jahre. Ein Zurückschrauben der Standards hätte das bedeutet, dass man Wohnen teurer macht.  Mittelfristig erspare ich mir mit energetischen Standards Energiekosten.  Sozialer Wohnbau ist inzwischen ökologischer Wohnbau.

Frage: Steckt hinter dem Konflikt mit Haimbuchner nicht auch die Auseinandersetzung, wer nach 2015 Koalitionspartner der ÖVP wird?
Anschober: Wir haben in Oberösterreich  das Proporzsystem, das ich für völlig falsch erachte. Das war ein gutes Modell in der Zeit des Wiederaufbaus, aber man muss es demokratiepolitisch modernisieren. SPÖ und FPÖ lehnen die Abschaffung leider ab. Wir wollen hier politischen Druck machen.
Ich denke noch nicht an die nächste Wahl, es stehen noch dreieinhalb Jahre viel Arbeit an

Österreich hat den Tritt in den Hintern bekommen, den es verdient hat

14. Januar 2012

Österreich definiert sich stark an der Durchschnittsposition. In allen Bereichen.“ Das sei für ihn,  Markus Hengstschläger, die Überraschung des vergangenen Jahres gewesen. Diese Erkenntnis des Gentechnik-Wissenschafters  und  Vorsitzenden  der academia superior deckt sich mit  Aussagen anderer  Beobachter.  „Man hat so das Gefühl, Österreich sandelt  langsam, aber sicher ab“,  meinte ein befreundeter Arzt  beim Silvestergespräch. 

Ansehensverlust im Ausland

Diese Selbsterkenntnis wird von den internationalen Beobachtern geteilt. Viele Auslandsinvestoren zogen ihr Geld von   der Wiener Börse ab,   was zu den exorbitant hohen Verlusten von 35 Prozent führte. Österreich muss bereits mehr als ein Prozent höhere Zinsen für die Staatsschulden zahlen als die Deutschen, was die Steuerzahler  Milliarden kostet. Nun haben wir auch noch das Tiple-A-Rating verloren.

Die Deutschen haben uns wieder überholt

Vorbei sind die Zeiten, als die Deutschen   neidvoll nach Österreich blickten.   Vor rund zehn Jahren siedelten sich Manager und Betriebe   des Grenzgebiets auf der österreichischen Seite  an,  weil der kleine Bruder  als innovativer galt.  Die EU hat uns auch hinsichtlich der Innovationskraft in die  zweiten Reihe eingeordnet.
Erstklassig sind die Deutschen, wir nicht mehr.  
Darüber zu lamentieren  hilft nicht weiter. Es gilt, die Einstufung  in  die Zweitklassigkeit hinzunehmen und zu versuchen, die Erstklassigkeit zurückzuerobern.

Nur die Unternehmen sind erstklassig

Viele Unternehmen sind es, sie spielen in der Weltliga mit. Die Bundespolitik und viele andere Bereiche  haben enormen Handlungsbedarf. Österreich hat jenen  Tritt in den Hintern bekommen, den es verdient hat.  
Die Bequemlichkeit ist damit  zu Ende.

Schattenseiten

14. Januar 2012

Der Ober-Österreicher meint, er sei ein besonderer  Menschenschlag. Würden alle in Österreich so sein wie er, wäre die Welt in Ordnung. Gemäß dem Motto:  Am oberösterreichischen  Wesen soll    die Welt genesen.
Doch dieses Lichtwesen zeigt auch Schattenseiten. Manche pflegen  die   Art des Schlechtredens.  Vor einigen Jahren wurde einem Manager   ein uneheliches Kind nachgesagt.  An allen Stammtischen und  in Friseurläden wurde dieses Gerücht als ultimative Wahrheit verbreitet.  Aber bis heute ist  das Kind nicht aufgetaucht.  Über einen Politiker wurde  erzählt, eine   Bürgermeisterin sei schwanger von ihm, er lasse sich scheiden und   sei  zu Hause ausgezogen.  Der Mann wohnt aber noch immer bei seiner  Frau und seinen Kindern,  die schwangere  Ortschefin wurde auch nicht gefunden.
Warum richten Menschen andere aus? Die einen fühlen sich erhöht, wenn sie andere  erniedrigen. Manche   wollen sich wichtig machen, indem sie so tun,  als seien sie mit den  Oberen  auf Du und Du.  Wer jedoch Lügen weitererzählt, macht sich genauso schuldig wie ihre Erfinder.

FPÖ-Haimbuchner: “Wir können uns das alles nicht mehr leisten”

09. Januar 2012

 

Manfred Haimbuchner (33) ist Landesobmann der FPÖ Oberösterreich und  Landesrat. Das nachfolgende Interview wurde am Sonntag, 8.1.2012 im OÖ-Kurier veröffentlicht. 

Frage: Sie verfolgen einen anderen Kurs als Ihr Bundesparteiobmann Strache. Sie sind kein Schreihals, sondern ruhiger und sachorientierter.
Manfred Haimbuchner: Jeder hat seine eigene Persönlichkeit. Ich habe meinen eigenen Hintergrund. Ich bin Mitglied der Landesregierung und habe Verantwortung zu tragen. Diese Chance, etwas umzusetzen, sollte man nutzen.

Frage: Ihr Vater war 24 Jahre lang Bürgermeister von Steinhaus. Hat Sie das geprägt?
Ja, es prägt einen. Mein Vater ist für mich ein Vorbild. Sowohl von der Lebensweise her als auch in der Art der Politik. Er war immer loyal zu allen Parteiobleuten. Aber Loyalität ist etwas anderes als Opportunismus, auch in der eigenen Partei. Oberösterreich war immer ein Kernland des national-liberalen Lagers. Dem fühle ich mich  verbunden.

Frage: Sind Sie eher national oder liberal?
Diese Flügel gibt es nicht mehr wirklich. Ich bin national-liberal, weil ich ein Patriot bin. Im Sinne der Subsidiarität  sollten wir die Probleme im eigenen Land lösen. Da bin ich auch Föderalist. Leider verwechseln heute viele liberal mit neoliberal. Manche sagen, wir leben in einer Gesellschaft, die noch nie so frei war. Dabei haben wir eine überbordende Bürokratie. Wir waren im Vergleich zu den vergangenen Jahrzehnten noch nie so unfrei wie jetzt. Alles wird vorgeschrieben. Das Denken der Freiheit, der Eigenverantwortung und des Leistungsprinzips gibt es nicht mehr.  Es gibt einen überbordenden sozialistischen Gedanken in allen Lagern.  Unter dem Deckmantel der Daseinsvorsorge wird alles planiert. Unter dem Titel Gleichberechtigung gibt es Diskussionsverbote.

Frage: In welchen Bereichen sollte der Einzelne den Staat ablösen?
Überall dort, wo Eigenverantwortung gefragt ist.   Man kann nicht erwarten, dass der Staat alle Sozialleistungen zur Verfügung stellen kann. Zum Beispiel bei der Pension. Man ist auch selbst dafür verantwortlich. Auch im Bereich des Wohnens. Man kann nicht erwarten, dass man sich eine 120-Quadratmeter-Wohnung leisten kann, wenn man nur ein geringes Einkommen hat. Jeder ist für sein Leben selbst in einem gewissen Ausmaß verantwortlich. Der Staat soll jene unterstützen, die unverschuldet in eine Schieflage kommen. Das Anspruchsdenken muss reduziert werden, denn sonst sind alle Parteien nur mehr sozialistische.

Frage: Der Staat kann sich manche Dinge sowieso nicht mehr leisten.
Aber wir tun so, als ob es sich der Staat leisten könnte. Es ist purer Linksopportunismus, wenn man so tut, als sei alles möglich. Es wird zu viel und zu lange gefördert. Zum Beispiel bei den Alternativenergien wie Biomasse. Ich bin  dagegen, dass das Land drei Jahre lang den Kindergarten zahlt. Wir können uns das nicht leisten. Nur das Jahr vor dem Schuleintritt soll gratis sein. Ich wehre mich gegen die Anspruchsgesellschaft, dass alles gratis sein muss. Bei den Schulbüchern sollte man auch überlegen, ob sie jedes Jahr neu sein müssen. Ich bin auch für Studiengebühren.   Alles soll etwas  kosten, damit transportiert wird, dass das  etwas wert ist. Die Zeit des billigen Geldes ist vorbei. Wir haben eine Schuldenkrise. Wir können uns das alles nicht mehr leisten.

Frage: Ihre Vorstellungen führen dazu, dass der Mittelbau keine Förderungen mehr bekommt.
Hier wäre ein anderes System viel besser.  Man sollte alle Förderungen und Transferleistungen durchforsten und fragen, ob es nicht sinnvoller wäre, stattdessen die Steuern massiv zu senken.  Heute muss man das Geld hergeben und dann Danke sagen, wenn man eine Förderung bekommt. Die Staatsquote von mehr als 50 Prozent ist viel zu hoch.

Frage: Was stört Sie am Musiktheater?
Die Oberösterreicher haben in einer Volksbefragung dagegengestimmt. Man negiert den Willen des Bürgers vollkommen. Wir können es uns auch nicht leisten. Das Genussscheinmodell wird den zukünftigen Landeshauptleuten noch viel Sorge bereiten. Es gibt einen Ausspruch des Linzer Bürgermeisters Dobusch: Wir haben Kultureinrichtungen einer Millionenstadt. Aber Linz ist keine Millionenstadt. Man hätte auch das bestehende Landestheater ausbauen können. Das neue Gebäude an der Blumau hat etwas von Großmannssucht.

Frage: Gemeindezusammenlegungen wären  sinnvoll. Aber die  Bürger stimmen mit Nein.
 Das stimmt nicht. Weyer ist ein positives Beispiel. In der Schweiz macht man seit vielen Jahren sehr erfolgreich Gemeindezusammenlegungen. Bei uns haben sich die Politiker von den Bürgern entfernt. Die Politik gibt etwas vor und die Leute habe es zu akzeptieren. In der Schweiz scheitert jede Initiative, die  nicht genau erklärt werden kann. Wenn man nicht ein klares Konzept hat,  wird es scheitern. Bei uns wird überhastet gehandelt und man ist nicht aufklärerisch tätig. Die Negativabstimmung in Hagenberg war blanker Schwarz-Weiß-Populismus. Man müsste den Bürgern schon sagen, was es kostet, was es bringt und was man  Neues schaffen könnte. Die Weltoffenheit mancher Kommunalpolitiker ist von der Größe eines Bierdeckels.

Frage. Wann werden Sie heiraten?
(lacht) Ich bin jetzt 33 und werde sicher heiraten, es aber Ihnen nicht als Erstem bekannt geben. Ich bin ein christlicher Mensch und werde meine Lebensgefährtin  ehelichen. Ich mag geordnete Verhältnisse.

An den Kunden vorbei

07. Januar 2012

Schauplatz Linzer Hauptbahnhof, Freitag,  6. Jänner, 10 Uhr Vormittag. Viele sind unterwegs, die  Cafés sind gut besucht, die Geschäfte  geöffnet, nur der Leberkas-Pepi hat zu.  Im Spar-Markt drängen sich die  Leute und treten sich gegenseitig  auf die Füße.  Ständig stößt man ungewollt  andere an. Kein Wunder.  Es ist  Dreikönigstag und an katholischen Sonn- und Feiertagen sind nur 80 Quadratmeter Verkaufsfläche erlaubt.
Das Angebot ist dadurch natürlich massiv beschränkt. Nach Ansicht der Landesregierung sollte es auch nur das Nötigste geben: ein Wurstsemmerl und ein Kracherl für die Zugfahrt. Frisches Gebäck, Obst, Gemüse und Fleisch müssen  nicht sein. Dem Kaufrausch soll Einhalt geboten werden, die Menschen sollten die Zeit mit ihren Familien verbringen und in die Kirche gehen. Die Frauen sollen zu Hause kochen, dann  steht auch Frisches auf dem Tisch.
Die Realität ist natürlich längst eine andere. Man will etwas einkaufen, weil man während der Woche darauf vergessen hat. Ober weil man beispielsweise  Zeit hat. Die Beschränkung  ist überholt. Und auch absurd. Die McDonald’s-Filiale ist viel größer als der Sparmarkt. Die Buchhandlung muss ihre Fläche ebenfalls auf 80 Quadratmeter reduzieren, die gegenüberliegende Zeitschriftenhandlung nicht. Die Flächenbeschränkung passt längst nicht mehr zu einem Bundesland, das sich ob seiner Wirtschaftskraft gern selbst auf die Brust klopft.

Linzer Opferstöcke

06. Januar 2012

Linz ist eine Musterstadt. Bürgermeister Franz  Dobusch hat Recht. Als jahrzehntelanger Bewohner der Landeshauptstadt erlaube ich mir, eines  zu behaupten. Am perfektesten funktioniert die Kontrolle der parkenden Autos. Hat man die  Parkzeit  15 bis 20 Minuten überzogen,  kann man sicher sein, einen Strafzettel an der Windschutzscheibe vorzufinden.
      Schlecht bis gar nicht  vorhanden ist das Service  für die  Autofahrer.  Wirft  man eine 2-Euro-Münze  in den Automaten, fällt sie durch.   Ärgerlich ist das.   Wenn  kein Geschäft zum Geldwechseln in der Nähe ist,  hat man Pech.  So wie ich diese Woche.   Nachdem ich mit der 2-Euro-Münze gescheitert bin, warf ich die 70  Cent, die ich noch bei mir trug,  in den Automaten.  Der Termin dauerte eine Stunde. Als ich zurückkam, war ich Besitzer einer  Organstrafverfügung  des Finanzrechts- und Steueramtes  in der Höhe von 21,80 Euro.
Als zahlender  Kunde würde ich mir  Automaten wünschen  wie jene   beim Eingang zur  Toilette am Hauptbahnhof. Das Äußerln  kostet 50 Cent,  der Automat gibt  auf 2-Euro-Münzen heraus.   Darüber hinaus habe ich zwei Visionen.  Erstens: Dass man mit der Bankomatkarte zahlen kann und dass zweitens oberösterreichweit alle   Parkomaten gleich sind. Ist das zu viel verlangt?  Der Städte- und der Gemeindebund könnten hier  mit einer Lösung berühmt werden.  Wir Autofahrer sind  eh bescheiden.  Wir wollen ja zahlen, aber ein  bisserl ein Service hätten wir schon gern.

Christian Wulff – Ein Kaiser ohne Kleider

05. Januar 2012

Er hat viel geredet, sich entschuldigt und gewarnt, dass niemand mehr Politiker werden wolle. Der deutsche Bundespräsident  Christian Wulff hat bei seinem Fernsehinterview (Bild: morgenpost.de) nicht überzeugen können. Er konnte seine Glaubwürdigkeit nicht wieder herstellen. Er präsentierte sich als Politiker, wie es sie zu Hauf gibt: als Mann, der es sich richtet so gut wie er kann. Und wenn er kritisiert wird, reagiert er mit einer Mischung aus Beleidigtheit und Weinerlichkeit.

Darf ein Ministerpräsident nicht auch mit Freunden kochen?

Natürlich darf ein Politiker Freunde haben und mit ihnen gemeinsam kochen und den Urlaub verbringen. Zufällig sind halt alle diese Freunde ziemlich reich und begütert. Natürlich darf sich ein Ministerpräsident einen Privatkredit bei einem gut betuchten Ehepaar nehmen. Dass diese Leute dann halt in seiner Entourage sind, wenn er ins Ausland fährt, ist reiner Zufall und hat mit seinem Privatkredit nichts zu tun. Natürlich darf ein Bundespräsident mit einem Chefredakteur diskutieren. Aber bedrohen und unter Druck setzen darf er ihn nicht. Umgekehrt dürfen auch Chefredakteure weder Politiker noch Geschäftsleute bedrohen oder unter Druck setzen. Das soll ja auch nicht so selten vorkommen.

Ohne Amt würde er so klein erscheinen wie er tatsächlich ist

Wulff wird nun versuchen, die Affären auszusitzen. Wie es halt der Großteil der Politiker macht. Dafür hängt er zu viel an seinem Amt. Eines ist jedenfalls klar. Der deusche Bundestag hat den falschen Präsidenten gewählt. Wulffs damaliger Gegenkandidat Joachim Gauck wäre ein ganz anderes Kaliber. Er hat sich nicht nach oben gewunden und gedreht, er hat sich glaubwürdig und mit Verzicht auf eine persönliche Karriere in der DDR für demokratische Verhältnisse eingesetzt.  Er ist glaubwürdig, Wulff ist es nicht. Hätte er Mumm, würde er die Konsequenzen ziehen. Doch diesen Mumm hat er nicht. Er klammert am Präsidentenamt fest. Er fürchtet, dass er ohne Amt so klein erschienen wird wie er ist. Davor graut ihm. Doch er wird ein Kaiser ohne Kleider bleiben.

Wie wird der Sex im neuen Jahr, Frau Kuhn?

02. Januar 2012

Gabriele Kuhn ist die beste Sexkolumnistin Österreichs. Jeden Samstag verfasst sie im KURIER-Freizeitmagazin ihre Glosse „sex IN DER FREIZEIT“. Die 50-jährige Journalistin ist Leiterin des Ressorts  Leben.

Frage: Wie wird der Sex 2012, Frau Kuhn?
Gabriele Kuhn: (lacht) Gute Frage.  Es wird so, wie es immer war.

Frage: Sollte es nicht besser werden?
Kuhn: War es so schlecht vorher?

Wie wird die Beziehung im neuen Jahr?

Frage: Zu Jahresbeginn hat man Vorsätze und man erwartet sich, dass sich die Dinge zum Besseren wenden.
Kuhn: Ich würde es ausweiten auf die Frage, wie wird Beziehung im neuen Jahr? Es auf Sex zu reduzieren ist ein bisschen wenig. Ich habe ein Problem damit, wenn Sex und Beziehung getrennt werden.  Es wäre  ganz wichtig, wenn die Menschen mehr am Miteinander arbeiteten. Wenn man  mehr in die Tiefe geht und die Bedürfnisse des anderen Geschlechts kennt, könnte es besser werden.
Die Finanzkrise wird  sich  über das Jahr erstrecken. Sexualität  spielt in Krisensituationen eine stärkere Rolle. Der Mensch ist noch immer evolutionsbiologisch gesteuert.  Das belegen  Untersuchungen. Als das World Trade Center im September 2001 zerstört wurde,   gab es mehr diesen desperate sex, also dieses Einander-Nahesein.

Über die Wünsche reden

Frage: Was macht guten Sex aus?
Kuhn: Es ist wichtig, zu definieren, was  guter Sex für mich ist.  Und dass man mit dem Partner darüber spricht. Was willst du, was will ich, wie können wir einen gemeinsamen Nenner finden? Ich rede hier von Sex in Langzeitbeziehungen. Der erste Sex, den man mit jemandem hat, ist ein eruptives Gesamtgeschehen. Das muss nicht gut ausgehen, das kann auch ein ziemlicher Flop sein.
Die Menschen neigen dazu, sich viel zu denken, aber nichts zu sagen. Das ist schlecht. Jeder hegt seine geheimen Wünsche   und denkt sich am anderen vorbei.
Sex ist Intimität im Sinn  von sich aufeinander einlassen. Wir sind alle extrem kopfgesteuert.   Dieses Sich-Aufeinander-Einlassen bedingt auch, loslassen zu können. Das Hirn ausschalten und was passiert, das passiert. Mehr Entspannung, sich fallen lassen. Das ist schwierig in Zeiten, wo ein jeder Leistung bringen muss.

Frage: Das bedeutet gleichzeitig erhöhte Verletzlichkeit.
Kuhn: Das geht einher, das ist sicher so. Sich dem anderen öffnen, bedeutet Verletzlichkeit, dazu gehört Vertrauen. 

Sich aufeinander lassen

Frage: Worum geht es beim Sex wirklich?
Kuhn: Sich aufeinander einlassen. Auf die Visionen und Wünsche des anderen, auf das Wesen Mensch, auf die eigenen Gedankenwelten. Das ist schon auch ein bisserl metaphysisch. Nicht nur bunga, bunga  (lacht).

Frage: Manche halten Sex für eine Triebbefriedigung wie Essen.  
Kuhn: Es ist wahrscheinlich für viele Triebbefriedigung. Aber wenn man es höher dreht und es auf eine lange Zeit befriedigend erleben will, ist es mehr.

Seitensprünge

Frage: Meine Fitnesstrainerin interessiert, ob ein Seitensprung tatsächlich so amoralisch ist wie er hingestellt wird.
Kuhn: Moral ist immer etwas, was man für sich definiert. Ein Seitensprung ist schwierig in einer Beziehung und auch schwierig zu verarbeiten. Ich versuche hier immer, den einmaligen Ausrutscher und die  dauerhaften Außenbeziehung auseinanderzuhalten.
Ein Ausrutscher kann passieren, Fehler machen wir alle. Wenn aber jemand eine dreijährige Nebenbeziehung hat, wird das schwierig.  Da erfüllt ein Dritter etwas, was die bestehende Beziehung nicht erfüllt. Es werden Mankos aufgedeckt. Was kann ich nicht geben, was der andere in der Tiefe sucht?  Bei einem einmaligen Ausrutscher sollte man sich schon überlegen, ob das  Ende einer langjährigen Beziehung  sein soll.  Hier versuche ich, zur Toleranz anzuregen. Wichtig ist, dass man als Betroffener über die Verletzungen spricht, die auftreten.  Zu sagen, jetzt ist Schluss, ich will dich nie mehr wiedersehen,    ist nicht die richtige Lösung.
 Anders ist es bei Langzeitaffären.  Da sollten  Nachdenkprozesse einsetzen. Das ist schon eine große Verletzung. 

Frage: Genügt seelische Treue nicht?
Kuhn: Nein, die reicht nicht. Es stellt sich immer wieder die Frage, ob der Mensch überhaupt treu sein kann,  ob das Konzept der Monogamie  auf Dauer hält. Ich glaube nicht. Monogamie ist ein Konstrukt der Kirche, der Gesellschaft. Evolutionsbiologisch ist der Mensch nicht auf Treue ausgerichtet. Weil wir uns vermehren  und der Mann sich verstreuen möchte. Frauen sind eher treu, denn da geht es um Sicherheit. Sie tragen ein höheres Risiko.
Man sollte junge Paare, die heiraten wollen, darauf  aufmerksam machen, dass diese Frage auf sie zukommen wird. Wir haben heute die Wahl. Die Frau hat heute die Möglichkeit, sich zu trennen und eigenständig zu leben.  Junge  sollten sich keinen Illusionen hingeben.  Dass der Märchenprinz und die Märchenprinzessin bis ans Ende  ihrer Tage glücklich zusammen sind, das wird es nicht spielen. Es wird Situationen geben, wo es heikel wird.  Es ist ein wichtiges Thema, wie man  mit Untreue umgeht.  Der Reflex ist bei den meisten Männern und Frauen davonrennen. Solche Krisen sind aber auch eine Chance für eine Weiterentwicklung. Man sucht sich  immer den Partner aus, den man braucht, um sich  weiterentwickeln zu können. Das wissen die wenigsten.  Denn es wird sich beim nächsten neuerlich wiederholen. 

Viele Scheidungen aufgrund von unbefriedigendem Sex

Frage: Was machen Paare, die schon jahrzehntelang zusammen sind? Es ist verständlich, dass sich hier nicht mehr so viel abspielt.
Kuhn: Jede zweite Ehe wird geschieden. Ich behaupte, sie werden geschieden, weil der Sex eine große Rolle spielt. Die Triebstruktur der Männer ist eine viel stärkere. Ihre  sexuelle Ausrichtung ist ähnlich der einer   Autobahn. Bei der Frau ist das ein Höhenstraßenphänomen. Da muss alles stimmen, da darf kein Stress sein. Es müssen optimierte Bedingungen herrschen.
Das Dilemma von Langzeitbeziehungen ist sehr schwierig zu lösen. Es kann dann funktionieren, wenn beide auf einer geistig-spirituellen Ebene eine Weiterentwicklung erleben. Eine Frau kann mit einem Mann nichts anfangen, der halt so einfach funktioniert. Das Experimentieren sollte nie aufhören. Wichtig ist auch die gegenseitige Wertschätzung. 
Es hilft auch, über eigene Fantasien zu sprechen. Die hat jeder. Hier gibt es ein Kommunikationsproblem. Belastend wirkt auch dieses Einrasten im Alltag.

Neujahrsvorsätze

31. Dezember 2011

Es  kommt nicht darauf an,  die Zukunft vorherzusagen, sondern darauf vorbereitet zu sein.“ Das wusste schon der griechische Staatsmann Perikles (490–429 v. Chr.).  So wie angekündigte Revolutionen selten stattfinden, kommt es auch selten zu angekündigten Katastrophen. Es ist ähnlich wie beim Autofahren. Sind die äußeren Umstände aufgrund von Regen oder Schnee schlecht, fährt man vorsichtig und zurückhaltend. Fühlt man sich hingegen sicher und agiert unbedarft, können schwere Unfälle passieren. Gerade weil viele im neuen Jahr den großen Zusammenbruch erwarten, wird es wahrscheinlich  besser laufen als vermutet.

Selbstveränderung ist schwieriger als man glaubt

Gewohnheiten Gar manche gehen mit guten Vorsätzen ins neue Jahr. Das ist lobenswert, aber je mehr Zeit verstreicht, umso geringer ist die Halbwertszeit  der Realisierung. Nur wenigen gelingt es, ihre  Vorhaben konsequent umzusetzen.  Selbstveränderung ist schwieriger, als die meisten Menschen glauben. Anstelle der alten Gewohnheit muss eine neue, bessere treten. Das erfordert Arbeit, Energie, Durchhaltevermögen und Willenskraft. Gehirnforscher gehen davon aus, dass es sechs bis neun Monate braucht, um einen neuen Pfad zu finden, der uns zur Gewohnheit wird. Hilfreich ist es auch, sich nicht zu viel vorzunehmen. Die Selbstveränderung sollte nur auf ein Ziel und auf überschaubare, einfache Schritte begrenzt werden. Damit steigen die Chancen, dass Vorzüglichkeit eine  Gewohnheit wird.

Fritz Roithinger war ein “grundehrlicher Michl”

30. Dezember 2011

Der Tod des Alternativmediziners Fritz Roithinger (72)  kam für mich wirklich überraschend. Noch vor ein paar Wochen habe ich ihn angerufen, um mit ihm den Termin für einen geplanten Vortrag in meiner Heimatstadt Peuerbach zu vereinbaren.  Denn seine Referate fanden unglaublich hohen Zuspruch bei der Bevölkerung. Hunderte von Zuhörern kamen.

Unheilbarer Muskelschwund

Dass er schwer krank war und an nicht heilbarem Muskelschwund litt, hat er verschwiegen. Wer breitet schon gern seine Krankheit in der Öffentlichkeit aus? Dazu kam noch eine Lungenentzündung, die ihn hinwegraffte. Wie mir sein Bruder Ernst, der den elterlichen Hof in Fürth bei Grieskirchen führt, gestern, Donnerstag (29.12.2011) erzählte, war er im November noch sechs Wochen bei einem Wundheiler in Brasilien gewesen. Aber der konnte ihm auch nicht mehr helfen. Er kam in einem schlechteren Zustand zurück als er weggefahren war.

“Ein grundehrlicher Michl”

Fritz Roithinger war ein besonderer Mensch. “Ein grundehrlicher, grader Michl”, sagt sein Bruder Ernst, “das war das Schöne an ihm.” Viele Schwerkranke, vor allem auch Krebskranke, vertrauten ihm und fuhren in seine Ordination nach Kitzbühel. Stets versprühte er gute Laune und Optimismus, er hatte immer einen Schmäh auf Lager.

Er hinterlässt eine nicht zu schließende Lücke.

“Und seien Seele spannte weit ihre Flügel aus und flog durch die stillen Lande als flöge sie nach Hause.”

 Dieses Zitat von Josef von Eichendorff ziert seine Todesanzeige in den OÖN.

Fritz Roithinger wird am Montag, 2. Jänner 2012, in Kitzbühel begraben. Der Gottesdienst beginnt in der Pfarrkirche um 14 Uhr.

Fritz Roithinger: “Man kann die Natur nicht zerstören und Gesundheit erwarten”

29. Dezember 2011

Zum Tod des Alterantivmediziners Fritz Roithinger, der am 26.12.2011 mit 72 Jahren verstorben ist.

Sein Ziel war die die ganzheitliche Medizin. 

Erweckung September 1981

 Franz Roithinger hat es eilig. Am Tag vor der Eröffnung seiner Praxis in Kirchberg in Tirol muss er noch einmal nach Hause fahren, um etwas zu holen. Kurz vor Grieskirchen schläft er am Lenkrad übermüdet ein und wird schwerst verletzt. „Der Gedanke der ganzheitlichen Medizin ist für mich durch dieses Erlebnis viel aktueller geworden. Das Geistige, das Seelische, das Universelle sind von ganz entscheidender Bedeutung.“

Enfant terrible

Fritz ist der mittlere von drei Buben  und wächst in einer kleinen Landwirtschaft (14 Joch) auf. „Ich war  das enfant terrible, denn ich war immer skeptisch, wenn die Erwachsenen doziert haben.“ 1971 macht er die Externisten-Matura und studierte in Wien, Innsbruck und Padua Medizin, das er 1977 abschließt. „Die herkömmliche Medizin hat mich nicht erfüllt, es war immer ein Unbehagen da. Mir fehlte der Hintergrund der Krankheit.“

Ohne Kassen

 1982 eröffnet er seine Praxis in Kirchberg in Tirol. Er  legt er die Kassen zurück, „weil sie eine Medizin unterstützen, die nicht meinen Vorstellungen entspricht. Alles, was alternativ ist, wird verhindert.“ In Ruanda und Uganda  gründet er Häuser für Waisen und ledige Mütter. 1997 verlegt er seine Praxis nach Kitzbühel.  In den vergangenen  Jahren verstärkte er seine   Vortrags- und Seminartätigkeit.

Der Alternativmediziner Fritz Roithinger ist am 26.12.2011 verstorben

29. Dezember 2011

Der Alternativmediziner Fritz Roithinger ist am 26. Dezember 2011 verstorben.

Aus diesem traurigen Anlass gebe ich hier ein Interview wieder, das ich mit ihm Anfang Juni auf seinem Elternhaus in der Ortschaft Fürth bei Grieskrichen (Gemeinde Schlüßlberg) geführt habe und das am 12. Juni im Oberösterreich-Kurier erschienen ist.

Ein Spätberufener 

Der Alternativmediziner Dr. Fritz Roithinger stammt von einem Bauernhof in  der Ortschaft Fürth nahe Grieskirchen und  hat seine Ordination in Kitzbühel. Als gelernter Landwirt war er immer der Natur sehr verbunden, wodurch sein medizinisches Verständnis sichtlich geprägt wurde. Bereits während seines Medizinstudiums, das er mit 31 Jahren nach abgeschlossener Externisten-Matura begann, interessierte er sich für alternative Heilmethoden, da ihm die Schulmedizin mit ihren symptomatischen Heilmethoden zu wenig den Ursachen von Krankheit auf den Grund ging.

“Wir Menschen sind die Verursacher”

KURIER: Zuerst waren die Gurken schuld, dann die Sprossen, aber bis heute kennt man  den Erreger des tödlichen Virus EHEC nicht. Wie sehen Sie diese Epidemie?

