Werner Faymann hat Josef Pröll vorgeführt

09. März 2010

proell

„Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern“, nimmt sich Vizekanzler Josef Pröll (auf dem diepresse.com-Bild mit Faymann) offensichtlich Anleihe beim früheren deutschen Kanzler Konrad Adenauer. Großspurig hat der ÖVP-Obmann monatelang versprochen, es werde keine Steuererhöhungen geben. Die Hebung von Einsparpotenzialen zum Beispiel durch die Verwaltungsreform habe Vorrang.

Pröll knickte ein

Kurz vor dem Bankengipfel vor drei Wochen knickte Pröll zum ersten Mal ein. Plötzlich bekannte auch er sich zum Vorschlag des SPÖ-Vorsitzenden Kanzler Werner Faymann, der diese Belastung vehement gefordert hatte. Dieses Wochenende und gestern, Montag, ist es zum großen Tabubruch gekommen. Bis 2011, also Ende nächsten Jahres, müssen 2,8 Milliarden Euro eingespart werden. Sie sollen zu 60 Prozent durch Einsparungen und zu 40 Prozent durch neue Steuern aufgebracht werden.

Faymann hat sich durchgesetzt

Wie die Belastungen im Detail aussehen werden, ist noch offen. Aber ohne neue Massensteuern wird es nicht gehen. Für Pröll ist das ein Canossagang. Die Verhandlungen seien der „härteste Tag“ seiner bisherigen politischen Laufbahn gewesen, sagt er. Hatte man in der Öffentlichkeit bisher den Eindruck, Pröll sei der wahre Kanzler in der Regierung, so ist es nun dem SPÖ-Vorsitzenden still und heimlich gelungen, das Image von Pröll zu beschädigen. Faymann hat gute Chancen, seine Konzeption der Besteuerung der sogenannten „Reichen“ durchzubringen. Neben der Bankensteuer sollen die Vergünstigungen für Stiftungen aufgehoben werden, eine Vermögenszuwachssteuer eingeführt werden und Managergagen sollen ab 500.000 Euro im Jahr nicht mehr betrieblich absetzbar sein. Alles Vorschläge, denen man als vernünftiger Mensch nur zustimmen kann.

Wo bleiben die ÖVP-Forderungen?

Wo bleiben bitte die Anhebung des Pensionsalters und die Verwaltungsreform, die die ÖVP gefordert hat? Davon ist derzeit nicht die Rede. Die Hacklerregelung soll erst 2013 auslaufen. Wie man die Sache auch dreht und wendet, die SPÖ hat sich ganz klar gegenüber der Volkspartei durchgesetzt.  

Die Rechten werden in Europa stark bleiben

08. März 2010

DEN HAAG-TWEEDE KAMER-VRAGENUURTJE 

„Ein Rechtsruck geht durch Europa“, titelt die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) ihren Leitartikel im Feuilleton am vergangenen Freitag. Damit kommentierte sie den Sieg des niederländischen Rechten Geert Wilders (Bild) bei den Kommunalwahlen. In den Niederlanden wie in Österreich lebt die Rechte vom Widerstand breiter Teile der Bevölkerung gegen Zuwanderung und Islamisierung.

Europäer haben Angst vor stärker werdendem Islam

Auch die Schweizer stimmten mit dem Minarettverbot gegen eine weitere Verstärkung des islamischen Einflusses. Die Franzosen verhängten ein Burka-Verbot. Viele Europäer fühlen sich in den Errungenschaften der Aufklärung gefährdet. Zum Beispiel in der Trennung von Kirche und Staat, in der Emanzipation der Frau, in der Demokratie, in der Friedfertigkeit und im Rechtsstaat. Dazu kommen Ängste um die Arbeitsplätze, die man an die Zuwanderer verlieren könnte, und um den Sozialstaat, der auch den Einwanderern zur Verfügung steht.  

