Das Musiktheater ist ein Markstein für die Offenheit das Landes

13. April 2013

Unser Entscheiden reicht weiter als unser Erkkennen.“ Dieser Satz des Philosophen und Aufklärers Immanuel Kant trifft wohl auch auf das neue Musiktheater zu. Der Bau hinterlässt unauslöschliche  Spuren im Land. Er wird zu einem Markstein  eines neuen Oberösterreich. Eines weltoffenen Landes, das nicht nur wirtschaftlich auf Internationalität setzt, sondern auch kulturell. Diese geistige Öffnung ist unabdingbar in Zeiten der europäischen Einigung und der Globalisierung. Hier gab und gibt es Defizite, hier muss aufgeholt werden.
Die Eröffnung hat das  Interesse der  internationalen Medien auf sich gezogen.  Zum einen, weil sich ein Land in Zeiten der Sparstifte so einen Bau leistet, leisten kann  und gezielt auf Kultur setzt. Zum anderen, weil    im Ausland Linz noch immer häufig mit Adolf Hitler in Verbindung gebracht wird.  Die Symbolik könnte nicht stärker sein. Just auf jenem Platz,  auf dem  der Führer  in seinen Plänen ein  Opernhaus  vorgesehen hatte,  steht nun das Musiktheater. Ein Haus der Moderne, der Vielfalt  und der Weltoffenheit anstelle diktatorischer, einfältiger  und rassistischer   Bühnenaufmärsche.
Diese   Offenheit wird von zwei Kräften getragen.  Den Sozialdemokraten mit Franz Dobusch an der Spitze, die in Linz schon seit Jahren zeitgenössische Kultur realisieren.  Und  von der ÖVP. Landeshauptmann Josef Pühringer hat den Bau trotz hartnäckigem Widerstand der Freiheitlichen durchgesetzt.       Die Stärke der FPÖ ist das Opponieren und Verhindern. Soll sie ihre Politik umsetzen, scheitert sie häufig. Siehe   schwarz-blaue  Koalition oder  das Kärnten-Desaster.  Die Gesellschaft lebt von Kräften, die die Ängste überwinden  und neue Wege gehen. In  Linz ist das wieder einmal gelungen.

Musiktheater: Große Bühne, kleine Probleme

13. April 2013

Große Bühne, kleine  Probleme. 180 Millionen Euro wurden in das neue Musiktheater  investiert, bühnentechnisch spielt es alle Stückerln. Die Akustik hält jedem Vergleich mit den großen Häusern der Welt stand.  Sowohl schalltechnisch als auch von der  Erdvibration wurde es gegenüber der danebenliegenden Westbahnstrecke perfekt abgedichtet. Dazu kamen die monatelangen Vorbereitungen für die  Eröffnung und die Premieren. Und dann das: Am Tag vor der Eröffnung streikte der Drucker, der die Platzkarten auswerfen sollte.
Dass solche Probleme viel Ärger bereiten können und häufig nur unter Einsatz eines Technikers gelöst werden können, haben viele schon erlebt. Was also unter dem Zeitdruck tun? So griff man zur guten alten Handschrift und füllte die Kärtchen aus. Das Problem wurde gelöst.   Derartige Vorfälle  bestärken  Vorbehalte gegenüber  dem technischen Fortschritt.  Nach dem Motto:  Der Computer und seine Anhängsel sind  letzten Endes doch nur  Blechtrotteln.

Das Musiktheater muss die Herzen der Menschen begeistern

13. April 2013

Ist das Musiktheater tatsächlich eine so teure Burg, für die noch die Enkelkinder zurückzahlen müssen, wie das Manfred Haimbuchner beim gestrigen FPÖ-Parteitag befürchtete? Es kostet rund 180 Millionen Euro. Nur für die  Kindergärten allein gibt das Land jährlich 190 Millionen aus. Im internationalen Vergleich ist es günstig. Die Elb-Philharmonie  in Hamburg, die seit 2007 in Bau ist,  sollte ursprünglich 77 Millionen Euro kosten. Derzeit liegt die Kostenschätzung bei 575 Millionen Euro, eröffnet soll sie 2017 werden. Wäre das Linzer Musiktheater  – wie ursprünglich geplant –   Ende der 1990er-Jahre beim  Römerberg   gebaut worden,  hätte es nur die Hälfte gekostet.
Der Neubau  ist ein Meilenstein.  Er ist ein Gipfel in der musikalischen Entwicklung des Landes, für die die  Gründung der Landesmusikschulen in den 1970er-Jahren einen Grundstein gelegt hat und die in der Eröffnung des Neubaus der Bruckneruniversität 2014 einen weiteren Höhepunkt erfährt. Noch immer werden vor allem Wien und Salzburg  mit österreichischer  Musik  verbunden. Doch die Kenner wissen längst, dass  Oberösterreich die meisten Nachwuchsmusiker für die Wiener Philharmoniker stellt.  Franz Welser-Möst  ist ein Aushängeschild  dieser  Qualität.   Das Brucknerorchester hat sich längst einen internationalen Ruf erworben.
Eine der Stärken des Landes  ist, dass es keine  abgehobenen Eliten gibt, sondern alles für alle offen ist. Das ist ein zentraler Punkt. Nur so wird das Musiktheater auf Dauer bei der Bevölkerung reüssieren können. Es braucht die Verankerung im Volk. Die Menschen müssen das Musiktheater als ihr Haus sehen, auf das sie stolz sind, dessen Aufführungen sie begeistern und die sie sich auch leisten können.

Die Sparer werden verunsichert

13. April 2013

Die Sparer haben es nicht leicht. Die Zinsen sind auf einem Tiefststand, in Wahrheit setzt es  Jahr für Jahr Verluste. Die Inflation beträgt zwei bis drei Prozent, was zu einer Entwertung des Angesparten führt. Auf Neudeutsch heißt das finanzielle Repression. Die Notenbanken  argumentieren den niedrigen Zinssatz mit der Notwendigkeit der Ankurbelung des  Wirtschaftswachstums.Die Finanzminister freuen sich, denn auf diese Art und Weise werden die Staaten still ihre Schuldenberge los. Die Sparer zahlen die Zeche. Vor diesem Hintergrund  haben zwei oberösterreichische Bankdirektoren  gemeint, die Sparer sollten im Fall einer Bankenpleite mit ihrem Angesparten mithaften. Dass diese zypriotische Diskussion  plötzlich hier im Land geführt wird, ist  doch einigermaßen überraschend. Ihre Intention war es, die Kunden aufzufordern, ihr Geld nur seriösen Instituten wie den Ihren anzuvertrauen.  Doch sie haben das Gegenteil bewirkt.  Die Sparer, die ohnehin schon stark irritiert sind,  wurden neuerlich verunsichert.

Hengstschläger hat der ÖVP ein Ei gelegt

30. März 2013

Markus Hengstschläger hat der ÖVP ein Ei ins Osternest gelegt. Es stinkt, befinden die Landesoberen. Hengstschlägers Ablehnung einer medizinischen Fakultät in Linz stinkt ihnen abernicht so, dass sie den Genetiker  verdammen. Sie sind nachsichtig, nach dem Motto, jeder Gestank verzieht sich und es ist noch keiner daran  verstorben. Hengstschläger stellt  sich  selbst in Diskussion.  Er steht vor der Frage: Ich oder ich? Welches Ich erhält den Vorzug?  Der Professor für Genetik an der Wiener Medizin-Uni  oder das Mitglied des Linzer Universitätsrates?  Der Standort bestimmt den Standpunkt. Es mag durchaus respektable Gründe geben, gegen eine weitere medizinische  Fakultät in Österreich aufzutreten.     Aber welche Vision hat er?Gerade   als Vorsitzender der Denkfabrik academia superior ist er herausgefordert, hier Antworten zu geben.
Hengstschläger sei der Spruch der Lateiner in Erinnerung gerufen: Si tacuisses, philosophus mansisses. Hättest Du geschwiegen, wärest Du ein Philosph geblieben.

Papst Franziskus lässt die römisch-katholische Kirche wieder auferstehen

30. März 2013

Jorge Mario Bergoglio ist ein Phänomen. Allein die Bilder aus dem römischen Jugendgefängnis Casal del Marmo vom Gründonnerstag beeindruckten. Er saß kniend und ohne sein Käppchen (Pileolus) vor den Jugendlichen  und wusch ihnen die Füße.  Unter ihnen eine Muslimin. Man sah, dass es für ihn  mehr als ein Ritual war.  Er erweckte vielmehr den Eindruck eines Arbeiters als den eines Papstes. Seine Worte im Gefängnis drückten sein Programm aus. „Jeder von uns muss sich fragen: Bin ich wirklich bereit, dem anderen zu dienen und zu helfen? Wir müssen uns gegenseitig helfen, das ist das, was uns Jesus lehrt und das ist , was ich tue.  Es ist meine Pflicht, doch  ich tue es von Herzen.“
Papst Franziskus hat den Jugendlichen die Füße gewaschen, den Kardinälen aber vor seiner Wahl den Kopf.Vor dem Konklave hatte er seine inhaltlichen Vorstellungen  präsentiert. Die Kirche sei aufgerufen, aus sich selbst heraus und  an die Ränder zu gehen, sagte er. Nicht nur an die geographischen Ränder, sondern an die Grenzen der menschlichen Existenz. Wenn sie das nicht mache, kreise sie nur um sich selbst und werde krank.  Die um sich selbst kreisende Kirche glaube, dass sie eigenes Licht habe. Damit gebe sie aber jenem schrecklichenÜbel der geistlichen  Verweltlichung Raum.
Dass Bergoglio Recht hat, lässt sich auch in unseren Breiten beobachten.  Welche Arbeit der Kirche findet allgemeine  gesellschaftliche Anerkennung, auch von jenen, die mit ihr nichts am Hut haben?  Das Wirken der Caritas, also jenes Teils der Kirche,  die sich um die Nöte und Sorgen der Menschen kümmert.     Ob hingegen Priester einen Stehkragen tragen oder ein Sakko interessiert die Menschen herzlich wenig.
Papst Franziskus lässt die Kirche  wieder auferstehen. Das hat sie dringend nötig.

Medizin am Limit: Die politische Lüge

23. März 2013

Die beste Versorgung für jeden Patienten. Das versprechen uns die Politiker. Wenn das so stimmt, müsste jeder Patient beim Zahnarzt eine Goldplombe bekommen. Er erhält aber eine Amalgamfüllung, weil die Kosten für die Krankenkasse zu hoch wären. Ähnlich agieren die Spitäler. Es gibt also eine Kosten-Nutzen-Relation, die für die meisten Menschen einsichtig ist. Der medizinische Fortschritt und die alternde Gesellschaft  führen die Finanzierbarkeit des Gesundheitssystems an die Grenzen. Die Politik tut so, dass jede notwendige Therapie oder Diagnostik jederzeit für alle Patienten verfügbar ist.
 Schweden hat aus den neuen Realitäten die Konsequenzen gezogen. Es wird überlegt, was nötig und sinnvoll ist. Dieses Prinzip heißt Priorisierung. Für die Spitalsärzte gibt es spezielle Leitlinien. Jede mögliche Therapie- oder Diagnostikoption trägt einen Vermerk von 1 bis  10, von sehr wichtig und gut begründet (1)bis kaum wichtig und weniger gut begründet (10). Neben der Schwere der Krankheit  fließen auch die Kosten mit ein.
Therapien können extrem teuer sein. Für spezielle Lungenkrebsformen kosten sie  bis zu 50.000 Euro und die Patienten leben im Durchschnitt gerade 1,2  Tage länger.  Solche  Therapieformen belasten das US-Gesundheitsbudget jährlich mit mehr als 440 Milliarden Dollar. Hier sind die Onkologen gefordert festzustellen, was noch nützlich ist.
Die Einsparungen im Gesundheitswesen erfordern eine gesellschaftspolitische Diskussion darüber, welche Kriterien bei der Priorisierung maßgeblich sein sollen. Die Politik verweigert sich der Wahrheit und verspricht stattdessen den Himmel auf Erden, wo die Menschen doch längst wissen, dass die Realität eine andere ist.

Überreguliert

23. März 2013

Leben wir in einem freien Land? Im Prinzip ja, aber wenn es konkret wird, ist es  nicht so sicher.  Das Leben ist oft bis ins kleinste Detail geregelt. In St. Jakob am Thurn in Puch bei Hallein hat eine Witwe für ihren 31-jährigen, an Krebs verstorbenen Mann ein von einem Künstler gestaltetes schmiedeeisernes Kreuz aufstellen lassen. Die Vorderseite ist aus spiegelndem Edelstahl. Auf dem Grab liegen Steine, die von den Bergen stammen, die der Verstorbene gemeinsam mit seinem Vater erklommen hat.  Nachdem es Beschwerden aus der Bevölkerung gegeben hat, hat die Gemeinde  nun die Witwe  aufgefordert, das Grab neu zu gestalten und die Friedhofsordnung einzuhalten.
Die  Mitbürger  verhalten sich intolerant, kleinkariert und vorgefasst.  Ihre Engstirnigkeit verstecken sie hinter der Devise: Vorschrift ist Vorschrift.  Die Freiheit verkommt zum Schlagwort, wenn sie konkret wird. Denn Freiheit bedeutet etwas zu akzeptieren, was einem nicht gefällt. Anderes zuzulassen und Größe zu zeigen, ist nicht jedermanns Sache. Überregulierung schützt dabei.

Die wahren Herausforderungen im Gesundheitssystem kommen erst noch

16. März 2013

Die Spitalsbetreiber klagen,  die Ärzte protestieren, die Spitalsbediensteten fühlen sich benachteiligt, weil sie die Inflation nicht voll abgegolten erhalten. Im Gesundheitssystem knirscht es. Warum? Die Zeiten hoher Zuwächse sind vorbei, das Prinzip „Sie wünschen, der Staat  spielt“ ist Vergangenheit. Aufgrund der Staatsverschuldung und geringer wirtschaftlicher Wachstumsraten werden die Zuwächse der Gesundheitsausgaben auf zwei Prozent jährlich reduziert.
Diese vergleichsweise  sanfte  Reform lässt sich beispielgebend an der Entwicklung des psychosozialen Dienstes pro mente ablesen. 1970 startete die Organisation mit einem Mitarbeiter, heute, 43 Jahre später, sind  es 1500.    Das Land förderte die Hilfsorganisation viele Jahre mit zweistelligen Wachstumsraten.   Nun wurden sie  auf zwei Prozent jährlich reduziert.  Laut  pro-mente-Chef Werner Schöny  bräuchte er aber jährlich fünf bis sechs Prozent mehr, um die  Nachfrage der  Bevölkerung abzudecken.    Wenn die Gehaltskosten der Mitarbeiter um 2,75 Prozent steigen, pro mente aber nur zwei Prozent erhält, „müssen wir überall Personal einsparen. Damit müssen wir leben. Wir bauen den Sozial- und Gesundheitsbereich ein bisschen zurück.“
Um das  gute österreichische Gesundheitssystem abzusichern, wird nun an allen   Schrauben  leicht gedreht. Das ist für alle Beteiligten eine neue Erfahrung und deshalb schmerzhaft.   Aber  letzten Endes sind alle  guten Willens und kompromissbereit.  Das belegt die Einigung beim Gehaltsstreit in den Ordensspitälern und das ist ein gutes Signal. Wir stehen erst am Beginn der  Herausforderungen, denn mit den Fortschritten der Medizin und der  älter werdenden Gesellschaft  steigen die Gesundheitskosten rapid an.

Favoritensterben

16. März 2013

Angelo Scola zog als einer der Favoriten ins Konklave ein und kam als Erzbischof  von Mailand wieder heraus. Die Unterstützung der Italiener und von Kardinal Christoph Schönborn waren zu wenig. Und dann unterlief den Italienern noch eine peinliche Panne. Mit Freude dankten sie Gott am Mittwochabend um 20.23 Uhr in einer Pressemitteilung, dass er Scola zu seinem Stellvertreter auf Erden berufen habe. Zu der Zeit wurde  der Argentinier Jorge Bergoglio als Papst Franziskus bereits seit etwa zehn Minuten von mehr als 100.000  Gläubigen am Petersplatz gefeiert. Die Aussendung wurde nach einer dreiviertel   Stunde korrigiert.
Vor zu starkem Selbstbewusstsein warnt auch Jonathan Chu. Der Chinese, der die Interessen der chinesischen Investorengruppe bei Steyr Motors vertritt, meint zu  der von so manchen  Asiaten vertretenen Haltung, sie seien die Zukunft der Welt,  solche Selbstbetrachtungen seien nie gut. Wenn jemand behaupte, ihm gehöre die Zukunft, dann sei sein Abgang schon vorprogrammiert.

Hoffen auf ein päpstliches Wunder

09. März 2013

Das war den italienischen Kardinälen zu viel. Da gingen doch tatsächlich die Amerikaner her und berichteten jeden Abend, welche Positionen sie bei den Beratungen der Kardinäle eingenommen hatten. So viel Offenheit geht nicht. Die Amerikaner mussten sich beugen und dürfen forthin schweigen.
Als außenstehender Beobachter fragt man sich, was daran so schlecht ist, wenn die Öffentlichkeit erfährt, welche Themen und Positionen eines der obersten Gremien, die 115  wahlberechtigten Kardinäle,  vertreten und einnehmen? Sind das Geheimnisse  oder wichtige kirchliche Fragestellungen, die alle Gläubigen betreffen? Es wäre  doch  interessant zu erfahren, welche Meinungen jene Männer einnehmen, die den nächsten kirchlichen König, den Papst wählen.
Allein an diesem Beispiel ist ersichtlich, wie reformbedürftig die kirchliche Hierarchie und Struktur sind. Sie ist unverändert eine Monarchie. Offenheit und Mitbestimmung bleiben die Ausnahme. Ein paar erleuchtete Auserwählte entscheiden, die weniger erleuchtete Masse  hat zu gehorchen. Die römisch-katholische Kirche ist nach wie vor eine geschlossene Gesellschaft.
In wenigen Tagen werden wir wissen,  wer das neue Oberhaupt sein wird. Angesichts  der Zusammensetzung des Kardinalskollegiums sollte man die Hoffnungen auf Änderungen nicht allzu hoch schrauben. Die Traditionalisten sind eindeutig in der Mehrheit.  Denn Benedikt XVI. hat ebenso wie sein Vorgänger Johannes Paul II. darauf geschaut, dass nur  Linientreue das Kardinalsrot  erhalten. Aber den hoffnungsfrohen  Gläubigen steht immer noch die  Möglichkeit des Wunders offen. Wunder passieren viel öfter als man glauben möchte.

Duschen

09. März 2013

Es gibt günstige Fitnessstudios mit Monatsbeiträgen  von 20 bis 30 Euro. Für das  Duschen darf extra bezahlt werden, meist 50 Cent. Das führt dazu, dass sich so manche das Waschen   ersparen. Rein in die Umkleidekabine, Körperspray unter die verschwitzten Achseln und rein in die Tagesbekleidung. Diese jungen Herren setzen bei ihren Freundinnen vermutlich  auf die Wirkung ihres trainierten Körpers  und auf den Geruchsfetischismus.  Schon Napoleon soll seiner Josephine  aus Ägypten geschrieben  haben: „Wasche Dich nicht mehr, ich komme bald zurück!“
Ähnlich dürften die Betreiber von Thermalbädern denken. Benützt man die Duschen,  so kommt maximal 20 bis 30 Sekunden Wasser von oben.  Will man sich die Haare waschen und   den Körper einseifen, muss man mehrfach den Druckknopf betätigen,  um die  Körperwäsche vollenden zu können.  Das ist unangenehm und bei allem verständlichen Sparwillen eine Zumutung.  Ob die Manager der Thermalbäder  zu Hause auch in so kurzen Intervallen duschen?

Ja zur Homo-Ehe und zur Adoption

02. März 2013

Das römische Reich ging an seiner moralischen  Verkommenheit unter. Es sei dort drunter und drüber gegangen. So wurde es uns in der Schule gelehrt. Einen ähnlichen Niedergang des Abendlands befürchten jene, die sich gegen die Schwulenehe und gegen das Adoptionsrecht stellen. Ideologischer Hort dieser Fraktion ist die römisch-katholische Kirche.  In den Reihen ihrer Priester gibt es zwar nicht wenige  Homosexuelle und   einflussreiche Homo-Seilschaften,  aber  in den  Predigten und lehramtlichen Äußerungen  gelten homosexuelle Verhältnisse als pfui.
Nun haben sowohl der Europäische Gerichtshof  als auch der deutsche Verfassungsgerichtshof  die Diskriminierung homosexueller Paare und das  Adoptionsverbot verurteilt.  Selbst  die CDU und Angela Merkel ändern ihre  Position Richtung Gleichstellung. In Oberösterreich hat sich der schwarze Landesrat und Bauernbundobmann  Max Hiegelsberger in dieselbe Richtung geäußert. Seine Argumentation ist einleuchtend.  Wenn gut für das Kind gesorgt werde, sei gegen eine Adoption nichts einzuwenden. Denn die strengen Adoptions-Regeln würden ja weiterhin gelten. Was ist auch dagegen zu sagen, wenn zwei Menschen sich lieben und Verantwortung füreinander und für ein Kind übernehmen wollen? Dass jeder Sexualakt auf Zeugung ausgerichtet sein muss, ist lediglich geltende Lehre der Kirche, sie wird aber  nicht einmal von  katholisch praktizierenden Ehepaaren eingehalten.
Homosexuelle  werden oft als sexuelle Monster hingestellt, was sie nicht sind. Ihnen die Eheschließung zu erlauben und das Adoptionsrecht zu geben, bedeutet nicht, in Sodom und Gomorra zu enden.    Der moderne Rechtsstaat gründet auf Freiheit und Gleichheit. Diese Rechte gelten auch für Homosexuelle.

Bedeutungslos

02. März 2013

Kaum hatte Benedikt XVI. seinen Rücktritt bekannt gegeben, kam Bewegung in die römisch-katholische Kirche. Der britische Kardinal Keith O’Brien sprach sich für die Aufhebung des  Zölibats aus.   Der ehemalige  deutsche Kurienkardinal  Walter Kasper tritt für das Frauen-Diakonat ein.  Die deutsche Bischofskonferenz  erlaubt nun vergewaltigten Frauen  die Anwendung der „Pille danach“.
Aber noch immer bewegen sich die Bischöfe und Kardinäle weit hinter der Realität. Noch immer verbieten sie die Pille als Mittel der Empfängnisverhütung.  Allein in Deutschland wird die „Pille danach“ mehr als 400.000-mal verschrieben. In absehbarer Zeit soll sie  auch ohne Rezept erhältlich sein.  Allein in der Frage  der Empfängnisverhütung kann man ablesen, was die  Menschen  von der Kirche erwarten: nichts. Die moralischen Fragen,  die die   Bischöfe und Kardinäle  bewegen, sind für die Menschen bedeutungslos. Sie haben gelernt, auf eigenen Beinen zu stehen.

Sex am Arbeitsplatz

23. Februar 2013

Der Leiter eines Altenheimes im Bezirk Linz-Land soll ein umtriebiger Mensch sein. So schildern ihn seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.  So sollen Betten  nicht nur zur Unterbringung Pflegebedürftiger  verwendet worden sein.  Aber wieso ist denn Sex am Arbeitsplatz schlecht? Raucher dürfen sich ja auch  ihrer Sucht  hingeben. „Beziehungen in der Arbeitswelt müssen so ablaufen, dass das Arbeitsumfeld nicht gestört werden darf“, erklärt  Helga Kempinger, Leiterin der Abteilung Arbeits- und Sozialrecht in der Arbeiterkammer. Sex sei da grundsätzlich nicht gestattet. Sollte man erwischt werden, könne es eine Verwarnung geben. Sollte es neuerlich passieren, sei das ein Grund für eine Entlassung oder Kündigung. Sex wird oft  für Intrigen missbraucht.  Da wird der Sekretärin unterstellt, sie habe den Posten nur, weil sie es mit dem Chef  treibe. Erfolgreichen Frauen  wird vorgehalten, sie hätten sich nach oben geschlafen. Sex bewegt die Gemüter. Auch wenn es sich häufig  nur um Neid und Missgunst  handelt.

Der Kapitalismus zerstört die Familien

23. Februar 2013

Der  Staatsschuldenkrise folgt die Pensionskrise. „Sie wird vier Mal so große Auswirkungen haben wie die Finanzkrise“, sagte der gebürtige Innviertler Johann Prader, einer der 24 Exekutivdirektoren beim Internationalen  Währungsfonds, im Interview mit dem KURIER. Je reicher die Länder, umso geringer die Geburtenrate. In Hongkong und Singapur liegt sie unter eins, in Österreich bei 1,4. Um die Bevölkerungsanzahl stabil zu halten, müsste sie  2,02 betragen.
Dieter Thomä, Philosoph und Professor an der Universität St. Gallen, hält den Kapitalismus für ein familienfeindliches System. Für den Kapitalismus zähle nur der Nutzen, den man aus seinem Tun ziehe. In der Familie werde hingegen ein unglaublich hoher Aufwand für andere getrieben.  Der Kapitalismus fordere den ungebundenen, flexiblen, einsatzbereiten und gewinnorientierten Menschen. Entscheidet man sich für eine Familie, legt man sich aber in einem hohen Ausmaß fest. Der Kapitalismus zersetzt schleichend die Familie und damit eine der Grundlagen, von denen er lebt.
In den nordischen Staaten  und in Frankreich ist es gelungen, die Geburtenrate so hoch zu halten, dass die Bevölkerungszahl gleich bleibt. Ihre Familienpolitik  setzt   auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.  Kinder können   in Krippen abgegeben werden und damit Frauen rasch zurück in den Beruf. Für Aufsehen hat  eine von Experten vor drei Wochen veröffentlichte  Studie über die deutsche Familienförderung  gesorgt.  Die rentabelsten Kosten für den Staat  sind Investitionen in  Kindergärten und -krippen. Familiensplitting, Kinderbeihilfen  und Elterngeld bleiben weitgehend wirkungslos.
Fazit: Der  Weg  des Ausbaus von Kinderkrippen ist der richtige.

Enttäuschte Liebe

18. Februar 2013

 Jubel brandete auf, als Papst Benedikt XVI. Samstagmittag,  17. Dezember 2005, die Sala delle Benedizioni  im  Petersdom betrat.    1000 Oberösterreicher hatten sich  versammelt, um der Sonderaudienz beizuwohnen, zu  der der Bayer aus Anlass der Übergabe des 30 Meter hohen Christbaums aus  Afiesl geladen hatte.  Landeshauptmann Josef Pühringer hat Joseph Aloisius Ratzinger in seiner Rede fast zu einem Oberösterreicher gemacht, wäre Ratzinger  eben nicht in Marktl, sondern ein paar Kilometer weiter östlich des Inns geboren. Ratzinger wiederum erzählte, dass er mit seiner Mutter des öfteren Ausflüge nach Oberösterreich gemacht habe.
Von diesem emotionellen Höhepunkt weg ging es bergab. Ein Tiefpunkt war die Bestellung des konservativen Windischgarstner Pfarrers Gerhard Wagner  zum Linzer Weihbischof im Februar 2009. Ratzinger lud Kardinal Christoph Schönborn und Bischof Ludwig Schwarz in Rom vor, um über die  Ablehnung  Wagners zu  beraten. Diözesanpressesprecher Ferdinand Kaineder musste gehen. Benedikt XVI. hatte damit alle Hoffnungen zerstört, sein Pontifikat könnte sich doch von seiner 24-jährigen Tätigkeit als Präfekt der Glaubenskongregation unterscheiden. Auch in seiner Zeit als oberster Glaubenshüter  hatte er Kontakte zu Oberösterreich. Er besuchte die Sommertreffen des konservativen Linzer  Priesterkreises.  Gemeinsam mit seinem Bruder Georg machte er  Urlaub im Petrinum. Den Mühlviertler Kurt Krenn, den er aus der gemeinsamen Zeit an der Hochschule  in Regensburg kannte, schätzte er nicht sonderlich.  Er soll Krenns Berufung zum  Wiener Erzbischof verhindert haben.  Ratzinger setzte auf Schönborn, Krenn auf seine Polen im Vatikan.
Ratzingers spektakulärster Schritt  war sein letzter.   Für seinen Rücktritt wird er in die Kirchengeschichte eingehen.  Damit hat er sich auch  mit den Oberösterreichern versöhnt, deren  überwiegende Mehrheit Reformen einfordert.

Tschechische Preise

18. Februar 2013

Erste Fahrt zum Interview  ins südböhmische  Krumau, das heuer Teil der grenzüberschreitenden Landesausstellung ist. Kurz nach dem Grenzübergang Wullowitz kommt von hinten ein weißer Skoda mit hoher Geschwindigkeit näher,   das  Blaulicht hinter der Windschutzscheibe  aktiviert.  Eine Zivilstreife.  Ich sei in Skorovice  zu schnell gewesen, 69 statt der erlaubten 50 km/h, erklärt der Polizist in gebrochenem Deutsch.  Papiere  vorzeigen,   500 Kronen Strafe (20 Euro). Zu meiner Entgegnung, ich verfüge über keine Kronen,  sagt er, das sei kein Problem.  Der Polizeiwagen verfügt über  ein modernes Kreditkartensystem, man kann auch mit der Bankomatkarte zahlen. Sie sind für österreichische Verkehrssünder gerüstet. Ich könne von Glück reden, dass ich nicht  um ein km/h schneller gefahren sei, denn dann hätte der Spaß  100 Euro gekostet, sagt er.
Im Vergleich dazu nimmt sich das Essen im Zentrum von Krumau günstig aus.   445 Kronen  (18 Euro) für zwei  sehr gute Hauptspeisen, eine Nachspeise und zwei Getränke.

Gmunden braucht eine große Lösung

09. Februar 2013

Gmunden will sich zukunftsfähig machen. Die Traunbrücke und die Straßenbahn sollen neu gebaut werden, Asamer errichtet am See ein Hotel, die renovierte Seilbahn soll die Gäste wieder auf den Grünberg bringen und eine neue Therme soll zusätzliche  Touristen anlocken (siehe Seite 5). Bei allen Projekten gibt es in der Bevölkerung Widerstand.  Vor allem aber gegen den Standort der Therme im  schönen und beliebten Traunsee-Strandbad. Es handelt sich ja auch nicht um eine richtige Therme, sondern um ein Hallenbad, weil Gmunden über kein Heißwasser verfügt. Geführt soll das Hallenbad von der oberösterreichischen  Thermenholding werden,   deren erfolgreicher Generaldirektor Markus Achleitner damit wenig Freude hat. Ihm schwant, dass ihm  ein Defizitträger aufgehalst wird. Aber  er ist  loyal gegenüber seinem Eigentümer.
Als Außenstehender fragt man sich, warum das Land Oberösterreich und die Stadt Gmunden  nicht eine große Lösung anstreben.  Im wunderbar gelegenen Toscanapark steht ein in die Jahre gekommenes Kongresszentrum herum, das kaum genützt wird. Warum baut man hier nicht neu, errichtet ein Hotel, ein zeitgemäßes Veranstaltungszentrum und eine Therme respektive ein Hallenbad? Das hätte Potenzial und könnte zu einem Vorzeigeprojekt werden.   Parkplätze wären auch zur Genüge vorhanden.
Die Verantwortlichen sollten den Widerstand in der Bevölkerung nutzen, um ihre  Überlegungen weiterzuentwickeln. Die Proteste sind eine Chance, die man aufgreifen sollte.  Es geht nicht um Justament-Standpunkte, sondern um die optimale Lösung, die   Gmunden weiterbringt und  die auch die Bürger zufriedenstellt.

20 Euro Strafe

09. Februar 2013

Wer kennt sie nicht, jene Langsamfahrer auf der Autobahn, die auf der Überholspur mit 80 bis 100 km/h dahingondeln, obwohl die rechte Fahrspur frei ist? Das Gesetz schreibt vor, dass sie sich auf rechten Spur bewegen müssten.  Wie darf nun der nachkommende Fahrer reagieren, der  auf den  Langsamfahrer  aufschließt und ihn am Überholen hindert?
 Rechts überholen ist jedenfalls verboten. „Ihn mit der Lichthupe kurz anblicken ist erlaubt“, erläutert  Oberösterreichs Verkehrs-Oberst  Josef Reiter.  Zu drängeln sei hingegen untersagt. Meist handle  es um schwächere Fahrer,  die man durch das knappe Auffahren  nervös mache. Man müsse dann einfach warten, bis der Langsamfahrer auf die rechte Spur wechsle.   Oberst Reiter  findet, dass derartige Fälle  selten  seien. Er sei kürzlich  mit  einem ORF-Team auf der Suche nach derartigen Verkehrssündern einen halben Tag erfolglos unterwegs gewesen.  Verstöße  gegen das Rechtsfahrgebot sind mit 20 Euro Strafe jedenfalls  billiger als falsch parken.

Die kleine Welt Oberösterreich, in der die große ihre Probe hält

12. Januar 2013

Diese erste Arbeitswoche im Jänner war von Selbsterkenntnissen geprägt. Vor allem Michael Spindelegger, Josef Ackerl und Peter Assmann glänzten. „Besser fad mit Hirn als schillernd und hohl“, sagte  Vizekanzler Michael Spindelegger über sich selbst beim ÖVP-Neujahrsempfang in Linz. Sein  Hirn   wies aber  Gedächtnislücken auf. „Wir sind die Partei, die Hand anlegt und nicht die Hand aufhält.“ Die Namen Ernst Strasser, Alfons  Mensdorff- Pouilly, Karl-Heinz Grasser  und Otto Gumpinger dürften dem ÖVP-Obmann   entfallen sein. Landeshauptmann Josef Pühringer sah sich genötigt, Spindelegger in Abwandlung des Buchtitels   „Der Mann ohne Eigenschaften“ (von Robert Musil)   Profil zuzuschreiben:  „Du bist ein Mann mit Eigenschaften.“
Zeitgleich präsentierte sich   Landeshauptmannstellvertreter Josef Ackerl in Wels vor 400 Genossen, unter ihnen der Bundeskanzler, als Kenner der  Zeitgeschichte. „Die Zwangsverpflichtung ist eine Idee der Nationalsozialisten gewesen, mit dem Reichsarbeitsdienst, wo man g’sagt hat, es schadet net, wenn man mit dem Kramp’n und der Schaufel durch die Gegend rennt. Und de Frauen soll’n in die Kuchl geh’n. Des brauchen wir alles nimma!“ „Eine Entgleisung!“, befand  Parteigenosse Bundespräsident Heinz Fischer. 
Peter Assmann schmiss diese Woche seinen Job als Direktor der Landesmuseen hin. Er tat dies mit einem wunderbaren Zitat von Erich Kästner: „Was immer auch geschieht: Nie sollt ihr so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken.“  Der Linzer Fondsmanager Alois Wögerbauer  griff  auch auf Kästner zurück, als er interessierten Anlegern empfahl, flexibel  zu bleiben.  „Man  soll auf einem Standpunkt stehen, aber nicht darauf sitzen.“
All  diese   Reden spielten sich ab in der kleinen Welt Oberösterreichs, in der die große ihre Probe hält.

Lebenswege

12. Januar 2013

Landesrat Rudi Anschober ist mutig. Das muss er wohl auch sein. Denn eine Regierungsfunktion auszuüben, ohne  Abend- und Wochenend-Termine   wahrzunehmen, ist in der politischen Landschaft Österreichs einzigartig. Gleichzeitig gibt er freiwillig Macht ab, was ebenfalls  eine Ausnahme ist.
Kehren Menschen nach einer Burn-out-Erkrankung zurück, sind sie in der Regel verändert. Das Leben ist ein anderes als vorher.   „Ich habe mich selbst aus den Augen verloren“, bekennt er. Jetzt ist er dabei, es wiederzufinden. Indem er beispielsweise Kuchen bäckt.   Meine persönliche Selbstfindung sieht etwas anders aus, aber jeder soll das machen, was ihm guttut.
Anschober ist sich bewusst, dass sein Gesundungsprozess noch nicht zu Ende ist. Ganz der Alte werde er nicht mehr sein, sagt er. Er probiert es noch einmal. Wie sein Leben aussehen wird, wenn er wieder völlig gesund ist, ist momentan  schwer einzuschätzen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass er nach 30 Jahren vom Weg der Politik abbiegt

Gesundheit braucht finanzielle Anreize

12. Januar 2013

Lässt ein Autobesitzer seinen Wagen nicht regelmäßig servicieren, steigt   der Autoproduzent  bei der Garantie aus.  Sperrt  er den Wagen nicht ab und wird dieser gestohlen,  verweigert die Versicherung die  Bezahlung des Schadens. Verursacht  ein Pkw-Lenker im Winter mit Sommerreifen einen Unfall, steigt die Versicherung aus.
Wir erachten es beim Auto als Selbstverständlich,  dass Fehlverhalten zu finanziellen Konsequenzen führt.  Dieser Grundsatz gilt in keiner Weise in unserem Gesundheitssystem.  In der Nacht von Samstag auf Sonntag füllen  beispielsweise Alkoholisierte, darunter viele  Jugendliche, die  Unfallambulanzen der Spitäler, weil sie sich im Rausch verletzt haben: bei  Schlägereien, mit gebrochenen Gläsern und Flaschen, bei  Verkehrsunfällen.  Sie lassen sich behandeln und gehen nach  Hause, die Allgemeinheit bezahlt. Ihr Fehlverhalten  zeitigt  keine Folgen.
Solange Geld im Überfluss  da ist, mag das so sein.  In Zeiten,  in denen die Finanzierungen schwieriger werden,   muss man über die Effizienz nachdenken und die Systeme schärfen, damit für jene die Hilfe da ist,  die sie benötigen. Dies gelingt, wenn man positives Verhalten belohnt und schädliches bestraft. So wäre es  zu überlegen, dass man besoffene Schläger einen Teil der Kosten ihres Spitalsaufenthalts selbst bezahlen lässt. Dass dies funktioniert, haben die Erfahrungen mit dem Mutter-Kind-Pass gezeigt. Als die verpflichtenden Untersuchungen für die Babys abgeschafft wurden und das Kinderbetreuungsgeld trotzdem ausbezahlt wurde, sind nur mehr wenige Mütter zu den Untersuchungen erschienen. Heute sind sie wieder obligat.
Im derzeitigen Gesundheitssystem ist es völlig egal, ob sich jemand positiv oder negativ verhält. Im Gegenteil: Jene, die für sich selbst Vorsorge betreiben, sind die Draufzahler. Denn mit ihren Beiträgen zahlen sie die Kosten für jene mit, die sich keinen Deut um ihre Gesundheit scheren und hohe Kosten verursachen. So kann Solidarität wohl nicht aussehen.  Wenn man schon keine finanziellen Bestrafungen vornehmen will, so sollten doch wenigsten für jene finanzielle Anreize geschaffen werden, die sich um Vorsorge bemühen. Ein Euro in der Prävention erspart sieben Euro Behandlungskosten.

Im Sissi-Film

12. Januar 2013

Andächtig lauschte ich  den Worten  des bekannten Quantenphysikers Anton Zeilinger, bis er mich aus der Lethargie riss. „Ich begrüße Ihre Kaiserliche Hoheit, Mag. Markus  Habsburg-Lothringen.“   Was,  ein Kaiser? Wer? Wo? Ich blickte durch den bis auf den letzten Platz gefüllten Klostersaal in Traunkirchen, um nach einem Herrn mit einer Krone auf dem Haupt zu suchen. Man bedeutete mir, dass der grauhaarige ältere Herr mit dem  gütigen Gesicht  der Gesuchte  sei.  Ich gab  meiner Fantasie Raum,   um mir vorzustellen, ob dieses Gesicht in die Reihe der mir bekannten Habsburger-Köpfe  passen würde.   Ja, sehr gut sogar.  Würde es die Monarchie noch geben, wäre die offizielle Bezeichnung dieses  Mannes „Erzherzog von Österreich“, wurde mir erklärt.  Immer wieder werden  Redner von monarchischen Rückfällen  erfasst. Angehörige blauen Blutes werden als   Kaiserliche Hoheiten, Fürsten und Grafen begrüßt statt als  republikanische Bürger.  Es kann sich nur um Sequenzen aus  Sissi-Filmen handeln.

Buchgenuß

22. Dezember 2012

Die Paketzusteller haben Hochsaison. Die im Internet bestellten Geschenke müssen noch vor Heiligabend  ankommen.  Sogar eine Buchhandlungskette  verteilt Online-Gutscheine, damit der Kunde sie nicht mehr  im Geschäft belästigt, sondern zu  Hause vor dem Computer sitzen  bleibt.
Doch dieser Trend ist ein verkehrter. Er vernichtet bei   uns Arbeitsplätze, Geschäfte sperren zu. Wer profitiert von den Buchbestellungen im Internet? Ein US-Konzern. Und die Paketzusteller, deren Mitarbeiter im Niedriglohnbereich beschäftigt sind. Dabei sind die online bestellten Bücher nicht billiger als  jene im Geschäft.  Der Buchhändler bietet Service, man kann nachfragen, schmökern, welche Neuerscheinungen am Markt sind oder um Empfehlungen bieten. Man kann dort Leute treffen, sich unterhalten, einen Kaffee trinken, in Bücher hineinblättern, Anregungen aufnehmen. Und der Buchhändler kann jedes Buch ebenfalls   bestellen.  Das ist dann ebenso schnell da wie das  im Internet georderte.

Der Konsumrausch sichert die Jobs

22. Dezember 2012

Morgenvormittag, ein paar Stunden vor der Bescherung am Heiligen Abend, besteht die letzte Möglichkeit in den Geschäften zuzuschlagen. Die  vergangenen Wochen waren  ein einziger  Stress. Die Straßen und Parkhäuser  in den Städten waren vollgepropft  mit Autos, die Geschäfte überfüllt, als gäbe es kein Morgen. Vom beschworenen Schlagwort der  stillsten Zeit im Jahr keine Spur,  mit der  christlichen Weihnachtsbotschaft hat das   Gedränge  nicht das Geringste zu tun.
Weihnachten ist das Hochfest des Konsums. Der Handel erzielt in diesen  Tagen   einen Großteil seines Jahresumsatzes. Das ist gut so. Denn Umsätze sichern Arbeitsplätze. Sowohl in der Produktion wie im Verkauf.
 Bröckeln die Umsätze, würde das  eine Wirtschaftskrise signalisieren. Wer braucht in Zeiten überschuldeter öffentlicher Haushalte noch eine Rezession dazu? Sie  würde unser  Kartenhaus tatsächlich gefährlich ins Wanken bringen. Auch wenn sich das heurige Wachstum  auf rund ein Prozent abgeschwächt hat, der Konsum hält. Der Handel ist einer der wenigen stabilen Faktoren.
Zum Konsumrausch hat auch der Mentalitätswandel beigetragen. Das Geld, das man hat, wird ausgegeben. Die Sparrate ist deutlich gesunken. Die Angst vor  der Entwertung der Währung lässt die Menschen das Geld ausgeben. Der Handel brummt. Nach den Feiertagen geht’s wieder los.

Pühringer – Wer sonst?

15. Dezember 2012

Tagtäglich spult er ein Arbeitsprogramm ab, dass man meint, morgen wären Landtagswahlen. 25 Jahre gehört er nun der Landesregierung an  und Josef Pühringer zeigt keinerlei Ermüdungserscheinungen, auch wenn die Haare grauer werden. Wenn  es sein muss, macht er auch noch die Arbeit von zwei weiteren Regierungsmitgliedern mit und verhandelt nebenbei die Gesundheitsreform des Bundes. Bei ihm gelten umgekehrte Verhältnisse. Die Gefahr eines Burn-out besteht vielleicht  dann, wenn er Urlaub hat.
Politiker dürfen auch einmal gelobt werden. Die vergangenen 25 Jahre waren gute  für Oberösterreich. Die Chancen der Umbrüche wurden genutzt: der Fall des Eisernen Vorhangs 1989,  der  Beitritt zur EU 1995 , die Auswirkungen der Globalisierung, die  Wirtschafts- und Finanzkrise  2007/’08.  Oberösterreich steht in wichtigen Bereichen österreichweit an der Spitze: bei der Beschäftigung, beim Wirtschaftswachstum,  im Export, in der Landwirtschaft,  im Sozialbereich,  beim musikalischen Nachwuchs.
In einem Jahr will der nunmehr  63-jährige Pühringer über seinen Abgang entscheiden.  Ob er  bei der Wahl 2015 zum vierten Mal  als Landeshauptmann antreten wird  oder ob er es sein lässt. Seine Umfragewerte und seine Aktivitäten lassen vermuten, dass er  neuerlich kandidieren wird.    Zudem ist die Nachfolgefrage ungeklärt.

Europa ist wunderbar

15. Dezember 2012

Reist man in die bzw. durch die USA, lernt man  Europa wieder schätzen. Der nächtliche Flug von Santiago de Chile nach Miami  mit den American Airlines kommt  mit 40-minütiger Verspätung an. Es folgt ein halbstündiges Anstellen bei der Passkontrolle. Der Hinweis, man verpasse den Anschlussflug nach Washington,  wird geflissentlich  ignoriert.  Der Koffer muss ausgecheckt und wieder eingecheckt werden. Neuerliches halbstündiges Anstellen bei der Sicherheitskontrolle, der  Anschlussflieger  ist natürlich weg.  Völlig andere Verhältnisse  findet der  Fluggast beim Schalter der Lufthansa am Washington-Dulles-Airport. Einchecken ohne  Wartezeit.  Der Lufthansa-Jumbo  legt die Strecke  Washington–Frankfurt in sieben Stunden zurück und kommt   25 Minuten  zu früh an.  Das Bordpersonal gibt die  Anschlussflüge durch und entschuldigt sich, weil  das Gate nicht sofort  angefahren werden kann. In Frankfurt verlässt man den Jumbo, geht auf eine morgendliche Weißwurst und hat irgendwann eine Passkontrolle – ganz ohne Wartezeit. Europa ist wunderbar.

Nach der Medizin-Fakultät nun die TU Linz!

15. Dezember 2012

Nach der Medizin nun die TU Linz!Das war überzeugend. Das Konzept, das eine Expertengruppe zur Realisierung der medizinischen Fakultät der Linzer Universität vorgelegt hat, war wirklich gut und gescheit. Josef Pühringer, Josef Ackerl und Franz Dobusch konnten damit bei Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle punkten.
Aber die  Medizin mit der damit verbundenen Universitätsklinik  ist  nur ein Bein der  Neuaufstellung. Die Politiker sollten den Vorschlag der Wirtschaftskammer  und der Industrie  zur  Realisierung  einer Technischen Universität (TU) Linz aufgreifen.  Denn Oberösterreich benötigt nicht nur Ärzte, sondern auch bestausgebildete Techniker, damit unsere  exportabhängige  Wirtschaft im internationalen  Wettbewerb  gut bestehen kann. Unser Wohlstand wird  nun einmal mehr als zur Hälfte im Ausland verdient.  Nur wenn wir vorne dabei sind, können wir    das hohe Niveau des Gesundheitssystems, der Ausbildung und der Kultur finanzieren.
Ähnlich  dem Konzept  zur Med-Fakultät sollte nun eine Expertengruppe  eingesetzt werden, die  Pläne für eine TU Linz erstellt. Bruno Buchberger, Gründer des Softwareparks Hagenberg und  Mitglied der Zukunftskommission  des Landes, wäre dafür herausragend geeignet. Das TU-Konzept sollte bis zum Sommer stehen, damit es ebenso wie die Med-Fakultät in den Forderungskatalog an die nächste Regierung einfließt.

Europa der Regionen

15. Dezember 2012

Als Konsequenz aus dem Spekulationsskandal in Salzburg hat der Leitartikler eines rosaroten Blattes vorgeschlagen, den Ländern die Gesetzgebung und die Budgethoheit wegzunehmen. Das bedeutet ihre de-facto-Auflösung zugunsten einer Beamten-Außenstelle der Wiener Zentrale.   Würde  man diesen Gedanken konsequent weiterspinnen, müsste man auch den Städten und Gemeinden, von denen  ebenfalls viele spekuliert haben,  die Finanzhoheit aberkennen  und nach Wien transferieren, das in seiner unendlichen Weisheit  und Güte  den Geldsegen über das Land  ergießt. Der Traum eines jeden Zentralisten.
Der  Gegenvorschlag von uns Provinzlern: Wir sparen die Wiener Regierungsstellen ein und übertragen  die Kompetenzen einerseits der EU und andererseits den Ländern.   Die Ländern wiederum bilden mit ihren Nachbarn  neue europäische Regionen. Das wäre das Ende des Nationalismus und der  Nationalstaaten, die  im vergangenen Jahrhundert auch  viel Unglück über uns gebracht haben.  Das wären tatsächlich   neue Perspektiven.

“Österreich ist stark von der internationalen Konjunktur abhängig”

01. Dezember 2012

Johann Prader ist einer der 24 Exekutivdirektoren des Internationalen Währungsfonds (IWF) mit Sitz in Washington. Eine erstaunliche Karriere für den 61-jährigen Innviertler, der aus Roßbach im Bezirk Braunau stammt.
 Prader ist wegen seines Wissens sehr angesehen. Er hat die Lateinamerika-Krise ebenso miterlebt wie die Probleme in Osteuropa und jene Asiens. Während andere Staaten ihre Vertreter regelmäßig austauschen, ist Prader  seit 1987 beim IWF. Er betont gegenüber der Delegation der Wirtschaftskammer in Washington die Wichtigkeit der internationalen Vernetzung für  ein kleines Land.
 KreditaußenständeÖsterreichs Banken haben  zum Beispiel 2008 in Osteuropa Kreditaußenstände in der Höhe von 100 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gehabt. Der IWF hat für die Finanzierung von zwei Drittel gesorgt, die EU für ein Drittel. Österreich wurde also durch die internationale Solidarität gerettet. Durch die internationale Verflechtung ist das Land aber auch anfälliger für  Krisen. Würde die Auslandsnachfrage einbrechen, würde in Österreich der Lebensstandard dramatisch sinken.  Prader: „In Österreich wird die Autonomie des Landes im Weltwirtschaftsgefüge überschätzt.“  Die Menschen wollen beides – reich und unabhängig sein. „Reich sein kann man aber nur durch die Integration in die Weltwirtschaft.“
 BeeinflussungDamit gibt es aber auch Grenzen für die Handlungsmöglichkeiten Österreichs. Um die Wirtschaft  zu stimulieren, muss das  in ganz Europa passieren.  Länder wie Österreich würden nur über einen  geringen Grad der Beeinflussung verfügen. Aufgrund des Engagements heimischer Firmen in Osteuropa werde zum Beispiel die Wiener Börse von den Finanzinvestoren wie eine osteuropäische behandelt.
 Der Druck auf Österreich, international wettbewerbsfähig zu sein, sei sehr groß. „Diese Wettbewerbsfähigkeit erleidet immer wieder Rückschläge“, sagt Prader. So  im Herbst 2008, als das Parlament in Wien in  Folge des Nationalratswahlkampfes Maßnahmen beschloss, die zu einer Erhöhung der Verschuldung um fünf Prozent führten. Und das zu einem Zeitpunkt, als kurz zuvor die Pleite der Lehman-Bank das Weltfinanzsystem an den Rand des Abgrunds geführt hat.
Durch den Eintritt Osteuropas und Chinas in die Weltwirtschaft hätten sich die Rahmenbedingungen massiv verändert, denn China hat durch seine Arbeitskräfte den weltweiten Arbeitsmarkt um ein Drittel erhöht. Prader zitiert die deutsche Kanzlerin Angela Merkel, die  gesagt hat: „Europa stellt acht Prozent der Weltbevölkerung, 25 Prozent der Weltproduktion und 50 Prozent der Weltsozialausgaben.“ Österreich habe  viele Beamte, hohe Sozialausgaben und sei zudem Weltmeister bei den Subventionen. 
Die erste Verschiebung der wirtschaftlichen Kräfte hat es bereits durch den Fall der Berliner Mauer und den Eintritt Osteuropas und Russlands in den Weltmarkt gegeben.  Europas Staaten haben die mit dem Fall des Eisernen Vorhangs verbundenen Änderungen durch Kreditaufnahmen aufgeschoben, da Geld durch die gemeinsame Euro-Zone zu günstigen Zinsen zur Verfügung stand. Prader rechnet nicht damit, dass die Euro-Krise schnell gelöst werden könne. Griechenland mache zwar nur zwei Prozent des europäischen Bruttoinlandsprodukts aus, aber es habe eine Krise bei den Finanzinvestoren ausgelöst. „Wenn es eine wachsende Weltwirtschaft gibt, ist es leichter, eine Lösung für die wirtschaftlichen Ungleichgewichte und die sozialen Ansprüche zu finden.“ Momentan sei das Wachstum aber beschränkt.

“Europas Sozialstaats-Modell ist auf Dauer nicht finanzierbar”

01. Dezember 2012

„Das europäische Modell des Sozialstaats ist  nicht überlebensfähig.“ Zu dieser Einschätzung kommt Adolfo Laurenti, Chef-Ökonom des  Finanzdienstleisters „Mesirow Financial“ mit Sitz in Chicago. Die sozialen Werte seien in Europa lebendig, aber die Ausformung sei nicht mehr finanzierbar. Es fehlten das Geld und  das notwendige Wirtschaftswachstum.
 „Europa wird Prioritäten setzen müssen. Wir sind seit 50 Jahren gewohnt, dass wir alles haben – Bildung, Gesundheit und Kultur. Das wird  auf Dauer nicht funktionieren“, sagte der aus Italien  stammende Laurenti vor der Wirtschaftskammer-Delegation, die auf Besuch in den USA war. Es werde in Europa zu tief greifenden Änderungen kommen müssen, an dessen Ende ein neues Sozialmodell stehen werde.
 Optimistische SichtDabei ist Laurentis Sicht über Europa wesentlich optimistischer als jene der Amerikaner, die auch das Ende des Euros erwarten.  „In den USA interessiert die Leute nur die Frage, wann die europäische Währung platzt“, sagt Laurenti. Er werde  täglich zwei bis drei Mal darauf angesprochen. Er gebe darauf folgende  Antworten.  „Wer die Geschichte Europas betrachtet, wird feststellen müssen, dass das prognostizierte Ende immer erst viel später gekommen ist.“ So habe der aus Wien stammende Wirtschaftswissenschafter Friedrich August von Hayek bereits in den 1930er-Jahren das Ende des Kommunismus vorausgesagt. „Es ist aber erst 60 Jahre später eingetreten.“
Den Euro werde es laut Laurenti so lange geben, solange dazu der politische Wille bestehe. In Europa seien die Euro-Befürworter (noch) in der Mehrheit. Der Wille zur politischen Zusammenarbeit sei ebenfalls  stark. „Es gibt in den Krisenländern Griechenland, Italien und Spanien eine Menge Fortschritte, um die Budgetdefizite abzubauen und die Arbeitsmärkte zu reformieren.“ Das seien langfristige Prozesse, denen die USA zu ungeduldig gegenüberstehen würden. In einem Punkt hätten die Amerikaner Recht – nämlich in ihrer Kritik an der Unfinanzierbarkeit des europäischen Sozialstaatsmodells. Selbst der Europäische Zentralbankpräsident Mario Draghi habe eingestanden, dass das alte Modell tot sei.
 Heterogenes BildIn den USA würden die Äußerungen der europäischen Verantwortungsträger genau verfolgt. Diese seien sehr unterschiedlich –  zum Beispiel, ob Griechenland in der Euro-Zone verbleibe oder nicht. Die Finanzmärkte würden entsprechend reagieren. Diese unterschiedlichen Meinungen würden dazu beitragen, dass die Amerikaner ein heterogenes Bild von Europa hätten.
Laurenti ist in Summe optimistisch für Europa. „Am Ende werden sich die USA und auch die Briten täuschen. Den Euro wird es weiter geben.“  Aus drei Gründen: Erstens: Der politische Wille und die Energie zum Erhalt des Euro sei da. Zweitens: Europa könne aus wirtschaftlichen Gründen nicht auf den Euro verzichten. Eine Rückkehr zu den früheren Währungen würde zu einem  großen finanziellen Schaden führen. Drittens: Europa sei bereits viel integrierter und europäischer als man wahrhaben wolle.