Fritz Roithinger: Es sind immer die selben Denkmuster. Man sucht automatisch einen äußeren Schuldigen und denkt nicht daran, dass in erster Linie wir Menschen die Verursacher sind. Über Jahrzehnte hinweg wurden unsere Böden durch Chemie zerstört und die ganze Nahrungsmittel-Aufbereitung nimmt diesen Produkten ihre volle Wertigkeit, was ganz logisch zu einer Immunschwäche des Menschen führt. Die Symbiose Mensch-Natur stimmt nicht mehr.  Da liegt das Problem.
Wenn nun solche Fälle wie der EHEC-Erreger auftreten, vermisse ich den gedanklichen Ansatz, was wir Menschen  falsch machen, dass solche  Vorkommnisse immer wieder passieren müssen. Für den Einzelnen, den Betroffenen, ist das natürlich dramatisch. Wenn  man es im Gesamten betrachtet, ist es wie ein erneuter Hilfeschrei der Natur, endlich für unser Gesundsein Verantwortung zu übernehmen. Wir können nicht die Natur zerstören und Gesundheit erwarten.

Wo wird die Natur zerstört?
Schauen Sie sich die Landwirtschaft an, die chemische Düngung, die Monokulturen! Retortengemüse, das nie gesunden Boden und Sonnenlicht erlebt hat. Ganz zu schweigen von den katastrophalen Missständen in der Tierhaltung. Das kann es ja nicht sein. Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das seine Nahrung vor dem Verzehr zerstört. Somit wird die heilende  Symbiose blockiert.

“Der Mensch ist, was er isst”

Sie betonen, wie wichtig die Nahrung für den Menschen ist. Was soll er essen?
Der Mensch ist, was er isst. Je vollwertiger unsere Nahrung ist, desto mehr Gesundheit können wir erwarten. Ich finde es tragisch, dass dieser Gedanke der Ernährung noch nicht in die Krankenhausküchen  eingeflossen ist. 

Sind Sie Vegetarier?
Nein, aber der tierischer Anteil an meinem Essen ist minimal.

“Der Mensch ist eine Einheit von Körper, Seele und Geist”

Frage: Sie halten den seelisch-geistigen Aspekt des Menschen für ganz zentral.
Die Situation der heutigen  Medizin zeigt sich in erster Linie darin, dass die Technik und die Wissenschaft nicht in der Lage sind, die Ursachen von Krankheiten zu verstehen.  Der Mensch ist eine Einheit von Körper, Seele und Geist. Er ist integriert in seine geistige und physische Umwelt.    In der ganzheitlichen Medizin erfahren wir, das jede Krankheit einen geistig-seelischen Konflikt als Hintergrund hat. Der Körper reflektiert ja nur dieses Bewusstsein. Dort wäre der Ansatz, eine Heilung einzuleiten. Nachdem aber mit der heutigen Technik diese Welt verschlossen bleibt, ist die symptomatische Kompensation durch Chemie in so vielen Fällen die einzige Form von „Heilung“.
Es wäre natürlich falsch, die heutige Medizin mit ihren großen Leistungen in der Chirurgie in Bausch und Bogen abzulehnen.  Trotzdem müssen wir die heutige Medizin komplett neu überdenken. Es sollte endlich zu einem Brückenschlag zwischen der Schulmedizin und den Denkansätzen alternativer Heilmethoden kommen.

“Zutiefst materieller Lebensstil”

   Was sind die Ursachen für die vielen Krebserkrankungen?

Generell betrachtet ist es unser zutiefst materieller Lebensstil. Das ist der springende Punkt. Es ist natürlich tragisch, wenn jemand an Krebs erkrankt und sich voller Hoffnung der Medizin  zuwendet, die leider Gottes nach 40 Jahren intensiver Forschung dieser dramatischen Erkrankung  wenig entgegenzusetzen hat.  Wir wissen darüber  sehr wenig, was die genauen Ursachen in den spezifischen Fällen sind. 
 Für mich ist klar, dass unsere zerstörte Umwelt, die Chemie in der Nahrungsmittelindustrie, etc. zu den Mitverursachern gehören. Zusätzlich sind wir in der heutigen Zeit einem massiven permanenten Elektrosmog ausgesetzt. Wenn man es ganzheitlich betrachtet, ist der geistige Einfluss unserer materialistischen Welt mindestens genauso mitverantwortlich. Der Krebs passiert in Wirklichkeit auf diesen Bewusstseinsebenen. Wir sind leider noch nicht bereit, Heilung auf dieser geistigen Ebene zu verstehen.   Wir müssen endlich verstehen, dass Krankheit eine Korrektur zu neuem Bewusstsein und eine Chance ist, das Lebensmuster neu zu überdenken.

“Es fehlen Liebe, Geborgenheit und Verständnis”

 
Viele Menschen sind heute psychisch-seelisch erkrankt. Wie kann man ihnen helfen?
Die Medizin hat diesen armen Menschen, die in Angst, Einsamkeit und Hoffnungslosigkeit leben, in den meisten Fällen nur Chemie anzubieten. Aber wie soll das funktionieren? Diesen Menschen fehlen Liebe, Geborgenheit und Verständnis. Sie brauchen das Bewusstsein, von ihren Mitmenschen geachtet und geliebt zu werden.
   Mir geht es in erster Linie darum, das zu vermitteln.  Wenn ein Patient zu mir kommt, versuche ich ihm dabei zu helfen, seine Lebenssituation  zu verstehen und anzunehmen, wo er gerade auf seiner Lebensreise ist. Ich versuche ihm  dann die Ursache seiner Krankheit verständlich zu machen, denn nur so können ursächliche Fehler korrigiert werden, damit eine Heilung möglich wird. Es gibt viele Heilmethoden, die den Kranken subtil führen und ihn am Weg zu seine Gesundheit unterstützen.
Mein  Anliegen ist, dass die Menschen Eigenverantwortung übernehmen. Dass wir Gesundheit nicht durch jährliche Check-ups, sondern  durch grundlegende Lebens- und Ernährungsumstellungen erreichen können. Besonders wichtig ist die Würde und Achtung unserer Mitmenschen, die Liebe zur Tierwelt und die tiefe Verbundenheit mit der gesamten Natur.  Unser irdisches Leben hat den Zweck, dass wir uns geistig weiterentwickeln. Wir leben alle in kollektiver Resonanz. Alles wird zum Spiegelbild unseres  Seins.

Ist da jemand?

26. Dezember 2011

Das Christkind war da. Als ich klein war, zeigte miene Mutter beim Fenster hinaus in den nächtlichen Himmel, um uns Kindern zu verdeutlichen, wohin es geflogen ist, nachdem es bei uns unter dem Christbaum in aller Eile und unter Stress die Geschenke abgelegt hatte. Ich bildete mir ein, es fliegen gesehen zuhaben. Heute noch bin ich überezugt, dass es das Christkind gibt. Haben Sie auch das Christkind gesehenß

Ist da jemand? Der frühere Slogan der Aktion Licht ins Dunkel formuliert eine Kernfrage des Lebens. Ist da jemand, der auf mich wartet, der mich akzeptiert, auch wenn ich versagt habe, meinen eigenen Vorstellungen nicht gerecht gewoden bin? Ist da jemand, der mich nimmt, wie ich bin? Gibt es auf diese Frage eine Antwort oder ist da eine Leere?

Es ist gar nicht so entscheidend, wie die Antowrt ausfällt. Wichtig ist, dass es eine Antwort gibt. Ja, da ist jemand.  Antwort bedeutet Akzpetanz. Das macht den Kern des Weihnachtsfestes aus, egal ob gläubig oder nicht. Das ist der Grund, warum wir in diesen  Tagen so emfpindsam sind. Sollte einen Platz haben, woer sich aufgehoben fühlt. Jjeder sollte ein Zuhause haben. Jeder sollte an seinem Platz sein. Friede wäre die Folge.

 

“Das ist doch bittschön nur ein Kriserl”

25. Dezember 2011

“Ach, das ist doch bittschön nur ein Kriserl. Völlig uninteressant. das dauert höchstens ein paar Monate.” Der 82-jährige Schnittenproduzent Carl Manner zeigt sich im KURIER-Interview von den Turbulenzen um den Euro völlig unbeeindruckt. Angesichts dessen, was er in der Zwischenkriegszeit, im Zweien Weltkrieg und in der Nachkriegszeit mitgemacht hat, erscheinen die Wogen um den Euro tatsächlich klein.

Oberösterreich ging es im heurigen Jahr gut, sogar sehr gut. Das Wirtschaftswachstum betrug 3,4 Prozent, die Arbeitslosigkeit 4,2 Prozent. Diese Werte können sich sehen lassen. Reformschritte wurden eingeleitet. Bei den Spitälern, in der Verwaltung und den Gemeinden. Dass der Großteil dieser Veränderungen einstimmig erfolgte und erfolgt, stellt den Parteien des Landes ein gutes Zeugnis aus. Denn je früher die notwendigen Reformen angegangen werden, desto weniger schmerzhaft sind sie. Im Buddhismus gibt es dafür einen bildhaften Vergleich. Wirst du von einem Giftpfeil getroffen, ziehe ihn möglichst schnell heraus, um die schädliche Wirkung zu begrenzen.

Zwei Herausforderungen werden uns die nächsten Jahre beschäftigen: Der Abbau der Schulden auf ein vernünftiges Maß und die Folgen des Geburtenrückgangs. Wobei die Problematik des mangelnden Nachwuchs viel dramatsicher ist und die Gesellschaft tiefgreifend verändern wird.

Auf Zeiten der Krise folgen stets Aufschwünge. Das hat die Geschichte immer wieder bewiesen und lässt uns hoffnungsfroh ins neue Jahr gleite.

 

Der Rücktritt Skoblickis ist für die Kopfinger das Weihnachtsgeschenk zum Neubeginn

20. Dezember 2011

Die Entscheidung von Andrzej Skoblicki, die Pfarrerstelle in Kopfing aufzugeben, zeugt von menschlicher Größe. Dieser Schritt ist ihm sicher nicht leicht gefallen. Er hat seine eigene Person hintangestellt und für das Wohl der Pfarre und der Kirche entschieden. Das ringt Achtung ab, weil es für Kopfing eine Befreiung ist. Er entlastet damit auch  Bischof Ludwig Schwarz, der mit der Rücknahme der Abberufung von Skoblicki selbst in die Kritik geraten ist.
Dem Bischof kommt mit der Bestellung eines Nachfolgers eine  wichtige Rolle zu.  Die gespaltene  Pfarre  benötigt einen Mann der Mitte  und des Ausgleichs, der die Lager wieder zu einer Gemeinschaft zusammenführt. Sie braucht einen Seelsorger, der mit den Menschen umgehen kann. Die Fundamentalisten, die Kopfing  zu ihrem Schlachtfeld erkoren haben, tun gut daran, die  Pfarre  in Ruhe zu lassen. Die Kopfinger sind selbst in der Lage, ihre  schwierige  Situation zu lösen. Sie bedürfen keiner Ratschläge von außen.
Einen nicht unwesentlichen Beitrag zu diesem Schritt dürfte der gebürtige Kopfinger Pfarrer  Josef Kammerer mit seinem KURIER-Interview „Skoblicki soll in Polen bleiben“ (4.12.) geleistet haben. Weil er 87 Jahre alt ist, wurde er auf kreuz.net als „Tattergreis“ abqualifiziert. Ist  Papst Benedikt  XVI. mit seinen  84 Jahren dann auch ein  „Tattergreis“?
Dass die Lage  so verfahren ist, ist nicht allein die Schuld von Skoblicki. Auch Dechant Alois Heinzl, der in einem Interview auf gloria.tv Kopfing als „Nazi-Nest“ bezeichnet hat, trägt Verantwortung. Das Weihnachtsgeschenk von Skoblicki ermöglicht den Neubeginn. Die Kopfinger werden ihn nutzen.

Oberösterreich muss sich gegen Wien durchsetzen

12. Dezember 2011

Mit der Wahl von Jakob Auer zum Bauernbundobmann ist ein weiterer Oberösterreicher  an der bundesweiten Spitze. Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl, die Minister Maria Fekter, Reinhold Mitterlehner und Alois Stöger sind weitere Schwergewichte.  Dazu kommt noch Rainer Wimmer als Chef der Metallergewerkschaft.
Schritt für Schritt kommt Oberösterreich jene Bedeutung zu, die ihm aufgrund des bundesweiten Gewichts zusteht. Doch unsere Vertreter stoßen auf verkarstete, politische Strukturen, die ihr Handeln erschweren und eingrenzen. Das war deutlich in der Auseinandersetzung um den Linzer Westring zu sehen. Sowohl der schwarze Josef Pühringer als auch der rote Franz Dobusch mussten all ihren Einfluss bis hin zur Drohung mit dem Bruch gegenüber der Regierung einbringen,  um den Bau   in den nächsten zehn Jahren durchzusetzen.
Der nächste  schwere Konflikt ist bereits im Gang. Oberösterreich benötigt   eine medizinische Fakultät, um die ärztliche Versorgung  abzusichern. Doch es gibt kein Geld. Dabei  bekommen  die oberösterreichischen Unis  lediglich fünf Prozent(!)  des gesamtösterreichischen Uni-Budgets.  Ein lächerlicher Betrag für eine Region, die mit  ihrer  Forschung und Entwicklung  ganz wesentlich den Wohlstand sichert.
Es gibt einen Mann, der  vorführt, wie man sich durchsetzt: Erwin Pröll.  Man mag ihn unsympathisch finden, doch in der Realisierung  der Interessen Niederösterreichs  ist er knallhart.  Wer sich ihm in den Weg stellt, wird entweder abgewatscht oder er muss gehen. Hier in Oberösterreich wird das Geld verdient, hier spielt die Musik!     Wien hat sich immer quergelegt.

Die Zahl der Bürgermeister reduzieren

12. Dezember 2011

Das Geld wird in Zukunft nicht mehr werden, wir werden aber mehr brauchen.“ Mit diesem Satz hat Landeshauptmannstellvertreter Josef Ackerl die Lage der  Gemeinden treffend charakterisiert. Er gilt generell für die Situation der öffentlichen Haushalte. Landeshauptmann Josef Pühringer  will aus den 444 Gemeinden 150 bis 200 Verwaltungsgemeinschaften machen. Das ist eine Reduzierung um zwei Drittel bzw. um die Hälfte. Ein richtiger, weil überfälliger Schritt. Er wird einerseits mit Einsparungen, andererseits mit der Erhöhung der Kompetenz der Behörden begründet. Aus den Amtsleitern sollen Kommunalmanager werden.
Dieselbe Argumentation muss für die Bürgermeister gelten. Auch sie sollten ihre Kompetenzen verbessern. Es ist vernünftiger, einen Bürgermeister zu haben, der sich seiner Aufgabe hauptberuflich widmen kann als drei Ortschefs, die  neben ihrem Brotberuf  dahinwursteln.   Die Kirche bezahlt  auch  einen  hauptberuflichen Pfarrer und nicht drei nebenberufliche   Laien.
Landesrat Manfred Haimbuchner  hat schon recht, wenn er  auf dem Thema Gemeindezusammenlegungen draufbleibt. Die Reform sollte genutzt werden, um die Gemeindegrenzen den Pfarrgrenzen anzupassen. Das ist keine Zerstörung, sondern die Herstellung einer gewachsenen und deshalb sinnvollen Identität.
Die Landesregierung baut nun Druck auf, um die Reformen auf der untersten Ebene durchzusetzen. Manche werden versuchen, die jahrelang praktizierte Kleinhäuslerei fortzusetzen. Doch sie werden sich täuschen. Der Reformdruck wird in den kommenden Jahren noch zunehmen. Wer sich ihm widersetzt, wird von der Strömung hinweggeschemmt  werden.

Machen wir uns nicht zu Knechten des internationalen Kapitals!

26. November 2011

Deutschland steht im Mittelpunkt des internationalen  Interesses. Viele schimpfen über unseren Nachbarn, doch gleichzeitig  fordern sie, dass die Deutschen die Schulden der maroden europäischen Länder zahlen.   Die Finanzwelt hat Vertrauen in  die  Schaffenskraft der Deutschen.  Mit 2,1 Prozent  zahlen sie die niedrigsten  Zinsen  für ihre Staatsanleihen.
              Vorbei sind die Zeiten, als Österreich einen ähnlich niedrigen Zinssatz hatte.  Wir müssen nun schon 3,7 Prozent hinlegen, dass man uns Geld leiht. Österreich hat international an Vertrauen verloren. Wegen riskanter Kreditgeschäfte der Banken in Osteuropa und wegen des mangelnden Reformwillens der Regierung. Die Deutschen haben eine Schuldenbremse eingeführt, mit Zustimmung der Sozialdemokraten. Hierzulande gibt es aber kräftigen Widerstand innerhalb  der SPÖ. Für Landesgeschäftsführer Christian Horner ist sie eine Intelligenzbremse. Ist es aber gescheit, dass unser Steuergeld ins Ausland fließt, damit wir Milliarden an Zinsen zahlen? Oder ist es vernünftiger, es hierzulande für Bildung, Forschung und  Soziales einzusetzen?
Wie belastend übermäßige Zinsen sind, lässt sich am Beispiel der Autobahnbetreibergesellschaft Asfinag ablesen. Sie ist  mit 12 Milliarden verschuldet und zahlt jährlich rund 500 Millionen an Zinsen. Für den Autobahnneubau bleiben nur  500 Millionen über. Müsste sie keine Zinsen zahlen, könnte um eine Milliarde gebaut werden. Der Linzer Westring würde vermutlich  heute schon fertig sein.
 Fazit: Wir sollten uns nicht zu Knechten der internationalen Finanzwirtschaft machen, sondern das Geld hier im Land lassen, wo es erwirtschaftet wird.

Oberösterreichs SPÖ: Der nächste Schritt ist die personelle Erneuerung

19. November 2011

Modern, dynamisch, lebendig. So präsentierten sich die oberösterreichischen Sozialdemokraten gestern bei ihrem Landesparteitag in Wels. Die SPÖ  hat sich  von der desaströsen Niederlage 2009  erfangen.   Der Diskussionsprozess morgen.rot zeitigt Früchte.  Die   Erholung ist  unter anderem ablesbar an den Parteifinanzen. Die 900.000 Euro Schulden aus dem Wahljahr  wurden in den beiden vergangenen Jahren komplett abgebaut.
Schwer tut sich die SPÖ mit der öffentlichen Verschuldung. Es ist schön, wenn Parteivorsitzender Josef Ackerl sagt, „wir haben es noch nie für gut befunden, dass man so viele Schulden macht“.  Doch die SPÖ  trägt wesentliche Mitverantwortung   für den Zustand der Haushalte.  Wenn man beim Anrühren der Suppe dabei war, muss man sie auch gemeinsam auslöffeln.   
Das Verdammen des internationalen Finanzkapitalismus hört sich gut an, ist  aber als  Antwort  zu wenig. 
Bundeskanzler  Werner Faymann und Bürgermeister Franz Dobusch  wissen, wie hart  und belastend Schuldenrückzahlung ist. Wobei Faymann überhaupt das Pech hat, dass ihn die oberösterreichischen Genossen weder schätzen noch mögen. Er gilt als  Buhmann,  auch wenn es beim Parteitag   vermieden wurde,  die große Kluft  auf der Bühne auszubreiten. Die Botschaften, wie wenig man voneinander hält, wurden  schon im Vorfeld medial ausgerichtet.
Der inhaltlichen  muss die personelle Erneuerung folgen. Sowohl auf Landesebene als auch in den
Gemeinden. Erneuerung benötigt neue Gesichter.
Der Parteitag hat gezeigt, dass das personelle Reservoir da ist. Man muss die Jungen nur lassen.

Die Ärmel aufkrempeln und das Notwendige tun!

12. November 2011

Der gebürtige Linzer und Hongkonger Reeder Helmut Sohmen liest uns  Europäern  die Leviten:  mehr und länger Arbeiten, mehr Sparen, mehr Solidarität, mehr Optimismus und weniger Sozialleistungen.   Er ist einer der wenigen, der Tacheles redet.  Eine Rede,  vor der viele  Politiker scheuen. Sie   fürchten sich, den Menschen die Wahrheit zu sagen, weil ihnen ihre Karriere wichtiger ist, als das Notwendige zum langfristigen Wohl  der Menschen auszusprechen. Aber die Wahrheit ist zumutbar. Die Menschen wissen und spüren, was auf sie zukommt.   Mit einer gewissen Abscheu schauen wir auf Griechenland. Aber Griechenland wird auch bei uns stattfinden. Im wesentlich kleineren Maß.  Je länger die notwendigen Maßnahmen hinausgezögert werden, umso schmerzvoller werden sie. Aber wir müssen da durch.
 Europas Chancen auf den Weltmärkten sind trotz des Schuldendilemmas  intakt.  Kopieren ist etwas anderes als Kapieren, sagt  Gerhard Wölfel, der Geschäftsführer des BMW-Motorenwerks in Steyr.  Für’s Kopieren genügt Mittelmaß, für’s Kapieren sind Bildung und Kreativität Voraussetzung. Die Asiaten tun sich schwer,  die  verschiedenen Produktionsprozesse zu verknüpfen.  Wir werden   dann reüssieren können, wenn wir Technologieführer sind.
Fazit: Wir befinden uns in einer schwierigen  Phase, in einer Krise.  Am Abbau der  privaten und öffentlichen Schuldenberge führt kein Weg vorbei.  Aber wir bewegen uns immer noch auf einem hohen Niveau.   Jammern hilft nicht und bringt nichts.  Lasst uns  die Ärmel aufkrempeln  und optimistisch das Notwendige tun!  Die Welt wird besser,  gerechter und schöner.

Der letzte Kampf zwischen Licht und Finsternis

07. November 2011

“Der letzte Kampf zwischen Licht und Finsternis“ (Titel einer fundamentalistsichen Broschüe) findet derzeit aus Sicht der Fundamentalisten in der Welt und  in der  Kirche statt. Linz ist demnach dieses Wochenende der Vorort zur Hölle.  Aber es wird wieder ein schöner Herbsttag werden, ein Tag des Lichts.  Die gefallenen Engel  der Pfarrerinitiative werden sich nach der Abhaltung der Sonntagsmesse in ihren Gemeinden im Linzer Ursulinenhof treffen, um die weitere Vorgangsweise zu beraten.
Jene, die sich gestern und heute in Linz versammeln, sind hochgebildete und engagierte Menschen. Ehemalige Universitätsprofessoren, Pfarrer, Theologen.  Sie sind die Speerspitze der überfälligen Kirchenreform. Das schmerzt die zukunftsverängstigten Fundamentalisten. Es mangelt ihnen an Kreativität. Das Einzige, das ihnen einfällt, ist die Aufforderung, die katholische Kirche zu verlassen. So sind sie, die Glaubensbrüder! Wer nicht blind gehorcht und das Hirn ausschaltet, soll sich schleichen. Aber sie haben auch Ideale und Vorbilder. Im Vereinsblatt „Die Wahrheit“ der „Normalen Katholiken“ wird  „Die priesterliche Heiligkeit“ empfohlen. Damit ist nicht der Papst gemeint, sondern Erzbischof Marcel Lefebvre, der sich mit seiner Piusbruderschaft aus Protest gegen das II. Vatikanische Konzil von der katholischen Kirche abgespalten hat. Seine Predigten, Bücher und Briefe werden zur Lektüre empfohlen. Man spürt und liest, woher der Wind weht.
Das Pontifikat von Benedikt XVI. bietet keinen Anlass zur Hoffnung, dass  es zu Reformen kommen wird. Im Gegenteil, es wird schlechter. Aber es wird der Tag kommen, an dem auch die vatikanischen Mauern einstürzen werden.

Schaller weckt Hoffnungen auf einen neuen Führungsstil

25. Oktober 2011

Ludwig Scharinger wird angesichts seiner Leistungen für die Raiffeisen Landesbank und Oberösterreich  respektiert, aber wenig  geliebt.  Die Menschen sehen in ihm primär den Machtmenschen, der  er  ist.   Mit  strenger und harter Hand machte er aus der ehemaligen Bauernbank  die größte Regionalbank Österreichs. Für sein Handeln war der Vorteil der Bank die entscheidende Richtschnur, was zu manchen persönlichen Enttäuschungen führte. Diesen Preis nahm er in Kauf, wiewohl er auch gerne geliebt worden wäre, wie dies bei allen Autoritäten der Fall ist. Aber für Sentimentalitäten gab es keinen Platz.
Der Aufsichtsrat hat sich mit Heinz Schaller für einen Nachfolger entschieden,  der  Scharinger die Stirn bietet.  Als dieser 2006 auf eigenen Wunsch aus der Bank ausschied und in die Wiener Börse wechselte, tat er
 dies  in Abgrenzung zum Führungsstil Scharingers. Das Risiko, dass er damit als möglicher Scharinger-Nachfolger ausscheiden könnte, nahm er  bewusst in Kauf. Dieses Risiko gerät ihm nun zum Vorteil.
Jene, die meinen, mit Schaller werde ein schwächerer Nachfolger installiert und Scharinger werde aus dem  Hintergrund  weiter regieren, werden sich täuschen. Schaller ist ein Mann, der   Entscheidungen trifft,   in aller Klarheit
 und mit aller Konsequenz. Genau das zeichnet eine Führungspersönlichkeit aus. Er hat seinen eigenen Stil, den er angesichts der Herausforderungen noch weiter entwickeln wird. Er ist der neue starke Mann, der auch von den Mitarbeitern getragen wird.

Die Gemeinden reformieren

25. Oktober 2011

Im Gebälk der oberösterreichischen Gemeinden knirscht es. Viele sind verschuldet, der Großteil kann den ordentlichen Haushalt nicht mehr ausgleichen. Die Folgen: Ortschefs wie die Bürgermeisterplattform protestieren lautstark, manche Gemeinden sind  mit Empfehlung der Gemeindeaufsicht hochspekulative  Kreditrisiken, sogenannte Swaps, eingegangen, was ihre Lage nochmals  verschlechtert hat.
Die Gemeinden bekommen die Auswirkungen die Finanz- und Wirtschaftskrise ebenso zu spüren wie jene der Staatsverschuldung. Sie müssen  für die Abgänge der Spitäler zahlen, obwohl sie damit nichts zu tun haben noch mitreden können. Aber wenn die Gemeinden nicht mehr zahlen, wer wird es dann machen? Das Land? Der Bund? Auch sie sind verschuldet. Allen steht das Wasser bis zum Hals. Es führt dennoch kein Weg an einer Entlastung der Gemeinden vorbei.

Was tragen die Bürgermeister bei?

Die Bürgermeister müssen sich aber auch umgekehrt fragen lassen, wie ihre Beiträge zum Sparen und zur Kostenreduzierung aussehen? So manche Gemeindegrenzen sind überholt. Es sollte Gemeindezusammenlegungen geben, ohne dass gewachsene Identitäten zerstört werden. Hier könnte man sich  an den Pfarrgrenzen orientieren. Aber das wollen die Ortschefs nicht, weil sie sich selbst abschaffen würden. Der Vorschlag von Hofkirchens Bürgermeister Martin Raab, die Amtsleiter durch Regionalmanager, die die Zusammenarbeit mehrerer Kommunen organisieren,  zu ersetzen, ist vernünftig. Die Zeit, wo jede Gemeinde einen eigenen Kindergarten, eine eigene Schule, ein Schwimmbad, eine Sauna etc. hat, sind vorbei.  Nicht nur der Bund und das Land, auch die Gemeinden benötigen dringend eine Verwaltungsreform. Die Bürgermeister sind eingeladen, nicht nur nach mehr Geld zu rufen, sondern auch selbst Einsparungs- und Zusammenarbeitsvorschläge vorzulegen.

Ausgeböllert

25. Oktober 2011

Die beiden lagen  im künstlichen Tiefschlaf, aus dem sich nun erwacht sind.  Die beiden 21-jährigen Innviertler Burschen hatten sich  beim Böllerschießen schwer verletzt. Das Rote Kreuz und die Feuerwehr   mussten ausrücken, der Hubschrauber flog die beiden   nach Salzburg  bzw. Linz.   Der Hochzeitsbrauch mit dem Schwarzpulver endet nicht selten für die Beteiligten  mit fehlenden Fingern. Was für viele  Brautpaare als schönster Tag im Leben angelegt ist, mündete in diesem Fall schon vor  der Hochzeit in eine kleine Katastrophe.
Traditionen können schön, aber auch brutal  und gnadenlos sein. Das Poltern  ist ein anderer  Brauch. Was als Abschiedsfeier  vom   Junggesellenleben gedacht ist,   artet meist  in Alkoholexzesse aus. Der Bräutigam wird in eine Sausteig gepfercht, durch die  Gemeinde kutschiert  und in den diversen Gasthäusern mit Schnaps und  anderen   schweren Alkoholika abgefüllt.    Alle Beteiligten geben ein erbärmliches       Bild ab.
Verbietet das Böllerschießen! Musiziert stattdessen! Böllern stiftet mehr Schaden als Nutzen. Abgesehen von den Verletzten sorgt es lediglich für Krach. Da hören sich ja die hupenden Autos  bei Hochzeiten von Zuwanderern vom Balkan geradezu lärmarm an.

Leben auf Pump

17. Oktober 2011

 

Natürlich hat Hans Karl Schaller, der Konzernbetriebsratsvorsitzende  der voestalpine, recht, wenn er beklagt,  dass die geforderte  5,5-prozentige Lohnerhöhung  lediglich ein Plus von täglich netto 1,50 Euro für die Mindestlohnbezieher bedeutet. Das ist zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel. Dass es nur 1,50 Euro sind, liegt nicht allein an den voestalpine-Bossen, sondern auch an den  Steuern und Abgaben, die den Arbeitnehmern abgezogen werden.  Eine Entlastung der Arbeitnehmer ist überfällig. Aber der Staat kann auf ihr Geld   nicht verzichten, weil er stark verschuldet ist. Auf allen Ebenen. Die Bürgermeister klagen, dass ihnen die Kosten für Pflege und Spitäler die Budgets auffressen,  die Länder können ihre Budgets nicht ausgleichen, der   Bund sowieso nicht. Wir leben auf Pump und  Kosten der Jungen. 

Produktion wird in billigere Länder verlagert

Voest-Boss Wolfgang Eder hat in seiner Funktion als Vorsitzender der europäischen Stahl-Hersteller diese Woche  eine ernüchternde Prognose gestellt.    Die Stahlproduktion werde in den nächsten 20 Jahren in Europa um die Hälfte reduziert. Er selbst will  in der EU  auch kein Stahlwerk mehr bauen.   Europa ist zu teuer. Das sind bedeutende Verluste an Wertschöpfung und Arbeitsplätzen. Und eine enorme Herausforderung an den Standort Linz. Wie kann sich Oberösterreich  im weltweiten Wettbewerb behaupten?
Noch geht es uns gut, weil der Staat bzw. die Staaten mit enorm viel Geld die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise   abgefangen bzw. in die Zukunft verschoben haben.  Aber in den nächsten Jahren werden  wir  die Kosten   von globalem Überschwang,   der Schuldenpolitik  und von untragbarem  Wirtschaften   zahlen

Handy statt Colt

17. Oktober 2011

Als  Autofahrer  erlebt  man schier unglaubliche Dinge.  Tatort Westautobahn A?1, Gegenverkehrsbereich,  nahe  Vorchdorf, Fahrtrichtung Wien, Donnerstag gegen 23 Uhr:  Ein Kitzbüheler  Lkw   blockiert  mit seiner Fahrweise  beide Spuren.  Ein  Mercedes    drängt  mit überhöhter Geschwindigkeit auf der rechten Spur nach vorne. Er  blinkt  mit der Lichthupe mehrfach den Lkw an,   der vorschriftsmäßig 80 km/h fährt, um überholen zu können. Doch vergebens, der Lastwagen weicht nicht zur Seite.  Wieder setzt der Mercedes die Lichthupe ein.  Da reißt dem Lkw-Fahrer die Geduld. Er bremst, stellt seinen Lastzug mitten auf der Autobahn ab, springt mit dem Handy bewaffnet aus seiner Kabine, beschimpft den Mercedes-Fahrer und fotografiert   mit dem Handy mehrfach dessen Kennzeichen. Inzwischen hat sich  ein Stau gebildet, die   Autofahrer hupen und  sind empört. Nach einer Schreierei    fährt der Lkw weiter.
 Einige Wochen zuvor   ein  ähnlicher Vorfall. Auf der A?1  verfolgte ein Schärdinger Pkw einen Linzer  Wagen und versuchte, ihn mit seinem Handy zu fotografieren, weil der ihn auf der Überholspur mit der Lichthupe  angeblinkt hatte.
Manchmal  geht es zu wie im Wilden Westen. Man kann nur von Glück reden,  dass das Handy den Colt ersetzt hat.