Die Bevölkerung muss stärker eingebunden werden

Das Ringen, wie das Zusammenleben zwischen den Zuwanderern, speziell den Muslimen und den Einheimischen, gestaltet wird, ist eine der zentralen Herausforderungen gegenwärtiger europäischer Gesellschaften. Damit werden die rechten Parteien stark bleiben. Um in diesen Punkten zu tragenden Lösungen zu kommen, wird eine stärkere Einbeziehung der Bevölkerung  unumgänglich sein. Je weniger die Bürgerinnen und Bürger eingebunden sind, umso stärker werden die rechten Parteien wachsen. Hier sind in der Vergangenheit große Fehler passiert. Der Bevölkerung wurde von den linken Eliten und den Wirtschaftsbossen eine Migrationspolitik aufgezwungen, die die Menschen so nicht wollten. Zudem handelte es sich um ein reines Öffnen der Tore. Ob die Zuwanderer mit den Verhältnissen in der neuen Heimat zurechtkamen oder nicht, darum hat sich kaum jemand gekümmert. Mit den bekannten Folgen.

Schwache rechte Führung in Österreich

Österreich kann von Glück reden, dass mit Leuten wie H.C. Strache oder Barbara Rosenkranz keine sonderlich begabten Führer an der Spitze der Rechten stehen. Sie agieren mehr als Schreihälse denn als clevere Strategen.

Wie stark beeinflussen die Zuwanderer bereits die Politik?

Wie stark die muslimischen Minderheiten bereits die niederländische Politik beeinflussen, beschreibt Dirk Schümer in seinem FAZ-Beitrag: „Der Pendeleffekt einer sich wandelnden Migrationsgesellschaft bedroht nur die Volksparteien. Die Sozialdemokraten konnten sich nur einigermaßen halten, weil die türkischen und marokkanischen Gemeinschaften massiv für die Arbeiterpartei stimmten. Die starke Migrantenpräsenz hat bereits zu einem Kooperationsverbot mit Wilders geführt. Inwieweit muslimische Wählergruppen – etwa nach dem Vorbild der erodierenden Christdemokratie als Interessengruppe der Kirchen -  die Politik etablierter Parteien beeinflussen, damit aber auch die eigene politische Integration befördern, gehört zu den spannenden Zukunftsfragen. Immerhin ist die bisherige Regierung (aus Sozialdemokraten und Christdemokraten) an einem Kulturkampf-Thema zerbrochen: dem Krieg in Afghanistan, den die Sozialdemokraten mit Rücksicht auf ihren Muslim-Anhang nicht weiter führen möchten.“    

Die Kirche verwaltet ihren Untergang

07. März 2010

missbrauch

Sie beteuern „Scham und Trauer“, sie wollen die diözesanen Ombudsstellen vernetzen. Die österreichische Bischofskonferenz beschäftigte sich in der Vorwoche mit den vielen Fällen von Kindesmissbrauch durch Priester. Das weltweite Vertuschungs- und Scheinheiligkeitskartell bricht in einer Radikalität zusammen, die einen erstaunen lässt. Die römisch-katholische Kirche präsentiert sich als Institution, in der Kindesmissbrauch System hat. Doch die  weltweit Tausenden von Missbrauchsfällen sind für Kardinal Christoph Schönborn und den Grazer Bischof Egon Kapellari kein Anlass, Strukturen in Frage zu stellen. Nein, die oberflächliche Flickschusterei wird weiter betrieben. Das Grundproblem, dass Priester mit dem Eintritt ins Seminar ihre Sexualität leugnen müssen, wird nicht angegangen. Diese Lebenskraft wird in der Folge deformiert. Die Devise ist, nur nichts ändern und in Frage stellen. All‘ diese Missbrauchsfälle werden lediglich als persönliche Verfehlungen schöngeredet. Reagiert und offengelegt wird erst dann, wenn es keinen anderen Ausweg mehr gibt. Zu einer Erneuerung und Reinigung aus sich heraus ist die Kirche nicht fähig.

Die Pfarrgemeinderäte tragen den römischen Kurs nicht mehr mit

Dabei ist die Kirche darauf und dran, die Treuesten ihrer Treuen zu verlieren. Die Pfarrgemeinderäte, also die allerengsten Mitarbeiter, tragen den römischen Kurs nicht mehr mit. 50,3 Prozent,  eine absolute Mehrheit, lehnt den Zölibat ab. Das ergibt eine Studie des Wiener Pastoraltheologen Paul Zulehner, der dies unter 7400 Personen, das sind ein Viertel aller Pfarrgemeinderäte , erhoben hat. 15 Prozent befürworten sogar die Priesterweihe der Frauen, obwohl der Vatikan darüber 1994 ein Diskussionsverbot erlassen hat. Im Gespräch mit der Zeitung „Die Presse“ kommt  Zulehner zum Schluss: „Wir verlieren die besten Leute. Unter den Engagiertesten existiert eine beträchtliche Kirchendepression. Man hat den Eindruck, dass sich die Pfarrgemeinden von der Kirchenleitung im Stich gelassen fühlen.“