Neue Wege für die USA und Europa

01. Dezember 2012

Manchmal fühlt man sich in ein Entwicklungsland versetzt. Viele Brücken sind rostig, Autos  alte Kisten, die Infrastruktur ist veraltet. Obwohl die USA  viele Probleme haben, halten sie wenig von Europa. Ihre Einschätzung, dass das  europäische Sozialmodell  nicht haltbar ist, ist im Grunde richtig. Wenn wir ehrlich  sind, wissen wir, dass Änderungen unabdingbar sind.  Nur: Diese Wahrheit  spricht  kaum jemand  offen aus. Ohne Abstriche und   Eigenleistungen wird es auf Dauer nicht gehen. Der Staat wird langfristig nur mehr eine Grundversorgung bieten können. Die Zeiten, wo er für alles aufkommt, sind vorbei. Die Pensionen werden auch in Zukunft sicher sein. Die Frage ist, wie hoch sie sein werden und ab welchem Alter sie ausbezahlt werden. Die Veränderungen in der Weltwirtschaft durch den Eintritt Osteuropas und Chinas und ihren günstigen Produktionen sind gravierender als wir meinen. Sie erschüttern nicht nur Europas Sozial- und Wirtschaftssysteme, sondern auch jenes der USA und Japans. Die Amerikaner haben mit der Wahl von  Obama klargemacht, dass das Wachstum allen zugutekommen muss, nicht nur den Reichen. Ihr Glaube an den  Traum der Karriere des Tellerwäschers zum Millionär ist erschüttert. Sowohl die USA als auch Europa müssen neue Wege gehen.

Radikale Wende in der Altersvorsorge

01. Dezember 2012

Die Sorge um die Höhe der  Pensionen beginnt die  Politiker umzutreiben. Finanzministerin Maria Fekter hat  im KURIER-Interview eine Verbesserung der 2003 eingeführten Zukunftsvorsorge angekündigt, die von 1,6 Millionen Österreichern abgeschlossen wurde. Sie weiß, dass die  schwachen Renditen und die halbierte staatliche  Prämie nicht ausreichen,  um die   Lücken der geringer werdenden Pensionen  zu füllen.  Der Schweizer Bundesrat Alain Berset will ebenfalls reformieren.  Nach Berechnung der deutschen Regierung wird  2025 der  Durchschnittspensionsbetrag nur noch 46 Prozent des letzten Nettoeinkommens sein.  Wirtschaftsprofessor Laurence Kotlikoff von der Boston University vergleicht das Umlageverfahren der staatlichen Pensionsversicherungen mit einem betrügerischen Schneeballsystem. Das funktioniert bekanntlich nur, solange eine ständig wachsende Zahl neuer Einzahler dafür sorgt, dass die früheren Teilnehmer  ihre versprochenen Zahlungen erhalten. Aufgrund der   Geburtenziffern sinken aber die Einzahler.
Das Ausland zeigt, wie es geht.   In den USA können die  Bürger bis zu 15 Prozent ihres Einkommens unversteuert  in Aktien und Fonds zur Pensionsvorsorge einzahlen. In Frankreich sind es bis zu  132.000 Euro.Schweden und Australien haben die private Vorsorge massiv gefördert. Die Altersvorsorge benötigt eine radikale  Wende.

Idylle St. Peter

27. Oktober 2012

Pure Idylle. So präsentiert sich das Dorf St. Peter bei Linz auf einer Aufnahme aus dem Jahr 1937, die   die Einband-Innenseiten des neuen Buches „Linz-Zeitgeschichte“ ziert. Sonntagnachmittag  fuhren die Linzer nach St. Peter zur Landpartie. Großzügige Gastgärten und Ausflugsgasthäuser  lockten die Städter an. Auf dem Zizlauer Bach wurde mit Zillen gefahren. Die fruchtbaren Böden  zwischen der Traunmündung  und der Donau waren der Gemüsegarten von Linz. Die Standler bezogen von dort ihre Ware.
Keine zwei Monate nach dem Einmarsch der Nazis  wurden am 4. Mai 1938   die Hermann-Göring-Werke   Linz gegründet  und St. Peter wurde niedergewalzt.  Das Dorf stand den Rüstungs- und Kriegsplänen  Hitlers  im Weg, es wurde  von der Landkarte getilgt. Heute ist die voestalpine ein weltweit erfolgreiches Industrieunternehmen.  Vielleicht geht der  Fortschritt einmal so weit,   dass die Produktionshallen inmitten grüner Wiesen stehen und St. Peter zum Teil wiederaufersteht.

Misstrauen gegenüber dem gespag-Vorstand

27. Oktober 2012

Wasser predigen, Wein trinken. Diesen Anschein erweckt die Bestellung eines dritten Vorstands in der landeseigenen Spitalsholding gespag. Während in allen Krankenhäusern  aufgrund der Spitalsreform gespart werden muss, wird die Spitze personell aufgestockt. Kein Wunder, dass die Bediensteten und die Öffentlichkeit kaum Verständnis für diesen Schritt zeigen.
Aufsichtsratsvorsitzender Franz Mittendorfer begründet die Aufstockung mit dem Bedarf an „konsequenten, entscheidungsbefugten Personen“ (Interview Seite 8). Er ist als Eigentümervertreter mit dem Vorstand wesentlich mitverantwortlich, dass die geplanten 2,3 Milliarden Euro tatsächlich eingespart werden.  Auch wenn er dem bisherigen Zweier-Vorstand  gute Arbeit bescheinigt, hat er offensichtlich Zweifel, dass die beiden  das in Zukunft schaffen werden.  Anders ist sein Verlangen nach einem  zusätzlichen Vorstand nicht zu erklären. Es muss hier Schwächen  bei einem oder bei beiden Vorstände  geben, die  bisher  nicht nach außen transportiert worden sind.
Würde es sich  um ein privates Unternehmen handeln, würde  der Vertrag des schwächelnden Vorstands mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht verlängert werden.  Doch    die gespag ist der Verband der Landesspitäler, sie ist also im öffentlichen Besitz. Die Letztentscheidung trifft die Politik.   Die Kriterien politischer Entscheidungen sind andere als die privater Eigentümer. Um den politischen Konsens mit der SPÖ in der wichtigen Frage der Spitalsreform nicht zu gefährden, werden die Verträge der bisherigen Vorstände eben verlängert.   Und ein Dritter wird bestellt, der  die  notwendige Härte und Konsequenz  der Umsetzung der Reform  sichern soll.

Russland serviert heute Wasser statt Wodka

27. Oktober 2012

Kennen Sie Tartastan? Es ist eine russische Vorzeigeregion, beinahe so groß wie Österreich, nahe des Ural gelegen, 1000 km östlich von Moskau. Den Fußballfans ist deren Hauptstadtverein Rubin Kasan ein Begriff, weil er in der Champions League spielt.  Der Regierungschef ist ein junger, smarter Typ mit mongolischem Einschlag,  der in Moskau selbstbewusst  erklärt, wie man mit Industrieparks    Investoren aus aller Welt anzieht.
Russland wirbt  intensiv um westliche Unternehmen. Das bekam auch Landeshauptmann Josef Pühringer bei seinen Treffen mit den   Gouverneuren  zu spüren.  Er wurde sofort um Folgetermine gebeten, damit die Dinge konkret werden. Statt Wodka wurde  Wasser kredenzt. Das moderne Russland ist anders.     Es bemüht sich um Infrastruktur, es bietet gut ausgebildete Leute.  Österreichs Firmen haben  hier beste Chancen, denn wir sind beliebt.
Den Wettbewerb um ausländische Investoren führen nicht nur die Russen, sondern auch die Asiaten und fast alle Regionen der Welt.    Wir müssen aufpassen, dass wir ihn bestehen.   Die üblichen Bundesländervergleiche, bei denen sich Oberösterreich auf die Schulter klopfen kann, sind nur ein Maßstab. Wir müssen im internationalen Wettbewerb bestehen.   Wolfgang Eder, Vorstandsvorsitzender der voestalpine, beklagte am Montag eine  „Kostenstruktur, die eine dauerhafte Fertigung in Europa nicht mehr zulässt. Wenn Europa nicht bald die Kostenbremse zieht, wird es auch für uns eng. Europa hat sich für einen Weg entschieden, der nicht  industriefreundlich ist.“
Ohne Industrie geht es aber nicht. Sie sorgt für Arbeitsplätze und Wohlstand. Hier stehen die nächsten zehn Jahre Hausaufgaben an, die durchaus auch schmerzhaft sein können.

Seelenverwandtschaft

27. Oktober 2012

“Beim Empfang der Deutschen waren auch nicht mehr Gäste“,  staunte der Vertreter der Konrad-Adenauer-Stiftung über den Andrang im Moskauer Hotel Baltschug Kampinski,  das gleich gegenüber dem Roten Platz liegt. Das noble Haus an der Moskwa  wird  von einem Österreicher geführt.  Botschafterin Margot Klestil-Löffler hatte  Mittwochabend zum Nationalfeiertags-Empfang geladen, der von den Oberösterreichern gestaltet wurde (Bericht Seite 9). Die Lieder der Florianer Sängerknaben, das Essen, das Bier und der Wein, die Offenheit  und die Gemütlichkeit eroberten die Herzen der Russen.
Zu den Deutschen schauen  die Russen auf. Sie bewundern ihre Tüchtigkeit und ihre Präzision. Aber emotional stehen sie den Österreichern  näher. Die Ösis finden aus ihrer Sicht die Balance zwischen Ost und West, sie sind nicht so steif, die Russen fühlen sich verstanden. Der Empfang war  Ausdruck der Verbundenheit zwischen der österreichischen und der russischen Seele.

Die Musik spielt in Asien, Europa hingegen jammert

13. Oktober 2012

“Hier spürt man die Dynamik, zu Hause spürt man sie nicht“, sagt Wolfgang Kalt. Er ist Leiter der Lenzing-Niederlassung in Indonesien. Ähnlich empfindet es Rudolf Kern aus Seewalchen, der ebenfalls bei Lenzing in Südostasien arbeitet. „Ich hoffe, dass Europa bald aufwacht. Die Leute hier sind  sehr ambitioniert und bereit, etwas Neues zu lernen.“ Die beiden Österreicher sind fasziniert von der Dynamik der Asiaten und können sich kaum vorstellen, in ihre früheren Bürojobs in der Heimat zurückzukehren. Wer meint,  Europa könnte sich auf den Vorsprung von Wissen und Technologie verlassen, irrt. „Hut ab vor dem, was ich in Asien gesehen habe“, sagt Matthias Ludwig, Leiter des Infineon-Werkes in Malaysia.  7000 Mitarbeiter stellen dort pro Stunde eine Million Chips her.  Asien sei in Forschung und Entwicklung eine ernsthafte  Konkurrenz. Die Infineon-Mitarbeiter, die eine Sechs-Tage-Woche und 48 Stunden Normalarbeitszeit haben, sind hungrig. Manche arbeiten zwei Schichten durch, die Firmenleitung  muss sie bremsen.
Es ist unübersehbar. Asien ist im Aufbruch.  Die Musik spielt nicht mehr bei uns in Europa. Abgesehen von den jeweils mehr als  einer Milliarde Einwohnern in China und Indien, allein Indonesien ist mit einer Bevölkerung von 240 Millionen halb so groß wie die EU. Die Dynamik Asiens ist nicht aufzuhalten. Das Lamentieren in Europa, dass alles schlechter wird, ist unerträglich und bringt uns nicht weiter. Wir müssen die Dinge anpacken, die Probleme lösen, uns der Welt öffnen und die sich bietenden Chancen nutzen. Der Hauptmarkt für die BMW-Motoren aus Steyr ist inzwischen China. Lenzing macht 60 Prozent des Umsatzes in Asien. Wir sollten dort dabei sein, wo die Musik spielt.

Es bleibt nur die Hoffnung auf ein Wunder

13. Oktober 2012

Ein Jubiläum,  bei dem es nichts  zu feiern gibt.  So präsentiert sich der 50. Jahrestag des II. Vatikanischen Konzils(1962-65). Papst Benedikt XVI. rief ein Jahr des Glaubens aus. Doch was heißt glauben? „Die Grundgebärde des Glaubens ist der Aufbruch“, sagte der Hochschulseelsorger Karl Strobl (Seite 5). Doch von Aufbruch weit und breit keine Spur. Im Gegenteil, die römische Kurie rührt seit Jahren Beton an. Besonders seit der Übernahme des Pontifikats durch Johannes Paul II. 1978. Wie ist für engagierte Menschen der Widerspruch erträglich zwischen den Fortschritten in der Welt und dem, was die römische Lehre verkündet?
Wer mit der Kirche nicht durch eine besondere Liebe verbunden ist, müsste sie konsequenterweise verlassen. Das tun auch viele, interessanterweise viele Frauen, die sich der Verweigerung der katholischen Gleichberechtigung und der aufgezwungenen Demutsrolle  verweigern. Jene, die auf Änderungen hoffen, werden sich noch gedulden müssen. Unter dem Pontifikat von Benedikt XVI. wird es keine Reformen  mehr geben. Ob sich die Dinge mit einem neuen Papst zum Positiven wenden, ist angesichts der Zusammensetzung des Kardinalskollegiums zweifelhaft. Es bleibt im Prinzip  das Warten auf Zeichen und Wunder. Man sollte es nicht glauben, aber die gibt es. Wer hätte in den 1980er- Jahren schon erwartet, dass die orthodoxen kommunistischen Systeme und der Eiserne Vorhang so sang- und klanglos zusammenbrechen?
Die vielen Reforminitiativen arbeiten und wirken. Sie haben eine nicht zu unterschätzende Sprengkraft. Sie werden sich früher oder später durchsetzen. Entweder innerhalb oder außerhalb der römisch-katholischen Kirche.

Migrant Arnie

13. Oktober 2012

“Ich habe alle meine Hindernisse zu Vorteilen gemacht.“ Der Auftritt von Arnold Schwarzenegger bei der Frankfurter Buchmesse war eine perfekte Show. Mehr 1000 Besucher stürmten die ARD-Bühne, um Arnies Buchpräsentation „Total Recall – Die wahre Geschichte meines Lebens“ mitzuerleben. Immer wieder nahm er Bezug auf den kleinen Landbuben aus der Steiermark, der es so weit gebracht habe, dass er sogar mit Michail Gorbatschow gefrühstückt habe. Aber es habe nicht nur Siege gegeben, „sondern ich habe Fehler gemacht. Plötzlich war alles aus.“ Aber das Wichtigste sei, dass man „aufsteht und sich abputzt. Jetzt rollt er wieder, der Wagen meines Lebens. Und ich sage euch, er läuft nicht schlecht!“
Was macht der  65-Jährige nun, nach dem Abtritt als Gouverneur von Kalifornien und der Scheidung von seiner Frau Maria Shriver? „Ich rufe die Menschen zu mehr Fitness und Bodybuilding auf. Ich bin immer noch hungrig.“ Aus dem Terminator sei ein Governator und nun ein Educator geworden.   Die Leute jubelten ihm zu.  Wie es ihm tatsächlich geht,  erfuhr man nicht. Der Zuspruch der Fans ist jedenfalls ungebrochen groß, seine Show ist  sehenswert.  Arnie lebt. „I’ll be back!“

Es fehlt uns die Leichtigkeit des Seins

22. September 2012

Auf dem Weg in die Redaktion traf ich einen ehemaligen Journalistenkollegen, der sich mit einer kleinen Mahnung  verabschiedete: „Pass’ auf das Burn-out auf!“ Das Bekenntnis des Grünen Landesrates Rudi Anschober hat  diese  moderne Zivilisationskrankheit neuerlich bewusst gemacht.  Es ist überraschend, dass doch  einige  Menschen, die  einem als  fleißig, tüchtig, engagiert, vorbildlich und stark erscheinen,  davon betroffen sind.
Es ist eine Binsenweisheit, dass der Druck auf alle  gestiegen  ist. Dieser beginnt teilweise bereits im Kindergarten und in der Volksschule, weil hier bereits erste Weichen für die spätere Karriere gelegt werden.  Der Ausleseprozess setzt sich  an den   Neuen Mittelschulen, den   Gymnasien und an den Universitäten fort.  Die Erwartungshaltungen  an den Arbeitsplätzen sind  gestiegen.  Die   Arbeitnehmer  sollen  in kürzerer Zeit noch mehr leisten und bessere Qualität abliefern.  
Überstunden ohne  zusätzliches Entgelt  sind vielerorts  Praxis.  Das Handy und  das Internet  machen eine  Verfügbarkeit rund um die Uhr und auch am Wochenende möglich.

Es steigt  nicht nur der Druck  in der Arbeitswelt, sondern auch       im Privaten. Der Mensch soll auch hier perfekt sein. Als Partner, als Vater oder Mutter. Die Kinder sollen optimal erzogen werden, die Frau bzw. der Mann  sollen wunderbare Liebhaber sein und gleichzeitig den Müll entsorgen und die Wäsche  bügeln. Sowohl im Beruflichen als auch im Privaten ist das Umfeld unsicher geworden. Obwohl man das Beste gibt, wird man gekündigt bzw. der Partner verlässt einen, weil er einen vermutlich  Besseren gefunden hat.
Diese Unsicherheiten ängstigen die Menschen.  Sie und das  Streben nach Perfektion lassen uns verkrampfen, die Lockerheit des Lebens und die Leichtigkeit des Seins gehen verloren.  Gerade im Scheitern machen wir aber die Erfahrung, dass es weitergeht, manchmal sogar besser als vorher.  Wie der Bad Ischler Weltenwanderer Gregor Sieböck in seinem neuen Büchlein “Lebe.Jetzt!” schreibt: „Wir werden täglich vom Netz des Lebens getragen. Dies in Dankbarkeit zu erkennen, befreit uns von Angst und schafft Lebensfreude.“

Scharingers Tanz auf drei Kirtagen

08. September 2012

Ludwig Scharinger ist wieder da.  Der Hobby-Trompeter und abgetretene Generaldirektor der Raiffeisen-Landesbank (RLB) tanzt   auf drei Kirtagen. Er vertritt die Stadt Linz im Kompromissverfahren um den Swap mit der Bawag, er sitzt im Aufsichtsrat der ÖBB und er ist Vorsitzender der österreich-russischen Freundschaftsgesellschaft.
Bei all diesen Tätigkeiten hat er den Sanktus der RLB-Spitze. Aus den Bankgeschäften hält er sich wohlweislich raus, denn es ist klar, dass Heinz Schaller der Chef ist.  Äußert  er Wünsche  gegenüber den Mitarbeitern, gehen diese zuerst zu  Schaller fragen, ob er dem zustimmt.  Zwar haben   manche Kommentatoren gemeint,  Scharinger werde nicht aufhören können, den Boss zu spielen, doch sie wurden eines Besseren belehrt.  Er  hielt sich  das vergangenen halbe Jahr seit seinem Abgang Ende März zurück. Dazu trug  auch bei, dass sowohl Präsident Jakob Auer als auch Schaller  von Anfang an klar machten, wer nun der Chef ist.
Scharinger, der demnächst seinen 70er  feiert,  hat große Pläne.   Vergangenen Mittwoch war der Generaldirektor der russischen Eisenbahnen zu einem Vortrag in Wien.  Scharinger erzählt von Überlegungen,  die russische Breitspur  vom ostslowakischen Kosice  bis nach Wien zu verlängern und  hier  ein Umlade- und Logistikzentrum  zu errichten.  Zuvor stehen aber  noch andere, viel banalere  und  unangenehme  Aufgaben an. Was passiert mit den  vier Regionalbahnen    wie der Mühlkreisbahn oder der  Almbahn, die die ÖBB zusperren will? Der Anreiter Scharinger vertritt hier jedenfalls die Ansichten seines Unternehmens, was Landeshauptmann Josef Pühringer nicht so gefällt.
Die Russen sind Scharingers Freunde, die Amerikaner sein Feindbild. Dass Wladimir Putin mit der   Demokratie Probleme hat, stört ihn nicht. Es geht ihm um Geschäfte.  
In der Swap-Affäre der Stadt Linz hat es Scharinger nicht nur mit der Bawag zu tun, sondern auch mit   VP-Chef Erich Watzl.  Er  bearbeitet den   Linzer Vizebürgermeister, doch auf eine gemeinsame Linie mit der SPÖ einzuschwenken. Doch Watzl widersetzt sich beharrlich Scharingers Bemühen. Er verweist auf die politische Verantwortung der Linzer SPÖ-Spitze und sieht darin  ein Hauptthema für die Wahlauseinandersetzung  2015.
 Ob es einen Kompromiss in der Swap-Affäre geben wird, ist völlig offen. Ein ranghoher Linzer Finanzverantwortlicher bewertet  eine 50:50-Lösung als inakzeptabel für die Stadt. Bei einer Streitsumme von 421 Millionen Euro wäre das immerhin ein Brocken von 210 Millionen. Linz, so meint der Experte  könnte wohl nur einer 80:20-Entscheidung zustimmen. Eine Hürde, die selbst  Scharinger nur schwer wird überspringen  können.

Ich bin ein Rechtsbrecher

01. September 2012

Ich gestehe,  ich bin ein notorischer Rechtsbrecher. Jeden Sonntagmorgen pendle ich zum Linzer Hauptbahnhof, um mir  Zeitungen zu kaufen.  Gott sei Dank haben dort die Geschäfte geöffnet. Es herrscht stets Hochbetrieb, vor dem Bahnhof findet man kaum einen Parkplatz. Wenn ich wieder von dannen ziehe, muss ich durch jene Unterführung, in der auch der Busbahnhof stationiert ist. Dort darf man nur 10 km/h fahren, die Höchstgeschwindigkeit  ist mehrfach auf den Asphalt gesprayt. Ich versuche, diese einzuhalten, doch ich musste feststellen, dass das nicht möglich ist. Mein Wagen hat Automatik und er fährt – ohne Gas zu geben – 14 km/h. Wenn ich die Toleranzgrenze von 10 km/h für mich beanspruche  und annehme, dass mein Wagen die Geschwindigkeit um 10 Prozent zu hoch anzeigt, bin ich mit 14 km/h immer noch zu schnell. Also wäre eine polizeiliche Bestrafung angebracht. Mein ganzes Bemühen ist umsonst.  Ich bin ein Rechtsbrecher. Eine andere Variante wäre, einhaltbare Vorschriften zu erlassen.

Das Ausbildungssystem ist unzureichend

25. August 2012

Auch diese Woche wurde wieder einmal   darüber diskutiert, ob Österreichs Bildungssystem an einer gemeinsamen Schule für alle 10- bis 14-Jährigen genesen soll. Der gelernte Polizist und nunmehrige Tiroler Landeshauptmann Günther Platter, der erst kürzlich seine Vokabelkenntnisse gegenüber   dem Teamspieler David Alaba unter Beweis gestellt  hat („How do you do?“), tat kund,  er sei dafür.  Platters Wortmeldungen  werden  offensichtlich für so bedeutend  gehalten, dass sich in der ÖVP niemand dazu äußert.
Tatsächlich ist die Frage der Gesamtschule eine zweitrangige. Wenn der uns im Schulunterricht  eingetrichterte Satz „Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir“ stimmt,  dann produziert das Bildungssystem am Leben vorbei. Denn die Wirtschaft bräuchte zum Beispiel Lehrlinge, die lesen, rechnen und schreiben können. Unsere exportorientierten Betriebe benötigten  viel mehr HTL-Abgänger und Fachhochschul- und Uni-Absolventen  von technischen und naturwissenschaftlichen Studienrichtungen. Ihr Fehlen beeinträchtigt bereits das Wirtschaftswachstum, das wir in Zeiten überbordender Staatsschulden wie einen Bissen Brot  benötigen.
Oberösterreich  ist zwar beim Wirtschaftswachstum  und bei der Arbeitslosenrate  bundesweit Spitze,  aber in der Ausbildung  schauen wir nicht gut  aus.  Beim Anteil der Lehrlinge an den 15- bis 19-Jährigen sind  wir  Dritter.  Bei der Reifeprüfungsquote liegen wir am fünften Rang, beim Anteil der Schüler  an der AHS sind wir nur Sechster. Bei der Studierendenquote (Unis  & Fachhochschulen)      gar nur Siebenter. Dieses Ausbildungszeugnis bewegt sich zwischen  Genügend und  Nicht genügend. Es ist schön, dass sich Oberösterreich um eine Medizin-Uni bemüht.  Aber wir  haben  auch ein Pflichtenheft  zu erledigen.  Die Ausbildungsmöglichkeiten  reichen nicht aus.   Wir brauchen mehr HTL,  mehr Fachhochschulen und  mehr technische  Studienrichtungen.  Der vierprozentige Anteil Oberösterreichs am gesamtösterreichischen Universitätsbudget ist ein Skandal.
 Ausbildung sichert die Zukunft.  Gerade ein so stark exportorientiertes Land wie   unseres   hat hier  nicht genügend vorgesorgt.

Litzlberg-Stars

25. August 2012

Mädchen  und Burschen, Frauen und  Männer plätschern im Attersee beim öffentlichen Badeplatz Litzlberg in Seewalchen. Manche tragen sogar beim Schwimmen Sonnenbrillen. Wie Enten recken sie ihre Köpfe   in die Höhe, damit ihre Gesichter nicht nass werden. Dabei taucht man selbst bei korrektem   Brustschwimmen das Köpfchen unter Wasser. Aber das wollen diese bebrillten ländlichen Pin-ups nicht.  Möglicherweise fühlen sie sich wie die Hollywoodstars  an den Pools der Luxushotels in Beverly Hills. Fred Astaire, Liz Taylor, Katharine Hepburn, James Stewart, Rex Harrison, Cary Grant, Ingrid Bergman, die Beatles, Marlene Dietrich –  obwohl sie    in ihren Villen über Pools verfügten, kamen sie in die  Hotels, um ein paar Bahnen zu schwimmen, in der Sonne zu liegen oder um Drehbücher zu lesen.  Raquel Welch startete ihre Karriere, indem sie mit ihrem beinahe nackten Körper am Pool posierte. Leider sind  wir nicht in Los Angeles, sondern  in Litzlberg und  somit  werden die bebrillten Schwimmer  Litzlberg-Stars bleiben.

Freude an der Bewegung ist ein Schatz fürs ganze Leben

18. August 2012

Ramon Martinez, Facharzt  für Innere Medizin und Kardiologe, bringt die Sache  im Vorwort seines neuen Buches „Cholesterin selbst senken in zehn Wochen“ auf den Punkt.  Während früher die Menschen viel Bewegung und wenig  Nahrung  hatten, ist es heute umgekehrt.  Wir verfügen über viel Nahrung und wenig Bewegung.
Die Niederlage Österreichs mit null Medaillen bei den Olympischen Spielen in London hat  eine  Diskussion ausgelöst. Von verschiedenen Vertretern wurde die Forderung  nach einer  täglichen Turnstunde erhoben. Ob diese Maßnahme Österreich in Zukunft tatsächlich einen Medaillenregen beschert, wird sich weisen. Aber inhaltlich ist sie aus anderen Gründen richtig und wichtig. In Oberösterreich sind 20 Prozent der Kinder im Pflichtschulalter von sechs bis 14 Jahren übergewichtig. 22 Prozent  weisen Schwächen im Bewegungsapparat auf.   An normalen Tagen sitzen sie 2,3 Stunden vor dem Fernseher, wenn schulfrei ist, gar 3,3 Stunden. Pro Tag verbringen sie 1,4 Stunden mit Computerspielen, an schulfreien Tagen 2,3 Stunden.
Der Befund ist katastrophal. Wenn Kinder schon übergewichtig sind, wie  werden sie erst im Alter von 40, 50 Jahren aussehen? Es erwartet sie eine deutliche Minderung der Lebensqualität, die Krankenkassen eine enorme finanzielle Belastung.

Gesteigertes Wohlbefinden

Wie kann man gegensteuern? Während die Kinder früher teilweise kilometerlange Märsche zur Schule zurückzulegen hatten, werden sie heute transportiert.  Um  eine Verhaltensänderung zu erreichen,  führt kein Weg an der täglichen Turnstunde vorbei. Sie bedeutet  nicht Vorbereitung für den Hochleistungssport, sondern Bewegung.  Gemeinschaftsspiele wie Völkerball lösen auch heute noch  bei den Kindern und Jugendlichen  Begeisterung aus. Entscheidend  ist die Vermittlung  der Freude  an der Bewegung. 
Wie wichtig Sport  für das gesamte Leben ist, belegen zum Beispiel die neuen Forschungsergebnisse zu Alzheimer, an dem jeder Dritte über  90 Jahren erkrankt.   Die bisher einzig bekannte wirksame Vorbeugung ist Bewegung.    Man sollte es nicht glauben.
Bewegung    führt nicht nur zu körperlicher Fitness,  sondern  sie verbessert auch die geistig-mentale Verfassung und das psychische Wohlbefinden.  Gelingt diese Vermittlung , so   erhalten die Kinder einen Schatz, von dem sie das ganze Leben zehren.

Verhaltensoriginell

18. August 2012

Für schulische Problemkinder wurde ein neuer Begriff erfunden. Sprach man bis vor kurzem von verhaltensauffälligen Kindern, so werden sie nun als verhaltensoriginell bezeichnet. Auf die Frage, was denn das bedeute,  meinte Landesschulratspräsident Fritz Enzenhofer: „Früher sagte man Gretz’n dazu.“
Setzte es zu meiner Schulzeit vor 40 Jahren bei    Fehlverhalten manchesmal eine Kopfnuss, so wird heute offensichtlich Schülern über den Kopf gestreichelt, damit aus dem originellen Haupt möglicherweise  ein Genieblitz entspringe. Wir dürften  damit einer glänzenden Zukunft entgegengehen, denn  die Verhaltensoriginellen werden immer mehr.
Vermutlich werden sich die Griechen, die auf Kosten vieler europäischer  Steuerzahler leben, auch bald   nicht mehr als Schuldner, sondern als  Verhaltensoriginelle definieren. Schließlich haben sie sowohl die Komödie als auch die Tragödie erfunden. Am Ende des Theaters steht aber die Demaskierung an.

Beschneidung: Das Wohl des Kindes geht bevor

14. August 2012

„Die Religionsfreiheit ist in Gefahr.“ Mit diesen Worten marschierten kürzlich die Vertreter verschiedener Religionsgemeinschaften bei einer Pressekonferenz zur Verteidigung der Beschneidung auf. Oskar Deutsch, der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, meinte sogar, ohne Beschneidung wäre es Juden und Moslems nicht mehr möglich, in Österreich zu leben. Ein Verbot würde einer „geistigen Vertreibung“ nahekommen.

Harsche Worte in einer Diskussion, die durch die Urteilsbegründung des Kölner Landgerichts ausgelöst wurde. Warum wird so hart reagiert, obwohl eigentlich nicht wirklich etwas passiert ist? Die Religionsgemeinschaften fühlen sich offensichtlich zutiefst getroffen, anders ist die Schärfe ihrer Reaktion nicht zu erklären. Geht man der Sache näher auf den Grund, so ist sie jedenfalls nicht so klar, wie die religiösen Funktionäre sie sehen. Die Beschneidung ist eindeutig ein Eingriff in das Recht auf körperliche Unversehrtheit des Kindes. Diese hat einen ganz hohen Stellenwert in der Verfassung. Der Linzer Universitätsprofessor Bruno Binder sagt dazu: „Dass sich Menschen aus religiösen Gründen selbst etwas antun, das mag sein. Dass man das aber Kindern antut und Eltern die Macht gibt, dies aus religiösen Gründen zu tun, das scheint mir doch ein sehr weitgehender Eingriff zu sein. Kinder haben ja keine Wahl.“

Bei der Beschneidung kollidieren zwei Grundrechte. Jenes auf körperliche Unversehrtheit mit dem Recht auf Freiheit der Religionsausübung. Bis dato wurde die Beschneidung als Teil der Religionsfreiheit verstanden. Die jahrhundertelange bzw. jahrtausendelange religiösen Tradition haben das so vorgesehen. Religionsgemeinschaften und ihre Regeln sind aber keine starren Gebilde, sondern sie entwickeln sich im Laufe der Zeit meist langsam, aber doch weiter. Deshalb sollten sich die Hüter der Traditionen überlegen, ob die Beschneidung nicht erst zu einem späteren Zeitpunkt, nämlich mit Erreichen der Volljährigkeit, vollzogen wird. Professor Binder hat völlig Recht, wenn er meint: „Die Religionen verlangen vom liberalen Rechtsstaat immer sehr viel Verständnis. Der liberale Rechtsstaat hat es und soll es auch haben. Es erscheint mir doch ein sehr wichtiger Teil des Rechtsstaates zu sein, dass wir Kinder nicht einer körperlichen Verstümmelung aussetzen.“

Arbeitgeber und Arbeitnehmer müssen sich anpassen

14. August 2012

Realität und Wunschbild klaffen  auseinander. Auf der einen Seite sollten die Menschen erst mit 65 Jahren in Pension gehen, auf der anderen Seite liegt das  tatsächliche Pensionsalter noch immer unter 60.  Die Wirtschaft beklagt  einen Mangel an Facharbeitern,   aber über 50-Jährige sind auf dem Arbeitsmarkt faktisch nicht vermittelbar.
Bisher wurden ältere Arbeitnehmer ohne Chance auf einen neuen Job über die Invaliditätspension abgefangen. Die Verschärfungen schließen nun diese Möglichkeit. Sie erzwingen neue Lösungen, die von allen Beteiligten eine Änderung ihres Verhaltens einfordern.
Es kann nicht sein, dass die Unternehmen ihre älteren Mitarbeiter möglichst schnell in die Pension schicken. Umgekehrt kann man es den Firmen nicht verübeln, dass sie zum 30-Jährigen greifen, der genauso gut ausgebildet ist wie der 60-Jährige, der aber doppelt so teuer ist. Es ist konsequent,  wenn Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl eine Abflachung der Lohnkurve vorschlägt. Die Jungen sollen mehr verdienen, die Älteren weniger.
Für die Arbeitnehmer ist die längere Lebensarbeitszeit eine große Herausforderung. Denn sie müssen dazu körperlich in der Lage sein. Das setzt Gesundheit und eine gewisse Fitness voraus. Die Realität spricht aber eine andere Sprache. Der Bevölkerungsanteil der Übergewichtigen hat von 25 auf 38 Prozent zugenommen,  Blutzucker (Diabetes) ist rasant im Steigen.
Zur körperlichen Fitness kommt die geistige. Der technische Fortschritt bedingt eine Weiterentwicklung des Wissens.    Dauernde  Fortbildung  ist Standard.  Wir werden auch nicht das ganze Leben denselben Beruf ausüben können.   So kann man wohl schwer 50 Jahre lang als Dachdecker oder als Schwerarbeiter am Hochofen zubringen. Die Veränderungen  werden uns zwingen, neue Beruf zu erlernen.
Ältere Arbeitnehmer bedürfen des Schutzes. Da sie in der Regel Familie haben, sind sie nicht mehr so mobil wie die jungen Ungebundenen. Sie können auch nicht von 1000 Euro brutto leben, denn ihre Gage wird der Pensionsberechnung zugrunde gelegt. Und körperlich sind sie  nicht mehr so belastbar wie ein 30-jähriger Spring-ins-Feld. Dafür verfügen sie über andere Stärken wie zum Beispiel ihre Erfahrung. Und für jene, die trotz aller Bemühungen nicht mehr vermittelbar sind, wird  ein zweiter, geschützter Arbeitsmarkt notwendig.
Wir alle, Arbeitgeber wie Arbeitnehmer, müssen uns an die neuen Verhältnisse anpassen.

Regulierungswut

14. August 2012

Die Regulierungswut ist manchmal grenzenlos. Ein Beispiel gefällig? Seit Kurzem prangt   auf der Freistädterstraße B 125 am Stadtende von Linz eine neue Tafel mit einer 60 km/h-Begrenzung. Dabei ist das Straßenstück, beginnend an der Ortsende-Tafel von Linz bis zum Ortsschild Plesching, lediglich 400 Meter kurz. Es handelt sich beileibe nicht um ein gerades Straßenstück, sondern sie ist kurvig. Das heißt, man kann dort wegen der reduzierten Sicht nicht wirklich beschleunigen.
 Dies ist  kein Einzelfall. Überall im Land wachsen  Geschwindigkeitsbeschränkungen wie die Schwammerln aus dem Boden. Ist nur ein Lkw unterwegs, kann er meist nicht mehr überholt werden, ständig  bildet sich Kolonnenverkehr. Dass sie damit den Verkehrsfluss massiv stören,  interessiert Politiker und  Beamte offensichtlich wenig. Ständig neue Vorschriften. Der freie Bürger, begabt  mit eigenverantwortlichem Handeln und Hausverstand, ist ein Fremdwort. Manchmal hat man das Gefühl, dass man zum völligen Trottel erklärt wird.

Josef Pühringer soll 2015 nochmals antreten

14. August 2012

Was wird Josef Pühringer machen? Wird er 2015 ein viertes Mal als Landeshauptmann antreten?  Die Hälfte der sechsjährigen Legislaturperiode ist im Herbst  erreicht, die Landtagswahl wirft ihre Schatten voraus. Denn es müssen die personellen Weichenstellungen getroffen werden, die Spitzenkandidaten der Parteien sollen marketing- und bekanntheitsmäßig aufgebaut werden, damit ein erfolgreiches  Abschneiden möglich ist.

Entholzer SP-Favorit Als ziemlich gesichert gilt das Antreten von Manfred Haimbuchner für die Freiheitlichen und von Rudi Anschober bei den Grünen. Es gibt zu beiden keine  ernsthaften  Alternativen. Die SPÖ ist noch auf der Suche nach einem Nachfolger von Josef Ackerl. Landesrat Reinhold Entholzer gilt als Favorit. Mit seiner Aussage, eine Koalition mit den Freiheitlichen nicht auszuschließen, hat er jedoch innerparteiliche Kritik auf sich gezogen. Klubobfrau Gerti Jahn hat auch ihre Unterstützer, wie das Interview von  Nationalratspräsidentin Barbara Prammer (Interview Seite 3) belegt.
Landeshauptmannstellvertreter Franz Hiesl hat nun erstmals öffentlich kundgetan, was bei den Bürgermeistern, Funktionären und Mitarbeitern gängige Meinung ist. Josef Pühringer, im Herbst   63, sollte  nochmals als ÖVP-Spitzenkandidat in die Landtagswahl 2015 gehen.   Diese Position  fußt auf  zwei Begründungen. Pühringer sei ungebrochen fleißig und erfolgreich, es sei ihm nach wie vor lustig. Weiters sei kein/e klare/r Nachfolger/in in Sicht.

Pühringer entscheidet Ende 2013 Der Landeshauptmann hält sich  bedeckt. Er will Ende 2013/Anfang 2014 entscheiden, ob er nochmals kandidiert. Er wartet den Wahlausgang in Niederösterreich ab. Dort tritt Erwin Pröll zum vierten Mal an. Und er will sich das Ergebnis der Nationalratswahl im Herbst 2013 und die damit verbundene Regierungsbildung  ansehen.
Pühringer beobachtet derzeit sehr genau die Reaktionen auf eine eventuelle neuerliche Kandidatur. Schlägt ihm Widerstand und Kritik entgegen, wird er es sein lassen. Er ist in einer günstigen Position, denn er muss  nichts mehr beweisen.  Er hat 2009 mit 47 Prozent ein Ergebnis erzielt, das sich nur schwer wiederholen lassen wird. Aber die Partei muss  über eine Wiederkandidatur froh sein. Denn noch immer  bringt Pühringer die meisten Stimmen.   Er ist die unbestrittene Nummer eins.

Die Autos schieben

14. August 2012

D ie  Grüne Verkehrssprecherin Ulrike Schwarz hat ihren Vorschlag , im Ortsgebiet die  generelle Höchstgeschwindigkeit von 50 auf 30 km/h zu reduzieren, nicht  vollständig durchargumentiert.  Denn man könnte damit nicht nur  die Unfallzahlen reduzieren,  sondern die 30 km/h  auch als Maßnahme  zur  Bekämpfung der  zunehmenden Fettleibigkeit und des Blutzuckers nutzen.  Indem die Autofahrer unter  Mithilfe der Passanten  ihre Blechkisten  einfach schieben.  Es würde sich alles  in Wohlgefallen lösen. Es gäbe   kaum mehr Unfälle, keinen Lärm, keine Abgase und  es wäre ein Beitrag zur Volksgesundheit. Warum sind wir nicht schon früher auf diese geniale Idee gekommen?
Die 30 km/h müssten konsequenterweise auch für die Radfahrer  und die öffentlichen Verkehrsmittel gelten.  Das wäre  echte Entschleunigung. Die Mühlviertler Pendler werden  den Vorstoß ihrer  Rohrbacher Abgeordneten schätzen.  Sie brauchen sich in Zukunft nicht mehr so   hetzen. Schwarz sei  Dank!

Mit Konflikten in die Sommerpause

28. Juli 2012

Oberösterreichs Großparteien ÖVP und SPÖ sind von  einem Konflikt durchzogen. Der neue Landesrat Reinhold Entholzer  hat mit seiner Offenheit gegenüber den Freiheitlichen  ein Thema aktualisiert, das die Sozialdemokraten mit regelmäßiger Wiederkehr  beschäftigt: Wie halten wir es mit der FPÖ?  Die Linken  lehnen eine  Koalition  kategorisch ab. Entholzer, der die Führung in der Landes-SP übernehmen will und wahrscheinlich auch übernehmen wird,  sagt, er habe als Gewerkschafter  keine schlechten Erfahrung mit den freiheitlichen     Arbeitnehmervertretern gemacht. Deshalb  könne er eine Koalition auch nicht ausschließen. Wie immer die  Landtagswahl 2015 ausgehen wird, er hat die Tür  gegenüber der FPÖ geöffnet und damit den politischen Spielraum seiner Partei erweitert.

Die Landes-ÖVP  beschäftigt ein personeller Konflikt. Wirtschaftsbundobmann Christoph Leitl und   Wirtschaftslandesrat Viktor Sigl  wehren sich energisch gegen einen Wechsel Sigls  in die Position des  Landtagspräsidenten. Sie dementieren, dass es nach der Wahl 2009  eine Vereinbarung mit Landesparteiobmann Josef Pühringer  gegeben habe, wonach dieser Wechsel  zur Hälfte der Periode 2012  über die Bühne gehe.  Pühringer  möchte Landesparteisekretär Michael Strugl   zum neuen Landesrat  küren,  unter anderem in Anerkennung  der drei Wahlkämpfe, die Strugl  für ihn konzipiert  hat. Strugl hat  bereits öffentlich erklärt, dass er für den Wahlkampf 2015 nicht mehr zur Verfügung stehe.        Die Frage ist nun, wer stärker ist: Pühringer oder Leitl? Pühringer ist für die Landesregierung verantwortlich. Gleichzeitig ist es Tradition, dass der Wirtschaftslandesrat aus dem Wirtschaftsbund kommt. Und Sigl leistet gute Arbeit. Erschwerend kommt dazu, dass das Verhältnis zwischen Pühringer und Leitl  ein sensibles ist, das unter anderem aus den Jahren herrührt, als beide  Interesse für die Nachfolge von Josef Ratzenböck als Landeshauptmann zeigten.   
Pühringer haut selten mit der Faust auf den Tisch. Er vermeidet offene Konfrontationen. Aber die Frage bedarf einer Lösung, denn sie beschäftigt  Medien und Partei. Strugl muss warten und warten. In der Volkspartei hat  es Tradition, dass die Parteisekretäre in die Regierung aufsteigen. Siehe Erwin Wenzl, Josef Ratzenböck, Josef Pühringer und Franz Hiesl. Pühringer braucht  eine Lösung. Die Zeit heilt  die Frage nicht.

Der Turnador

28. Juli 2012

Fitnesscenter sind   Tempel für den Körper.  Aber auch der Geist und die Seele sollen sich erholen. Wellness,  also Wohlfühlen wird verkauft. Die gelebte Praxis ist etwas differenzierter. Flimmerkisten  hängen reihenweise in den Räumen mit den Laufbändern, Cross- und Radtrainern. Aus den Lautsprechern dringt musikalische  Dauerberieselung. Ist im Swimmingpool Aquafitness angesagt, drehen die Vorturnerinnen die Musik derart laut, dass sie die Bänke in  der Sauna erbeben lässt.  Dann  noch die Reinigungsdamen mit ihren fahrbaren Putzgeräten, die lärmmäßig  Höllenmaschinen gleichen. Sie heißen wohl nicht zufällig  „Turnador“. Es wird  im Fitnesscenter nicht nur der Körper gepeinigt, sondern auch Geist und Seele. Wohlfühlen ist etwas anderes.

Schluss mit den exzessiven Besäufnissen

21. Juli 2012

Ein Jugendlicher springt im Vollrausch vom Party-Schiff in die Donau und ertrinkt. Ein anderer fährt ein junges Paar nieder, der Bursch stirbt. Jedes Wochenende muss das Rote Kreuz zu Einsätze ausfahren, um jugendliche Alkoholleichen in die Spitäler einzuliefern. Für die Kosten dürfen die Einzahler in die Sozialversicherungskassen aufkommen. Also wir alle.
Gesoffen und gekotzt wurde früher auch, vornehmlich Bier und Wein, manchmal auch Schnaps. Doch heute „schneiden“ sich nicht wenige Jugendliche mit Hochprozentigem wie Wodka regelrecht um. Sie wissen dann nicht mehr, was sie tun. Angesichts der zunehmenden Exzesse  ist es nur konsequent, wenn Landeshauptmannstellvertreter Josef Ackerl als verantwortlicher politischer Referent eine  Alkoholobergrenze von  0,5 Promille  für Jugendliche von 16 bis 18 Jahren einführen will.   Dass dies ein richtiger Schritt ist, zeigen die Erfahrungen in Kärnten. Seit der Einführung der Maßnahme  ist die Zahl der sinnlosen  Besäufnisse zurückgegangen.
Der Aufschrei gegen Ackerls Vorstoß ist groß. Doch jene, die dagegen protestieren wie zum Beispiel die Jugendorganisationen, sind bisher den Beweis schuldig geblieben, dass ihre Appelle gefruchtet hätten. Nur dagegen zu sein, ist zu wenig. Dass Alkoholverbote  mit Androhung entsprechender Konsequenzen wirken, zeigt jenes für Fahranfänger.  Auch wenn die Mitfahrer oft sternhagelvoll sind, der Chauffeur, der eben den Führerschein gemacht hat, ist nüchtern.
 Es werden gesellschaftlich zunehmend Stimmen laut, die dem Staat zu viele Eingriffe  in das Leben des Einzelnen vorwerfen.  So  argumentiert  Christian Ortner von „ortneronline“. Das Zentralorgan des Neoliberalismus“,   der Bürger  habe das Recht, vom Staat in Ruhe gelassen zu werden.   Natürlich steht jedem das Recht zu, sich so zu betrinken, wie er will. Das gilt auch für Jugendliche. Aber wenn sie  ungewollt ihr eigenes wie auch das Leben anderer gefährden, ist Schluss mit lustig.

Sommerfreuden

21. Juli 2012

Der Sommer bietet so manche Freuden. Die Damen  tragen gern kurze Röcke und Kleider, sie zeigen Bein. Damit richten sich  die  Blicke der Männer noch intensiver auf sie. Dabei ist eines  zu beobachten.  Kommen sie  zum Beispiel auf einer  Kreuzung zu stehen, ziehen sie  sich gerne  den  Mini mit beiden Händen nach unten.  Warum?,   frägt  die Logik der Männer. Wenn  man schon bewusst kurz  trägt, warum wollen  die Damen  ihr   Röckchen nach unten verlängern? Sie wollen doch    ihre Schönheiten präsentieren. Ihre pragmatische Antwort: Weil es beim Gehen den Rock bzw. das Kleid nach oben zieht und das könnte dann doch zu viel des Guten sein.
Für Männer geziemt es sich nicht, mit Shorts und Ruderleiberl durch die Gegend zu laufen.  Außer am Strand. Bei ihnen  ist das Gegenteil zur Damenwelt der Fall. Sie versuchen  ihre Hose nach oben zu ziehen, wenn diese über den Bauch nach unten gerutscht ist.  Das Match Damenbeine gegen Bierbäuche  endet  wohl eindeutig zugunsten des weiblichen Geschlechts.

Der Papst und die Kurie versagen in ihren Führungsaufgaben

14. Juli 2012

Was funktioniert eigentlich im Vatikan? Der Leiter der Vatikanbank wurde abberufen, der Kammerdiener des Papstes verhaftet, monatelang gingen persönliche Briefe und Dokumente von Benedikt XVI. an die Medien.  Beim Konzert von  Daniel Barenboim  im Hof  der Sommerresidenz Castel Gandolfo  am Mittwoch verdeckte ein großes schwarzes Quadrat ganz oder teilweise das Gesicht des Papstes auf dem Großbildschirm. „Benedikt wandelte sich zur tagischen Figur ohne Gesicht, ohne dass ihm jemand zur Seite sprang.  Seine gesamte Rede nach dem Konzert musste der Papst in diesem misslichen, halbgeschwärzten Zustand halten.  Das ist eigentlch ein unglaublicher Vorgang, zumal er von den Verantwortlichen  mit Schweigen übergangen wurde“, schreibt  Christian Geyer in der  renommierten „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. „Es passt ins Bild einer liederlich agierenden Hofmaschinerie, dass hinter den geschlossenen Fensterläden zum Publikum hin während des Konzert laut geschwatzt wurde, als gingen den Rest des Papstes die Gäste des Hausherrn nichts an. “ Und: „Ein besonders exponiert stehender Sicherheitsmann gähnte für alle sichtbar immer wieder ins kulturelle Ereignis hinein.“ 

Bischof wünschte sich Rücktritt

Alles andere als zum Gähnen zumute ist Bert Brandstetter, dem Präsident der Katholischen Aktion der Diözese Linz. „Wenn Sie den Rücktritt einreichen, werde ich ihn annehmen“, fauchte der sonst so ruhige Bischof Ludwig Schwarz. Was brachte das Blut seiner Exzellenz so in Wallung? In einer Presseaussendung  solidarisierte sich die Katholische Aktion mit den Forderungen  der Kirchenreformbewegungen. Sie will priesterliche Kompetenzen für die Laien. Was für Schwarz „theologisch nicht vertretbar“ ist. Theologie hin oder her, es ist eine Tatsache, dass immer mehr Gemeinden  ohne Pfarrer dastehen und überlegt werden muss, wie das Pfarrleben auch ohne priesterliche Stehkrägen funktionieren kann.  Brandstetter: „Entweder öffnet die Kirche den Zugang zum Priesteramt, zum Beispiel durch die Aufhebung des Zölibats, oder sie gibt Laien mehr Kompetenzen. Zu beidem Nein zu sagen, gefährdet die Seelsorge.“ Morgen, Montag, erhät der Bischof einen Brief Brandstetters mit diesem Inhalt.

Bischöfe in der Zwickmühle

Die Bischöfe sind in der Zwickmühle: Zwischen dem Vatikan und der Basis, die  Reformen fordert. Doch der Papst und Rom kommen ihren Führungsaufgaben nicht nach. Sie verweigern sich den Entwicklungen  und den neuen Realitäten. Sie  bevorzugen es, in der  Vergangenheit zu leben, als alle katholisch waren und  brav in die Sonntagsmesse pilgerten.

Liebe, die anspringt

14. Juli 2012

Das, was ich schon oft  befürchtet habe, ist eingetreten. Ein  Hund hat kürzlich in der Linzer Altstadt einem Mann einen Teil seines besten Stückes abgebissen. Das mag für Schmunzeln sorgen, für den Betroffenen ist es  aber nur bedingt lustig. Er  ist seine Vorhaut los,  sein Paradestück   durchlöchert.
 Im Grunde genommen bin ich ein Tierliebhaber. Diese Zuneigung hat aber ihre Grenzen. Nämlich dann, wenn ich  von   Hunden angesprungen und   an gewissen Körperstellen  abgeschleckt werde.  Erfolglos  versuchen Frauchen/Herrchen einzugreifen, indem sie mit wenig Erfolg   „Sitz!“ oder „Platz!“ rufen.   Die Tiere  machen aber unbekümmert weiter.  Bis dann die  Besitzer erklären, dass das Anspringen eigentlich Ausdruck der  Zuneigung sei.    Eine Liebe, die sich Männer nur von Frauen wünschen.

Der positive Geist lässt auf eine Überwindung der EU-Krise hoffen

16. Juni 2012

Wiie kommt Europa aus der Krise? Eine simple Antwort gibt es nicht, weil die Probleme vielschichtig sind. Mehrere Krisen überlagern sich. Da ist die weltweite Finanzkrise. Dazu kommt die Bankenkrise. Und die Schuldenkrise der Staaten. Einzelne Länder wie Griechenland verschärfen mit ihren innerstaatlichen Strukturproblemen die Lage. In anderen Staaten wie  Spanien platzen Immobilienblasen. Die extrem hohe Arbeitslosigkeit   ist auch Ausdruck der  Hilflosigkeit.  
Die EU ist bisher die Antworten schuldig geblieben.  Es wurde lediglich ein Notzelt gezimmert, mehr nicht.  Wirklich gelöst wurde  nur wenig.  Staaten und nationale Regierungen haben versagt. Die EU ist zu schwach für die Lösungen. Sie hat nicht die notwendigen Kompetenzen. Hoffnung gibt die Tatsache, dass sich die EU  in Krisen stets  weiterentwickelt hat. 
 