Kopfingerbluat

08. Oktober 2011

Wer sich mit den Kopfingern anlegt, sollte wissen,mit wem er es zu tun hat. Die Sauwaldler  sind direkt,  zäh, haben ihren eigenen Schädl und sie sind kampfeslustig. Diese Erfahrung haben bereits 1703 die Habsburger-Soldaten  gemacht, als sie im  spanischen Erbfolgekrieg nach Kopfing einrücken wollten. Der Ort  gehörte damals   zu Bayern. Die Kaiserlichen  wurden intensiv beschossen, besonders vom Kirchturm aus.
Die Innviertler  Zechen waren bekannt für  ihre   Rauflust. Zu den härtesten  gehörten die Kopfinger.  Diese Tradition hat sich bis heute erhalten.  Noch heute gehören Fußballmatches  und Zeltfeste  zu den intensivsten Erfahrungen.  Wer übermütig und frech ist,  dem kann es passieren, dass er eine Tachtel bekommt.  Wenn Unterstützer des fundamentalistischen  Pfarradministrators  Andrzej  Skoblicki behaupten, der Pole habe Morddrohungen erhalten, lachen die Kopfinger und meinen, wahrscheinlich habe ihm einer eine Watsche angetragen.  
Wie es derzeit aussieht, ist der polnische Schädel der weichere.  Nach mehreren Wochen Urlaub ist Skoblicki  nun drei Wochen  im Krankenstand. Kopfing ist ein Widerstandsnest und Kopfingerbluat ist kein Himbeersaft.

Globalisierung: Der Kampf um die Industrie

08. Oktober 2011

Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat eines schmerzlich gezeigt: Jene Länder, die  keine oder nur eine schwache Industrie haben, waren von den Auswirkungen viel stärker betroffen als jene,  die hier gut aufgestellt sind.

Industrien wurden reiheweise ausgelagert

Die Globalisierung hat die Welt verändert. Produktionen  aus Europa und den USA wurden vor allem nach Osteuropa und Asien verlagert. Kaum jemand regte sich auf, es wurde als unabänderlicher Prozess hingenommen. Aber den alten Industrieländern dämmert  langsam, welche Schätze sie hier verloren haben und noch immer verlieren. Industrie bedeutet Wertschöpfung und Arbeitsplätze, sie schafft Wohlstand.  Oberösterreichs SPÖ-Klubobmann Karl Frais spricht als einer der ersten Sozialdemokraten aus,  welche Bedeutung diese Produktionsstätten für das Wohl der Menschen haben.

Auf gleicher Höhe mit den Schwellenländern

 Schwellenländer wie Indien, China und Brasilien wurden vor einigen Jahren noch Entwicklungsländer genannt. In den Kirchen wurde für die dortige Bevölkerung gesammelt und  gespendet. Heute sind sie aber unsere Konkurrenten. Das ist die neue Realität, die wir ernst nehmen sollten. Wir befinden uns mit ihnen im Wettbewerb um Standorte, Produktionen, Arbeitsplätze und Rohstoffe. Es ist schön, wenn die Menschen bei uns Produkte günstig kaufen können, die in China billig produziert wurden. Aber noch besser wäre es, wenn sie bei uns hergestellt würden. Es geht hier weder darum, der Vergangenheit nachzutrauern noch, sich Illusionen hinzugeben. Aber:  Wir müssen den Wettbewerb ernst nehmen und schauen, dass wir ihn gewinnen. Dienstleister wie Masseure,  Werbeagenturen etc. sind gut und schön, aber die Einzelnen und die Firmen müssen das Geld verdienen, um  sie zu beschäftigen und  zu bezahlen. Deutschland hat in den vergangenen Jahren gezeigt, wie man verloren gegangene Wettbewerbsfähigkeit zurückgewinnen kann. Die Chancen sind noch da.

Bischof Schwarz ist überfordert

01. Oktober 2011

Der Bischof hat ein gutes Herz und ist ein liebenswürdiger Mensch.“ Mit dieser Charakterisierung hat Generaldechant  Franz Wild  völlig  recht. Gleichzeitig nennt  er  mit „Führungsschwäche“  die andere Seite des Oberhirten. Die Rücknahme der Abberufung des polnischen Pfarradministrators  ist ein Paradebeispiel, wie man es als Führungskraft nicht machen darf.  Der Konflikt in Kopfing eskaliert,   Schwarz hat sein  Führungsteam desavouiert, aus einem lokalen Konflikt ist eine Diskussion um seine Person  geworden. Es ist nicht  die erste  Fehlentscheidung.  Schwarz ist überfordert.

Schwierige Position

Zugegebenermaßen ist er in einer schwierigen Position.  Auf der einen Seite   erwartet die große Mehrheit der Gläubigen und   Priester   Reformen.  Auf der anderen Seite  machen der Vatikan und ein paar  Fundis, die im Verborgenen agieren, Druck.  Diese wenigen im Land haben  aber den Papst  und die Kurie auf ihrer Seite.   Benedikt XVI. sagte  bei seiner Rede vor einer Woche in Freiburg klar, wo es langgeht.  Die Kirche soll sich von der „Weltlichkeit der Welt“ und den „materiellen und politischen Lasten und Privilegien“ lösen. Er forderte Rom-Treue und kritisierte   „kirchliche Routiniers, die in ihr noch den Apparat sehen“.     Wenn Österreichs Bischöfe den Papst wirklich so ernst nehmen, wie sie betonen, müssten sie sofort auf die Aufhebung des Konkordates drängen, das der österreichischen Kirche viele Privilegien einräumt. Bis dato schweigen sie.

Ratzinger hat sich in 40 Jahren nicht verändert

Der damals 51-jährige Theologe  Josef Ratzinger hat seine Vorstellungen schon im Dezember 1969 im Hessischen Rundfunk dargelegt: „Aus der Krise wird auch dieses Mal eine  Kirche von morgen hervorgehen, die viel verloren hat. Sie wird klein werden, weithin ganz von unten anfangen müssen. Sie wird viele Bauten nicht mehr füllen können.“ Dieser Vision der wenigen Selbstgerechten setzen die Oberösterreicher die Vision einer  Volkskirche entgegen, die mitten in der Welt steht.

Erkenntnisse aus Kanada

24. September 2011

Reisen bildet. Das erfuhren einmal mehr die Mitglieder jener Delegation von Wirtschaftskammerpräsident Rudi Trauner, die eine Woche lang Kanada bereiste. Viele Kanadier arbeiten bereits bis zum 70. Lebensjahr. So zum Beispiel  Helmut Hargassner, der vor 51 Jahren aus Weng bei Altheim nach Montreal ausgewandert ist. Oder Steve Glickman, der in der 360.000-Einwohner-Stadt London für Betriebsansiedlungen zuständig ist und mitgeholfen hat, dort Niederlassungen der Firma Scheuch (Aurolzmünster) und der Firma Starlim (Marchtrenk) zu etablieren. Was bei uns  noch vielen unvorstellbar erscheint, ist dort bereits gelebte Wirklichkeit.

Ein materiell goldenes Zeitalter endet

Obwohl es in Kanada im Gegensatz zu den USA ein staatliches Gesundheitssystem und eine staatliche Rente gibt, ist die Verschuldung mit 30 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (Österreich 74 %)  niedrig. Weder die Liberalen noch die Konservativen könnten  Wahlen mit Versprechen gewinnen, die den Staat massiv belasteten, wurde uns versichert. Eine  Krise Anfang der 90er-Jahre hat die Kanadier vom Schuldenmachen geheilt.
Beim Rückflug aus Toronto holte uns die Zeitungslektüre  am Frankfurter Flughafen schnell auf den Boden der  europäischen Wirklichkeit. In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung (20. 9., Seite  26) erklärte der Sozialwissenschafter Meinhard Miegel, was Schuldenmachen, Geburtenmangel und Ressourcenverbrauch bedeuten. „Schon in wenigen Jahren werden wir viel härter arbeiten müssen als heute und trotzdem einen materiell niedrigeren Lebensstandard haben.“ Ursache ist die Globalisierung. „Wir stehen jetzt im Wettbewerb mit Milliarden von Menschen, von denen viele genauso qualifiziert und motiviert sind wie wir, aber ihre Dienste billiger anbieten. Wir, die Völker der früh industrialisierten Länder, erleben gerade das Ende eines materiell goldenen Zeitalters.”

Bischof Schwarz überraschte

24. September 2011

Bischof Ludwig Schwarz hat alle überrascht. Am vergangenen Sonntag ließ er in der Kopfinger Kirche verlesen, dass der umstrittene polnische Pfarrer abberufen wird. Eine gute  Entscheidung, denn die Pfarre war gespalten, eine Versöhnung nicht mehr möglich. Zu groß waren die Wunden, die geschlagen worden sind.

Reformer sollen gehen

Fundamentalisten wie der polnische   Pfarrer nehmen gerne Totschlagargumente in die Hand. Katholiken, die beispielsweise das Menschenrecht der Gleichberechtigung der Frau einfordern,  wird hingeworfen, sie sollten doch zu den Protestanten wechseln,  wo es  Pfarrerinnen und Bischöfinnen gebe. Diese Position hat eine  ähnliche Qualität, wie wenn  die Reformer den Fundis vorhielten, sie sollten sich doch der Abspaltung der Pius-Bruderschaft anschließen. Die Fundis tun gerade so, als ob sich die Kirche seit 2000 Jahren nicht geändert habe.  So hat  das II. Vatikanum  beschlossen, die Messen nicht mehr in Latein, sondern in der  Landessprache zu feiern.  Das hat Martin Luther bereits vor 500 Jahren eingeführt.

Wo die Musik spielt

18. September 2011

 

Die Musik spielt nicht mehr allein in den USA und in Westeuropa, sondern ganz wesentlich in Asien, Brasilien, Russland, Indien und China. Das hat die Finanz- und Wirtschaftskrise verdeutlicht. In diesen Ländern findet das Wachstum statt, das die Welt vorantreibt. Kanada gehört ebenfalls dazu (das Bild zeigt Toronto am Ontario-See).

Schwellenländer immer wichtiger

Wenn wir unseren Wohlstand halten wollen, müssen wir an diesem Wachstum teilhaben. Mehr als die Hälfte unserer Wertschöpfung verdienen wir mit dem Handel und Dienstleistungen mit und im Ausland. In Europa sind wir gut aufgestellt. Doch die Wirtschaftsbeziehungen mit den überseeischen Ländern bedürfen  der Steigerung. Sie betragen lediglich 18 Prozent des Exports. Wenn in Europa das Wachstum niedrig ist, müssen wir unsere Anteile in jenen Regionen steigern, wo es hoch ist.

Kanada noch immer ein Land der unbegrenzten Möglichkeiten

Kanada ist auch heute noch ein Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Das bestätigten alle ausgewanderten Österreicher Wirtschaftskammerpräsident Trauner bei seiner Reise nach Montreal und Toronto. Die Kanadier sind gut, aber noch lange so gut wie viele von uns glauben. Unseren Firmen stehen dort Tür und Tor offen, sie können locker mithalten. Gleichzeitig können wir von den Kanadiern lernen. Zum Beispiel von der selektiven Einwanderungspolitik, die sie betreiben. Jene Organisationen, die sich um die Ansiedlung neuer Unternehmen bemühen, werben im selben Atemzug weltweit um qualifizierte Arbeitskräfte. Die Firmen benennen die Arbeitskräfte, die sie brauchen, und die zuständigen Institutionen suchen sie. Gezielte Programme sorgen für eine rasche Integration.

Es warten noch viele Chancen

Die Auslandsösterreicher sind positiv angetan von der Entwicklung ihrer Heimat. Österreich hat in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten stark aufgeholt. Aber wir haben bei weitem noch nicht alle Chancen ausgelotet, die sich für uns auf der ganzen Welt auftun.

Fundis und Schwule haben dieselben Interessen in der Nichtzulassung von Frauen und Verheirateten in der katholischen Kirche

10. September 2011

Die Diktatoren Tunesiens, Ägyptens und Libyens sind gestürzt. Der Arabische Frühling hat sie vertrieben. Doch wo bleibt der Frühling in der katholischen Welt?  Der Papst, die Kurie und die Bischöfe glauben, die  Reformbestrebungen wieder einmal aussitzen zu können,     so wie es  die Kirchenoberen stets  gemacht haben. Doch sie werden sich täuschen. Die Geschichte wird über sie hinweggehen. Derzeit haben noch zwei beharrende Kräfte das Sagen: Da sind die Fundamentalisten und Traditionalisten. Eine andere Seilschaft sind die Homosexuellen, deren Anteil unter den Priestern deutlich höher ist als an der Gesamtbevölkerung. Sie fühlen sich in der katholischen Männergemeinschaft sehr wohl. Derzeit können sie problemlos Karriere machen, wie es der schwule Priester David Berger in seinem Buch „Der heilige Schein“  beschrieben hat. Sie haben wenig Interesse daran, dass nun Frauen und Verheiratete zugelassen werden sollen. Das II. Vatikanische Konzil hat zwar die Inhalte reformiert, aber nicht die Strukturen, was sich zunehmend   als gravierender Fehler erweist.

Umwertung der Werte

10. September 2011

“Frage nicht, was dein Land für dich tun kann, frage, was du für dein Land tun kannst.“  Dieser Satz  des US-Präsidenten John F. Kennedy – vor 51 Jahren ausgesprochen  – könnte aktueller nicht sein. In diesem Sinn brauchen wir  eine Umwertung der Werte. Heute gilt die Devise, der Staat habe für alles aufzukommen. Der Bürger wurde dazu erzogen, Ansprüche zu stellen.  Gewählt wurden jene Parteien und Politiker, die am meisten versprochen haben.  Das Resultat: Die Staaten sind völlig verschuldet, sie können mittel- und langfristig ihre Versprechen  nicht halten. Die politische Diskussion dreht sich lediglich darum, wie die  Steuerschraube  noch stärker hochgedreht werden kann.

Das Geld fehlt an allen Ecken und Enden

Parallel dazu kann der Staat seine grundlegenden Aufgaben nur mehr schlecht als recht  erfüllen. Es fehlt das Geld für die Schulen und Universitäten.  Wie lange werden sich das die Studenten noch gefallen lassen? Es fehlt das Geld für die  Infrastruktur.  Allein die Ausbauprojekte  für die Straßenbahn im Linzer Zentralraum  kosten in Summe 800 Millionen Euro.  Der Linzer Westring  fehlt,  der Ostring ebenso,  die Autobahnen sollten sechsspurig  ausgebaut  werden.  Das Gesundheits- und Spitalssystem  verschlingt Milliarden.

Wir bezahlen den Preis für die Schulden

Wir zahlen heute den Preis für die  Schulden, die in der Vergangenheit gemacht wurden.  Mit jedem Jahr wird dieser Preis höher.  Die Wohlfahrts- und Sozialversicherungssysteme können auf Dauer nur mehr aufrechterhalten werden durch  entsprechende finanzielle Beteiligungen  der Bürger. Die Politiker sagen nicht gerne die ganze Wahrheit, sie bevorzugen die halbe Wahrheit, weil sie um die Wählerstimmen fürchten.  Es wird eine gewisse Grundversorgung für jeden geben. Wer mehr will, wird es selbst zahlen müssen. Entgegen allen anderslautenden Schalmeien  der Politiker.

Bischof Schwarz ist ein römischer Vollzugsbeamter

03. September 2011

 

Bischof Ludwig Schwarz verdient unser Mitgefühl. Er ist umzingelt von Heiden. Laut einer market-Umfrage halten 58 Prozent der Österreicher und 52 Prozent der Katholiken die Forderungen der Pfarrer-Initiative nach Aufhebung des Zölibats, dem Priesteramt für  Frauen etc. für sehr  berechtigt, weitere 31 Prozent der Katholiken für teilweise berechtigt. Diese Menschen sind für Schwarz Ungläubige. Das schreibt er in einem Kommentar in der Kirchenzeitung. „Wenn wir auf die Heilige Schrift schauen, so sehen wir von Abraham bis zur Gottesmutter Maria, wie untrennbar der Glaube mit dem Gehorsam  verbunden ist. Somit gilt aber auch, dass der Unglaube im Ungehorsam begründet ist, wie auch immer sich dieser kundtut.“

Dumm und diffamierend

Eine derartige Argumentation ist nicht nur dumm, sondern auch  diffamierend.  Es steht selbst einem
Oberhirten nicht zu,  seinen „Brüdern und Schwestern im Herrn“ (O-Ton Kirche) den Glauben abzusprechen. Er geht aber noch weiter. Er wirft der Pfarrerinitiative, zu der immerhin mehr als 80 Priester seiner Diözese gehören, „Eifersucht und Geltungsstreben“ vor.
Er spricht von „Richtungskämpfen“, „Spaltungen“ und „Lieblosigkeiten“. Mit dieser Wortwahl vertieft er den Konflikt und treibt ihn in Richtung Kirchenspaltung.

Denken nicht erwünscht

Schwarz geriert sich als römischer Vollzugsbeamter. Er propagiert absoluten Gehorsam gegenüber dem Papst und dem Vatikan. Er negiert die Probleme in der Seelsorge, die Fragen der Priester, der Laien und Gläubigen. Er fordert sie auf,  selbstständiges Denken in der Sakristei abzugeben. Früher wurde den Soldaten eingeimpft: „Das Denken überlassen wir den Pferden, denn die haben größere Köpfe.“ Gehorsam ist keine Einbahnstraße. Die Bischöfe stehen selbst auch in der Gehorsamspflicht gegenüber den Gläubigen. Sie nehmen sie nicht wahr, weil sie Angst um  ihre Ämter haben.

Gerlinde Kaltenbrunner ist ein Vorbild

27. August 2011

 

Sieben Tage umrundeten die Israeliten die Stadt Jericho bei der Eroberung des Heiligen Landes. Am siebenten Tag brachen bei der siebenten Umrundung plötzlich die schier unüberwindbaren Mauern zusammen.   So erzählt  es das Alte Testament.   Der Buddhismus weiß, dass  der Mensch in seiner Entwicklung  bis zu sieben Mal  in die  alten Verhaltensweisen zurückfallen kann,  bis er endgültig auf der nächsthöheren  Stufe angekommen ist.    Sieben Mal hinfallen, acht Mal aufstehen. Dieses  japanische Sprichwort lehrt, dass Misserfolg die Mutter des Erfolgs ist.

Erfolg beim siebenten Anlauf

 Gerlinde Kaltenbrunner   hat es bei ihrem siebenten Anlauf diese Woche geschafft, den  8611 Meter hohen K2   zu besteigen.  Vier Expeditionen waren nötig. Immer wieder musste sie ihr Vorhaben, den letzten der 14 Achttausender  zu bezwingen, abbrechen. Die Windisch- garstnerin ist ehrgeizig und zielstrebig, sie geht an ihre Grenzen, aber sie geht darüber nicht hinaus. Sie respektiert die Gefahren. Sie ist aber nicht bereit, für den Erfolg alles zu opfern. Damit unterscheidet sie sich von Politikern und Managern, die in ihrer Gier und ihrem Hunger nach Anerkennung und Geld alle Grenzen überschreiten und dann sprichwörtlich abstürzen.
Die Freund, der Mitmensch ist wichtiger als der eigene Erfolg. Das hat Kaltenbrunner  2008 beweisen, als ihr japanischer Bergkamerad an einem lebensgefährlichen Gehirnödem erkrankt war und er rasch ins Tal gebracht werden musste. Sie verzichtete zugunsten dessen Gesundheit auf ihren Aufstieg. Erfolg und Leistung ja, aber nicht um jeden Preis.

Erfolg im Team

Das Team ist wichtig. Auch für den Erfolgreichen. Das weiß und würdigt sie. In ihrem Fall sind das vor allem ihr Mann Ralf Dujmovits und der Innsbrucker Wetterexperte Karl Gabl. Trotz ihrer Erfolge ist Kaltenbrunner bescheiden geblieben. Sie ist ein Vorbild.

Schulden verhindern den sechsspurigen Ausbau der West- und Innkreisautobahn

20. August 2011

Vergangener Sonntag: Das Wetter war prächtig. Linz entfliehen, auf an den Attersee! Der Badetage waren heuer wenige, also die Sonne und das Salzkammergut genießen.   Um  zehn Uhr folgte der Vorfreude die Ernüchterung. Kurz nach Sattledt ein Riesenstau auf der Westautobahn.     Das Stop and Go hielt bis zur Ausfahrt Regau an. Nach zwei entnervenden Stunden im heißen Auto Ankunft  in Seewalchen.
Der Stau war ursprünglich von einem Unfall ausgelöst worden. Doch wer die  Westautobahn regelmäßig nutzt,    muss sich  an das Kolonnenfahren gewöhnen. Selbst in der Urlaubszeit. Mit einem gewissen Neid schaut der Autofahrer nach Niederösterreich, wo die Westautobahn bald durchgehend dreispurig befahrbar ist. Oberösterreich hinkt  nach. Woran liegt das?  Setzt sich der dortige   Landeshauptmann mit seinem Poltern in Wien mehr durch als unsere Vertreter, die das  wirtschaftsstärkste Bundesland im Rücken haben?  Die Westautobahn wird zwar seit vielen Jahren saniert, doch wird diese Gelegenheit für den notwendigen dreispurigen Ausbau  nicht genutzt.

Transitverkehr nimmt zu

Ein ähnliches  Trauerspiel spielt sich auf der Innkreisautobahn ab. Der Transitverkehr nimmt ständig zu.  Die vielen Einpendler in den Großraum Linz wissen   Lieder davon zu singen. Doch auch hier kein Ausbau auf drei Spuren. Offizielle Begründung: Das Verkehrsaufkommen sei dafür zu gering. Doch der wahre Grund dürfte schlicht und einfach Geldmangel sein. Denn die Sanierung der Innkreisautobahn wurde wegen des fehlenden Geldes zeitlich bereits nach hinten verschoben. Die Asfinag sitzt auf einem Schuldenberg von 13 Milliarden Euro. Warum wird die  Sanierung nicht für den dreispurigen Ausbau genützt? Die Politik denkt zu kurzfristig. Wir brauchen die drei Spuren heute schon und nicht erst in 20 Jahren, wenn nichts mehr geht.

Wahrhaftigkeit und Heuchelei

17. August 2011

 Wahrhaftigkeit ist ein christliches Anliegen. Sie erleichtert das menschliche Leben, denn der Mensch soll so sein, wie er ist. Er soll sich nicht verbiegen, er soll sich nach außen nicht anders geben wie es in seinem Herzen und Denken aussieht. Das hilft ihm in seinem Sein, es erleichtert das Zusammenleben mit den anderen. Denn sich anders zu geben als man in seinem Wesen ist, kostet enorm viel Kraft und Energie. Die aufgebaute Fassade stürzt letztlich zusammen. Enttäuschungen und Belastungen sind die Folge, die viele Jahre anhalten können.

Das Doppelleben der Kirche

Wahrhaftigkeit ist ein Hauptbeweggrund für die von Helmut Schüller angeführte Pfarrerinitiative, die unter anderem für die Priesterweihe der Frau, die Aufhebung des Zölibats und Laienprediger eintritt. „Wir leben als Kirche ein Doppelleben“, kritisiert er. Damit trifft er einen zentralen Nerv der römisch-katholischen Kirche, der ihr zu Recht von den Kritikern immer wieder vorgehalten wird. Katholisch hat sich im Laufe der Geschichte für so manche geradezu zu einem Synonym für Heuchelei entwickelt. Das, was von Rom gepredigt und in Reden hochgehalten wird, wird nicht gelebt. Nicht, weil die Gläubigen Versager und amoralisch sind, sondern weil die Vorschriften den Menschen widersprechen. Im Namen Gottes und seines Stellvertreters auf Erden, des Papstes, werden Regularien verkündet, die unmenschlich sind. Die monarchistische Struktur verhindert, dass der Glaube der Menschen nach oben getragen und umgesetzt wird. Das Wissen und die Gnade ergießen sich nur von oben nach unten.

Unübersehbare Kluft 

Die Kluft zwischen der Führung der römisch-katholischen Kirche und den Gläubigen, den Priestern, den Laienmitarbeitern und den Theologen ist unübersehbar. In den Pfarren wird ein anderer Glaube gelebt als Rom vorschreibt.

Reform oder Spaltung

Wie der Konflikt enden wird, ist noch nicht absehbar. Letztlich bleiben nur zwei Möglichkeiten. Die römisch-katholische Kirche reformiert sich – auch an der Spitze oder es wird eine Spaltung geben. Noch hoffen die Unterzeichner der Pfarrerinitiative auf ein Wunder ähnlich dem von 1989, als plötzlich der Eiserne Vorhang und und die kommunistischen Systeme zusammenbrachen. Oder, um ein biblisches Bild zu verwenden, sie hoffen auf den Einsturz der Mauern von Jericho. Diese stürzten auch erst am siebenten Tag nach der siebenten Umrundung unter dem Schall der Hörner ein.

 

 

 

Gesteuerte Migration

13. August 2011

Die Bilder aus London, wo der  Mob stehlend und brandschatzend durch die Straßen zieht, haben Europa erschüttert (Foto). Zwei Details stimmen besonders nachdenklich. Zum einen handelt es sich um Jugendliche, die zum Teil noch im Kindesalter sind. Zum anderen fanden die Gewaltausbrüche  in Gegenden statt  wie zum Beispiel Tottenham, in denen der Migrantenanteil 90 Prozent beträgt.

Positives Beispiel

Das Gegenbild stellt die türkischstämmige Familie von Murat Baser in Linz dar (Reportage Seite 3).  Eltern und Kinder sprechen perfekt Deutsch, sie sind ehrgeizig und wollen es zu etwas bringen. Die Tochter und der Sohn haben in ihren Zeugnissen lauter Einser. Wären alle Zuwanderer so, gäbe es kaum Probleme.

Migration kann nicht Entwicklungshilfe sein

Was kann man aus den bisherigen Erfahrungen lernen? Zuwanderung verstanden als Entwicklungshilfe für Länder, die an der Lösung ihrer eigenen Probleme scheitern, ist lediglich eine Verlagerung der dortigen Probleme hierher.  Wir brauchen junge, qualifizierte, bildungs- und aufstiegswillige   Zuwanderer, die  sich in Wirtschaft und Gesellschaft einbringen. Wie das funktionieren kann, zeigen die Inder und Asiaten in Kalifornien. Die USA, Kanada und andere Länder demonstrieren,  dass Einwanderung eine gezielte Politik sein muss und nicht irgendwelchen Zufälligkeiten überlassen werden darf. Wir müssen uns die Leute aussuchen, die kommen sollen. Die Zuwanderer wollen in Strömen in die USA, obwohl sie dort  fünf Jahre lang keine Sozialleistungen erhalten.

Erwartungen formulieren

Wir sollten klare Erwartungen an die Zuwanderer formulieren. Zum Beispiel, die Sprache  zu lernen. Umgekehrt haben die Einwanderer  Wünsche an uns.  Dass wir sie mit offenen Armen aufnehmen und ihnen Aufstiegschancen  bieten.   Von den gegenseitigen Begegnungen profitieren alle.

Pornojäger Martin Humer verstorben: Die katholischen Fundis altern

06. August 2011

 

Martin Humer hat das Zeitliche gesegnet. Sein Leben lang hat er gegen die Pornographie gekämpft, weil er darin die Ursache für den Niedergang der christlich-abendländischen Kultur sah. Scheidungen, Abtreibungen, Geburtenmangel, vorehelicher Geschlechtsverkehr  – an allem war die Pornographie schuld. Er ist  gescheitert. Die Pornographie ist aufgrund des Internet verbreiteter denn je.

Mit Josefine Mutzenbacher begann es 1970

Begonnen hat sein Kampf mit dem Protest gegen die Aufführung von „Josefine Mutzenbacher“ 1970 im Kino Steiner in Peuerbach. Die Krone  lichtete ihn ab, Humer wurde schlagartig bekannt.  In den 1980er-Jahren fuhr er regelmäßig ins Autokino Pasching, um die dort um Mitternacht gespielten Sexfilme anzuzeigen. Während der Anfahrt  wurde   der Rosenkranz gebetet, um  den Kopulationen und dem Gruppensex   widerstehen zu können.  Legendär ist auch sein Kampf gegen den Bad Ischler Janisch, der mit seinen Sexhefteln reich geworden ist. In Linz fuhr er einmal mit einem Güllefass vor, um die tierischen Ausscheidungen in eine  Peepshow  hineinzupumpen. Mist  zu Mist, meinte er. Die Marketing-Lektionen hatte er im Umgang mit den Medien gelernt, Selbstdarstellung war ihm nicht fremd.      Die Staatsanwälte hat er mit Anzeigen zugeschüttet, so manche  Prozesse hat er verloren.

Seine Welt waren die alten autoritären Systeme

Mit Freiheit und Demokratie hat er sich schwer getan, weil er so manche  dumm wie Rindviecher hielt.  Autoritäre Systeme wie die  alte römisch-katholische Kirche vor den Reformen des II. Vatikanums waren das Seine.    Mit Humer ist ein Vertreter der Fundamentalisten  abgetreten. Kurt Krenn ist schwer krank, sein Bruder Herwig vor einigen Wochen gestorben. Der Linzer Priesterkreis altert. Aber die   Rechte  stirbt in Oberösterreich  nicht aus. Leute wie die Online-Plattform kath.net oder der Kopfinger Pfarrer sind  ihre aktuellen Gesichter.

Kirchliche Fundamentalisten

30. Juli 2011

An der Spitze der  Diözese Linz wird  mit zweierlei Maß gemessen. Wenn kleine fundamentalistische Grüppchen aufbegehren, rollen die  Köpfe.    Erinnert sei an die  Ablöse von Pressesprecher Ferdinand Kaineder oder an die Absetzung von Josef Friedl als Dechant. Ist hingegen das Pfarrvolk unzufrieden, wird darüber hinweggegangen. So hat Bischof Ludwig Schwarz die  Protestbewegung der Kopfinger Gläubigen gegen ihren fundamentalistischen Pfarradministrator  einfach ignoriert. Immerhin waren es 431 Protest-Unterschriften.  Für eine 2000-Einwohner-Gemeinde sind das  viele.

Dumme und verletzende Aussagen

Die Aussagen des geistlichen Herrn aus Polen sind dumm und verletzend.  „Das Schwert des Glaubens ist wichtiger als Friede in der Pfarre.“ „Die Schule ist ein Teufelswerk.“ „Aus Ihnen spricht der Satan“ (zur Volksschuldirektorin). „50 Personen in der Pfarre sind vom Heiligen Geist erfüllt, der Rest ist verdammt.“ „Ich habe in jedem Kopfinger Verein einen Spion.“ „Hütet euch vor den esoterischen Angeboten der Gesunden Gemeinde“ (Warnung vor einem Yoga-Kurs).