Angst um Verlust der Pfarren

Die Pfarrgemeinderäte werden von fünf Sorgen geplagt: keine Kirchgänger, keine Kinder und Jugendliche, keine Ehrenamtliche, keine Priester am Ort, keine eigene Pfarrgemeinde mehr. Überschrift darüber. Keine Zukunft. Gäbe es wegen des Priestermangels keinen Pfarrer mehr, erwartet fast eine Zwei-Drittel-Mehrheit einen Rückgang der Zahl der Kirchenbesucher. Zulehner: „Durch die Beibehaltung der Zulassungsbedingungen für Priester opfert man die Feier der Eucharistie. Das verstehen die Leute nicht.“

Es braucht eine tiefe Reform

Zulehners Schlussfolgerung: „Es braucht eine tiefe Reform und keinen Neoklerikalismus, der da durch manche nachkommende Priester wiederkommt, die relativ wenig Gespür für synodale Vorgänge in der Kirche haben. Wenn die Kirche nicht ihren Untergang verwalten will, dann muss sie handeln. Wenn man das Bestehende festschreibt, treibt man die Verelendung voran.“

Es braucht neue Gesichter

Zulehner hat Recht. Doch unter Papst Benedikt XVI. wird sich nichts mehr ändern.  Er, Kardinal Schönborn und Egon Kapellari sind Untergangsverwalter. Von ihnen sind keine Impulse zur Erneuerung zu erwarten. Es bedarf einer neuen Generation, es bedarf neuer Gesichter. Die Abwärtsdynamik der Kirche hat ihren Tiefpunkt noch nicht erreicht.

 

Pensionistenparadies Österreich

05. März 2010

 busch

Österreich geht zwar einem Lehrermangel entgegen, dennoch erlaubt der Staat seinen Pädagogen (das Bild zeigt Lehrer Lämpel von Wilhelm Busch), aufgrund der Hacklerregelung nach 40 Jahren vorzeitig in den Ruhestand zu gehen. Allein in Oberösterreich verabschieden sich bis 2013 1500 Lehrerinnen und Lehrer so in die Pension. Das sind 90 Prozent aller Lehrer im Alter zwischen 57 und 59 Jahren. Dazu kommt, dass für die Pensionsberechnung jene acht Jahre herangezogen werden, in denen sie am besten verdient haben. Es kann folglich durchaus passieren, dass manche Pädagogen eine höhere Pension haben als sie zuletzt verdient haben.

Griechische Verhältnisse in Österreich

Wir beschweren uns über griechische Verhältnisse, haben sie aber im eigenen Land. Speziell in Oberösterreich, das sich gerne damit brüstet, das tüchtigste aller Bundesländer zu sein. Österreich ist nach wie vor ein Pensionistenparadies. Es gibt zwar großspurige Erklärungen von zahlreichen Politikern, der Anteil an den Pensionsausgaben im Budget sei mit rund 22 Prozent zu hoch. Dagegen getan wird aber wenig bis gar nichts. Ausnahme um Ausnahme machen das offizielle Pensionsantrittsalter von 65 Jahren für Männer zur Makulatur.

Warum neue Steuern?

Es soll dann aber bitte niemand kommen und sagen, der Staat müsse die Steuern erhöhen, weil er seine Ausgaben nicht decken könne. Wozu bitte eine Bankensteuer, die sowieso letztlich die Kunden bezahlen müssen? Die Politiker sind zu feige, das Notwendige zu tun und durchzusetzen. Sie schielen auf den nächsten Wahltermin und wollen ihren pressure-groups nicht wehtun. Das Geld wird auf Kosten der jungen Generation ausgegeben. Die Politiker müssen lernen, dass alle Bürgerinnen und Bürger gleich sind. Dass da die Wiener Beamten und die ÖBB-Bediensteten nicht mit 52 Jahren in Pension gehen können, und das mit 80 Prozent des Letztbezugs, und die Masse gleichzeitig geschröpft wird. Im konkreten Fall der Lehrer sind nicht nur deren vorzeitige Pensionen zu zahlen, sondern es müssen neue Pädagoginnen und Pädagogen eingestellt werden. Das kostet den Staat in Wahrheit das Doppelte.