Der Geist und das Klima, in dem die Diskussionen   über die Reformen stattfinden, sind positiv.  Nicht Rechthaberei und ideologische Versteifungen  stehen  im Vordergrund, sondern die Suche nach Lösungen. Von diesem Geist konnten sich die Besucher der Podiumsdiskussion über Europa an der Linzer Universität überzeugen (Bericht Seite 8). Josef Weidenholzer, seit einem halben Jahr Abgeordneter, ist angetan von diesem  Klima im Europaparlament, das  die Sachpolitik über Parteiinteressen stellt. Es wäre wünschenswert, wenn dieser Geist auch auf die österreichische Innenpolitik abfärben könnte.

Es bedarf einer Vertiefung der Europäischen Union. Und ihrer demokratischen Weiterentwicklung. Wir brauchen einen gewählten europäischen Präsidenten, eine gewählte Regierung, europäische Parteien und eine Aufwertung des Europaparlaments. Europa braucht Köpfe und Gesichter. Die Krise erfordert neue Antworten  und Durchbrüche. Es ist Zeit zu handeln.

Ein Boykott der Fußball-Europameisterschaft bringt nichts.

09. Juni 2012

Das runde Leder rollt, die Begeisterung ist entfacht. Ist Ihnen aufgefallen, dass die Europäische Kommission die Fußballeuropameisterschaft in der Ukraine boykottiert? Haben Sie Präsident José Manuel Barroso auf der Ehrentribüne vermisst?
Die politischen Diskussionen um den diktatorischen Präsidenten Wiktor Janukowitsch, die die Schlagzeilen der vergangenen Wochen beherrscht haben, schwächen sich ab. Die Fußball-Leidenschaft hat nun die Oberhand. Sowohl die ukrainische Bevölkerung als auch  die Opposition wollen, dass möglichst viele Fans und Prominente ihr Land besuchen. Sie wollen nicht nur Geld verdienen, sondern mit den Menschen reden, die aus jenen Ländern kommen, die für sie Vorbild sind. Auch sie streben nach Freiheit, Menschenrechte, Demokratie  und sozialer Gerechtigkeit. Sie wollen Europäer sein wie wir.

Ist Michel Platini naiv?

Boykotte bringen selten die Resultate, die gewünscht sind. Denn die Machthaber spielen auf dem Klavier des Nationalismus und  geben der Opposition die Schuld an der Ausgrenzung. Es kommt häufig zu einer Übereinstimmung zwischen dem Volk und den autoritären und gewalttätigen  Herrschern. Die  Oppositionellen werden als Vaterlandsverräter denunziert.
Eine ungewöhnlich naive Position hat UEFA-Präsident Michel Platini eingenommen, der die Spiele mit dem Argument verteidigt, es handle sich hier um Sport und nicht um Politik. Gelten die Gebote  der Fairneß, der Wahrhaftigkeit, der Unverletzlichkeit und der Würde   nur im Sport und nicht  in der gesamten Gesellschaft? Natürlich soll die  EM stattfinden, auch in der Ukraine.  Aber das bedeutet nicht, auf beiden Augen blind zu sein für die   Unterdrückung. Verantwortungsträger zu sein bedeutet Position zu beziehen. Nicht nur für das Geld, sondern auch für die menschlichen Werte.

Ukraine braucht eine europäische Perspektive

Ja, die Politiker sollen indie Ukraine fahren. Sie sollen nicht nur dem Lackl Janukowitsch  das Handerl reichen, sondern sich in Begleitung der TV-Kameras auch mit der Opposition treffen  und die inhaftierte Julia Timoschenko besuchen.   Vor allem sollen sie der Ukraine eine europäische Perspektive bieten. Das haben wir Europäer aus Rücksicht auf Russlands Wladimir Putin bisher verweigert. Es hat  mit dazu beigetragen,  Janukowitsch  andie Macht zu bringen.

Es gibt nur die eine

12. Mai 2012

Polylove ist der neue Trend in Amerikas Geschlechterverhältnis.  Darüber klärte uns Gabriele Kuhn  in ihrer Kolumne im gestrigen KURIER-Freizeit-Magazin auf. Ein Partner genügt nicht mehr, die  sexuelle   Zuneigung wird auf mehrere Menschen verteilt. Mit dem Einverständnis aller Beteiligten, alle wissen von den anderen. Vielmännerei und Vielweiberei zugleich. Das monogame Beziehungsmodell hat ausgedient,  Multitasking  ist angesagt.  Das klingt interessant, ist aber in jedem Fall ziemlich anstrengend. Ob man da noch den Überblick behält?
Weder Gabriele Kuhn noch Gerhard Hartmann sind von Polylove  überzeugt.   „Es gibt nur die eine“, widersprach  mir Hartmann sofort und vehement, als ich  dem 58-fachen  österreichischen  Staatsmeister, der 24 Jahre lang den österreichischen Rekord im Marathon hielt, während des gemeinsamen Laufens  davon erzählte. „Die eine ist es wert, dass wir nur für sie da sind. Alles andere kannst du vergessen.“

Die Kindergärten werden unterschätzt

12. Mai 2012

Globalisierung verbindet. Denn der technische Fortschritt und die damit verbundene Beschleunigung  verkürzen die Kommunikation und die Wege rund um die Welt.  Die Globalisierung kann aber auch trennen.  Das wird ersichtlich  am Beispiel  der Kinder von Migranten,   das der Linzer Vizebürgermeister Klaus Luger  anführt. Obwohl sie hier geboren sind, sprechen sie schlechter Deutsch als ihre Eltern, die zugewandert sind. Die Ursache: Zu Hause wird die Heimatsprache gesprochen und es werden die heimatlichen Fernsehkanäle gesehen. Die Kinder erfahren ein Sprachdefizit, das sich zu einem Bildungsdefizit  auswachsen kann, das sie ihr Leben lang begleitet.
Die Einführung des Gratiskindergartens ist wohl die beste Frucht, die der Wahlkampf  für die Landtagswahl 2009 mit sich gebracht hat.   Denn die Kindergärten ermöglichen zwei essenzielle Aufgaben. Sie erlauben es den Müttern,  arbeiten zu gehen. Und sie  bieten die Chance, Defizite  der Kinder in der Sprache, Bildung und im psychosozialen Verhalten aufzuarbeiten. Die Kinder sind in einem Alter, wo ein Gegensteuern noch möglich ist.  Passiert das erst zehn Jahre oder noch später, ist das viel schwieriger und wesentlich kostspieliger.
Die Aufgaben der Kindergärten haben sich  gewandelt. Hießen sie früher Kinderaufbewahrungsanstalten, so sind sie heute eine ganz entscheidende  Bildungseinrichtung. Ihre Bedeutung wird noch immer unterschätzt. Es ist nur konsequent, dass die KindergärtnerInnen   höher qualifiziert werden. Sie verdienen eine bessere Entlohnung.  Denn mit den Erfolgen, die sie mit ihrer nachhaltigen Arbeit erzielen, ersparen sie der Gesellschaft langfristig viel Geld.

Small is beautiful

05. Mai 2012

Wer auch immer die heutige Präsidentschaftswahl in Frankreich gewinnen wird, er steht vor einer großen Herausforderung. Er muss Frankreich sanieren, denn Nicolas Sarkozy ist in weiten Bereichen gescheitert. Während es den Menschen im Großraum Paris halbwegs gut geht, erzielte die extreme Rechte im Süden neue Rekordergebnisse.
 Frankreich ist ein Zentralstaat.  Deutschland,  Österreich und die Schweiz sind hingegen Bundesstaaten. Die Macht liegt nicht im Zentrum allein, sondern verteilt sich auch auf die Länder bzw. die  Kantone. Der Föderalismus macht die Staaten offensichtlich wirtschaftlich stärker, weil auf die Bedürfnisse, auf die Stärken  und Schwächen und Mentalitäten  genauer eingegangen werden kann.  Es ermöglicht den Menschen mehr Mitwirkung, auch wenn dadurch die Entscheidungswege manchmal länger dauern. Aber  das gehört zur Eigenart demokratischer Prozesse. In der österreichischen Reformdiskussion  werden die Stärken des Föderalismus    negiert.  Während  sich bei der Verwaltungsreform des Bundes nur wenig  bewegt,  werden die Länder an den Pranger gestellt. Reform bedeutet  nicht Zentralismus. Wie hat der  österreichische Alternativ-Nobelpreisträger Leopold Kohr schon gesagt?  Small is beautiful.

Wer evangelisiert wen?

05. Mai 2012

Die Mönche verstehen sich   in  ihrer Geschichte  stets als  Reformer,  versuchen sie doch, ihre Vorstellung  des    Reiches Gottes in der ganzen Radikalität zu leben. Österreichs Ordensgemeinschaften setzen nun mit der Bestellung von  Ferdinand Kaineder zu ihrem Pressesprecher ein klares Signal ihres Reformwillens.  Denn der als liberal geltende Kaineder war als  Sprecher der Diözese Linz abberufen worden.
 Während die Orden  Kaineder holen, hat das Medienreferat der Erzdiözese Wien Ende April gemeinsam mit der als konservativ geltenden Hochschule Heiligenkreuz eine Tagung zum Thema „Neuevangelisierung in den neuen Medien, Gott im Web“ veranstaltet. Als Referenten traten  unter anderem Vertreter der fundamentalistischen  Plattform  kath.net auf. Die innerkirchlichen   Fronten sind  klar. Auf der einen Seite  stehen die Reformer mit den Mönchen, den Pfarrern und  den  Laien,  auf der anderen Seite die  Bischöfe an der Seite des Papstes, die blockieren. Der Konflikt geht ganz tief.

Es wächst zusammen, was zusammen gehört

30. April 2012

Als die Zahnradfabrik ZF in Passau 1985 die    Betriebserweiterung feierte, lud der damalige bayerische Ministerpräsident   Franz Josef Strauss  Landeshauptmann Josef Ratzenböck zum Festakt  ein, weil einige Hundert Oberösterreicher dort arbeiteten. „Nach Meinung der Wissenschaft ist der erste bayerische Herzogsstuhl in Enns-Lauriacum gestanden und er gehört deshalb mir“, sagte Ratzenböck unter dem Gejohle der Belegschaft. „Wenn das so ist, bist du mein Filialleiter in München“, setzte  er in Richtung Strauss unter dem Lachen der Zuhörer fort. Der stiernackige Strauss ging zum Rednerpult, beugte sich darüber und sagte: „Jetzt spricht der Filialleiter!“
Diese Anekdote ist nur ein kleiner Beleg für  die wechselvolle Geschichte zwischen Österreich und Bayern. Ursprünglich gab es Österreich nicht, es war Ostbayern. Die Grenzen gingen in den Kriegen mit den Awaren im Osten hin und her. Die Verbindungen mit Bayern sind bis heute eng geblieben, die österreichischen Dialekte werden zum bairischen Sprachraum gezählt.
Oberösterreich fühlt sich mentalitätsmäßig den Bayern besonders verbunden, viel mehr als den Wienern. Nicht nur, weil das Innviertel erst 1779 zum Land ob der Enns kam. „An der Enns beginnt der Balkan“, pflegte der bekannte Journalist Kurt Vorhofer (1929-1995) zu sagen, wenn er mit dem Zug von Salzburg nach Wien fuhr.   Die eben eröffnete Landesausstellung im bayerischen Burghausen, in Ranshofen und Mattighofen beleuchten die Beziehungen, auch anhand der geschichtlichen Ereignisse. Sie findet in der wunderschönen Gegend entlang diesseits und jenseits des Inn statt. Zur landschaftlichen Erbauung  kommt, dass die Regionen Burghausen und Braunau wirtschaftlich  boomen.  In Abwandlung des Satzes von Willy Brandt kann man sagen, es wächst zusammen, was zusammengehört.

Bayern statt Wien

30. April 2012

Schafft die Landesregierungen und Landtage ab! Diese Forderung hat sich Josef Bucher, Chef der politischen Kleinstgruppe BZÖ, an die Brust geheftet.  Offensichtlich im Bestreben, sich zu mehr Größe aufzublasen.  Der Kärntner  versucht, sich damit über die Bedeutungslosigkeit der Orangen in den Ländern hinwegzuschwindeln.   Ihm dürfte auch entgangen sein, dass die Bundesländer die Republik gegründet haben und nicht die Republik die Länder. Und: Er  verwechselt wieder einmal Reform mit Zentralismus. Uns Oberösterreichern gefällt es nicht, nach der Wiener oder Kärntner Pfeife zu tanzen.
Unsere Vorstellungen sind viel radikaler.   Uns schwebt vor, uns im Europa der Regionen mit den westlichen Nachbarn zusammenzuschließen. Zum Beispiel: Oberösterreich mit Salzburg, Bayern und Baden-Württemberg. Schon Kaiser Josef II. hat um 1770 deren Attraktivität erkannt, als er versuchte,  Bayern für  Österreich zu gewinnen. Mit den westlichen Ländern  verstehen wir uns jedenfalls besser als mit der Region jenseits der Enns.

Kinder sind ein Glück und keine Belastung

21. April 2012

Schlecht schauen wir aus. Europas Länder sitzen  auf einem Berg von Schulden, die Zahl der Geburten sinkt   seit Jahrzehnten. Die Sozialsysteme geraten in Schieflage, weil es zu wenig Einzahler und zu viele Nutznießer geben wird. Als Mittel dagegen wird die Zuwanderung gehandelt.  Sie kann  das Problem des Geburtenmangels nur abschwächen, aber nicht lösen.  Kaum ein Politiker traut sich auszusprechen,  dass unsere Gesellschaften wieder mehr Kinder brauchen.  Das Gift des  Nationalsozialismus wirkt heute noch  nach,  das die   Produktion von möglichst vielen arischen Kriegern pries.  Als meine Großmutter das  zehnte  von insgesamt 14 Kindern   geboren hatte, verliehen     ihr örtliche Funktionäre das Mutterkreuz. Sie äußerten das Begehr, es sollte doch mit dem Vornamen Adolf heißen. Meine Großeltern lehnten diesen Wunsch ebenso ab wie den,  das Kreuz in der Stube abzuhängen.
Kindern das Leben zu schenken, ist die höchstpersönliche Entscheidung der Frau bzw. des Paares. Damit Frauen das tun können,  brauchen sie die Sicherheit, für den Nachwuchs  sorgen zu können. Frauen sind heute hoch qualifiziert, sie wollen ihr Potenzial  leben. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf  ist der Dreh- und Angelpunkt.  Wer für eine berufsfreundliche  und  umfassende Kinderbetreuung sorgt, kann sich über viele Geburten freuen. Das lässt sich an Frankreich und den nordischen Staaten studieren. Je katholischer ein Land ist, umso weniger Kinder werden geboren.
Kinder sind ein Glück und selten eine Last.  Das sieht man an den Mehrkinderfamilien, die mit wenig Geld auskommen müssen und trotzdem glücklich sind.

Nur ja nichts von den Regierungen erwarten!

14. April 2012

Was darf man sich von Regierungen erwarten? Wenig bis gar nichts.  Das Wort, das gestern gesprochen wurde, gilt heute nicht mehr. Jahrelang wurden  geförderte Bausparverträge und Pensionsvorsorgen angepriesen, deren Zuschüsse nun um die Hälfte reduziert wurden.  Wie reagieren Sie, wenn Ihr Partner den abgeschlossenen Vertrag bricht? Sie werden klagen.  Der Staat darf  dies  ungestraft tun.
Der britische Erfolgsautor Tom Hodgkinson hat in seinem Buch „Die Kunst, frei zu sein“ in einem eigenen Kapitel eine klare Empfehlung ausgesprochen: „Vergiss die Regierung!“ Er meint: „In unseren westlichen, mehr oder weniger liberalen Demokratien kommt uns selten in den Sinn, dass wir vielleicht auch ohne Regierung leben könnten… Wir schimpfen über die Trottel an der Macht und wählen dann eine neue Gruppe von Trotteln. Wir  glauben an Reform, jenen endlosen, unnützen Prozess der Einmischung. Hoffnung triumphiert über Erfahrung. Regierungen tun zu viel, und das meiste davon tun sie schlecht.“ Weiters spricht er uns aus dem Herzen, wenn er schreibt: „Es ist absurd, dass wir der Regierung zwischen einem Viertel und der Hälfte unseres  Einkommens für das Privileg zahlen, bevormundet und tyrannisiert zu werden. Sogar von den angeblich unterdrückten mittelalterlichen Bauern erwartete man nur, dass sie zehn Prozent ihres Gewinnes und ihrer Produktion abführten.“ 
Hodgkinson empfiehlt, selbst mehr Verantwortung zu übernehmen. „In Wahrheit sind wir alle frei. Die Frage ist nur, ob wir bereit sind, unser Recht auszuüben. Stattdessen versinken wir in Arbeitssklaverei und Einkaufssklaverei.  Die Fesseln sind vom Geist geschmiedet.“

Erschienen in der OÖ-Beilage des Kurier vom 15.4.2012

 

Polnische Aushilfen

14. April 2012

Mit den polnischen Pfarrern ist es  ein rechtes Kreuz. Sie werden geholt, um die immer größer werdenden Lücken in den Pfarren mit traditionalistisch gesinnten Priestern aus der Heimat des früheren Papstes zu füllen. Andreas Skoblicki, der laut eigener Aussage die Sünden riechen kann,  trieb sein fundamentalistisches Unwesen in Kopfing.   Aufregungen gibt es auch   in seiner neuen Pfarre Neuhofen an der Ybbs. Gerhard Swierzek legt ebenfalls Wert auf Zucht und Ordnung. Weil ihm die Wahl eines  homosexuellen Pfarrgemeinderates nicht schmeckt,  legte er die Pfarrerstelle  von Stützenhofen nieder. Dabei übersah er aber den Balken im eigenen Auge. Seine Ex-Geliebte meldete sich im KURIER zu Wort und bekannte ihr Verhältnis mit dem Geistlichen. Seither ist er im Krankenstand. Wie Skoblicki im Herbst.
 Was soll man mit den polnischen Brüdern tun? Der  Kopfinger Pfarrer Josef Kammerer meinte, sie sollten in ihrer Heimat bleiben, sie fänden dort schon Arbeit.   Fundamentalisten    sind keine Lösung, sie schaden nur.

Die Posaunen der Reformer werden zwar gehört, aber Benedikt XVI. bleibt die Antworten schuldig

07. April 2012

Jahrelang stießen die Vertreter österreichischer Reformbewegungen in der katholischen Kirche auf eine Mauer des Schweigens. Die Plattform „Wir sind Kirche“ wollte in den 90er-Jahren im Vatikan Unterschriften übergeben. Niemand empfing sie.  Am Gründonnerstag  gab  Benedikt XVI.   vor 3000 Priestern im Petersdom plötzlich eine Antwort.  Niemand erwartet, dass der Bayer  und Traditionalist plötzlich eine Kehrtwendung vollzieht, aber immerhin.  Er redete und argumentierte, der Ton war gemäßigt.
Josef Ratzinger  kennt die österreichische Kirche aus   Besuchen und Urlauben ganz genau. Sie ist der bayerischen  ziemlich ähnlich.   Er weiß,  dass die Reformer keine   Hetzer sind, sondern aus der katholischen Mitte kommen, die um die Zukunft  ihrer Pfarren fürchten.
Ratzinger bezieht die üblichen Positionen.  Er  sagt Nein zu den Reformanliegen  und fordert Gehorsam ein. Vor allem Gehorsam gegenüber seinen  Positionen.  Die inhaltlichen Fragen hat er nicht beantwortet.   Er  hat keine Antwort gegeben, wie die  Pfarren in Zukunft ohne Priester auskommen können.   Er  hat keine Antwort gegeben auf die Gleichberechtigung der Frauen. Er ist die Antwort schuldig geblieben auf die Forderung der Gläubigen und Mitarbeiter nach Mitbestimmung.
  Den kirchlichen Reformern ergeht es wie den Israeliten beim Einzug in ihr Gelobtes Land. Sie haben   bereits mehrfach die Mauern von Jericho  umkreist. Trotz ihrer Posaunenklänge   rührt sich nichts.  Die Mauern stürzten erst am siebenten Tag nach der siebenten Umrundung ein. Unter dem Pontifikat von Benedikt werden die vatikanischen Mauern noch halten. Doch die Posaunen werden lauter und lauter.

Sauf’ was G’scheit’s!

06. April 2012

Eine richtungsweisende Aktion haben jugendliche Besucher bei der Mostkost  in Niederthalheim geliefert.  Sie haben sich nicht wie üblicherweise mit Wodka oder Whiskey niedergekübelt, sondern mit der Landessäure. Ihr Griff zum Mostkrug steigert das Bruttosozialprodukt.  Das Geld bleibt im Land, die Einkommen  der Bauern steigen, es werden wieder mehr  Mostobst-Bäume angepflanzt. Auch wenn das Entsetzen des Roten Kreuzes angesichts der Alkoholleichen, des öffentlichen Herumurinierens  und des Gekotzes groß war, so haben die Jugendlichen doch gemäß der  Leiberl-Aufschrift  einer Innviertler Landjugendgruppe gehandelt: „Sauf’was G’scheit’s!“ Warum soll es in Niederthalheim anders zugehen als beim Münchner Oktoberfest, wo die Alkoholleichen auch auf den Böschungen hinter den Festzelten herumliegen? Der Darwinismus feiert fröhliche Urständ’: Wer’s aushält, überlebt. Wer die natürliche Auslese nicht übersteht, kann sich auf  den Grabstein meißeln lassen:  Gefallen für das Vaterland bei der Mostkost!

David Steindl-Rast: “Fasten ist das, was uns die Werke der Liebe kosten”

03. April 2012

David Steindl-Rast (86) ist  österreichisch-amerikanischer Benediktinermönch, Eremit, Spiritualitätslehrer und weltweit Vortragsreisender. Johannes Pausch (62) hat das Europakloster Gut Aich bei St. Gilgen gegründet und ist Abt.

 Frage: Die Sonne scheint, die Natur blüht und gedeiht und die Menschen sollen sich in der Fastenzeit kasteien.
 Johannes Pausch: Wir kasteien uns nicht. Nur wenn man  eine Abmagerungs- oder Schönheitskur machen will, dann muss man sich kasteien.

Das Herz zu Gott aufheben

David Steindl-Rast: Unserer Meinung  nach ist Fasten  Ausdruck der Freude, der Vorfreude auf Ostern. Es ist verbunden mit dem Gebet, mit dem  Aufheben des Herzens zu Gott. Fasten ist immer das, was uns die guten Werke kosten. Das mehr oder weniger Essen beim Fasten ist gar nicht so wichtig.

Pausch: Ein gutes Werk selbst ist schon das Fasten.
Steindl-Rast: Fasten ist, was der Liebesdienst kostet.
Frage: Ein Beispiel?
Steindl-Rast: Früher aufstehen, um einen Kranken besuchen zu können.
Pausch: Etwas tun, was ich früher vernachlässigt habe. Die Frau, die Kinder. Zeit nehmen, achtsam werden.
Steindl-Rast: Wenn ich mit Unternehmern spreche, taucht immer wieder die Frage der Familie auf. Sie kommt zu kurz.  Da würde fasten weniger arbeiten bedeuten, vielleicht sogar einen Verlust dafür in Kauf zu nehmen, um für die Familie da zu sein.
Pausch: Gleichzeitig ist es auch  ein Liebesdienst, wenn ich mir selber Gutes tue. Wenn ich weniger grantig, weniger abgespannt,  weniger hektisch bin, dann  ist das für meine Umgebung eine ungeheure Erleichterung.

Steindl-Rast: Das Gegenteil wäre, wenn sich jemand Kasteiungen auferlegt und deshalb nur grantig ist.
Pausch: Da gibt es das Beispiel von dem Mönch, der abends gerne eine Zigarre geraucht hat. Er hat dem Abt gesagt, er raucht als Fastenopfer keine Zigarre mehr. Worauf der gemeint hat, tun  Sie  das sich und Ihren Schülern nicht an.
Steindl-Rast:  Es ist das Ausbessern von dem, wo  wir  zu anderen Zeiten nachlässig sind.   Viele von uns haben schlechte Essensgewohnheiten.

Wir fressen zu viele Gefühle in uns hinein

Pausch:  Man soll wieder mehr das Kauen lernt. Kauen ist das halbe Leben. Das ist nicht nur ein körperlicher Vorgang, sondern auch ein seelischer. Wir fressen zu viel in uns hinein, um gute und schlechte Gefühle damit zuzudecken. Um dann die Last in Form von Kilos mit uns herumzuschleppen. Es ist wichtig, das Essen bewusster zu gestalten. Für viele ist es ein größeres Fastenopfer, sehr bewusst und langsam zu essen als überhaupt nichts zu essen.
Steindl-Rast:     Beim Fasten im Sinn von etwas weniger Essen wäre es eine gute Regel, dass man etwa genauso lang oder länger zum Essen braucht als normal. Dass man langsamer und bedächtiger isst. Der Grund, warum wir uns beim Essen weniger freuen ist, dass wir uns gar nicht Zeit lassen beim Essen. Es muss alles schnell gehen.
Pausch: Wir hauen das Essen rein und schmecken und riechen es gar nicht mehr.
Steindl-Rast: Manche, die über Fast Food lachen,  essen  richtig gutes Essen, aber sie essen es schnell hinunter.  Das ist noch ärger als Fast Food langsamer zu essen.

Frage: Was ist das Ziel des Fastens?

Alles loslassen, was uns beschwert

Pausch: Das Ziel ist ein gutes Leben und  Freude  und Sehnsucht zu finden.
Steindl-Rast: Und alles loszulassen, was uns beschwert.     Der Satz, ich beschwere mich über jemanden anderen,  sagt ganz klar, dass man sich selbst belastet, wenn man sich beschwert.
Pausch: Manche sagen, ich beschwere mich ja nicht, aber dann nörgeln sie immer an jemandem anderen herum. Diese Haltungen machen den Leib kaputt, die Seele kaputt, die Beziehungen kaputt, sie töten die Freude von Anfang an.

Leer werden

Steindl-Rast: Wir sollen Fasten von dem, was uns beschwert und keine wirkliche Nahrung gibt. Vieles im Fernsehen oder Radio nährt weder den Geist  noch die  Seele. Viele Leute schauen sich Dinge an, die ihnen Sorgen und Angst machen. Von dem zu fasten, ist heutzutage wichtiger, als vom Essen zu fasten.

Ein Buch lesen

Frage: Ihr Ordensgründer, der heilige Benedikt, empfiehlt den Mönchen, in der Fastenzeit ein Buch zu lesen.
Pausch: Es ist eine Freude, ein Buch vom Anfang bis zum Ende gelesen zu haben. In der Zeit Benedikts (480–547 n. Chr.) waren Bücher eine  große Seltenheit. Er sagt zu den Möchen, ihr müsst in der Fastenzeit etwas lernen. Im Lesen etwas Lernen ist etwas Entscheidendes für unsere Weiterentwicklung. Im Fasten öffnen wir uns damit  für  etwas Neues. Es ist vor allem ein Akt der Demut.
Steindl-Rast: Und es ist ein Akt der Disziplin. Eine unserer  Schwierigkeiten ist unsere Zerstreutheit. Wenn man sich vornimmt, ein Buch vom Anfang bis zum Ende in den 40 Tagen der Fastenzeit zu lesen, auferlegt  man sich eine gewisse Disziplin. Man erweist auch dem Autor seine Ehrfurcht. Es ist auch gut, gemeinsam zu lesen.

Fasten in Zeiten der Veränderung

Frage: Wann sollte man fasten?
Pausch: Der heilige Benedikt sagt, man sollte immer fasten. Immer heißt,  mit der Haltung zu leben, die das Fasten bedeutet.
Steindl-Rast: Aber er sagt das deshalb,weil das die meisten nicht durchhalten können. So machen wir es wenigstens 40 Tage. Diese 40 Tage bedeuten Wanderung, Änderung und Umdenken.
Pausch: Das ist ja heute gefordert. In allen Unternehmen spricht man von „Change“. Das ist eine Wandlung. Umdenken, Neuwerden, sich verändern.
Steindl-Rast: Man soll immer dann fasten, wenn es um Änderung und Wandel im Leben geht.
Pausch: Früher hat man vor den großen Feiertagen den Fasttag gehabt.  Damit man sich richtig auf das Fest einstellen kann.

Leer werden macht empfänglich

Frage: Heißt Fasten, sich auf bestimmte Dinge zu konzentrieren?
Pausch: Ich würde eher sagen leer werden.
Steindl-Rast: Leer werden kommt zuerst, dann wird man empfänglich.

Frage: Wie wird man leer?
Pausch: Indem ich weniger esse, weniger Fernsehen schaue, weniger im Internet surfe  oder mich im Alltag weniger ärgere.

Was nichts kostet, bringt nichts

Wie sollte man fasten?
Steindl-Rast: Freudig, Wenn  man es nicht freudig tut, sollte man es lassen.
Pausch: Jesus sagt, macht es nicht wie die Heuchler, die ein finsteres Gesicht machen.   Er sagt, bereitet euch auf einen Festtag vor. Das ist die Grundhaltung. Das fällt einem nicht leicht, wenn man mitten in einem Änderungsprozess steckt. Wenn man sich nicht herausgefordert fühlt, ist die Situation, in die ich hineingehe, auch nichts wert. Es kostet mich nichts.
Steindl-Rast: Dann kommt die Konzentration herein. Man sollte dankbar fasten. Um dankbar zu sein, brauchen wir heute eine Einengung auf weniger. Wir haben so viel, dass wir gar nicht nachkommen mit der Dankbarkeit.  Wenn man sich auf etwas weniger konzentriert, bemerkt man erst, was das für ein Geschenk ist. Man könnte auch sagen: Fasten ist, sich reichlich Zeit zu lassen, um eins nach dem anderen anzuschauen und zu sehen, was das für ein Geschenk ist. Dann kommt die Freude. Denn was immer wir anschauen und nicht als gegeben hinnehmen, zum Beispiel dass wir Atmen können, dass wir Sehen können, dass wir Arbeit haben, darüber können wir uns freuen.

Pausch: Jetzt in der Fastenzeit esse ich zwei kleine Weckerl und trinke eine Tasse Tee. Ich werde ganz kreativ. Die Dinge, die mir früher nie eingefallen wären, die fallen mir jetzt plötzlich ein. Ich schreibe weiter an einem Buch, das lange liegen gebleiben ist, ich entwickle ein Konzept.

Steindl-Rast: Von außen gesehen bist Du auch viel lustiger. Leicht und unbeschwert.

Die Sehnsucht bleibt auch in der Erfüllung

Frage: Trotz der Erfüllung der Wünsche bleibt oft eine Sehnsucht.

Pausch: Wenn uns nach der Fastenzeit die absolute Freude gelingen würde, dann bliebe uns ja nichts mehr.

Steindl-Rast: Ich sitmme dem schon bei, aber man könnte das aber auch missverstehen, dass die Sehnsucht das Gegenteil ist von der Freude. Sie ist nur der Gegenpol. Die Sehnsucht und die Erfüllung gehören immer zusammen.  Erfüllung ohne Sehnsucht wäre das Ende. Das kann man den Menschenoft nicht erklären. Man muss es auch nicht erklären. Man muss nur an Augenblicke erinnern, wo sie große Freude erlebt haben. Dann weiss jeder, dass in dieser Freude Erfüllung und Sehnsucht zusammen waren.

Die Machtsysteme brechen zusammen

Frage: Wir leben in einer Zeit des Umbruchs.Sie, Bruder David, sprechen davon, dass wir eine derartige Umbruchszeit seit 6000 bis 7000 Jahren nicht mehr erlebt haben. Das ist ein sehr, sehr großer Zeitraum.

Steindl-Rast: Das ist der Zeitraum unserer Zivilisation, die Zeit, in der unsere Kultur entstanden ist.  Das reicht zurück bis zu den frühesten Ägyptern und den Babyloniern. Wir gehen in eine neue Axialperiode ein. Diese ist von Anfang an ein Machtsystem, in dem wenige die Macht haben, und die Mehrzahl arbeitet und ausgebeutet wird. Dieses System wurde niemals oder nur für kurze Zeit hinterfragt. Heute wird es mehr und mehr hinterfragt. Ich kann es gar nicht glauben. Überall auf der Welt stehen die Menschen auf und sagen, wir lassen uns nicht länger ausbeuten. Das hat man in der Dimension vor zehn Jahren noch gar nicht gehört. Das steigert sich jetzt. Das bedeutet, dass unser Machtsystem, auf dem unsere Zivilisation beruht,  unter unseren Augen zusammenbricht. Darum wird die Frohbotschaft so wichtig. 

Die Menschen wollen in Würde leben

Pausch: Die große Gefahr besteht, dass das von den Medien darauf reduziert wird, das sind arme Leute, die mehr Geld haben wollen. Es wird auf die Materie reduziert. Das stimmt nicht. Diese Menschen wollen in Würde leben, sie wollen geachtet werden. Sie wollen, dass ihre Meinung gilt. Sie wollen angenommen werden. Sie wollen in Freiheit und nicht in Unfreiheit leben. Sie wollen alle Grundwerte, die die Menschenwürde ausmachen, auch wirklich leben dürfen. 

Gewaltfreiheit

Steindl-Rast: Es geht auch um Gewaltfreiheit. Es finden in so vielen Ländern gewaltfreie Revolutionen statt. Gewalfreiheit, Menschenwürde und Teilen machen das Reich Gottes aus. Sie sind genau entgegengesetzt zu den Machtsystemen, die wir seit mehr als 6000 Jahren gelebt haben. Wir sehnen uns jetzt ausdrücklicher nach dem Reich Gottes.

Pausch: Dass wir das Reich Gottes wirklich erreichen, das wage ich zu bezweifeln. Bei den Systemveränderungen gibt  es Widerstände, Widerparts, Entwicklungen. Es ist aber offenkundig, dass sich jetzt eine grundlegende Entwicklung ereignet.

Auch die Kirche ist ein Machtsystem

Steindl-Rast: Wir sagen nicht, dass das Reich Gottes jetzt hier einfach anbricht. Es besteht aber die ganz große Gelegenheit, zu fragen, was hat Jesus uns wirklich gebracht? Das ist keineswegs das, was uns die offizielle Kirche gibt. Denn sie ist seit dem römischen Kaiser Konstantin in das Machtsystem eingetreten. Es brechen jetzt von unten und von innen her diese Möglichkeiten auf.

Frage: Die Aufbruchsbewegungen in der Kirche sind frustriert, dass so wenig weitergeht.

Steindl-Rast: Diese Initiativen habenvon viel von dem, wonach sich die Menschen sehnen. Nicht nur die Christen, sondern alle Menschen sehnen sich nach dieser Menschenwürde. Darum sprechen sie die Leute an.

Pausch: Es stimmt ja nicht, dass nichts weitergeht. Ich will die Kirche nicht verteidigen, aber natürlich geht es weiter. Nur geht es nicht von heute auf morgen, es geht nicht auf Knopfdruck. Man muss die Entwicklungen berücksichtigen. Wir können es nicht machen wie ein faschistoides System.Wir können die, die das nicht mitvollziehen können, einfach wegräumen und erschießen. Darum geht es ja nicht. Es geht darum, in einen Wandlungsprozess hineinzugehen. Alles was ich heute denke, sollte gestern schon passiert sein, das geht nicht.  

Die neue Welt in kleinen Zellen realisieren

Steindl-Rast: Wenn das ginge, wären das die Methoden des Machtsystems. Man kann das Reich Gottes nicht mit den Mitteln das Machtsystems aufrichten. Wie kann man es aufrichten? Durch kleine Zellen, durch kleine Gemeinschaften. Das kann in der Familie oder in einem Kloster wie hier beginnen. Durch eine Gemeinschaft, die gewaltfrei teilt und die die Menschenwürde anerkennt. Man sieht, wie anziehend das ist. Da rennen die Leute nur so hin, wenn das angeboten wird. Da ist kein Druck, da ist keine Gewalt. Sie sehen, da wird man respektiert. Da wird geteilt. Das kann unsere Umwelt retten.

Pausch: Ich spreche immer von den Frustlüsterern. Sie sind so frustriert und lüstern nach dem Erfolg. Die machen ganz viel kaputt. Statt zu sagen, so, jetzt machen wir einen Schritt nach dem anderen, und wir bauen an dem Prozess der Veränderung.

Frage: Wenn ich aber zum sechsten Mal die Stadt Jericho umkreise, um dieses Bild aus dem Alten Testament zu verwenden, und es tut sich nichts,  kann schon Frust aufkommen.  

Pausch: Wie oft muss ich meinem Bruder verziehen? Sieben Mal? Jesus sagt 77 mal. Es sind ja die Macher, die die Macht haben, die sagen, jetzt halten alle den Mund. Damit erreichen wir ja nichts. Weder in einer Schule noch in einer Gemeinde noch sonst irgendwo.

Steindl-Rast: Durch das Reden ist ja schon der Beginn gemacht. Durch das Reden ist die Beziehung hergestellt. Durch das Reden hat sich schon etwas geändert. Auch wenn es scheint, dass der andere überhaupt nicht zuhört. Das Reden bringt schon ein bisschen etwas in Gang.   

Pausch: Oder indem man einfach da ist. Wir Mönche sind einfach da. Wir versuchen das zu vermitteln. Und wenn es ein paar hundert andere Zellen gäbe, würde die Welt wahrscheinlich anders ausschauen. 

 

 

 

Ludwig Scharinger war stets ein Grenzgänger: Er hat immer ausgelotet wie weit er gehen kann

31. März 2012

Wie wird man einem Mann wie Ludwig Scharinger gerecht, der so viele Gesichter hat? Der 69-Jährige, der nun in Pension gehen muss, hat sich selbst, seiner Familie, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und seinen  Wegbegleitern  viel, so manchesmal zu viel   zugemutet. Er hat weder die anderen noch sich selbst geschont. Der Erfolg der Bank und damit sein Erfolg waren seine oberste Maxime. 
Scharinger war ein Macher, ein Umsetzer. Die Bilanz ist beeindruckend.  Die Raiffeisen Landesbank ist die  stärkste Regionalbank Österreichs. Er hat mit dazu beigetragen, dass Oberösterreich wirtschaftlich gut dasteht.     
Seine Erfolge wurden  respektiert, seine  Beliebtheit hielt sich aber in Grenzen.  Das war der Preis, den er bezahlte. Selbst seine Freunde waren  vorsichtig. „Wenn Du ihm den kleinen Finger reichst, reisst er Dir den ganzen Arm aus“, schildert ein mit ihm gut bekannter  Industriemanager  seine Erfahrungen. Scharinger ordnete selbst  seine Freundschaften dem Erfolg unter. Wieviele Freunde ihm nach dem Verlust  der Macht bleiben, wird sich weisen.
Der Entzug der Macht  wird für ihn eine neue,  nicht leichte Erfahrung. Aber er hat einige Funktionen, wo er weiterwerkeln kann. Ruhestand und Urlaub sind ihm ein Gräuel, Arbeit  ist sein Leben. Deshalb kehrt er bereits Montagfrüh wieder  ins Büro zurück.
 Die schwierige Phase des Umstiegs hat er bisher gemeistert.  Sein Nachfolger Heinz Schaller  hat ihm dafür     beim Abschied am Freitagabend Lob gezollt.  Eines ist jedenfalls sicher. Still wird es um Ludwig Scharinger nicht werden.

P. Anselm Grün: Bei Entscheidungen auf den Bauch hören!

28. März 2012

Der Bauch habe seine eigene Intelligenz, vor allem eine emotionale. Pater Anselm Grün, Seelsorger und spiritueller Berater, plädiert in seinem neuen Buch „Was will ich?“ für Bauchentscheidungen.

Anselm Grün füllt   die Säle. So zuletzt im Bildungshaus Schloss Puchberg in Wels. Der 67-jährige Benediktiner aus dem bayrischen Kloster Münsterschwarzach hat bis 2009 mehr als 15 Millionen Bücher verkauft. Er versteht sich als Lebensberater und hält Seminare, zu denen auch Vorstände  großer deutscher Unternehmen kommen.

KURIER: Der Frühling ist da. Die Natur blüht. Welche Gedanken verbinden Sie mit dieser Jahreszeit?
Pater Anselm Grün: Für mich sind das Bilder der Auferstehung. Nicht umsonst wird Ostern zu Beginn des Frühlings gefeiert. Und wenn die Natur aufblüht, spüre ich selber, dass neues Leben in mir  aufblüht. Es ist ein Zeichen, dass das Leben stärker ist als der Tod. Das, was wir in der Auferstehung feiern, sehen wir ganz konkret in der Natur. Im Frühling werden neue innere Geister und die Lust am Leben geweckt.

Was bedeutet Auferstehung?
Es hat zwei verschiedene Bedeutungen.  Nicht in das Dunkel hineinfallen, sondern in Gottes Liebe auferstehen.  Wir feiern die Hoffnung, dass nicht alles aus ist, sondern dass wir wieder aufstehen.  Wir feiern aber auch, dass wir jetzt aufstehen, aus dem Grab unserer Angst, unserer Resignation,  dass wir aufstehen aus der Zuschauerrolle.
Es gibt immer mehr Menschen, die in der Zuschauerrolle sind. Die wissen zwar alles besser, spielen aber nie mit und übernehmen keine Verantwortung. Da heißt  es aufstehen, selber Verantwortung übernehmen und selber leben.

Gibt es zu viele, die in der Zuschauerrolle sind?
Ja, eindeutig. Das kann man daran ablesen, wie die Menschen über die Politik, die Wirtschaft und den Sport reden. Die Zuschauer wissen immer alles besser, aber keiner übernimmt die Verantwortung.

Auferstehung bedeutet auch weiter zu hoffen, auch wenn Hoffnung zerschellt.
Auferstehung ist, dass  es kein Scheitern gibt, das nicht zum Neuanfang  werden kann. Aus Leid und  Scheitern kann neues Leben entstehen.

Pater David Steindl-Rast meint, dass man in den schwierigsten Phasen des Lebens  am meisten lernt. Das könne jeder feststellen, der auf sein Leben zurückblicke. Das Problem an der Sache ist, dass man im Dunkel der Nacht das Licht des Tages noch nicht sieht.
Deswegen ist Ostern ein Fest der Hoffnung. Im Grab hat man auch kein Licht gesehen. Wir feiern Ostern,  dass solche Grabessituationen doch nicht hoffnungslos sind. Dass dieses Licht von Ostern  in diese dunklen Situationen hineinleuchtet. Auch wenn wir es momentan nicht sehen, so ist Ostern doch ein Vorgriff. Es wird wieder sein.

Wie kann man so schwierige Situation praktisch bewältigen?
Ich erlebe immer wieder verfahrene Familiensituationen, wenn sich Kinder zum Beispiel nach dem Tod der Eltern wegen der Erbschaft zerstritten haben. Da ist viel Leid und Resignation da. Auferstehung heißt,  die Hoffnung nicht aufgeben, dass es einen neuen Anfang, ein neues Miteinander gibt.

Viele Beobachter sehen unsere Zeit als Umbruchszeit.
Natürlich ist jede Zeit auch eine Umbruchszeit. Aber ich meine schon, dass sich derzeit viel tut. Manches zum Guten. Zum Beispiel ist die Sensibilität für ethische Werte in der Wirtschaft gewachsen. Man kauft keinen Fußball mehr, der aus Kinderarbeit entstanden ist. Es gibt auch Abbrüche. So ist zum Beispiel die religiöse Erziehung in den Familien nicht mehr gewährleistet. Was hat das für Auswirkungen? Das  macht jenen teilweise Angst,  die zu wenig   Geborgenheit erfahren haben. Die politischen  Verhältnisse wandeln sich sehr schnell, die Bindungen an Parteien und Kirchen   sind nicht mehr so stark. Da ist viel in Bewegung, ohne das zu werten. Aber auch die Beziehung zur Natur ist neu gewachsen, die Verantwortung für die ganze Welt ist gewachsen. Es ist sicher einiges im Umbruch. Auferstehung ist die Hoffnung, dass der Umbruch  ins Leben hineingeht und nicht ins Negative.

Sie haben ein neues Buch über Entscheidungen verfasst. Warum tun sich viele Menschen mit Entscheidungen schwer?
Sie wollen  die absolut richtigen Entscheidungen treffen. Die  gibt es aber nicht. Es gibt nur kluge Entscheidungen. Es gibt die Lebensentscheidungen, ob ich heiraten oder ins Kloster gehen soll.  Und es gibt die alltäglichen Entscheidungen. Es gibt Menschen, die haben Angst vor Entscheidungen, weil sie Angst haben vor den Folgen, Angst, sie würden Türen schließen.
Wie entscheide ich richtig? Indem ich überlege und auf das Bauchgefühl höre.    Bei Entscheidungen steht man meist vor Alternativen. Es hilft, die Alternativen zu Ende zu denken.  Man muss  dabei die Gefühle beachten. Welche Gefühle  habe ich da, welche dort?  Dort, wo das Gefühl von Lebendigkeit, Freiheit und Liebe ist, dort ist die Entscheidung richtig.   Gefühle der Enge, der Angst und der Überforderung sprechen  gegen die  Entscheidung. Die Alten sprechen hier von Dämonen, man könnte auch von der Stimme des eigenen Über-Ichs reden, des eigenen Ehrgeizes, mit dem man sich letztlich selbst überfordert.

Die Römer raten, das Ende zu bedenken.
Thomas von Aquin sagt, prudentia (Klugheit) kommt von providentia  (Voraussehen).  

Warum haben die Menschen Angst vor Entscheidungen?
Sie haben Angst, die falsche Entscheidung zu treffen, die Angst unglücklich zu werden, die Angst, jemand könnte sie kritisieren. Solange man nicht entscheidet, kann man sich immer noch rausreden. In der Wirtschaft weiß man, dass es  das Schlimmste ist, keine Entscheidungen zu treffen. Dann geht gar nichts voran. Eine Entscheidung zu treffen ist besser als gar keine.

Entscheiden heißt auch, etwas auszuscheiden, etwas wegzulassen. Es bedeutet auch Verlust.
Das, was man verliert, muss man betrauern.   Betrauern bedeutet, das ist nicht möglich für mich, das fehlt mir.  Eine Studentin mit sehr guten Noten hätte Musik, Medizin und Sport studieren können. Man kann aber nur eines studieren, vielleicht zwei.  Das andere muss ich betrauern. Wenn ich das betrauere, kann ich auch Ja sagen zu dem, was ich tue.    Viele aber entscheiden sich und trauern nach, vielleicht wäre doch das andere besser gewesen.  Damit lähmt man sich selbst.

Man kann ja Entscheidungen auch revidieren, wenn  man  die falsche getroffen hat.
Man kann sie revidieren. Jede Entscheidung führt auch irgendwo in einen Engpass hinein. Das kann auch eine Herausforderung sein. Nicht jede Entscheidung ist Sonnenschein. Auch wenn die Entscheidung durch Höhen und Täler führt, führt sie trotzdem zum Ziel.

Sie verkaufen Millionen Bücher,  zu Ihren Vorträgen kommen   Tausende Besucher.  Was  ist der Grund für Ihren  Zuspruch?
Es ist schwierig, den eigenen Erfolg zu beschreiben. Ich bin dankbar dafür.  Ich glaube, ich spreche eine einfache Sprache, die die Menschen verstehen. Ich moralisiere nicht, ich werte die Menschen nicht ab, sondern nehme sie an.  Ich stelle mich nicht über sie, sondern suche mit ihnen einen Weg. Ich sehe die Menschen nicht allzu optimistisch, sondern vertrete eine positive Grundhaltung. Ich sehe in jedem Menschen auch den guten Kern.

Sie sind   auch zuständig für die wirtschaftlichen Belange Ihres Klosters. Auf der anderen Seite beschäftigen sie sich mit  Psychologie. Das sind zwei völlig verschiedene Dinge.
Das gehört schon zusammen. Ich versuche in der wirtschaftlichen Leitung auch ein Klima zu erzeugen,  wo Menschen  gerne arbeiten, wo sie geachtet sind. Das ist auch eine Form der nüchternen Therapie, dass ich Bedingungen schaffe, die heilsam sind. Ein Klima, wo ich anerkannt werde und neue Ideen entwickeln kann, tut der Seele auch gut. Das ist besser als  immer nur die Verletzungen anzuschauen. Natürlich muss ich auch nüchtern sehen, was  Zukunft hat, was  realistisch ist. Wie können wir die Wirtschaft so organisieren, dass die Menschen nicht überfordert werden, dass sie gerne arbeiten? Aber  natürlich auch, dass die Arbeit  Gewinn bringt. Man kann nicht auf Dauer wirtschaften, ohne Geld zu verdienen.

Für wie viele Mitarbeiter sind Sie zuständig?
Für 300.

Sie führen einen geregelten Tagesablauf. Wie viele Stunden arbeiten sie?
Ich bin nur vormittags im Büro.  Rund vier Stunden.

Wann schreiben Sie?
Dienstags und Donnerstags von sechs bis acht Uhr früh.

Anmerkung: Das Interview erschien in der OÖ-Beilage des Sonntags-Kurier am 25. März 2012

 

Khorchide: Der Islam ist eine Religion der Barmherzigkeit

24. März 2012

Wie ist Gott? Er ist der absolut Barmherzige.“ Der islamische Theologe Mouhannad Khorchide  ist der Überzeugung, dass „alles, was mit der Barmherzigkeit Gottes nicht im Einklang steht, ausscheidet“. In seinem Islam-Verständnis geht es um den Menschen. Das traditionelle Verständnis hingegen sieht den Islam  als Gesetzesreligion. „Von den 6800 Versen im Koran beschäftigen sich gerade einmal 80 mit Aussagen zur Gesellschaftsordnung.“
 Überall anders Der Begriff Scharia suggeriere ein abgeschlossenes Gesetzessystem. Das sei sie aber nicht, die Scharia sehe in jedem Land  anders aus. In Saudi Arabien dürfen beispielsweise die Frauen nicht mit dem Auto fahren. „Das steht aber nicht im Koran.“ Dagegen beschäftige sich der Koran zu zwei Dritteln mit der Frage, wie Gott ist. Und immer wieder laute die Antwort,  er sei der absolut Barmherzige. Der Koran enthalte fünf allgemeine ethische Prinzipien: Gerechtigkeit, Freiheit, Gleichheit, die Unantastbarkeit der menschlichen Würde und die soziale Dimension.
Der 41-jährige Khorchide, der in Saudi-Arabien geboren ist, hat im Libanon Islamwissenschaft und in Österreich Soziologie studiert. Nun ist er Professor für islamische Religionspädagogik in Münster. Diese Woche war er an der Linzer katholisch-theologischen Privatuniversität zu einem Gastvortrag. Khorchide: „Wer die Barmherzigkeit in  seinem Leben ausübt, veranlasst die Barmherzigkeit Gottes. Indem er  zum Beispiel Kranke besucht, indem er Menschen auf der Straße ein Lächeln schenkt. Die Offenbarung Gottes ist kein abgeschlossener Prozess.  Das Ziel ist die Vollkommenheit des Menschen, das ist die Bedingung, mit Gott eins zu sein.“ Durch die Scharia gehe das Eigentliche verloren, sagt Khorchide. Denn es gehe nicht um Gesetzesaussagen, sondern um den Menschen, der dahinter stehe.  Die islamische Mystik relativiere das Juristische. Das Eigentliche sei die Gemeinschaft Gottes, die Vollkommenheit des Menschen. „Wenn ich den Koran lese, gibt es keinen Gott, der nur verherrlicht werden möchte. Warum auch, er ist ja vollkommen. Es geht in meinem Islamverständnis um den Menschen.“
Refomer Mohammed sei ein Reformer gewesen, dem es um das Wohl der Menschen gegangen sei. So habe er beispielsweise das Erbrecht für Frauen eingeführt, die bis dahin nicht erbberechtigt gewesen seien.
 Khorchide definiert zwei Modelle islamischer Theologie. Das instruktionstheoretische, das eine Bedienungsanleitung sei, wie der Mensch zu funktionieren habe. Gott habe den Menschen erschaffen, deshalb wisse er am bestens, wie der Mensch zu funktionieren habe.  Das andere sei das dialogische Modell, das er vertrete. Gott  gebe keine Instruktionen vor, denn das wäre nicht der vollkommen barmherzige Gott, der bedingungslos schenke.

Anmerkung: Der Beitrag erschien in der OÖ-Beilage des Kuriers am Sonntag, 11.3.2012

P. David Steindl-Rast: Wir leben in einer Zeitenwende

24. März 2012

Der Einsiedler und Benektiner David Steindl-Rast ist wieder einmal zu Besuch im Europakloster Gut Aich bei St. Gilgen. Gemeinsam mit Abt Johannes Pausch hält der  86-Jährige, der 1952 in die USA ausgewandert ist, in der Fastenzeit eine Vortragsreihe. „Heilende Spiritualität“ war das Thema des ersten Abends. „Spiritualität ist Lebendigkeit“,  erklärte er, „eine Lebendigkeit, die alles umfasst, das Leibliche, das Psychische, das Geistige.“
 Spiritualität stehe in einer besonderen Beziehung zur Transzendenz, es gehe um Achtsamkeit in der Gottesbeziehung. Heilen bedeutet für den hageren Mönch mit der starken Ausstrahlung zu sich selbst zu finden,  „weil  in uns selbst das göttliche Selbst ist.“
Achtsamkeit Was den Menschen heile, sei Achtsamkeit.  Die Frage, was  bin ich wirklich, führe zu einem sinnerfüllten Leben.  Was auch heile, seien Beziehung und Berührung. Letztlich sei es  das Vertrauen, das heile.
Um das Thema Gott drehte sich der zweite Vortrags- und Diskussionsabend am Freitag. Kritisch äußerte sich der Benediktiner über den Zustand der römisch-katholischen Kirche. „Viele Menschen lieben Jesus, hassen aber die Kirche. Es muss sich etwas ändern. Die Kirche steht für viele Menschen nicht mehr für das, was Gottes Wille ist.“ Es sei das große Malheur gewesen, dass die Kirche unter dem römischen Kaiser Konstantin 313 n.Chr. zur Staatskirche gemacht worden sei.  Aus Protest seien die Mönche in die Wüste gegangen.   Die Klöster seien zu Orten geworden, wo die Menschen versucht hätten, das Reich Gottes zu verwirklichen: gewaltfrei, egalitär (alle sind gleich, ohne Hierarchie und Rangordnung) und in Solidarität (die Gemeinschaft teilt alles).
Steindl-Rast ist überzeugt, dass wir in einer Zeitenwende leben, „dass sich derzeit etwas ereigne, was sich seit 6000, 7000 Jahren nicht mehr ereignet hat. Diese Machtordnung bricht zusammen. Dadurch hat das Reich Gottes neue Chancen durchzubrechen.“ Auf die Frage, wann das Reich Gottes anbreche, habe Jesus stets geantwortet: „Jetzt, hier im Moment.“

Anmerkung: Der Beitrag erschien in der OÖ-Beilage des Kuriers am Sonntag, 11.3.2012 

 

Landeshauptmann von OÖ: Strugl ist wieder im Rennen

24. März 2012

Sein Auftritt war souverän. Er sprach ruhig und gelassen und zeigte  klar auf, worum es in Zukunft geht. Michael Strugl überzeugte  vergangenen Samstag bei  der  Denkwerkstatt academia superior, deren Abendveranstaltung von  rund 500 Gästen besucht worden ist.
Seit sich der Landesparteisekretär der ÖVP selbst aus dem Rennen um die Nachfolge von Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer genommen hat und Klubobmann Thomas Stelzer  favorisiert,  hat er an  Format und Statur gewonnen.  Gemeinsam mit Pühringer ist er das Hirn und die Schaltstelle der Landes-ÖVP.
Mit academia superior führt er die Partei geistig an die Globalisierung heran. Wenn Oberösterreich auf Dauer in der europäischen Spitze und auf den Weltmärkten erfolgreich sein will, muss es das auch auf dem geistigen und kulturellen Niveau sein. Strugl hat das erkannt und setzt das um. Er hat hier eine neue Tür aufgestoßen und eine neue Dimension eröffnet.
Es gehen hier Impulse aus, die in ihrer langfristigen Wirkung nicht zu unterschätzen sind. Umgekehrt ist es so, dass internationale Kapazunder auf Oberösterreich, seine Schönheit  und seine Qualitäten aufmerksam werden.
Strugl hat academia superior gegründet, weil er von der Notwendigkeit einer Denkwerkstatt internationalen Formats überzeugt ist. Damit hat er sich – gewollt oder ungewollt – wieder in die Reihe der Pühringer-Nachfolger eingereiht.