Schwert- und Höllentheologie

 
Andreas Skoblicki hat noch ein anderes Problem. Er ist zur falschen Zeit geboren.  Mit seiner Schwert- und Höllentheologie  hätte er gut ins katholische Mittelalter gepasst. Sein Glaubens- und Gottesbild sind um Jahrhunderte überholt.  Er predigt den Gott des absoluten Gehorsams statt den Gott der Liebe und Barmherzigkeit. Wer nachdenkt und hinterfragt, ist des Teufels. Auf der einen Seite spielt er den Starken, auf der anderen Seite ist er weinerlich. Er trage das Kreuz, das Gott ihm auferlegt habe, sagte er zum ORF. Das ist perfid. Denn er ist nicht Opfer, sondern Täter. Als Führungsperson ist er sowieso ungeeignet. Denn seine Aufgabe wäre es, die Schafe zusammenzuführen statt sie  zu spalten. Bischof  Schwarz bleibt somit nur eine Entscheidung: Skoblickis Ablöse.

Luxus Swimmingpool

23. Juli 2011

Der hauseigene Swimmingpool als Todesfalle für die Kinder. Es ist herzzerreißend, wenn die Kleinen  in Verkennung  der Gefahren  in den Pool plumpsen  und bewusstlos von den Eltern herausgezogen werden.  Manchmal gelingen die Wiederbelebungsversuche, manchmal sind sie  vergeblich.

Der Pool als Statussymbol

Swimmingpools sind in.  Wer ein Haus sein Eigen nennen kann und etwas auf sich hält, schafft sich einen an.  Wie zahlreich sie sind, kann man gut aus dem Flugzeug beobachten. Im Anflug auf den Linzer Flughafen hat der Gast einen guten Blick auf die südlichen Linzer Vororte. Aus den Gärten  fast eines jeden Hauses leuchten blau-grüne Flecken,  Pools,  die  ob ihrer Kleinheit von manchen im Volksmund abfällig als Froschlack’n bezeichnet werden.  Vor Jahren klagte mir mein Schwager einmal sein Leid, dass meine Schwester auf einem  Pool bestehe. Um den Hausfrieden wieder herzustellen, wurde einer angeschafft.Ob dadurch das Eheglück  bereichert wurde, vermag ich nicht zu sagen.

Kleinkinder sind gefährdet

Swimmingpools sind ein Luxus. Sie werden viel weniger genutzt, als man vor dem Ankauf  meint. Sie müssen  sauber gehalten  werden. Neben den Anschaffungskosten bedeuten sie  also Arbeit. Vermutlich benötigt  man ebenso viel Zeit für die Reinigung und Abdeckung wie man   schwimmend darin verbringt. Die vielen Unglücksfälle ertrinkender Kleinkinder machen eines offensichtlich. Wer Kinder hat und sich einen Pool anschafft,  muss die Zeit haben, sie ununterbrochen zu beaufsichtigen. Wer diese Zeit nicht aufbringen kann  bzw. wer nicht in der Lage ist, für eine Aufsichtsperson zu sorgen, sollte sich das Geld für den Pool sparen. Denn er bewirkt das Gegenteil von dem, was er beabsichtigt. Er tut den Kindern nichts Gutes, sondern gefährdet sie. Swimmingpools muss man nicht  haben. Sie sind mindestens ebenso sehr Statussymbol wie sie Nutzen stiften.

Trachtenpärchen

16. Juli 2011

Ich gebe gleich vorweg zu, dass ich trachtengeschädigt bin. Meine Mutter hat mich in Trachtenanzüge gesteckt,  die ich nur widerwillig getragen und für die ich mich geschämt habe. Diese Zwangsmaßnahmen wirken bis heute nach.    Für einen Trachtenanzug bin ich nicht zu haben. Trachtenpärchen sind mir am liebsten auf der Almdudler-Flasche, ein heimisches Getränk, das weitaus besser  als Coca-Cola schmeckt.
Nachdem Trachten in den 70-er und 80-er Jahren out  und Jeans in waren, hat das Pendel  nun zurückgeschlagen.  Die Eröffnung der Festwochen Gmunden Freitagabend war gleichsam eine Trachten-Vollversammung. Der Amerikaner Dennis Russel Davis, Leiter des Brucknerorchesters, der in Linz stets in schwarz auftritt, trug einen hellgrünen Jägerleinen-Anzug. Seine Partnerin   Maki Namekawa hatte ein Trachtenkleid an. Bei der kürzlich im Linzer Landhaus stattgefundenen Vernissage von Maria Moser  trug die Japanerin einen Kimono.
Es ist natürlich die höchstpersönliche Entscheidung eines jeden, wie er sich kleidet. Doch wenn sich bekannte Personen plötzlich ein anderes Outfit verpassen, wird man im ersten Moment doch stutzig.  Städter präsentieren sich im Salzkammergut gerne als Landeier. Lederhosen und Hirschknöpfe ersetzen den italienischen Anzug.
Die Frage ist, welche geistige Haltung hinter der äußeren Fassade steckt. Handelt es sich bloß um eine Verkleidung, um einem  Trend zu entsprechen? Oder ist das Tragen der Tracht Zeichen eines inneren Widerstands gegen eine weltweite Uniformierung und Zentralisierung, die  der technische Fortschritt mit sich bringt? Ist die Tracht  Bekenntnis zur Regionalität als Antwort  auf die Globalisierung?   Für viele ist sie Ausdruck der Heimatliebe  und Teil der Identität. Wenn es so ist, ist es gut.    Aber man sollte kein Dogma daraus machen.

Der Todeskeim der römisch-katholischen Kirche

13. Juli 2011

Normal denkende, mit Hausverstand ausgestattete Katholiken wissen dank Christoph Schönborn, was sie zu tun haben. Sie sollen die römisch-katholische Kriche verlassen. Der Vorsitzende der östereichischen Bischofskonferenz hat in seiner Stellungnahme zum “Aufruf zum Ungehorsam” der “Pfarrerinitiative” nämlich Folgendes gesagt: “Wer also im geprüften Gewissen zur Überzeugung kommt, dass Rom auf einem Irrweg ist, der gravierend dem Willen Gottes widerspricht, müsste im äußersten Fall die Konsequenz ziehen, den Weg nicht mehr mit der römisch-katholischen Kirche zu gehen.”

Kirchliche Lehre widerspricht den Menschenrechten

Viele Katholiken sind nämlich derselben Meinung wie die Pfarrerinitative unter der Führung des früheren Wiener Generalvikars und jetzigen Studentenseelsorgers Helmut Schüller (Bild): Zulassung von Frauen und Verheirateten zum Priesteramt, Aufhebung des Predigtverbots für Laien,  Zulassung jener Priester, die wegen ihrer Eheschließung ihr Amt nicht mehr asuüben dürfen. Die katholische Lehre widerspricht in all’ diesen Punkten den Menschenrechten.

Die Kinderschänder dürfen bleiben

Die Stellungnahme von Schönborn ist sehr bemerkesnwert. Nicht die kirchlichen Kinderschänder sollen die Kirche verlassen, sondern jene, die in organisatorischen Fragen andere Meinungen vertreten. Neben Schönborn gibt es mit dem St. Pöltner Bischof Klaus Küng einen weiteren Scharfmacher. Für ihn trägt der Ungehorsamsaufruf einen “Todeskeim” in sich, der “unfruchtbar macht”.

Die Ordnungshüter können nicht mehr überzeugen

Die Radikalität der Bischöfe belegt, dass die kirchlichen Ordnungshüter in der Defensive sind. Sie können die Gläubigen nicht mehr  überzeugen, ihnen bleibt nur die Drohung des Ausschlusses. In einer Demokratie wirkt diese aber nicht. Die Mehrheit der Christen verlässt sich auf die Hauptverheißung der Bibel: Fürchtet euch nicht! Keine Angst vor Küng, Schönborn und dem Papst!

Geschäfte mit China sind gut, aber der Ruf nach Freiheit ist nicht zu verkaufen

05. Juli 2011

 

Für den chinesischen Ministerpräsidenten Wen Jiabao gingen vergangene Woche in ganz Europa die Türen auf. Denn er versprach das, was die EU-Regierungen nicht haben: Geld. China sitzt auf 3000 Milliarden Dollar Währungsreserven. Die schwer verschuldeten Regierungschefs (das Bild zeigt Jiabao mit dem ungarischen Ministerpräsdienten) buckelten vor dem chinesischen Diktator. Jiabao streichelte die Oberhäupter und versprach, China werde  weiterhin europäische Staatsanleihen kaufen und investieren. Es braucht die westlche Technologie.

Tibeter richten die Gewalt nun gegen sich selbst

Was spielte sich parallel im Reich der Mitte ab? Der Künstler Ai Weiwei und der Bürgerrechtler Hu Jia wurden zwar aus den Gefängnissen entlassen, aber sie müssen schweigen. Der Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo ist weiter in Haft. In Tibet werden Mönche gefoltert, aus dem Kloster Kirtaki wurden 300 verschleppt. Nachdem 50 Jahre gewaltloser Widerstand nichts gefruchtet hat, richten die Mönche mit Selbstverbrennungen die Gewalt gegen sich selbst. Eine neue Dimension des Widerstands.

Der Dalai Lama ist für ganz China gefährlich

Morgen, Mittwoch, feiert der Dalai Lama seinen 76. Geburtstag, die chinesische KP am Freitag ihren 90. Die Kommunisten fürchten den Religionsführer, weil er für geistige Werte, Freiheit und Spiritualität steht. Dinge, die sie nicht anbieten könen und nach denen sich auch die Chinesen sehnen. So erlebt zum Beispiel der Buddhismus in in der Mongolei eine neue Blüte. Die kommunistische Diktatur ist eine Schande. Jiabao lockt den Westen dort, wo er am anfälligsten ist: mit Geschäften. Aber Europa darf sich das Eintreten für die Freiheit udn Menschnerechte nicht abkaufen lassen.

Was stört es die Eiche, wenn sich die Sau an ihr reibt

28. Juni 2011

Liebe Leserin, lieber Leser,

in den vergangenen Stunden konnten Sie leider nicht auf meinen blog zugreifen. Ich wurde Opfer eines Hackers. Wie mir mein Techniker mitteilte, war dies ein gezielter Angriff.  Offensichtlich regen meine friedenvollen Inhalte doch manche so auf, dass sie zur Zerstörung greifen. Doch was stört es die Eiche, wenn sich die Sau an ihr reibt.

Was ist die Nato noch wert?

28. Juni 2011

 Was ist die Nato noch wert? Das muss man sich angesichts der Angriffe gegen Libyen fragen. Nach nur einigen Wochen ist den europäischen Partnern die Munition ausgegangen, die Amerikaner mussten aushelfen. Wo gibt es denn so etwas?

Zwei Millionen Soldaten haben die europäischen Nato-Staaten auf dem Papier unter Waffen, doch sie haben gleichzeitig Probleme, den Einsatz von 45.000 Mann in Afghanistan (Bild) aufrecht zu erhalten. Welches militärisches Gewicht haben die Europäer noch? Schönwetterstaaten?

Es ist verständlich, dass die USA auf die europäischen Verbündeten schlecht zu sprechen sind. Sie sehen nicht mehr ein, warum sie bereits für 75 Prozent der Verteidigungsausgaben der Nato aufkommen sollen. Vor gut zehn Jahren waren es rund 50 Prozent. Über Humanität zu philosophieren, wie das die Europäer gerne tun, ist eine Sache, sich aber dem Kampf tatsächlich zu stellen, eine andere.

Die Amerikaner sind der Europäer müde geworden, darum sind die Europäer in Libyen auch allein. Aber es zeigt sich halt auch, dass die Europäer nicht in der Lage sind, selbst militärische Führungsrollen zu übernehmen.

Dankbarkeit ist die entscheidende Energiequelle

20. Juni 2011

Die Begegnungen mit P. David Steindl-Rast haben mich beeindruckt. Um auch andere Menschen an seinen einfachen, aber doch gleichzeitig naheliegenden Ansichten teilhaben zu lassen, gebe ich den Vortrag wieder, den der Einsiedler am Pfingstmontag im Stift Reichersberg gehalten hat.

Die Kernfrage: Wer entscheidet was und wie?

“Wir sind vor große Entscheidungen gestellt. Entscheidung ist ein Schlüsselwort. Erstens: Wer entscheidet? Zweitens: Wofür entscheide ich mich, wenn ich selbst entscheide?, die Frage nach dem Ziel? Drittens: Wie kann ich selbst die richtige Entscheidung treffen?, die frage nach dem Prozeß, nach dem Weg, wie ich dorthin komme?”

Ich, das Ego, und Ich selbst, das Göttliche in mir

Auf die erste Frage, nach dem Wer entscheidet, gibt es laut Steindl-Rast zwei Möglichkeiten: Entweder entscheide ich oder ich selbst? Das seien zweierlei Dinge. Wie könne man sie unterscheiden? Jeder Mensch könne sich selbst beobachten. “Der Beobachter ist das ich selbst.” Jeder Mensch spiele eine Lebensrolle. “Das Ich ist Ausdruck des eigenen Selbst, das zu verschiedenen Zeiten verschiedene Rollen spielt. Das Ich ist immer mit der Zeit verflochten und in der Zeit gefangen. Das Selbst ist im Jetzt, das Jetzt ist die Ewigkeit.” So wie Augustinus gesagt habe: Die Ewigkeit ist das Jetzt, das nicht vergeht. Wenn meine Zeit vergangenen ist, bleibt das Jetzt. Das Selbst lebt in der Ewigkeit, über die Zeit hinaus. Das Selbst ist nur eines für uns alle. Das nennt Paulus Christus.” Alle Religionen, so Steindl-Rast, würden dieses Selbst im Menschen, das die Christen Christus, nennen, kennen. Es sei das Göttliche in uns. Die Buddhisten würden das die Buddha-Natur nennen. Deshalb laute auch das zweite Gebot “Liebe Deinen Nächsten als Dich selbst.” Liebe bedeute in diesem Sinn das Ja zur Zugehörigkeit. Ja zu sagen zu unserem Selbst. “Wir leben uns selbst. Wir sagen ja zu unserem göttlichen Selbst. Dieses Selbst haben wir alle gemeinsam.”

Das Ich selbst ist die Urentscheidung”, so Steindl-Rast. Denn man könne das Ich auch vom Selbst scheiden, trennen. “Wenn wir uns mit dem ich identifizieren, wird es das Ego.” Das sei gefährlich, da man sich dann von lauter anderen Egos umgeben sehe. Eigentlich wüsstenwir von unserem gemeinsamen Selbst, aber wir verdrängten es gerne. “Wir sind meistens verrückt, weil wir uns mit unserer Rolle identifizieren.” Das Selbst habe ungehrue Fähigkeiten, “es kann fast alles, was das Ich nicht kann. Das Selbst regeneriert den Körper ständig.” Alle sieben Jahre würden sich alle Zellen des Körpers erneuern. Das könne das Ich nicht. Das Ich könne auch den Herzschlag nicht beeinflussen, es könne ihn nur beobachten. “Das Beste und Wichtigste des Selbst ist, dass es alle großen Einfälle und alle usnere Entscheidungen trifft. Das Selbst ist das Tor, durch das alle guten Einfälle kommen. Es ist die Kraft, die die Bäume wachsen lässt und  die die Tiere hervorbringt.”

Das Selbst fließen lassen

Die Anwort auf das erste Frage, wer die Entscheidungen trifft, lautet: “Alle wichtigen Etnscheidungen muss das Selbst treffen, ich muss mein Selbst fließen lassen.”

Auf die mystischen Erfahrungen, auf die Gipfelerlebnisse hören

Die zweite Frage sei die nach dem Ziel, nach dem. wofür ich mich entscheide. Der amerikanische Forscher Abraham Maslow habe herausgefunden, was die Menschen wirklich groß und menschlich macht? Die großen Menschen hätte eines verbunden: mystische Erfahrungen. Es sei nicht der Mystiker ein besonderer Mensch, sondern jeder Mensch sei ein großer Mystiker. Die großen Menschen würden die mystischen Erfahrungen ernst nehmen. Maslow habe die mystischen Erfahrungen peak experience, Gipfelerlebnisse genannt. Jeder Mensch habe solche Gipfelerlebnisse. Dabei gehe es nicht um den Mount Everst, sondern auch um Ameisenhaufen. Steindl-Rast lud die Zuhörer ein, sich solcher Gipfelerlebnisse zu erinnern, wo man plötzlich mit allem eins gewesen sei. Zum Beispiel an einen Sonnenaufgang oder an ein intimes Erlebnis. Dieses Erlebnis könne oft ganz kurz sein. Es handle sich um ein zeitloses Jetzt-Erlebnis. “In den Gipfelerlebnissen haben wir eine ganz andere Welt-Sicht. Das ist es, was wir wollen, wenn wir selbst sind. Die Welt schaut völlig anders auch als gewöhnlich.” Denn wir seien gepreßt und geformt durch die Erziehungund Umwelt, “wir sind trainiert zu erleiden.” Angst sei charakteristisch für das kleine Ego, die Angst vor den anderen, die Angst, dass nicht genug da sei. Die Gegenwelt: Kein Neid, kein Geiz, keine Angst, keine Verteidigung, wir nehmen teil an dem großen Einem.  Wir haben große Achtung vor allem, alles wird heilig, sehen die Welt mit anderen Augen. Teilen tritt an die Stelle von Geiz und Neid. Anstelle der Verteidigung treten Verständigung und Frieden. Das sei ein ganz anderes Weltbild. Das Machtsystem werde durch ein Demutssystem ersetzt. Demut heißt den Mut haben zu dienen. Es brauche sehr viel Mut, das Demutssystem dem Machtsystem entgegenzusetzen. Die Liebe zur Macht wird durch die Macht der Liebe ersetzt. Jesus Christus habe es verwirklicht und die Folgen getragen. Wer sich für die Macht der Liee enscheide, werde auf die eine oder andere Weise das Kreuz erleiden müssen. Es sei eine große Versuchung, das Liebessystem mit den Mitteln des dämonischen Reiches herstellen zu können.  

Die Gesellschaft radikal hinterfragen

Seine These als Antwort auf die zweite Frage, die Frage nach dem Ziel laute: Um entscheidende Probleme zu lösen, muss das vorherrschende Gesellschaftssystem radikal hinterfragt werden.  

Drittens: Wie trifft man die rechten Entscheidungen? Sie müsse im Jetzt sein und von einem Selbst kommen. Hier komme die Dankbarkeit ins Spiel. “Wir sollten die Dankbarkeit zu einer spirituellen Übung machen. das sollte eine leichte Übung sein. Wir meinten, dass die glücklichen Menchen dankbar seien. “Das stimmt gar nicht. Wir kennen viele Leute, die alles haben und nicht glücklich sind. Wir kennen Leute, die nichts haben und trotzdem dankbar sind. Die Dankbarkeit ist der Schlüssel zur Freude. Wenn wir dankbar sind, haben wir die Freude, das Glück, das nicht davon abhängt, ob einem etwas glückt. Wir sollen in allen Situationen und für alles dankbar sein.”

Dankbar für die Gelegenheit

Kann man denn für alles dankbar sein? “Nein”, sagt Steindl-Rast, “wenn ein geliebter Mensch stirbt, wenn wir schwer krank werden, können wir dafür nicht dankbar sein. “Aber wir können dankbar sein für die Gelegenheit, für das Geschenk innerhalb des Geschehens, die einem geboten wird. Der Hauptteil des Tages bietet uns Gelegenheit uns zu freuen. Dann müsse man sich fragen, welche Gelegenheit sich wofür biete?  Zum Beispiel etwas zu lernen, zu wachsen. Wenn wir die gebotenen Möglichkeiten nicht gleich sehen könnten, “brauchen wir nur in den Rückspiegel des Lebens schauen.” Wir würden dann sehen, dass das, was einem widerfahren sei, sich im Nachhin als etwas Neues und Positives herausgestellt habe. “Es erweist sich als gute Gelegenheit, die dann Frucht getragen hat.” Wir können uns darauf verlassen, dass das Leben immer Positives bietet. Das ist der Glaube.

Die einzig realistische Haltung sei dankbar zu sein, alles sei gegeben, die einzig passende Antwort ist Dankbarkeit. Wir sollten Dankbarkeit zu einer Lebenspraxis machen. Dankbarkeit bringt schnelle Resultatet, sie macht uns ungeheuer kreativ. Wenn wir Dank tun, machen wir das Richtige. Die Dankbarkeit gibt uns Zugang zu Qualität mit weniger Quantität. Wir wollen Wohlstand, aber ungebremstes Wachstum ist unmöglich. Gott lässt die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Wenn wir dankbar sind, brauchen wir viel weniger. Ungebremstes Wachstum im Körper führe zu Krebs. “Dankbarkeit führt zur Qualität, nicht zur Quantität. Sie gibt uns Zugang zum Ursprung aller Energie. Dankbarkeit führt uns zum tiefsten Grund der Sinnfindung. Dankbarkeit ist die enscheidende Energiequelle. “Wenn wir dankbar sind, werden die rechten Entscheidungen fließen. Dankbar zu leben heißt furchtlos zu leben. Das häufigste Satz in der Bibel laute, “Fürchte Dich nicht!”  Er komme öfter vor als der Satz “Liebet einander!”

Fazit: Die Antwort von Steindl-Rast auf die drei Fragen lautet: Ich selbst entscheide mich für die Macht der Liebe aus Dankbarkeit.

Der Einsiedler Steindl-Rast: Sich auf das Leben verlassen

17. Juni 2011

 

P. David Steindl-Rast ist einer der großen spirituellen Führer der christlichen Welt. Der 85-Jährige ist in Österreich aufgewachsen. Er hat in Wien ein Kunst- und Psychologiestudium abgeschlossen, daneben hat er Anthropologie studiert. 1952 wanderte seine Familie aus wirtschaftlichen Gründen in die USA aus. 1953 trat er in das neugegründete Benediktinerkloster Mount Saviour ein. 1965 wurde er vom Abt beauftragt, sich mit dem Dialog zwischen Christentum und Buddhismus zu befassen. Er praktizierte mit den verschiedensten Zen-Meistern. Gemeinsam mit Rabbinern, Buddhisten, Hindus und Sufis gründete er 1968 das Center für Spiritual Studies. 1989 gründete er zusammen mit dem Zen-Mönch Vanja Palmers in Dienten am Hochkönig in Dienten am Hochkönig das „Haus der Stille“ Puregg.

Die einzig wahre Religion gibt es nicht

Er vertritt eine pluralistische Religionstheologie, derzufolge weder das Christentum noch eine andere Religion „einzig wahre“ Heilsmittler sind. Religionen entstanden in einem spezifischen kulturellen Umfeld, und jede Religion könne die gleiche Funktion erfüllen.

Der beeindruckende Eremit hielt sich nun einige Wochen im Europakloster Gut Aich in St. Gilgen auf, was mir die Gelegenheit bot, mit ihm zu reden. Er sei das halbe Jahr auf Reisen, erzählte er mir in der Bibliothek, die andere Hälfte lebe er alleine, an verschiedenen Orten, in Klöstern, wo es auch Einsiedeleien gebe. So habe zum Beispiel das Kloster in Kentucky, in dem Thomas Merton gelebt habe, eine Einsiedelei in Norwegen und eine in Papa-Neuguinea.

Ein Einsiedler lebt aus dem Moment heraus

Wie lebt denn ein Einsiedler, wollte ich von ihm wissen. „Die einzige Regel, die die Wüstenväter den Einsiedlern gegeben haben, ist die, sich keine Regeln zu machen. Der Einsiedler lebt aus dem Antrieb des Heiligen Geistes. Es kristallisiert sich ein Lebensrythmus heraus.“ Er tue dreierlei: das Singen von Psalmen und das Gebet; die Meditation, die geistliche Lesung; die Arbeit mit den Händen, zum Arbeit im Garten, das Essen richten. „Das Entscheidende ist, und das fällt leichter in der Einsiedelei, nicht abgelenkt zu werden. Man konzentriert sich auf den Augenblick, auf das Jetzt-Sein. Das ist der entscheidende Augenblick. In der Gegenwart erfährt man Gott. Man tut das dankbar, was einem der Augenblick aufgibt. Dankbar sein kann man nur im Jetzt-Sein. Das Dankbar-Sein eröffnet einem das volle Leben. Je mehr man dankbar ist, umso stärker bemerkt man, wie viel es gibt, wofür man dankbar sein kann. Die Dankbarkeit ist dann der Schlüssel zur Freude. Denn wenn man nicht dankbar ist, kann man noch so viel haben wie man will, man weiss die Dinge nicht mehr zu schätzen. Die Freude ist das Glück, das nicht davon abhängt, ob etwas glückt. Auch im Unglück kann man dankbar sein. Nicht für das Unglück, sondern für die Gelegenheit, das uns auch im Augenblick des Unglücks geschenkt wird. Zum Beispiel, Geduld zu lernen, Verständnis für andere zu haben, zu wachsen. Das Entscheidende sei zu zu wachsen. Wenn wir auf unser Leben zurückschauen, dann sehen wir, dass das, was uns als das größte Unglück erschienen ist, sich als das größte Geschenk herausstellt, weil es zu unserem größten Wachstum beigetragen hat. Das Leben schenkt uns immer Positives, auch wenn wir es nicht gleich erkennen. Darauf können wir uns verlassen. Das ist der Glaube: Sich immer auf das Leben verlassen zu können.“

Gott in der Ruhe, im Erlebnis erfahren

Was ist nun Gott? „Von außen sollen wird das nicht beantworten“, meint Bruder David. „Wir sind von innen her auf Gott ausgerichtet.“ Wir sollten nicht damit anfangen, was andere über Gott sagen, sondern ihn von innen heraus leben. „Wie erfahre ich die letzte Wirklichkeit, das Sein, das Wesentliche, was wirkt, was mein Gegenüber ist.“ Zunächst müssten wir einmal still werden, „sonst kann man nichts erleben. Dann erleben wir das Göttliche in der unendlichen Vielfalt des Seins. In den anderen Menschen, den Tieren, Pflanzen, in der unbelebten Natur. Alles, was es gibt, kann man als Wort Gottes verstehen.“ Gott spreche zu mir, „etwas spricht mich an, zum Beispiel ein Sonnenuntergang. Ich finde darin Sinn, in dem Sinn, dass wir darin zur Ruhe kommen.“ Der heilige Augustinus habe schon gesagt: „Unruhig ist unser Herz, Ruhe finde ich in Dir, oh Gott!“

Der Mensch ist unruhig

Bruder David: „Wir erleben zunächst einmal, dass wir unruhig sind, in der Suche nach etwas. Wir etwas finden, sagen wir, das ist es jetzt. Zum Beispiel ein Sonnenuntergang, eine Begegnung mit einem Menschen. Für manche Menschen ist die Liebe zu einem Hund, einer Katze eine Gottesbegegnung. Alles ist in diesem Sinn Wort Gottes. Diese Erlebnisse hat jeder. Augenblicke, in denen wir ruhen können. Das sind Formen der Gottesbegegnung.“

Das Wort kommt aus dem Schweigen

Es gebe noch eine zweite Form der Gottesbegegnung, nämlich das Schweigen, aus dem das Wort komme. Das Nichts, aus dem alles kommt. „Es gibt mich. Das ist ein Satz, zu dem jeder ja sagen kann. Dieses Es ist das Nichts, aus dem alles hervorkommt. Es ist nicht das leere Nichts, sondern das schwangere Nichts. Schwanger mit der Fülle von allem, was es gibt. Das nennen wir im Christentum den Vater. Oder das Schweigen, aus dem das Nichts hervorkommt.“ Das Schweigen sei die zweite Begegnung mit dem Göttlichen.

Der dritte Bereich der Gottesbegegnung sei alles, was dynamisch sei. „Unsere Liebe, die Wissbegierde, die menschliche Kreativität.“ Das Verstehen sei hier das Entscheidende.

Alles ist in Gott

Jeder Mensch erlebe Gott als Dreifaltigkeit.

1. Gott als Wort, weil er uns anspricht.

2. Gott ist Schweigen, weil jedes wahre Wort aus dem Schweigen kommt, ansonsten sei es nur Geplapper.

3. Wir können Gott verstehen. „Das Wort berührt und bewegt uns. Wir tun etwas, wir antworten. Nicht nur mit dem Mund, sondern mit dem Sein. Jeder Umstand ist etwas, wodurch Gott zu uns spricht. Mit unserem Leben antworten wir. Wir sind Ausdruck des göttlichen Wortes. Gott lebt in uns, als unser Lebensgeist.“

„Wir sind völlig eingebettet in das trinitarische Leben Gottes“, betont Bruder David. Das sei sehr wichtig, denn die Menschen könnten mit einem Gott, der von den Menschen getrennt sei, nicht mehr anfangen. „Das ursprünglich Christliche ist ein Gottesbild, wo wir völlig in Gott sind und wir in ihm.“ Man könne das mit einem Kübel Wasser vergleichen, der völlig ins Meer eingetaucht sei. „Gott übersteigt in uns, wir sind völlig vergöttlicht.“ Das nenne man Panentheismus: „Alles ist in Gott.“

“EHEC ist ein Hilferuf der Natur”

16. Juni 2011
Der Alternativmediziner Dr. Fritz Roithinger stammt von einem Bauernhof in der Ortschaft Fürth nahe Grieskirchen und  hat seine Ordination in Kitzbühel. Als gelernter Landwirt war er immer der Natur sehr verbunden wodurch sein medizinisches Verständnis sichtlich geprägt wurde. Bereits während seines Medizinstudium, dass er mit 31 Jahren nach abgeschlossener Externistenmatura begann, interessierte er sich für alternative Heilmethoden, da ihm die Schulmedizin mit ihren symptomatischen Heilmethoden zu wenig der Ursachen von Krankheit auf den Grund ging.
Für den Oberösterreich-Kurier am Sonntag habe ich mit Roithinger folgendes Interview geführt:
 
Frage: Zuerst waren die Gurken schuld, dann die Sprossen. Wie sehen Sie diese EHEC-Epedemie?
Roithinger: Es sind immer die selben Denkmuster. Man sucht automatisch einen äußeren Schuldigen und denkt nicht daran, dass in erster Linie wir Menschen die Verursacher sind. Über Jahrzehnte hinweg wurden unsere Böden durch Chemie zerstört und die ganze Nahrungsmittelaufbereitung nimmt diesen Produkten ihre volle Wertigkeit was ganz logisch zu einer Immunschwäche des Menschen führt. Die Symbiose Mensch-Natur stimmt nicht mehr.  Da liegt das Problem. 
Wenn nun solche Fälle wie der EHEC-Erreger auftreten, vermisse ich den gedanklichen Ansatz, was wir Menschen etwas falsch machen, dass solche  Vorkommnisse immer wieder passieren müssen. Für den Einzelnen, den Betroffenen ist das natürlich dramatisch. Wenn  man es im Gesamten betrachtet, ist es wie ein erneuter Hilfeschrei der Natur endlich für unser Gesundsein Verantwortung zu übernehmen. Wir können nicht die Natur zerstören und Gesundheit erwarten.
 
Wo wird die Natur zerstört? 
Roithinger: Schauen Sie sich die Landwirtschaft an, die chemische Düngung, die Monokulturen! Retortengemüse das nie einen gesunden Boden und ein Sonnenlicht erlebt hat. Ganz zu schweigen von den katastrophalen Missständen in der Tierhaltung. Das kann es ja nicht sein. Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das seine Nahrung vor dem Verzehr zerstört. Somit wird die heilende  Symbiose blockiert.
 
Sie betonen, wie wichtig die Nahrung für den Menschen ist. Was soll er essen?
 
Roithinger: Dem Mensch ist, was er isst. Je vollwertiger unsere Nahrung ist, desto mehr Gesundheit können wir erwarten. Ich finde es tragisch, dass dieser Gedanke der Ernährung noch nicht in die Krankenhausküchen  eingeflossen ist.  
 
Sind Sie Vegetarier?
 
Roithinger: Nein, aber der tierischer Anteil an meinem Essen ist minimal.
 
Sie halten den seelisch-geistigen Aspekt des Menschen für ganz zentral.
  