  

Betet einen Rosenkranz für sie!

04. März 2010

rosenkranz

Man muss Barbara Rosenkranz für ihre Äußerungen dankbar sein. Denn mit der Forderung nach Abschaffung des Verbotsgesetzes positioniert sich die FPÖ-Kandidatin gleich zu Beginn des Wahlkampfes um das Bundespräsidentenamt dort, wo sie herkommt: Aus dem rechten Eck.

Für Bürgerliche nicht wählbar

Das Verbotsgesetz zielt auf die Untersagung neonazistischer Wiederbetätigung. Die Ablehnung und die Abgrenzung zu den Verbrechen des Dritten Reiches ist ein Grundpfeiler der Zweiten Republik. Statt sich vom rechtsextremen Rand zu distanzieren, um für bürgerliche Stimmen wählbar zu werden, tut Rosenkranz genau das Gegenteil. Sie identifiziert sich mit den Forderungen der  rechtsextremen Szene.

Demokratiepolitische Hygiene

Kritik an diesen Äußerungen von Rosenkranz ist nicht „linke Hetze“, wie dies der stellvertretende FPÖ-Obmann Norbert Hofer meint, sondern demokratiepolitische Hygiene. Auch wenn die Anzeige gegen Rosenkranz vom umstrittenen Wiener Rechtsanwalt Georg Zanger kommt.

Ewald Stadler wäre ein idealer Vorbeter

Rosenkranz als FPÖ-Kandidatin gegen Heinz Fischer aufzustellen, war eine politische Fehlentscheidung von Heinz Christian Strache. Vermutlich mangels personeller Alternativen. Rosenkranz wird deutlich unter den von Strache prognostizierten 35 Prozent bleiben. Für Fischer ist sie keine wirkliche Herausforderung. Denn sie ist keine Alternative für bürgerliche Wählerinnen und Wähler. Manche von ihnen werden ihre Stimmen Fischer geben, aber viele werden mangels entsprechender Kandidaten am Wahltag einfach zu Hause bleiben. Und um die Diktion frommer Katholiken zu verwenden: Betet einen Rosenkranz für sie! Möglicherweise bietet sich Ewald Stadler als Vorbeter an.

  

“Larmoyante, selbstbemitleidende Bequemlichkeit in Europa”

03. März 2010

Austria AIT 

Erinnern Sie sich noch an die „Lissabon-Strategie“, die die EU vor einigen Jahren ausgerufen hat? Europa sollte bis 2010 zum wettbewerbsfähigsten Wirtschaftsraum der Welt gemacht werden. Nun sind wir mitten im Jahr 2010 und Europa ist drauf und dran, hinter den USA und Asien auf den dritten Rang abzurutschen.

Die Krise stärkte Asien, vor allem China

Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat eine Verschiebung der Gewichte zugunsten von Asien unter der Führung Chinas gebracht. Die sogenannten Schwellenmärkte, die Emerging Markets, gehen im Vergleich zur Ersten Welt, zu den USA und Europa, gestärkt hervor. Sie verfügen über hohe Devisenreserven, während die entwickelten Staaten schwer verschuldet sind.

Dramatischer Umbruch

Der frühere Vizekanzler und nunmehrige Industrielle Hannes Androsch (Bild: diepresse.com) hat heute im Interview mit Ö1 die Dinge beim Namen genannt. Die Veränderungen – der Aufstieg Indiens und Chinas sowie die digitale Revolution – seien in „geradezu umbruchartiger, dramatischer Weise“ im Gang. Diesem Wandel müsse die EU Rechnung tragen, sonst werde man scheitern. China und Indien hätten eine ganz andere Dynamik, während in der EU eine „larmoyante, selbstbemitleidende Bequemlichkeit“ vorherrsche. Die Entwicklung Chinas und Indiens sei nicht überraschend. Auf der anderen Seite solle man die Erneuerungskraft und Dynamik der USA nicht zu unterschätzen. „Wenn wir dem nicht Rechnung tragen, laufen wir Gefahr, gesandwiched zu werden. Wollen wir als Europa Mitspieler und nicht Spielball sein, dann müssen wir vieles ändern.“ Diese klare, ehrliche und offene Beschreibung der Situation hört man in Österreich selten.