Wir sägen am Ast, auf dem wir sitzen

10. März 2012

Ausstieg aus dem Kyoto-Protokoll! Diese Forderung lässt aufhorchen, da man damit im ersten Schreck das Ende der Umweltpolitik verbindet. Studiert man die Argumente, so zeigt sich, dass dieses Verlangen, das neben anderen auch der freiheitliche Landesrat Manfred Haimbuchner aufstellt, durchaus seine Berechtigung hat. Österreich drohen 600 Millionen Euro an Strafzahlungen, weil wir die erlaubte Grenze der -Emissionen überschreiten.
Würden sich alle Länder der Welt an diese Spielregeln halten, wäre es wunderbar. Doch Kyoto umfasst nur noch drei Dutzend Industriestaaten, die zusammen für lediglich 15 Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich sind. Die großen Verschmutzer der Erde wie die USA, China und Indien, die für 50 Prozent der Emissionen verantwortlich sind, tun nicht mit. Russland und Japan wollen nicht weiter mitmachen. Wie unwirksam Kyoto damit ist, lässt sich mit folgendem theoretischen  Vergleich belegen. Für das Autofahren sollen Höchstgeschwindigkeiten eingeführt werden. Aber nur ein Teil der Autofahrer verpflichtet sich freiwillig, sich daran zu halten und ist auch bereit, Strafe bei Überschreitung  zu zahlen. Der große, überwiegende Teil fährt ungebremst weiter und zahlt auch keine Bußgelder. Wie lange werden die aufopferungswilligen Selbstverpflichter bereit sein,  Strafe zu zahlen?
 Wolfgang Eder, Generaldirektor   des oberösterreichischen Schlüsselbetriebs voestalpine,  hat am Montag im KURIER-Interview Klartext geredet.  Unsere Industrie, die in der Regel am letzten Stand der Umwelttechnologie ist,  kann sich  diese überzogenen Belastungen nicht mehr leisten. Das Linzer Unternehmen  verlagert ihre Produktion zunehmend ins Ausland. 2020 wird die Hälfte des Umsatzes bereits außerhalb Europas erwirtschaftet. Tritt Kyoto in Kraft, sieht sich Eder   gezwungen, die umweltkritischen Bereiche wie die Flüssigphase von der Kokerei über den Hochofen bis zum Stahlwerk   von  Linz abzuziehen. Nur noch ein Drittel der bisherigen Belegschaft  würde in Linz Arbeit finden.
Wir brauchen mehr Industrie und nicht weniger. Die Finanzkrise und die De-Facto-Pleiten der Südstaaten Europas, die kaum über industrielle Produktion  verfügen, zeigen eindrücklich, wie entscheidend  dieses  Standbein ist.  Nur eine florierende Industrie   kann  unseren  Wohlstand absichern. Wir sollten nicht am eigenen Ast sägen.

Die Fußgänger sind viel zu billig

10. März 2012

Die 111 Jahre alte Linzer Eisenbahnbrücke wird in der Karwoche wieder einmal für den Verkehr gesperrt. Das Bemerkenswerte ist ja, dass der Gehweg für die Fußgeher schon seit vielen Monaten geschlossen ist.  Als Laie  würde man meinen, dass beispielsweise die Autos und  Busse  eine viel stärkere Belastung für die Eisenkonstruktion darstellen müssten. Aber nein,   die Fußgeher  müssen auf die andere Straßenseite, um den  Radweg mitzubenützen.    Das ist jedoch kein leichtes Unterfangen. Denn der Verkehr strömt unaufhörlich. Warten, warten, warten ist die Devise.
 Es gibt hunderte  Fußgeher, die die Brücke queren müssen, speziell auf der Urfahraner Seite. Dort geht es zum   Gasthaus Lindbauer, zu den Kinder-Spielplätzen, zum  Spazierweg  entlang der Donau  und zum Radweg.  Wie wäre es mit   Zebrastreifen  für die Fußgeher auf beiden Brückenseiten, liebe Behörden? Offensichtlich ist der Fußgeher zu billig, weil man sich nicht um ihn kümmert. Die Politik greift erst ein, wenn es um viel Geld geht.

Der neue Landesrat Reinhold Entholzer wird für die SPÖ neue Räume erobern

05. März 2012

Hermann Kepplinger hat  das Gesetz des Handelns an sich gerissen. Er, der stets Sachliche und Zurückhaltende, hat alle überrascht. Sogar seinen eigenen Parteichef Josef Ackerl. Niemand hatte mit seinem plötzlichen Rücktritt gerechnet. Die Partei werde über den Zeitpunkt entscheiden, hatte er noch im Herbst gegenüber dem KURIER  betont. Die SPÖ  habe ihn auf den Schild gehoben, deswegen werde sie auch über seinen Abgang entscheiden. Das sei eine Frage der Loyalität.
Wie so oft ist es auch diesmal anders gekommen. Statt wie  angekündigt die NS-Zeit in Linz aufzuarbeiten, wird  der 60-jährige Kepplinger in seine frühere Position  als Finanzdirektor nach Linz zurückkehren, um bis 65 zu arbeiten. Auch wenn die Kommunikation des Rücktritts alles andere als professionell war, sein Schritt ist richtig.  Der Posten des Finanzdirektors sollte ausgeschrieben werden, es war  Zeit, zu handeln. Die Linzer Finanzen sind durch die schiefgegangene Franken-Spekulation österreichweit in negative Schlagzeilen geraten.  Kepplinger ist ein Finanzexperte, er weiß, wie es geht. Er hat jene Erfahrung und genießt jenes Vertrauen, das die Stadt Linz  in Finanzdingen wie einen Bissen Brot benötigt.
Der Eisenbahner-Gewerkschafter Reinhold Entholzer wird ihm nachfolgen.  Er erntet rundherum Zustimmung. Er kann mit allen.  Das ist in der SPÖ keine Selbstverständlichkeit.  Bei den ÖBB kennt er sich aus, was für einen Verkehrs-Landesrat  eine gute Voraussetzung ist. Wenn der 52-Jährige aus Peuerbach klug ist, sammelt er die verschiedenen Gruppierungen hinter sich und lässt sich im November 2013 zum Nachfolger von Josef Ackerl als  Landesparteichef wählen. Vom persönlichen Zuschnitt ist er dazu in der Lage. Das belegt sein bisheriger Karriereverlauf.
Für die ÖVP und die FPÖ ist Entholzer nicht ungefährlich. Denn er spricht auch bürgerliche Wähler an. Sein Bruder Walter war ÖVP-Bezirksparteiobmann von Eferding und   Landtagsabgeordneter.   In seiner Jugend  war der Fußball sein Hobby.  Er spielte bevorzugt im Mittelfeld, wo er die Bälle  verteilte. Gelingt  ihm das auch in der Politik, kann er mit Pässen in die Weite und in die Tiefe neue Räume für die SPÖ aufreißen.

Jung und überfressen

05. März 2012

Ernährung und Haushalt  bleibt ein Pflichtfach der  Neuen Mittelschule. Das hat der  Bildungsausschuss des Parlaments diese Woche   beschlossen. Eine gute Entscheidung, findet Landesschulratspräsident Fritz Enzenhofer.  Die Befunde der Schulärzte sind katastrophal. 20 Prozent der 6- bis 14-jährigen Kinder und  Jugendlichen in Oberösterreich sind übergewichtig, jedes zehnte Kind leidet bereits an krankhaftem Übergewicht. 22 Prozent weisen Schwächen im Bewegungsapparat auf. Die  Ursachen sind falsche  Ernährung und Bewegungsmangel. Statt im Freien herumzutollen, sitzen die Kinder heute herum: 2,3 Stunden täglich vor dem Fernseh-Kastl, wenn schulfrei ist, sogar 3,3  Stunden.  Und 1,4 Stunden vor Computerspielen, an schulfreien Tagen sogar 2,3 Stunden.
Die Ärzte empfehlen täglich eine Stunde Bewegung. Wie wär’s mit einer täglichen Turnstunde? Oder mit der Zumutung, den letzten Kilometer bis zur Schule zu Fuß zu gehen? Unsere Ängste,  unser Sicherheits- und Wohlstandsdenken schädigt unsere Kinder.

Balduin Sulzer: “Jene, die das große Sagen haben, sollen zuerst einmal zuhören”

27. Februar 2012

Was denkt der Komponist und Zisterziensermönch  Balduin Sulzer, der am 15. März seinen 80. Geburtstag feiert, über die Kirche? Er sehe das sehr menschlich, sagt er im Gespräch mit dem KURIER. Bei den  Auseinandersetzungen gehe es  meistens nicht um die Kirche, „sondern es handelt sich um persönliche Machtspielchen. Wenn ich Papst bin, kann ich anders reden als wie wenn ich nicht Papst bin. Es sind doch sehr viele persönliche Machtversuche. Kriege ich einen Einfluss auf diese oder jene?“ Sulzer versteht zum Beispiel nicht, warum um Dinge wie die Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zur Kommunion „so ein  Tamtam“ gemacht werde.  „Ich halte diese Art von Zusatzmoral  für einen Unfug.   Sie kommt aus Lehrmeinungen, die eh nicht bewiesen sind.“
Es gebe nur einen wichtigen Satz:  „Deus caritas est. Gott ist die Liebe. Alles, was hier nicht dazupasst, ist falsch. Wenn ich Liebe gegen Gerechtigkeit ausspiele, wie das damals Bischof Krenn gemacht hat,   ist das falsch. Mit Liebe ist das Verständnis, das Mitdenken, das Mitfühlen gemeint. Um das soll sich jeder bemühen. Auch die Päpste, die Bischöfe und die Geistlichen.  Die, die das große Sagen haben, sollen einmal den anderen Leute zuhören. “ Vor allem Leute in Positionen seien leicht verführt,  diese auszunutzen. „Wenn einer oben ist, ist er angehalten, sich in den unteren hineinzuversetzen.“   Das sei nicht mit Unterwürfigkeit gleichzusetzen. „Man kann getrennte Einschätzungen haben. Man sollte aber den Respekt haben, den anderen  ausreden zu lassen.“ Das könne zu  Spannungen führen. „Aber aus  Spannungen wächst das Leben.“ Auch in der Musik gebe  es Konsonanzen und Dissonanzen.  „Pantha rhei, alles fließt,  wie die Griechen sagen.  Jeder Moment ist anders, auch wenn die  Situation gleich ist. Wir sitzen hier beim Gespräch jetzt unter anderen Voraussetzungen als zu Beginn vor 20 Minuten.“ Die Dinge würden sich ständig ändern.  „Ich persönlich bin nicht traurig, dass ich nicht so vorausplanen kann. Ich warte ab. Ich steige nicht geplant in den Gatsch, sondern ich lasse mich hineinschlittern. So schaut es aus, glaube ich.“
Es gehe nicht um das Zuhören können, sondern um das Zuhören müssen. Wie in der Musik, wo die Musiker  berufsmäßig zuhören müssten. Der zweite Geiger auf den ersten, der Cellist auf den Bratschisten. Das passiere in  der normalen Kommunikation oft nicht, weil man es nicht gelernt habe. „Im Religionsunterricht lernt man dieses und jenes, nur nicht, dass man dem anderen zuhören soll.
Zu den Feiern zu seinem  80er sagt er: „Man wird sich denken, was hat er denn, wegen der 80 Jahre. Aber ich bin das erste Mal 80  und das muss gefeiert werden.“ Aus eigener Erfahrung wisse er solche Anlässe seien  wichtig, um  jungen Musikern Auftrittsmöglichkeiten zu bieten.

Die Pfarren werden auch ohne Priester überleben

25. Februar 2012

Der Befund ist erschütternd. Ein Drittel der 474 Pfarren der Diözese haben keinen Priester mehr. Die Priester, die es noch gibt, sind im Schnitt deutlich älter als 60 Jahre. Also im Pensionsalter, wenngleich sie erst mit 70 in den Ruhestand treten.  Da es derzeit kaum Nachwuchs gibt und sich auch zukünftig kein Boom abzeichnet,   werden die  Pfarren ohne Priester dastehen. Damit wird das Beharren des Papstes  auf dem Zölibat  und dem Ausschluss der Frauen vom Priesteramt sich von selbst erledigen. Benedikt XVI. und der Großteil der österreichischen Bischöfe betreiben Realitätsverweigerung. Sie stecken den Kopf in den Sand und behaupten, alles sei in Ordnung. Würde ein Unternehmer seine Firma  sehenden     Auges in so eine Krise führen, würde er wohl der fahrlässigen Krida bezichtigt. Dabei ist das Interesse an einem Leben, das der Spiritualität gewidmet ist, groß.  Das belegen die Zahlen der jungen Menschen, die Theologie studieren.   Die Anzahl der Diakone steigt und hat in Linz die 100er-Grenze  bereits überschritten. Sie werden in Zukunft unsere Pfarren leiten.
Man könnte argumentieren, es sei die Privatsache einer Organisation, wenn sie nicht in der Lage ist, für ihre Zukunft zu sorgen. Doch die Kirchen sind wesentliche gesellschaftliche Kräfte.   Vor allem auch in den Gemeinden. Sie sorgen  für ein funktionierendes Gemeinschaftsleben. Sie predigen  den Gedanken der Solidarität.  Die Arbeit der Caritas für die Schwächeren ist anerkannt.  Sie begleiten die Menschen durch alle freudigen und erschütternden Ereignisse des Lebens.
Die Zeit wird über die realitätsfremden Vorstellungen des Papstes und der Bischöfe hinweggehen. Das hat die Geschichte mit Regelmäßigkeit  bewiesen.

Kleinkariert

25. Februar 2012

Können Sie sich in Österreich einen Bundespräsidenten vorstellen, der verheiratet ist, von seiner Frau aber seit 20 Jahren getrennt lebt und mit einer  Journalistin in „wilder Ehe“ zusammen ist?  Oder einen Außenminister,  der mit seinem Partner durch die Welt reist? Oder einen Hauptstadt-Bürgermeister, der  schwul ist? Oder einen Landeshauptmann, der in seiner Zeit als Minister mit der Mitarbeiterin ein Kind gezeugt hat? In  Deutschland ist das alles der Fall. Es betrifft Joachim Gauck, Außenminister  Guido Westerwelle, Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit und Bayerns Ministerpräsidenten  Horst Seehofer. In Österreich geht es  engstirniger zu. Da hat  Benita Ferrero-Waldner kurz vor ihrer Präsidentschaftskandidatur ihren Lebenspartner geheiratet,  damit die Verhältnisse „geordnet“ sind.   Da hat der politische Gegner 2009  versucht,   Landeshauptmann Josef Pühringer    mit erfundenen Affären zu beschädigten. Was lernen wir vom großen Bruder?   Politik ist Politik und Privates ist privat.

Brandstetters neues Buch: Der Heilige Aloisius

22. Februar 2012

Ein Interview mit dem aus Pichl bei Wels abstammenden Schriftsteller.

Frage: Wenn Sie die Entwicklung Ihrer Heimatgemeinde  Pichl anschauen, was fällt Ihnen auf?
Alois Brandstetter: Früher, als ich noch dort war,  war der Nachbar der Gaderbauer. Er hat 14 Joch Grund gehabt. Er hat von der Landwirtschaft gelebt. Wir hatten auch so viel Grund, mein Vater war aber noch Müller und Bäcker. Bauern mit 15 Joch Grund hat es eine Menge gegeben.  Jetzt sind sie  verschwunden.  Ein paar Bauern  haben alles zusammengekauft und führen eine mehr oder weniger  industrielle Landwirtschaft.  Auch die  Akustik ist verloren gegangen. Die  war ja fantastisch. Die Hühner sind  frei herumgelaufen und haben gegackert, die  Hähne   in der Früh  gekräht.  Der Traktor wurde  gestartet, die  Rösser sind  eingespannt worden. Pichl war komplett agrarisch.

Frage: Sie sehen die Entwicklung nicht so positiv?
Brandstetter: Ich leiste mir ein bisschen Nostalgie. Ich verstehe  schon die Notwendigkeiten, aber ich sehe es schon ein bisschen wehmütig. Pichl war eine Passauer Urpfarre, eine ganz alte Pfarre. Jetzt gibt es längst keinen Pfarrer mehr. Jetzt wohnt die  Pfarrassistentin in Grieskirchen. Es gibt in Pichl keine Gendarmerie und  keine Post mehr.  Die alten Häuser im Zentrum sind von Türken gekauft worden. Am Ortsrand stehen Villen von Welser Honoratioren, die keinen Kontakt mehr zur Urbevölkerung  haben. Das kann einem nicht gefallen.
Frage: Sie waren  ein Gegner der Innkreisautobahn.
Brandstetter: Es ist ein Vorbei- und Durchfahren. Die Feuerwehr hat jetzt größere Bergescheren, damit sie die Leute bei Unfällen aus dem Auto schneiden können.

Frage: Sie waren ja auch ein Gegner des EU-Beitritts.
Brandstetter: Mir hat nicht gefallen, dass wir so viele Rechte nach Brüssel abgeben. Ich bin ein Eigenbrötler, ein Provinzialist, ein Föderalist. Ich bin kein Fundamentalkritiker, aber  in einigen Punkten bin ich nicht einverstanden. Dass da so g’scheite Leute in Brüssel sitzen und  beim Euro solche Fehler machen, da wird man schon ein bisschen stutzig.

Frage: Gibt es eine oberösterreichische Mentalität?
Brandstetter: Ja, ich glaube schon. Tüchtig, realistisch, ein gewisser Hang zur Sentimentalität. Es ist ja phänomenal, dass Oberösterreich das einzige Bundesland ist, das  eine Hymne in Mundart hat. Wenn die gesungen wird, muss ich mich immer zusammennehmen.

Frage: Schreiben Sie immer noch täglich?
Brandstetter: Ja, auf jeden Fall. Oder ich recherchiere. Ich bin ein Frühaufsteher, ich stehe um fünf Uhr auf. Dann setze ich mich hin und schreibe. Dafür gehe ich schon um neun Uhr ins Bett.
 Ich habe so den Eindruck, ich schreibe mein letztes Buch. Ich war mit meiner Frau im Sommer in Mantua und in Castiglione. Das ist die Ortschaft, aus der der Heilige Aloisius von Gonzaga stammt. Ich habe mir immer schon einmal vorgenommen, dorthin zu fahren. Die Gonzagas waren die reichen Herzöge von Mantua, aber zehn Kilometer entfernt in  Castiglione war die ärmere Linie. Aloisius war der Erstgeborene von acht Kindern. 
Ich habe mir etwas ausgedacht, was vielleicht nicht so schlecht ist. Peter Paul Rubens war Hofmaler beim Vinzeno Gonzaga in Mantua.  Er war dort fünf Jahre und hatte viele Freiheiten.   Rubens ging dann zurück nach Antwerpen und malte sehr viel für die Jesuiten. Nur den Aloisius hat Rubens nie gemalt. Aloisius war berühmt für seine Keuschheit, er soll nicht einmal seine Mutter angesehen haben. Ein pathologischer Zug von Keuschheit.  Rubens ist zwar auch jeden Tag in die Kirche gegangen, aber er war ein Vitalist. Er hat  die Frauen wunderbar gemalt.  Er hatte ja selbst zwei wunderschöne Frauen.  Deshalb kann man sich vorstellen, warum Rubens den Aloisius nicht gemalt hat.
In Castiglione  wurde  für Aloisius, der mit 23 Jahren  gestorben ist,  eine Basilika gebaut.  Seine Mutter hat Rubens eingeladen, den Aloisius zu malen. Aber es kam nie dazu. Darum geht es im Buch, das ist  die Geschichte. Rubens schlug  vor, dass  es sein Schüler  Van Dyk machen solle.  Denn der sei ein junger Mensch.  Und Aloisius könne nur von einem jungen Menschen gemalt werden.

Demaskierung

18. Februar 2012

Die Maske  befreit.  Die Verkleidung im Fasching erlaubt uns,  Seiten unseres Wesens zu zeigen,  von denen wir meinen, sie normalerweise verbergen zu müssen. Wir erfahren eine Wandlung. Wir dürfen  sein, was und wie wir schon immer sein wollten. Schlummernde Teile unseres Lebens werden wachgerufen. Die großen Geheimnisse werden gelüftet. Die Lust, sich in etwas hineinzuversetzen, darf  ungeniert ausgelebt werden. Der eine will Frau sein, die andere Tanz-Mariechen. Man darf so wild sein wie man sonst nie sein dürfte. Zum Beispiel als Hexe mit einem großen Hexenzinken. Wir können unser zweites Leben leben. Ein Leben auf Probe. Unter dem Schutz der Maske darf über die Stränge geschlagen werden. Die Maske macht alle gleich, Reiche und Arme, Angesehene und Ignorierte.
Die Maske befreit nicht nur, sie verhüllt auch. Manche haben ein ganzes Leben lang eine Maske aufgesetzt.  Der Lobbyist Peter Hochegger  hat die Abkassierer unter den Politikern diese Woche im parlamentarischen Untersuchungsauschuss demaskiert.  Fratzen kamen zum Vorschein.

Die Gemeinden sind in der Krise

18. Februar 2012

Oberösterreichs Gemeinden sind am Ende.  Sie sparen seit Jahren. Und nicht erst, seit es die Diskussionen über   Kooperationen, Zusammenlegungen und  das Sparpaket gibt. Sie sparen, weil ihnen nichts anderes übrig bleibt.  Wer meint, hier noch  groß Geld holen zu können, irrt.   Ein Beispiel. Der Bauamtsleiter von Wallern geht in absehbarer Zeit in Pension.  Sein Bürgermeister wollte  den Posten einsparen, der Bauamtsleiter des benachbarten Bad Schallerbach  sollte die Agenden mit übernehmen.    Schallerbach meinte, dann müsste wegen der Mehrarbeit ein zweiter aufgenommen und bezahlt werden. „Das kann ich selbst auch“, antwortet Wallerns Ortschef  Franz Kieslinger.
Die Gemeinden sind nicht nur finanziell in der Krise. Aufgrund des Strukturwandels hält städtisches Verhalten in den ehemaligen Landgemeinden Einzug. Vor allem im Zentralraum. Städter erwerben günstige Baugründe und ziehen am liebsten eine zwei Meter hohe Mauer um ihr Haus.  Am Gemeinschaftsleben der Gemeinde nehmen sie – wenn überhaupt – nur am Rand teil. Aber auch die Einheimischen  haben zunehmend weniger Zeit. Die beruflichen Belastungen  sind gestiegen, viele  Frauen   sind berufstätig, das familiäre Zusammensein sollte auch gepflegt werden. Dies spüren nicht nur die Kultur-, die Musik und Sportvereine,  die Feuerwehren, die Parteien und die Kirchen. Es wird auch zunehmend schwierig,  genügend qualifizierte  Bürgerinnen und Bürger für den Gemeinderat zu finden.
Manfred Zeismann, Bürgermeister von Krenglbach (Bez. Wels-Land), beobachtet einen schleichenden Prozeß der Aushöhlung. Er fürchtet, dass sich die Gemeinden in zehn Jahren auflösen werden. Seine Sorge ist berechtigt.   Die Lebensqualität leidet in jedem Fall.

Die “Kulturfremdheit” der Gföhler

14. Februar 2012

„Es gibt nur eine falsche Sicht der Dinge: der Glaube, meine Sicht sei die einzig richtige.“
Nagarjuna
Die Ausgang der Volksbefragung von Gföhl am Sonntag ist  eine Katastrophe.  Zwei Drittel  der Waldviertler Gemeinde lehnen den Bau einer buddhistischen Stupa ab. Dabei ist der Buddhismus alles andere als missionarisch. Ob Religion oder Weltanschauung, der Buddhismus zeichnet sich durch eine ausgesprochen friedliche Haltung aus.
Ein Lichtblick in der unerfreulichen Causa  ist die Haltung des Großteils der Gemeindemandatare  und des Bürgermeisters, die den Bau des 30 Meter hohen Denkmals mit 25 Metern  Durchmessern        unterstützt haben. Doch ihre Stimmen wurden von den Angstmachern übertönt.  Sie bombardierten mit Postwürfen  die Bewohner und kritisierten die auffällige Lage, die Größe und „Kulturfremdheit“ des Projekts. 
Was ist für die Gföhler Bürger „kulturfremd“, wenn man schon diesen dummen Begriff wiederholt? Sind nicht auch die Karl-May-Spiele, die jährlich in Gföhl stattfinden, „kulturfremd“? Winnetou reitet im Wilden Westen, in den USA. Die sind auch so weit weg wie die Buddhisten Asiens.Und erst die Zelte der Indianer. Alles kulturfremd, da die Waldviertler  doch schon so lange in Häusern wohnen.  Schauen die Gföhler nicht auch  „kulturfremde“,  im Ausland gedrehte   Sendungen im Fernsehen an?  Und was machen sie, wenn sie von einer „kulturfremden“ Kellner in einem Lokal bedient werden? Zum Beispiel von einer  Bürgerin aus dem benachbarten Tschechien?  Oder wenn sie von einer „kulturfremden“ Slowakin gepflegt werden? Die nächste Stufe von Kulturfremdheit wäre wohl entartet. Das hatte wir schon alles, in den 30-er und 40-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Aber das Gift dieses Denkens reicht offensichtlich bis heute.
Die Gföhler haben eine große Chance verpasst. Nämlich sich mit den Ideen und Vorstellungen des Buddhismus auseinanderzusetzen und die eigenen Welten und Gedanken zu überprüfen. Die Konfrontation mit dem anderen bietet die Möglichkeit, sich weiter zu entwickeln,  die eigenen Vorstellungen zu verwerfen oder zu vertiefen.
Als sehr wendig stellten sich die Lokalpolitiker heraus. Sie, die das Stupa-Projekt begrüßt haben, zeigten sich schlussendlich begeistert vom Demokratieverständnis ihrer Gemeindebürger. Statt ihre Niederlage einzugestehen, freuten sie sich über 52-prozentige Wahlbeteiligung. Das ist auch eine Methode, um am Ende auf Seiten der Sieger zu stehen.

 

Sparpaket: Investieren ist ebenso wichtig wie Sparen

11. Februar 2012

Wie auch immer man zum Sparpaket steht, es ist unumgänglich. Österreichs Schulden sind  zu hoch.  Die Zinsen und Rückzahlungen fressen einen zu hohen Anteil der Steuern auf, die die Bürger zahlen dürfen.   Je höher die Schulden, umso höher sind die Zinsen, die wir zahlen müssen. Profiteure der 220 Milliarden Schulden sind ausländische Investoren, die rund 75 Prozent der  österreichischen Anleihen aufkaufen. Unser Steuergeld wandert also  zu einem nicht unerheblichen Teil ins Ausland.
Es ist daher sinnvoll, sich nach der Decke zu strecken und   die Steuererlöse im Inland zu investieren.     Investitionen bringen Wachstum und Arbeitsplätze, Arbeit füllt die Sozialkassen. Es zeugt von Voraussicht, wenn das Land an seinen Investitionen festhalten will. Trotz der Einsparungen, die notwendig sind. Es ist gut, dass mit den Sparmaßnahmen früh begonnen wurde. Dass beispielsweise die Spitalsreform bereits abgesegnet ist. Dass die Verwaltungsreform schon läuft. Noch besser, weil billiger, wäre es gewesen, die Spitalsreform wäre bereits 2005 beim ersten Anlauf umgesetzt worden. Eines hat das Sparpaket neuerlich belegt. Man kann notwendige und unangenehme Maßnahmen hinauszögern, aber sie kommen mit Sicherheit: verspätet und deshalb verschärft.
Sparen und investieren. Das ist der Mix, der uns in den nächsten Jahren aus der Krise führen wird.   Der Weg ist eine  Gratwanderung. Es gilt, das   Maß immer wieder neu  zu definieren. Wir müssen die Altlasten abbauen, sie hinter uns lassen und  gleichzeitig  an der Zukunft bauen.  Straße, Schiene, Bildung, Forschung, Innovationen  und erneuerbare Energien  sind die  Themen der Gegenwart und der Zukunft. 
Investitionen in den menschlichen  Geist und in  die Materie     sorgen für jene Dynamik, die uns  aus der Krise führen wird.

Die neuen Juden

11. Februar 2012

Wiir waren nicht dabei beim gestrigen Burschenbundball.   Der KURIER wurde  ausgeladen. Nicht weil wir randaliert hätten, unbotmäßg gekleidet gewesen wären oder demonstriert hätten. Nein, wir wollten lediglich zusehen und zuhören. Wir waren neugierig, was da so vonstattengeht und was die Politiker denken und reden. Aber wir waren unerwünscht wegen kritischer Berichterstattung. Wir wissen nicht, ob wir deswegen traurig sein oder uns darüber freuen sollen. Wir hätten  gern gesehen, wie der Europaabgeordnete Franz Obermayr im Frack und Käppi seinen Rechtswalzer dreht. Und möglicherweise seinen Rülpser  von „Pogromstimmung“    wiederholt.
So blieben die „neuen Juden“, wie FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache die Burschenschafter beim Ball in Wien bezeichnet hat, unter sich.  Sie werden sich gut unterhalten haben und sich moralisch im Recht fühlen. Sie beklagen  zwar, sie würden  ins rechte Eck gedrängt und gesellschaftlich isoliert. Doch  sie handeln selbst genau so.  Sie schließen andere aus.

Der Linzer Burschenschafter-Ball belastet die schwarz-grüne Koalition

04. Februar 2012

Welcher Teufel den freiheitlichen Linzer Europaabgeordneten  Franz Obermayr geritten hat, von „Pogrom-Stimmung“ bei der Demonstration  gegen den Wiener Burschenbundball zu reden, bleibt  dem Beobachter unerklärlich. Landeshauptmann Josef   Pühringer  nennt  Obermayrs   Aussage  „unqualifiziert und historisch falsch“.   Wie soll nun Pühringer seine Teilnahme am Linzer Burschenbundball begründen, der ausgerechnet von Obermayr organisiert wird?
Unter Druck kommt Pühringer auch vom grünen Koalitionspartner.  „Ich verstehe Pühringer einfach nicht“, sagt  Landesrat Rudi  Anschober im Samstags-KURIER. „Er ist kein Rechtstümler, aber seine Teilnahme  am Ball ist das völlig falsche Signal. Vor allem, wenn man Obermayrs Aussage kennt.“  Der Ton in der Koalition wird schärfer. Am kommenden Samstag wollen die Grünen beim Ball gegen die Burschenschafter und die Teilnahme Pühringers demonstrieren.
Welchen Zweck die FPÖ mit ihrem  Gebaren verfolgt,  ist rätselhaft.  Denn die Freiheitlichen verbauen sich damit  ihre eigene Zukunft. Sie schließen sich  von einer Regierungsbeteiligung aus.  Auch auf Landesebene.  Obermayr leistet zwar Bundesparteiobmann Heinz Christian Strache Schützenhilfe, fällt aber gleichzeitig  Landesparteiobmann Manfred Haimbuchner in den Rücken, der mit den Schwarzen nach 2015 regieren will.

Wir lernen für die Schule, nicht für das Leben

04. Februar 2012

Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir.“ Ein  Spruch,  der sich gut anhört. Die Realität sieht anders aus. Das wissen die Schüler und die  Lehrer. Und das weiss inzwischen auch die Schuldnerberatung.
 Ein Drittel ihrer Klienten ist unter 30 Jahre jung. Gefolgt von der Gruppe der 31- bis 40-Jährigen mit einem Anteil von 25 Prozent. Allein in den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl der Privatkonkurse verdreifacht. Pro Jahr gibt es      österreichweit 1,5 Millionen Anträge auf Einzug per Gerichtsvollzieher. Mit den  öffentlichen Sparbudgets  werden die Zahlen  kontinuierlich nach oben gehen.
Um den Katastrophen     totaler Überschuldung  vorzubeugen, hat die Schuldnerberatung einen Finanzführerschein erarbeitet.  Sie wollte damit in die Schulen, um die Jungen auf den Umgang mit Geld  vorzubereiten. Sie scheiterte damit im Unterrichtsministerium , weil niemand bereit war, auf Stunden zu verzichten. Selbst ein Kämpfer wie Sozialreferent Josef Ackerl resigniert. „Das werden wir nicht mehr erleben.“ Wir lernen für die Schule, nicht für das Leben.

Hubert Gaisbauer über Papst Johannes XXIII.: “Er war von Herzen gut zu den Menschen”

01. Februar 2012

Hubert Gaisbauer (72) stammt aus Hagenberg bei Linz und war unter anderem Leiter der Abteilung Religion des ORF-Hörfunks. Kurz vor Weihnachten 2011 ist sein Buch „Ruhig und froh lebe ich weiter – Älter werden mit Johannes XXIII“ im Wiener Domverlag erschienen. Angelo Roncalli wurde    1958 zum Papst gewählt und nannte sich  Johannes XXIII. Er berief das II. Vatikanische Konzil ein und starb 1963 an Magenkrebs.
Das Buch schließt mit einem 38-seitigen Essay von Ewald Volgger, dem Rektor der katholischen Privatuniversität Linz,  über Loris Francesco Capovilla, den heute 97-jährigen Sekretär von Johannes XXIII., der in  Sotto il Monte lebt. 

Für die OÖ-Beilage des Kurier habe ich folgendes Interview mit Gaisbauer geführt:

Frage: Warum haben Sie das Buch geschrieben?
Hubert Gaisbauer: Der wichtigste Grund ist, dass ich selbst von dieser Arbeit sehr viel gewonnen  habe. Ich habe Papst Johannes XXIII immer sehr geschätzt. 1991 habe ich in Rom den Jesuitenpater Ludwig Kaufmann getroffen, der mir die Augen für Johannes geöffnet hat.  Ich persönlich glaube nicht, dass er ein Reformpapst war.  Denn er war ein Stockkonservativer. Er war jedoch ein Mann, der einen  neuen  Geist in die Kirche gebracht hat. In der Folge  habe ich begonnen, sein geistliches   Tagebuch, von dem auch Hannah Arendt so schwärmt,  und seine Briefe an die Familie zu lesen.  Dann bin ich auch noch draufgekommen, dass die Mutter von Johannes und meine Mutter am gleichen Kalenderdatumstag (20. Februar) gestorben sind.
Es hat sich für mich eine unglaubliche Welt aufgetan.  Die Welt einer Bauernfamilie in Norditalien, arm, fast noch Leibeigene, eine Großfamilie, mit 20, 30 Leuten in einem Raum beisammen. Obwohl er dann viele Jahre in Bulgarien, Istanbul und Paris war, hat er sich unglaublich  um die Familie gesorgt, materiell, geistig und geistlich.  
 Ab seinem 50. Lebensjahr  findet man zu jedem Geburtstag eine Überlegung von Johannes: Ich werde älter, wie geht es mir dabei und was habe ich noch zu erwarten. Als er 57 wurde,  schrieb er, ich muss jetzt auch an mein Sterben denken. Aber nicht zu meiner Betrübnis, sondern zur Erhöhung  meiner Lebensqualität. Er sagte, ruhig und froh lebe ich weiter, was auch der Titel des Buches ist.

Frage: Johannes XXIII gilt als Reformpapst, obwohl er sehr konservativ war.
Gaisbauer: Er war ein Mensch, der von seiner geistlich-gläubigen Überzeugung zutiefst erfüllt war.  Sein Glaube war, Dein (Gottes, Anm. d. Red.) Wille geschehe. Das war seine Richtschnur. Er hat erkannt, dass etwas Neues in die Kirche einkehren muss.  Das Bisherige war Erstarrung. Er sagte, Kirche ist kein Museum, sondern ein blühender Garten. Eines seiner schönsten Worte, das er bereits 1903 mit 22 Jahren in sein geistlichen Tagebuch geschrieben hat, lautet, man müsse erkennen,  was an einer Tradition il succo vitale, der lebendige Saft, ist.  Er verkörpert für mich die Treue und gleichzeitig die Erneuerung der Kirche. Er stellt das dar,  was Nietzsche von den Christen gefordert hat:     Jene, die immer von der Erlösung reden, sollten etwas erlöster aussehen. Er war kein Populist, sondern von Herzen gut zu den Menschen.

Frage: Seine Wahl zum Papst 1958 war eine  Überraschung.
Gaisbauer: Die gängige Lehrmeinung ist, dass er als  Übergangspapst gesehen wurde.  Alle dachten bereits an Giovanni Battista Montini, den späteren Papst Paul VI. (1963–1978). Aber der war damals noch kein Kardinal.
Montini war der erste, den Johannes XXIII zum Kardinal berufen hat.

Frage: Johannes XXIII hat bereits drei Monate nach seiner Wahl 1958 das II. Vatikanische Konzil angekündigt.
Gaisbauer: Ich habe lange mit seinem Privatsekretär Loris Francesco Capovilla gesprochen. Er betont, es war eine spontane Eingebung. Johannes hat später einmal gesagt, man darf Ideen haben, auch wenn man alt ist und sie möglicherweise nicht mehr zu Ende bringen kann. Und wenn man eine Idee hat, stellt man sich in die Kette dessen, was man als Willen Gottes bezeichnen kann. Er sieht sich als Instrument Gottes. Mit der Kurie, mit den Beamten im Vatikan, hat er überhaupt nicht können. Da gab es den berühmten Kardinal Stefano Ottaviani, der gesagt hat, hoffentlich holt mich der Herr bald zu sich, denn ich möchte noch als Katholik sterben. Die Kurie war äußerst skeptisch. Da hat Johannes eingegriffen, er hat die Richtung vorgegeben und es ist daher rechtens, ihn als Konzilspapst zu bezeichnen.
Er war der Kollegialität der Bischöfe  verpflichtet. Er hat sich nicht als Papst aufgespielt. Deshalb hat er auch bei der Konzileröffnung nicht die Tiara getragen, sondern nur die Bischöfsmütze.

Frage: Inwiefern kann er ein Vorbild sein?
Gaisbauer: Er war ein Mensch, der sich ständig seiner Fehler bewusst war.  Nicht im Sinne   katholischer Selbstverleugnung und Selbsterniedrigung.  Er schreibt zum Beispiel in seinem Tagebuch, dass er sich sehr geschwätzig gefühlt hat. Er redete sehr gern und er hatte das Gefühl, er redet zu viel. Er hat gewusst, dass das die Kehrseite seines Charismas ist,  dass er auf die Menschen zugehen kann.  Er hat zuerst einmal das Gute in den Menschen gesehen. Er war offen und tolerant. Er hat ständig Leute zum Essen eingeladen.
Er hat sich um die Familie gekümmert. In dem Sinn, wie es der Prophet Jesaia als richtiges Fasten definiert: Sich um die Armen kümmern und sich seinen Verwandten nicht entziehen.  Die Roncallis hatten alle schlechte Zähne. Er hat geschaut, dass    die Zähne der Brüder in Ordnung waren.
Er wird immer als der Fröhliche und Lustige dargestellt. Er hatte aber auch seine Zweifel und Bedenken. Am Grab seiner Schwester sagte er einmal,  wehe uns, wenn das alles eine Illusion ist, was wir glauben.

Frage: Sie schreiben im Buch vom „Roncallischen Blick“.
Gaisbauer: Er sieht das Gute im anderen, ohne alles zu beschönigen. Er hat nichts unter den Teppich gekehrt. Es ist der ehrliche, offene Blick eines Menschen, der sein Gegenüber liebt.   Er ist auf die Menschen ohne Vorurteil zugegangen.   Es ist der Blick der Liebe. Das hört sich zwar abgegriffen an,   aber bei ihm erlebt man es.  Wenn von diesem Blick etwas ins Buch eingeflossen ist, dann bin ich sehr glücklich.

Balduin Sulzer: “Zuhören ist das Wichtigste”

31. Januar 2012

Balduin Sulzer wird  am 15. März  80 Jahre jung. Am Mittwoch wurde im Wiener Musikverein ein  Klavierquartett uraufgeführt. Für die OÖ-Beilage des KURIER habe ich folgendes Interview mit ihm geführt.

Frage:  Was bedeutet Musik für  Sie?
Balduin Sulzer: Musik ist das Wichtigste für meine Existenz, für mein Dasein. Das war nicht so geplant. Ich komme aus Großraming,  ich habe nicht gewusst, dass es so etwas wie klassische Musik gibt. Mein Vater war Holzknecht, die Mutter  Schneiderin.  1942 kam ich nach Linz, ans  Gymnasium auf der Spittelwiese. Die beiden  Domkapläne  Josef und Hermann Kronsteiner haben  sich meiner angenommen. Nicht weil ich so musikalisch war, sondern weil sie aus Losenstein und damit  aus derselben Gegend wie ich stammten.  Sie haben bemerkt, dass ich ein gutes Gehör habe und  haben mich in die Domchor aufgenommen. Sie verschafften mir Klavierstunden und ich durfte auf dem alten Klavier im Pfarrhof spielen. Meine Lehrerin  stammte aus einer Familie, in der Anton Bruckner gelegentlich verkehrt hatte. Sie hat mir stets von ihren Begegnungen mit  Bruckner erzählt, was für mich sehr spannend war.

Frage: Musik ist für Sie   ein Lebensgrund, ein Lebenssinn. Gleichzeitig haben Sie sich für den Eintritt in den Zisterzienserorden entschieden.
Sulzer: Im Laufe meiner Studentenzeit im Internat, ich war ab Herbst 1945 in Wilhering,  habe ich gemerkt, dass ich eine ganz gute Gabe habe im Umgang mit  jungen Menschen. In der sechsten, siebenten Klasse war ich manchmal Aushilfspräfekt. Ich hatte das Gefühl, dass mir die Kommunikation mit den Kleinen ganz gut gelungen ist. Es reifte in mir der Entschluss heran, mich mit Erziehung zu beschäftigen.  Der Orden hat die  Einladung an mich und andere ausgesprochen, im Haus zu bleiben und  im  Unterricht im Gymnasium  tätig zu sein. Ich hatte hier wegen der Musik eine gewisse Sonderstellung. Das alles zusammen hat mich mit fünf anderen Kollegen bewogen, in den Orden einzutreten.

Frage:  Sie haben Tausende Schüler unterrichtet. Ihr berühmtester war wohl Franz Welser-Möst.
Sulzer: Neben Wilhering habe ich auch am Musikgymnasium in der Linzer Stifterstraße  unterrichtet.  Es sind in Wilhering auch ein paar gute herausgekommen.  Walter  Gugerbauer ist beispielsweise Generalmusikdirektor in Erfurt.  Ernst Würdinger war Dirigent in Frankfurt und unterrichtet  heute Tonsatz an der Wiener Musikhochschule.

Frage: Ist Ihnen Welser-Möst am Musikgymnasium  bereits aufgefallen?
Sulzer: Ja, nur nicht in dem Ausmaß wie er heute bekannt ist. Es kam relativ bald zum Vorschein, dass er ein Leithammel ist. Er hat es zustande gebracht, dass  die Schüler in den Ferien eine Woche zusammenkamen, um zu proben. Er trieb auch Sponsoren auf, die das bezahlten.

Frage: Welche Bedeutung hat das Unterrichten für Sie gehabt?
Sulzer: Das war nicht von vornherein geplant. Ich bin kein Mensch, der 100 Jahre vorausplant und dann in Ohnmacht fällt, wenn das nicht eintritt. Ich gehöre zu den improvisatorischen Typen, die zuerst Gas geben und dann sehen, was sich ergibt. Und der dann bewusst in Vorgänge hineinstartet.
Die Musikvermittlung ist ein wichtiger Teil meines Lebens. Nicht die Musik als Aneinanderreihung von Tönen, sondern als Kommunikationsmittel. Musik verstehen alle Menschen, unabhängig davon, aus welchen Teilen der Welt sie kommen. Musik ist Ausdruck und Empfinden. Wenn ein Hund vor mir sitzt und ich sage zum ihm Flocki, merkt er aufgrund der Tongebung ganz genau, ob er etwas zu fressen oder Schläge bekommt. Das liegt im Tonfall. Der Tonfall ist etwas ganz Wichtiges.
Das Erste, was man können muss und was normalerweise nicht so  forciert wird, ist das Zuhören. Die Ohren aufzumachen und zu schauen, was das  Gegenüber sagt.  Nämlich nicht nur zu schauen, was der Betreffende   im Wortlaut  sagt, sondern, was er sagen will.
 Der Kollege im Orchester muss    auf den anderen Kollegen reagieren. Es kommt auf die ausdrucksmäßigen und ästhetischen Details und Feinheiten an. Man muss  für das Improvisatorische offen  sein.  Ich komme hin und  schaue, was ist los. Das ist in der normalen Kommunikation und Sprache  dasselbe.

Frage: Sie unterrichten, dirigieren, spielen an der  Orgel,  komponieren.   Was machen Sie noch?   
Sulzer: Es ist wichtig, dass man Dinge ermöglicht.  Dass man dazu beiträgt, dass sich die Schüler künstlerisch selbst erkennen.  Dass sie draufkommen, wo ihre Stärken liegen. Dazu gehört sehr viel Aufmerksamkeit, damit sie herausfinden, was sie selber sind. Ich habe zum Beispiel bei Wolfgang Holzmayr, der am Mozarteum unterrichtet und weltweit singt, einiges beigetragen, dass er  an sich selbst glaubt.

Frage: Was ist Komponieren?
Sulzer: Ich gehe immer von der Improvisation aus. Ich nähere mich einem Thema von der Emotion her an und nicht vom Intellekt. Ich denke nicht nach, ob das passt oder nicht. Danach versuche ich das verstandesmäßig zu klären. Dann gehe ich  schon ins Detail.

Frage: Das niederzuschreiben erfordert ja viel Disziplin.
Sulzer: Das kann man sagen. An einer Oper arbeite ich schon sieben, acht Monate. Ich arbeite auch sehr viel in der Nacht. Das hängt von meinen persönlichen psychischen Vorgängen ab. Manchmal bin ich nachts wacher als am Tag.

Frage: Sie besuchen ja fast täglich ein Konzert.
Sulzer: Ich versuche schon, möglichst viele zu erreichen, auch als Überlebensstrategie. Wenn ich das beobachte, ist mein Kopf tätig,  und das ist eine Möglichkeit, meine Existenz zu erhalten und zu intensivieren.
 Man verfällt nicht so leicht, vor allem hirnmäßig. Den geistigen Verfall  fürchte ich im Leben am meisten.  Ich habe   einen  sehr intelligenten 90-jährigen Mitbruder gehabt, der vor der eigenen Tür gestanden ist und  gesagt hat, ich finde nicht mehr heim. 

Frage: Was war das Wichtigste in Ihrem Leben?
Sulzer: Da sage ich selbstbewusst, es hat nichts gegeben, was nicht wichtig war (lacht). Das hat damit zu tun, dass ich ein improvisatorischer Typ bin und nichts vorausplane.   Ich schlittere wo hinein und schaue wie ich zurechtkomme. Hineinschlittern ist etwas anderes als planmäßig in den Gatsch zu steigen.

Frage: Was haben Sie noch vor?
Sulzer: Ich werde bis zum Grabesrand komponieren.

Balduin Sulzer, ein Engel der Musik

28. Januar 2012

Es war eines der beeindruckensten Interviews, das ich jemals geführt habe (siehe Seite 3).  Der Gesprächspartner war weder Politiker noch   Manager noch ein Star. Balduin Sulzer  ist ein Musiker, ein Komponist, ein Mönch. Er ist ein normaler, bescheidener 80-jähriger Mann. Ich gebe zu, ich bin ihm zugetan, schließlich hatte er mich im Stiftsgymnasium Wilhering acht Jahre lang in Musik unterrichtet. Er hat mir die Welt der klassischen Musik erschlossen. Ihm verdanke ich diese wesentliche Bereicherung. Seine  Stunden  waren für uns Schüler Erholung, denn er vermittelte   die Schönheiten der Musik in einer angenehmen Weise.
„Batschkerl“ – wie wir Schüler ihn mit Spitznamen nannten – hat aber auch etwas zu sagen. Seine Weisheiten sind einfach, aber wahr und wichtig.
 – Zuhören ist das Wichtigste. Es ist wichtiger als Reden. Es geht darum, das herauszuhören, was der andere wirklich sagen will.
– Der Tonfall ist ganz entscheidend, gemäß dem Sprichwort der Ton macht die Musik.
– Die Einfühlsamkeit und das Hineindenken in andere, in Schwächere und Andersdenkende.
– Die Bereitschaft, die Dinge, die da kommen, anzunehmen und nicht verzweifelt Ziele anzustreben. „Ich bevorzuge es, in den Gatsch hineinzuschlittern statt planmäßig  hineinzusteigen.“
Neben seinen Gedanken und Fähigkeiten ist es seine Art, die überzeugt. Er lacht gern und freut sich des Lebens. Eine positive Erscheinung. Die Musik ist sein Sein. Sein Arbeitszimmer ist von einer erfrischenden  „Ordnung der anderen Art“. Er hat  viele hervorragende Musiker herangebildet und  vieles  ermöglicht.  Mögen ihm noch viele Jahre gegönnt sein!

“Wiener Lebensart”

28. Januar 2012

Die Wiener SPÖ hat – aufbauend auf der größten Mitgliederbefragung in ihrer Parteigeschichte –  nach Aussage von Bürgermeister Michael Häupl ihre zwei Schwerpunkte in der Integrationspolitik festgelegt: Das „Erhalten der Wiener Lebensart“ sowie „unsere Sprache Deutsch“. Als Bewohner der Provinz hegen wir schlimme Vorurteile und Befürchtungen, wenn wir  „Wiener Lebensart“ hören. Wir stellen uns darunter  häufige   Heurigenbesuche, den regelmäßigen Griff zum Vierterl und den Verzehr von Stelzen vor.  Weiters privilegierte Rathausbeamte, hohe Subventionen für die diversen Kulturstätten, Universitäten und   die  U-Bahnen. Wir  Provinzler erstarren vor Neid. In unseren Komplexen  glauben wir, uns  bleiben nur die Krümel.  Wenn wir  „Wiener Lebensart“ hören, denken wir an Intrigen  und an den  Wasserkopf Wien. 
Doch weit gefehlt. Häupl sei Dank, er klärt uns auf. „Wiener Lebensart“ ist für ihn Demokratie, Menschen- und Frauenrechte. Das erleichtert und beruhigt uns. Wir Oberösterreicher sind den Wienern doch näher als wir glauben.

Falch: Die Innviertler haben eine besondere Qualität

25. Januar 2012

Gerhard Falch (63) ist Vorstandsvorsitzender der AMAG in Ranshofen. Der Aluminium-Spezialist ist mit 1352 Mitarbeitern der Leitbetrieb im Bezirk Braunau. Ich führte mit ihm in der OÖ-Beilage des Sonntagskurier foglendes Interview.

Frage: Vor Ihrem Büro steht Ihr Dienstwagen, ein Audi A8. Ist er aus Aluminium?
Gerhard  Falch: Ja, er ist weitgehend aus Aluminium. Der Alu-Anteil an den Autos wird die nächsten Jahre steigen. Denn Aluminium wiegt nur ein Drittel des Stahls. Es  ermöglicht eine Gewichts- und damit eine Verbrauchsreduktion.

Damit ist ja die Zukunft der AMAG gesichert.
Der Aluminiumverbrauch wird sich die nächsten zehn, zwölf Jahre verdoppeln. Das ist erfreulich. Der Anteil unserer Walz-Produktion für die Auto-Zulieferung  beträgt zwischen 13 und 15 Prozent. Wir sind vor allem bei den Premium-Herstellern Mercedes, BMW, Audi und Volkswagen vertreten. Wir haben uns bei ihnen einen sehr guten Ruf erworben, weil wir in den vergangenen Jahren die Qualität vorangetrieben haben.  Beim Mercedes SLS  mit den Flügeltüren waren wir bei den Flügeltüren das einzige Unternehmen, das in der Lage war, das notwendige Material zu liefern.  Das war für uns ein großer Türöffner.

Was ist der Hauptabsatz?
Von der Menge her ist es die Firma Costantia Teich in Mühlhofen bei St. Pölten. Sie produzieren Blisterfolien für Medikamente. Die  Aluminiumbeimischung hat hier den Vorteil, dass es zu keiner Diffusion und damit zu keiner Beeinträchtigung  der Produktqualität kommt. Weiters produzieren sie Nahrungsmittel- und Tierfutterverpackungen. Sie stellen  Dosenschalen  für das Hunde- und Katzenfutter  und  Deckel für Joghurtbecher her.
Es ist wichtig, dass wir in der Produktion breit aufgestellt  und damit von niemandem abhängig sind. Stark aufgestellt sind wir auch bei Flugzeugteilen und  Sportgeräten. In allen guten Skiern ist unser Aluminium enthalten,  da sind wir beinahe  alleine am Markt.  Außerdem wird unser Aluminium bei Trittblechen verwendet. Wir haben viel Geschäft in der Maschinenbauindustrie. Auch bei den Lkw wird der Aluminiumanteil immer mehr. Wenn der Lkw weniger wiegt, kann er mehr transportieren.