Roithinger: Die Situation der heutigen  Medizin zeigt sich in erster Linie darin, dass die Technik und die Wissenschaft nicht in der Lage sind, die Ursachen von Krankheiten zu verstehen.  Der Mensch ist eine Einheit von Körper, Seele und Geist. Er ist integriert in seine geistige und physische Umwelt.    In der ganzheitlichen Medizin erfahren wir, das jede Krankehit einen geistig-seelischen Konflikt als Hintergrund hat. Der Körper reflektiert ja nur dieses Bewußtsein. Dort wäre der Ansatz eine Heilung einzuleiten. Nachdem aber mit der heutgien Technik diese Welt verschlossen bleibt, ist die symtomatische Kompensation durch Chemie in so vielen Fällen die einzige Form von „Heilung“. 
Es wäre natürlich falsch, die heutige Medizin mit ihren großen Leistungen in der Chirurgie in Bausch und Bogen abzulehnen.  Trotzdem müssen wir die heutige Medizin komplett neu überdenken. Es sollte endlich zu einem Brückenschlag zwischen der Schulmedizin und den Denkansätzen alternativer Heilmethoden kommen.
 
Was sind die Ursachen für die vielen Krebserkrankungen? 
Roithinger: Generell betrachtet ist es unser zutiefst materieller Lebensstil. Das ist der springende Punkt. Es ist natürlich tragisch, wenn jemand an Krebs erkrankt und sich voller Hoffnung der Medizin  zuwendet, die leider Gottes nach 40 Jahren intensiver Forschung dieser dramatischen Erkrankung  wenig entgegenzusetzen hat.  Wir wissen darüber sehr wenig, was die genauen Ursachen in den spezifischen Fällen sind.   Für mich ist klar, dass unsere zerstörte Umwelt, die Chemie in der Nahrungsmittelindustrie und der Medizin, etc. zu den Mitverursachern gehören. Zusätzlich sind wir in der heutigen Zeit einer massiven permantem Elektrosmog ausgesetzt. Wenn man es ganzheitlich betrachtet ist der geistige Einfluß unserer materialistischen Welt mindestens genauso mitverantwortlich . Der Krebs passiert in Wirklichkeit auf diesen Bewußtseinsebenen. Wir sind leider noch nicht bereit, Heilung auf dieser geistigen Ebene zu verstehen.   Wir müssen endlich verstehen, dass Krankheit eine Korrektur zu neuem Bewußtsein und eine Chance das Lebensmuster neu zu überdenken.
 
Viele Menschen sind heute psychisch-seelisch erkrankt. Wie kann man ihnen helfen?
 
Roithinger: Die Medizin hat diesen armen Menschen, die in Angst, Einsamkeit und Hoffnungslosigkeit leben, in den meisten Fällen nur Chemie anzubieten. Aber wie soll das funktionieren? Diesen Menschen fehlen Liebe, Geborgenheit und Verständnis. Sie brauchen das Bewußtsein, von ihren Mitmenschen geachtet und geliebt zu werden.
Mir geht es in erster Linie darum, das zu vermitteln.  Wenn ein Patient zu mir kommt, versuche ich ihm dabei zu helfen, seine Lebenssituation  zu verstehen und anzunehmen, wo er gerade auf seiner Lebensreise ist. Ich versuche ihm  dann die Ursache seiner Krankheit verständlich zu machen, denn nur so können ursächliche Fehler korrigiert werden, damit eine Heilung möglich wird. Es gibt viele ganzheitliche Heilmethoden die den Kranken subtil führen und ihn am Weg zu seine Gesundheit unterstützen .
Mein wichtigstes Anliegen ist, dass die Menschen endlich Eigenverantwortung übernehmen. Dass wir Gesundheit nicht durch jährliche Check-up’s, sondern in vielen Fällen durch grundlegende Lebens- und Ernährungsumstellungen erreicht werden kann. Wir können nicht in Gesundheit leben, wenn wir unsere Umwelt missachten und zerstören. Besonders wichtig ist, die Würde und Achtung unserer Mitmenschen, die Liebe zur Tierwelt und die tiefe Verbundenheit mit der gesamten Natur, die uns so reichlich in ihrer Schönheit geschenkt wird. Wir müssen begreifen, dass unser irdischen Leben vor allem den Zweck hat, dass wir uns geistig weiterentwickeln und in Liebe und Einklang mit der Natur leben. Wir leben alle in kollektiver Resonanz. Alles wird zum Spiegelbild unseres jetzigen Seins. Die Reise zum Herzen kann jeden Tag beginnen. Machen Sie bald den ersten Schritt.
 
 

Die EU und die Türkei sind auf einer gemeinsamen Reise

09. Juni 2011

Ein primitiver Racheakt. Anders kann man die Ablehnung von Ursula Plassnik als neue OECD-Generalsekretärin durch die Türkei nicht bezeichnen. Sie wird bestraft für die 2005 von der österreichischen Regierung gestellte Forderung, es sollte auch über Alternativen zum EU-Beitritt nachgedacht und verhandelt werden. Die Ablehnung ist alles andere als klug, denn sie führt nicht zu einer Annäherung zwischen Österreich und der Türkei, sondern vertieft die bereits vorhandenen Gräben.

Derzeit ist weder die EU reif für die Türkei noch die Türkei für die EU

Derartiges Handeln lässt Zweifel aufkommen an der mehrfach erklärten Absicht der türkischen Regierung, der EU beizutreten. Experten erklärten beim Raiffeisen-Wirtschaftsforum in Istanbul (2.-4.6.), beide Seiten – sowohl die EU als auch die Türkei – könnten mit der jetzigen Situation ganz gut leben. Es wird zwar verhandelt, aber es herrscht de facto Stillstand. Denn es ist weder die EU in der Lage, die Türkei aufzunehmen noch ist die Türkei reif für die EU.  Europa kann den zu erwartenden Zustrom an türkischen Arbeitskräften nicht bewältigen. Das EU-Vollmitglied Türkei würde mit seiner Stärke den derzeitigen Machtausgleich zwischen den Führungsmitgliedern Deutschland, Frankreich und Großbritannien durcheinanderbringen.

Beide sind aufeinander angewiesen

Dabei sind beide – die EU und die Türkei – aufeinander angewiesen und beide haben Stärken, die dem anderen gefallen. Der EU fehlen die wirtschaftliche Dynamik und der Bevölkerungszuwachs, über die die Türkei verfügt, für die Türkei sind die technologischen Entwicklungen und die europäische Zivilgesellschaft attraktiv. Gerald Knaus, Vorsitzender der europäischen Stabilitäsinitiative “Politische Zukunft der Türkei” - ich habe ihn bereits im vorhergehenden Beitrag zitiert - vergleicht das Verhältnis der beiden mit einer katholischen Ehe, wo keiner der beiden Partner aufstehen und sagen könne, ich gehe.  Sowohl die EU als auch die Türkei sind aufeinander angewiesen, unabhängig davon, ob die Türkei nun Mitglied ist oder nicht.

Wo wird die gemeinsame Reise enden?

Wohin die Reise geht, ist derzeit schwer abzuschätzen. Sowohl die EU als auch die Türkei sind in einem massiven Wandel. Europa aufgrund der Verschuldung und der Euro-Krise, die Euro-Mitgliedsstaaten sind gezwungen, ihre Steuer-, Sozial- und Währungspolitik aufeinander abzustimmen und die Zusammenarbeit zu vertiefen.  Die Türkei ist in einem dramatischen Wandel in Richtung urbane Gesellschaft. Bereits mehr als zwei Drittel leben in Städten, acht Städte haben mehr als eine Million Einwohner. Waren 1997 noch 70 Prozent arrangierte Ehen, so fiel dieser Prozentsatz 2005 auf zehn Prozent. Dieser dynamische Aufholprozess wird weitergehen.  

Das Entscheidende ist der Gesprächsprozess

 Wie das Verhältnis von EU und Türkei in zehn Jahren sein wird, ist heute sehr schwer abzuschätzen. Das ist momentan auch nicht die primäre Frage. Entscheidend ist, dass beide miteinander im Gespräch bleiben und sich aufeinander zubewegen. Es ist sehr viel Emotion und Psychologie im Spiel. Die Türken fühlen sich als nicht gleichwertig behandelt und führen dies auf ihren muslimischen Glauben zurück. Europa wiederum sieht gravierende Mängel bei den Menschenrechten und Demokratiedefizite. Die türkische Regierung antwortet auf die Probleme mit der EU mit einer betont stärkeren Rolle als Regionalmacht. Doch die Türkei hat schon immer nach Europa geschaut. Woran soll sie sich sonst orientieren? An Syrien, an Teheran, an Moskau? 

EU mit verschiedenen Integrationsstufen

Eine Lösung wäre die Weiterentwicklung der EU in verschieden stark integrierte Stufen. Eine vertiefte Kerngruppe, das könnte eine abgespeckte Euro-Zone sein, eine zweite Gruppe, die alle anderen EU-Länder erfasst und eine Wirtschaftsunion, der zum Beispiel die Türkei angehören würde.

P:S.: Das Bild zeigt die Hagia Sophia in Istanbul. Erbaut wurde sie im sechsten Jahrhundert als christliche Kirche. Nach der Eroberung durch die Osmanen 1453 wurde sie in eine Moschee umgewandelt. Heute ist der wunderbare Bau ein Museum.

“Die EU und die Türkei sind eigentlich schon verheiratet”

08. Juni 2011

„Die EU und die Türkei sind seit der Zollunion 1996 eigentlich schon verheiratet. Millionen Türken sind bereits in der EU. Wie in einer katholischen Ehe, die nicht geschieden werden kann, gibt es gute und schlechte Phasen. Aber keine Seite kann vom Tisch aufstehen und sagen, ich gehe.“ Mit diesen Sätzen beschrieb Gerald Knaus, Vorsitzender der Europäischen Stabilitätsinitiative „Politische Zukunft der Türkei“, bei den Gesprächen des Raiffeisenwirtschaftsforums vom 2. bis 4. Juni in Istanbul (das Bild zeigt eine Brücke über den Bosporus) das derzeitige Verhältnis.

EU-Beitritt primär eine politische Frage

Alper Hakan Yüksel von der Akbank TAS meinte, der EU-Beitritt seines Landes sei mehr eine politische als eine wirtschaftliche Frage. Die Wirtschaft könne mit der jetzigen Situation ganz gut leben. Es werde viel Zeit brauchen, dass die Vorbehalte gegenüber der Türkei fallen werden. Auch Kanus meinte, der Türkei fehle die Anerkennung in Europa. Mi der derzeitigen Situation, nämlich jahrelangen Verhandlungen, könnten beide Seite, sowohl die EU als auch die türkische Regierung, eigentlich ganz gut leben.

Erneuerte EU in drei Stufen

Das 80-köpfige Wirtschaftsforum der Raiffeisen-Landesbank Oberösterreich tagte dieses Jahr in Istanbul. Angeführt wurde es von Generaldirektor Ludwig Scharinger, Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl und dem Präsidenten der Industriellenvereinigung, Veit Sorger. Zur Frage des EU-Beitritts meinte Leitl: „Meine Botschaft ist, fürchten wir uns nicht vor der Türkei, sondern schließen wir eine Partnerschaft.“ Die EU sollte sich nach seiner Vorstellung dreistufig weiterentwickeln. In eine vertiefte Kernunion mit einer gemeinsamen Wirtschafts-, Steuer-, Sozial- und Währungspolitik. In eine zweite Gruppe, der jene Staaten angehören, die bereits in der EU sind, aber nicht der Kerngruppe angehören. Und drittens in eine Wirtschaftsunion, die auch Länder wie Russland, die Ukraine, die Türkei und alle Mittelmeer-Anrainerstaaten umfassen. Diese Wirtschaftsunion mit mehr als einer Milliarde Einwohner sollte das europäische Gegengewicht zu den USA und Asien bilden.

Stereotype Wahrnehmungen beenden

Scharinger appellierte – beeindruckt von der enormen Wirtschaftsdynamik – die „stereotypen Wahrnehmungen“ über das aufstrebende Land zurechtzurücken. Leitl sagte, „alle wollen nach China, aber wir haben unser China vor der Haustür, die Türkei mit ihrem 73-Millionen-Einwohner-Markt“. 2010 war Österreich mit 1,3 Milliarden Euro der größte Auslandsinvestor in der Türkei. Das Wachstum betrug im vergangenen Jahr 8,2 Prozent, heuer werden 4,6 Prozent erwartet.

Erdogan Favorit bei der Wahl am Sonntag

Istanbul ist derzeit vollgepflastert mit Werbeplakaten der Politiker. Denn am Sonntag wird ein neues Parlament gewählt. Haushoher Favorit ist Ministerpräsident Erdogan, dessen AKP auf einen Stimmenanteil von 40 bis 47 Prozent geschätzt wird. Dahinter liegt mit circa 30 Prozent die sozialdemokratische CHP. Die rechts-nationalistische MHP wird auf elf Prozent geschätzt.

Karl-Heinz Grasser, der Schönredner

27. Mai 2011

 

Er stellt sich nun als politisches Opfer hin. Das sei politisch motivierte Rache, sagte er der “Krone”. Karl Heinz Grasser (Bild: kleinezeitung.at) könnte einem fast leid tun. Er, das Unschuldslamm, das doch eh immer korrekt gehandelt habe, werde nun verfolgt. Diese Argumentation kommt einem bekannt vor. Südlich der Alpen gibt es einen Mann, dem es ähnlich ergeht. Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi wird ebenso von den Behörden verfolgt wie Grasser. Auch er betont ununterbrochen seine Unschuld.

Vertreter der Ich-AG

Die heftige Reaktion lässt darauf schließen, dass es für den Schönling eng wird. Hausdurchsuchungen an drei Orten mit 60 Beamten der Steuerfahndung und des Bundeskriminalamtes sind keine Kleinigkeit. Da muss schon ein begründeter Verdacht vorliegen. Die Staatsanwaltschaft Wien meint, dass Grasser die vier Millionen Euro, die er von der Gesellschaft Meinl International Power erhalten hat, nicht versteuert habe. Dass er ein Steuerkünstler ist, hat er schon zu Beginn seiner Amszeit als Finanzminister bewiesen. Er war der Meinung, dass er jene 150.000 Euro, die er als Spende der Industriellenvereinigung erhalten – angeblich für seine homepage -, nicht zu versteuern hat. Damals war Grasser noch ein Polit-Star. Als er zu Beginn der schwarz-blauen Koalition im Linzer Design-Center aufgetreten ist, haben ihm die 2000 Zuhörer zugejubelt. Journalisten wie meine Wenigkeit, die kritische Fragen zur Nichtversteuerung gestellt haben, waren die Buhmänner. Nun haben sich die Rollen getauscht. 

Was blieb vom Nulldefizit?

Als schöngeredet stellt sich das von ihm groß verkündete Budget-Nulldefizit heraus. Denn die Schulden der ÖBB, der Asfinag und Immobilien-Gesellschaft des Bundes wurden nicht miteingerechnet. Die EU, sprich die Statistikbehörde Eurostat, hat diese Schmähs längst durchschaut und verlangt nun deren Miteinbeziehung, um zu den wahren Zahlen zu gelangen. Insofern ist Grasser seiner Linie treu geblieben. Er ist ein Schönredner und ein Vertreter der Ich-AG, die moralisch abgehaust hat.

Die AKW-Front bröckelt

26. Mai 2011

Eine erfreuliche Botschaft! Unsere Schweizer Nachbarn wollen bis 2034 aus der Kernkraft aussteigen. Das ist ein weiterer wichtiger Baustein im Umstieg auf nachhaltige Energie. Damit haben drei sehr wichtige Länder, nämlich Deutschland, Österreich und die Schweiz, den Weg der Kernenergie verlassen. Diese drei Länder gelten vielen anderen Staaten als Vorbild. Damit wird eine Botschaft signalisiert: Wer modern ist, setzt auf umweltfreundliche Technologien. Die Atommauer beginnt zu bröckeln.

Die Stresstests sind in Summe positiv

Die demnächst in der EU beginnenden Stresstests für AKW sind zwar in der Art und Weise, wie sie durchgeführt werden, umstritten, aber in Summe positiv zu sehen. Denn die Betreiber müssen versuchen, sie zu bestehen.  Der eine oder andere wird gezwungen technisch nachzurüsten. Das Bewusstsein, dass AKW gefährlich sind, wird geschärft. Diese Stresstests sollten nicht nur einmal, sondern jährlich durchgeführt werden. So katastrophal die mehrfache Kernschmelze in Fukushima war, so positiv könnten sich die Folgen – zumindest in unseren Breiten - herausstellen.

Die atomaren Geschäfte unserer Nachbarn

25. Mai 2011

Die Deutschen wollen aus dem Atomenergie aussteigen, die Österreicher sind sowieso dagegen. Doch der Umstieg Deutschlands auf rein nachhaltige Energieerzeugung ist nicht so einfach und er wird Jahrzehnte dauern. Unsere tschechischen und slowakischen Nachbarn gehen einen anderen Weg Sie setzen auf den Ausbau der Kernenergie und wollen Temelin (Bild) und Bohunice erweitern. Sie benötigen den Strom zweifellos für den eigenen Gebrauch, aber sie wittern gleichzeitig gute Geschäfte,

Was können wir dagegen tun? Wir können lediglich protestieren und unsere möglichen Gefährdungen vortragen. Doch in Wahrheit sind Österreichs Mittel sehr begrenzt. Denn die Entscheidung zur Atomkraft liegt bei den Nationalstaaten. Unsere Protestrufe werden zwar gehört, doch sie werden wenig bis gar nichts bewirken. Das ist die bittere Wahrheit.

Wir können lediglich versuchen, in der Verwirklichung nachhaltiger Energie vorbildlich zu sein. Und dabei so attraktiv sein, dass unsere Nachbarn einen ähnlichen Weg einschlagen.

Der Krug geht so lange zum Brunnen bis er bricht

18. Mai 2011

Die Feststellung ist zwar fast ein bißchen banal, aber IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn ist ein Beispiel für das Sprichwort “der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht”. Nun ist er gebrochen und er war höchste Zeit. Er hat sich gegenüber der afrikansichen Hotelbediensteten offensichtlich verhalten wie ein Schwein. Er, der Sozialist, der sich zum Obersozialisten Frankreichs küren lassen wollte, hat die arme Afrikanerin gedemütigt, erniedrigt und mißbraucht. Die neueste Ausrede, die Frau habe dies alles freiwillig mitgemacht, ist ein weiterer Skandal.

Seine Übergriffe sind keine Einzelfälle

Mag er noch so ein anerkannter Finanzfachmann sein, so rechtfertigt dies nicht seine Schweinereien gegenüber den Frauen. Sexuelle Übergriffe sind bei ihm ja keine Einzelfälle. Seine Karriere endet in einem Scherbenhaufen. Er verliert sowohl seinen Job als auch  die Kandidatur für die französische Präsidentschaft. Er ist am Ende. Er hat sich selbst zum Opfer seiner Übergriffe gemacht. Gibt es Gerechtigkeit, so wandert er für längere Zeit ins Gefängnis.

Weder die USA noch Bin Laden verändern die muslimische Welt, sondern die gewaltlosen Revolutionen der Jungen

03. Mai 2011

Der Tod von Osama Bin Laden symbolisiert eine Wende. Der muslimische Terrorismus hat seinen Höhepunkt überschritten. Das ist nicht etwa das große Verdienst der Amerikaner, sondern es ist eine Folge der demokratischen Revolutionen im arabischen Raum. Die Jungen lehnen der Weg der Gewalt und des Terrors ab. Bin Laden ist gescheitert. Er ging den falschen Weg auf der Suche nach der Zukunft. Der Folgen sind in ihrer umfassenden Dimension noch nicht wirklich abschätzbar. Die Versöhnung von Hamas und der PLO ist eine solche, unerwartete Konsequenz.

Die Folgen der Revolutionen sind noch immer unabsehbar

Was wird in Ägypten passieren, was in Tunesien, was im Jemen oder was in Syrien? Wann geht die Herrschaft von Muamar al Gaddafi zu Ende? Wie werden sich die Machtgewichte im Nahen Osten verschieben? Die Revolutionen der Jungen sind einzigartig. Sie bringen die Demokratie und nicht George W. Bush, der den Einmarsch der US-Amerikaner im Irak unter anderem mit der Absicht begründete, im arabischen Raum die Demokratie zu installieren. Der Krieg in Afghanistan und im Zwei-Strom-Land hat die USA bisher rund 850 Milliarden Dollar gekostet. Von den vielen Toten abgesehen. Doch die nachhaltige Änderung kam gewaltlos: durch die Revolution der Jungen. Auf sie sollte der Westen setzen. Durch Unterstützung in der Ausbildung, durch wirtschaftliche Hilfen, dass die Jungen Arbeit finden.

“Wir wachsen am Mißerfolg, nicht am Erfolg”

11. April 2011

“Wir werden nicht weise, indem wir Erfolg haben, sondern wir wachsen am Mißerfolg. Das Gegenteil von Erfolg führt uns weiter.” In einem eindrücklichen Vortrag nannte der Kriminalpsychologe Thomas Müller im Melodium des Schlosses Peuerbach Kriterien, warum der eine in der Krise wächst und der andere nicht. Was sind die Gesetzmäßigkeiten?, fragte er das Publikum.  

Bereitschaft zur Weiterentwicklung 

Das Wichtigste sei die Bereitschaft zur Weiterentwickung. Es sei falsch, eine Haltung nach dem Motto bloß nicht anstreifen einzunehmen. Man dürfe nicht in der Sicherheit verharren, man müsse das Risiko eingehen einen Flopp zu bauen. Nicht das Verhalten in alten Positionen und im alten Denken bringe einen weiter, sondern die Bereitschaft zum Neuen.

Perspektivenwechsel

Es sei zweitens wichtig, einen Perspektivenwechsel durchzuführen. Das bedeute, die Sicht eines anderen anzunehmen. Es bedeute auch draufzukommen, dass es anderen noch schlechter gehe. Müller: “Es gibt Menschen, die vor lauter Jammern noch im Liegen umfallen. Natürlich gebe es Menschen, die vor Änderungen Angst hätten. Aber Angst sei etwas Lebensnotwendiges. Niemals habe so viele Menschen gegeben, die Angst hatten. Angst resultiere aus einer abgebrochenen Form der Kommunikation.

Selbstwertgefühl

Wichtig sei drittens das Selbstwertgefühl. Es setze sich aus drei Bereichen zusammen.

a) aus der beruflichen Tätigkeit. Es hebe und senke das Selbstwertfühl. Es könne nicht durch den privaten Bereich kompensiert werden.

b) aus der persönlichen Interaktion mit den Menschen und dem Umfeld.

c) aus einer gewissen Selbstbezogenheit, aus einem gewissen Ego. Sich zum Beispiel die Zeit zu nehmen, Sport zu betreiben oder ein Buch zu lesen. “Ein Quentchen Selbstverliebtheit ist für uns sogar förderlich.”

Diese drei genannten Bereiche ergäben 100 Prozent Selbstbewußtsein. Es sollte sich jeder selbst überlegen, wie die Verteilung in seinem höchstpersönlichen Bereich aussehe. Die einfachste Form, Defizite im Selbstbewußtsein zu überspielen, sei, sich Neurosen zuzulegen. Zum Beispiel Suchtverhalten oder sich eine Zweit- oder Drittbeziehung zuzulegen. Die Reaktion auf den Verlust von Selbstwertgefühl sei eine frei wählbare Entscheidung.

Offene und ehrliche Kommunikation

“Die Menschen haben es satt, angelogen zu werden.” Deshalb so Müller, müsse Kommunikation offen und ehrlich sein. Nicht die einzelne Krise werfe die Menschen um, sondern die Summe der kleinen Demütigungen.

Lob und Gelassenheit

Neben den genannten vier Punkten empfahl Müller zwei weitere Handlungsweisen. “Es gibt ein Zauberwort, das alle verändert: LOB.” Er fragte die Zuhörer, wann sie das letzte Mal gelobt worden seien bzw. wann sie jemanden gelobt hätten. Die zweite Empfehlugn ist GELASSENHEIT. Sie sei nicht zu verwechseln mit Gleichgültigkeit. Um die Gelassenheit zu schulen, empfiehlt er, die Perspektive einer Fliege einzunehmen, um sich aus der Bedeutung herauszunehmen.

Vorbildfunktion

Und schließlich und endlich habe jeder eine VORBILDFUNKTION, ob man das nun wahrhaben wolle oder nicht. Denn viele Menschen ahmten Verhalten nach, “es gibt viele Wiederholungstäter”.  

Der rund 350 Besucher im bis auf den letzten Platz gefüllten Saal des Melodiums in Peuerbach dankten Müller für seine Worte mit wiederholtem Applaus.

Grotesker Ortstafel-Streit

07. April 2011

Kärnten bleibt mir ein Rätsel. Seit Jahrzehnten wird um die zweisparachigen Ortstafeln gestritten. Als Außenstehender bleibt einem dieser Disput fremd. Wenn es Slowenen gibt, die Slowenisch sprechen, dann sollen doch auch die Ortstafeln zweisprachig sein. Nun liegt ein Kompromiss vor, der vorsieht, dass in Orten mit mehr als 17,5 Prozent Slowenenanteil die Tafeln zweisprachig sein sollen. Doch Valentin Inzko, Obmann des Rates der Kärnnter Slowenen, wehrt sich dagegen. Er fordert die vom Verfassungsgerichtshof genannte 10-Prozent-Grenze ein. 

Inzko ist ein vernünftiger Mann

Ich kenne Inzko persönlich aus der Zeit, als er in den neunziger Jahren österreichischer Botschafter in Sarajewo war. Er, der zur Zeit Hoher Repräsentant in Bosnien und der Herzegowina ist, ist ein sehr konstruktiver und vernünftiger Mann und alles andere als radikal.  Er ist ein Mann, der seine Worte mit Bedacht wählt. Mit seinem Bestehen auf die Zehn-Prozent-Grenze hat er Recht. Die Politiker sind aufgerufen, das Verfassungsgerichtshof-Urteil umzusetzen. Und das sieht nun einmal die zehn Prozent vor. In Zeiten der Europäischen Union und in Zeiten, in denen die Schüler angehalten sind, Fremdsprache zu lernen, ist der Ortstafel-Streit geradezu lächerlich und grotesk.

Die letzte Chance des Josef Pröll

06. April 2011

ÖVP-Obmann Vizekanzler Josef Pröll steht an einem entscheidenden Punkt seines Lebens. Soll er angesichts der  kürzlich erlittenen zweiten Thrombose (Lungenembolie) aus der Politik ausscheiden oder soll er weitermachen? Und wenn er weitermacht, wie soll er zukünftig vorgehen? Vor rund zehn Tagen hat Raiffeisen-Generalanwalt Christian Konrad bei einer Veranstaltung seine Lockrufe  erschallen lassen. Pröll solle doch ins Reich des Giebelkreuzes kommen. Ein zweifellos interessantes Angebot. Würde er Konrads Nachfolger, hätte er ein wesentlich ruhigeres Leben, ein höheres Einkommen und gleichzeitig Macht und Einfluss.

Gibt Pröll den Finanzminister ab?

Entscheidet sich der 42-jährige Pröll für den Verbleib in der Bundespolitik, wird er Grundlegendes ändern müssen. Angesichts der Arbeitsüberlastung und der vielen Reisen nach Brüssel, die für ihn alles andere als gesund sind, wäre es naheliegend, den Finanzminister aufzugeben und sich auf die Aufgaben des Parteiobmanns und des Vizekanzlers zu konzentrieren. Die ÖVP benötigt dringend eine Neuaufstellung. Würde die Volkspartei im selben Trott weitergehen, in dem sie derzeit unterwegs ist, wird sie sich bei der nächsten Nationalratswahl mit ziemlicher Sicherheit hinter der FPÖ und der SPÖ an dritter Stelle wiederfinden.

ÖVP benötigt neue Inhalte und Persönlichkeiten

Die Volkspartei benötigt einen Schub an Reformkraft, an Inhalten und an neuen Persönlichkeiten. Ihr Agieren in den vergangenen Monaten ist saft- und kraftlos. Pröll hat sein Renommee als Gestalter verloren. ÖVP-Insider behaupten, sein Onkel Erwin Pröll, Landeshauptmann von Niederösterreich, habe seinen Neffen gebrochen. Seit den Konflikten zwischen den beiden sei Josef Pröll ein anderer geworden.

Pröll muss den Gordischen Knoten durchschlagen

Bleibt Pröll an der ÖVP-Spitze, muss er bei seiner angekündigten Rückkehr nach Ostern wie Alexander der Große den Gordischen Knoten mit einem Schwerthieb durchschlagen. Er muss die Partei mit einem gut durchdachten Rundumschlag neu aufstellen. Macht er das nicht, vermasselt er sich jetzt schon die Chancen auf die Kanzlerschaft bei der Wahl 2013. Wird er 2013 nicht Kanzler, ist seine Zeit an der Spitze sowieso abgelaufen. Josef Pröll hat nun eine letzte Chance.

Der Aufstieg und Fall des Ernst Strasser

21. März 2011

Die Dreistigkeit, mit der sich Ernst Strasser (Bild: kleinezzeitung.at) als käuflicher Lobbyist im Video, das die Journalisten der „Sunday Times“ haben mitlaufen lassen, anbietet, ist schier unglaublich. 100.000 Euro koste er pro Jahr, verkündete er, er arbeite bereits für fünf Firmen. Das macht zusätzlich zu seinem Einkommen als EU-Parlamentarier 500.000 Euro aus. Nicht schlecht. Die Öffentlichkeit darf gespannt sein, ob er nun auch eine Sonderprüfung der Finanzverwaltung erfährt oder ob sein Förderer und Parteichef Finanzminister Josef Pröll die schützende Hand über ihn hält.

Eine Fehlentscheidung von Josef Pröll

Die Nominierung Strassers zum ÖVP-Spitzenkandidaten bei der vergangenen EU-Wahl war eine schwere Fehlentscheidung Prölls. Denn schon damals war Strasser Lobbyist. Zum Beispiel für die Tiroler Moser-Holding. Obwohl Strasser als gebürtiger Grieskirchner die kulturelle Bedeutung der Verkaufsausgaben der Rundschau und deren Wichtigkeit für die kulturelle Identität der Regionen Oberösterreichs kannte – er hat in seiner Jugend als freier Mitarbeiter für die Welser Rundschau geschrieben -, plädierte er für deren Einstellung. Er fügte sich seinem Geldgeber, der Tiroler Moser-Holding. Er tat damals schon, was ihm nun zum Verhängnis wurde. Er entschied nicht nach objektiven Kriterien, sondern für jene, die ihn bezahlten.

Er steht vor dem Scherbenhaufen seines Lebens

Mit 55 Jahren steht er vor dem Scherbenhaufen seines Lebens. Dabei war er talentiert und er strebte von Anfang an eine politische Karriere an. Weil es ihm als Sekretär für Rechtsangelegenheiten im oberösterreichischen Bauernbund nicht schnell genug ging, wechselte er nach Wien. Der Bauerssohn wurde Ende der 80-er Jahre Sekretär des damaligen Vizekanzlers und ÖVP-Obmanns Josef Riegler. Als er sah, dass sich Rieglers Zeit dem Ende zuneigte, verließ er als Erster das Kabinett Prölls und wechselte zur Firma Umdasch nach Amstetten. Von dort holte ihn Erwin Pröll in die ÖVP-Landesparteizentrale nach St. Pölten.