Wohlstand in Europa in Gefahr

 In Brüssel ist man sich offensichtlich des Ernstes der Situation bewusst. So heißt es im Entwurf für die „Europa 2020“-Strategie, die die gescheiterte Lissabon-Strategie ablöst:  „Entweder machen wir weiterhin in langsamer und großteils unkoordinierter Geschwindigkeit der Reformen weiter und riskieren einen dauerhaften Verlust  an Wohlstand, langsame Wachstumsraten sowie Arbeitslosigkeit  und soziale Unrast“ oder die Europäer koordinierten ihre Wirtschafts-, Forschungs- und Sozialpolitik besser und mahnten reformfaule Nachzügler.

Härtere Arbeit für Erhalt des Wohlstands

Die Menschen spüren die Veränderungen. Sie spüren, dass die Zeiten, in denen es ständig bergauf ging, vorbei sind. Die Globalisierung macht die Welt kleiner, sie führt die Kontinente näher zusammen. Wir Europäer werden härter arbeiten müssen, um unseren Wohlstand halten zu können.

 

 

Heißt der Nachfolger von Josef Pühringer Josef Pühringer?

02. März 2010

pepi 

15 Jahre ist er nun Landeshauptmann von Oberösterreich und weit und breit ist niemand zu sehen, der ihm das Wasser reichen könnte. Weder von der Opposition noch innerparteilich. Der 60-jährige Josef Pühringer zeigt keine wirklichen Verschleißerscheinungen. Keine Korruption, kein Machtmißbrauch. Politik war immer und ist der Hauptinhalt seines Lebens. Mit Fleiß und Akribie hat er sich hochgearbeitet. Er weiß über alle Materien Bescheid, er hat die Themen im Griff.

Er blieb stets bescheiden

Stets war er bescheiden. Das eine oder andere Mal wäre man beinahe versucht, ihm zu empfehlen, er solle sich doch neue Schuhe kaufen. Aber das ihm nicht so wichtig. Die alljährliche dreiwöchige Kur in Bad Ischl und die damit verbundenen Gewichtsreduktionen halten ihn körperlich gesund.

Hohe Glaubwürdigkeit

Pühringer verfügt in der Bevölkerung über hohes Ansehen und eine hohe Glaubwürdigkeit. 69 Prozent würden ihm bei einer Direktwahl des Landeshauptmanns die Stimme geben. Diese große Zustimmung befähigt ihn besonders, das Schiff des Landes durch die Klippen der Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise zu führen. Es werden keine einfachen Jahre, weshalb es eines erfahrenen Steuermanns bedarf.

Im Zenit seines Schaffens

Pühringer ist im Zenit seines politischen Schaffens. Da und dort wird diskutiert, wer ihm nachfolgen könnte. Denn bei der nächsten Landtagswahl im Jahr 2015 wäre er 66. Spätestens in diesem Alter gehen die Menschen in Pension. Sechs Jahre sind eine lange Zeit, besonders in der Politik. Da kann sich viel tun. Aber es ist nicht auszuschließen, dass der Nachfolger Pühringers 2015 Josef Pühringer heißt. Zuzutrauen ist es ihm.

Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus

01. März 2010

pinkl

Es ist einfach empörend. Der Vorstandsvorsitzende der Hypo Alpe Adria, die durch die Verstaatlichung vor der Pleite gerettet werden musste, erhält laut Zeitungsberichten rund 4,5 Millionen Euro Abfertigung. Und das nach nur neun Monaten Amtszeit.

Rechtlich gedeckt, moralisch empörend

Rechtlich ist der Geldregen für Franz Pinkl (Bild: diepresse.com) gedeckt. Laut einer „Change of Control“-Klausel steht es ihm zu. Diese sieht vor, dass er auf eigenen Wunsch ausscheiden kann, wenn es zu einem Eigentümerwechsel kommt. Moralisch ist es empörend. Die Bank ist pleite, de facto kommt der Steuerzahler für die Abfertigung auf.