In Ranshofen wird hauptsächlich wiedergewonnenes  Aluminium verarbeitet.
Von den Walz-Produkten, die wir in Ranshofen erzeugen, basieren rund 80 Prozent auf Schrott. Einen Teil des Vormaterials kaufen wir auch zu, damit wir flexibel sind. Mit  80 Prozent Schrottquote sind wir bei Aluminium-Walzprodukten weltweit führend.  Im Gegensatz zu manchen anderen metallen kann Aluminium unendlich oft wiederverwertet  werden, weil es die guten Eigenschaften behält. Im Gegensatz zu Stahl, der nach sechs bis sieben Mal ausgelaugt und nicht mehr wiederverwendbar ist. Dazu wird noch Energie gespart, 95 Prozent im Vergleich zur Primärproduktion über Elektrolysen.

Ist es vernünftig, wenn der Konsument Alu-Dosen sammelt und der Wiederverwertung zuführt?
Ja, natürlich. In Österreich führt die Firma ARA dieses Sammelsystem.  Wir beziehen den Hauptteil des Schrotts aus Deutschland. Im Radius von 500 km gibt es dort sehr viele Industriebetriebe. Doch die Sache muss sowohl von der Logistik als auch vom Transport her machbar sein. Wenn es hochqualitativen Schrott gibt und wir ihn brauchen, holen wir ihn sogar aus dem Mittleren Osten. Wir sind auch die Einzigen, die jede Art von Schrott verarbeiten können.
Industrielle Aluminium-Produkte  gibt es eigentlich erst seit dem Ersten Weltkrieg. Drei Viertel des jemals produzierten Aluminium sind noch immer im Kreislauf.

Die Neuproduktion erfolgt durch Alouette, eine Aluminiumschmelze in Kanada, an der die Amag mit 20 Prozent beteiligt ist. 
Bei der Produktion in Kanada haben wir den Vorteil, dass der Strom günstig von der Wasserkraft kommt.   Es ist ein einmaliger Standort.  Hochseetaugliche Schiffe können das Werk anfahren, es müssen ja jährlich zwei Millionen Tonnen Tonerde hintransportiert werden. Alouette produziert derzeit 600.000 Tonnen Aluminium.    Wir haben im Oktober des vergangenen Jahres  ein „memorandum of understanding“ zur Versorgung mit elektrischer Energie unterzeichnet. Darin sind unter anderem die Parameter geregelt, dass die Stromversorgung bis 2041 gesichert ist.  Geplant ist die Erhöhung des Ausstoßes der Alouette auf bis 930.000 Tonnen.

Die AMAG ist seit vergangenem Jahr an der Börse. Was hat sich dadurch verändert?
 Der Börsegang war für uns ein schöner Erfolg. Wir konnten dadurch verhindern, dass das Unternehmen an einen strategischen Investor verkauft wurde, denn  dann   hätten wir unsere  Unabhängigkeit und Selbstständigkeit verloren.  Wir wären dann ein Standort  von vielen gewesen. Das wollten wir nicht, denn die Entscheidungen wären irgendwo im Ausland  und nicht hier in der Region gefallen. Die AMAG war und ist höchst erfolgreich. Wir haben selbst in der Krise  hervorragende Ergebnisse geschrieben.  Wenn wir heute zurückdenken, freuen wir uns jeden Tag darüber, dass der Börsegang gelungen ist.

Mit dem derzeitigen  Börsenkurs von 16 Euro sind Sie zufrieden?
Nein, ich bin  nicht zufrieden. Ich habe immer gesagt, dass die AMAG keine Spekulationsaktie ist. Wir leiden derzeit unter der allgemeinen Börse-Schwäche. Während die  österreichische Börse im ATX 35 Prozent verloren hat, haben wir  seit dem Start im April 2011  nur 10 bis 12 Prozent verloren. Aber unsere Aktien werden kommen. Die Analysten sagen, ein fairer Wert wäre 22 bis 25 Euro. Wir haben 2010 ein Rekordjahr hingelegt. Wir werden es 2011  nochmals übertreffen.
Der Bezirk Braunau floriert, obwohl er eine Randregion in Oberösterreich ist. Was sind die Gründe?
Der Bezirk hat schwierige Zeiten hinter sich, vor allem als die AMAG noch verstaatlicht war.  Seit der Privatisierung ist das Unternehmen wieder herzeigbar.
Zum zweiten haben die Innviertler eine besondere Qualität. In Bezug auf Firmenloyalität und Engagement. Diese Qualität sucht ihresgleichen. Hier gibt es   zweifellos ein regionales Gefälle. Die Menschen sind sehr motiviert.  Wie wir wissen, sind die Innviertler ein bisschen stur.   Aber wenn der Innviertler sagt, er macht es so, dann macht er es so.
 Dazu kommt der Lernwille.  Wenn ich unsere Leute vergleiche mit jenen unserer Mitbewerber weltweit, dann muss ich feststellen,   dass es die Verbundenheit mit dem Unternehmen wie bei uns dort nicht gibt.

Finden Sie in der Region noch genügend  ausgebildete Arbeitskräfte?
Es geht noch. Wir haben eigene Ausbildungssysteme entwickelt. Problematisch  wurde es voriges Jahr  zum ersten Mal bei den Lehrlingen. Die  Schulausbildung  war teilweise so unzureichend,  dass wir sie nicht nehmen konnten.  Sie können teilweise nicht rechnen oder  schreiben. Wir haben das Kontingent von 20 Lehrlingen voriges Jahr nicht aufgefüllt.  
 Wir sind gezwungen, innerbetrieblich fast ein Schuljahr anzuhängen, um sie  höher zu qualifizieren.

Verlorene Jahre

21. Januar 2012

Kenneth Rogoff redet Klartext. Mit der heutigen Politik sei Europa auf dem besten Weg, sich ein verlorenes Jahrzehnt einzuhandeln. „Griechenland, Portugal, Irland und wahrscheinlich auch Spanien sind insolvent und benötigen einen Schuldenschnitt“, sagt der einflussreiche Professor für Volkswirtschaftslehre an der Harvard University  bei Boston im Interview mit der  Schweizer  Zeitung Finanz und Wirtschaft.  Die Länder bräuchten eine Entschuldung, mit Wachstum sei  eine Lösung  nicht möglich.

Harte Kritik

 Jemandem ein verlorenes Jahrzehnt zu prognostizieren, ist eine harte Sache, eine harte Kritik.  Doch wenn wir ehrlich zu uns selbst sind und auf die vergangenen  Jahre in Österreichs Politik zurückblicken, stehen wir da nicht auch vor verlorenen Jahren?   Was hat sich  bewegt, welche Probleme wurden gelöst?   Das Pensionsproblem? Die Verwaltungsreform? Das Gesundheitswesen? Die Sanierung des Staatshaushaltes? Nichts von alledem. Ganz im Gegenteil. Die Situation hat sich verschlechtert.  Die Verschuldung stieg von 60 Prozent auf 75 Prozent des    Bruttoinlandsprodukts. Die große Koalition hat ihre  Hausaufgaben nicht gemacht.

Too late, too little

Jetzt, wo uns das Wasser bis zum Hals steht, will die Regierung  erste Maßnahmen setzen. In den Augen der internationalen Investoren sind wir bereits zweitklassig. Man braucht kein großer Prophet zu sein, um zu wissen, wie ihr Urteil  lauten wird.  „Too late, too little“,  sagen die Amerikaner über Europas Handeln.  „Too late, too little“ werden wohl auch die Maßnahmen der Koalition sein.

Ehrenzeichen

21. Januar 2012

Ehre, wem Ehre gebührt. Aber gebührt jedem ein Ehrenzeichen? In der Politik offensichtlich schon.  Sämtliche ausgeschiedenen Landespolitiker gingen Dienstagabend mit  einem Kreuz aus Gold oder Silber nach Hause.  Verdienste?  Die eine hatte eine rechtzeitige Gesundheitsreform verhindert.  Die andere hatte ihre Mitarbeiter schlecht behandelt. Aber alle wurden belobigt,  denn sie hatten ihre Jahre abgedient und keine silbernen Löffel gestohlen. Je höher die Position, umso größer das Ehrenzeichen. Für   Leute, die sich jahrzehntelang an der Basis  abrackern und keine fünfstelligen Monatsgehälter beziehen,   sind kleine  Auszeichnungen vorgesehen. Die Ernennung zum Konsulenten zum Beispiel.
Im Kanzleramt geht es ähnlich zu.  Einem Medienmanager, der hierzulande  12    Kaufzeitungen in kleinformatige Anzeigenblätter umgewandelt hat,  wurde von Werner Faymann das Große Ehrenzeichen der Republik angeheftet. Begründung:  Der  Tiroler  fühle     sich der Qualität im Journalismus besonders verpflichtet. Was werden sich da die Leser und die vielen gekündigten Mitarbeiter denken?

Kohl ein historischer Koloß, als Familienvater ein Versager

03. Februar 2011

Die Idylle schien perfekt. Der deutsche Kanzler Helmut Kohl machte mit seiner Familie in den 80-er und 90-er Jahren im Sommer stets Urlaub am Wolfgangsee. Nichts schien das kleinbürgerliche Glück zu stören. Kohl besuchte gern die Wirts- und Cafehäuser der Umgebung, dass er gern das Doppelte bis das Dreifache eines normalen Gastes aß, sah man großzügig nach. Schließlich hatte der Koloss von einem Mann schwere Verantwortung zu tragen. Österreich fühlte sich ob des hohen Gastes geschmeichelt. Hin und wieder stieg er ins Boot oder schwamm im See.

Das nach außen hin präsentierte Familienglück gab es nicht

Das war offensichtliche alles Lug und Trug. Denn das nach außen gezeigte Familienglück gab es nicht. Walter Kohl, Sohn des Kanzlers, beschreibt in seiner eben erschienenen Biographie „Leben oder gelebt werden“ (Verlag Integral) eine erschütternde Sicht auf seinen Vater. „Walter, deine Mutter ist tot“, sagte die Stimme am anderen Ende des Telefons. Der Überbringer der Nachricht vom Selbstmord Hannelore Kohls im Juli 2001 war nicht ihr Ehemann und nicht der Vater der beiden Söhne. Es war seine Büroleiterin.

Die CDU war seine Familie

Der Mann, der deutsche Geschichte schrieb, war familiär ein totaler Versager. Seine wahre Familie waren nach den Worten seines Sohnes nicht Frau und Kinder, sondern die CDU, „der Clanchef eines Stammes“. Walter Kohl, der „Sohn vom Kohl“, wie er sich selbst beschreibt, glaubt nicht mehr an die Reaktion seines heute 80-jährigen Vaters. „Ich habe es nicht geschafft, meinen Vater zu erreichen.“ Jahrzehntelang habe er auf ein „klärendes Gespräch“ gehofft. „Heute weiß ich, dass wir dieses Gespräch nie führen werden.“ Als Vater hat er für ihn versagt. „Jahrzehntelang hat er sein Bestes in Partei- und Gremienarbeit investiert……Das war sein Sinnen und Trachten, es rangierte weit vor der Familie und dem Privatleben. Wir liefen auf seiner politischen Bühne mit, als Teil des Bühnenbildes, aber ohne tragende Rolle.“

Gedanken an Selbstmord

Er berichtet offen von seiner inneren Versteinerung, seinen Gedanken, wie die Mutter das Leben selbst zu beenden. Der eigene kleine Sohn habe ihn dann von diesem Schritt abgehalten. „Wie konnte ich mich davonstehlen? Da gab es einen Menschen, der mir bedingungslos vertraute.“ Von der zweiten Ehe seines Vaters mit Maike Richter erfährt der Sohn im Mai 2008 durch ein Telegramm. „Heidelberg 8. Mai. Wir haben geheiratet. Wir sind sehr glücklich. Maike Kohl-Richter und Helmut Kohl“, steht darauf. Aus der „Bild“-Zeitung erfährt er dann die Details. „Mein Vater hat sich inzwischen völlig von mir losgesagt.“ Auf die Frage, ob er „die Trennung“ wolle, habe Helmut Kohl knapp geantwortet: „Ja.“ Walter Kohl bilanziert: „er war nie ein Vater wie andere Väter, er war immer ein Sonderfall…..Er bleibt mein Vater, aber er ist weit weg.“

Entschuldigung!

06. Februar 2011

Leider hatten Sie in den vergangenen zwei Wochen Probleme, meinen blog zu lesen. Ich hatte ebenfalls Schwierigkeiten, blog-Beiträge zu schreiben. Ursache waren technische Probleme, die sich durch eine Server-Umstellung ergeben haben. Jetzt müsste aber wieder alles funktionieren.

Was Ägypten von Südkorea unterscheidet

08. Februar 2011

Die Aufstände in Ägypten (Bild: nzz.ch) und Tunesien sind wahre Revolutionen. Die Jungen haben das Heft in die Hand genommen und wollen die alten Diktatoren weg haben. Die Welt ist überrascht, dass sich aus der muslimischen Welt eine Zivilgesellschaft zu Wort meldet, die ganz im Gegensatz zu den Extremisten und Terroristen steht, vor denen der Westen erschaudert.

Die Jungen wollen Arbeit

Die jungen Menschen sind alles andere als religiöse Spinner oder Ideologen, sie wollen vor allem eines: Sie wollen Arbeit, damit sie heiraten und eine Familie ernähren können. Sie fordern das, was alle jungen Leute der Welt wollen: eine Perspektive für ihr Leben.

Vor 50 Jahren waren Ägypten und Südkorea gleich arm

Wie wenig Ägypten aus seinen Ressourcen und Möglichkeiten in den vergangenen Jahrzehnten gemacht hat, zeigt ein Vergleich mit Südkorea.  Vor 50 Jahren hatte die asiatische Republik ungefähr genauso viele Einwohner wie die ägyptische Großmacht. Die Menschen waren so arm wie die Ägypter, sie litten ebenfalls unter einer Diktatur und unter hohen Militärausgaben. Heute ist Südkorea eine industrielle Großmacht, die Südkoreaner sind fünfmal so reich wie die Ägypter,  sie leben um zehn Jahre länger und haben eine echte Demokratie.

Die Südkoreaner verfügten über eine bessere Bildung

In einem wichtigen Punkt unterschieden sich die Länder. 1960 konnten 71 Prozent der Koreaner lesen und schreiben, aber nur 25 Prozent der Ägypter. Heute sind die Ägypter so weit wie die Südkoreaner damals. Das ist der eine Unterschied.

Frauen in islamischen Ländern sind Bildungsverlierer

Der zweite Unterschied ist der Bildungsgrad der Frauen. In den islamisch geprägten Ländern sind die Frauen die Bildungsverlierer. Sie bekommen besonders viele Kinder. Es herrscht Unkenntnis über Verhütungsmethoden, mangels Alternativen bleibt ihnen nichts anderes übrig als in die Mutterrolle zu schlüpfen, das Kinderkriegen beginnt früher, wenn die Frauen keine Schule bzw. weiterbildende Schulen besuchen. Wenn sie mit 16 Jahren schwanger werden, ist dies ein folgenschwerer Unterschied als wie wenn das erst mit 22 der Fall ist. In Südkorea hingegen ist die durchschnittliche Kinderzahl pro Jahr von sechs im Jahre 1960 auf 1,6 im Jahr 1990 gesunken. In Ägypten hat sich die Bevölkerungsanzahl innerhalb von 50 Jahren auf 84 Millionen verdreifacht, während sie sich in Südkorea nur auf 50 Millionen verdoppelt hat.

Die Politik der asisatischen Tigerstaaten war erfolgreich

Asiens Tigerstaaten haben im Vergleich zu den nordafrikanischen Ländern zwei Parameter erfolgreich umgesetzt: Politik für weniger Geburten und Politik für mehr Wachstum. Die nordafrikanischen Diktaturen haben hingegen in der Bevölkerungs- und in der Wirtschaftspolitik versagt. Die schmarotzenden Eliten haben sich nur selbst bedient.

Ballungsräume entlasten, ländliche Regionen stärken

09. Februar 2011

Gottfried Kneifel hat als neuer Vorsitzender des Bundesrates für das erste Halbjahr 2011 einen vernünftigen Vorschlag gemacht. Er stellte in Frage, warum denn alles Bundesbehörden in Wien situiert sein müssten und warum denn nicht auch manche Stellen in den Landeshauptstädten untergebracht werden könnten. In Deutschland funktioniert das sehr gut. Dort ist beispielsweise der Bundesverfassungsgerichtshof in Karlsruhe.

Beispiel Deutschland

Die Flexibilität, die Kneifel vom Bund einfordert, sollte auch für die Länder gelten. Warum müssen die Landesbehörden alle in der Landeshauptstadt Linz sein? Warum können nicht einige Ämter nach Wels, Grieskirchen, Vöcklabruck oder Ried ausgelagert werden? Was dem gelernten Oberösterreicher unrealistisch erscheinen mag, wird andernorts, nämlich im benachbarten Bayern, bereits praktiziert. Dort hat Ministerpräsident Horst Seehofer Ämterverlagerungen mit dem Ziel vorgenommen, Ballungsregionen wie München zu entlasten und den ländlichen Raum zu stärken. So wurde das Statistische Landesamt nach der Quelle-Pleite nach Fürth verlagert, das Amt für Ländliche Entwicklung von Regensburg nach Tirschenreuth und die Finanzdatenerfassung nach Wunsiedel. Diesen Weg, so hat er im Interview mit der Passauer Neuen Presse vom 29. Jänner 2011 angekündigt, wolle er fortsetzen.

Beispiel Bayern

Vieles, was heute erstarrt erscheint, ist angesichts maroder öffentlicher Finanzen, überforderter Ballungsräume und sich entleerender ländlicher Räume neu zu durchdenken und zu entscheiden.

Afrika braucht Bildung und Investitionen

14. Februar 2011

Rund 5000 junge Tunesier sind auf die kleine süditalienische Insel Lampedusa geflüchtet. Einer von ihnen erzählte, er hätte 1500 Euro für die Überfahrt bezahlt. Das ist für afrikanische Verhältnisse ein kleines Vermögen. Zeitgleich demonstrieren in Kairo Menschen für gerechte Löhne und wirtschaftliche Verbesserung.

Die Flucht nach Europa ist keine Lösung

Es ist klar, dass die EU jene Millionen von Afrikaner nicht aufnehmen kann, die arm sind und eine Verbesserung ihrer Lage in Europa suchen. Hier ist genau der Punkt, an dem der Westen – sprich die USA und die EU – ansetzen müssen. Afrika, speziell Nordafrika, benötigt einen Marschallplan. Es bedarf großer Investitionen des Westens in diesen Ländern. Europa hat Afrika primär als Rohstofflieferanten benutzt, war aber an seiner wirtschaftlichen Gesamtentwicklung nicht wirklich interessiert. Speziell Frankreich hat hier versagt.

Produktion nach Afrika verlegen

Statt den weitaus größten Teil der Produktion nach Asien auszulagern, sollten die europäischen Firmen in nordafrikanischen Ländern produzieren lassen. Diese Investitionen verlangen aber auch eine Verhaltensänderung der Afrikaner. Sie müssen so hart und konsequent arbeiten wie die Asiaten, nur dann sind sie konkurrenzfähig. Westliche Investitionen bedeuten nicht das Paradies, in dem die gebratenen Tauben in den Mund fliegen, sondern harte Arbeit, die über einen längeren Zeitraum einen gewissen Wohlstand ermöglicht. Eine andere Investitionsmöglichkeit ist die Errichtung von riesigen Solarkraftwerken in den Wüsten, die den Europäern die dringend benötigte Energie liefern könnten. Realisierbare Visionen sind möglich, sie bedürfen aber einer Verhaltensänderung aller.

Änderung der Mentalität nach dem Vorbild der Asiaten

Eine weitere wichtige Investition ist der Ausbau der Bildung in Afrika. Vor allem den Frauen muss der Zugang zur Bildung ermöglicht werden. Nur durch bessere gebildete Frauen ist der dringend benötigte Rückgang der Geburten möglich. Würde der Bevölkerungszuwachs so anhalten wie er in den vergangenen Jahrzehnten der Fall war, zum Beispiel eine Verdreifachung wie in Ägypten, wäre die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit eine Illusion. So viele Arbeitsplätze können gar nicht geschaffen werden.

Die Revolution ist nur der erste Schritt im Aufbau-Marathon 

Die Revolution im arabischen Raum ist an ihrem Beginn. Hosni Mubarak wurde abgesetzt. Doch dies ist lediglich der erste Schritt am Beginn jenes Aufbau-Marathons, der sich über viele Jahre hinziehen wird.

Oberösterreichs SPÖ im Dauertief

15. Februar 2011

Die oberösterreichische SPÖ ist in der Krise. Ist sie bei der Landtagswahl 2009 auf einen neuen Tiefststand von rund 25 Prozent gesunken, bedeutet der Verlust des Bürgermeistersessels am Sonntag in der traditionell roten Hochburg Braunau einen neuerlichen Schlag. Nach 55 Jahren SPÖ-Dominanz gewann der ÖVP-Mann Hannes Waidbacher die Stichwahl.

Josef Ackerl eine Übergangslösung

Landeshauptmannstellvertreter Josef Ackerl, der 2009 schon seine Schachteln im Büro für seinen Abgang in die Pension gepackt hatte, ist als Landesparteivorsitzender eine Übergangslösung.

Die SPÖ-Vorherrschaft in Wels wackelt ebenfalls

Mit Wels wackelt eine weitere jahrzehntelange SPÖ-Säule. Bei der Gemeinderatswahl waren die Sozialdemokraten bereits von der absoluten Mehrheit auf rund 35 Prozent zurückgefallen. Wie in Braunau ist auch hier die Stadtpartei zerstritten und in interne Lager zerfallen. Das sind alles schlechte Vorzeichen für den Nachfolger von Peter Koits, der demnächst 70 wird. Angesichts dieser Ausgangsposition wird es die SPÖ sehr schwer haben, wieder einen der ihren an die Spitze der Stadt zu installieren.

Nur die Linzer SPÖ ist stark

Ungebrochen stark ist die Linzer SPÖ. Mit Franz Dobusch steht eine unumstrittene und führungsstarke Persönlichkeit an der Spitze. Die Nachfolgefrage ist mit Klaus Luger ebenfalls geklärt. In dieser schwierigen Lage, in der sich Oberösterreichs SPÖ befindet, ist die Linzer SPÖ das Rückgrat.  Es wird wahrscheinlich Franz Dobusch sein müssen, der die Nachfolge Ackerls als Landesparteivorsitzender entscheidet. Das wird so manchen innerparteilich nicht gefallen, aber es wird aus derzeitiger Sicht nicht anders gehen.

Wer schwer verschuldet ist, ist nicht mehr Herr, sondern Knecht

16. Februar 2011

Wer in einem größeren Ausmaß verschuldet ist (Bild: kleinezeitung.at), ist nicht mehr Herr, sondern Knecht. Knecht der Gläubiger. Diese Erfahrung macht derzeit das de facto bankrotte Griechenland. Der griechische Ministerpräsident Giorgios Papandreou hat sich beim Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF) Dominique Strauss-Kahn über das „inakzeptable“ Vorgehen des IWF-Kontrolleure, die das griechische Reformprogramm überwachen, beschwert. „Wir haben auch Würde“, sagte der Premier, „und dies handeln wir mit niemanden aus. Befehle erhalten wir nur vom griechischen Volk.“

Mangelnde Reformbereitschaft

Anlass für die griechische Verstimmung war die Kritik der Kontrolleure an der fehlenden Reformbereitschaft in Teilen der griechischen Bevölkerung. Sie hatten damit einen Proteststurm ausgelöst. Apotheker, Busfahrer und Ärzte hatten wochenlang mit Streiks und Demonstrationen gegen Veränderungen ihrer Arbeitsbedingungen  protestiert. Der IWF hatte ihnen öffentlich vorgeworfen, durch ihr Festhalten an Privilegien die Reformen zu behindern und der Gesellschaft insgesamt eine große Last aufzubürden. Dennoch haben die Kontrolleure eine weitere Kredittranche von 15 Milliarden Euro freigegeben.

Unabhängigkeit das höchste Gut

Genau auf diese Gefahr, die Autonomie über das Budget bzw. die Budgeterstellung im Fall hoher Verschuldung zu verlieren, wies der Wirtschaftswissenschafter Gerhard Lehner vergangene Woche bei seinem Vortrag in seiner Geburtsstadt Eferding hin. Lehner ist Mitglied der Steuerreformkomission und des Staatsschuldenausschusses. Österreich hatte 1925 eine Anleihe des Völkerbundes gezeichnet, die von einem Kommissar überwacht wurde und der massiv in die Budgetgestaltung eingriff. „Seit dieser Erfahrung gibt es ein Dogma“, meinte Lehner, „wir dürfen uns nie die Souveränität einschränken lassen.“

Internationale Abhängigkeit immer größer

Er, so Lehner, sei nun seit 45 Jahren in diesem Geschäft. In dieser Zeit hätten sich die Rahmenbedingungen grundlegend geändert. Während früher jedes Land seine eigene Budgetpolitik betrieben habe, hätten durch die Globalisierung Ratingagenturen und die internationale Finanzwirtschaft massiv an Einfluss gewonnen. Zudem habe die EU im Wirtschafts- und Stabilitätspakt Schuldenhöchstgrenzen festgelegt: Drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für die jährliche Neuverschuldung und 60 Prozent des BIP für die Gesamtverschuldung.

Eurostat: Präpotenz größer als Kompetenz

Heftige Kritik übte er an Eurostat, der Statistikbehörde der EU, die unter anderem über die Einhaltung der Schuldengrenzen wacht. Eurostat sei zwar in der Bedeutung massiv aufgewertet worden, doch ihre Präpotenz sei viel größer als ihre Kompetenz. Ständig würden die Richtlinien geändert, sie ändere jeden Monat ihre Meinung.

Schuldenabbau dauert noch Jahre

Österreich verfügte 2010 über eine Neuverschuldung von 4,1 Prozent und eine Gesamtverschuldung von knapp 70 %. Österreich habe die Finanzkrise besser überstanden als viele andere Länder und verfüge über die Bestbewertung von AAA. Im Strategiebericht peile die Regierung für 2014 eine Neuverschuldung von 2,3 5 an. Ziel müsse aber eine Neuverschuldung von 0 bis 0,5 Prozent sein. Dies sei bis 2016 bzw. 2017 möglich. Lehner warnte vor einem zu raschen Schuldenabbau, da dadurch die Gefahr der Konjunkturabwürgung bestehe.

Pensionen fressen das Budget auf

Auf die Frage, welche Probleme in den nächsten Jahren in Österreich gelöst werden müssten, nannte Lehner fünf Punkte:

  1. Die Überalterung der Bevölkerung und die damit verbundenen Probleme der Pensionssicherung

Würden hier keine Maßnahmen ergriffen, würde bis 2040 der gesamte Budgetspielraum für die Pensionen aufgehen. Das Pensionsantrittsalter müsste angehoben werden, eine Anhebung bringe pro Jahr 1,2 bis 1,3 Milliarden Einsparung. Geklärt müsse auch die Wertsicherung der Pensionen werden.

2. Reform des Bildungssystems: Das österreichische Bildungssystem koste viel Geld, sei aber im Resultat zu wenig ertragreich.

3. Infrastruktur: Hier lebe Österreich von der Vergangenheit, viele Straßen, Brücken und Schienen müssten neu gebaut werden.

4. Zinsen: Österreich zahle für seine Schulden von rund 175 Milliarden Euro rund acht Milliarden Zinsen. Der Vorteil sei derzeit der niedrige Zinssatz. Würde er um nur 0,1 Prozent angehoben, bedeute das für Österreich eine Mehrbelastung von 200 bis 250 Millionen Euro.

5. Verwaltungsreform: Er, Lehner, könne dieses Wort nicht mehr hören. Die Effekte einer Reform seien jedenfalls wesentlich niedriger als die drei Milliarden Euro, die immer wieder genannt würden. Außerdem würde sie erst mit einer erheblichen zeitlichen Verzögerung wirken.

Lehner betonte, dass die Experten derzeit das deutsche Modell studierten, denn dort sei die Staatsquote um vier Prozent niedriger als in Österreich.  

Keine Steuerreform in den nächsten Jahren

Weiters wies er darauf hin, dass sich Österreich in den nächsten beiden Legislaturperioden keine Steuerreform leisten könne.

Zur Situation in den USA erklärte er, dass diese eben so hoch verschuldet seien wie Griechenland. Dadurch, dass die Zentralbank FED die Märkte mit Geld überschwemme, werde Inflation ausgelöst werden. Die Inflation sei nicht ungefährlich, durch Inflation könnten die Staatsschulden schneller abgebaut werden.

Die Revolutionen von Tunesien und Ägypten haben weitreichende Folgen

17. Februar 2011

Die Revolutionen von Tunesien und Ägypten(Foto: Frankfurter Neue Presse) haben die Welt überrascht. Nicht nur durch ihre Durchsetzungsstärke, sondern vor allem auch qualitativ. Denn hier präsentierte sich ein Islam, den zumindest die westliche Welt so nicht kannte. Die jungen Menschen forderten Freiheit, Demokratie und Arbeit. Die Muslime präsentierten sich mit Wertvorstellungen, die den westlichen ähnlich bzw. ident sind.

Unter den Demonstranten waren viele Frauen

Interessant war auch zu beobachten, dass viele Frauen unter den Demonstranten zu finden waren. Diese Tatsache widerlegt die Vorstellung, dass die Frauen im Islam nur unterdrückt sind. Mit einem Wort: In Tunesien und Ägypten präsentierte sich ein moderner Islam, der hoffen lässt. Ein Islam, der das Gegenbild zu den Fundamentalisten und muslimischen Terroristen darstellt.

Die Auswirkungen können in der vollen Tragweite noch nicht abgeschätzt werden

Der langfristige Erfolg der Revolutionen von Tunesien und Ägypten ist von weitreichender Bedeutung. Denn er hat das enorme Potenzial, die gesamte muslimische Welt in Richtung einer modernen, demokratischen und wirtschaftsstarken Entwicklung zu lenken. Das hätte auch enorme positive Effekte auf das Zusammenleben der Muslime mit den christlichen und aufgeklärten Menschen in Europa. Die gegenseitigen Ängste und Spannungen würden abgebaut, das Verständnis gefördert.

Tunesien udn Ägypten widerlegen Ex-US-Präsident Bush

Die Revolutionen von Tunesien und Ägypten widerlegen auch die These des früheren US-Präsidenten George W. Bush, der als Hauptkriegsziel für den US-Feldzug im Irak anführte, hier mit Feuer und Schwert eine Schneise für die Demokratie in der arabischen Welt zu schlagen.  Im Irak herrschen noch immer Krieg und Terrorismus. Hingegen haben die Menschen in Tunesien und Ägypten aus sich heraus den Weg Richtung Freiheit und Demokratie eingeschlagen. Ohne Waffen, mit friedlichen Mitteln.

Die selbsternannten Hüter der Moral

19. Februar 2011

Karl Theodor zu Guttenberg will zukünftig seinen Doktortitel nicht mehr verwenden. Er zieht damit die Konsequenz aus dem politischen Wirbel um seine Doktorarbeit. Der Verteidigungsminister hat zugegeben, die eine oder andere Passage seiner 475 Seiten umfassenden Doktorarbeit abgeschrieben zu haben, ohne sie entsprechend zu zitieren. Das Geheul über diese Ungeheuerlichkeit war groß, er wurde mehrfach zum Rücktritt aufgefordert.

Wer hat noch nie Vorschriften gebrochen?

Natürlich ist es so, dass Abschreiben ohne Zitieren verboten ist. Wie es verboten ist, im Ortsgebiet schneller als 50 km/h zu fahren. Nur, ehrlich gesagt, wer hat diese Vorschrift noch nie gebrochen? All‘ jene, die jetzt groß die Moralapostel spielen, sollen ihre Zunge hüten! Gerade die Journalisten und Wissenschafter sollten besonders zurückhaltend sein. Denn wer von ihnen hat noch nie eine Idee geklaut oder von anderen abgeschrieben, ohne entsprechend zu zitieren? Wer hier ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein! Tatsache ist, dass der Ideenklau und auch das teilweise Abschreiben gang und gebe ist. Wer anderes behauptet, der lügt. Sollte er aber tatsächlich rein sein, sollte er sich bei Papst Benedikt XVI. um seine Heiligsprechung bemühen.

Das Rad wird nicht jeden Tag neu erfunden

Das Rad wird nicht ständig neu erfunden. Das ist auch gar nicht notwendig. Es wird weiterentwickelt und in vielen Formen und Abwandlungen verwendet. Ähnlich ist es im Leben und in der Wissenschaft. Die Welt ist nicht voll von Genies, die ununterbrochen die Menschheit mit neuen Erfindungen beglücken. Deshalb sollten alle, die hier mit dem erhobenen Zeigefinger durch die Welt schreiten, jene Demut üben, die sie von den von ihnen Kritisierten einfordern.

Der Lack ist ab

23. Februar 2011

Er war der Strahlemann sowohl der CDU als auch der CSU. Doch nun ist der Lack ab. Karl Theodor zu Guttenberg hat sein Doktorat an der Universität von Bayreuth zurückgelegt. Er hat abgeschrieben, ohne die Passagen entsprechend zu kennzeichnen. Er hat sogar als Abgeordneter ein Gutachten in Auftrag gegeben, das lediglich für seine Doktoratsarbeit gedient hat.

Die politische Karriere konnte nicht schnell genug gehen

Guttenberg hat zu viel auf einmal gewollt. Er wollte politische Karriere machen, die einen hohen zeitlichen und persönlichen Einsatz fordert, und gleichzeitig das Doktorat machen. Weil ihm die Zeit für seine wissenschaftliche Arbeit gefehlt hat, hat er geschummelt, da und dort abgeschrieben, ohne die Passagen zu zitieren. Hätte er diese Sätze unter Anführungszeichen gesetzt, hätte er heute kein Problem und er wäre immer noch Doktor.

Die Karriere hat nun einen Knick

Doch nun hat seine Karriere einen Knick. Die Opposition verlangt sogar seinen Rücktritt. Das ist verständlich, galt doch Guttenberg als der Nachfolger für Kanzlerin Angela Merkel. Damit wäre die Opposition einen für sie gefährlichen Gegner los. Guttenberg hat mit der Rückgabe des Doktorats die Konsequenzen gezogen. Ob seine politische Karriere einen dauerhaften Schaden erleidet, ist heute schwer abzuschätzen.  Der Makel ungeschickten Abkupferns wird ihm jedenfalls bleiben.

Die Libyer sind Helden

24. Februar 2011

Die Libyer haben meine Hochachtung und meine Bewunderung. Sie setzen ihr Leben aufs Spiel, um die unselige Herrschaft von Gaddafi zu beenden. Hunderte, sogar Tausende sind bei ihren Protesten umgekommen und erschossen worden (Foto: Limmattaler Zeitung). Von gedungenen Mördern und Terroristen aus dem Tschad, Somalia und anderen afrikanischen Staaten. Die Aufständischen sind Helden und Märtyrer. Für Gaddafi sind sie hingegen „Raten, die hingerichtet werden müssen“,

Ist Gaddafi verrückt?

Die Auftritte Gaddafis sind seit Jahren makaber. Sie drängen die Frage auf, ob der Diktator noch alle Tassen im Schrank hat. Das ist keine Entschuldigung für den Krieg, den er gegen sein Volk führt, aber die 42-jährige Diktatur hat sich offensichtlich auch in seinem Gehirn und seiner Psyche niedergeschlagen.

Wie geht es in Nordafrika weiter?

Die Schießbefehle und die Flugzeugbombardements gegen die Bevölkerung werden ihn nicht retten. Seine Zeit ist vorbei. Die Frage ist, wie es weitergehen wird. In Libyen, in Tunesien, in Ägypten und in jenen muslimischen Diktaturen, wo die Menschen gegen ihre Unterdrückung aufstehen. Werden sich die Islamisten wie zum Beispiel die Muslimbrüder durchsetzen oder werden sich die Länder zu demokratischen, säkularen Staaten weiterentwickeln?

Demokratische, säkulare Staaten sollten entstehen

Die Christen in Nordafrika fühlen sich jedenfalls zunehmend bedroht. So warnt der vatikanische Nahostexperte Pater David Jaeger im Gespräch mit „Radio Vatikan“ vor einer Unterschätzung der Effizienz der Muslimbrüder-Organisation. Diese wolle nichts anderes als einen islamischen Staat auf der Basis der Sharia einführen, so der Franziskanerpater. Auch der koptische Diakon Amgad Rekzai berichtete bei einem Vortrag in Fribourg von großen Ängsten der ägyptischen Christen vor einem islamischen Staat.

Fundamentalistische Muslimbrüder sehr gut organisiert

Es gebe zwar in der Region in keinem Land eine Bevölkerungsmehrheit, „die einen theokratischen Staat will wies es die Moslembrüder wollen“, sagte P. Jäger. Er zeigte sich jedoch besorgt, dass islamistische Gruppen die derzeitige Situation im Land für ihre Zwecke ausnützen könnten.

Neue islamische Bewegung notwendig

Damit das nicht geschehe, müsse eine islamische Bewegung entstehen, „die sich ganz klar für einen säkularen und demokratischen Staat einsetzt“. Wenn es allerdings keine starke Alternative zu den islamistischen Fundamentalisten gebe, „dann wird das Volk keine Wahl haben, und das hätte verheerende Konsequenzen“.

Der Opernball der Prostituierten

25. Februar 2011

Baumeister “Mörtel” Richard Lugner ist ein Meister des Marketing. Man muss kein Fan von ihm sein, aber das kann er. Die halbe Republik ist in Aufregung, weil er die 18-jährige Gespielin des 74-jährigen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi, Ruby Rubacuori (Bild), zum Opernball eingeladen hat. ORF-Programmdirektor Lorenz sprach von einem “Nuttenball” samt “Logenstrich”. Staatsoperdirektor Dominique Meyer zeigte sich “ein bißchen traurig, dass man unser Fest verderben will, aber das wird man nicht schaffen”. Opernball-Chefin Desiree Treichl-Stürgkh distanzierte sich “vehement” von der Dame. In diesem Jahr könne sie Lugner die Loge zwar nicht mehr wegnehmen, abe es könne sein, dass Lugner im nächsten Jahr nicht mehr berücksichtigt werde.

Nuttenball samt Logenstrich

Scheinheiligkeit und künstliche Empörung, anders kann das Verhalten der Offiziellen nicht bezeichnen. Mit Abscheu wenden sie sich von der marrokanischen Prostituierten. Aber ist der Opernball nicht voll von Prostituierten? Der Großteil der Gäste prostituiert sich: Wirtschaftlich, politisch, gesellschaftlich, kulturell etc. Nur weil sich ein Mädchen körperlich prostituiert, wird es verstoßen und alle zeigen mit dem Finger auf sie? Eine Gesellschaft von Scheinheiligen.

Wer von den Gästen prostituiert sich nicht?

Würde die Verantwortlichen der Staatsoper alle jene ausschließen, die sich in irgendeiner Form prostituieren, müssten sie den Ball absagen. Denn es ist ja gerade das Interesse der meisten Gäste, sich der Öffentlichkeit zu präsentieren, sich den oberen 10.000 zugehörig zu fühlen, bei der Prominenz und dem Geldadel dabei zu sein. Die Opernball-Verantwortlichen würden gut daran tun, die Moralkeule wegzustecken. Was wäre der Opernball, wenn ”Mörtel” Lugner nicht für Aufregung sorgen würde? Ein fades Ereignis. Der Opernball braucht den Lugner und der Lugner braucht den Opernball. Eine klassische win-win-Situation.

Der Absturz eines Überfliegers

01. März 2011

Er hat dem Druck nicht mehr Stand gehalten. Die Attacken gegen Karl-Theodor zu Guttenberg glichen zeitweise einer öffentlichen Hinrichtung. “Ich war immer bereit zu kämpfen. Ich habe die Grenzen meiner Kräfte erreicht.” Der Leidensdruck war zu groß. Plötzlich traten da Professoren auf und pinkelten dem Verteidigungsminister ans Bein. Sie nutzten die Gelegenheit, um so ins Rampenlicht der Öffentlichkeit zu kommen, was sie aufgrund ihrer Arbeit und Qualifikation kaum jemals geschafft hätten.

Er hielt dem Druck nicht mehr stand

Was stört es die Eiche, wenn sich die Sau an ihr reibt, hätte sich Guttenberg denken können. Es waren aber nicht mehr einzelne Säue, sondern ganze Rudel. Diese Rudelbildung wurde täglich größer. Und es waren nicht nur aus anderen Ställen herbeigelaufene Säue, sondern auch einige aus dem hauseigenen Stall. Die parteiinterne Verteidigungsfront begann zu bröckeln. Spott und Hohn wurde über ihn ausgeschüttet, die Wissenschaft machte die Causa zu einer Art Existenzfrage.

Unprofessioneller Umgang mit der Plagiats-Affäre

Der Baron war aber nicht nur Opfer, sondern auch Täter. Zuerst tat er die Plagiats-Vorwürfe zu seiner Dissertation als “abstrus”" ab bis er schließlich zugab, Fehler gemacht zu haben und er schließlich und endlich das Doktorat zurückgab. Die Art und Weise, wie er mit der Kritik und der Affäre umgegangen ist, war unprofessionell.  Die Kritik hat ihm schwer zugesetzt. Sie beschädigte seine größte Stärke: die Glaubwürdigkeit.

Steile und kurze Karriere

Guttenberg war ein politischer Star. Der Großteil der Bevölkerung hat ihm bis zum Schluß die Stange gehalten. Mehr als 70 Prozent meinten, er solle im Amt bleiben. Doch der Jagdgesellschaft ist es gelungen, ihn zur Strecke zu bringen. Er, der die wohl steilste politsiche Karriere in der Bundesrepublik Deutschland gemacht hat und als wahrscheinlichen Nachfolger von Kanzlerin Angela Merkel galt, wurde aus der Karrierebahn geworfen.  Es ist die schwerste Niederlage, die der 39-Jährige bisher einstecken musste. Materielle Sorgen braucht man sich aber keine um ihn zu machen.  Das Famlienvermögen ist mehrere hundert Millionen Euro wert.

Die Alkoholsteuer ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein

08. März 2011

Der Vorschlag der Linzer SPÖ, eine 15-prozentige Sondersteuer auf alkoholische Getränke einzuheben, lässt die Wogen hochgehen. Viele Bürgerinnen und Bürger haben das Gefühl, dass sie abkassiert werden sollen. Dieses Gefühl trügt sie nicht. Linz hat hohe Schulden. Sie sind in den vergangenen Jahren auf heute rund eine Milliarde Euro angestiegen. Unterlegt man Zinsen von drei Prozent, machen sie 30 Millionen Euro aus. Doch die Zinsen werden steigen. Das hat die Europäische Zentralbank bereits angekündigt. Jedes Prozent Zinserhöhung kostet Linz zusätzliche 10 Millionen.

Geringe Erträge aus der Steuer

Die geplante Alkoholsteuer würde gerade einmal 12, 13 Millionen Euro bringen. Das ist nicht viel, aber immerhin. Aber die Steuer löst das Problem nicht. Denn mehr als zwei Drittel der österreichischen Gemeinden nähern sich der Pleite. Sie können ihre ordentlichen Haushalte nicht mehr ausgleichen. Die Ursache sind die hohen Ausgaben für die Spitals- und Pflegefinanzierung, die zu einem hohen Anteil auf ihren Schultern liegt. In Oberösterreich macht das rund die Hälfte der Gemeindehaushalte aus. Hier liegt das Grundproblem. Die Kosten für die Krankenhäuser und Altenheime nimmt den Gemeinden die Luft zum Atmen. Der medizinische Fortschritt wird derzeit zu einem erheblichen Teil von den Gemeinden bezahlt.

Greifen die geplanten Reformen?

Mit dem Beginn des nächsten Finanzausgleichs Anfang 2014 soll es zu einer Entlastung kommen, versprechen die Länder, die sich vergangene Woche mit dem Gesundheitsminister über eine Reform des Gesundheitssystems geeinigt haben. Ob es tatsächlich zu deutlichen Entlastungen kommen wird, wird sich weisen.

Der Staat zahlt derzeit fast alles

Einer Änderung bedarf es auch bei der Pflege und den Altenheimen. Derzeit wird fast alles vom Staat bezahlt. Es gibt wenig Eigenleistungen. Aber auch dieses System ist kaum mehr finanzierbar. Deutschland hat ein anderes Modell. Dort zahlt jeder in eine Pflegeversicherung ein. Rund 1,9 Prozent, aufgeteilt jeweils zur Hälfte zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Damit ist die Finanzierung gesichert. Doch in Österreich gibt es darüber keine politische Einigung.

Die Bürger werden in jedem Fall mehr zahlen müssen

Für die Finanzierung der Spitäler, der Altenheime und der Pflege gibt es in Zukunft nur zwei Möglichkeiten. Entweder der Staat greift noch tiefer in die Taschen der Steuerzahler oder es gibt mehr Eigenleistungen der Bürgerinnen und Bürger. Effektiver und günstiger ist die Mitwirkung der Menschen. Das hat sich schon oft bewiesen.

Rücktrittsreife ÖVP-Politiker

12. März 2011

Wie kann man nur so gierig und dumm zugleich sein? Diese Frage muss man sich beim Verhalten des Nationalratsabgeordneten Norbert Kapeller (Bild) stellen, des ÖVP-Bezriskparteivorsitzenden von Freistadt im Mühlviertel. Dem Vernehmen nach hat er seinen Mercedes jahrelang auf einem Behindertenparkplatz auf Linzer Hauptbahnhof geparkt, um mit dem Zug ins Parlament nach Wien zu fahren. Der Behindertenausweis soll seinem vor zehn Jahren verstorbenen Schwiegervater gehört haben. Kapellers offizielle Version: Nicht er, sondern seine Frau hat den Wagen dort abgestellt.

Warum hat Kapeller den Ausweis nicht zurückgegeben?

Kapellers Verhalten ist aus mehrfacher Hinsicht inakzeptabel. Warum hat der Polizist den Ausweis nicht längst zurückgegeben? Warum mietet er sich nicht einen Dauerparkplatz, der um rund 100 Euro monatlich erhältlich ist? Warum muss jetzt seine Frau für sein Fehlverhalten herhalten? Die Causa ist eigenartig. Eines ist aber sicher. Kapeller ist politsich nicht zu halten. Seine Glaubwürdigkeit hat einen irreparablen Schaden erhalten, er sollte die Konsequenzen ziehen und sowohl den Parteivorsitz als auch das Abgeordnetenmandat zurücklegen.

Strasser ist ein Abkassierer

Ein weiterer Kandidat für einen Rücktritt ist Ernst Strasser, Abgeordneter zum Europäischen Parlament. Er hat die ÖVP-Liste bei der vergangenen Wahl angeführt. Nun ist er Under-cover-Journalisten der britischen ”Sunday-Times” auf den Leim gegangen. Eine Londoner Scheinfirma soll dem ehemaligen Innenminister Honorare, teure Flugreisen und einen Job als Berater angenommen haben.  Er sollte dafür Einfluss auf die EU-Gesetzgebung nehmen. Othmar karas liess wissen, Straasse habe bei der Übersendung des Vorschalges am 2. Februar 2011 darauf gedrängt, den Vorschlag der Lobbyisten ins Parlament einzubringen. Er, Karas, habe dies hingegen zurückgewiesen.

100.000 Euro von Hochegger

Die Sache ist insofern glaubhaft, als Strasser vom dubiosen Lobbyisten Peter Hochegger ohne erkennbare Gegenleistung 100.000 Euro erhalten hat. Strassers Glaubwürdigkeit ist ebenfalls schwer angeschlagen. Ähnlich wie Kapeller sollte er die Konsequenzen ziehen und sein Mandat niederlegen. ÖVP-Obmann Vizekanzler Josef Pröll hat ebenfalls Erklärungsbedarf. Denn er hat Strasser an die Spitze der ÖVP-Liste gehievt.

Die Lehre von Japan: Hände weg von der Atomenergie!

13. März 2011

Das Erdbeben in Japan und die dadurch ausgelöste Katastrophe im Atomkraftwerk Fukushima (Bild: welt.online) mit der vermutlichen Kernschmelze führen der Welt eindrücklich vor Augen, dass Kernkraft eine viel zu gefährliche Form der Energiegewinnung ist. Hat die Atomlobby nach der Katastrophe von Tschernobyl vor 25 Jahren noch argumentieren können, der damalige Supergau sei aufgrund veralteter Technologie und Managementfehler in der kommunistischen Planwirtschaft herbeigeführt worden, so ist diese Argumentation über den Haufen geworfen worden.

Unfall trotz Hochtechnologie

Japan ist ein Hochtechnologieland und hat im Bewusstsein der Erdbebengefahr stets alles getan, um darauf vorbereitet zu sein. Doch die Realität hat die Simulationen übertroffen. Das Land steht vor dem Supergau. Die Lehre aus dieser Katastrophe ist eindeutig: Die Welt muss auf die Kernenergie verzichten, sie ist nicht verantwortbar. Die Natur hat bewiesen, dass sie stärker ist als die Technik.  

Mühsmer Weg der Suche nach Alternativen

Der neue Weg, der einzuschlagen ist, ist beschwerlich. Denn Japan hat beispielsweise angesichts fehlender Ressourcen im Land voll auf die Kernenergie gesetzt und 50 Atomkraftwerke gebaut. So hart es ist, das Inselreich wird eine Kehrtwende vornehmen müssen.

Lehre für die gesamte Welt

Diese Wende betrifft nicht nur Japan, sondern alle Staaten der Welt. Österreich besitzt zwar keine Kernkraftwerke, aber es bezieht Strom aus ausländischen AKWs. Weil er billiger ist. Gleichzeitig bekommt der Kampf gegen benachbarte Kraftwerke wie im böhmischen Temelin eine neue Dynamik und Brisanz. Die Katastrophe von Japan betrifft in Wahrheit die ganze Welt.

Zuerst das Öl, dann erst die Freiheits- und Menschenrechte

17. März 2011

Das Verhalten des deutschen Bundestages ist symptomatisch für die Haltung des Westens in diesen Tagen des Umbruchs. Die Regierung und die Abgeordneten gedachten der Toten der japanischen Katastrophe. Für die Opfer des Völkermords, den Muammar Gaddafi (Bild) an seinen Landsleuten begeht, war diese Trauerminute nicht vorgesehen.

In Libyen fließt das Blut der Reformer und der Westen sieht zu

Es besteht natürlich kein Zweifel daran, dass Deutschland auf Seiten der Aufständischen und Reformer in Libyen steht. Aber mit der Ablehnung der Errichtung einer Flugverbotszone unterstützen die deutsche Regierung und der Westen, vor allem die USA, machtpolitisch Gaddafis Terroristen, die dabei sind, das Land völlig unter Kontrolle zu bringen. Das Blut der Aufständischen fließt und der Westen sieht zu. Die UNO belegt einmal mehr, dass sie kaum zu gebrauchen ist. Russland und China blockieren im Sicherheitsrat die Einrichtung dieser Flugverbotszone, die verhindern würde, dass Gaddafi  die eigenen Leute bombardiert.

Die Angst des Westens vor der Freiheit der arabischen Völker

So weit, so schlecht. Aber was hindert den Westen daran, diese Flugverbotszone einzurichten, die sich beispielsweise im Kosovo bereits bewährt hat? Die US-Regierung hat offensichtlich einen Schwenk in ihrer Politik vollzogen. Vor einigen Tagen wurde bereits ein Flugzeugträger vor der Küste Libyens stationiert, ohne dass er bisher zum Einsatz kam. Während sich die Vereinigten Staaten in Tunesien und Ägypten auf die Seite der Aufständischen stellten, lassen sie sie nun in Libyen in Stich. Die Armeen Ägyptens und Tunesiens verhinderten ein Blutvergießen, doch Gaddafi setzte Soldaten und Söldner gegen das eigene Volk ein.

Die Sicherung des Öls ist das primäre Anliegen des Westens

Die USA und der Westen haben offensichtlich Angst davor, die Völker Arabiens in die Freiheit zu entlassen. Die Ursache hat einen Namen: Öl. Was macht der Westen, wenn es in Saudi Arabien und den Ölscheichtümern zu Aufständen kommt? Stellen sie sich auf die Seite der nach Freiheit und Menschenrechen rufenden Menschen oder auf die Seite der Diktatoren, die den Fluss des schwarzen Goldes garantieren? Sie sind wahrscheinlich erst dann zu Regimewechseln bereit, wenn die neuen Regierenden, die neuen Machthaber den Zugang zum Öl sichern. Der Westen will in Wahrheit seine Verbündeten, seine Interessensleute installieren. Erst wenn das gesichert ist, gibt es einen Wechsel an der Staatsspitze.

Zuerst das Fressen, dann die Moral

Die Wahrheit ist, dass das Verhalten des Westens interessengeleitet ist. Die Wertediskussion ist nachrangig, gemäß dem Satz „Zuerst das Fressen, dann die Moral“.  Das Glück Gaddafis ist es, dass viele arabische Machthaber Angst vor Revolutionen in den eigenen Ländern haben. Er wird vermutlich nun seine Herrschaft etwas verlängern können, doch seine Zeit ist grosso modo vorbei.

Die Zuwanderung aus der Türkei stoppen

18. März 2011

“Deutschkurse sind für uns Türken eine Provokation”, sagte Gürsel Dönmez, Integrationsberater des türkischen Premiers Erdogan kürzlich zu einer österreichischen Parlamentarierdelegation, die nach Ankara gereist war. Die Österreicher staunten ob dieser Aussage nicht schlecht, denn sie waren in die Türkei gereist, um Fragen der besseren Integration der rund 200.000 Türken in Österreich zu besprechen. Und Donmez legte noch nach. “Man kann, wie Erdogan erklärt hat, Assimilation als Verbrechen gegen die Menschenrechte bezeichnen.” Das Verblüffende an den Äußerungen ist, dass der 46-Jährige weiss, wovon er spricht. Der Politikwissenschafter hat 22 Jahre lang in Wien gelebt. 

Ohne Sprache kein Abschluß und kein Job

Wie sollen sich Zuwanderer (das Bild des Deutschlandspiegel zeigt türkische Migranten in Berlin) integrieren, die die Ortssprache nicht lernen wollen? Wie wollen sie schulischen Erfolg haben? Wie sollen sie einen Beruf finden bzw. weiterkommen, wenn sie mit den Einheimischen nicht reden können? Jegliche Bemühungen sind zum Scheitern verurteilt. Als Konsequenz bleibt wohl nur, dass man jenen, die so denken und handeln, empfehlen muss, sie sollten doch zu Hause bleiben. Das ist es ja auch nicht schlecht. Die Türkei boomt und verzeichnet ein hohes Wachstum. Wer es am liebsten so hat wie er es in seiner Heimat vorfindet, sollte dort bleiben.  Er sollte sich die Torturen der Reise und des Lebens in der Ferne nicht antun.