Rücksichtslos gegenüber seinen Mitarbeitern

Eine gewisse Rücksichtslosigkeit kennzeichnete seinen Aufstieg. Die meisten Mitarbeiter hielten es nicht lange mit ihm aus. Aber er war effizient, was seinen Förderern wie Erwin Pröll gefiel. Dieser nominierte ihn auch für die Regierung. Wolfgang Schüssel machte ihn 2000 zum Innenminister. Strasser blockierte aber im Auftrag Prölls im schwarz-blauen Ministerrat den Bau des Semmering-Basistunnels. Spätestens da entzog Schüssel ihm seine Gunst. Strasser litt darunter, vor allem auch daran, dass Karl-Heinz Grasser und nicht er Schüssels Liebkind war. Denn er wollte weiter nach oben. Als Schüssel nicht ihn, sondern Benita Ferrero-Waldner als EU-Kommissarin nominierte, warf er über Nacht alles hin und schied 2004 aus der Regierung aus.  

Geld stand für ihn im Vordergrund

Ab diesem Zeitpunkt begann Strasser mit seiner Lobbyistentätigkeit. Er ließ sich blenden von den Schilderungen seines ehemaligen Kabinettschefs Ulmer, der in diesen Bereich eingestiegen war. Plötzlich kehrte er auf die politische Bühne zurück, als Pröll ihn zum Spitzenkandidaten der ÖVP für die Europawahl machte.

Er hat sich selbst in die Luft gsprengt

Nun hat sich Strasser endgültig in die Luft gesprengt. Er ist gescheitert an seiner Maßlosigkeit und seiner Rücksichtslosigkeit.

Die Zuwanderung aus der Türkei stoppen

18. März 2011

“Deutschkurse sind für uns Türken eine Provokation”, sagte Gürsel Dönmez, Integrationsberater des türkischen Premiers Erdogan kürzlich zu einer österreichischen Parlamentarierdelegation, die nach Ankara gereist war. Die Österreicher staunten ob dieser Aussage nicht schlecht, denn sie waren in die Türkei gereist, um Fragen der besseren Integration der rund 200.000 Türken in Österreich zu besprechen. Und Donmez legte noch nach. “Man kann, wie Erdogan erklärt hat, Assimilation als Verbrechen gegen die Menschenrechte bezeichnen.” Das Verblüffende an den Äußerungen ist, dass der 46-Jährige weiss, wovon er spricht. Der Politikwissenschafter hat 22 Jahre lang in Wien gelebt. 

Ohne Sprache kein Abschluß und kein Job

Wie sollen sich Zuwanderer (das Bild des Deutschlandspiegel zeigt türkische Migranten in Berlin) integrieren, die die Ortssprache nicht lernen wollen? Wie wollen sie schulischen Erfolg haben? Wie sollen sie einen Beruf finden bzw. weiterkommen, wenn sie mit den Einheimischen nicht reden können? Jegliche Bemühungen sind zum Scheitern verurteilt. Als Konsequenz bleibt wohl nur, dass man jenen, die so denken und handeln, empfehlen muss, sie sollten doch zu Hause bleiben. Das ist es ja auch nicht schlecht. Die Türkei boomt und verzeichnet ein hohes Wachstum. Wer es am liebsten so hat wie er es in seiner Heimat vorfindet, sollte dort bleiben.  Er sollte sich die Torturen der Reise und des Lebens in der Ferne nicht antun.

Die türkische Regierung will, dass die Auslandstürken Türken bleiben

Premier Erdogan ist erst kürzlich wieder in Düsseldorf aufgetreten. Dort hat seinen Landsleuten zugerufen, Türken zu bleiben. Sie sollen zwar Deutsch lernen, aber als zweite Sprache. Türkisch sollte die erste Sprache bleiben. In gut 50 Prozent der türkischen Familien wird hierzulande ausschließlich Türkisch gesprochen, türkisches Fernsehen gesehen und es werden türkische Zeitungen gelesen. Ergebnis sind schwere Deutschmängel, bis in die dritte Generation hinein. Hier wachsen Probleme heran, denen man entgegensteuern muss.

Keine Integration, keine Zuwanderung

Aufgrund des bisherigen Erfahrungen sollte Österreich fürs Erste von einer weiteren Zuwanderung aus der Türkei Abstand nehmen. Es gibt Menschen aus vielen Teilen der Welt, die hier arbeiten wollen und die bereit sind, sich zu integrieren und die Sprache zu lernen. Es ist das Recht eines jeden Landes, sich seine Zuwanderer selbst auszusuchen. Das hat nichts mit Rassismus zu tun, sondern mit Hausverstand und Vernunft.

Zuerst das Öl, dann erst die Freiheits- und Menschenrechte

17. März 2011

Das Verhalten des deutschen Bundestages ist symptomatisch für die Haltung des Westens in diesen Tagen des Umbruchs. Die Regierung und die Abgeordneten gedachten der Toten der japanischen Katastrophe. Für die Opfer des Völkermords, den Muammar Gaddafi (Bild) an seinen Landsleuten begeht, war diese Trauerminute nicht vorgesehen.

In Libyen fließt das Blut der Reformer und der Westen sieht zu

Es besteht natürlich kein Zweifel daran, dass Deutschland auf Seiten der Aufständischen und Reformer in Libyen steht. Aber mit der Ablehnung der Errichtung einer Flugverbotszone unterstützen die deutsche Regierung und der Westen, vor allem die USA, machtpolitisch Gaddafis Terroristen, die dabei sind, das Land völlig unter Kontrolle zu bringen. Das Blut der Aufständischen fließt und der Westen sieht zu. Die UNO belegt einmal mehr, dass sie kaum zu gebrauchen ist. Russland und China blockieren im Sicherheitsrat die Einrichtung dieser Flugverbotszone, die verhindern würde, dass Gaddafi  die eigenen Leute bombardiert.

Die Angst des Westens vor der Freiheit der arabischen Völker

So weit, so schlecht. Aber was hindert den Westen daran, diese Flugverbotszone einzurichten, die sich beispielsweise im Kosovo bereits bewährt hat? Die US-Regierung hat offensichtlich einen Schwenk in ihrer Politik vollzogen. Vor einigen Tagen wurde bereits ein Flugzeugträger vor der Küste Libyens stationiert, ohne dass er bisher zum Einsatz kam. Während sich die Vereinigten Staaten in Tunesien und Ägypten auf die Seite der Aufständischen stellten, lassen sie sie nun in Libyen in Stich. Die Armeen Ägyptens und Tunesiens verhinderten ein Blutvergießen, doch Gaddafi setzte Soldaten und Söldner gegen das eigene Volk ein.

Die Sicherung des Öls ist das primäre Anliegen des Westens

Die USA und der Westen haben offensichtlich Angst davor, die Völker Arabiens in die Freiheit zu entlassen. Die Ursache hat einen Namen: Öl. Was macht der Westen, wenn es in Saudi Arabien und den Ölscheichtümern zu Aufständen kommt? Stellen sie sich auf die Seite der nach Freiheit und Menschenrechen rufenden Menschen oder auf die Seite der Diktatoren, die den Fluss des schwarzen Goldes garantieren? Sie sind wahrscheinlich erst dann zu Regimewechseln bereit, wenn die neuen Regierenden, die neuen Machthaber den Zugang zum Öl sichern. Der Westen will in Wahrheit seine Verbündeten, seine Interessensleute installieren. Erst wenn das gesichert ist, gibt es einen Wechsel an der Staatsspitze.

Zuerst das Fressen, dann die Moral

Die Wahrheit ist, dass das Verhalten des Westens interessengeleitet ist. Die Wertediskussion ist nachrangig, gemäß dem Satz „Zuerst das Fressen, dann die Moral“.  Das Glück Gaddafis ist es, dass viele arabische Machthaber Angst vor Revolutionen in den eigenen Ländern haben. Er wird vermutlich nun seine Herrschaft etwas verlängern können, doch seine Zeit ist grosso modo vorbei.

Die Lehre von Japan: Hände weg von der Atomenergie!

13. März 2011

Das Erdbeben in Japan und die dadurch ausgelöste Katastrophe im Atomkraftwerk Fukushima (Bild: welt.online) mit der vermutlichen Kernschmelze führen der Welt eindrücklich vor Augen, dass Kernkraft eine viel zu gefährliche Form der Energiegewinnung ist. Hat die Atomlobby nach der Katastrophe von Tschernobyl vor 25 Jahren noch argumentieren können, der damalige Supergau sei aufgrund veralteter Technologie und Managementfehler in der kommunistischen Planwirtschaft herbeigeführt worden, so ist diese Argumentation über den Haufen geworfen worden.

Unfall trotz Hochtechnologie

Japan ist ein Hochtechnologieland und hat im Bewusstsein der Erdbebengefahr stets alles getan, um darauf vorbereitet zu sein. Doch die Realität hat die Simulationen übertroffen. Das Land steht vor dem Supergau. Die Lehre aus dieser Katastrophe ist eindeutig: Die Welt muss auf die Kernenergie verzichten, sie ist nicht verantwortbar. Die Natur hat bewiesen, dass sie stärker ist als die Technik.  

Mühsmer Weg der Suche nach Alternativen

Der neue Weg, der einzuschlagen ist, ist beschwerlich. Denn Japan hat beispielsweise angesichts fehlender Ressourcen im Land voll auf die Kernenergie gesetzt und 50 Atomkraftwerke gebaut. So hart es ist, das Inselreich wird eine Kehrtwende vornehmen müssen.

Lehre für die gesamte Welt

Diese Wende betrifft nicht nur Japan, sondern alle Staaten der Welt. Österreich besitzt zwar keine Kernkraftwerke, aber es bezieht Strom aus ausländischen AKWs. Weil er billiger ist. Gleichzeitig bekommt der Kampf gegen benachbarte Kraftwerke wie im böhmischen Temelin eine neue Dynamik und Brisanz. Die Katastrophe von Japan betrifft in Wahrheit die ganze Welt.

Rücktrittsreife ÖVP-Politiker

12. März 2011

Wie kann man nur so gierig und dumm zugleich sein? Diese Frage muss man sich beim Verhalten des Nationalratsabgeordneten Norbert Kapeller (Bild) stellen, des ÖVP-Bezriskparteivorsitzenden von Freistadt im Mühlviertel. Dem Vernehmen nach hat er seinen Mercedes jahrelang auf einem Behindertenparkplatz auf Linzer Hauptbahnhof geparkt, um mit dem Zug ins Parlament nach Wien zu fahren. Der Behindertenausweis soll seinem vor zehn Jahren verstorbenen Schwiegervater gehört haben. Kapellers offizielle Version: Nicht er, sondern seine Frau hat den Wagen dort abgestellt.

Warum hat Kapeller den Ausweis nicht zurückgegeben?

Kapellers Verhalten ist aus mehrfacher Hinsicht inakzeptabel. Warum hat der Polizist den Ausweis nicht längst zurückgegeben? Warum mietet er sich nicht einen Dauerparkplatz, der um rund 100 Euro monatlich erhältlich ist? Warum muss jetzt seine Frau für sein Fehlverhalten herhalten? Die Causa ist eigenartig. Eines ist aber sicher. Kapeller ist politsich nicht zu halten. Seine Glaubwürdigkeit hat einen irreparablen Schaden erhalten, er sollte die Konsequenzen ziehen und sowohl den Parteivorsitz als auch das Abgeordnetenmandat zurücklegen.

Strasser ist ein Abkassierer

Ein weiterer Kandidat für einen Rücktritt ist Ernst Strasser, Abgeordneter zum Europäischen Parlament. Er hat die ÖVP-Liste bei der vergangenen Wahl angeführt. Nun ist er Under-cover-Journalisten der britischen ”Sunday-Times” auf den Leim gegangen. Eine Londoner Scheinfirma soll dem ehemaligen Innenminister Honorare, teure Flugreisen und einen Job als Berater angenommen haben.  Er sollte dafür Einfluss auf die EU-Gesetzgebung nehmen. Othmar karas liess wissen, Straasse habe bei der Übersendung des Vorschalges am 2. Februar 2011 darauf gedrängt, den Vorschlag der Lobbyisten ins Parlament einzubringen. Er, Karas, habe dies hingegen zurückgewiesen.

100.000 Euro von Hochegger

Die Sache ist insofern glaubhaft, als Strasser vom dubiosen Lobbyisten Peter Hochegger ohne erkennbare Gegenleistung 100.000 Euro erhalten hat. Strassers Glaubwürdigkeit ist ebenfalls schwer angeschlagen. Ähnlich wie Kapeller sollte er die Konsequenzen ziehen und sein Mandat niederlegen. ÖVP-Obmann Vizekanzler Josef Pröll hat ebenfalls Erklärungsbedarf. Denn er hat Strasser an die Spitze der ÖVP-Liste gehievt.

Die Alkoholsteuer ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein

08. März 2011

Der Vorschlag der Linzer SPÖ, eine 15-prozentige Sondersteuer auf alkoholische Getränke einzuheben, lässt die Wogen hochgehen. Viele Bürgerinnen und Bürger haben das Gefühl, dass sie abkassiert werden sollen. Dieses Gefühl trügt sie nicht. Linz hat hohe Schulden. Sie sind in den vergangenen Jahren auf heute rund eine Milliarde Euro angestiegen. Unterlegt man Zinsen von drei Prozent, machen sie 30 Millionen Euro aus. Doch die Zinsen werden steigen. Das hat die Europäische Zentralbank bereits angekündigt. Jedes Prozent Zinserhöhung kostet Linz zusätzliche 10 Millionen.

Geringe Erträge aus der Steuer

Die geplante Alkoholsteuer würde gerade einmal 12, 13 Millionen Euro bringen. Das ist nicht viel, aber immerhin. Aber die Steuer löst das Problem nicht. Denn mehr als zwei Drittel der österreichischen Gemeinden nähern sich der Pleite. Sie können ihre ordentlichen Haushalte nicht mehr ausgleichen. Die Ursache sind die hohen Ausgaben für die Spitals- und Pflegefinanzierung, die zu einem hohen Anteil auf ihren Schultern liegt. In Oberösterreich macht das rund die Hälfte der Gemeindehaushalte aus. Hier liegt das Grundproblem. Die Kosten für die Krankenhäuser und Altenheime nimmt den Gemeinden die Luft zum Atmen. Der medizinische Fortschritt wird derzeit zu einem erheblichen Teil von den Gemeinden bezahlt.

Greifen die geplanten Reformen?

Mit dem Beginn des nächsten Finanzausgleichs Anfang 2014 soll es zu einer Entlastung kommen, versprechen die Länder, die sich vergangene Woche mit dem Gesundheitsminister über eine Reform des Gesundheitssystems geeinigt haben. Ob es tatsächlich zu deutlichen Entlastungen kommen wird, wird sich weisen.

Der Staat zahlt derzeit fast alles

Einer Änderung bedarf es auch bei der Pflege und den Altenheimen. Derzeit wird fast alles vom Staat bezahlt. Es gibt wenig Eigenleistungen. Aber auch dieses System ist kaum mehr finanzierbar. Deutschland hat ein anderes Modell. Dort zahlt jeder in eine Pflegeversicherung ein. Rund 1,9 Prozent, aufgeteilt jeweils zur Hälfte zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Damit ist die Finanzierung gesichert. Doch in Österreich gibt es darüber keine politische Einigung.

Die Bürger werden in jedem Fall mehr zahlen müssen

Für die Finanzierung der Spitäler, der Altenheime und der Pflege gibt es in Zukunft nur zwei Möglichkeiten. Entweder der Staat greift noch tiefer in die Taschen der Steuerzahler oder es gibt mehr Eigenleistungen der Bürgerinnen und Bürger. Effektiver und günstiger ist die Mitwirkung der Menschen. Das hat sich schon oft bewiesen.

Der Absturz eines Überfliegers

01. März 2011

Er hat dem Druck nicht mehr Stand gehalten. Die Attacken gegen Karl-Theodor zu Guttenberg glichen zeitweise einer öffentlichen Hinrichtung. “Ich war immer bereit zu kämpfen. Ich habe die Grenzen meiner Kräfte erreicht.” Der Leidensdruck war zu groß. Plötzlich traten da Professoren auf und pinkelten dem Verteidigungsminister ans Bein. Sie nutzten die Gelegenheit, um so ins Rampenlicht der Öffentlichkeit zu kommen, was sie aufgrund ihrer Arbeit und Qualifikation kaum jemals geschafft hätten.

Er hielt dem Druck nicht mehr stand

Was stört es die Eiche, wenn sich die Sau an ihr reibt, hätte sich Guttenberg denken können. Es waren aber nicht mehr einzelne Säue, sondern ganze Rudel. Diese Rudelbildung wurde täglich größer. Und es waren nicht nur aus anderen Ställen herbeigelaufene Säue, sondern auch einige aus dem hauseigenen Stall. Die parteiinterne Verteidigungsfront begann zu bröckeln. Spott und Hohn wurde über ihn ausgeschüttet, die Wissenschaft machte die Causa zu einer Art Existenzfrage.

Unprofessioneller Umgang mit der Plagiats-Affäre

Der Baron war aber nicht nur Opfer, sondern auch Täter. Zuerst tat er die Plagiats-Vorwürfe zu seiner Dissertation als “abstrus”" ab bis er schließlich zugab, Fehler gemacht zu haben und er schließlich und endlich das Doktorat zurückgab. Die Art und Weise, wie er mit der Kritik und der Affäre umgegangen ist, war unprofessionell.  Die Kritik hat ihm schwer zugesetzt. Sie beschädigte seine größte Stärke: die Glaubwürdigkeit.

Steile und kurze Karriere

Guttenberg war ein politischer Star. Der Großteil der Bevölkerung hat ihm bis zum Schluß die Stange gehalten. Mehr als 70 Prozent meinten, er solle im Amt bleiben. Doch der Jagdgesellschaft ist es gelungen, ihn zur Strecke zu bringen. Er, der die wohl steilste politsiche Karriere in der Bundesrepublik Deutschland gemacht hat und als wahrscheinlichen Nachfolger von Kanzlerin Angela Merkel galt, wurde aus der Karrierebahn geworfen.  Es ist die schwerste Niederlage, die der 39-Jährige bisher einstecken musste. Materielle Sorgen braucht man sich aber keine um ihn zu machen.  Das Famlienvermögen ist mehrere hundert Millionen Euro wert.

Der Opernball der Prostituierten

25. Februar 2011

Baumeister “Mörtel” Richard Lugner ist ein Meister des Marketing. Man muss kein Fan von ihm sein, aber das kann er. Die halbe Republik ist in Aufregung, weil er die 18-jährige Gespielin des 74-jährigen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi, Ruby Rubacuori (Bild), zum Opernball eingeladen hat. ORF-Programmdirektor Lorenz sprach von einem “Nuttenball” samt “Logenstrich”. Staatsoperdirektor Dominique Meyer zeigte sich “ein bißchen traurig, dass man unser Fest verderben will, aber das wird man nicht schaffen”. Opernball-Chefin Desiree Treichl-Stürgkh distanzierte sich “vehement” von der Dame. In diesem Jahr könne sie Lugner die Loge zwar nicht mehr wegnehmen, abe es könne sein, dass Lugner im nächsten Jahr nicht mehr berücksichtigt werde.

Nuttenball samt Logenstrich

Scheinheiligkeit und künstliche Empörung, anders kann das Verhalten der Offiziellen nicht bezeichnen. Mit Abscheu wenden sie sich von der marrokanischen Prostituierten. Aber ist der Opernball nicht voll von Prostituierten? Der Großteil der Gäste prostituiert sich: Wirtschaftlich, politisch, gesellschaftlich, kulturell etc. Nur weil sich ein Mädchen körperlich prostituiert, wird es verstoßen und alle zeigen mit dem Finger auf sie? Eine Gesellschaft von Scheinheiligen.

Wer von den Gästen prostituiert sich nicht?

Würde die Verantwortlichen der Staatsoper alle jene ausschließen, die sich in irgendeiner Form prostituieren, müssten sie den Ball absagen. Denn es ist ja gerade das Interesse der meisten Gäste, sich der Öffentlichkeit zu präsentieren, sich den oberen 10.000 zugehörig zu fühlen, bei der Prominenz und dem Geldadel dabei zu sein. Die Opernball-Verantwortlichen würden gut daran tun, die Moralkeule wegzustecken. Was wäre der Opernball, wenn ”Mörtel” Lugner nicht für Aufregung sorgen würde? Ein fades Ereignis. Der Opernball braucht den Lugner und der Lugner braucht den Opernball. Eine klassische win-win-Situation.

Die Libyer sind Helden

24. Februar 2011

Die Libyer haben meine Hochachtung und meine Bewunderung. Sie setzen ihr Leben aufs Spiel, um die unselige Herrschaft von Gaddafi zu beenden. Hunderte, sogar Tausende sind bei ihren Protesten umgekommen und erschossen worden (Foto: Limmattaler Zeitung). Von gedungenen Mördern und Terroristen aus dem Tschad, Somalia und anderen afrikanischen Staaten. Die Aufständischen sind Helden und Märtyrer. Für Gaddafi sind sie hingegen „Raten, die hingerichtet werden müssen“,

Ist Gaddafi verrückt?

Die Auftritte Gaddafis sind seit Jahren makaber. Sie drängen die Frage auf, ob der Diktator noch alle Tassen im Schrank hat. Das ist keine Entschuldigung für den Krieg, den er gegen sein Volk führt, aber die 42-jährige Diktatur hat sich offensichtlich auch in seinem Gehirn und seiner Psyche niedergeschlagen.

Wie geht es in Nordafrika weiter?

Die Schießbefehle und die Flugzeugbombardements gegen die Bevölkerung werden ihn nicht retten. Seine Zeit ist vorbei. Die Frage ist, wie es weitergehen wird. In Libyen, in Tunesien, in Ägypten und in jenen muslimischen Diktaturen, wo die Menschen gegen ihre Unterdrückung aufstehen. Werden sich die Islamisten wie zum Beispiel die Muslimbrüder durchsetzen oder werden sich die Länder zu demokratischen, säkularen Staaten weiterentwickeln?

Demokratische, säkulare Staaten sollten entstehen

Die Christen in Nordafrika fühlen sich jedenfalls zunehmend bedroht. So warnt der vatikanische Nahostexperte Pater David Jaeger im Gespräch mit „Radio Vatikan“ vor einer Unterschätzung der Effizienz der Muslimbrüder-Organisation. Diese wolle nichts anderes als einen islamischen Staat auf der Basis der Sharia einführen, so der Franziskanerpater. Auch der koptische Diakon Amgad Rekzai berichtete bei einem Vortrag in Fribourg von großen Ängsten der ägyptischen Christen vor einem islamischen Staat.

Fundamentalistische Muslimbrüder sehr gut organisiert

Es gebe zwar in der Region in keinem Land eine Bevölkerungsmehrheit, „die einen theokratischen Staat will wies es die Moslembrüder wollen“, sagte P. Jäger. Er zeigte sich jedoch besorgt, dass islamistische Gruppen die derzeitige Situation im Land für ihre Zwecke ausnützen könnten.

Neue islamische Bewegung notwendig

Damit das nicht geschehe, müsse eine islamische Bewegung entstehen, „die sich ganz klar für einen säkularen und demokratischen Staat einsetzt“. Wenn es allerdings keine starke Alternative zu den islamistischen Fundamentalisten gebe, „dann wird das Volk keine Wahl haben, und das hätte verheerende Konsequenzen“.

Der Lack ist ab

23. Februar 2011

Er war der Strahlemann sowohl der CDU als auch der CSU. Doch nun ist der Lack ab. Karl Theodor zu Guttenberg hat sein Doktorat an der Universität von Bayreuth zurückgelegt. Er hat abgeschrieben, ohne die Passagen entsprechend zu kennzeichnen. Er hat sogar als Abgeordneter ein Gutachten in Auftrag gegeben, das lediglich für seine Doktoratsarbeit gedient hat.

Die politische Karriere konnte nicht schnell genug gehen

Guttenberg hat zu viel auf einmal gewollt. Er wollte politische Karriere machen, die einen hohen zeitlichen und persönlichen Einsatz fordert, und gleichzeitig das Doktorat machen. Weil ihm die Zeit für seine wissenschaftliche Arbeit gefehlt hat, hat er geschummelt, da und dort abgeschrieben, ohne die Passagen zu zitieren. Hätte er diese Sätze unter Anführungszeichen gesetzt, hätte er heute kein Problem und er wäre immer noch Doktor.

Die Karriere hat nun einen Knick

Doch nun hat seine Karriere einen Knick. Die Opposition verlangt sogar seinen Rücktritt. Das ist verständlich, galt doch Guttenberg als der Nachfolger für Kanzlerin Angela Merkel. Damit wäre die Opposition einen für sie gefährlichen Gegner los. Guttenberg hat mit der Rückgabe des Doktorats die Konsequenzen gezogen. Ob seine politische Karriere einen dauerhaften Schaden erleidet, ist heute schwer abzuschätzen.  Der Makel ungeschickten Abkupferns wird ihm jedenfalls bleiben.

Die selbsternannten Hüter der Moral

19. Februar 2011

Karl Theodor zu Guttenberg will zukünftig seinen Doktortitel nicht mehr verwenden. Er zieht damit die Konsequenz aus dem politischen Wirbel um seine Doktorarbeit. Der Verteidigungsminister hat zugegeben, die eine oder andere Passage seiner 475 Seiten umfassenden Doktorarbeit abgeschrieben zu haben, ohne sie entsprechend zu zitieren. Das Geheul über diese Ungeheuerlichkeit war groß, er wurde mehrfach zum Rücktritt aufgefordert.

Wer hat noch nie Vorschriften gebrochen?

Natürlich ist es so, dass Abschreiben ohne Zitieren verboten ist. Wie es verboten ist, im Ortsgebiet schneller als 50 km/h zu fahren. Nur, ehrlich gesagt, wer hat diese Vorschrift noch nie gebrochen? All‘ jene, die jetzt groß die Moralapostel spielen, sollen ihre Zunge hüten! Gerade die Journalisten und Wissenschafter sollten besonders zurückhaltend sein. Denn wer von ihnen hat noch nie eine Idee geklaut oder von anderen abgeschrieben, ohne entsprechend zu zitieren? Wer hier ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein! Tatsache ist, dass der Ideenklau und auch das teilweise Abschreiben gang und gebe ist. Wer anderes behauptet, der lügt. Sollte er aber tatsächlich rein sein, sollte er sich bei Papst Benedikt XVI. um seine Heiligsprechung bemühen.

Das Rad wird nicht jeden Tag neu erfunden

Das Rad wird nicht ständig neu erfunden. Das ist auch gar nicht notwendig. Es wird weiterentwickelt und in vielen Formen und Abwandlungen verwendet. Ähnlich ist es im Leben und in der Wissenschaft. Die Welt ist nicht voll von Genies, die ununterbrochen die Menschheit mit neuen Erfindungen beglücken. Deshalb sollten alle, die hier mit dem erhobenen Zeigefinger durch die Welt schreiten, jene Demut üben, die sie von den von ihnen Kritisierten einfordern.

Die Revolutionen von Tunesien und Ägypten haben weitreichende Folgen

17. Februar 2011

Die Revolutionen von Tunesien und Ägypten(Foto: Frankfurter Neue Presse) haben die Welt überrascht. Nicht nur durch ihre Durchsetzungsstärke, sondern vor allem auch qualitativ. Denn hier präsentierte sich ein Islam, den zumindest die westliche Welt so nicht kannte. Die jungen Menschen forderten Freiheit, Demokratie und Arbeit. Die Muslime präsentierten sich mit Wertvorstellungen, die den westlichen ähnlich bzw. ident sind.

Unter den Demonstranten waren viele Frauen

Interessant war auch zu beobachten, dass viele Frauen unter den Demonstranten zu finden waren. Diese Tatsache widerlegt die Vorstellung, dass die Frauen im Islam nur unterdrückt sind. Mit einem Wort: In Tunesien und Ägypten präsentierte sich ein moderner Islam, der hoffen lässt. Ein Islam, der das Gegenbild zu den Fundamentalisten und muslimischen Terroristen darstellt.

Die Auswirkungen können in der vollen Tragweite noch nicht abgeschätzt werden

Der langfristige Erfolg der Revolutionen von Tunesien und Ägypten ist von weitreichender Bedeutung. Denn er hat das enorme Potenzial, die gesamte muslimische Welt in Richtung einer modernen, demokratischen und wirtschaftsstarken Entwicklung zu lenken. Das hätte auch enorme positive Effekte auf das Zusammenleben der Muslime mit den christlichen und aufgeklärten Menschen in Europa. Die gegenseitigen Ängste und Spannungen würden abgebaut, das Verständnis gefördert.

Tunesien udn Ägypten widerlegen Ex-US-Präsident Bush

Die Revolutionen von Tunesien und Ägypten widerlegen auch die These des früheren US-Präsidenten George W. Bush, der als Hauptkriegsziel für den US-Feldzug im Irak anführte, hier mit Feuer und Schwert eine Schneise für die Demokratie in der arabischen Welt zu schlagen.  Im Irak herrschen noch immer Krieg und Terrorismus. Hingegen haben die Menschen in Tunesien und Ägypten aus sich heraus den Weg Richtung Freiheit und Demokratie eingeschlagen. Ohne Waffen, mit friedlichen Mitteln.

Wer schwer verschuldet ist, ist nicht mehr Herr, sondern Knecht

16. Februar 2011

Wer in einem größeren Ausmaß verschuldet ist (Bild: kleinezeitung.at), ist nicht mehr Herr, sondern Knecht. Knecht der Gläubiger. Diese Erfahrung macht derzeit das de facto bankrotte Griechenland. Der griechische Ministerpräsident Giorgios Papandreou hat sich beim Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF) Dominique Strauss-Kahn über das „inakzeptable“ Vorgehen des IWF-Kontrolleure, die das griechische Reformprogramm überwachen, beschwert. „Wir haben auch Würde“, sagte der Premier, „und dies handeln wir mit niemanden aus. Befehle erhalten wir nur vom griechischen Volk.“

Mangelnde Reformbereitschaft

Anlass für die griechische Verstimmung war die Kritik der Kontrolleure an der fehlenden Reformbereitschaft in Teilen der griechischen Bevölkerung. Sie hatten damit einen Proteststurm ausgelöst. Apotheker, Busfahrer und Ärzte hatten wochenlang mit Streiks und Demonstrationen gegen Veränderungen ihrer Arbeitsbedingungen  protestiert. Der IWF hatte ihnen öffentlich vorgeworfen, durch ihr Festhalten an Privilegien die Reformen zu behindern und der Gesellschaft insgesamt eine große Last aufzubürden. Dennoch haben die Kontrolleure eine weitere Kredittranche von 15 Milliarden Euro freigegeben.

Unabhängigkeit das höchste Gut

Genau auf diese Gefahr, die Autonomie über das Budget bzw. die Budgeterstellung im Fall hoher Verschuldung zu verlieren, wies der Wirtschaftswissenschafter Gerhard Lehner vergangene Woche bei seinem Vortrag in seiner Geburtsstadt Eferding hin. Lehner ist Mitglied der Steuerreformkomission und des Staatsschuldenausschusses. Österreich hatte 1925 eine Anleihe des Völkerbundes gezeichnet, die von einem Kommissar überwacht wurde und der massiv in die Budgetgestaltung eingriff. „Seit dieser Erfahrung gibt es ein Dogma“, meinte Lehner, „wir dürfen uns nie die Souveränität einschränken lassen.“

Internationale Abhängigkeit immer größer

Er, so Lehner, sei nun seit 45 Jahren in diesem Geschäft. In dieser Zeit hätten sich die Rahmenbedingungen grundlegend geändert. Während früher jedes Land seine eigene Budgetpolitik betrieben habe, hätten durch die Globalisierung Ratingagenturen und die internationale Finanzwirtschaft massiv an Einfluss gewonnen. Zudem habe die EU im Wirtschafts- und Stabilitätspakt Schuldenhöchstgrenzen festgelegt: Drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für die jährliche Neuverschuldung und 60 Prozent des BIP für die Gesamtverschuldung.