Die kleinen Arbeitnehmer sind die Opfer

Es ist dies ein weiterer Baustein eines Gesamtbildes, in dem die Bankmanager versagen, aber gleichzeitig Bonus-Zahlungen einstreifen, die jeden normalen Bürger erblassen lassen. Eigentümerwechsel sind für die Belegschaften oft mit drastischen Einschnitten verbunden.  Es kommt nicht selten zu Gehaltskürzungen und/oder zu Kündigungen. Nur eine Gruppe fällt ins mit Geld gepolstete Auffang-Netz: die Manager. Sie kassieren Beträge in Millionenhöhe, die sie in die Lage versetzen, nicht mehr arbeiten zu müssen.

Zwei-Klassen-Gesellschaft

Wir erleben eine Zwei-Klassen-Gesellschaft. Auf der einen Seite die kleinen Leute, die meist die Opfer der Änderungen der Globalisierung sind, auf der anderen Seite die Manager, die wenigen, millionenschweren Gewinner.

Klare Verantwortlichkeit

Im Fall von Pinkl gibt es eine klare Verantwortlichkeit. Die Manager der Bayerischen Landesbank haben ihm diesen Vertrag mit diesen Spezialklauseln gegeben. Wer sind diese Leute? Es sind Manager vom Schlage Pinkls, die diese Klauseln selbst in Anspruch nehmen. Es gilt auch hier der Spruch: Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.

Die Liebe zwischen den Griechen und den Deutschen ist erkaltet

26. Februar 2010

milo

Die Griechen sind von den Deutschen enttäuscht. Anders kann man die Flugblattaktion des griechischen Einzelhandelverbandes in der Athener Innenstadt nicht erklären. Der Verband fordert zum Boykott deutscher Waren auf. Anlass für die Aktion ist das Titelblatt des Magazin „Focus“, das die Venus von Milo (Bild) mit einem ausgestreckten Mittelfinger neben dem Schriftzug „Betrüger in der Euro-Familie“ zeigt.

Es herrscht doch Pressefreiheit, Herr Präsident!

„Wir fordern die deutsche Regierung auf, diese äußerst unangebrachte Publikation zu verurteilen“, fordert der Präsident des griechischen Verbraucherinstituts, Giorgios Lakouritis. Der Herr Präsident müsste wissen, dass in Deutschland Pressefreiheit herrscht und die Regierung hier nicht eingreifen kann. Möglicherweise ist das in Griechenland anders. „Die Griechen sind keine Betrüger“, behauptet der Herr Präsident weiters.  Das hat auch niemand behauptet. Tatsache ist aber, dass die griechischen Regierungen ganz Europa mit ihren gefälschten Zahlen betrogen haben. Sie haben sich damit den Euro-Beitritt erschwindelt und sie haben die EU jahrlang hinters Licht geführt.

25 Prozent der Griechen sind Staatsangestellte

Tatsache ist aber auch, dass die griechischen Medien die im Land herrschende Korruption anprangern. Das ist keine Erfindung oder negative Behauptung des Auslands, sondern eine innergriechische Kritik, mit der sich die Griechen selbst auseinandersetzen sollten. Tatsache ist drittens, dass jeder vierte Grieche ein Staatsangestellter ist. Dieser Prozentsatz ist doppelt so hoch wie im attackierten Deutschland. Der Staat wird von vielen als Selbstbedienungsladen angesehen. Dies erinnert eher an afrikanische Zustände als an europäische Verhältnisse. Und warum die Griechen ihrer eigenen Jugend keine Perspektiven und Chancen anbieten können, müssten eigentlich die Griechen selbst am besten wissen.

Haben die Deutschen tatsächlich auf den Bäumen Bananen gegessen?

Das alles hält aber Giorgios Lakouritis nicht davon ab, die Deutschen im Flugblatt zu beschimpfen. „Die Verfälschung einer Statue der griechischen Geschichte, Schönheit und Zivilisation, die aus einer Zeit stammt, wo die Deutschen Bananen auf Bäumen gegessen haben, ist unverzeihlich und nicht hinnehmbar.“ Dass die Deutschen in der Frühzeit Bananen auf den Bäumen gegessen haben sollen, ist vermutlich historisch nicht belegbar. Aber dass die Griechen eine wunderbare Geschichte haben, das stimmt. Leider ist ihnen dieses Denken und der Heroismus etwas abhanden gekommen. Heute sind so manche wehleidig und Jammerer.