Die türkische Regierung will, dass die Auslandstürken Türken bleiben

Premier Erdogan ist erst kürzlich wieder in Düsseldorf aufgetreten. Dort hat seinen Landsleuten zugerufen, Türken zu bleiben. Sie sollen zwar Deutsch lernen, aber als zweite Sprache. Türkisch sollte die erste Sprache bleiben. In gut 50 Prozent der türkischen Familien wird hierzulande ausschließlich Türkisch gesprochen, türkisches Fernsehen gesehen und es werden türkische Zeitungen gelesen. Ergebnis sind schwere Deutschmängel, bis in die dritte Generation hinein. Hier wachsen Probleme heran, denen man entgegensteuern muss.

Keine Integration, keine Zuwanderung

Aufgrund des bisherigen Erfahrungen sollte Österreich fürs Erste von einer weiteren Zuwanderung aus der Türkei Abstand nehmen. Es gibt Menschen aus vielen Teilen der Welt, die hier arbeiten wollen und die bereit sind, sich zu integrieren und die Sprache zu lernen. Es ist das Recht eines jeden Landes, sich seine Zuwanderer selbst auszusuchen. Das hat nichts mit Rassismus zu tun, sondern mit Hausverstand und Vernunft.

Der Aufstieg und Fall des Ernst Strasser

21. März 2011

Die Dreistigkeit, mit der sich Ernst Strasser (Bild: kleinezzeitung.at) als käuflicher Lobbyist im Video, das die Journalisten der „Sunday Times“ haben mitlaufen lassen, anbietet, ist schier unglaublich. 100.000 Euro koste er pro Jahr, verkündete er, er arbeite bereits für fünf Firmen. Das macht zusätzlich zu seinem Einkommen als EU-Parlamentarier 500.000 Euro aus. Nicht schlecht. Die Öffentlichkeit darf gespannt sein, ob er nun auch eine Sonderprüfung der Finanzverwaltung erfährt oder ob sein Förderer und Parteichef Finanzminister Josef Pröll die schützende Hand über ihn hält.

Eine Fehlentscheidung von Josef Pröll

Die Nominierung Strassers zum ÖVP-Spitzenkandidaten bei der vergangenen EU-Wahl war eine schwere Fehlentscheidung Prölls. Denn schon damals war Strasser Lobbyist. Zum Beispiel für die Tiroler Moser-Holding. Obwohl Strasser als gebürtiger Grieskirchner die kulturelle Bedeutung der Verkaufsausgaben der Rundschau und deren Wichtigkeit für die kulturelle Identität der Regionen Oberösterreichs kannte – er hat in seiner Jugend als freier Mitarbeiter für die Welser Rundschau geschrieben -, plädierte er für deren Einstellung. Er fügte sich seinem Geldgeber, der Tiroler Moser-Holding. Er tat damals schon, was ihm nun zum Verhängnis wurde. Er entschied nicht nach objektiven Kriterien, sondern für jene, die ihn bezahlten.

Er steht vor dem Scherbenhaufen seines Lebens

Mit 55 Jahren steht er vor dem Scherbenhaufen seines Lebens. Dabei war er talentiert und er strebte von Anfang an eine politische Karriere an. Weil es ihm als Sekretär für Rechtsangelegenheiten im oberösterreichischen Bauernbund nicht schnell genug ging, wechselte er nach Wien. Der Bauerssohn wurde Ende der 80-er Jahre Sekretär des damaligen Vizekanzlers und ÖVP-Obmanns Josef Riegler. Als er sah, dass sich Rieglers Zeit dem Ende zuneigte, verließ er als Erster das Kabinett Prölls und wechselte zur Firma Umdasch nach Amstetten. Von dort holte ihn Erwin Pröll in die ÖVP-Landesparteizentrale nach St. Pölten.

Rücksichtslos gegenüber seinen Mitarbeitern

Eine gewisse Rücksichtslosigkeit kennzeichnete seinen Aufstieg. Die meisten Mitarbeiter hielten es nicht lange mit ihm aus. Aber er war effizient, was seinen Förderern wie Erwin Pröll gefiel. Dieser nominierte ihn auch für die Regierung. Wolfgang Schüssel machte ihn 2000 zum Innenminister. Strasser blockierte aber im Auftrag Prölls im schwarz-blauen Ministerrat den Bau des Semmering-Basistunnels. Spätestens da entzog Schüssel ihm seine Gunst. Strasser litt darunter, vor allem auch daran, dass Karl-Heinz Grasser und nicht er Schüssels Liebkind war. Denn er wollte weiter nach oben. Als Schüssel nicht ihn, sondern Benita Ferrero-Waldner als EU-Kommissarin nominierte, warf er über Nacht alles hin und schied 2004 aus der Regierung aus.  

Geld stand für ihn im Vordergrund

Ab diesem Zeitpunkt begann Strasser mit seiner Lobbyistentätigkeit. Er ließ sich blenden von den Schilderungen seines ehemaligen Kabinettschefs Ulmer, der in diesen Bereich eingestiegen war. Plötzlich kehrte er auf die politische Bühne zurück, als Pröll ihn zum Spitzenkandidaten der ÖVP für die Europawahl machte.

Er hat sich selbst in die Luft gsprengt

Nun hat sich Strasser endgültig in die Luft gesprengt. Er ist gescheitert an seiner Maßlosigkeit und seiner Rücksichtslosigkeit.

Die letzte Chance des Josef Pröll

06. April 2011

ÖVP-Obmann Vizekanzler Josef Pröll steht an einem entscheidenden Punkt seines Lebens. Soll er angesichts der  kürzlich erlittenen zweiten Thrombose (Lungenembolie) aus der Politik ausscheiden oder soll er weitermachen? Und wenn er weitermacht, wie soll er zukünftig vorgehen? Vor rund zehn Tagen hat Raiffeisen-Generalanwalt Christian Konrad bei einer Veranstaltung seine Lockrufe  erschallen lassen. Pröll solle doch ins Reich des Giebelkreuzes kommen. Ein zweifellos interessantes Angebot. Würde er Konrads Nachfolger, hätte er ein wesentlich ruhigeres Leben, ein höheres Einkommen und gleichzeitig Macht und Einfluss.

Gibt Pröll den Finanzminister ab?

Entscheidet sich der 42-jährige Pröll für den Verbleib in der Bundespolitik, wird er Grundlegendes ändern müssen. Angesichts der Arbeitsüberlastung und der vielen Reisen nach Brüssel, die für ihn alles andere als gesund sind, wäre es naheliegend, den Finanzminister aufzugeben und sich auf die Aufgaben des Parteiobmanns und des Vizekanzlers zu konzentrieren. Die ÖVP benötigt dringend eine Neuaufstellung. Würde die Volkspartei im selben Trott weitergehen, in dem sie derzeit unterwegs ist, wird sie sich bei der nächsten Nationalratswahl mit ziemlicher Sicherheit hinter der FPÖ und der SPÖ an dritter Stelle wiederfinden.

ÖVP benötigt neue Inhalte und Persönlichkeiten

Die Volkspartei benötigt einen Schub an Reformkraft, an Inhalten und an neuen Persönlichkeiten. Ihr Agieren in den vergangenen Monaten ist saft- und kraftlos. Pröll hat sein Renommee als Gestalter verloren. ÖVP-Insider behaupten, sein Onkel Erwin Pröll, Landeshauptmann von Niederösterreich, habe seinen Neffen gebrochen. Seit den Konflikten zwischen den beiden sei Josef Pröll ein anderer geworden.

Pröll muss den Gordischen Knoten durchschlagen

Bleibt Pröll an der ÖVP-Spitze, muss er bei seiner angekündigten Rückkehr nach Ostern wie Alexander der Große den Gordischen Knoten mit einem Schwerthieb durchschlagen. Er muss die Partei mit einem gut durchdachten Rundumschlag neu aufstellen. Macht er das nicht, vermasselt er sich jetzt schon die Chancen auf die Kanzlerschaft bei der Wahl 2013. Wird er 2013 nicht Kanzler, ist seine Zeit an der Spitze sowieso abgelaufen. Josef Pröll hat nun eine letzte Chance.

Grotesker Ortstafel-Streit

07. April 2011

Kärnten bleibt mir ein Rätsel. Seit Jahrzehnten wird um die zweisparachigen Ortstafeln gestritten. Als Außenstehender bleibt einem dieser Disput fremd. Wenn es Slowenen gibt, die Slowenisch sprechen, dann sollen doch auch die Ortstafeln zweisprachig sein. Nun liegt ein Kompromiss vor, der vorsieht, dass in Orten mit mehr als 17,5 Prozent Slowenenanteil die Tafeln zweisprachig sein sollen. Doch Valentin Inzko, Obmann des Rates der Kärnnter Slowenen, wehrt sich dagegen. Er fordert die vom Verfassungsgerichtshof genannte 10-Prozent-Grenze ein. 

Inzko ist ein vernünftiger Mann

Ich kenne Inzko persönlich aus der Zeit, als er in den neunziger Jahren österreichischer Botschafter in Sarajewo war. Er, der zur Zeit Hoher Repräsentant in Bosnien und der Herzegowina ist, ist ein sehr konstruktiver und vernünftiger Mann und alles andere als radikal.  Er ist ein Mann, der seine Worte mit Bedacht wählt. Mit seinem Bestehen auf die Zehn-Prozent-Grenze hat er Recht. Die Politiker sind aufgerufen, das Verfassungsgerichtshof-Urteil umzusetzen. Und das sieht nun einmal die zehn Prozent vor. In Zeiten der Europäischen Union und in Zeiten, in denen die Schüler angehalten sind, Fremdsprache zu lernen, ist der Ortstafel-Streit geradezu lächerlich und grotesk.

“Wir wachsen am Mißerfolg, nicht am Erfolg”

11. April 2011

“Wir werden nicht weise, indem wir Erfolg haben, sondern wir wachsen am Mißerfolg. Das Gegenteil von Erfolg führt uns weiter.” In einem eindrücklichen Vortrag nannte der Kriminalpsychologe Thomas Müller im Melodium des Schlosses Peuerbach Kriterien, warum der eine in der Krise wächst und der andere nicht. Was sind die Gesetzmäßigkeiten?, fragte er das Publikum.  

Bereitschaft zur Weiterentwicklung 

Das Wichtigste sei die Bereitschaft zur Weiterentwickung. Es sei falsch, eine Haltung nach dem Motto bloß nicht anstreifen einzunehmen. Man dürfe nicht in der Sicherheit verharren, man müsse das Risiko eingehen einen Flopp zu bauen. Nicht das Verhalten in alten Positionen und im alten Denken bringe einen weiter, sondern die Bereitschaft zum Neuen.

Perspektivenwechsel

Es sei zweitens wichtig, einen Perspektivenwechsel durchzuführen. Das bedeute, die Sicht eines anderen anzunehmen. Es bedeute auch draufzukommen, dass es anderen noch schlechter gehe. Müller: “Es gibt Menschen, die vor lauter Jammern noch im Liegen umfallen. Natürlich gebe es Menschen, die vor Änderungen Angst hätten. Aber Angst sei etwas Lebensnotwendiges. Niemals habe so viele Menschen gegeben, die Angst hatten. Angst resultiere aus einer abgebrochenen Form der Kommunikation.

Selbstwertgefühl

Wichtig sei drittens das Selbstwertgefühl. Es setze sich aus drei Bereichen zusammen.

a) aus der beruflichen Tätigkeit. Es hebe und senke das Selbstwertfühl. Es könne nicht durch den privaten Bereich kompensiert werden.

b) aus der persönlichen Interaktion mit den Menschen und dem Umfeld.

c) aus einer gewissen Selbstbezogenheit, aus einem gewissen Ego. Sich zum Beispiel die Zeit zu nehmen, Sport zu betreiben oder ein Buch zu lesen. “Ein Quentchen Selbstverliebtheit ist für uns sogar förderlich.”

Diese drei genannten Bereiche ergäben 100 Prozent Selbstbewußtsein. Es sollte sich jeder selbst überlegen, wie die Verteilung in seinem höchstpersönlichen Bereich aussehe. Die einfachste Form, Defizite im Selbstbewußtsein zu überspielen, sei, sich Neurosen zuzulegen. Zum Beispiel Suchtverhalten oder sich eine Zweit- oder Drittbeziehung zuzulegen. Die Reaktion auf den Verlust von Selbstwertgefühl sei eine frei wählbare Entscheidung.

Offene und ehrliche Kommunikation

“Die Menschen haben es satt, angelogen zu werden.” Deshalb so Müller, müsse Kommunikation offen und ehrlich sein. Nicht die einzelne Krise werfe die Menschen um, sondern die Summe der kleinen Demütigungen.

Lob und Gelassenheit

Neben den genannten vier Punkten empfahl Müller zwei weitere Handlungsweisen. “Es gibt ein Zauberwort, das alle verändert: LOB.” Er fragte die Zuhörer, wann sie das letzte Mal gelobt worden seien bzw. wann sie jemanden gelobt hätten. Die zweite Empfehlugn ist GELASSENHEIT. Sie sei nicht zu verwechseln mit Gleichgültigkeit. Um die Gelassenheit zu schulen, empfiehlt er, die Perspektive einer Fliege einzunehmen, um sich aus der Bedeutung herauszunehmen.

Vorbildfunktion

Und schließlich und endlich habe jeder eine VORBILDFUNKTION, ob man das nun wahrhaben wolle oder nicht. Denn viele Menschen ahmten Verhalten nach, “es gibt viele Wiederholungstäter”.  

Der rund 350 Besucher im bis auf den letzten Platz gefüllten Saal des Melodiums in Peuerbach dankten Müller für seine Worte mit wiederholtem Applaus.

Weder die USA noch Bin Laden verändern die muslimische Welt, sondern die gewaltlosen Revolutionen der Jungen

03. Mai 2011

Der Tod von Osama Bin Laden symbolisiert eine Wende. Der muslimische Terrorismus hat seinen Höhepunkt überschritten. Das ist nicht etwa das große Verdienst der Amerikaner, sondern es ist eine Folge der demokratischen Revolutionen im arabischen Raum. Die Jungen lehnen der Weg der Gewalt und des Terrors ab. Bin Laden ist gescheitert. Er ging den falschen Weg auf der Suche nach der Zukunft. Der Folgen sind in ihrer umfassenden Dimension noch nicht wirklich abschätzbar. Die Versöhnung von Hamas und der PLO ist eine solche, unerwartete Konsequenz.

Die Folgen der Revolutionen sind noch immer unabsehbar

Was wird in Ägypten passieren, was in Tunesien, was im Jemen oder was in Syrien? Wann geht die Herrschaft von Muamar al Gaddafi zu Ende? Wie werden sich die Machtgewichte im Nahen Osten verschieben? Die Revolutionen der Jungen sind einzigartig. Sie bringen die Demokratie und nicht George W. Bush, der den Einmarsch der US-Amerikaner im Irak unter anderem mit der Absicht begründete, im arabischen Raum die Demokratie zu installieren. Der Krieg in Afghanistan und im Zwei-Strom-Land hat die USA bisher rund 850 Milliarden Dollar gekostet. Von den vielen Toten abgesehen. Doch die nachhaltige Änderung kam gewaltlos: durch die Revolution der Jungen. Auf sie sollte der Westen setzen. Durch Unterstützung in der Ausbildung, durch wirtschaftliche Hilfen, dass die Jungen Arbeit finden.

Der Krug geht so lange zum Brunnen bis er bricht

18. Mai 2011

Die Feststellung ist zwar fast ein bißchen banal, aber IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn ist ein Beispiel für das Sprichwort “der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht”. Nun ist er gebrochen und er war höchste Zeit. Er hat sich gegenüber der afrikansichen Hotelbediensteten offensichtlich verhalten wie ein Schwein. Er, der Sozialist, der sich zum Obersozialisten Frankreichs küren lassen wollte, hat die arme Afrikanerin gedemütigt, erniedrigt und mißbraucht. Die neueste Ausrede, die Frau habe dies alles freiwillig mitgemacht, ist ein weiterer Skandal.

Seine Übergriffe sind keine Einzelfälle

Mag er noch so ein anerkannter Finanzfachmann sein, so rechtfertigt dies nicht seine Schweinereien gegenüber den Frauen. Sexuelle Übergriffe sind bei ihm ja keine Einzelfälle. Seine Karriere endet in einem Scherbenhaufen. Er verliert sowohl seinen Job als auch  die Kandidatur für die französische Präsidentschaft. Er ist am Ende. Er hat sich selbst zum Opfer seiner Übergriffe gemacht. Gibt es Gerechtigkeit, so wandert er für längere Zeit ins Gefängnis.

Die atomaren Geschäfte unserer Nachbarn

25. Mai 2011

Die Deutschen wollen aus dem Atomenergie aussteigen, die Österreicher sind sowieso dagegen. Doch der Umstieg Deutschlands auf rein nachhaltige Energieerzeugung ist nicht so einfach und er wird Jahrzehnte dauern. Unsere tschechischen und slowakischen Nachbarn gehen einen anderen Weg Sie setzen auf den Ausbau der Kernenergie und wollen Temelin (Bild) und Bohunice erweitern. Sie benötigen den Strom zweifellos für den eigenen Gebrauch, aber sie wittern gleichzeitig gute Geschäfte,

Was können wir dagegen tun? Wir können lediglich protestieren und unsere möglichen Gefährdungen vortragen. Doch in Wahrheit sind Österreichs Mittel sehr begrenzt. Denn die Entscheidung zur Atomkraft liegt bei den Nationalstaaten. Unsere Protestrufe werden zwar gehört, doch sie werden wenig bis gar nichts bewirken. Das ist die bittere Wahrheit.

Wir können lediglich versuchen, in der Verwirklichung nachhaltiger Energie vorbildlich zu sein. Und dabei so attraktiv sein, dass unsere Nachbarn einen ähnlichen Weg einschlagen.

Die AKW-Front bröckelt

26. Mai 2011

Eine erfreuliche Botschaft! Unsere Schweizer Nachbarn wollen bis 2034 aus der Kernkraft aussteigen. Das ist ein weiterer wichtiger Baustein im Umstieg auf nachhaltige Energie. Damit haben drei sehr wichtige Länder, nämlich Deutschland, Österreich und die Schweiz, den Weg der Kernenergie verlassen. Diese drei Länder gelten vielen anderen Staaten als Vorbild. Damit wird eine Botschaft signalisiert: Wer modern ist, setzt auf umweltfreundliche Technologien. Die Atommauer beginnt zu bröckeln.

Die Stresstests sind in Summe positiv

Die demnächst in der EU beginnenden Stresstests für AKW sind zwar in der Art und Weise, wie sie durchgeführt werden, umstritten, aber in Summe positiv zu sehen. Denn die Betreiber müssen versuchen, sie zu bestehen.  Der eine oder andere wird gezwungen technisch nachzurüsten. Das Bewusstsein, dass AKW gefährlich sind, wird geschärft. Diese Stresstests sollten nicht nur einmal, sondern jährlich durchgeführt werden. So katastrophal die mehrfache Kernschmelze in Fukushima war, so positiv könnten sich die Folgen – zumindest in unseren Breiten - herausstellen.

Karl-Heinz Grasser, der Schönredner

27. Mai 2011

 

Er stellt sich nun als politisches Opfer hin. Das sei politisch motivierte Rache, sagte er der “Krone”. Karl Heinz Grasser (Bild: kleinezeitung.at) könnte einem fast leid tun. Er, das Unschuldslamm, das doch eh immer korrekt gehandelt habe, werde nun verfolgt. Diese Argumentation kommt einem bekannt vor. Südlich der Alpen gibt es einen Mann, dem es ähnlich ergeht. Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi wird ebenso von den Behörden verfolgt wie Grasser. Auch er betont ununterbrochen seine Unschuld.

Vertreter der Ich-AG

Die heftige Reaktion lässt darauf schließen, dass es für den Schönling eng wird. Hausdurchsuchungen an drei Orten mit 60 Beamten der Steuerfahndung und des Bundeskriminalamtes sind keine Kleinigkeit. Da muss schon ein begründeter Verdacht vorliegen. Die Staatsanwaltschaft Wien meint, dass Grasser die vier Millionen Euro, die er von der Gesellschaft Meinl International Power erhalten hat, nicht versteuert habe. Dass er ein Steuerkünstler ist, hat er schon zu Beginn seiner Amszeit als Finanzminister bewiesen. Er war der Meinung, dass er jene 150.000 Euro, die er als Spende der Industriellenvereinigung erhalten – angeblich für seine homepage -, nicht zu versteuern hat. Damals war Grasser noch ein Polit-Star. Als er zu Beginn der schwarz-blauen Koalition im Linzer Design-Center aufgetreten ist, haben ihm die 2000 Zuhörer zugejubelt. Journalisten wie meine Wenigkeit, die kritische Fragen zur Nichtversteuerung gestellt haben, waren die Buhmänner. Nun haben sich die Rollen getauscht. 

Was blieb vom Nulldefizit?

Als schöngeredet stellt sich das von ihm groß verkündete Budget-Nulldefizit heraus. Denn die Schulden der ÖBB, der Asfinag und Immobilien-Gesellschaft des Bundes wurden nicht miteingerechnet. Die EU, sprich die Statistikbehörde Eurostat, hat diese Schmähs längst durchschaut und verlangt nun deren Miteinbeziehung, um zu den wahren Zahlen zu gelangen. Insofern ist Grasser seiner Linie treu geblieben. Er ist ein Schönredner und ein Vertreter der Ich-AG, die moralisch abgehaust hat.

“Die EU und die Türkei sind eigentlich schon verheiratet”

08. Juni 2011

„Die EU und die Türkei sind seit der Zollunion 1996 eigentlich schon verheiratet. Millionen Türken sind bereits in der EU. Wie in einer katholischen Ehe, die nicht geschieden werden kann, gibt es gute und schlechte Phasen. Aber keine Seite kann vom Tisch aufstehen und sagen, ich gehe.“ Mit diesen Sätzen beschrieb Gerald Knaus, Vorsitzender der Europäischen Stabilitätsinitiative „Politische Zukunft der Türkei“, bei den Gesprächen des Raiffeisenwirtschaftsforums vom 2. bis 4. Juni in Istanbul (das Bild zeigt eine Brücke über den Bosporus) das derzeitige Verhältnis.

EU-Beitritt primär eine politische Frage

Alper Hakan Yüksel von der Akbank TAS meinte, der EU-Beitritt seines Landes sei mehr eine politische als eine wirtschaftliche Frage. Die Wirtschaft könne mit der jetzigen Situation ganz gut leben. Es werde viel Zeit brauchen, dass die Vorbehalte gegenüber der Türkei fallen werden. Auch Kanus meinte, der Türkei fehle die Anerkennung in Europa. Mi der derzeitigen Situation, nämlich jahrelangen Verhandlungen, könnten beide Seite, sowohl die EU als auch die türkische Regierung, eigentlich ganz gut leben.

Erneuerte EU in drei Stufen

Das 80-köpfige Wirtschaftsforum der Raiffeisen-Landesbank Oberösterreich tagte dieses Jahr in Istanbul. Angeführt wurde es von Generaldirektor Ludwig Scharinger, Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl und dem Präsidenten der Industriellenvereinigung, Veit Sorger. Zur Frage des EU-Beitritts meinte Leitl: „Meine Botschaft ist, fürchten wir uns nicht vor der Türkei, sondern schließen wir eine Partnerschaft.“ Die EU sollte sich nach seiner Vorstellung dreistufig weiterentwickeln. In eine vertiefte Kernunion mit einer gemeinsamen Wirtschafts-, Steuer-, Sozial- und Währungspolitik. In eine zweite Gruppe, der jene Staaten angehören, die bereits in der EU sind, aber nicht der Kerngruppe angehören. Und drittens in eine Wirtschaftsunion, die auch Länder wie Russland, die Ukraine, die Türkei und alle Mittelmeer-Anrainerstaaten umfassen. Diese Wirtschaftsunion mit mehr als einer Milliarde Einwohner sollte das europäische Gegengewicht zu den USA und Asien bilden.

Stereotype Wahrnehmungen beenden

Scharinger appellierte – beeindruckt von der enormen Wirtschaftsdynamik – die „stereotypen Wahrnehmungen“ über das aufstrebende Land zurechtzurücken. Leitl sagte, „alle wollen nach China, aber wir haben unser China vor der Haustür, die Türkei mit ihrem 73-Millionen-Einwohner-Markt“. 2010 war Österreich mit 1,3 Milliarden Euro der größte Auslandsinvestor in der Türkei. Das Wachstum betrug im vergangenen Jahr 8,2 Prozent, heuer werden 4,6 Prozent erwartet.

Erdogan Favorit bei der Wahl am Sonntag

Istanbul ist derzeit vollgepflastert mit Werbeplakaten der Politiker. Denn am Sonntag wird ein neues Parlament gewählt. Haushoher Favorit ist Ministerpräsident Erdogan, dessen AKP auf einen Stimmenanteil von 40 bis 47 Prozent geschätzt wird. Dahinter liegt mit circa 30 Prozent die sozialdemokratische CHP. Die rechts-nationalistische MHP wird auf elf Prozent geschätzt.

Die EU und die Türkei sind auf einer gemeinsamen Reise

09. Juni 2011

Ein primitiver Racheakt. Anders kann man die Ablehnung von Ursula Plassnik als neue OECD-Generalsekretärin durch die Türkei nicht bezeichnen. Sie wird bestraft für die 2005 von der österreichischen Regierung gestellte Forderung, es sollte auch über Alternativen zum EU-Beitritt nachgedacht und verhandelt werden. Die Ablehnung ist alles andere als klug, denn sie führt nicht zu einer Annäherung zwischen Österreich und der Türkei, sondern vertieft die bereits vorhandenen Gräben.

Derzeit ist weder die EU reif für die Türkei noch die Türkei für die EU

Derartiges Handeln lässt Zweifel aufkommen an der mehrfach erklärten Absicht der türkischen Regierung, der EU beizutreten. Experten erklärten beim Raiffeisen-Wirtschaftsforum in Istanbul (2.-4.6.), beide Seiten – sowohl die EU als auch die Türkei – könnten mit der jetzigen Situation ganz gut leben. Es wird zwar verhandelt, aber es herrscht de facto Stillstand. Denn es ist weder die EU in der Lage, die Türkei aufzunehmen noch ist die Türkei reif für die EU.  Europa kann den zu erwartenden Zustrom an türkischen Arbeitskräften nicht bewältigen. Das EU-Vollmitglied Türkei würde mit seiner Stärke den derzeitigen Machtausgleich zwischen den Führungsmitgliedern Deutschland, Frankreich und Großbritannien durcheinanderbringen.

Beide sind aufeinander angewiesen

Dabei sind beide – die EU und die Türkei – aufeinander angewiesen und beide haben Stärken, die dem anderen gefallen. Der EU fehlen die wirtschaftliche Dynamik und der Bevölkerungszuwachs, über die die Türkei verfügt, für die Türkei sind die technologischen Entwicklungen und die europäische Zivilgesellschaft attraktiv. Gerald Knaus, Vorsitzender der europäischen Stabilitäsinitiative “Politische Zukunft der Türkei” - ich habe ihn bereits im vorhergehenden Beitrag zitiert - vergleicht das Verhältnis der beiden mit einer katholischen Ehe, wo keiner der beiden Partner aufstehen und sagen könne, ich gehe.  Sowohl die EU als auch die Türkei sind aufeinander angewiesen, unabhängig davon, ob die Türkei nun Mitglied ist oder nicht.

Wo wird die gemeinsame Reise enden?

Wohin die Reise geht, ist derzeit schwer abzuschätzen. Sowohl die EU als auch die Türkei sind in einem massiven Wandel. Europa aufgrund der Verschuldung und der Euro-Krise, die Euro-Mitgliedsstaaten sind gezwungen, ihre Steuer-, Sozial- und Währungspolitik aufeinander abzustimmen und die Zusammenarbeit zu vertiefen.  Die Türkei ist in einem dramatischen Wandel in Richtung urbane Gesellschaft. Bereits mehr als zwei Drittel leben in Städten, acht Städte haben mehr als eine Million Einwohner. Waren 1997 noch 70 Prozent arrangierte Ehen, so fiel dieser Prozentsatz 2005 auf zehn Prozent. Dieser dynamische Aufholprozess wird weitergehen.  

Das Entscheidende ist der Gesprächsprozess

 Wie das Verhältnis von EU und Türkei in zehn Jahren sein wird, ist heute sehr schwer abzuschätzen. Das ist momentan auch nicht die primäre Frage. Entscheidend ist, dass beide miteinander im Gespräch bleiben und sich aufeinander zubewegen. Es ist sehr viel Emotion und Psychologie im Spiel. Die Türken fühlen sich als nicht gleichwertig behandelt und führen dies auf ihren muslimischen Glauben zurück. Europa wiederum sieht gravierende Mängel bei den Menschenrechten und Demokratiedefizite. Die türkische Regierung antwortet auf die Probleme mit der EU mit einer betont stärkeren Rolle als Regionalmacht. Doch die Türkei hat schon immer nach Europa geschaut. Woran soll sie sich sonst orientieren? An Syrien, an Teheran, an Moskau? 

EU mit verschiedenen Integrationsstufen

Eine Lösung wäre die Weiterentwicklung der EU in verschieden stark integrierte Stufen. Eine vertiefte Kerngruppe, das könnte eine abgespeckte Euro-Zone sein, eine zweite Gruppe, die alle anderen EU-Länder erfasst und eine Wirtschaftsunion, der zum Beispiel die Türkei angehören würde.

P:S.: Das Bild zeigt die Hagia Sophia in Istanbul. Erbaut wurde sie im sechsten Jahrhundert als christliche Kirche. Nach der Eroberung durch die Osmanen 1453 wurde sie in eine Moschee umgewandelt. Heute ist der wunderbare Bau ein Museum.

“EHEC ist ein Hilferuf der Natur”

16. Juni 2011
Der Alternativmediziner Dr. Fritz Roithinger stammt von einem Bauernhof in der Ortschaft Fürth nahe Grieskirchen und  hat seine Ordination in Kitzbühel. Als gelernter Landwirt war er immer der Natur sehr verbunden wodurch sein medizinisches Verständnis sichtlich geprägt wurde. Bereits während seines Medizinstudium, dass er mit 31 Jahren nach abgeschlossener Externistenmatura begann, interessierte er sich für alternative Heilmethoden, da ihm die Schulmedizin mit ihren symptomatischen Heilmethoden zu wenig der Ursachen von Krankheit auf den Grund ging.
Für den Oberösterreich-Kurier am Sonntag habe ich mit Roithinger folgendes Interview geführt:
 
Frage: Zuerst waren die Gurken schuld, dann die Sprossen. Wie sehen Sie diese EHEC-Epedemie?
Roithinger: Es sind immer die selben Denkmuster. Man sucht automatisch einen äußeren Schuldigen und denkt nicht daran, dass in erster Linie wir Menschen die Verursacher sind. Über Jahrzehnte hinweg wurden unsere Böden durch Chemie zerstört und die ganze Nahrungsmittelaufbereitung nimmt diesen Produkten ihre volle Wertigkeit was ganz logisch zu einer Immunschwäche des Menschen führt. Die Symbiose Mensch-Natur stimmt nicht mehr.  Da liegt das Problem. 
Wenn nun solche Fälle wie der EHEC-Erreger auftreten, vermisse ich den gedanklichen Ansatz, was wir Menschen etwas falsch machen, dass solche  Vorkommnisse immer wieder passieren müssen. Für den Einzelnen, den Betroffenen ist das natürlich dramatisch. Wenn  man es im Gesamten betrachtet, ist es wie ein erneuter Hilfeschrei der Natur endlich für unser Gesundsein Verantwortung zu übernehmen. Wir können nicht die Natur zerstören und Gesundheit erwarten.
 
Wo wird die Natur zerstört? 
Roithinger: Schauen Sie sich die Landwirtschaft an, die chemische Düngung, die Monokulturen! Retortengemüse das nie einen gesunden Boden und ein Sonnenlicht erlebt hat. Ganz zu schweigen von den katastrophalen Missständen in der Tierhaltung. Das kann es ja nicht sein. Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das seine Nahrung vor dem Verzehr zerstört. Somit wird die heilende  Symbiose blockiert.
 
Sie betonen, wie wichtig die Nahrung für den Menschen ist. Was soll er essen?
 
Roithinger: Dem Mensch ist, was er isst. Je vollwertiger unsere Nahrung ist, desto mehr Gesundheit können wir erwarten. Ich finde es tragisch, dass dieser Gedanke der Ernährung noch nicht in die Krankenhausküchen  eingeflossen ist.  
 
Sind Sie Vegetarier?
 
Roithinger: Nein, aber der tierischer Anteil an meinem Essen ist minimal.
 
Sie halten den seelisch-geistigen Aspekt des Menschen für ganz zentral.
  
Roithinger: Die Situation der heutigen  Medizin zeigt sich in erster Linie darin, dass die Technik und die Wissenschaft nicht in der Lage sind, die Ursachen von Krankheiten zu verstehen.  Der Mensch ist eine Einheit von Körper, Seele und Geist. Er ist integriert in seine geistige und physische Umwelt.    In der ganzheitlichen Medizin erfahren wir, das jede Krankehit einen geistig-seelischen Konflikt als Hintergrund hat. Der Körper reflektiert ja nur dieses Bewußtsein. Dort wäre der Ansatz eine Heilung einzuleiten. Nachdem aber mit der heutgien Technik diese Welt verschlossen bleibt, ist die symtomatische Kompensation durch Chemie in so vielen Fällen die einzige Form von „Heilung“. 
Es wäre natürlich falsch, die heutige Medizin mit ihren großen Leistungen in der Chirurgie in Bausch und Bogen abzulehnen.  Trotzdem müssen wir die heutige Medizin komplett neu überdenken. Es sollte endlich zu einem Brückenschlag zwischen der Schulmedizin und den Denkansätzen alternativer Heilmethoden kommen.
 
Was sind die Ursachen für die vielen Krebserkrankungen? 
Roithinger: Generell betrachtet ist es unser zutiefst materieller Lebensstil. Das ist der springende Punkt. Es ist natürlich tragisch, wenn jemand an Krebs erkrankt und sich voller Hoffnung der Medizin  zuwendet, die leider Gottes nach 40 Jahren intensiver Forschung dieser dramatischen Erkrankung  wenig entgegenzusetzen hat.  Wir wissen darüber sehr wenig, was die genauen Ursachen in den spezifischen Fällen sind.   Für mich ist klar, dass unsere zerstörte Umwelt, die Chemie in der Nahrungsmittelindustrie und der Medizin, etc. zu den Mitverursachern gehören. Zusätzlich sind wir in der heutigen Zeit einer massiven permantem Elektrosmog ausgesetzt. Wenn man es ganzheitlich betrachtet ist der geistige Einfluß unserer materialistischen Welt mindestens genauso mitverantwortlich . Der Krebs passiert in Wirklichkeit auf diesen Bewußtseinsebenen. Wir sind leider noch nicht bereit, Heilung auf dieser geistigen Ebene zu verstehen.   Wir müssen endlich verstehen, dass Krankheit eine Korrektur zu neuem Bewußtsein und eine Chance das Lebensmuster neu zu überdenken.
 
Viele Menschen sind heute psychisch-seelisch erkrankt. Wie kann man ihnen helfen?
 
Roithinger: Die Medizin hat diesen armen Menschen, die in Angst, Einsamkeit und Hoffnungslosigkeit leben, in den meisten Fällen nur Chemie anzubieten. Aber wie soll das funktionieren? Diesen Menschen fehlen Liebe, Geborgenheit und Verständnis. Sie brauchen das Bewußtsein, von ihren Mitmenschen geachtet und geliebt zu werden.
Mir geht es in erster Linie darum, das zu vermitteln.  Wenn ein Patient zu mir kommt, versuche ich ihm dabei zu helfen, seine Lebenssituation  zu verstehen und anzunehmen, wo er gerade auf seiner Lebensreise ist. Ich versuche ihm  dann die Ursache seiner Krankheit verständlich zu machen, denn nur so können ursächliche Fehler korrigiert werden, damit eine Heilung möglich wird. Es gibt viele ganzheitliche Heilmethoden die den Kranken subtil führen und ihn am Weg zu seine Gesundheit unterstützen .
Mein wichtigstes Anliegen ist, dass die Menschen endlich Eigenverantwortung übernehmen. Dass wir Gesundheit nicht durch jährliche Check-up’s, sondern in vielen Fällen durch grundlegende Lebens- und Ernährungsumstellungen erreicht werden kann. Wir können nicht in Gesundheit leben, wenn wir unsere Umwelt missachten und zerstören. Besonders wichtig ist, die Würde und Achtung unserer Mitmenschen, die Liebe zur Tierwelt und die tiefe Verbundenheit mit der gesamten Natur, die uns so reichlich in ihrer Schönheit geschenkt wird. Wir müssen begreifen, dass unser irdischen Leben vor allem den Zweck hat, dass wir uns geistig weiterentwickeln und in Liebe und Einklang mit der Natur leben. Wir leben alle in kollektiver Resonanz. Alles wird zum Spiegelbild unseres jetzigen Seins. Die Reise zum Herzen kann jeden Tag beginnen. Machen Sie bald den ersten Schritt.
 
 

Der Einsiedler Steindl-Rast: Sich auf das Leben verlassen

17. Juni 2011

 

P. David Steindl-Rast ist einer der großen spirituellen Führer der christlichen Welt. Der 85-Jährige ist in Österreich aufgewachsen. Er hat in Wien ein Kunst- und Psychologiestudium abgeschlossen, daneben hat er Anthropologie studiert. 1952 wanderte seine Familie aus wirtschaftlichen Gründen in die USA aus. 1953 trat er in das neugegründete Benediktinerkloster Mount Saviour ein. 1965 wurde er vom Abt beauftragt, sich mit dem Dialog zwischen Christentum und Buddhismus zu befassen. Er praktizierte mit den verschiedensten Zen-Meistern. Gemeinsam mit Rabbinern, Buddhisten, Hindus und Sufis gründete er 1968 das Center für Spiritual Studies. 1989 gründete er zusammen mit dem Zen-Mönch Vanja Palmers in Dienten am Hochkönig in Dienten am Hochkönig das „Haus der Stille“ Puregg.

Die einzig wahre Religion gibt es nicht

Er vertritt eine pluralistische Religionstheologie, derzufolge weder das Christentum noch eine andere Religion „einzig wahre“ Heilsmittler sind. Religionen entstanden in einem spezifischen kulturellen Umfeld, und jede Religion könne die gleiche Funktion erfüllen.

Der beeindruckende Eremit hielt sich nun einige Wochen im Europakloster Gut Aich in St. Gilgen auf, was mir die Gelegenheit bot, mit ihm zu reden. Er sei das halbe Jahr auf Reisen, erzählte er mir in der Bibliothek, die andere Hälfte lebe er alleine, an verschiedenen Orten, in Klöstern, wo es auch Einsiedeleien gebe. So habe zum Beispiel das Kloster in Kentucky, in dem Thomas Merton gelebt habe, eine Einsiedelei in Norwegen und eine in Papa-Neuguinea.

Ein Einsiedler lebt aus dem Moment heraus

Wie lebt denn ein Einsiedler, wollte ich von ihm wissen. „Die einzige Regel, die die Wüstenväter den Einsiedlern gegeben haben, ist die, sich keine Regeln zu machen. Der Einsiedler lebt aus dem Antrieb des Heiligen Geistes. Es kristallisiert sich ein Lebensrythmus heraus.“ Er tue dreierlei: das Singen von Psalmen und das Gebet; die Meditation, die geistliche Lesung; die Arbeit mit den Händen, zum Arbeit im Garten, das Essen richten. „Das Entscheidende ist, und das fällt leichter in der Einsiedelei, nicht abgelenkt zu werden. Man konzentriert sich auf den Augenblick, auf das Jetzt-Sein. Das ist der entscheidende Augenblick. In der Gegenwart erfährt man Gott. Man tut das dankbar, was einem der Augenblick aufgibt. Dankbar sein kann man nur im Jetzt-Sein. Das Dankbar-Sein eröffnet einem das volle Leben. Je mehr man dankbar ist, umso stärker bemerkt man, wie viel es gibt, wofür man dankbar sein kann. Die Dankbarkeit ist dann der Schlüssel zur Freude. Denn wenn man nicht dankbar ist, kann man noch so viel haben wie man will, man weiss die Dinge nicht mehr zu schätzen. Die Freude ist das Glück, das nicht davon abhängt, ob etwas glückt. Auch im Unglück kann man dankbar sein. Nicht für das Unglück, sondern für die Gelegenheit, das uns auch im Augenblick des Unglücks geschenkt wird. Zum Beispiel, Geduld zu lernen, Verständnis für andere zu haben, zu wachsen. Das Entscheidende sei zu zu wachsen. Wenn wir auf unser Leben zurückschauen, dann sehen wir, dass das, was uns als das größte Unglück erschienen ist, sich als das größte Geschenk herausstellt, weil es zu unserem größten Wachstum beigetragen hat. Das Leben schenkt uns immer Positives, auch wenn wir es nicht gleich erkennen. Darauf können wir uns verlassen. Das ist der Glaube: Sich immer auf das Leben verlassen zu können.“

Gott in der Ruhe, im Erlebnis erfahren

Was ist nun Gott? „Von außen sollen wird das nicht beantworten“, meint Bruder David. „Wir sind von innen her auf Gott ausgerichtet.“ Wir sollten nicht damit anfangen, was andere über Gott sagen, sondern ihn von innen heraus leben. „Wie erfahre ich die letzte Wirklichkeit, das Sein, das Wesentliche, was wirkt, was mein Gegenüber ist.“ Zunächst müssten wir einmal still werden, „sonst kann man nichts erleben. Dann erleben wir das Göttliche in der unendlichen Vielfalt des Seins. In den anderen Menschen, den Tieren, Pflanzen, in der unbelebten Natur. Alles, was es gibt, kann man als Wort Gottes verstehen.“ Gott spreche zu mir, „etwas spricht mich an, zum Beispiel ein Sonnenuntergang. Ich finde darin Sinn, in dem Sinn, dass wir darin zur Ruhe kommen.“ Der heilige Augustinus habe schon gesagt: „Unruhig ist unser Herz, Ruhe finde ich in Dir, oh Gott!“

Der Mensch ist unruhig

Bruder David: „Wir erleben zunächst einmal, dass wir unruhig sind, in der Suche nach etwas. Wir etwas finden, sagen wir, das ist es jetzt. Zum Beispiel ein Sonnenuntergang, eine Begegnung mit einem Menschen. Für manche Menschen ist die Liebe zu einem Hund, einer Katze eine Gottesbegegnung. Alles ist in diesem Sinn Wort Gottes. Diese Erlebnisse hat jeder. Augenblicke, in denen wir ruhen können. Das sind Formen der Gottesbegegnung.“

Das Wort kommt aus dem Schweigen

Es gebe noch eine zweite Form der Gottesbegegnung, nämlich das Schweigen, aus dem das Wort komme. Das Nichts, aus dem alles kommt. „Es gibt mich. Das ist ein Satz, zu dem jeder ja sagen kann. Dieses Es ist das Nichts, aus dem alles hervorkommt. Es ist nicht das leere Nichts, sondern das schwangere Nichts. Schwanger mit der Fülle von allem, was es gibt. Das nennen wir im Christentum den Vater. Oder das Schweigen, aus dem das Nichts hervorkommt.“ Das Schweigen sei die zweite Begegnung mit dem Göttlichen.

Der dritte Bereich der Gottesbegegnung sei alles, was dynamisch sei. „Unsere Liebe, die Wissbegierde, die menschliche Kreativität.“ Das Verstehen sei hier das Entscheidende.

Alles ist in Gott

Jeder Mensch erlebe Gott als Dreifaltigkeit.

1. Gott als Wort, weil er uns anspricht.

2. Gott ist Schweigen, weil jedes wahre Wort aus dem Schweigen kommt, ansonsten sei es nur Geplapper.

3. Wir können Gott verstehen. „Das Wort berührt und bewegt uns. Wir tun etwas, wir antworten. Nicht nur mit dem Mund, sondern mit dem Sein. Jeder Umstand ist etwas, wodurch Gott zu uns spricht. Mit unserem Leben antworten wir. Wir sind Ausdruck des göttlichen Wortes. Gott lebt in uns, als unser Lebensgeist.“

„Wir sind völlig eingebettet in das trinitarische Leben Gottes“, betont Bruder David. Das sei sehr wichtig, denn die Menschen könnten mit einem Gott, der von den Menschen getrennt sei, nicht mehr anfangen. „Das ursprünglich Christliche ist ein Gottesbild, wo wir völlig in Gott sind und wir in ihm.“ Man könne das mit einem Kübel Wasser vergleichen, der völlig ins Meer eingetaucht sei. „Gott übersteigt in uns, wir sind völlig vergöttlicht.“ Das nenne man Panentheismus: „Alles ist in Gott.“

Dankbarkeit ist die entscheidende Energiequelle

20. Juni 2011

Die Begegnungen mit P. David Steindl-Rast haben mich beeindruckt. Um auch andere Menschen an seinen einfachen, aber doch gleichzeitig naheliegenden Ansichten teilhaben zu lassen, gebe ich den Vortrag wieder, den der Einsiedler am Pfingstmontag im Stift Reichersberg gehalten hat.

Die Kernfrage: Wer entscheidet was und wie?

“Wir sind vor große Entscheidungen gestellt. Entscheidung ist ein Schlüsselwort. Erstens: Wer entscheidet? Zweitens: Wofür entscheide ich mich, wenn ich selbst entscheide?, die Frage nach dem Ziel? Drittens: Wie kann ich selbst die richtige Entscheidung treffen?, die frage nach dem Prozeß, nach dem Weg, wie ich dorthin komme?”

Ich, das Ego, und Ich selbst, das Göttliche in mir

Auf die erste Frage, nach dem Wer entscheidet, gibt es laut Steindl-Rast zwei Möglichkeiten: Entweder entscheide ich oder ich selbst? Das seien zweierlei Dinge. Wie könne man sie unterscheiden? Jeder Mensch könne sich selbst beobachten. “Der Beobachter ist das ich selbst.” Jeder Mensch spiele eine Lebensrolle. “Das Ich ist Ausdruck des eigenen Selbst, das zu verschiedenen Zeiten verschiedene Rollen spielt. Das Ich ist immer mit der Zeit verflochten und in der Zeit gefangen. Das Selbst ist im Jetzt, das Jetzt ist die Ewigkeit.” So wie Augustinus gesagt habe: Die Ewigkeit ist das Jetzt, das nicht vergeht. Wenn meine Zeit vergangenen ist, bleibt das Jetzt. Das Selbst lebt in der Ewigkeit, über die Zeit hinaus. Das Selbst ist nur eines für uns alle. Das nennt Paulus Christus.” Alle Religionen, so Steindl-Rast, würden dieses Selbst im Menschen, das die Christen Christus, nennen, kennen. Es sei das Göttliche in uns. Die Buddhisten würden das die Buddha-Natur nennen. Deshalb laute auch das zweite Gebot “Liebe Deinen Nächsten als Dich selbst.” Liebe bedeute in diesem Sinn das Ja zur Zugehörigkeit. Ja zu sagen zu unserem Selbst. “Wir leben uns selbst. Wir sagen ja zu unserem göttlichen Selbst. Dieses Selbst haben wir alle gemeinsam.”

Das Ich selbst ist die Urentscheidung”, so Steindl-Rast. Denn man könne das Ich auch vom Selbst scheiden, trennen. “Wenn wir uns mit dem ich identifizieren, wird es das Ego.” Das sei gefährlich, da man sich dann von lauter anderen Egos umgeben sehe. Eigentlich wüsstenwir von unserem gemeinsamen Selbst, aber wir verdrängten es gerne. “Wir sind meistens verrückt, weil wir uns mit unserer Rolle identifizieren.” Das Selbst habe ungehrue Fähigkeiten, “es kann fast alles, was das Ich nicht kann. Das Selbst regeneriert den Körper ständig.” Alle sieben Jahre würden sich alle Zellen des Körpers erneuern. Das könne das Ich nicht. Das Ich könne auch den Herzschlag nicht beeinflussen, es könne ihn nur beobachten. “Das Beste und Wichtigste des Selbst ist, dass es alle großen Einfälle und alle usnere Entscheidungen trifft. Das Selbst ist das Tor, durch das alle guten Einfälle kommen. Es ist die Kraft, die die Bäume wachsen lässt und  die die Tiere hervorbringt.”

Das Selbst fließen lassen

Die Anwort auf das erste Frage, wer die Entscheidungen trifft, lautet: “Alle wichtigen Etnscheidungen muss das Selbst treffen, ich muss mein Selbst fließen lassen.”

Auf die mystischen Erfahrungen, auf die Gipfelerlebnisse hören

Die zweite Frage sei die nach dem Ziel, nach dem. wofür ich mich entscheide. Der amerikanische Forscher Abraham Maslow habe herausgefunden, was die Menschen wirklich groß und menschlich macht? Die großen Menschen hätte eines verbunden: mystische Erfahrungen. Es sei nicht der Mystiker ein besonderer Mensch, sondern jeder Mensch sei ein großer Mystiker. Die großen Menschen würden die mystischen Erfahrungen ernst nehmen. Maslow habe die mystischen Erfahrungen peak experience, Gipfelerlebnisse genannt. Jeder Mensch habe solche Gipfelerlebnisse. Dabei gehe es nicht um den Mount Everst, sondern auch um Ameisenhaufen. Steindl-Rast lud die Zuhörer ein, sich solcher Gipfelerlebnisse zu erinnern, wo man plötzlich mit allem eins gewesen sei. Zum Beispiel an einen Sonnenaufgang oder an ein intimes Erlebnis. Dieses Erlebnis könne oft ganz kurz sein. Es handle sich um ein zeitloses Jetzt-Erlebnis. “In den Gipfelerlebnissen haben wir eine ganz andere Welt-Sicht. Das ist es, was wir wollen, wenn wir selbst sind. Die Welt schaut völlig anders auch als gewöhnlich.” Denn wir seien gepreßt und geformt durch die Erziehungund Umwelt, “wir sind trainiert zu erleiden.” Angst sei charakteristisch für das kleine Ego, die Angst vor den anderen, die Angst, dass nicht genug da sei. Die Gegenwelt: Kein Neid, kein Geiz, keine Angst, keine Verteidigung, wir nehmen teil an dem großen Einem.  Wir haben große Achtung vor allem, alles wird heilig, sehen die Welt mit anderen Augen. Teilen tritt an die Stelle von Geiz und Neid. Anstelle der Verteidigung treten Verständigung und Frieden. Das sei ein ganz anderes Weltbild. Das Machtsystem werde durch ein Demutssystem ersetzt. Demut heißt den Mut haben zu dienen. Es brauche sehr viel Mut, das Demutssystem dem Machtsystem entgegenzusetzen. Die Liebe zur Macht wird durch die Macht der Liebe ersetzt. Jesus Christus habe es verwirklicht und die Folgen getragen. Wer sich für die Macht der Liee enscheide, werde auf die eine oder andere Weise das Kreuz erleiden müssen. Es sei eine große Versuchung, das Liebessystem mit den Mitteln des dämonischen Reiches herstellen zu können.  

Die Gesellschaft radikal hinterfragen

Seine These als Antwort auf die zweite Frage, die Frage nach dem Ziel laute: Um entscheidende Probleme zu lösen, muss das vorherrschende Gesellschaftssystem radikal hinterfragt werden.  

Drittens: Wie trifft man die rechten Entscheidungen? Sie müsse im Jetzt sein und von einem Selbst kommen. Hier komme die Dankbarkeit ins Spiel. “Wir sollten die Dankbarkeit zu einer spirituellen Übung machen. das sollte eine leichte Übung sein. Wir meinten, dass die glücklichen Menchen dankbar seien. “Das stimmt gar nicht. Wir kennen viele Leute, die alles haben und nicht glücklich sind. Wir kennen Leute, die nichts haben und trotzdem dankbar sind. Die Dankbarkeit ist der Schlüssel zur Freude. Wenn wir dankbar sind, haben wir die Freude, das Glück, das nicht davon abhängt, ob einem etwas glückt. Wir sollen in allen Situationen und für alles dankbar sein.”

Dankbar für die Gelegenheit

Kann man denn für alles dankbar sein? “Nein”, sagt Steindl-Rast, “wenn ein geliebter Mensch stirbt, wenn wir schwer krank werden, können wir dafür nicht dankbar sein. “Aber wir können dankbar sein für die Gelegenheit, für das Geschenk innerhalb des Geschehens, die einem geboten wird. Der Hauptteil des Tages bietet uns Gelegenheit uns zu freuen. Dann müsse man sich fragen, welche Gelegenheit sich wofür biete?  Zum Beispiel etwas zu lernen, zu wachsen. Wenn wir die gebotenen Möglichkeiten nicht gleich sehen könnten, “brauchen wir nur in den Rückspiegel des Lebens schauen.” Wir würden dann sehen, dass das, was einem widerfahren sei, sich im Nachhin als etwas Neues und Positives herausgestellt habe. “Es erweist sich als gute Gelegenheit, die dann Frucht getragen hat.” Wir können uns darauf verlassen, dass das Leben immer Positives bietet. Das ist der Glaube.

Die einzig realistische Haltung sei dankbar zu sein, alles sei gegeben, die einzig passende Antwort ist Dankbarkeit. Wir sollten Dankbarkeit zu einer Lebenspraxis machen. Dankbarkeit bringt schnelle Resultatet, sie macht uns ungeheuer kreativ. Wenn wir Dank tun, machen wir das Richtige. Die Dankbarkeit gibt uns Zugang zu Qualität mit weniger Quantität. Wir wollen Wohlstand, aber ungebremstes Wachstum ist unmöglich. Gott lässt die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Wenn wir dankbar sind, brauchen wir viel weniger. Ungebremstes Wachstum im Körper führe zu Krebs. “Dankbarkeit führt zur Qualität, nicht zur Quantität. Sie gibt uns Zugang zum Ursprung aller Energie. Dankbarkeit führt uns zum tiefsten Grund der Sinnfindung. Dankbarkeit ist die enscheidende Energiequelle. “Wenn wir dankbar sind, werden die rechten Entscheidungen fließen. Dankbar zu leben heißt furchtlos zu leben. Das häufigste Satz in der Bibel laute, “Fürchte Dich nicht!”  Er komme öfter vor als der Satz “Liebet einander!”

Fazit: Die Antwort von Steindl-Rast auf die drei Fragen lautet: Ich selbst entscheide mich für die Macht der Liebe aus Dankbarkeit.

Was ist die Nato noch wert?

28. Juni 2011

 Was ist die Nato noch wert? Das muss man sich angesichts der Angriffe gegen Libyen fragen. Nach nur einigen Wochen ist den europäischen Partnern die Munition ausgegangen, die Amerikaner mussten aushelfen. Wo gibt es denn so etwas?