Eurostat: Präpotenz größer als Kompetenz

Heftige Kritik übte er an Eurostat, der Statistikbehörde der EU, die unter anderem über die Einhaltung der Schuldengrenzen wacht. Eurostat sei zwar in der Bedeutung massiv aufgewertet worden, doch ihre Präpotenz sei viel größer als ihre Kompetenz. Ständig würden die Richtlinien geändert, sie ändere jeden Monat ihre Meinung.

Schuldenabbau dauert noch Jahre

Österreich verfügte 2010 über eine Neuverschuldung von 4,1 Prozent und eine Gesamtverschuldung von knapp 70 %. Österreich habe die Finanzkrise besser überstanden als viele andere Länder und verfüge über die Bestbewertung von AAA. Im Strategiebericht peile die Regierung für 2014 eine Neuverschuldung von 2,3 5 an. Ziel müsse aber eine Neuverschuldung von 0 bis 0,5 Prozent sein. Dies sei bis 2016 bzw. 2017 möglich. Lehner warnte vor einem zu raschen Schuldenabbau, da dadurch die Gefahr der Konjunkturabwürgung bestehe.

Pensionen fressen das Budget auf

Auf die Frage, welche Probleme in den nächsten Jahren in Österreich gelöst werden müssten, nannte Lehner fünf Punkte:

  1. Die Überalterung der Bevölkerung und die damit verbundenen Probleme der Pensionssicherung

Würden hier keine Maßnahmen ergriffen, würde bis 2040 der gesamte Budgetspielraum für die Pensionen aufgehen. Das Pensionsantrittsalter müsste angehoben werden, eine Anhebung bringe pro Jahr 1,2 bis 1,3 Milliarden Einsparung. Geklärt müsse auch die Wertsicherung der Pensionen werden.

2. Reform des Bildungssystems: Das österreichische Bildungssystem koste viel Geld, sei aber im Resultat zu wenig ertragreich.

3. Infrastruktur: Hier lebe Österreich von der Vergangenheit, viele Straßen, Brücken und Schienen müssten neu gebaut werden.

4. Zinsen: Österreich zahle für seine Schulden von rund 175 Milliarden Euro rund acht Milliarden Zinsen. Der Vorteil sei derzeit der niedrige Zinssatz. Würde er um nur 0,1 Prozent angehoben, bedeute das für Österreich eine Mehrbelastung von 200 bis 250 Millionen Euro.

5. Verwaltungsreform: Er, Lehner, könne dieses Wort nicht mehr hören. Die Effekte einer Reform seien jedenfalls wesentlich niedriger als die drei Milliarden Euro, die immer wieder genannt würden. Außerdem würde sie erst mit einer erheblichen zeitlichen Verzögerung wirken.

Lehner betonte, dass die Experten derzeit das deutsche Modell studierten, denn dort sei die Staatsquote um vier Prozent niedriger als in Österreich.  

Keine Steuerreform in den nächsten Jahren

Weiters wies er darauf hin, dass sich Österreich in den nächsten beiden Legislaturperioden keine Steuerreform leisten könne.

Zur Situation in den USA erklärte er, dass diese eben so hoch verschuldet seien wie Griechenland. Dadurch, dass die Zentralbank FED die Märkte mit Geld überschwemme, werde Inflation ausgelöst werden. Die Inflation sei nicht ungefährlich, durch Inflation könnten die Staatsschulden schneller abgebaut werden.

Oberösterreichs SPÖ im Dauertief

15. Februar 2011

Die oberösterreichische SPÖ ist in der Krise. Ist sie bei der Landtagswahl 2009 auf einen neuen Tiefststand von rund 25 Prozent gesunken, bedeutet der Verlust des Bürgermeistersessels am Sonntag in der traditionell roten Hochburg Braunau einen neuerlichen Schlag. Nach 55 Jahren SPÖ-Dominanz gewann der ÖVP-Mann Hannes Waidbacher die Stichwahl.

Josef Ackerl eine Übergangslösung

Landeshauptmannstellvertreter Josef Ackerl, der 2009 schon seine Schachteln im Büro für seinen Abgang in die Pension gepackt hatte, ist als Landesparteivorsitzender eine Übergangslösung.

Die SPÖ-Vorherrschaft in Wels wackelt ebenfalls

Mit Wels wackelt eine weitere jahrzehntelange SPÖ-Säule. Bei der Gemeinderatswahl waren die Sozialdemokraten bereits von der absoluten Mehrheit auf rund 35 Prozent zurückgefallen. Wie in Braunau ist auch hier die Stadtpartei zerstritten und in interne Lager zerfallen. Das sind alles schlechte Vorzeichen für den Nachfolger von Peter Koits, der demnächst 70 wird. Angesichts dieser Ausgangsposition wird es die SPÖ sehr schwer haben, wieder einen der ihren an die Spitze der Stadt zu installieren.

Nur die Linzer SPÖ ist stark

Ungebrochen stark ist die Linzer SPÖ. Mit Franz Dobusch steht eine unumstrittene und führungsstarke Persönlichkeit an der Spitze. Die Nachfolgefrage ist mit Klaus Luger ebenfalls geklärt. In dieser schwierigen Lage, in der sich Oberösterreichs SPÖ befindet, ist die Linzer SPÖ das Rückgrat.  Es wird wahrscheinlich Franz Dobusch sein müssen, der die Nachfolge Ackerls als Landesparteivorsitzender entscheidet. Das wird so manchen innerparteilich nicht gefallen, aber es wird aus derzeitiger Sicht nicht anders gehen.

Afrika braucht Bildung und Investitionen

14. Februar 2011

Rund 5000 junge Tunesier sind auf die kleine süditalienische Insel Lampedusa geflüchtet. Einer von ihnen erzählte, er hätte 1500 Euro für die Überfahrt bezahlt. Das ist für afrikanische Verhältnisse ein kleines Vermögen. Zeitgleich demonstrieren in Kairo Menschen für gerechte Löhne und wirtschaftliche Verbesserung.

Die Flucht nach Europa ist keine Lösung

Es ist klar, dass die EU jene Millionen von Afrikaner nicht aufnehmen kann, die arm sind und eine Verbesserung ihrer Lage in Europa suchen. Hier ist genau der Punkt, an dem der Westen – sprich die USA und die EU – ansetzen müssen. Afrika, speziell Nordafrika, benötigt einen Marschallplan. Es bedarf großer Investitionen des Westens in diesen Ländern. Europa hat Afrika primär als Rohstofflieferanten benutzt, war aber an seiner wirtschaftlichen Gesamtentwicklung nicht wirklich interessiert. Speziell Frankreich hat hier versagt.

Produktion nach Afrika verlegen

Statt den weitaus größten Teil der Produktion nach Asien auszulagern, sollten die europäischen Firmen in nordafrikanischen Ländern produzieren lassen. Diese Investitionen verlangen aber auch eine Verhaltensänderung der Afrikaner. Sie müssen so hart und konsequent arbeiten wie die Asiaten, nur dann sind sie konkurrenzfähig. Westliche Investitionen bedeuten nicht das Paradies, in dem die gebratenen Tauben in den Mund fliegen, sondern harte Arbeit, die über einen längeren Zeitraum einen gewissen Wohlstand ermöglicht. Eine andere Investitionsmöglichkeit ist die Errichtung von riesigen Solarkraftwerken in den Wüsten, die den Europäern die dringend benötigte Energie liefern könnten. Realisierbare Visionen sind möglich, sie bedürfen aber einer Verhaltensänderung aller.

Änderung der Mentalität nach dem Vorbild der Asiaten

Eine weitere wichtige Investition ist der Ausbau der Bildung in Afrika. Vor allem den Frauen muss der Zugang zur Bildung ermöglicht werden. Nur durch bessere gebildete Frauen ist der dringend benötigte Rückgang der Geburten möglich. Würde der Bevölkerungszuwachs so anhalten wie er in den vergangenen Jahrzehnten der Fall war, zum Beispiel eine Verdreifachung wie in Ägypten, wäre die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit eine Illusion. So viele Arbeitsplätze können gar nicht geschaffen werden.

Die Revolution ist nur der erste Schritt im Aufbau-Marathon 

Die Revolution im arabischen Raum ist an ihrem Beginn. Hosni Mubarak wurde abgesetzt. Doch dies ist lediglich der erste Schritt am Beginn jenes Aufbau-Marathons, der sich über viele Jahre hinziehen wird.

Ballungsräume entlasten, ländliche Regionen stärken

09. Februar 2011

Gottfried Kneifel hat als neuer Vorsitzender des Bundesrates für das erste Halbjahr 2011 einen vernünftigen Vorschlag gemacht. Er stellte in Frage, warum denn alles Bundesbehörden in Wien situiert sein müssten und warum denn nicht auch manche Stellen in den Landeshauptstädten untergebracht werden könnten. In Deutschland funktioniert das sehr gut. Dort ist beispielsweise der Bundesverfassungsgerichtshof in Karlsruhe.

Beispiel Deutschland

Die Flexibilität, die Kneifel vom Bund einfordert, sollte auch für die Länder gelten. Warum müssen die Landesbehörden alle in der Landeshauptstadt Linz sein? Warum können nicht einige Ämter nach Wels, Grieskirchen, Vöcklabruck oder Ried ausgelagert werden? Was dem gelernten Oberösterreicher unrealistisch erscheinen mag, wird andernorts, nämlich im benachbarten Bayern, bereits praktiziert. Dort hat Ministerpräsident Horst Seehofer Ämterverlagerungen mit dem Ziel vorgenommen, Ballungsregionen wie München zu entlasten und den ländlichen Raum zu stärken. So wurde das Statistische Landesamt nach der Quelle-Pleite nach Fürth verlagert, das Amt für Ländliche Entwicklung von Regensburg nach Tirschenreuth und die Finanzdatenerfassung nach Wunsiedel. Diesen Weg, so hat er im Interview mit der Passauer Neuen Presse vom 29. Jänner 2011 angekündigt, wolle er fortsetzen.

Beispiel Bayern

Vieles, was heute erstarrt erscheint, ist angesichts maroder öffentlicher Finanzen, überforderter Ballungsräume und sich entleerender ländlicher Räume neu zu durchdenken und zu entscheiden.

Was Ägypten von Südkorea unterscheidet

08. Februar 2011

Die Aufstände in Ägypten (Bild: nzz.ch) und Tunesien sind wahre Revolutionen. Die Jungen haben das Heft in die Hand genommen und wollen die alten Diktatoren weg haben. Die Welt ist überrascht, dass sich aus der muslimischen Welt eine Zivilgesellschaft zu Wort meldet, die ganz im Gegensatz zu den Extremisten und Terroristen steht, vor denen der Westen erschaudert.

Die Jungen wollen Arbeit

Die jungen Menschen sind alles andere als religiöse Spinner oder Ideologen, sie wollen vor allem eines: Sie wollen Arbeit, damit sie heiraten und eine Familie ernähren können. Sie fordern das, was alle jungen Leute der Welt wollen: eine Perspektive für ihr Leben.

Vor 50 Jahren waren Ägypten und Südkorea gleich arm

Wie wenig Ägypten aus seinen Ressourcen und Möglichkeiten in den vergangenen Jahrzehnten gemacht hat, zeigt ein Vergleich mit Südkorea.  Vor 50 Jahren hatte die asiatische Republik ungefähr genauso viele Einwohner wie die ägyptische Großmacht. Die Menschen waren so arm wie die Ägypter, sie litten ebenfalls unter einer Diktatur und unter hohen Militärausgaben. Heute ist Südkorea eine industrielle Großmacht, die Südkoreaner sind fünfmal so reich wie die Ägypter,  sie leben um zehn Jahre länger und haben eine echte Demokratie.

Die Südkoreaner verfügten über eine bessere Bildung

In einem wichtigen Punkt unterschieden sich die Länder. 1960 konnten 71 Prozent der Koreaner lesen und schreiben, aber nur 25 Prozent der Ägypter. Heute sind die Ägypter so weit wie die Südkoreaner damals. Das ist der eine Unterschied.

Frauen in islamischen Ländern sind Bildungsverlierer

Der zweite Unterschied ist der Bildungsgrad der Frauen. In den islamisch geprägten Ländern sind die Frauen die Bildungsverlierer. Sie bekommen besonders viele Kinder. Es herrscht Unkenntnis über Verhütungsmethoden, mangels Alternativen bleibt ihnen nichts anderes übrig als in die Mutterrolle zu schlüpfen, das Kinderkriegen beginnt früher, wenn die Frauen keine Schule bzw. weiterbildende Schulen besuchen. Wenn sie mit 16 Jahren schwanger werden, ist dies ein folgenschwerer Unterschied als wie wenn das erst mit 22 der Fall ist. In Südkorea hingegen ist die durchschnittliche Kinderzahl pro Jahr von sechs im Jahre 1960 auf 1,6 im Jahr 1990 gesunken. In Ägypten hat sich die Bevölkerungsanzahl innerhalb von 50 Jahren auf 84 Millionen verdreifacht, während sie sich in Südkorea nur auf 50 Millionen verdoppelt hat.

Die Politik der asisatischen Tigerstaaten war erfolgreich

Asiens Tigerstaaten haben im Vergleich zu den nordafrikanischen Ländern zwei Parameter erfolgreich umgesetzt: Politik für weniger Geburten und Politik für mehr Wachstum. Die nordafrikanischen Diktaturen haben hingegen in der Bevölkerungs- und in der Wirtschaftspolitik versagt. Die schmarotzenden Eliten haben sich nur selbst bedient.

Entschuldigung!

06. Februar 2011

Leider hatten Sie in den vergangenen zwei Wochen Probleme, meinen blog zu lesen. Ich hatte ebenfalls Schwierigkeiten, blog-Beiträge zu schreiben. Ursache waren technische Probleme, die sich durch eine Server-Umstellung ergeben haben. Jetzt müsste aber wieder alles funktionieren.

Kohl ein historischer Koloß, als Familienvater ein Versager

03. Februar 2011

Die Idylle schien perfekt. Der deutsche Kanzler Helmut Kohl machte mit seiner Familie in den 80-er und 90-er Jahren im Sommer stets Urlaub am Wolfgangsee. Nichts schien das kleinbürgerliche Glück zu stören. Kohl besuchte gern die Wirts- und Cafehäuser der Umgebung, dass er gern das Doppelte bis das Dreifache eines normalen Gastes aß, sah man großzügig nach. Schließlich hatte der Koloss von einem Mann schwere Verantwortung zu tragen. Österreich fühlte sich ob des hohen Gastes geschmeichelt. Hin und wieder stieg er ins Boot oder schwamm im See.

Das nach außen hin präsentierte Familienglück gab es nicht

Das war offensichtliche alles Lug und Trug. Denn das nach außen gezeigte Familienglück gab es nicht. Walter Kohl, Sohn des Kanzlers, beschreibt in seiner eben erschienenen Biographie „Leben oder gelebt werden“ (Verlag Integral) eine erschütternde Sicht auf seinen Vater. „Walter, deine Mutter ist tot“, sagte die Stimme am anderen Ende des Telefons. Der Überbringer der Nachricht vom Selbstmord Hannelore Kohls im Juli 2001 war nicht ihr Ehemann und nicht der Vater der beiden Söhne. Es war seine Büroleiterin.

Die CDU war seine Familie

Der Mann, der deutsche Geschichte schrieb, war familiär ein totaler Versager. Seine wahre Familie waren nach den Worten seines Sohnes nicht Frau und Kinder, sondern die CDU, „der Clanchef eines Stammes“. Walter Kohl, der „Sohn vom Kohl“, wie er sich selbst beschreibt, glaubt nicht mehr an die Reaktion seines heute 80-jährigen Vaters. „Ich habe es nicht geschafft, meinen Vater zu erreichen.“ Jahrzehntelang habe er auf ein „klärendes Gespräch“ gehofft. „Heute weiß ich, dass wir dieses Gespräch nie führen werden.“ Als Vater hat er für ihn versagt. „Jahrzehntelang hat er sein Bestes in Partei- und Gremienarbeit investiert……Das war sein Sinnen und Trachten, es rangierte weit vor der Familie und dem Privatleben. Wir liefen auf seiner politischen Bühne mit, als Teil des Bühnenbildes, aber ohne tragende Rolle.“

Gedanken an Selbstmord

Er berichtet offen von seiner inneren Versteinerung, seinen Gedanken, wie die Mutter das Leben selbst zu beenden. Der eigene kleine Sohn habe ihn dann von diesem Schritt abgehalten. „Wie konnte ich mich davonstehlen? Da gab es einen Menschen, der mir bedingungslos vertraute.“ Von der zweiten Ehe seines Vaters mit Maike Richter erfährt der Sohn im Mai 2008 durch ein Telegramm. „Heidelberg 8. Mai. Wir haben geheiratet. Wir sind sehr glücklich. Maike Kohl-Richter und Helmut Kohl“, steht darauf. Aus der „Bild“-Zeitung erfährt er dann die Details. „Mein Vater hat sich inzwischen völlig von mir losgesagt.“ Auf die Frage, ob er „die Trennung“ wolle, habe Helmut Kohl knapp geantwortet: „Ja.“ Walter Kohl bilanziert: „er war nie ein Vater wie andere Väter, er war immer ein Sonderfall…..Er bleibt mein Vater, aber er ist weit weg.“

Darabos demontiert sich selbst

25. Januar 2011

darabos

Nun hat er ihm also gezeigt, wer der Herr im Haus ist. Verteidigungsminister Norbert Darabos (Mitte)  hat den Generalstabschef des Heeres, seinen Parteifreund Edmund Entacher (rechts, Bild: kleinezeitung.at), abgesetzt. Dieser hatte sich in einem Interview für die Beibehaltung der Wehrpflicht ausgesprochen, was der Burgenländer als Desavouierung seiner Absicht empfand, ein Berufsheer einzuführen.

Die Absetzung hilft nicht weiter

Gelöst hat  Darabos damit gar nichts. Denn offensichtlich hat er den gesamten Heeresapparat gegen sich. Die Offiziersgesellschaft hat ihn bereits zum Rücktritt aufgefordert. Weiters gibt es erheblichen Widerstand in der eigenen Partei gegen die Abschaffung der Wehrpflicht. So unter anderem vom langjährigen Wehrsprecher Anton Gaal. Auch Bundespräsident Heinz Fischer hat damit keine Freude.

Die Diskussion ist ein Desaster

Die Art und Weise, wie Darabos die Diskussion geführt hat, ist ein einziges Desaster. Sich nun als harter Mann zu präsentieren, wird seinen Plänen nicht weiterhelfen. Er demontiert sich selbst. Er spielt damit der ÖVP in die Hände, die die Abschaffung der Wehrpflicht ablehnt. Am Ende des Tages wird sich nichts bis wenig ändern, lediglich Darabos wird ohne Hosen dastehen und alle werden mit dem Finger auf ihn zeigen und sagen: „Schau‘ wie klein er ist!“

Die Kirche produziert den Priestermangel selbst

24. Januar 2011

Der Auftritt von Martha Leonhartsberger war beeindruckend.  Mit einer Ministrantenglocke verschaffte sie sich Ruhe und trug eine Andacht vor, die in ihrer Qualität herausragend war. Mich erinnerte die gut 40-Jährige mehrfach an die Martha des neuen Testaments. Doch Martha Leonhartsberger ist Mühlviertlerin, verheiratet und Pfarrassistentin der Gemeinde Arbing bei Perg. Mit prägnanten und einfühlsamen Worten zog sie die Aufmerksamkeit der Senioren bei ihrer Jahreshauptversammlung, die kürzlich im Pfarrsaal Arbing stattfand, auf sich. Martha wäre nicht nur eine hervorragende Priesterin, sondern auch eine gute Bischöfin.

Frauen sind in der Kirchen Menschen zweiter Kategorie

Doch die Verfassung der römisch-katholischen Kirche sieht Frauen in Führungspositionen nicht vor. Damit verzichtet sie auf unglaublich viel menschliches und seelsorgerisches Potenzial. Wie dringend die Frage der Änderung des Zugangs zum Priesteramt ist, machten prominente katholische CDU-Politiker deutlich. In einer am Freitag veröffentlichten Erklärung haben sie die deutschen Bischöfe und den Vatikan zur „Zulassung verheirateter, bewährter Männer“ zum Priesteramt aufgerufen. Sie verweisen auf die „Not vieler priesterlosen Gemeinden“, in denen es sonntags keine Messer mehr gebe. Die deutschen Bischöfe sollten sich deshalb für die Weihe der sogenannten „viri probati“ (bewährte Männer) in der Weltkirche „und vor allem in Rom mit Nachdruck“ für diesen Schritt einsetzen. Unterzeichner sind acht CDU-Politiker, die fast alle dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken angehörten bzw. angehören. Unter ihnen sind Bundestagspräsident Norbert Lammert, Bildungsministerin Annette Schavan und die früheren Ministerpräsidenten Bernhard Vogel, Erwin Teufel und Dieter Althaus.

Notruf aus dem kirchlichen Zentrum

Es sind dies beileibe keine Revolutionäre, sondern erfahrene und angesehene Politiker, die sich Sorge um den Verfall der römisch-katholischen Kirche machen. Es ist dies ein Notruf, der – wie die ersten Reaktionen zeigen – wahrscheinlich wieder ungehört verhallen wird. Die deutsche Bischofskonferenz – offensichtlich ein Verein von Feiglingen -  will die geforderte Änderung derzeit nicht diskutieren. Das Anliegen sei „für die Gespräche unmittelbar zur Vorbereitung des Besuchs des Heiligen Vaters in Deutschland nicht als Thema vorgesehen“, heißt es in einer Erklärung. Das Thema sei „von weltkirchlicher Tragweite und verlangt eine entsprechende Meinungsbildung und Entscheidung auf gesamtkirchlicher Ebene“. Es wird wieder einmal auf die lange Bank geschoben.

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Der ländliche Raum ist der Verlierer

21. Januar 2011

Der Präsident des Oberlandesgerichtes Linz Alois Jung will sparen. Ein löbliches Unterfangen. Er hat seiner Justizministerin Claudia Bandion-Ortner die Schließung von neun der 28 oberösterreichischen Bezirksgerichte  vorgeschlagen. 600.000 Euro sollen allein durch eingesparte Mieten hereinkommen, rechnet Jung vor.

Gespart wird nur bei den Kleinen

Bürokratien haben es an sich, dass die übergeordneten Ebenen genau wissen, wo man bei den untergeordneten Ebenen sparen kann. So lässt Jung auch Vorschläge vermissen, wo denn bei seinem Oberlandesgericht in Linz eingespart werden kann. Seine Antwort würde vermutlich so lauten: Wir sind bereits so mit Arbeit überlastet, dass man eher ausweiten denn einsparen kann.

Nur 50 Euro Miete im Jahr für das Bezirksgericht Peuerbach

Wie Jung auf die 600.000 Euro kommt, ist ein Rätsel. Denn das  Bezirksgericht Peuerbach, das beispielsweise zugesperrt werden soll, zahlt für die Räume im Schloss lediglich 50 Euro Miete pro Jahr. Wird es wie geplant nach Grieskirchen verlegt, muss das dortige Gericht räumlich ausgebaut werden, da derzeit die entsprechenden Baulichkeiten fehlen. Von einer Einsparung kann hier überhaupt keine Rede sein, ganz im Gegenteil. Die Kosten würden allein durch  durch notwendigen Neubau explodieren.

Es muss auch oben gespart werden

Die Bevölkerung auf dem Land hat nicht zu unrecht den Eindruck, dass zwar bei ihr ganz untern gespart wird, nicht aber in den Zentralen. Entsprechende Strukturreformen zur Kostensenkung der öffentlichen Hand müssen aber alle Ebenen umfassen: von ganz oben bis ganz nach unten. Würde tatsächlich so vorgegangen, wird man für die Änderungen bzw. Verschlechterungen bei den Bürgern auch Verständnis finden. Doch die Oberen bleiben hier die Antworten schuldig.

Gesamtentwicklung ist eine ungesunde

Die Gesamtentwicklung ist eine ungesunde. Immer mehr Menschen werden gezwungen, aus den ländlichen Räumen wegzuziehen, weil sie dort keine Arbeit finden. Sie ziehen in die städtischen Ballungsgebiete oder sie pendeln in die Zentren. Dabei nehmen sie oft einen Weg von einer Stunde oder mehr in Kauf, um an den Arbeitsplatz zu kommen. Die täglichen Staus in den Morgen- bzw. in den Abendstunden sind die Folge. Die Politik kommt mit dem Bau von Straßen und Schienen kaum nach, um die Verkehrsströme zu bewältigen. Es ist absurd.

Vergeudung von Energie und Ressouren

Die Raumordnungspolitik hat versagt. Dabei kann es in Zeiten des Internets und der mobilen Telefonie nicht so schwierig sein, Betriebe am Land anzusiedeln. Hier hat die Politik große Fehler gemacht, die nachhaltige Konsequenzen haben: Vergeudung von Energie, Ressourcen,  Geld und Zeit und eine entsprechende Umweltverschmutzung sind die Folgen.

Freiwillige vor, Kameraden!

18. Januar 2011

soldaten

Ich muss zugeben, dass ich wieder klüger geworden bin. Wenn ich bisher den Begriff Freiwilligkeit gehört habe, habe ich zum Beispiel an die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren gedacht. Oder an die ehrenamtlichen Helfer des Roten Kreuzes. Freiwillig stand als synonym für Ehrenamtlichkeit.

Freiwilligkeit für 50.000 Euro

Stutzig gemacht hat mich Bundeskanzler Werner Faymann, der meinte, die Wehrpflicht solle durch ein Heer ersetzt werden, das so attraktiv sei, dass sich freiwillig genügend dafür meldeten. Naiv wie ich bin dachte ich mir, wie solle das denn funktionieren? Die jungen Bürger gehen doch nicht gegen eine geringe Entschädigung freiwillig zum Heer. Nun hat Verteidigungsminister Werner Darabos den Reiter auf das Ross gesetzt. Der Freiwilligkeit soll mit einem Jahresgehalt von bis zu 50.000 Euro nachgeholfen werden. Nennen wir das Kind beim Namen. Die SPÖ will das Milizheer und die Wehrpflicht durch ein Berufsheer ersetzen.

Wie die Katze um den heißen Brei

Es ist verständlich, dass die Sozialdemokraten in der Sache wie die Katze um den heißen Brei herumschleichen. Wäre dieser Vorschlag von der FPÖ oder der ÖVP gekommen, hätte die SPÖ aufgeschrien mit dem Hinweis, das Volksheer wurde durch eine Elitetruppe abgelöst, die ein gefährliches Eigenleben führe und die Demokratie gefährden könnte. Da aber der Vorschlag vom SPÖ-Vorsitzenden persönlich kommt, fallen die alten ideologischen Vorbehalte offensichtlich weg.  Dass er sie fürchtet, belegt er damit, dass er ständig von Freiwilligkeit spricht und nicht vom Berufsheer.

Pragmatische Herangehensweise

In Zeiten völlig überschuldeter Haushalte und knapper Kassen ist die Frage Wehrpflicht oder Berufsheer pragmatisch zu sehen. Welche Option erbringt welche Leistung zu welchen Kosten? Das Heer hat drei Hauptaufgaben: die Landesverteidigung, auch wenn momentan kaum ein Feind in Sicht ist, den Katastrophenschutz und die internationalen Einsätze. Ein weiterer Faktor sind die Zivildiener, die über die Jahre zu einem  wesentlichen Pfeiler wichtiger sozialer Organisationen geworden sind. Eine ehrliche Kosten-Nutzen-Rechnung wird die Antwort auf die Frage Berufsheer oder Wehrpflicht geben. Mathematik war nie meine starke Seite, aber ich vermute, dass die Wehrpflicht in Summe günstiger ist als das Berufsheer plus der Kosten für jene Angestellten, die die Zivildiener in den Sozialorganisationen ersetzen müssten.

Mit der Seligsprechung von Johannes Paul II. lässt sich Josef Ratzinger auch seinen eigenen Kurs bestätigen

15. Januar 2011

johannes-paul-ii 

Papst Johannes Paul II. war ein ehrenwerter Mann. Die Rechnung, die die Kardinäle beim Konklave 1978 angestellt haben, ist aufgegangen. Sie wählten einen Vertreter aus dem damaligen Ostblock, um den dortigen unterdrückten Christen zu signalisieren, dass die Kirche sie nicht vergessen hat, dass sie auf ihrer Seite steht.

Historische Verdienste

Der Kardinal aus Polen hat wesentlich dazu beigetragen, dass die  kommunistischen Systeme implodiert sind. Das war seine historische Rolle, die nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Wer hätte damals gedacht, dass der Ost-West-Konflikt ohne Krieg beendet wird? Wohl kaum jemand. Dass der Zusammenbruch ohne Kämpfe und ohne größere Opferzahlen erfolgt ist, erscheint beinahe als Wunder.

Für die Polen ein Vorbild

Nun soll er fünf Jahre nach seinem Tod im Mai selig gesprochen werden. Dieser Prozess geht sehr rasch vor sich. Für die Polen wird diese Erhebung zur Ehre der Altäre ein Höhepunkt sein. Doch Karol Wojtyla hat mehrere Gesichter. Innerkirchlich hat er die Aufbruch, den das II. Vatikanische Konzil gebracht hat, zum Stillstand gebracht und teilweise zurückgeführt. Die konservativen, um nicht zu sagen die reaktionären Kräfte kamen an die Macht.

Wojtyla drehte den Prozess des II. Vatikanums zurück

Wojtyla, der auf seinen mehr als 100 Auslandsreisen die Massen in aller Welt begeistern konnte, hat auch seine Schattenseiten. Er hat den Prozess des II. Vatikanums nicht weitergeführt, sondern zurückgedreht. Er bremste auf allen Linien. Die höchst umstrittenen Bischofsernennungen in Österreich (Hans Hermann Groer, Kurt Krenn, etc.) belegen diesen Rückschritt.

Ratzinger setzt den Kurs von Wojtyla fort

Josef Ratzinger, der den Kurs Wojtylas in der Glaubenskongregation theologisch umsetzte, versteht sich in der Rolle als Papst Benedikt XVI. als konsequenter Fortsetzer der Linie von Johannes Paul II. Das erklärt die rasche Seligsprechung, die zugleich ein Symbol für die Richtigkeit des Kurses von Ratzinger verstanden werden soll und kann.             

FPÖ und Industrie bilden eine gemeinsame Achse

13. Januar 2011

haimbuchner

Die Ähnlichkeit ihrer Aussagen ist unüberhörbar. Die oberösterreichische Industriellenvereinigung und die Landes-FPÖ bilden in ihrem Verlangen nach einer Verwaltungsreform eine gemeinsame Achse. Fünf statt der bisher 18 Bezirkshauptmannschaften soll es geben, sind sich Industrie-Boss Klaus Pöttinger und FPÖ-Landesrat Manfred Haimbuchner (Bild: diepresse.com) einig.

Die Bürger erwarten, dass auch der Staat spart

Mit ihren Forderungen versuchen sie Landeshauptmann Josef Pühringer und die ÖVP vor sich her zu treiben. Denn die Schwarzen wollen die 18 Bezirkshauptmannschaften beibehalten. Das ist keine einfache Sache angesichts der Steuerbelastungen und der Einsparungen im Sozialbereich, die die Bürger hinnehmen müssen. Sie erwarten ihrerseits, dass der Staat und die Politik ebenfalls einsparen.

Löst die FPÖ die Grünen als Regierungspartner ab?

Strategisch gesehen ist die Achse FPÖ und Wirtschaft für die ÖVP sehr gefährlich. Denn die Freiheitlichen dringen damit in schwarze Kernwählerbereiche ein. Weiters treiben sie einen Keil in die Koalition mit den Grünen. Die Koalition ist sowieso schon wegen der Grünen Ablehnung des Westrings angeknackst. Die Wirtschaft fühlt sich an der Seite der FPÖ wohler als an der der Grünen. Gelingt es Haimbuchner weiter so erfolgreich und geschickt zu agieren wie bisher, kann es mittelfristig – nach der Landtagswahl 2015 – durchaus passieren, dass die FPÖ anstelle der Grünen eine Koalition mit den Schwarzen bilden wird.   