Enttäuschte Liebe 

 Die momentanen Spannungen zwischen Deutschen und Griechen sind so etwas wie enttäuschte Liebe. Nach der deutschen Besetzung Griechenlands im Zweiten Weltkrieg besserten sich die Beziehungen. Die Griechen kamen als Gastarbeiter nach Deutschland, sie eröffneten gute und nette Lokale, die Deutschen fuhren gern auf die griechischen Inseln auf Urlaub. Deutschland finanzierte viele Jahre die EU, deren Gelder auch zu einem erheblichen Ausmaß nach Athen flossen. Aber nun ist der Geldsegen zu Ende, Deutschland hat selbst Probleme, seinen eigenen Haushalt zu finanzieren.  Die Griechen stehen mit den Schulden da und müssen sich ihre Suppe selbst auslöffeln. Das ist bitter.

Der Rücktritt von Bischöfin Käßmann ist ein Verlust

25. Februar 2010

kaessmann 

Der Rücktritt dieser Frau ist ein Verlust, ein schwerer Verlust. Sie führte ihr Amt mit einer Offenheit und Ehrlichkeit, die beeindruckten. Sie bekannte sich zu ihrer Krebserkrankung (2006) und zu ihrem Scheitern in der Ehe (2007), die ungewöhnlich waren.  An der Spitze der kirchlichen Karriere angelangt, zieht sie Konsequenzen, die sie dorthin katapultieren, wo sie begonnen hat: als Pastorin. Die deutsche evangelische Bischöfin und Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Margot Käßmann, hat ihre Ämter zurückgelegt. Die 51-jährige, vierfache Mutter zog damit die Konsequenzen einer alkoholisierten Autofahrt vom Wochenende, bei der sie mit 1,54 Promille erwischt worden war, nachdem sie eine Ampel bei rot überfahren hatte.

Der persönliche Preis für das Amt war ihr zu hoch

Käßmann hat die Auseinandersetzung nicht gescheut. So hat sie den Afghanistan-Einsatz der deutschen Truppen kritisiert und damit ausgesprochen, was viele denken. Die Konflikte und die dauernde öffentliche Präsenz haben ihr zugesetzt, sodass kürzlich bereits bekannt hatte, sie wünsche sich die Privatsphäre zurück. Dies waren zweifellos die Hintergründe, die sie nun zum Rücktritt veranlassten. Dabei war sie erst vier Monate als Chefin der deutschen Protestanten im Amt. Der persönliche Preis, den sie für das Amt zahlen sollte, war ihr offensichtlich zu hoch.

Wer nie zu tief ins Glas schaut, werfe den ersten Stein

Natürlich ist es alles andere als vorbildlich, mit derartigen Menge Alkohol am Steuer erwischt zu werden. Aber das ist kein Rücktrittsgrund. Wer ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein. Sie hat niemanden verletzt und Fehler zu machen ist menschlich. Zu tief ins Glas zu schauen kann jedem passieren. Würden solche Maßstäbe angelegt, müssten täglich unzählige Amts-und Würdenträger zurücktreten.

Sie ließ niemanden kalt

Käßmanns Rücktritt ist deshalb so bedauerlich, weil sie in einer unglaublich authentischen Weise diese Position ausfüllte. Als erste Frau in dieser Funktion legte sie einen neuen Stil an den Tag. Sie spielte nicht die Rolle der Unfehlbaren, sondern sie bekannte sich zu ihren Schwächen und zu ihrem Ringen. Zugleich war sie mit ihren Positionen ein öffentlicher Reibebaum, der die Menschen zur Positionierung herausforderte. Sie ließ niemanden kalt.

Ihr Verhalten war und ist konsequent

Konsequent war ihr Verhalten in der Vergangenheit, konsequent ist ihr Rücktritt nach der Alko-Fahrt. Konsequent wird die vierfache Mutter auch in der Zukunft bleiben. Ihr Sein und Wesen wird auch in Zukunft gefragt sein. Sie hat in vier Monaten soviel profil gezeigt, dass sie der Öffentlichkeit auch in Zukunft erhalten bleiben wird. In welcher Rolle auch immer.