Zwei Millionen Soldaten haben die europäischen Nato-Staaten auf dem Papier unter Waffen, doch sie haben gleichzeitig Probleme, den Einsatz von 45.000 Mann in Afghanistan (Bild) aufrecht zu erhalten. Welches militärisches Gewicht haben die Europäer noch? Schönwetterstaaten?

Es ist verständlich, dass die USA auf die europäischen Verbündeten schlecht zu sprechen sind. Sie sehen nicht mehr ein, warum sie bereits für 75 Prozent der Verteidigungsausgaben der Nato aufkommen sollen. Vor gut zehn Jahren waren es rund 50 Prozent. Über Humanität zu philosophieren, wie das die Europäer gerne tun, ist eine Sache, sich aber dem Kampf tatsächlich zu stellen, eine andere.

Die Amerikaner sind der Europäer müde geworden, darum sind die Europäer in Libyen auch allein. Aber es zeigt sich halt auch, dass die Europäer nicht in der Lage sind, selbst militärische Führungsrollen zu übernehmen.

Was stört es die Eiche, wenn sich die Sau an ihr reibt

28. Juni 2011

Liebe Leserin, lieber Leser,

in den vergangenen Stunden konnten Sie leider nicht auf meinen blog zugreifen. Ich wurde Opfer eines Hackers. Wie mir mein Techniker mitteilte, war dies ein gezielter Angriff.  Offensichtlich regen meine friedenvollen Inhalte doch manche so auf, dass sie zur Zerstörung greifen. Doch was stört es die Eiche, wenn sich die Sau an ihr reibt.

Geschäfte mit China sind gut, aber der Ruf nach Freiheit ist nicht zu verkaufen

05. Juli 2011

 

Für den chinesischen Ministerpräsidenten Wen Jiabao gingen vergangene Woche in ganz Europa die Türen auf. Denn er versprach das, was die EU-Regierungen nicht haben: Geld. China sitzt auf 3000 Milliarden Dollar Währungsreserven. Die schwer verschuldeten Regierungschefs (das Bild zeigt Jiabao mit dem ungarischen Ministerpräsdienten) buckelten vor dem chinesischen Diktator. Jiabao streichelte die Oberhäupter und versprach, China werde  weiterhin europäische Staatsanleihen kaufen und investieren. Es braucht die westlche Technologie.

Tibeter richten die Gewalt nun gegen sich selbst

Was spielte sich parallel im Reich der Mitte ab? Der Künstler Ai Weiwei und der Bürgerrechtler Hu Jia wurden zwar aus den Gefängnissen entlassen, aber sie müssen schweigen. Der Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo ist weiter in Haft. In Tibet werden Mönche gefoltert, aus dem Kloster Kirtaki wurden 300 verschleppt. Nachdem 50 Jahre gewaltloser Widerstand nichts gefruchtet hat, richten die Mönche mit Selbstverbrennungen die Gewalt gegen sich selbst. Eine neue Dimension des Widerstands.

Der Dalai Lama ist für ganz China gefährlich

Morgen, Mittwoch, feiert der Dalai Lama seinen 76. Geburtstag, die chinesische KP am Freitag ihren 90. Die Kommunisten fürchten den Religionsführer, weil er für geistige Werte, Freiheit und Spiritualität steht. Dinge, die sie nicht anbieten könen und nach denen sich auch die Chinesen sehnen. So erlebt zum Beispiel der Buddhismus in in der Mongolei eine neue Blüte. Die kommunistische Diktatur ist eine Schande. Jiabao lockt den Westen dort, wo er am anfälligsten ist: mit Geschäften. Aber Europa darf sich das Eintreten für die Freiheit udn Menschnerechte nicht abkaufen lassen.

Der Todeskeim der römisch-katholischen Kirche

13. Juli 2011

Normal denkende, mit Hausverstand ausgestattete Katholiken wissen dank Christoph Schönborn, was sie zu tun haben. Sie sollen die römisch-katholische Kriche verlassen. Der Vorsitzende der östereichischen Bischofskonferenz hat in seiner Stellungnahme zum “Aufruf zum Ungehorsam” der “Pfarrerinitiative” nämlich Folgendes gesagt: “Wer also im geprüften Gewissen zur Überzeugung kommt, dass Rom auf einem Irrweg ist, der gravierend dem Willen Gottes widerspricht, müsste im äußersten Fall die Konsequenz ziehen, den Weg nicht mehr mit der römisch-katholischen Kirche zu gehen.”

Kirchliche Lehre widerspricht den Menschenrechten

Viele Katholiken sind nämlich derselben Meinung wie die Pfarrerinitative unter der Führung des früheren Wiener Generalvikars und jetzigen Studentenseelsorgers Helmut Schüller (Bild): Zulassung von Frauen und Verheirateten zum Priesteramt, Aufhebung des Predigtverbots für Laien,  Zulassung jener Priester, die wegen ihrer Eheschließung ihr Amt nicht mehr asuüben dürfen. Die katholische Lehre widerspricht in all’ diesen Punkten den Menschenrechten.

Die Kinderschänder dürfen bleiben

Die Stellungnahme von Schönborn ist sehr bemerkesnwert. Nicht die kirchlichen Kinderschänder sollen die Kirche verlassen, sondern jene, die in organisatorischen Fragen andere Meinungen vertreten. Neben Schönborn gibt es mit dem St. Pöltner Bischof Klaus Küng einen weiteren Scharfmacher. Für ihn trägt der Ungehorsamsaufruf einen “Todeskeim” in sich, der “unfruchtbar macht”.

Die Ordnungshüter können nicht mehr überzeugen

Die Radikalität der Bischöfe belegt, dass die kirchlichen Ordnungshüter in der Defensive sind. Sie können die Gläubigen nicht mehr  überzeugen, ihnen bleibt nur die Drohung des Ausschlusses. In einer Demokratie wirkt diese aber nicht. Die Mehrheit der Christen verlässt sich auf die Hauptverheißung der Bibel: Fürchtet euch nicht! Keine Angst vor Küng, Schönborn und dem Papst!

Trachtenpärchen

16. Juli 2011

Ich gebe gleich vorweg zu, dass ich trachtengeschädigt bin. Meine Mutter hat mich in Trachtenanzüge gesteckt,  die ich nur widerwillig getragen und für die ich mich geschämt habe. Diese Zwangsmaßnahmen wirken bis heute nach.    Für einen Trachtenanzug bin ich nicht zu haben. Trachtenpärchen sind mir am liebsten auf der Almdudler-Flasche, ein heimisches Getränk, das weitaus besser  als Coca-Cola schmeckt.
Nachdem Trachten in den 70-er und 80-er Jahren out  und Jeans in waren, hat das Pendel  nun zurückgeschlagen.  Die Eröffnung der Festwochen Gmunden Freitagabend war gleichsam eine Trachten-Vollversammung. Der Amerikaner Dennis Russel Davis, Leiter des Brucknerorchesters, der in Linz stets in schwarz auftritt, trug einen hellgrünen Jägerleinen-Anzug. Seine Partnerin   Maki Namekawa hatte ein Trachtenkleid an. Bei der kürzlich im Linzer Landhaus stattgefundenen Vernissage von Maria Moser  trug die Japanerin einen Kimono.
Es ist natürlich die höchstpersönliche Entscheidung eines jeden, wie er sich kleidet. Doch wenn sich bekannte Personen plötzlich ein anderes Outfit verpassen, wird man im ersten Moment doch stutzig.  Städter präsentieren sich im Salzkammergut gerne als Landeier. Lederhosen und Hirschknöpfe ersetzen den italienischen Anzug.
Die Frage ist, welche geistige Haltung hinter der äußeren Fassade steckt. Handelt es sich bloß um eine Verkleidung, um einem  Trend zu entsprechen? Oder ist das Tragen der Tracht Zeichen eines inneren Widerstands gegen eine weltweite Uniformierung und Zentralisierung, die  der technische Fortschritt mit sich bringt? Ist die Tracht  Bekenntnis zur Regionalität als Antwort  auf die Globalisierung?   Für viele ist sie Ausdruck der Heimatliebe  und Teil der Identität. Wenn es so ist, ist es gut.    Aber man sollte kein Dogma daraus machen.

Luxus Swimmingpool

23. Juli 2011

Der hauseigene Swimmingpool als Todesfalle für die Kinder. Es ist herzzerreißend, wenn die Kleinen  in Verkennung  der Gefahren  in den Pool plumpsen  und bewusstlos von den Eltern herausgezogen werden.  Manchmal gelingen die Wiederbelebungsversuche, manchmal sind sie  vergeblich.

Der Pool als Statussymbol

Swimmingpools sind in.  Wer ein Haus sein Eigen nennen kann und etwas auf sich hält, schafft sich einen an.  Wie zahlreich sie sind, kann man gut aus dem Flugzeug beobachten. Im Anflug auf den Linzer Flughafen hat der Gast einen guten Blick auf die südlichen Linzer Vororte. Aus den Gärten  fast eines jeden Hauses leuchten blau-grüne Flecken,  Pools,  die  ob ihrer Kleinheit von manchen im Volksmund abfällig als Froschlack’n bezeichnet werden.  Vor Jahren klagte mir mein Schwager einmal sein Leid, dass meine Schwester auf einem  Pool bestehe. Um den Hausfrieden wieder herzustellen, wurde einer angeschafft.Ob dadurch das Eheglück  bereichert wurde, vermag ich nicht zu sagen.

Kleinkinder sind gefährdet

Swimmingpools sind ein Luxus. Sie werden viel weniger genutzt, als man vor dem Ankauf  meint. Sie müssen  sauber gehalten  werden. Neben den Anschaffungskosten bedeuten sie  also Arbeit. Vermutlich benötigt  man ebenso viel Zeit für die Reinigung und Abdeckung wie man   schwimmend darin verbringt. Die vielen Unglücksfälle ertrinkender Kleinkinder machen eines offensichtlich. Wer Kinder hat und sich einen Pool anschafft,  muss die Zeit haben, sie ununterbrochen zu beaufsichtigen. Wer diese Zeit nicht aufbringen kann  bzw. wer nicht in der Lage ist, für eine Aufsichtsperson zu sorgen, sollte sich das Geld für den Pool sparen. Denn er bewirkt das Gegenteil von dem, was er beabsichtigt. Er tut den Kindern nichts Gutes, sondern gefährdet sie. Swimmingpools muss man nicht  haben. Sie sind mindestens ebenso sehr Statussymbol wie sie Nutzen stiften.

Kirchliche Fundamentalisten

30. Juli 2011

An der Spitze der  Diözese Linz wird  mit zweierlei Maß gemessen. Wenn kleine fundamentalistische Grüppchen aufbegehren, rollen die  Köpfe.    Erinnert sei an die  Ablöse von Pressesprecher Ferdinand Kaineder oder an die Absetzung von Josef Friedl als Dechant. Ist hingegen das Pfarrvolk unzufrieden, wird darüber hinweggegangen. So hat Bischof Ludwig Schwarz die  Protestbewegung der Kopfinger Gläubigen gegen ihren fundamentalistischen Pfarradministrator  einfach ignoriert. Immerhin waren es 431 Protest-Unterschriften.  Für eine 2000-Einwohner-Gemeinde sind das  viele.

Dumme und verletzende Aussagen

Die Aussagen des geistlichen Herrn aus Polen sind dumm und verletzend.  „Das Schwert des Glaubens ist wichtiger als Friede in der Pfarre.“ „Die Schule ist ein Teufelswerk.“ „Aus Ihnen spricht der Satan“ (zur Volksschuldirektorin). „50 Personen in der Pfarre sind vom Heiligen Geist erfüllt, der Rest ist verdammt.“ „Ich habe in jedem Kopfinger Verein einen Spion.“ „Hütet euch vor den esoterischen Angeboten der Gesunden Gemeinde“ (Warnung vor einem Yoga-Kurs).

Schwert- und Höllentheologie

 
Andreas Skoblicki hat noch ein anderes Problem. Er ist zur falschen Zeit geboren.  Mit seiner Schwert- und Höllentheologie  hätte er gut ins katholische Mittelalter gepasst. Sein Glaubens- und Gottesbild sind um Jahrhunderte überholt.  Er predigt den Gott des absoluten Gehorsams statt den Gott der Liebe und Barmherzigkeit. Wer nachdenkt und hinterfragt, ist des Teufels. Auf der einen Seite spielt er den Starken, auf der anderen Seite ist er weinerlich. Er trage das Kreuz, das Gott ihm auferlegt habe, sagte er zum ORF. Das ist perfid. Denn er ist nicht Opfer, sondern Täter. Als Führungsperson ist er sowieso ungeeignet. Denn seine Aufgabe wäre es, die Schafe zusammenzuführen statt sie  zu spalten. Bischof  Schwarz bleibt somit nur eine Entscheidung: Skoblickis Ablöse.

Pornojäger Martin Humer verstorben: Die katholischen Fundis altern

06. August 2011

 

Martin Humer hat das Zeitliche gesegnet. Sein Leben lang hat er gegen die Pornographie gekämpft, weil er darin die Ursache für den Niedergang der christlich-abendländischen Kultur sah. Scheidungen, Abtreibungen, Geburtenmangel, vorehelicher Geschlechtsverkehr  – an allem war die Pornographie schuld. Er ist  gescheitert. Die Pornographie ist aufgrund des Internet verbreiteter denn je.

Mit Josefine Mutzenbacher begann es 1970

Begonnen hat sein Kampf mit dem Protest gegen die Aufführung von „Josefine Mutzenbacher“ 1970 im Kino Steiner in Peuerbach. Die Krone  lichtete ihn ab, Humer wurde schlagartig bekannt.  In den 1980er-Jahren fuhr er regelmäßig ins Autokino Pasching, um die dort um Mitternacht gespielten Sexfilme anzuzeigen. Während der Anfahrt  wurde   der Rosenkranz gebetet, um  den Kopulationen und dem Gruppensex   widerstehen zu können.  Legendär ist auch sein Kampf gegen den Bad Ischler Janisch, der mit seinen Sexhefteln reich geworden ist. In Linz fuhr er einmal mit einem Güllefass vor, um die tierischen Ausscheidungen in eine  Peepshow  hineinzupumpen. Mist  zu Mist, meinte er. Die Marketing-Lektionen hatte er im Umgang mit den Medien gelernt, Selbstdarstellung war ihm nicht fremd.      Die Staatsanwälte hat er mit Anzeigen zugeschüttet, so manche  Prozesse hat er verloren.

Seine Welt waren die alten autoritären Systeme

Mit Freiheit und Demokratie hat er sich schwer getan, weil er so manche  dumm wie Rindviecher hielt.  Autoritäre Systeme wie die  alte römisch-katholische Kirche vor den Reformen des II. Vatikanums waren das Seine.    Mit Humer ist ein Vertreter der Fundamentalisten  abgetreten. Kurt Krenn ist schwer krank, sein Bruder Herwig vor einigen Wochen gestorben. Der Linzer Priesterkreis altert. Aber die   Rechte  stirbt in Oberösterreich  nicht aus. Leute wie die Online-Plattform kath.net oder der Kopfinger Pfarrer sind  ihre aktuellen Gesichter.

Gesteuerte Migration

13. August 2011

Die Bilder aus London, wo der  Mob stehlend und brandschatzend durch die Straßen zieht, haben Europa erschüttert (Foto). Zwei Details stimmen besonders nachdenklich. Zum einen handelt es sich um Jugendliche, die zum Teil noch im Kindesalter sind. Zum anderen fanden die Gewaltausbrüche  in Gegenden statt  wie zum Beispiel Tottenham, in denen der Migrantenanteil 90 Prozent beträgt.

Positives Beispiel

Das Gegenbild stellt die türkischstämmige Familie von Murat Baser in Linz dar (Reportage Seite 3).  Eltern und Kinder sprechen perfekt Deutsch, sie sind ehrgeizig und wollen es zu etwas bringen. Die Tochter und der Sohn haben in ihren Zeugnissen lauter Einser. Wären alle Zuwanderer so, gäbe es kaum Probleme.

Migration kann nicht Entwicklungshilfe sein

Was kann man aus den bisherigen Erfahrungen lernen? Zuwanderung verstanden als Entwicklungshilfe für Länder, die an der Lösung ihrer eigenen Probleme scheitern, ist lediglich eine Verlagerung der dortigen Probleme hierher.  Wir brauchen junge, qualifizierte, bildungs- und aufstiegswillige   Zuwanderer, die  sich in Wirtschaft und Gesellschaft einbringen. Wie das funktionieren kann, zeigen die Inder und Asiaten in Kalifornien. Die USA, Kanada und andere Länder demonstrieren,  dass Einwanderung eine gezielte Politik sein muss und nicht irgendwelchen Zufälligkeiten überlassen werden darf. Wir müssen uns die Leute aussuchen, die kommen sollen. Die Zuwanderer wollen in Strömen in die USA, obwohl sie dort  fünf Jahre lang keine Sozialleistungen erhalten.

Erwartungen formulieren

Wir sollten klare Erwartungen an die Zuwanderer formulieren. Zum Beispiel, die Sprache  zu lernen. Umgekehrt haben die Einwanderer  Wünsche an uns.  Dass wir sie mit offenen Armen aufnehmen und ihnen Aufstiegschancen  bieten.   Von den gegenseitigen Begegnungen profitieren alle.

Wahrhaftigkeit und Heuchelei

17. August 2011

 Wahrhaftigkeit ist ein christliches Anliegen. Sie erleichtert das menschliche Leben, denn der Mensch soll so sein, wie er ist. Er soll sich nicht verbiegen, er soll sich nach außen nicht anders geben wie es in seinem Herzen und Denken aussieht. Das hilft ihm in seinem Sein, es erleichtert das Zusammenleben mit den anderen. Denn sich anders zu geben als man in seinem Wesen ist, kostet enorm viel Kraft und Energie. Die aufgebaute Fassade stürzt letztlich zusammen. Enttäuschungen und Belastungen sind die Folge, die viele Jahre anhalten können.

Das Doppelleben der Kirche

Wahrhaftigkeit ist ein Hauptbeweggrund für die von Helmut Schüller angeführte Pfarrerinitiative, die unter anderem für die Priesterweihe der Frau, die Aufhebung des Zölibats und Laienprediger eintritt. „Wir leben als Kirche ein Doppelleben“, kritisiert er. Damit trifft er einen zentralen Nerv der römisch-katholischen Kirche, der ihr zu Recht von den Kritikern immer wieder vorgehalten wird. Katholisch hat sich im Laufe der Geschichte für so manche geradezu zu einem Synonym für Heuchelei entwickelt. Das, was von Rom gepredigt und in Reden hochgehalten wird, wird nicht gelebt. Nicht, weil die Gläubigen Versager und amoralisch sind, sondern weil die Vorschriften den Menschen widersprechen. Im Namen Gottes und seines Stellvertreters auf Erden, des Papstes, werden Regularien verkündet, die unmenschlich sind. Die monarchistische Struktur verhindert, dass der Glaube der Menschen nach oben getragen und umgesetzt wird. Das Wissen und die Gnade ergießen sich nur von oben nach unten.

Unübersehbare Kluft 

Die Kluft zwischen der Führung der römisch-katholischen Kirche und den Gläubigen, den Priestern, den Laienmitarbeitern und den Theologen ist unübersehbar. In den Pfarren wird ein anderer Glaube gelebt als Rom vorschreibt.

Reform oder Spaltung

Wie der Konflikt enden wird, ist noch nicht absehbar. Letztlich bleiben nur zwei Möglichkeiten. Die römisch-katholische Kirche reformiert sich – auch an der Spitze oder es wird eine Spaltung geben. Noch hoffen die Unterzeichner der Pfarrerinitiative auf ein Wunder ähnlich dem von 1989, als plötzlich der Eiserne Vorhang und und die kommunistischen Systeme zusammenbrachen. Oder, um ein biblisches Bild zu verwenden, sie hoffen auf den Einsturz der Mauern von Jericho. Diese stürzten auch erst am siebenten Tag nach der siebenten Umrundung unter dem Schall der Hörner ein.

 

 

 

Schulden verhindern den sechsspurigen Ausbau der West- und Innkreisautobahn

20. August 2011

Vergangener Sonntag: Das Wetter war prächtig. Linz entfliehen, auf an den Attersee! Der Badetage waren heuer wenige, also die Sonne und das Salzkammergut genießen.   Um  zehn Uhr folgte der Vorfreude die Ernüchterung. Kurz nach Sattledt ein Riesenstau auf der Westautobahn.     Das Stop and Go hielt bis zur Ausfahrt Regau an. Nach zwei entnervenden Stunden im heißen Auto Ankunft  in Seewalchen.
Der Stau war ursprünglich von einem Unfall ausgelöst worden. Doch wer die  Westautobahn regelmäßig nutzt,    muss sich  an das Kolonnenfahren gewöhnen. Selbst in der Urlaubszeit. Mit einem gewissen Neid schaut der Autofahrer nach Niederösterreich, wo die Westautobahn bald durchgehend dreispurig befahrbar ist. Oberösterreich hinkt  nach. Woran liegt das?  Setzt sich der dortige   Landeshauptmann mit seinem Poltern in Wien mehr durch als unsere Vertreter, die das  wirtschaftsstärkste Bundesland im Rücken haben?  Die Westautobahn wird zwar seit vielen Jahren saniert, doch wird diese Gelegenheit für den notwendigen dreispurigen Ausbau  nicht genutzt.

Transitverkehr nimmt zu

Ein ähnliches  Trauerspiel spielt sich auf der Innkreisautobahn ab. Der Transitverkehr nimmt ständig zu.  Die vielen Einpendler in den Großraum Linz wissen   Lieder davon zu singen. Doch auch hier kein Ausbau auf drei Spuren. Offizielle Begründung: Das Verkehrsaufkommen sei dafür zu gering. Doch der wahre Grund dürfte schlicht und einfach Geldmangel sein. Denn die Sanierung der Innkreisautobahn wurde wegen des fehlenden Geldes zeitlich bereits nach hinten verschoben. Die Asfinag sitzt auf einem Schuldenberg von 13 Milliarden Euro. Warum wird die  Sanierung nicht für den dreispurigen Ausbau genützt? Die Politik denkt zu kurzfristig. Wir brauchen die drei Spuren heute schon und nicht erst in 20 Jahren, wenn nichts mehr geht.

Gerlinde Kaltenbrunner ist ein Vorbild

27. August 2011

 

Sieben Tage umrundeten die Israeliten die Stadt Jericho bei der Eroberung des Heiligen Landes. Am siebenten Tag brachen bei der siebenten Umrundung plötzlich die schier unüberwindbaren Mauern zusammen.   So erzählt  es das Alte Testament.   Der Buddhismus weiß, dass  der Mensch in seiner Entwicklung  bis zu sieben Mal  in die  alten Verhaltensweisen zurückfallen kann,  bis er endgültig auf der nächsthöheren  Stufe angekommen ist.    Sieben Mal hinfallen, acht Mal aufstehen. Dieses  japanische Sprichwort lehrt, dass Misserfolg die Mutter des Erfolgs ist.

Erfolg beim siebenten Anlauf

 Gerlinde Kaltenbrunner   hat es bei ihrem siebenten Anlauf diese Woche geschafft, den  8611 Meter hohen K2   zu besteigen.  Vier Expeditionen waren nötig. Immer wieder musste sie ihr Vorhaben, den letzten der 14 Achttausender  zu bezwingen, abbrechen. Die Windisch- garstnerin ist ehrgeizig und zielstrebig, sie geht an ihre Grenzen, aber sie geht darüber nicht hinaus. Sie respektiert die Gefahren. Sie ist aber nicht bereit, für den Erfolg alles zu opfern. Damit unterscheidet sie sich von Politikern und Managern, die in ihrer Gier und ihrem Hunger nach Anerkennung und Geld alle Grenzen überschreiten und dann sprichwörtlich abstürzen.
Die Freund, der Mitmensch ist wichtiger als der eigene Erfolg. Das hat Kaltenbrunner  2008 beweisen, als ihr japanischer Bergkamerad an einem lebensgefährlichen Gehirnödem erkrankt war und er rasch ins Tal gebracht werden musste. Sie verzichtete zugunsten dessen Gesundheit auf ihren Aufstieg. Erfolg und Leistung ja, aber nicht um jeden Preis.

Erfolg im Team

Das Team ist wichtig. Auch für den Erfolgreichen. Das weiß und würdigt sie. In ihrem Fall sind das vor allem ihr Mann Ralf Dujmovits und der Innsbrucker Wetterexperte Karl Gabl. Trotz ihrer Erfolge ist Kaltenbrunner bescheiden geblieben. Sie ist ein Vorbild.

Bischof Schwarz ist ein römischer Vollzugsbeamter

03. September 2011

 

Bischof Ludwig Schwarz verdient unser Mitgefühl. Er ist umzingelt von Heiden. Laut einer market-Umfrage halten 58 Prozent der Österreicher und 52 Prozent der Katholiken die Forderungen der Pfarrer-Initiative nach Aufhebung des Zölibats, dem Priesteramt für  Frauen etc. für sehr  berechtigt, weitere 31 Prozent der Katholiken für teilweise berechtigt. Diese Menschen sind für Schwarz Ungläubige. Das schreibt er in einem Kommentar in der Kirchenzeitung. „Wenn wir auf die Heilige Schrift schauen, so sehen wir von Abraham bis zur Gottesmutter Maria, wie untrennbar der Glaube mit dem Gehorsam  verbunden ist. Somit gilt aber auch, dass der Unglaube im Ungehorsam begründet ist, wie auch immer sich dieser kundtut.“

Dumm und diffamierend

Eine derartige Argumentation ist nicht nur dumm, sondern auch  diffamierend.  Es steht selbst einem
Oberhirten nicht zu,  seinen „Brüdern und Schwestern im Herrn“ (O-Ton Kirche) den Glauben abzusprechen. Er geht aber noch weiter. Er wirft der Pfarrerinitiative, zu der immerhin mehr als 80 Priester seiner Diözese gehören, „Eifersucht und Geltungsstreben“ vor.
Er spricht von „Richtungskämpfen“, „Spaltungen“ und „Lieblosigkeiten“. Mit dieser Wortwahl vertieft er den Konflikt und treibt ihn in Richtung Kirchenspaltung.

Denken nicht erwünscht

Schwarz geriert sich als römischer Vollzugsbeamter. Er propagiert absoluten Gehorsam gegenüber dem Papst und dem Vatikan. Er negiert die Probleme in der Seelsorge, die Fragen der Priester, der Laien und Gläubigen. Er fordert sie auf,  selbstständiges Denken in der Sakristei abzugeben. Früher wurde den Soldaten eingeimpft: „Das Denken überlassen wir den Pferden, denn die haben größere Köpfe.“ Gehorsam ist keine Einbahnstraße. Die Bischöfe stehen selbst auch in der Gehorsamspflicht gegenüber den Gläubigen. Sie nehmen sie nicht wahr, weil sie Angst um  ihre Ämter haben.

Umwertung der Werte

10. September 2011

“Frage nicht, was dein Land für dich tun kann, frage, was du für dein Land tun kannst.“  Dieser Satz  des US-Präsidenten John F. Kennedy – vor 51 Jahren ausgesprochen  – könnte aktueller nicht sein. In diesem Sinn brauchen wir  eine Umwertung der Werte. Heute gilt die Devise, der Staat habe für alles aufzukommen. Der Bürger wurde dazu erzogen, Ansprüche zu stellen.  Gewählt wurden jene Parteien und Politiker, die am meisten versprochen haben.  Das Resultat: Die Staaten sind völlig verschuldet, sie können mittel- und langfristig ihre Versprechen  nicht halten. Die politische Diskussion dreht sich lediglich darum, wie die  Steuerschraube  noch stärker hochgedreht werden kann.

Das Geld fehlt an allen Ecken und Enden

Parallel dazu kann der Staat seine grundlegenden Aufgaben nur mehr schlecht als recht  erfüllen. Es fehlt das Geld für die Schulen und Universitäten.  Wie lange werden sich das die Studenten noch gefallen lassen? Es fehlt das Geld für die  Infrastruktur.  Allein die Ausbauprojekte  für die Straßenbahn im Linzer Zentralraum  kosten in Summe 800 Millionen Euro.  Der Linzer Westring  fehlt,  der Ostring ebenso,  die Autobahnen sollten sechsspurig  ausgebaut  werden.  Das Gesundheits- und Spitalssystem  verschlingt Milliarden.

Wir bezahlen den Preis für die Schulden

Wir zahlen heute den Preis für die  Schulden, die in der Vergangenheit gemacht wurden.  Mit jedem Jahr wird dieser Preis höher.  Die Wohlfahrts- und Sozialversicherungssysteme können auf Dauer nur mehr aufrechterhalten werden durch  entsprechende finanzielle Beteiligungen  der Bürger. Die Politiker sagen nicht gerne die ganze Wahrheit, sie bevorzugen die halbe Wahrheit, weil sie um die Wählerstimmen fürchten.  Es wird eine gewisse Grundversorgung für jeden geben. Wer mehr will, wird es selbst zahlen müssen. Entgegen allen anderslautenden Schalmeien  der Politiker.

Fundis und Schwule haben dieselben Interessen in der Nichtzulassung von Frauen und Verheirateten in der katholischen Kirche

10. September 2011

Die Diktatoren Tunesiens, Ägyptens und Libyens sind gestürzt. Der Arabische Frühling hat sie vertrieben. Doch wo bleibt der Frühling in der katholischen Welt?  Der Papst, die Kurie und die Bischöfe glauben, die  Reformbestrebungen wieder einmal aussitzen zu können,     so wie es  die Kirchenoberen stets  gemacht haben. Doch sie werden sich täuschen. Die Geschichte wird über sie hinweggehen. Derzeit haben noch zwei beharrende Kräfte das Sagen: Da sind die Fundamentalisten und Traditionalisten. Eine andere Seilschaft sind die Homosexuellen, deren Anteil unter den Priestern deutlich höher ist als an der Gesamtbevölkerung. Sie fühlen sich in der katholischen Männergemeinschaft sehr wohl. Derzeit können sie problemlos Karriere machen, wie es der schwule Priester David Berger in seinem Buch „Der heilige Schein“  beschrieben hat. Sie haben wenig Interesse daran, dass nun Frauen und Verheiratete zugelassen werden sollen. Das II. Vatikanische Konzil hat zwar die Inhalte reformiert, aber nicht die Strukturen, was sich zunehmend   als gravierender Fehler erweist.

Wo die Musik spielt

18. September 2011

 

Die Musik spielt nicht mehr allein in den USA und in Westeuropa, sondern ganz wesentlich in Asien, Brasilien, Russland, Indien und China. Das hat die Finanz- und Wirtschaftskrise verdeutlicht. In diesen Ländern findet das Wachstum statt, das die Welt vorantreibt. Kanada gehört ebenfalls dazu (das Bild zeigt Toronto am Ontario-See).

Schwellenländer immer wichtiger

Wenn wir unseren Wohlstand halten wollen, müssen wir an diesem Wachstum teilhaben. Mehr als die Hälfte unserer Wertschöpfung verdienen wir mit dem Handel und Dienstleistungen mit und im Ausland. In Europa sind wir gut aufgestellt. Doch die Wirtschaftsbeziehungen mit den überseeischen Ländern bedürfen  der Steigerung. Sie betragen lediglich 18 Prozent des Exports. Wenn in Europa das Wachstum niedrig ist, müssen wir unsere Anteile in jenen Regionen steigern, wo es hoch ist.

Kanada noch immer ein Land der unbegrenzten Möglichkeiten

Kanada ist auch heute noch ein Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Das bestätigten alle ausgewanderten Österreicher Wirtschaftskammerpräsident Trauner bei seiner Reise nach Montreal und Toronto. Die Kanadier sind gut, aber noch lange so gut wie viele von uns glauben. Unseren Firmen stehen dort Tür und Tor offen, sie können locker mithalten. Gleichzeitig können wir von den Kanadiern lernen. Zum Beispiel von der selektiven Einwanderungspolitik, die sie betreiben. Jene Organisationen, die sich um die Ansiedlung neuer Unternehmen bemühen, werben im selben Atemzug weltweit um qualifizierte Arbeitskräfte. Die Firmen benennen die Arbeitskräfte, die sie brauchen, und die zuständigen Institutionen suchen sie. Gezielte Programme sorgen für eine rasche Integration.

Es warten noch viele Chancen

Die Auslandsösterreicher sind positiv angetan von der Entwicklung ihrer Heimat. Österreich hat in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten stark aufgeholt. Aber wir haben bei weitem noch nicht alle Chancen ausgelotet, die sich für uns auf der ganzen Welt auftun.

Bischof Schwarz überraschte

24. September 2011

Bischof Ludwig Schwarz hat alle überrascht. Am vergangenen Sonntag ließ er in der Kopfinger Kirche verlesen, dass der umstrittene polnische Pfarrer abberufen wird. Eine gute  Entscheidung, denn die Pfarre war gespalten, eine Versöhnung nicht mehr möglich. Zu groß waren die Wunden, die geschlagen worden sind.

Reformer sollen gehen

Fundamentalisten wie der polnische   Pfarrer nehmen gerne Totschlagargumente in die Hand. Katholiken, die beispielsweise das Menschenrecht der Gleichberechtigung der Frau einfordern,  wird hingeworfen, sie sollten doch zu den Protestanten wechseln,  wo es  Pfarrerinnen und Bischöfinnen gebe. Diese Position hat eine  ähnliche Qualität, wie wenn  die Reformer den Fundis vorhielten, sie sollten sich doch der Abspaltung der Pius-Bruderschaft anschließen. Die Fundis tun gerade so, als ob sich die Kirche seit 2000 Jahren nicht geändert habe.  So hat  das II. Vatikanum  beschlossen, die Messen nicht mehr in Latein, sondern in der  Landessprache zu feiern.  Das hat Martin Luther bereits vor 500 Jahren eingeführt.

Erkenntnisse aus Kanada

24. September 2011

Reisen bildet. Das erfuhren einmal mehr die Mitglieder jener Delegation von Wirtschaftskammerpräsident Rudi Trauner, die eine Woche lang Kanada bereiste. Viele Kanadier arbeiten bereits bis zum 70. Lebensjahr. So zum Beispiel  Helmut Hargassner, der vor 51 Jahren aus Weng bei Altheim nach Montreal ausgewandert ist. Oder Steve Glickman, der in der 360.000-Einwohner-Stadt London für Betriebsansiedlungen zuständig ist und mitgeholfen hat, dort Niederlassungen der Firma Scheuch (Aurolzmünster) und der Firma Starlim (Marchtrenk) zu etablieren. Was bei uns  noch vielen unvorstellbar erscheint, ist dort bereits gelebte Wirklichkeit.

Ein materiell goldenes Zeitalter endet

Obwohl es in Kanada im Gegensatz zu den USA ein staatliches Gesundheitssystem und eine staatliche Rente gibt, ist die Verschuldung mit 30 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (Österreich 74 %)  niedrig. Weder die Liberalen noch die Konservativen könnten  Wahlen mit Versprechen gewinnen, die den Staat massiv belasteten, wurde uns versichert. Eine  Krise Anfang der 90er-Jahre hat die Kanadier vom Schuldenmachen geheilt.
Beim Rückflug aus Toronto holte uns die Zeitungslektüre  am Frankfurter Flughafen schnell auf den Boden der  europäischen Wirklichkeit. In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung (20. 9., Seite  26) erklärte der Sozialwissenschafter Meinhard Miegel, was Schuldenmachen, Geburtenmangel und Ressourcenverbrauch bedeuten. „Schon in wenigen Jahren werden wir viel härter arbeiten müssen als heute und trotzdem einen materiell niedrigeren Lebensstandard haben.“ Ursache ist die Globalisierung. „Wir stehen jetzt im Wettbewerb mit Milliarden von Menschen, von denen viele genauso qualifiziert und motiviert sind wie wir, aber ihre Dienste billiger anbieten. Wir, die Völker der früh industrialisierten Länder, erleben gerade das Ende eines materiell goldenen Zeitalters.”

Bischof Schwarz ist überfordert

01. Oktober 2011

Der Bischof hat ein gutes Herz und ist ein liebenswürdiger Mensch.“ Mit dieser Charakterisierung hat Generaldechant  Franz Wild  völlig  recht. Gleichzeitig nennt  er  mit „Führungsschwäche“  die andere Seite des Oberhirten. Die Rücknahme der Abberufung des polnischen Pfarradministrators  ist ein Paradebeispiel, wie man es als Führungskraft nicht machen darf.  Der Konflikt in Kopfing eskaliert,   Schwarz hat sein  Führungsteam desavouiert, aus einem lokalen Konflikt ist eine Diskussion um seine Person  geworden. Es ist nicht  die erste  Fehlentscheidung.  Schwarz ist überfordert.

Schwierige Position

Zugegebenermaßen ist er in einer schwierigen Position.  Auf der einen Seite   erwartet die große Mehrheit der Gläubigen und   Priester   Reformen.  Auf der anderen Seite  machen der Vatikan und ein paar  Fundis, die im Verborgenen agieren, Druck.  Diese wenigen im Land haben  aber den Papst  und die Kurie auf ihrer Seite.   Benedikt XVI. sagte  bei seiner Rede vor einer Woche in Freiburg klar, wo es langgeht.  Die Kirche soll sich von der „Weltlichkeit der Welt“ und den „materiellen und politischen Lasten und Privilegien“ lösen. Er forderte Rom-Treue und kritisierte   „kirchliche Routiniers, die in ihr noch den Apparat sehen“.     Wenn Österreichs Bischöfe den Papst wirklich so ernst nehmen, wie sie betonen, müssten sie sofort auf die Aufhebung des Konkordates drängen, das der österreichischen Kirche viele Privilegien einräumt. Bis dato schweigen sie.

Ratzinger hat sich in 40 Jahren nicht verändert

Der damals 51-jährige Theologe  Josef Ratzinger hat seine Vorstellungen schon im Dezember 1969 im Hessischen Rundfunk dargelegt: „Aus der Krise wird auch dieses Mal eine  Kirche von morgen hervorgehen, die viel verloren hat. Sie wird klein werden, weithin ganz von unten anfangen müssen. Sie wird viele Bauten nicht mehr füllen können.“ Dieser Vision der wenigen Selbstgerechten setzen die Oberösterreicher die Vision einer  Volkskirche entgegen, die mitten in der Welt steht.

Globalisierung: Der Kampf um die Industrie

08. Oktober 2011

Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat eines schmerzlich gezeigt: Jene Länder, die  keine oder nur eine schwache Industrie haben, waren von den Auswirkungen viel stärker betroffen als jene,  die hier gut aufgestellt sind.

Industrien wurden reiheweise ausgelagert

Die Globalisierung hat die Welt verändert. Produktionen  aus Europa und den USA wurden vor allem nach Osteuropa und Asien verlagert. Kaum jemand regte sich auf, es wurde als unabänderlicher Prozess hingenommen. Aber den alten Industrieländern dämmert  langsam, welche Schätze sie hier verloren haben und noch immer verlieren. Industrie bedeutet Wertschöpfung und Arbeitsplätze, sie schafft Wohlstand.  Oberösterreichs SPÖ-Klubobmann Karl Frais spricht als einer der ersten Sozialdemokraten aus,  welche Bedeutung diese Produktionsstätten für das Wohl der Menschen haben.

Auf gleicher Höhe mit den Schwellenländern

 Schwellenländer wie Indien, China und Brasilien wurden vor einigen Jahren noch Entwicklungsländer genannt. In den Kirchen wurde für die dortige Bevölkerung gesammelt und  gespendet. Heute sind sie aber unsere Konkurrenten. Das ist die neue Realität, die wir ernst nehmen sollten. Wir befinden uns mit ihnen im Wettbewerb um Standorte, Produktionen, Arbeitsplätze und Rohstoffe. Es ist schön, wenn die Menschen bei uns Produkte günstig kaufen können, die in China billig produziert wurden. Aber noch besser wäre es, wenn sie bei uns hergestellt würden. Es geht hier weder darum, der Vergangenheit nachzutrauern noch, sich Illusionen hinzugeben. Aber:  Wir müssen den Wettbewerb ernst nehmen und schauen, dass wir ihn gewinnen. Dienstleister wie Masseure,  Werbeagenturen etc. sind gut und schön, aber die Einzelnen und die Firmen müssen das Geld verdienen, um  sie zu beschäftigen und  zu bezahlen. Deutschland hat in den vergangenen Jahren gezeigt, wie man verloren gegangene Wettbewerbsfähigkeit zurückgewinnen kann. Die Chancen sind noch da.

Kopfingerbluat

08. Oktober 2011

Wer sich mit den Kopfingern anlegt, sollte wissen,mit wem er es zu tun hat. Die Sauwaldler  sind direkt,  zäh, haben ihren eigenen Schädl und sie sind kampfeslustig. Diese Erfahrung haben bereits 1703 die Habsburger-Soldaten  gemacht, als sie im  spanischen Erbfolgekrieg nach Kopfing einrücken wollten. Der Ort  gehörte damals   zu Bayern. Die Kaiserlichen  wurden intensiv beschossen, besonders vom Kirchturm aus.
Die Innviertler  Zechen waren bekannt für  ihre   Rauflust. Zu den härtesten  gehörten die Kopfinger.  Diese Tradition hat sich bis heute erhalten.  Noch heute gehören Fußballmatches  und Zeltfeste  zu den intensivsten Erfahrungen.  Wer übermütig und frech ist,  dem kann es passieren, dass er eine Tachtel bekommt.  Wenn Unterstützer des fundamentalistischen  Pfarradministrators  Andrzej  Skoblicki behaupten, der Pole habe Morddrohungen erhalten, lachen die Kopfinger und meinen, wahrscheinlich habe ihm einer eine Watsche angetragen.  
Wie es derzeit aussieht, ist der polnische Schädel der weichere.  Nach mehreren Wochen Urlaub ist Skoblicki  nun drei Wochen  im Krankenstand. Kopfing ist ein Widerstandsnest und Kopfingerbluat ist kein Himbeersaft.

Handy statt Colt

17. Oktober 2011

Als  Autofahrer  erlebt  man schier unglaubliche Dinge.  Tatort Westautobahn A?1, Gegenverkehrsbereich,  nahe  Vorchdorf, Fahrtrichtung Wien, Donnerstag gegen 23 Uhr:  Ein Kitzbüheler  Lkw   blockiert  mit seiner Fahrweise  beide Spuren.  Ein  Mercedes    drängt  mit überhöhter Geschwindigkeit auf der rechten Spur nach vorne. Er  blinkt  mit der Lichthupe mehrfach den Lkw an,   der vorschriftsmäßig 80 km/h fährt, um überholen zu können. Doch vergebens, der Lastwagen weicht nicht zur Seite.  Wieder setzt der Mercedes die Lichthupe ein.  Da reißt dem Lkw-Fahrer die Geduld. Er bremst, stellt seinen Lastzug mitten auf der Autobahn ab, springt mit dem Handy bewaffnet aus seiner Kabine, beschimpft den Mercedes-Fahrer und fotografiert   mit dem Handy mehrfach dessen Kennzeichen. Inzwischen hat sich  ein Stau gebildet, die   Autofahrer hupen und  sind empört. Nach einer Schreierei    fährt der Lkw weiter.
 Einige Wochen zuvor   ein  ähnlicher Vorfall. Auf der A?1  verfolgte ein Schärdinger Pkw einen Linzer  Wagen und versuchte, ihn mit seinem Handy zu fotografieren, weil der ihn auf der Überholspur mit der Lichthupe  angeblinkt hatte.
Manchmal  geht es zu wie im Wilden Westen. Man kann nur von Glück reden,  dass das Handy den Colt ersetzt hat.

Leben auf Pump

17. Oktober 2011

 

Natürlich hat Hans Karl Schaller, der Konzernbetriebsratsvorsitzende  der voestalpine, recht, wenn er beklagt,  dass die geforderte  5,5-prozentige Lohnerhöhung  lediglich ein Plus von täglich netto 1,50 Euro für die Mindestlohnbezieher bedeutet. Das ist zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel. Dass es nur 1,50 Euro sind, liegt nicht allein an den voestalpine-Bossen, sondern auch an den  Steuern und Abgaben, die den Arbeitnehmern abgezogen werden.  Eine Entlastung der Arbeitnehmer ist überfällig. Aber der Staat kann auf ihr Geld   nicht verzichten, weil er stark verschuldet ist. Auf allen Ebenen. Die Bürgermeister klagen, dass ihnen die Kosten für Pflege und Spitäler die Budgets auffressen,  die Länder können ihre Budgets nicht ausgleichen, der   Bund sowieso nicht. Wir leben auf Pump und  Kosten der Jungen. 

Produktion wird in billigere Länder verlagert

Voest-Boss Wolfgang Eder hat in seiner Funktion als Vorsitzender der europäischen Stahl-Hersteller diese Woche  eine ernüchternde Prognose gestellt.    Die Stahlproduktion werde in den nächsten 20 Jahren in Europa um die Hälfte reduziert. Er selbst will  in der EU  auch kein Stahlwerk mehr bauen.   Europa ist zu teuer. Das sind bedeutende Verluste an Wertschöpfung und Arbeitsplätzen. Und eine enorme Herausforderung an den Standort Linz. Wie kann sich Oberösterreich  im weltweiten Wettbewerb behaupten?
Noch geht es uns gut, weil der Staat bzw. die Staaten mit enorm viel Geld die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise   abgefangen bzw. in die Zukunft verschoben haben.  Aber in den nächsten Jahren werden  wir  die Kosten   von globalem Überschwang,   der Schuldenpolitik  und von untragbarem  Wirtschaften   zahlen

Ausgeböllert

25. Oktober 2011

Die beiden lagen  im künstlichen Tiefschlaf, aus dem sich nun erwacht sind.  Die beiden 21-jährigen Innviertler Burschen hatten sich  beim Böllerschießen schwer verletzt. Das Rote Kreuz und die Feuerwehr   mussten ausrücken, der Hubschrauber flog die beiden   nach Salzburg  bzw. Linz.   Der Hochzeitsbrauch mit dem Schwarzpulver endet nicht selten für die Beteiligten  mit fehlenden Fingern. Was für viele  Brautpaare als schönster Tag im Leben angelegt ist, mündete in diesem Fall schon vor  der Hochzeit in eine kleine Katastrophe.
Traditionen können schön, aber auch brutal  und gnadenlos sein. Das Poltern  ist ein anderer  Brauch. Was als Abschiedsfeier  vom   Junggesellenleben gedacht ist,   artet meist  in Alkoholexzesse aus. Der Bräutigam wird in eine Sausteig gepfercht, durch die  Gemeinde kutschiert  und in den diversen Gasthäusern mit Schnaps und  anderen   schweren Alkoholika abgefüllt.    Alle Beteiligten geben ein erbärmliches       Bild ab.
Verbietet das Böllerschießen! Musiziert stattdessen! Böllern stiftet mehr Schaden als Nutzen. Abgesehen von den Verletzten sorgt es lediglich für Krach. Da hören sich ja die hupenden Autos  bei Hochzeiten von Zuwanderern vom Balkan geradezu lärmarm an.

Die Gemeinden reformieren

25. Oktober 2011

Im Gebälk der oberösterreichischen Gemeinden knirscht es. Viele sind verschuldet, der Großteil kann den ordentlichen Haushalt nicht mehr ausgleichen. Die Folgen: Ortschefs wie die Bürgermeisterplattform protestieren lautstark, manche Gemeinden sind  mit Empfehlung der Gemeindeaufsicht hochspekulative  Kreditrisiken, sogenannte Swaps, eingegangen, was ihre Lage nochmals  verschlechtert hat.
Die Gemeinden bekommen die Auswirkungen die Finanz- und Wirtschaftskrise ebenso zu spüren wie jene der Staatsverschuldung. Sie müssen  für die Abgänge der Spitäler zahlen, obwohl sie damit nichts zu tun haben noch mitreden können. Aber wenn die Gemeinden nicht mehr zahlen, wer wird es dann machen? Das Land? Der Bund? Auch sie sind verschuldet. Allen steht das Wasser bis zum Hals. Es führt dennoch kein Weg an einer Entlastung der Gemeinden vorbei.

Was tragen die Bürgermeister bei?

Die Bürgermeister müssen sich aber auch umgekehrt fragen lassen, wie ihre Beiträge zum Sparen und zur Kostenreduzierung aussehen? So manche Gemeindegrenzen sind überholt. Es sollte Gemeindezusammenlegungen geben, ohne dass gewachsene Identitäten zerstört werden. Hier könnte man sich  an den Pfarrgrenzen orientieren. Aber das wollen die Ortschefs nicht, weil sie sich selbst abschaffen würden. Der Vorschlag von Hofkirchens Bürgermeister Martin Raab, die Amtsleiter durch Regionalmanager, die die Zusammenarbeit mehrerer Kommunen organisieren,  zu ersetzen, ist vernünftig. Die Zeit, wo jede Gemeinde einen eigenen Kindergarten, eine eigene Schule, ein Schwimmbad, eine Sauna etc. hat, sind vorbei.  Nicht nur der Bund und das Land, auch die Gemeinden benötigen dringend eine Verwaltungsreform. Die Bürgermeister sind eingeladen, nicht nur nach mehr Geld zu rufen, sondern auch selbst Einsparungs- und Zusammenarbeitsvorschläge vorzulegen.

Schaller weckt Hoffnungen auf einen neuen Führungsstil

25. Oktober 2011

Ludwig Scharinger wird angesichts seiner Leistungen für die Raiffeisen Landesbank und Oberösterreich  respektiert, aber wenig  geliebt.  Die Menschen sehen in ihm primär den Machtmenschen, der  er  ist.   Mit  strenger und harter Hand machte er aus der ehemaligen Bauernbank  die größte Regionalbank Österreichs. Für sein Handeln war der Vorteil der Bank die entscheidende Richtschnur, was zu manchen persönlichen Enttäuschungen führte. Diesen Preis nahm er in Kauf, wiewohl er auch gerne geliebt worden wäre, wie dies bei allen Autoritäten der Fall ist. Aber für Sentimentalitäten gab es keinen Platz.
Der Aufsichtsrat hat sich mit Heinz Schaller für einen Nachfolger entschieden,  der  Scharinger die Stirn bietet.  Als dieser 2006 auf eigenen Wunsch aus der Bank ausschied und in die Wiener Börse wechselte, tat er
 dies  in Abgrenzung zum Führungsstil Scharingers. Das Risiko, dass er damit als möglicher Scharinger-Nachfolger ausscheiden könnte, nahm er  bewusst in Kauf. Dieses Risiko gerät ihm nun zum Vorteil.
Jene, die meinen, mit Schaller werde ein schwächerer Nachfolger installiert und Scharinger werde aus dem  Hintergrund  weiter regieren, werden sich täuschen. Schaller ist ein Mann, der   Entscheidungen trifft,   in aller Klarheit
 und mit aller Konsequenz. Genau das zeichnet eine Führungspersönlichkeit aus. Er hat seinen eigenen Stil, den er angesichts der Herausforderungen noch weiter entwickeln wird. Er ist der neue starke Mann, der auch von den Mitarbeitern getragen wird.

Der letzte Kampf zwischen Licht und Finsternis

07. November 2011

“Der letzte Kampf zwischen Licht und Finsternis“ (Titel einer fundamentalistsichen Broschüe) findet derzeit aus Sicht der Fundamentalisten in der Welt und  in der  Kirche statt. Linz ist demnach dieses Wochenende der Vorort zur Hölle.  Aber es wird wieder ein schöner Herbsttag werden, ein Tag des Lichts.  Die gefallenen Engel  der Pfarrerinitiative werden sich nach der Abhaltung der Sonntagsmesse in ihren Gemeinden im Linzer Ursulinenhof treffen, um die weitere Vorgangsweise zu beraten.
Jene, die sich gestern und heute in Linz versammeln, sind hochgebildete und engagierte Menschen. Ehemalige Universitätsprofessoren, Pfarrer, Theologen.  Sie sind die Speerspitze der überfälligen Kirchenreform. Das schmerzt die zukunftsverängstigten Fundamentalisten. Es mangelt ihnen an Kreativität. Das Einzige, das ihnen einfällt, ist die Aufforderung, die katholische Kirche zu verlassen. So sind sie, die Glaubensbrüder! Wer nicht blind gehorcht und das Hirn ausschaltet, soll sich schleichen. Aber sie haben auch Ideale und Vorbilder. Im Vereinsblatt „Die Wahrheit“ der „Normalen Katholiken“ wird  „Die priesterliche Heiligkeit“ empfohlen. Damit ist nicht der Papst gemeint, sondern Erzbischof Marcel Lefebvre, der sich mit seiner Piusbruderschaft aus Protest gegen das II. Vatikanische Konzil von der katholischen Kirche abgespalten hat. Seine Predigten, Bücher und Briefe werden zur Lektüre empfohlen. Man spürt und liest, woher der Wind weht.
Das Pontifikat von Benedikt XVI. bietet keinen Anlass zur Hoffnung, dass  es zu Reformen kommen wird. Im Gegenteil, es wird schlechter. Aber es wird der Tag kommen, an dem auch die vatikanischen Mauern einstürzen werden.

Die Ärmel aufkrempeln und das Notwendige tun!

12. November 2011

Der gebürtige Linzer und Hongkonger Reeder Helmut Sohmen liest uns  Europäern  die Leviten:  mehr und länger Arbeiten, mehr Sparen, mehr Solidarität, mehr Optimismus und weniger Sozialleistungen.   Er ist einer der wenigen, der Tacheles redet.  Eine Rede,  vor der viele  Politiker scheuen. Sie   fürchten sich, den Menschen die Wahrheit zu sagen, weil ihnen ihre Karriere wichtiger ist, als das Notwendige zum langfristigen Wohl  der Menschen auszusprechen. Aber die Wahrheit ist zumutbar. Die Menschen wissen und spüren, was auf sie zukommt.   Mit einer gewissen Abscheu schauen wir auf Griechenland. Aber Griechenland wird auch bei uns stattfinden. Im wesentlich kleineren Maß.  Je länger die notwendigen Maßnahmen hinausgezögert werden, umso schmerzvoller werden sie. Aber wir müssen da durch.
 Europas Chancen auf den Weltmärkten sind trotz des Schuldendilemmas  intakt.  Kopieren ist etwas anderes als Kapieren, sagt  Gerhard Wölfel, der Geschäftsführer des BMW-Motorenwerks in Steyr.  Für’s Kopieren genügt Mittelmaß, für’s Kapieren sind Bildung und Kreativität Voraussetzung. Die Asiaten tun sich schwer,  die  verschiedenen Produktionsprozesse zu verknüpfen.  Wir werden   dann reüssieren können, wenn wir Technologieführer sind.
Fazit: Wir befinden uns in einer schwierigen  Phase, in einer Krise.  Am Abbau der  privaten und öffentlichen Schuldenberge führt kein Weg vorbei.  Aber wir bewegen uns immer noch auf einem hohen Niveau.   Jammern hilft nicht und bringt nichts.  Lasst uns  die Ärmel aufkrempeln  und optimistisch das Notwendige tun!  Die Welt wird besser,  gerechter und schöner.