Die Mühlviertler waren viel zu brav

10. Januar 2011

Letztlich traten sie Montagmittag glückstrahlend vor die Kameras. Kanzler Werner Faymann und Infrastrukturministerin Doris Bures auf der einen und Landeshauptmann Josef Pühringer und der Linzer Bürgermeister Franz Dobusch auf der anderen Seite. Der Linzer Westring wird gebaut, verspätet und abgesteckter Form, aber er kommt. Statt 527 soll er 357 Millionen kosten.

Ein klassischer Kompromiss 

Die Nordspange, die die neu zu bauende vierte Donaubrücke mit der Stadtautobahn in Urfahr hätte verbinden sollen, wurde gestrichen. Zudem übernehmen das Land OÖ zehn Prozent und die Stadt Linz fünf Prozent der Baukosten, sodass der Bund finanziell entlastet  wird. Ein klassischer Kompromiss. Die Oberösterreicher fahren heim mit der Zusage, der Westring kommt, die Bundesregierung kann auf die Einsparungen verweisen.

Warum haben die Pendler nicht mit der Faust auf den Tisch gehaut?

Die Moral von der Geschicht‘: Die Oberösterreicher haben viel zu lange zugeschaut und sich viel zu lange von Wien vertrösten lassen. Schon vor Jahren, um nicht zu sagen vor Jahrzehnten, hätten die Verantwortlichen mit der Faust auf den Tisch hauen sollen. Aber was haben die betroffenen Pendler aus den Bezirken Rohrbach, Urfahr, Schärding und Eferding gemacht?  Sie haben fleißig die Schwarzen gewählt, sie sind brav gewesen, wie es ihnen der Pfarrer in der Kirche gepredigt hat, und sie wurden ob ihres Gehorsams stets übergangen. Auf dem Weg in die Arbeit nach Linz haben sie sich fleißig gestaut. Hätten sie die Politiker medial einer Dauerprügelei unterzogen, wäre der Westring bereits heute mit ziemlicher Sicherheit fertig.

Hoffnung, die den Geschmack von Zynismus hat

In fünf bis zehn Jahren, wenn der erste Teil des Westrings fertig ist, werden sie dann zügig an ihren Arbeitsplatz in Linz kommen. Das ist Hoffnung. Hoffnung, die in diesem Fall nicht nur ein wenig zynisch klingt.   

Die Volkspension wird lediglich die Grundversorgung abdecken

09. Januar 2011

mitterlehner

Er war so überrascht, dass er sich kaum darüber reden traute. Mit der Betonung auf Vertraulichkeit erzählte mir vor rund zehn Jahren ein guter Bekannter bei einem Saunabend, dass er, der eben in den Ruhestand übergetreten war, nun mehr verdiene als in den vergangenen Monaten. Er war Hauptschuldirektor. Die hohe Pension erkläre sich dadurch, dass die vielen Überstunden, die er in Zeiten des Lehrermangels geleistet hatte, nun bei der Pension angerechnet würden, berichtete er mir.

Manche Beamte haben eine höhere Pension als sie Aktivbezug hatten

Er, der Hauptschuldirektor, war Zeit seines Lebens sehr engagiert, auch in seiner Freizeit. Er hatte viele ehrenamtliche Funktionen inne. Deshalb sei ihm auch seine vorzügliche Pension gegönnt. Man muss nun kein sehr guter Rechner sein, um zu verstehen, dass bei derart großzügigen Regelungen die Pensionskassen in Finanzierungsschwierigkeiten kommen. Genau derartige Fälle wie diese nimmt nun Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (Bild: kleinezeitung.at)  zum Anlass, um auf eine Reform des Pensionssystems zu pochen. Im Interview mit den Oberösterreichischen Nachrichten (8.1.2011, Seite 9) begründet er seinen Vorstoß für ein einheitliches Pensionssystem: „Beamte sind nach wie vor sehr begünstigt. Es gibt dort Beschäftigte, die durch die Zurechnung von Zulagen genau so viel Pension wie Aktiveinkommen haben.“ Es könne nicht sein, dass ein Teil der Gesellschaft (Arbeiter und Angestellte, Anm.d.Red.) voll den Konjunkturschwankungen ausgesetzt ist und sich dort auch nicht auf den Vertrauensschutz (wie die Beamten, Anm.d.Red.) berufen kann und diesen gleichsam für den geschützten Bereich finanziert. Es werde sicher eine Herausforderung sein, das System dort zu ändern.  

Aus dem Budget fließen jährlich  16 Milliarden zur Pensionsfinanzierung

Aus Österreichs Budget werden jährlich 16 Milliarden zur Finanzierung der Pensionen zugeschossen. Der Staat steht an seiner Leistungsgrenze. Ein immer größerer Teil muss für Sozialleistungen ausgegeben werden, während für zukunftsträchtige Investitionen in Infrastruktur und Bildung kein Geld da ist. Nun sollen die Privilegierten, sprich die Beamten, zur Kasse gebeten. Sie werden in wirtschaftlichen schwierigen Zeiten nicht gekündigt, sie behalten ihren Arbeitsplatz und erhalten Pensionen, die so hoch sind wie wenn sie arbeiten würden. Nicht schlecht, oder?

Die Volkspension wird kommen

Sollten sich die Reformer wie Mitterlehner durchsetzen, so soll es bis 2025 ein einheitliches Pensionssystem geben. Man kann sie auch Volkspension nennen. Diskutiert wurde diese Idee schon vor 20 bis 30 Jahren, unter anderem vom damaligen ÖAAB-Generalsekretär und späteren Volksanwalt Kohlmaier.

Alles andere als die Abdeckung der Grundversorgung ist kaum zu finanzieren

Wie wird nun diese Volkspension wohl aussehen? Aufgrund der leeren öffentlichen Kassen und des massiven Geburtenrückgangs muss man kein Prophet sein, dass es sich dabei lediglich um eine Grundversorgung handeln wird. Man kann davon wahrscheinlich die Kosten für einen kleinen Haushalt bezahlen und die Nahrungsmittel. Für recht viel mehr wird es vermutlich nicht reichen. Wer reisen und viel unternehmen will, wird privat für die Pension vorsorgen müssen. Diese Perspektive ist zwar nicht gerade berauschend, aber wenn man darüber Bescheid weiss, kann man sich darauf einstellen. Das ist ernüchternd, aber es ist die Wahrheit.   

Abspecken und masshalten

07. Januar 2011

schweizerbahn

Was nimmt Österreich mit ins neue Jahr? Einen Berg von Schulden. Während die Neuverschuldung im Budget 2011 durch die Steuerbelastungen und Einsparungen von rund vier Prozent auf drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) sinken dürfte, steigen die Schulden im außerbudgetären Bereich. Die Verbindlichkeiten der ÖBB werden auf 20 Milliarden steigen, die der Autobahngesellschaft Asfinag auf 12 Milliarden und die der Bundesimmobiliengesellschaft auf 3,7 Milliarden.

Österreich mit mehr als 220 Milliarden Euro verschuldet

Dazu kommen noch die Schulden der Gemeinden, die im vergangenen Jahr um 50 Prozent auf 7,2 Milliarden gestiegen sind. Die Schulden der Bundesländer stiegen von 10,7 auf 13 Milliarden. Der Bund schuldete per Ende September 2009 173 Milliarden Euro.

Alle werden zur Kasse gebeten werden 

Die Frage ist, wer die mehr als 220 Milliarden bezahlen wird. Die Antwort ist klar: die Steuerzahler. Jeder, der meint, ihn gehe das nichts an, wird eines Besseren belehrt werden. In welcher Form das passieren wird, ist noch ungeklärt. Sollten manche auf die Inflation hoffen, muss gleich dazu gesagt werden, dass in diesem Fall auch die Sparguthaben der Österreicher schmelzen würden. Die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) bezeichnete in ihrer Ausgabe vom 24. Dezember 2010 Österreichs Schulden als „tickende Zeitbombe“.

Die Schweiz erwirtschaftete 2010 einen Überschuß

Was zu tun ist, hat Markus Spillmann in seinem Leitartikel der NZZ vom 31. Dezember getitelt. Er empfiehlt den verschuldeten Staaten Europas „abspecken und masshalten“. Dass dies möglich ist, zeigt die Schweiz auf beeindruckende Weise. Sie hat ihr Budget 2009 mit einem Überschuss abgeschlossen. Gleichzeitig verfügt unser westlicher Nachbar über ein ausbezeichnetes und bestens funktionierendes Eisenbahnnetz (Bild). Österreich bräuchte sich also nur die Eidgenossen zum Vorbild nehmen.

Eine soziale Rundumversorgung ist nicht finanzierbar

Spillmann empfiehlt in seinem Leitartikel, wie es gehen kann. „Eine Priorisierung auf staatliche Kernaufgaben wie Bildung, Infrastruktur und Sicherheit läge auf der Hand, zulasten der sozialen Rundumversorgung im Giesskannenprinzip der schleichenden Entmündigung privater Initiativen und der Absicherung sämtlicher Risiken individueller Lebensentwürfe. Soziale Kälte bricht damit nicht aus, wärmer wird es aber auch nicht. Trotzdem braucht es ein Umdenken, um künftigen Generationen jenen Wohlstand garantieren zu können, von dem wir noch immer zehren. Gelingen wird es nur, wenn aus der wirtschaftlichen Notwendigkeit, Mass zu halten, endlich wieder eine politische Tugend wird.“  

Der Governator ist gescheitert

06. Januar 2011

schwarzenegger 

Wir Österreicher waren so stolz auf ihn. Denn er zeigte uns, dass wie man es als kleiner Mann aus dem kleinen Österreich auf die Bühne der Welt schaffen konnte. Arnold Schwarzenegger ließ nicht nur die Herzen der Österreicher höher schlagen, als Terminator faszinierte er die Kinobesucher weltweit.

Der Governator folgt dem Terminator

Nach seinem Abtritt aus der Welt Hollywoods wandte sich der „Steirerman“ der Politik zu. Als Gouverneur von Kalifornien war er 2003 angetreten, um im „sunshine-state“ aufzuräumen, der mit mehr als zehn Milliarden Dollar verschuldet war. Der Governator, wie er nun genannt wurde, verzichtete auf die luxuriöse Residenz in der Hauptstadt Sacramento, er ließ sich nicht als „Herr Gouverneur“, sondern als Arnie anreden, er verzichtete auf sein Salär als Regierungschef.

Schulden stiegen auf 20 Milliarden

Dennoch scheiterte er. Er wollte Kalifornien gesund machen und hinterlässt doppelt so viele Schulden wie er übernommen hatte. Trotz intensiven Bemühens gelang es ihm nicht, eine Übereinstimmung zwischen den Republikanern und den Demokraten, die beide ungefähr gleich stark sind, zur Sanierung des Staates herbeizuführen. Die Republikaner lehnten jegliche Steuererhöhungen ab, die Demokraten, allen voran die Gewerkschaften, beharrten auf ihrem Anspruchsdenken. Für die meisten fiskalischen Beschlüsse ist aber eine Dreiviertel-Mehrheit notwendig. Das Ergebnis ist ein Fiasko. Der Staat gibt Schuldscheine aus anstatt Rechnungen und Gehälter zu bezahlen. Landesangestellte müssen zwangsweise unbezahlten Urlaub nehmen, Schulen und Universitäten leiden unter akutem Geldmangel. Der Zustand der Straßen ist so schlecht, dass nicht selten Geschwindigkeitsbeschränkungen eingeführt werden müssen, damit die vielen Schlaglöcher nicht zu Unfällen führen.

Initiativen im Umweltschutz

Erfolg hatte Arnie hingegen im Umweltschutz. Kalifornien hat als erster amerikanischer Bundesstaat seinen CO2-Ausstoß begrenzt. Er verkündete die „Wasserstoffautobahn“ und setzte mit der Einführung von Tankstellen, an denen Wasserstoff zu haben ist, die Grundlage für die Einführung von Fahrzeugen mit Brennstoffzellen.

Nun ist Arnie 63-jährig als Gouverneur abgetreten. Es wird nicht das Ende seiner Karriere sein. Jedenfalls hoffen es wir Österreicher. Denn Arnie lebt für uns den amerikanischen Traum.

 

   

Kirche zog keine strukturellen Konsequenzen aus den Missbrauchsskandalen

05. Januar 2011

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Die römisch-katholische Kirche stand im vergangenen Jahr ganz im Schatten der zahllosen Skandale sexuellen Missbrauchs durch Priester. Besonders Irland, wo rund 15.000 Fälle bekannt wurden, stand im Blickpunkt. Die irländischen Katholiken sind nach Aussage des Bischofs von Ossory, Seamus Freeman, enttäuscht über den Hirtenbrief des Papstes zu den Vorkommnissen. Ihre Enttäuschung erwächst daraus, dass der Papst die Missbrauchsfälle in kirchlichen Schulen und Heimen nicht als Symptom für Mängel in Struktur und Funktion der Kirche ansehe. Außerdem beschwerten sie sich darüber, dass der päpstliche Brief keine direkte Selbstkritik der Rolle des Vatikans enthalte.

3000 irische Gläubige gaben Stellungnahmen ab

Irland Primas, Kardinal Sean Brady (Bild), hatte die Gläubigen nach der Veröffentlichung des Papstbriefes zu Reaktionen ermuntert. Nach Angaben Freemans gingen seitdem mehr als 3000 schriftliche Wortmeldungen ein. Viele Katholiken hätten darin einen offeneren Dialog über Sexualität, Zölibat und Frauenpriestertum gefordert.

Papst und Kurie wollen alles beim Alten belassen

Es ist tatsächlich so, dass die römisch-katholische Kirche die Missbräuche verurteilt hat, aber keinerlei Konsequenzen gezogen hat. Der Weg des Vertuschens, den sie jahrelang begangenen hat, ist gescheitert, viele Fälle sind aufgeflogen. Aber die strukturellen Ursachen wurden nicht aufgearbeitet. Das ist offensichtlich unter Papst Benedikt und unter dieser Kurie nicht möglich.  

Lassen wir Neugebauer doch in Pension gehen!

04. Januar 2011

neugebauer

Fritz Neugebauer, Zweiter Nationalratspräsident, ÖVP-Politiker und Vorsitzender der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst, hat sich endgültig ins politische Out gestellt. Zuerst hat er (Bild: diepresse.com) dem Budget zugestimmt, nun will er dagegen klagen. Er will vor den Verfassungsgerichtshof ziehen, um die für 2014 geplante Erhöhung des Antrittsalters für die Hacklerpension von 60 auf 62 Jahre auch für die Beamten zu kämpfen. Dabei beträgt das gesetzliche Pensionsalter 65 Jahre.

Politiker wie Neugebauer sind ein Krebsschaden

Politiker wie Neugebauer sind ein Krebsschaden für Österreich. Er verteidigt Privilegien, die den Staat viel Geld kosten, das für Investitionen in die Bildung und in die Universitäten fehlt. Allein 2010 schoss der Bund 16 Milliarden Euro den diversen Pensionskassen zu, damit die Pensionen ausbezahlt werden konnten. Den Neugebauers Österreichs ist die Zukunft Österreichs offensichtlich egal. Hauptsache hier und heute wird das Geld ausgegeben, gemäß dem Motto „hinter mir die Sintflut“. Auch wenn sich die Vertreter von SPÖ und ÖVP über Neugebauer empören, sie sind in Wahrheit mitschuldig. Denn Hackler sind Schwerarbeiter und für Schwerarbeiter war diese begünstigte Pensionsregelung ursprünglich vorgesehen. Die Koalitionsparteien entschieden sich aber dafür, dieses Privileg allen zuzugestehen. Auch wohlbestallten Leuten wie Beamten.

Österreich bedarf der Erneuerung

Im Sinne der dringend notwendigen Erneuerung Österreichs wäre ein Rücktritt Neugebauers ein symbolisch wertvoller Schritt. Neugebauer verkörpert eine Vergangenheit, die uns hohe Schulden hinterlassen hat.

Gemeindegrenzen an gewachsene Strukturen anpassen

29. Dezember 2010

Eine inhaltlich eigenartige Position vertritt die oberösterreichische ÖVP bei der überfällig gewordenen Gemeindereform. Sie verweigert die notwendigen Schritte mit der Begründung, die betroffenen Bürgerinnen und Bürger seien dagegen.

Argumentation der ÖVP ist nicht seriös

Diese Argumentation ist im Vergleich zu ihren anderen Argumentationslinien widersprüchlich. Es ist richtig, dass die Bürger der betroffenen Gemeinden gegen Änderungen bzw. Zusammenlegungen sind. Das sind aber zum Beispiel auch jene Menschen, die direkt vom Bau des Linzer Westrings betroffen sind. Den will die ÖVP aber in jedem Fall durchziehen. Erweitert man den Umfragekreis auf alle jene, die den Linzer Westring benutzen bzw. von dessen Bau profitieren, so ergibt sich eine ganz klare Mehrheit für den Westring.

Notwendigkeiten sind entscheidend

Ein ähnlicher Prozess spielt sich auch bei der Spitalsreform ab. Wird eine Abteilung eines regionalen Krankenhauses geschlossen, weil ein 30 km entferntes Krankenhaus in diesem Bereich spezialisiert und ein Schwerpunktkrankenhaus ist, so ist natürlich die unmittelbar betroffene Bevölkerung gegen die Schließung dieser Abteilung. Sie ist aber auch dagegen, dass sie (rein theoretisch) bei der Nutzung dieser Abteilung einen gewissen Beitrag aus der Privatschatulle zahlen sollte, damit die Abteilung weiter finanziert werden könnte. Gemäß dem Motto: Ich will die Leistung hier zu Hause, wie das finanziert wird, geht mich nichts an, das ist die Aufgabe der Politiker. Würde die oberösterreichische ÖVP bei der Spitalsreform so argumentieren und vorgehen wie der Reform der Gemeinden, wird die Spitalsreform nie stattfinden.

Wozu haben wir eine repräsentative Demokratie?

Es ist das Wesen der repräsentativen Demokratie, dass die Politiker jene Maßnahmen ergreifen, die aus ihrem Erkenntnisstand heraus  notwendig sind. Würde man sich lediglich nach den jeweiligen Mehrheiten richten, wäre die direkte Demokratie geeigneter. Man lässt die Bevölkerung abstimmen und setzt die Abstimmungen um. Hätte sich die oberösterreichische ÖVP nur nach den Mehrheitsmeinungen gerichtet, gäbe es bis heute kein Musiktheater. Die Bevölkerung hat dagegen gestimmt, dennoch wurde es gebaut. An einem anderen Standort als am geplanten. Diese Entscheidung war richtig und gut.

Nein zu willkürlichen Zusammenlegungen

Ähnliches gilt für die Gemeindereform. Es geht hier nicht darum, willkürlich Gemeinden zusammenzulegen. Es geht lediglich um eine Anpassung der Verwaltung an gewachsene Strukturen. Bestes Beispiel sind die Gemeinden Peuerbach, Bruck-Waasen und Steegen. Sie bilden eine Pfarre und eine gewachsene Einheit, die Ämter von Bruck-Waasen und Steegen sind im Zentrum von Peuerbach. Die von der Landes-ÖVP immer wieder ins Spiel gebrachte freiwillige Zusammenarbeit und Koordination funktioniert nur ausnahmsweise. Kleinkarierte Verhaltens- und Besitzweisen dominieren das Geschehen.

Bei den Kleinen wird gespart, bei den Großen nicht

Es gibt natürlich ein Argument der Bevölkerung, gegen das schwer zu argumentieren ist. Nicht wenige sagen, bei uns, den kleinen Gemeinden, will die Politik sparen, bei den Oberen, beim Bund und den Ländern wird nicht gespart und nicht reformiert. Wir sollten unsere Arbeitsplätze abschaffen, wo wir doch ständig im ländlichen Raum Arbeitsplätze verlieren. Zum Beispiel durch das Zusperren von Bezirksgerichten und Postämtern. Wo bleiben die Perspektiven für den von Abwanderung begriffenen ländlichen Raum? Eine berechtigte Frage, die aber der Frage nach sinnvollen Verwaltungsstrukturen nicht widerspricht.    

 

Die Wahrheit ist zumutbar

28. Dezember 2010

kardinal 

Die Wahrheit ist zumutbar. Das war die Botschaft von Kardinal Christoph Schönborn am Weihnachtabend an die Politiker. So wie sich die Kirche im Missbrauchsskandal „traurigen Wahrheiten“ stelle, sei auch in anderen Bereichen die „Wahrheit zumutbar“.

Bereits im Gespräch mit der Regierung im Zuge der Budgetverhandlungen hatte Schönborn an der Schuldenpolitik Kritik geübt. Die Wahrheit ist, dass aufgrund der Zinslasten und Rückzahlungen eine zukunftsorientierte Politik nicht möglich ist. Es fehlt einfach das Geld. Wären die Schulden nicht, wären die Mittel zum Ausbau des Bildungssystems und für die Universitäten probelmlos da.  So eben nicht.

Den Kindern wird es einmal schlechter gehen

Waren frühere Generationen danach bestrebt, dass es den Kindern einmal besser gehen soll, so ist heute ziemlich klar, dass es den heutigen Kindern einmal schlechter gehen wird. Denn die Sozialleistungen, die heute bezahlt werden, werden in Zukunft nicht mehr möglich sein. In Zukunft wird der stark sein, der sich grundsätzlich selbst durchbringt. Die Leistungen des Staates werden vielleicht ein Zubrot sein. Mehr nicht. Der Staat wird eine Grundpension zahlen. Wer aber seinen Lebensstandard auch in den Pension halten will, wird selbst vorsorgen müssen. Eine ähnliche Entwicklung wird es im Schulsystem geben. Wer möchte, dass seine Kinder wirkliche gute Schulen besuchen, wird sie in Privatschulen schicken müssen.

Die Menschen ahnen, was auf sie zukommt

Das sind Beispiele für Wahrheiten, die uns ins Haus stehen und die die Menschen im Prinzip wissen. Nur die Politiker haben nicht den Mut, die die Dinge anzusprechen, weil sie fürchten Wähler zu verlieren.

Die Wahrheit macht frei

Aber auch die katholische Kirche ist erst am Beginn ihres Weges der Wahrheit. Denn zur Wahrheit gehört auch, dass der Großteil der Gläubigen und des Klerus schon lange nicht mehr mit den Vorschriften Rums einverstanden sind. Dass sie Reformen erwarten, aber immer wieder enttäuscht werden. Das Volk lebt längst schon einen anderen Glauben als der von den Kurienbeamten vorgeschriebene. Nicht nur für die Politik, auch für die katholische Kirche wird der weitere Weg der Wahrheit ein schmerzhafter sein.  Aber, so weiss schon die Heilige Schrift, die Wahrheit wird die Menschen frei machen. 

Die Frohbotschaft des Kanzlers

26. Dezember 2010

AUSTRIA/ 

Liebe Leute, Kanzler Werner Faymann (Foto: diepresse.com) hat uns seine Weihnachtsfrohbotschaft verkündet! Sie ist wahrhaft revolutionär und stellt die bisherigen Grundsätze auf den Kopf. Kein Zwang mehr, nur mehr alles freiwillig, aus Einsicht in die Notwendigkeit. Via „Österreich“ hat er kundgetan, er wolle statt der Wehrpflicht ein Freiwilligen-Heer, ein Heer, das so attraktiv ist, dass es genug Freiwillige findet, damit man die Verteidigungsaufgaben, die Auslandseinsätze und den Katastrophenschutz ausüben kann.

Einsicht und Freiwilligkeit auf alle Bereiche des Staates anwenden

Dieses Faymann’sche Grundprinzip ist derartig hervorragend, dass man es auf alle Bereiche des Staates ausweiten sollte. Die Bürgerinnen und Bürger zahlen freiwillig die Steuern, aus der Einsicht heraus, dass der Staat viel Geld für die Sozialleistungen, für die Bildung, für den Straßenbau etc. benötigt. Mit ziemlicher Sicherheit wird der Fiskus viel mehr einnehmen als bisher, wo die Finanzämter und die diversen Behörden dies mit Androhung und Zwang eintreiben müssen. Die Politiker werden viel mehr verdienen, weil die Menschen einsehen, wie tüchtig und hervorragend sie sind. Damit würden endlich ihre Klagen ein Ende finden, sie, die Politiker, seien unterbezahlt und sie würden in der Wirtschaft viel besser entlohnt. Damit wäre dieses bedeutende Problem auch gelöst.

Destruktive Wortmeldungen

Die Einführung des Freiwilligenheeres würden auch so destruktive Wortmeldungen wie jene von Erhard Paulus, dem Präsidenten der Offiziersgesellschaft, entlarven, der meint, der Assistenzeinsatz des Bundesheeres im Burgenland sei „sinnloser denn je“. In der jetzigen Budgetsituation sei es völlig unverständlich, dass für einen solchen Unsinn noch Geld aufgewendet werde. In Salzburg, Wien und Linz gebe es wesentlich mehr Einbrüche als im Burgenland. Da müsste man dann eher dort das Bundesheer einsetzen.

Faymann hat uns restlos überzeugt

Habe ich bisher mit Kanzler Faymann da und dort gehadert, so bin nun ich nun restlos von ihm überzeugt. Er ist der richtige Mann an der Spitze des Staates, der Österreich in eine gute Zukunft führen wird.  

 

Geben ist seliger als Nehmen

24. Dezember 2010

christbaum

Andere zu beschenken macht glücklicher als das Geld für sich selbst auszugeben. Zu diesem einhelligen Schluss kommen diverse Studien. Ihr Ergebnis ist einleuchtend. Denn zu schenken bedeutet dem anderen Aufmerksamkeit und Energie zu geben. Es heißt, mit ihm zu kommunizieren, ihn anzunehmen, ihn zu würdigen. Schenken heißt sich zu öffnen. Der, der nur sich selbst beschenkt, bleibt mit sich allein.

Zu schenken bedeutet sich zu öffnen

Es kommt nicht auf den materiellen Wert des Geschenks an. Entscheidend ist viel mehr die Symbolik der Hingabe und der Öffnung, dem anderen zu sagen, Du bist wertvoll für mich, ich gebe Dir Wert. Das wertvollste und größte Geschenk überhaupt ist wohl die Zeit. Sie kostet kein Geld und verhilft zu den schönsten Erlebnissen. Darum wird Weihnachten von so vielen als das schönste  und von manchen auch als schmerzhafteste Fest empfunden. Die Familie kommt zusammen, man isst und feiert gemeinsam. Wer alleine feiert, muss schon sehr stark sein, dies ohne Gefühle der Wehmut und der Einsamkeit auszuhalten.

Schenken ist ein Akt der Befreiung und der Freiheit zugleich

Zu schenken ist ein Akt der Freiheit und der Befreiung zugleich. Befreiung von sich selbst, der andere erhält Vorrang. Darum ist wohl auch Schenken wichtiger und in der Konsequenz wertvoller als selbst beschenkt zu werden. Denn wer beschenkt wird, fühlt sich geehrt und verpflichtet zugleich. Verpflichtet, den Geber ebenfalls zu beschenken, damit das Gleichgewicht wieder hergestellt wird. So heißt es schon in der Bibel, dass Geben seliger ist als nehmen.

 

   

Sümpfe in Russland und Österreich

23. Dezember 2010

pochhacker

WikiLeaks wird demnächst Berichte über kriminelle Verstrickungen hochrangiger russischer Politiker veröffentlichen. Die Spitzen des Staates werden mit dem organisierten Verbrechen in Verbindung gebracht.  In den Berichten heißt es, Präsident Dimitri Medwedew sei blass, zögerlich und müsse seine Entscheidungen von Ministerpräsident Wladimir Putin absegnen lassen. Russland sei faktisch ein „Mafia“-Staat, der von korrupten Geschäftsleuten und den Sicherheitskräften kontrolliert werde.

Was soll man von einem Geheimdienstoffizier erwarten?

Beim Lesen dieser WikiLeaks-Berichte wird sich so manche/r in seiner Meinung über Russland bestätigt fühlen. Was soll man schon anderes erwarten, wenn ein Land von einem ehemaligen Geheimdienstoffizier geführt wird. Er wird das machen, was er gelernt hat und was er kann. Im Geheimen operieren, lügen, mit Macht umgehen und unliebsame Menschen beseitigen.

Wann wird endlich gegen Meischberger, Grasser und Pöckhacker vorgegangen?

Wir meinen, wir in Österreich seien weit von Russland entfernt, bei uns sei alles anders. Dem ist aber nicht so. Die Veröffentlichung der abgehörten Telefonate zwischen dem ehemaligen FPÖ-Generalsekretär Walter Meischberger und Ex-Finanzminister Karl Heinz Grasser lassen einem die Haare zu Berge stehen. Es handelt sich offensichtlich um Untreue und Korruption. Beide sind ebenso auf freiem Fuß wie der ehemalige Chef des Baukonzerns Porr und nunmehrige Aufsichtsratsvorsitzende der ÖBB, Horst Pöchhacker (Foto: kleinzezeitung.at). Die Gespräche legen die Vermutung nahe, dass Porr Schmiergelder an Meischberger für den Neubau des Linzer Finanzamtes beim Hauptbahnhof bezahlt hat. Meischberger hat ja bereits beim Verkauf der staatlichen Buwog-Wohnungen mitkassiert. Ein einziger Sumpf, der rasch trockengelegt werden muss. Leider kann man sich derzeit des Eindrucks nicht erwehren, dass die Justiz hier säumig ist. Die beteiligten Herren sind alle auf freiem Fuß, Pöchhacker noch immer bei den ÖBB im Amt, obwohl die ÖBB beim Kauf der Transportgesellschaft der ungarischen Staatsbahnen Schmiergelder bezahlt haben und die ÖBB am Rande des Bankrotts stehen.       

Dem Schnee sei Dank!

22. Dezember 2010

schnee 

Dem Winter sei Dank. Seit einem Monat beschert er uns Schnee in einer Menge, die wir vor Weihnachten selten erlebt haben. Viele verfluchen die weiße Pracht. Denn sie schränkt unsere Mobilität ein. Vor allem im westlichen Europa strandeten Zehntausende auf den Flughäfen, weil Frau Holle ihren Flügen einen Strich durch die Rechnung gemacht hat.

Wir wollen unser gewohntes Tempo fahren

Wir wollen das ganze Jahr hindurch unser gewohntes Tempo fahren. Unabhängig von der Jahreszeit, egal, ob es draußen plus 40 Grad oder 30 Grad minus hat. Die Natur ist für unser Mobilitätsgehabe ein Hindernis. Dabei sollten wir doch im Winter runterschalten und Geschwindigkeit rausnehmen. Wenn uns der Schnee dazu zwingt, sind wir ungehalten. Doch  wir sind „Gewohnheitstiere“ und ändern nur ungern unser Verhalten. Die Drosselung des Tempos ist jedoch eine Chance, denn unsere Geschwindigkeiten sind in vielen Lebenslagen zu hoch.

Der Schnee ließ die Sonne strahlen

Die Tage waren kurz in den vergangenen Wochen, um 16 Uhr wurde es bereits dunkel. Die Wintersonnenwende ist bereits vollzogen, der Wechsel ist eingeleitet. Dass uns die Kürze der Tage nicht so stark aufgefallen ist, haben wir ebenfalls dem Schnee zu verdanken. Er hat die Sonne heller erstrahlen lassen. Es gab viele wunderbare Wintertage. Wenn uns der Winter in dieser Art und Weise bis Februar und März erhalten bleibt, ist er ein dauerhaftes Geschenk.  ÂÂ