Oberösterreichs SPÖ: Der nächste Schritt ist die personelle Erneuerung

19. November 2011

Modern, dynamisch, lebendig. So präsentierten sich die oberösterreichischen Sozialdemokraten gestern bei ihrem Landesparteitag in Wels. Die SPÖ  hat sich  von der desaströsen Niederlage 2009  erfangen.   Der Diskussionsprozess morgen.rot zeitigt Früchte.  Die   Erholung ist  unter anderem ablesbar an den Parteifinanzen. Die 900.000 Euro Schulden aus dem Wahljahr  wurden in den beiden vergangenen Jahren komplett abgebaut.
Schwer tut sich die SPÖ mit der öffentlichen Verschuldung. Es ist schön, wenn Parteivorsitzender Josef Ackerl sagt, „wir haben es noch nie für gut befunden, dass man so viele Schulden macht“.  Doch die SPÖ  trägt wesentliche Mitverantwortung   für den Zustand der Haushalte.  Wenn man beim Anrühren der Suppe dabei war, muss man sie auch gemeinsam auslöffeln.   
Das Verdammen des internationalen Finanzkapitalismus hört sich gut an, ist  aber als  Antwort  zu wenig. 
Bundeskanzler  Werner Faymann und Bürgermeister Franz Dobusch  wissen, wie hart  und belastend Schuldenrückzahlung ist. Wobei Faymann überhaupt das Pech hat, dass ihn die oberösterreichischen Genossen weder schätzen noch mögen. Er gilt als  Buhmann,  auch wenn es beim Parteitag   vermieden wurde,  die große Kluft  auf der Bühne auszubreiten. Die Botschaften, wie wenig man voneinander hält, wurden  schon im Vorfeld medial ausgerichtet.
Der inhaltlichen  muss die personelle Erneuerung folgen. Sowohl auf Landesebene als auch in den
Gemeinden. Erneuerung benötigt neue Gesichter.
Der Parteitag hat gezeigt, dass das personelle Reservoir da ist. Man muss die Jungen nur lassen.

Machen wir uns nicht zu Knechten des internationalen Kapitals!

26. November 2011

Deutschland steht im Mittelpunkt des internationalen  Interesses. Viele schimpfen über unseren Nachbarn, doch gleichzeitig  fordern sie, dass die Deutschen die Schulden der maroden europäischen Länder zahlen.   Die Finanzwelt hat Vertrauen in  die  Schaffenskraft der Deutschen.  Mit 2,1 Prozent  zahlen sie die niedrigsten  Zinsen  für ihre Staatsanleihen.
              Vorbei sind die Zeiten, als Österreich einen ähnlich niedrigen Zinssatz hatte.  Wir müssen nun schon 3,7 Prozent hinlegen, dass man uns Geld leiht. Österreich hat international an Vertrauen verloren. Wegen riskanter Kreditgeschäfte der Banken in Osteuropa und wegen des mangelnden Reformwillens der Regierung. Die Deutschen haben eine Schuldenbremse eingeführt, mit Zustimmung der Sozialdemokraten. Hierzulande gibt es aber kräftigen Widerstand innerhalb  der SPÖ. Für Landesgeschäftsführer Christian Horner ist sie eine Intelligenzbremse. Ist es aber gescheit, dass unser Steuergeld ins Ausland fließt, damit wir Milliarden an Zinsen zahlen? Oder ist es vernünftiger, es hierzulande für Bildung, Forschung und  Soziales einzusetzen?
Wie belastend übermäßige Zinsen sind, lässt sich am Beispiel der Autobahnbetreibergesellschaft Asfinag ablesen. Sie ist  mit 12 Milliarden verschuldet und zahlt jährlich rund 500 Millionen an Zinsen. Für den Autobahnneubau bleiben nur  500 Millionen über. Müsste sie keine Zinsen zahlen, könnte um eine Milliarde gebaut werden. Der Linzer Westring würde vermutlich  heute schon fertig sein.
 Fazit: Wir sollten uns nicht zu Knechten der internationalen Finanzwirtschaft machen, sondern das Geld hier im Land lassen, wo es erwirtschaftet wird.

Die Zahl der Bürgermeister reduzieren

12. Dezember 2011

Das Geld wird in Zukunft nicht mehr werden, wir werden aber mehr brauchen.“ Mit diesem Satz hat Landeshauptmannstellvertreter Josef Ackerl die Lage der  Gemeinden treffend charakterisiert. Er gilt generell für die Situation der öffentlichen Haushalte. Landeshauptmann Josef Pühringer  will aus den 444 Gemeinden 150 bis 200 Verwaltungsgemeinschaften machen. Das ist eine Reduzierung um zwei Drittel bzw. um die Hälfte. Ein richtiger, weil überfälliger Schritt. Er wird einerseits mit Einsparungen, andererseits mit der Erhöhung der Kompetenz der Behörden begründet. Aus den Amtsleitern sollen Kommunalmanager werden.
Dieselbe Argumentation muss für die Bürgermeister gelten. Auch sie sollten ihre Kompetenzen verbessern. Es ist vernünftiger, einen Bürgermeister zu haben, der sich seiner Aufgabe hauptberuflich widmen kann als drei Ortschefs, die  neben ihrem Brotberuf  dahinwursteln.   Die Kirche bezahlt  auch  einen  hauptberuflichen Pfarrer und nicht drei nebenberufliche   Laien.
Landesrat Manfred Haimbuchner  hat schon recht, wenn er  auf dem Thema Gemeindezusammenlegungen draufbleibt. Die Reform sollte genutzt werden, um die Gemeindegrenzen den Pfarrgrenzen anzupassen. Das ist keine Zerstörung, sondern die Herstellung einer gewachsenen und deshalb sinnvollen Identität.
Die Landesregierung baut nun Druck auf, um die Reformen auf der untersten Ebene durchzusetzen. Manche werden versuchen, die jahrelang praktizierte Kleinhäuslerei fortzusetzen. Doch sie werden sich täuschen. Der Reformdruck wird in den kommenden Jahren noch zunehmen. Wer sich ihm widersetzt, wird von der Strömung hinweggeschemmt  werden.

Oberösterreich muss sich gegen Wien durchsetzen

12. Dezember 2011

Mit der Wahl von Jakob Auer zum Bauernbundobmann ist ein weiterer Oberösterreicher  an der bundesweiten Spitze. Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl, die Minister Maria Fekter, Reinhold Mitterlehner und Alois Stöger sind weitere Schwergewichte.  Dazu kommt noch Rainer Wimmer als Chef der Metallergewerkschaft.
Schritt für Schritt kommt Oberösterreich jene Bedeutung zu, die ihm aufgrund des bundesweiten Gewichts zusteht. Doch unsere Vertreter stoßen auf verkarstete, politische Strukturen, die ihr Handeln erschweren und eingrenzen. Das war deutlich in der Auseinandersetzung um den Linzer Westring zu sehen. Sowohl der schwarze Josef Pühringer als auch der rote Franz Dobusch mussten all ihren Einfluss bis hin zur Drohung mit dem Bruch gegenüber der Regierung einbringen,  um den Bau   in den nächsten zehn Jahren durchzusetzen.
Der nächste  schwere Konflikt ist bereits im Gang. Oberösterreich benötigt   eine medizinische Fakultät, um die ärztliche Versorgung  abzusichern. Doch es gibt kein Geld. Dabei  bekommen  die oberösterreichischen Unis  lediglich fünf Prozent(!)  des gesamtösterreichischen Uni-Budgets.  Ein lächerlicher Betrag für eine Region, die mit  ihrer  Forschung und Entwicklung  ganz wesentlich den Wohlstand sichert.
Es gibt einen Mann, der  vorführt, wie man sich durchsetzt: Erwin Pröll.  Man mag ihn unsympathisch finden, doch in der Realisierung  der Interessen Niederösterreichs  ist er knallhart.  Wer sich ihm in den Weg stellt, wird entweder abgewatscht oder er muss gehen. Hier in Oberösterreich wird das Geld verdient, hier spielt die Musik!     Wien hat sich immer quergelegt.

Der Rücktritt Skoblickis ist für die Kopfinger das Weihnachtsgeschenk zum Neubeginn

20. Dezember 2011

Die Entscheidung von Andrzej Skoblicki, die Pfarrerstelle in Kopfing aufzugeben, zeugt von menschlicher Größe. Dieser Schritt ist ihm sicher nicht leicht gefallen. Er hat seine eigene Person hintangestellt und für das Wohl der Pfarre und der Kirche entschieden. Das ringt Achtung ab, weil es für Kopfing eine Befreiung ist. Er entlastet damit auch  Bischof Ludwig Schwarz, der mit der Rücknahme der Abberufung von Skoblicki selbst in die Kritik geraten ist.
Dem Bischof kommt mit der Bestellung eines Nachfolgers eine  wichtige Rolle zu.  Die gespaltene  Pfarre  benötigt einen Mann der Mitte  und des Ausgleichs, der die Lager wieder zu einer Gemeinschaft zusammenführt. Sie braucht einen Seelsorger, der mit den Menschen umgehen kann. Die Fundamentalisten, die Kopfing  zu ihrem Schlachtfeld erkoren haben, tun gut daran, die  Pfarre  in Ruhe zu lassen. Die Kopfinger sind selbst in der Lage, ihre  schwierige  Situation zu lösen. Sie bedürfen keiner Ratschläge von außen.
Einen nicht unwesentlichen Beitrag zu diesem Schritt dürfte der gebürtige Kopfinger Pfarrer  Josef Kammerer mit seinem KURIER-Interview „Skoblicki soll in Polen bleiben“ (4.12.) geleistet haben. Weil er 87 Jahre alt ist, wurde er auf kreuz.net als „Tattergreis“ abqualifiziert. Ist  Papst Benedikt  XVI. mit seinen  84 Jahren dann auch ein  „Tattergreis“?
Dass die Lage  so verfahren ist, ist nicht allein die Schuld von Skoblicki. Auch Dechant Alois Heinzl, der in einem Interview auf gloria.tv Kopfing als „Nazi-Nest“ bezeichnet hat, trägt Verantwortung. Das Weihnachtsgeschenk von Skoblicki ermöglicht den Neubeginn. Die Kopfinger werden ihn nutzen.

“Das ist doch bittschön nur ein Kriserl”

25. Dezember 2011

“Ach, das ist doch bittschön nur ein Kriserl. Völlig uninteressant. das dauert höchstens ein paar Monate.” Der 82-jährige Schnittenproduzent Carl Manner zeigt sich im KURIER-Interview von den Turbulenzen um den Euro völlig unbeeindruckt. Angesichts dessen, was er in der Zwischenkriegszeit, im Zweien Weltkrieg und in der Nachkriegszeit mitgemacht hat, erscheinen die Wogen um den Euro tatsächlich klein.

Oberösterreich ging es im heurigen Jahr gut, sogar sehr gut. Das Wirtschaftswachstum betrug 3,4 Prozent, die Arbeitslosigkeit 4,2 Prozent. Diese Werte können sich sehen lassen. Reformschritte wurden eingeleitet. Bei den Spitälern, in der Verwaltung und den Gemeinden. Dass der Großteil dieser Veränderungen einstimmig erfolgte und erfolgt, stellt den Parteien des Landes ein gutes Zeugnis aus. Denn je früher die notwendigen Reformen angegangen werden, desto weniger schmerzhaft sind sie. Im Buddhismus gibt es dafür einen bildhaften Vergleich. Wirst du von einem Giftpfeil getroffen, ziehe ihn möglichst schnell heraus, um die schädliche Wirkung zu begrenzen.

Zwei Herausforderungen werden uns die nächsten Jahre beschäftigen: Der Abbau der Schulden auf ein vernünftiges Maß und die Folgen des Geburtenrückgangs. Wobei die Problematik des mangelnden Nachwuchs viel dramatsicher ist und die Gesellschaft tiefgreifend verändern wird.

Auf Zeiten der Krise folgen stets Aufschwünge. Das hat die Geschichte immer wieder bewiesen und lässt uns hoffnungsfroh ins neue Jahr gleite.

 

Ist da jemand?

26. Dezember 2011

Das Christkind war da. Als ich klein war, zeigte miene Mutter beim Fenster hinaus in den nächtlichen Himmel, um uns Kindern zu verdeutlichen, wohin es geflogen ist, nachdem es bei uns unter dem Christbaum in aller Eile und unter Stress die Geschenke abgelegt hatte. Ich bildete mir ein, es fliegen gesehen zuhaben. Heute noch bin ich überezugt, dass es das Christkind gibt. Haben Sie auch das Christkind gesehenß

Ist da jemand? Der frühere Slogan der Aktion Licht ins Dunkel formuliert eine Kernfrage des Lebens. Ist da jemand, der auf mich wartet, der mich akzeptiert, auch wenn ich versagt habe, meinen eigenen Vorstellungen nicht gerecht gewoden bin? Ist da jemand, der mich nimmt, wie ich bin? Gibt es auf diese Frage eine Antwort oder ist da eine Leere?

Es ist gar nicht so entscheidend, wie die Antowrt ausfällt. Wichtig ist, dass es eine Antwort gibt. Ja, da ist jemand.  Antwort bedeutet Akzpetanz. Das macht den Kern des Weihnachtsfestes aus, egal ob gläubig oder nicht. Das ist der Grund, warum wir in diesen  Tagen so emfpindsam sind. Sollte einen Platz haben, woer sich aufgehoben fühlt. Jjeder sollte ein Zuhause haben. Jeder sollte an seinem Platz sein. Friede wäre die Folge.

 

Der Alternativmediziner Fritz Roithinger ist am 26.12.2011 verstorben

29. Dezember 2011

Der Alternativmediziner Fritz Roithinger ist am 26. Dezember 2011 verstorben.

Aus diesem traurigen Anlass gebe ich hier ein Interview wieder, das ich mit ihm Anfang Juni auf seinem Elternhaus in der Ortschaft Fürth bei Grieskrichen (Gemeinde Schlüßlberg) geführt habe und das am 12. Juni im Oberösterreich-Kurier erschienen ist.

Ein Spätberufener 

Der Alternativmediziner Dr. Fritz Roithinger stammt von einem Bauernhof in  der Ortschaft Fürth nahe Grieskirchen und  hat seine Ordination in Kitzbühel. Als gelernter Landwirt war er immer der Natur sehr verbunden, wodurch sein medizinisches Verständnis sichtlich geprägt wurde. Bereits während seines Medizinstudiums, das er mit 31 Jahren nach abgeschlossener Externisten-Matura begann, interessierte er sich für alternative Heilmethoden, da ihm die Schulmedizin mit ihren symptomatischen Heilmethoden zu wenig den Ursachen von Krankheit auf den Grund ging.

“Wir Menschen sind die Verursacher”

KURIER: Zuerst waren die Gurken schuld, dann die Sprossen, aber bis heute kennt man  den Erreger des tödlichen Virus EHEC nicht. Wie sehen Sie diese Epidemie?

Fritz Roithinger: Es sind immer die selben Denkmuster. Man sucht automatisch einen äußeren Schuldigen und denkt nicht daran, dass in erster Linie wir Menschen die Verursacher sind. Über Jahrzehnte hinweg wurden unsere Böden durch Chemie zerstört und die ganze Nahrungsmittel-Aufbereitung nimmt diesen Produkten ihre volle Wertigkeit, was ganz logisch zu einer Immunschwäche des Menschen führt. Die Symbiose Mensch-Natur stimmt nicht mehr.  Da liegt das Problem.
Wenn nun solche Fälle wie der EHEC-Erreger auftreten, vermisse ich den gedanklichen Ansatz, was wir Menschen  falsch machen, dass solche  Vorkommnisse immer wieder passieren müssen. Für den Einzelnen, den Betroffenen, ist das natürlich dramatisch. Wenn  man es im Gesamten betrachtet, ist es wie ein erneuter Hilfeschrei der Natur, endlich für unser Gesundsein Verantwortung zu übernehmen. Wir können nicht die Natur zerstören und Gesundheit erwarten.

Wo wird die Natur zerstört?
Schauen Sie sich die Landwirtschaft an, die chemische Düngung, die Monokulturen! Retortengemüse, das nie gesunden Boden und Sonnenlicht erlebt hat. Ganz zu schweigen von den katastrophalen Missständen in der Tierhaltung. Das kann es ja nicht sein. Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das seine Nahrung vor dem Verzehr zerstört. Somit wird die heilende  Symbiose blockiert.

“Der Mensch ist, was er isst”

Sie betonen, wie wichtig die Nahrung für den Menschen ist. Was soll er essen?
Der Mensch ist, was er isst. Je vollwertiger unsere Nahrung ist, desto mehr Gesundheit können wir erwarten. Ich finde es tragisch, dass dieser Gedanke der Ernährung noch nicht in die Krankenhausküchen  eingeflossen ist. 

Sind Sie Vegetarier?
Nein, aber der tierischer Anteil an meinem Essen ist minimal.

“Der Mensch ist eine Einheit von Körper, Seele und Geist”

Frage: Sie halten den seelisch-geistigen Aspekt des Menschen für ganz zentral.
Die Situation der heutigen  Medizin zeigt sich in erster Linie darin, dass die Technik und die Wissenschaft nicht in der Lage sind, die Ursachen von Krankheiten zu verstehen.  Der Mensch ist eine Einheit von Körper, Seele und Geist. Er ist integriert in seine geistige und physische Umwelt.    In der ganzheitlichen Medizin erfahren wir, das jede Krankheit einen geistig-seelischen Konflikt als Hintergrund hat. Der Körper reflektiert ja nur dieses Bewusstsein. Dort wäre der Ansatz, eine Heilung einzuleiten. Nachdem aber mit der heutigen Technik diese Welt verschlossen bleibt, ist die symptomatische Kompensation durch Chemie in so vielen Fällen die einzige Form von „Heilung“.
Es wäre natürlich falsch, die heutige Medizin mit ihren großen Leistungen in der Chirurgie in Bausch und Bogen abzulehnen.  Trotzdem müssen wir die heutige Medizin komplett neu überdenken. Es sollte endlich zu einem Brückenschlag zwischen der Schulmedizin und den Denkansätzen alternativer Heilmethoden kommen.

“Zutiefst materieller Lebensstil”

   Was sind die Ursachen für die vielen Krebserkrankungen?

Generell betrachtet ist es unser zutiefst materieller Lebensstil. Das ist der springende Punkt. Es ist natürlich tragisch, wenn jemand an Krebs erkrankt und sich voller Hoffnung der Medizin  zuwendet, die leider Gottes nach 40 Jahren intensiver Forschung dieser dramatischen Erkrankung  wenig entgegenzusetzen hat.  Wir wissen darüber  sehr wenig, was die genauen Ursachen in den spezifischen Fällen sind. 
 Für mich ist klar, dass unsere zerstörte Umwelt, die Chemie in der Nahrungsmittelindustrie, etc. zu den Mitverursachern gehören. Zusätzlich sind wir in der heutigen Zeit einem massiven permanenten Elektrosmog ausgesetzt. Wenn man es ganzheitlich betrachtet, ist der geistige Einfluss unserer materialistischen Welt mindestens genauso mitverantwortlich. Der Krebs passiert in Wirklichkeit auf diesen Bewusstseinsebenen. Wir sind leider noch nicht bereit, Heilung auf dieser geistigen Ebene zu verstehen.   Wir müssen endlich verstehen, dass Krankheit eine Korrektur zu neuem Bewusstsein und eine Chance ist, das Lebensmuster neu zu überdenken.

“Es fehlen Liebe, Geborgenheit und Verständnis”

 
Viele Menschen sind heute psychisch-seelisch erkrankt. Wie kann man ihnen helfen?
Die Medizin hat diesen armen Menschen, die in Angst, Einsamkeit und Hoffnungslosigkeit leben, in den meisten Fällen nur Chemie anzubieten. Aber wie soll das funktionieren? Diesen Menschen fehlen Liebe, Geborgenheit und Verständnis. Sie brauchen das Bewusstsein, von ihren Mitmenschen geachtet und geliebt zu werden.
   Mir geht es in erster Linie darum, das zu vermitteln.  Wenn ein Patient zu mir kommt, versuche ich ihm dabei zu helfen, seine Lebenssituation  zu verstehen und anzunehmen, wo er gerade auf seiner Lebensreise ist. Ich versuche ihm  dann die Ursache seiner Krankheit verständlich zu machen, denn nur so können ursächliche Fehler korrigiert werden, damit eine Heilung möglich wird. Es gibt viele Heilmethoden, die den Kranken subtil führen und ihn am Weg zu seine Gesundheit unterstützen.
Mein  Anliegen ist, dass die Menschen Eigenverantwortung übernehmen. Dass wir Gesundheit nicht durch jährliche Check-ups, sondern  durch grundlegende Lebens- und Ernährungsumstellungen erreichen können. Besonders wichtig ist die Würde und Achtung unserer Mitmenschen, die Liebe zur Tierwelt und die tiefe Verbundenheit mit der gesamten Natur.  Unser irdisches Leben hat den Zweck, dass wir uns geistig weiterentwickeln. Wir leben alle in kollektiver Resonanz. Alles wird zum Spiegelbild unseres  Seins.

Fritz Roithinger: “Man kann die Natur nicht zerstören und Gesundheit erwarten”

29. Dezember 2011

Zum Tod des Alterantivmediziners Fritz Roithinger, der am 26.12.2011 mit 72 Jahren verstorben ist.

Sein Ziel war die die ganzheitliche Medizin. 

Erweckung September 1981

 Franz Roithinger hat es eilig. Am Tag vor der Eröffnung seiner Praxis in Kirchberg in Tirol muss er noch einmal nach Hause fahren, um etwas zu holen. Kurz vor Grieskirchen schläft er am Lenkrad übermüdet ein und wird schwerst verletzt. „Der Gedanke der ganzheitlichen Medizin ist für mich durch dieses Erlebnis viel aktueller geworden. Das Geistige, das Seelische, das Universelle sind von ganz entscheidender Bedeutung.“

Enfant terrible

Fritz ist der mittlere von drei Buben  und wächst in einer kleinen Landwirtschaft (14 Joch) auf. „Ich war  das enfant terrible, denn ich war immer skeptisch, wenn die Erwachsenen doziert haben.“ 1971 macht er die Externisten-Matura und studierte in Wien, Innsbruck und Padua Medizin, das er 1977 abschließt. „Die herkömmliche Medizin hat mich nicht erfüllt, es war immer ein Unbehagen da. Mir fehlte der Hintergrund der Krankheit.“

Ohne Kassen

 1982 eröffnet er seine Praxis in Kirchberg in Tirol. Er  legt er die Kassen zurück, „weil sie eine Medizin unterstützen, die nicht meinen Vorstellungen entspricht. Alles, was alternativ ist, wird verhindert.“ In Ruanda und Uganda  gründet er Häuser für Waisen und ledige Mütter. 1997 verlegt er seine Praxis nach Kitzbühel.  In den vergangenen  Jahren verstärkte er seine   Vortrags- und Seminartätigkeit.

Fritz Roithinger war ein “grundehrlicher Michl”

30. Dezember 2011

Der Tod des Alternativmediziners Fritz Roithinger (72)  kam für mich wirklich überraschend. Noch vor ein paar Wochen habe ich ihn angerufen, um mit ihm den Termin für einen geplanten Vortrag in meiner Heimatstadt Peuerbach zu vereinbaren.  Denn seine Referate fanden unglaublich hohen Zuspruch bei der Bevölkerung. Hunderte von Zuhörern kamen.

Unheilbarer Muskelschwund

Dass er schwer krank war und an nicht heilbarem Muskelschwund litt, hat er verschwiegen. Wer breitet schon gern seine Krankheit in der Öffentlichkeit aus? Dazu kam noch eine Lungenentzündung, die ihn hinwegraffte. Wie mir sein Bruder Ernst, der den elterlichen Hof in Fürth bei Grieskirchen führt, gestern, Donnerstag (29.12.2011) erzählte, war er im November noch sechs Wochen bei einem Wundheiler in Brasilien gewesen. Aber der konnte ihm auch nicht mehr helfen. Er kam in einem schlechteren Zustand zurück als er weggefahren war.

“Ein grundehrlicher Michl”

Fritz Roithinger war ein besonderer Mensch. “Ein grundehrlicher, grader Michl”, sagt sein Bruder Ernst, “das war das Schöne an ihm.” Viele Schwerkranke, vor allem auch Krebskranke, vertrauten ihm und fuhren in seine Ordination nach Kitzbühel. Stets versprühte er gute Laune und Optimismus, er hatte immer einen Schmäh auf Lager.

Er hinterlässt eine nicht zu schließende Lücke.

“Und seien Seele spannte weit ihre Flügel aus und flog durch die stillen Lande als flöge sie nach Hause.”

 Dieses Zitat von Josef von Eichendorff ziert seine Todesanzeige in den OÖN.

Fritz Roithinger wird am Montag, 2. Jänner 2012, in Kitzbühel begraben. Der Gottesdienst beginnt in der Pfarrkirche um 14 Uhr.

Neujahrsvorsätze

31. Dezember 2011

Es  kommt nicht darauf an,  die Zukunft vorherzusagen, sondern darauf vorbereitet zu sein.“ Das wusste schon der griechische Staatsmann Perikles (490–429 v. Chr.).  So wie angekündigte Revolutionen selten stattfinden, kommt es auch selten zu angekündigten Katastrophen. Es ist ähnlich wie beim Autofahren. Sind die äußeren Umstände aufgrund von Regen oder Schnee schlecht, fährt man vorsichtig und zurückhaltend. Fühlt man sich hingegen sicher und agiert unbedarft, können schwere Unfälle passieren. Gerade weil viele im neuen Jahr den großen Zusammenbruch erwarten, wird es wahrscheinlich  besser laufen als vermutet.

Selbstveränderung ist schwieriger als man glaubt

Gewohnheiten Gar manche gehen mit guten Vorsätzen ins neue Jahr. Das ist lobenswert, aber je mehr Zeit verstreicht, umso geringer ist die Halbwertszeit  der Realisierung. Nur wenigen gelingt es, ihre  Vorhaben konsequent umzusetzen.  Selbstveränderung ist schwieriger, als die meisten Menschen glauben. Anstelle der alten Gewohnheit muss eine neue, bessere treten. Das erfordert Arbeit, Energie, Durchhaltevermögen und Willenskraft. Gehirnforscher gehen davon aus, dass es sechs bis neun Monate braucht, um einen neuen Pfad zu finden, der uns zur Gewohnheit wird. Hilfreich ist es auch, sich nicht zu viel vorzunehmen. Die Selbstveränderung sollte nur auf ein Ziel und auf überschaubare, einfache Schritte begrenzt werden. Damit steigen die Chancen, dass Vorzüglichkeit eine  Gewohnheit wird.

Wie wird der Sex im neuen Jahr, Frau Kuhn?

02. Januar 2012

Gabriele Kuhn ist die beste Sexkolumnistin Österreichs. Jeden Samstag verfasst sie im KURIER-Freizeitmagazin ihre Glosse „sex IN DER FREIZEIT“. Die 50-jährige Journalistin ist Leiterin des Ressorts  Leben.

Frage: Wie wird der Sex 2012, Frau Kuhn?
Gabriele Kuhn: (lacht) Gute Frage.  Es wird so, wie es immer war.

Frage: Sollte es nicht besser werden?
Kuhn: War es so schlecht vorher?

Wie wird die Beziehung im neuen Jahr?

Frage: Zu Jahresbeginn hat man Vorsätze und man erwartet sich, dass sich die Dinge zum Besseren wenden.
Kuhn: Ich würde es ausweiten auf die Frage, wie wird Beziehung im neuen Jahr? Es auf Sex zu reduzieren ist ein bisschen wenig. Ich habe ein Problem damit, wenn Sex und Beziehung getrennt werden.  Es wäre  ganz wichtig, wenn die Menschen mehr am Miteinander arbeiteten. Wenn man  mehr in die Tiefe geht und die Bedürfnisse des anderen Geschlechts kennt, könnte es besser werden.
Die Finanzkrise wird  sich  über das Jahr erstrecken. Sexualität  spielt in Krisensituationen eine stärkere Rolle. Der Mensch ist noch immer evolutionsbiologisch gesteuert.  Das belegen  Untersuchungen. Als das World Trade Center im September 2001 zerstört wurde,   gab es mehr diesen desperate sex, also dieses Einander-Nahesein.

Über die Wünsche reden

Frage: Was macht guten Sex aus?
Kuhn: Es ist wichtig, zu definieren, was  guter Sex für mich ist.  Und dass man mit dem Partner darüber spricht. Was willst du, was will ich, wie können wir einen gemeinsamen Nenner finden? Ich rede hier von Sex in Langzeitbeziehungen. Der erste Sex, den man mit jemandem hat, ist ein eruptives Gesamtgeschehen. Das muss nicht gut ausgehen, das kann auch ein ziemlicher Flop sein.
Die Menschen neigen dazu, sich viel zu denken, aber nichts zu sagen. Das ist schlecht. Jeder hegt seine geheimen Wünsche   und denkt sich am anderen vorbei.
Sex ist Intimität im Sinn  von sich aufeinander einlassen. Wir sind alle extrem kopfgesteuert.   Dieses Sich-Aufeinander-Einlassen bedingt auch, loslassen zu können. Das Hirn ausschalten und was passiert, das passiert. Mehr Entspannung, sich fallen lassen. Das ist schwierig in Zeiten, wo ein jeder Leistung bringen muss.

Frage: Das bedeutet gleichzeitig erhöhte Verletzlichkeit.
Kuhn: Das geht einher, das ist sicher so. Sich dem anderen öffnen, bedeutet Verletzlichkeit, dazu gehört Vertrauen. 

Sich aufeinander lassen

Frage: Worum geht es beim Sex wirklich?
Kuhn: Sich aufeinander einlassen. Auf die Visionen und Wünsche des anderen, auf das Wesen Mensch, auf die eigenen Gedankenwelten. Das ist schon auch ein bisserl metaphysisch. Nicht nur bunga, bunga  (lacht).

Frage: Manche halten Sex für eine Triebbefriedigung wie Essen.  
Kuhn: Es ist wahrscheinlich für viele Triebbefriedigung. Aber wenn man es höher dreht und es auf eine lange Zeit befriedigend erleben will, ist es mehr.

Seitensprünge

Frage: Meine Fitnesstrainerin interessiert, ob ein Seitensprung tatsächlich so amoralisch ist wie er hingestellt wird.
Kuhn: Moral ist immer etwas, was man für sich definiert. Ein Seitensprung ist schwierig in einer Beziehung und auch schwierig zu verarbeiten. Ich versuche hier immer, den einmaligen Ausrutscher und die  dauerhaften Außenbeziehung auseinanderzuhalten.
Ein Ausrutscher kann passieren, Fehler machen wir alle. Wenn aber jemand eine dreijährige Nebenbeziehung hat, wird das schwierig.  Da erfüllt ein Dritter etwas, was die bestehende Beziehung nicht erfüllt. Es werden Mankos aufgedeckt. Was kann ich nicht geben, was der andere in der Tiefe sucht?  Bei einem einmaligen Ausrutscher sollte man sich schon überlegen, ob das  Ende einer langjährigen Beziehung  sein soll.  Hier versuche ich, zur Toleranz anzuregen. Wichtig ist, dass man als Betroffener über die Verletzungen spricht, die auftreten.  Zu sagen, jetzt ist Schluss, ich will dich nie mehr wiedersehen,    ist nicht die richtige Lösung.
 Anders ist es bei Langzeitaffären.  Da sollten  Nachdenkprozesse einsetzen. Das ist schon eine große Verletzung. 

Frage: Genügt seelische Treue nicht?
Kuhn: Nein, die reicht nicht. Es stellt sich immer wieder die Frage, ob der Mensch überhaupt treu sein kann,  ob das Konzept der Monogamie  auf Dauer hält. Ich glaube nicht. Monogamie ist ein Konstrukt der Kirche, der Gesellschaft. Evolutionsbiologisch ist der Mensch nicht auf Treue ausgerichtet. Weil wir uns vermehren  und der Mann sich verstreuen möchte. Frauen sind eher treu, denn da geht es um Sicherheit. Sie tragen ein höheres Risiko.
Man sollte junge Paare, die heiraten wollen, darauf  aufmerksam machen, dass diese Frage auf sie zukommen wird. Wir haben heute die Wahl. Die Frau hat heute die Möglichkeit, sich zu trennen und eigenständig zu leben.  Junge  sollten sich keinen Illusionen hingeben.  Dass der Märchenprinz und die Märchenprinzessin bis ans Ende  ihrer Tage glücklich zusammen sind, das wird es nicht spielen. Es wird Situationen geben, wo es heikel wird.  Es ist ein wichtiges Thema, wie man  mit Untreue umgeht.  Der Reflex ist bei den meisten Männern und Frauen davonrennen. Solche Krisen sind aber auch eine Chance für eine Weiterentwicklung. Man sucht sich  immer den Partner aus, den man braucht, um sich  weiterentwickeln zu können. Das wissen die wenigsten.  Denn es wird sich beim nächsten neuerlich wiederholen. 

Viele Scheidungen aufgrund von unbefriedigendem Sex

Frage: Was machen Paare, die schon jahrzehntelang zusammen sind? Es ist verständlich, dass sich hier nicht mehr so viel abspielt.
Kuhn: Jede zweite Ehe wird geschieden. Ich behaupte, sie werden geschieden, weil der Sex eine große Rolle spielt. Die Triebstruktur der Männer ist eine viel stärkere. Ihre  sexuelle Ausrichtung ist ähnlich der einer   Autobahn. Bei der Frau ist das ein Höhenstraßenphänomen. Da muss alles stimmen, da darf kein Stress sein. Es müssen optimierte Bedingungen herrschen.
Das Dilemma von Langzeitbeziehungen ist sehr schwierig zu lösen. Es kann dann funktionieren, wenn beide auf einer geistig-spirituellen Ebene eine Weiterentwicklung erleben. Eine Frau kann mit einem Mann nichts anfangen, der halt so einfach funktioniert. Das Experimentieren sollte nie aufhören. Wichtig ist auch die gegenseitige Wertschätzung. 
Es hilft auch, über eigene Fantasien zu sprechen. Die hat jeder. Hier gibt es ein Kommunikationsproblem. Belastend wirkt auch dieses Einrasten im Alltag.

Christian Wulff – Ein Kaiser ohne Kleider

05. Januar 2012

Er hat viel geredet, sich entschuldigt und gewarnt, dass niemand mehr Politiker werden wolle. Der deutsche Bundespräsident  Christian Wulff hat bei seinem Fernsehinterview (Bild: morgenpost.de) nicht überzeugen können. Er konnte seine Glaubwürdigkeit nicht wieder herstellen. Er präsentierte sich als Politiker, wie es sie zu Hauf gibt: als Mann, der es sich richtet so gut wie er kann. Und wenn er kritisiert wird, reagiert er mit einer Mischung aus Beleidigtheit und Weinerlichkeit.

Darf ein Ministerpräsident nicht auch mit Freunden kochen?

Natürlich darf ein Politiker Freunde haben und mit ihnen gemeinsam kochen und den Urlaub verbringen. Zufällig sind halt alle diese Freunde ziemlich reich und begütert. Natürlich darf sich ein Ministerpräsident einen Privatkredit bei einem gut betuchten Ehepaar nehmen. Dass diese Leute dann halt in seiner Entourage sind, wenn er ins Ausland fährt, ist reiner Zufall und hat mit seinem Privatkredit nichts zu tun. Natürlich darf ein Bundespräsident mit einem Chefredakteur diskutieren. Aber bedrohen und unter Druck setzen darf er ihn nicht. Umgekehrt dürfen auch Chefredakteure weder Politiker noch Geschäftsleute bedrohen oder unter Druck setzen. Das soll ja auch nicht so selten vorkommen.

Ohne Amt würde er so klein erscheinen wie er tatsächlich ist

Wulff wird nun versuchen, die Affären auszusitzen. Wie es halt der Großteil der Politiker macht. Dafür hängt er zu viel an seinem Amt. Eines ist jedenfalls klar. Der deusche Bundestag hat den falschen Präsidenten gewählt. Wulffs damaliger Gegenkandidat Joachim Gauck wäre ein ganz anderes Kaliber. Er hat sich nicht nach oben gewunden und gedreht, er hat sich glaubwürdig und mit Verzicht auf eine persönliche Karriere in der DDR für demokratische Verhältnisse eingesetzt.  Er ist glaubwürdig, Wulff ist es nicht. Hätte er Mumm, würde er die Konsequenzen ziehen. Doch diesen Mumm hat er nicht. Er klammert am Präsidentenamt fest. Er fürchtet, dass er ohne Amt so klein erschienen wird wie er ist. Davor graut ihm. Doch er wird ein Kaiser ohne Kleider bleiben.

Linzer Opferstöcke

06. Januar 2012

Linz ist eine Musterstadt. Bürgermeister Franz  Dobusch hat Recht. Als jahrzehntelanger Bewohner der Landeshauptstadt erlaube ich mir, eines  zu behaupten. Am perfektesten funktioniert die Kontrolle der parkenden Autos. Hat man die  Parkzeit  15 bis 20 Minuten überzogen,  kann man sicher sein, einen Strafzettel an der Windschutzscheibe vorzufinden.
      Schlecht bis gar nicht  vorhanden ist das Service  für die  Autofahrer.  Wirft  man eine 2-Euro-Münze  in den Automaten, fällt sie durch.   Ärgerlich ist das.   Wenn  kein Geschäft zum Geldwechseln in der Nähe ist,  hat man Pech.  So wie ich diese Woche.   Nachdem ich mit der 2-Euro-Münze gescheitert bin, warf ich die 70  Cent, die ich noch bei mir trug,  in den Automaten.  Der Termin dauerte eine Stunde. Als ich zurückkam, war ich Besitzer einer  Organstrafverfügung  des Finanzrechts- und Steueramtes  in der Höhe von 21,80 Euro.
Als zahlender  Kunde würde ich mir  Automaten wünschen  wie jene   beim Eingang zur  Toilette am Hauptbahnhof. Das Äußerln  kostet 50 Cent,  der Automat gibt  auf 2-Euro-Münzen heraus.   Darüber hinaus habe ich zwei Visionen.  Erstens: Dass man mit der Bankomatkarte zahlen kann und dass zweitens oberösterreichweit alle   Parkomaten gleich sind. Ist das zu viel verlangt?  Der Städte- und der Gemeindebund könnten hier  mit einer Lösung berühmt werden.  Wir Autofahrer sind  eh bescheiden.  Wir wollen ja zahlen, aber ein  bisserl ein Service hätten wir schon gern.

An den Kunden vorbei

07. Januar 2012

Schauplatz Linzer Hauptbahnhof, Freitag,  6. Jänner, 10 Uhr Vormittag. Viele sind unterwegs, die  Cafés sind gut besucht, die Geschäfte  geöffnet, nur der Leberkas-Pepi hat zu.  Im Spar-Markt drängen sich die  Leute und treten sich gegenseitig  auf die Füße.  Ständig stößt man ungewollt  andere an. Kein Wunder.  Es ist  Dreikönigstag und an katholischen Sonn- und Feiertagen sind nur 80 Quadratmeter Verkaufsfläche erlaubt.
Das Angebot ist dadurch natürlich massiv beschränkt. Nach Ansicht der Landesregierung sollte es auch nur das Nötigste geben: ein Wurstsemmerl und ein Kracherl für die Zugfahrt. Frisches Gebäck, Obst, Gemüse und Fleisch müssen  nicht sein. Dem Kaufrausch soll Einhalt geboten werden, die Menschen sollten die Zeit mit ihren Familien verbringen und in die Kirche gehen. Die Frauen sollen zu Hause kochen, dann  steht auch Frisches auf dem Tisch.
Die Realität ist natürlich längst eine andere. Man will etwas einkaufen, weil man während der Woche darauf vergessen hat. Ober weil man beispielsweise  Zeit hat. Die Beschränkung  ist überholt. Und auch absurd. Die McDonald’s-Filiale ist viel größer als der Sparmarkt. Die Buchhandlung muss ihre Fläche ebenfalls auf 80 Quadratmeter reduzieren, die gegenüberliegende Zeitschriftenhandlung nicht. Die Flächenbeschränkung passt längst nicht mehr zu einem Bundesland, das sich ob seiner Wirtschaftskraft gern selbst auf die Brust klopft.

FPÖ-Haimbuchner: “Wir können uns das alles nicht mehr leisten”

09. Januar 2012

 

Manfred Haimbuchner (33) ist Landesobmann der FPÖ Oberösterreich und  Landesrat. Das nachfolgende Interview wurde am Sonntag, 8.1.2012 im OÖ-Kurier veröffentlicht. 

Frage: Sie verfolgen einen anderen Kurs als Ihr Bundesparteiobmann Strache. Sie sind kein Schreihals, sondern ruhiger und sachorientierter.
Manfred Haimbuchner: Jeder hat seine eigene Persönlichkeit. Ich habe meinen eigenen Hintergrund. Ich bin Mitglied der Landesregierung und habe Verantwortung zu tragen. Diese Chance, etwas umzusetzen, sollte man nutzen.

Frage: Ihr Vater war 24 Jahre lang Bürgermeister von Steinhaus. Hat Sie das geprägt?
Ja, es prägt einen. Mein Vater ist für mich ein Vorbild. Sowohl von der Lebensweise her als auch in der Art der Politik. Er war immer loyal zu allen Parteiobleuten. Aber Loyalität ist etwas anderes als Opportunismus, auch in der eigenen Partei. Oberösterreich war immer ein Kernland des national-liberalen Lagers. Dem fühle ich mich  verbunden.

Frage: Sind Sie eher national oder liberal?
Diese Flügel gibt es nicht mehr wirklich. Ich bin national-liberal, weil ich ein Patriot bin. Im Sinne der Subsidiarität  sollten wir die Probleme im eigenen Land lösen. Da bin ich auch Föderalist. Leider verwechseln heute viele liberal mit neoliberal. Manche sagen, wir leben in einer Gesellschaft, die noch nie so frei war. Dabei haben wir eine überbordende Bürokratie. Wir waren im Vergleich zu den vergangenen Jahrzehnten noch nie so unfrei wie jetzt. Alles wird vorgeschrieben. Das Denken der Freiheit, der Eigenverantwortung und des Leistungsprinzips gibt es nicht mehr.  Es gibt einen überbordenden sozialistischen Gedanken in allen Lagern.  Unter dem Deckmantel der Daseinsvorsorge wird alles planiert. Unter dem Titel Gleichberechtigung gibt es Diskussionsverbote.

Frage: In welchen Bereichen sollte der Einzelne den Staat ablösen?
Überall dort, wo Eigenverantwortung gefragt ist.   Man kann nicht erwarten, dass der Staat alle Sozialleistungen zur Verfügung stellen kann. Zum Beispiel bei der Pension. Man ist auch selbst dafür verantwortlich. Auch im Bereich des Wohnens. Man kann nicht erwarten, dass man sich eine 120-Quadratmeter-Wohnung leisten kann, wenn man nur ein geringes Einkommen hat. Jeder ist für sein Leben selbst in einem gewissen Ausmaß verantwortlich. Der Staat soll jene unterstützen, die unverschuldet in eine Schieflage kommen. Das Anspruchsdenken muss reduziert werden, denn sonst sind alle Parteien nur mehr sozialistische.

Frage: Der Staat kann sich manche Dinge sowieso nicht mehr leisten.
Aber wir tun so, als ob es sich der Staat leisten könnte. Es ist purer Linksopportunismus, wenn man so tut, als sei alles möglich. Es wird zu viel und zu lange gefördert. Zum Beispiel bei den Alternativenergien wie Biomasse. Ich bin  dagegen, dass das Land drei Jahre lang den Kindergarten zahlt. Wir können uns das nicht leisten. Nur das Jahr vor dem Schuleintritt soll gratis sein. Ich wehre mich gegen die Anspruchsgesellschaft, dass alles gratis sein muss. Bei den Schulbüchern sollte man auch überlegen, ob sie jedes Jahr neu sein müssen. Ich bin auch für Studiengebühren.   Alles soll etwas  kosten, damit transportiert wird, dass das  etwas wert ist. Die Zeit des billigen Geldes ist vorbei. Wir haben eine Schuldenkrise. Wir können uns das alles nicht mehr leisten.

Frage: Ihre Vorstellungen führen dazu, dass der Mittelbau keine Förderungen mehr bekommt.
Hier wäre ein anderes System viel besser.  Man sollte alle Förderungen und Transferleistungen durchforsten und fragen, ob es nicht sinnvoller wäre, stattdessen die Steuern massiv zu senken.  Heute muss man das Geld hergeben und dann Danke sagen, wenn man eine Förderung bekommt. Die Staatsquote von mehr als 50 Prozent ist viel zu hoch.

Frage: Was stört Sie am Musiktheater?
Die Oberösterreicher haben in einer Volksbefragung dagegengestimmt. Man negiert den Willen des Bürgers vollkommen. Wir können es uns auch nicht leisten. Das Genussscheinmodell wird den zukünftigen Landeshauptleuten noch viel Sorge bereiten. Es gibt einen Ausspruch des Linzer Bürgermeisters Dobusch: Wir haben Kultureinrichtungen einer Millionenstadt. Aber Linz ist keine Millionenstadt. Man hätte auch das bestehende Landestheater ausbauen können. Das neue Gebäude an der Blumau hat etwas von Großmannssucht.

Frage: Gemeindezusammenlegungen wären  sinnvoll. Aber die  Bürger stimmen mit Nein.
 Das stimmt nicht. Weyer ist ein positives Beispiel. In der Schweiz macht man seit vielen Jahren sehr erfolgreich Gemeindezusammenlegungen. Bei uns haben sich die Politiker von den Bürgern entfernt. Die Politik gibt etwas vor und die Leute habe es zu akzeptieren. In der Schweiz scheitert jede Initiative, die  nicht genau erklärt werden kann. Wenn man nicht ein klares Konzept hat,  wird es scheitern. Bei uns wird überhastet gehandelt und man ist nicht aufklärerisch tätig. Die Negativabstimmung in Hagenberg war blanker Schwarz-Weiß-Populismus. Man müsste den Bürgern schon sagen, was es kostet, was es bringt und was man  Neues schaffen könnte. Die Weltoffenheit mancher Kommunalpolitiker ist von der Größe eines Bierdeckels.

Frage. Wann werden Sie heiraten?
(lacht) Ich bin jetzt 33 und werde sicher heiraten, es aber Ihnen nicht als Erstem bekannt geben. Ich bin ein christlicher Mensch und werde meine Lebensgefährtin  ehelichen. Ich mag geordnete Verhältnisse.

Schattenseiten

14. Januar 2012

Der Ober-Österreicher meint, er sei ein besonderer  Menschenschlag. Würden alle in Österreich so sein wie er, wäre die Welt in Ordnung. Gemäß dem Motto:  Am oberösterreichischen  Wesen soll    die Welt genesen.
Doch dieses Lichtwesen zeigt auch Schattenseiten. Manche pflegen  die   Art des Schlechtredens.  Vor einigen Jahren wurde einem Manager   ein uneheliches Kind nachgesagt.  An allen Stammtischen und  in Friseurläden wurde dieses Gerücht als ultimative Wahrheit verbreitet.  Aber bis heute ist  das Kind nicht aufgetaucht.  Über einen Politiker wurde  erzählt, eine   Bürgermeisterin sei schwanger von ihm, er lasse sich scheiden und   sei  zu Hause ausgezogen.  Der Mann wohnt aber noch immer bei seiner  Frau und seinen Kindern,  die schwangere  Ortschefin wurde auch nicht gefunden.
Warum richten Menschen andere aus? Die einen fühlen sich erhöht, wenn sie andere  erniedrigen. Manche   wollen sich wichtig machen, indem sie so tun,  als seien sie mit den  Oberen  auf Du und Du.  Wer jedoch Lügen weitererzählt, macht sich genauso schuldig wie ihre Erfinder.

Österreich hat den Tritt in den Hintern bekommen, den es verdient hat

14. Januar 2012

Österreich definiert sich stark an der Durchschnittsposition. In allen Bereichen.“ Das sei für ihn,  Markus Hengstschläger, die Überraschung des vergangenen Jahres gewesen. Diese Erkenntnis des Gentechnik-Wissenschafters  und  Vorsitzenden  der academia superior deckt sich mit  Aussagen anderer  Beobachter.  „Man hat so das Gefühl, Österreich sandelt  langsam, aber sicher ab“,  meinte ein befreundeter Arzt  beim Silvestergespräch. 

Ansehensverlust im Ausland

Diese Selbsterkenntnis wird von den internationalen Beobachtern geteilt. Viele Auslandsinvestoren zogen ihr Geld von   der Wiener Börse ab,   was zu den exorbitant hohen Verlusten von 35 Prozent führte. Österreich muss bereits mehr als ein Prozent höhere Zinsen für die Staatsschulden zahlen als die Deutschen, was die Steuerzahler  Milliarden kostet. Nun haben wir auch noch das Tiple-A-Rating verloren.

Die Deutschen haben uns wieder überholt

Vorbei sind die Zeiten, als die Deutschen   neidvoll nach Österreich blickten.   Vor rund zehn Jahren siedelten sich Manager und Betriebe   des Grenzgebiets auf der österreichischen Seite  an,  weil der kleine Bruder  als innovativer galt.  Die EU hat uns auch hinsichtlich der Innovationskraft in die  zweiten Reihe eingeordnet.
Erstklassig sind die Deutschen, wir nicht mehr.  
Darüber zu lamentieren  hilft nicht weiter. Es gilt, die Einstufung  in  die Zweitklassigkeit hinzunehmen und zu versuchen, die Erstklassigkeit zurückzuerobern.

Nur die Unternehmen sind erstklassig

Viele Unternehmen sind es, sie spielen in der Weltliga mit. Die Bundespolitik und viele andere Bereiche  haben enormen Handlungsbedarf. Österreich hat jenen  Tritt in den Hintern bekommen, den es verdient hat.  
Die Bequemlichkeit ist damit  zu Ende.

Anschober: “Viele Männer sind Leichtgewichte”

18. Januar 2012

Rudi Anschober (51) ist seit 2003 Mitglied der Landesregierung. Von 1990 bis 1997 saß der Grüne im Nationalrat, von 1997 bis 2003 im Landtag. In der OÖ-Beilage des Kurier führte ich mit ihm zu aktuellen Themen ein Interview.

Frage: Ich wünsche mir  so manches Mal Alexander van der Bellen an die Spitze der Grünen zurück. Geht es Ihnen nicht auch so?
Rudi Anschober: (lacht) Nein, mir geht es nicht so. Van der Bellen ist ein guter Freund, Eva Glawischnig  ebenfalls eine gute Freundin. Sie macht das hervorragend, obwohl der Übergang kein einfacher war.  Van der Bellen  hat die Grünen auf seine Art geprägt und ihr Spektrum erweitert.  Glawischnig ist die nächste Erweiterungsstufe.  Sie hat meine volle Unterstützung. Wenn es da oder dort so billige Kritik und Zurufe aus der Region gegeben hat, ist das nicht unsere Sache. Wir reden uns das aus, es gibt eine sehr gute Teamarbeit. Mit Stefan Wallner gibt es auch eine sehr starke Bundesgeschäftsführung. Der Vorbereitungsprozess für die Wahl 2013 läuft sehr gut.  Wir haben die Chance eine Regierungsbeteiligung zu erreichen.

Frage: Ist  Glawischnig nicht ein politisches Leichtgewicht?
Anschober: So eine Formulierung halte ich für frauenfeindlich, weil es kein Zufall ist, dass solche  Formulierungen einer Frau gegenüber getätigt werden.   Bei Männern höre ich das viel seltener, obwohl sehr  viele Männer ziemliche Leichtgewichte sind.  Wenn wir uns die  großen Krisen in Österreich und in der Welt anschauen, dann waren es die Männer, die uns in diese Zustände gebracht haben.

Frage: Mit Frauen an der Spitze wird die Welt besser?
Anschober: Das muss nicht unbedingt sein, aber ich halte von einer gleichberechtigten Vertretung von Frauen sehr, sehr viel. Das ist auch ein Schritt zu einer vielseitigeren Politik, weil Frauen oft andere Zugänge haben als Männer.

Frage: Die Grünen haben sich den Altparteien angenähert. Abgeordnete wie Peter Pilz oder Karl Öllinger sitzen schon viele Jahre auf ihren Mandaten. Man glaubt es kaum, dass es bei den Grünen einmal ein Rotationsprinzip gegeben hat.
Anschober: Wenn man von einem Peter Pilz immer dasselbe hört, ist das positiv, denn es gibt keinen Zweiten, der so viele Skandale aufgedeckt hat wie er. Jetzt gemeinsam mit Gabi Moser. Wir sind auf einem sehr guten Weg, im heurigen Jahr diese Serie von Korruptionsfällen aufzudecken.  Damit sich dieser Mief und die Korruption aus der Zeit der schwarz-blauen Koalition  nicht wiederholt. Wichtig ist die Mischung aus Bewährtem und Neuem. Bei der Nationalratswahl 2008 haben wir unser Parlamentsteam zur Hälfte ausgetauscht.

Frage: Die Grünen lehnen den Linzer Westring ab. Sollen die Einpendler aus dem Bezirk  Rohrbach zu Fuß oder mit dem Rad nach Linz  anreisen?
Anschober: Die Alternative in allen Großstädten in Europa ist ein attraktives  öffentliches Verkehrsangebot.  Damit man schneller und preisgünstiger zum  Arbeitsplatz kommt. 

Frage: Dieses Angebot gibt es nicht.  Was soll  der Pendler  aus Ulrichsberg oder  Julbach machen?
Anschober: Das ist genau das Problem, dass es an öffentlichen Verkehrsmitteln mangelt. Im ländlichen Raum hat ja das Auto seine Berechtigung. Es wird in Richtung Elektromobilität gehen. Aber diese einseitige Fixierung  auf die Straße ist keine Perspektive und hat keine Zukunft. Wir zahlen beim Westring für 4,5 km Straße 700 Millionen Euro. In Zeiten, wo überall gespart wird, muss es hier eine Verschwendungsbremse geben. Dieses Geld soll in eine Ausbauoffensive für den öffentlichen Verkehr investiert werden. Wir könnten mit den 700 Millionen ein S-Bahn-Netz für den Großraum Linz schaffen. In Schweizer und in deutschen Städten benutzen 30 bis 45 Prozent öffentliche Verkehrsmittel. Weil sie  attraktiv sind. Wir in Linz haben 17 Prozent.  Diesen Anteil könnten wir verdoppeln. Damit würden sich auch die Staus auf den Straßen auflösen. Derzeit zwingt die Politik die Pendler ins Auto. Ich will Wahlfreiheit.

Frage: Sie sprechen von einem S-Bahn-System.  In Großraum Linz ist aber der Ausbau der Straßenbahnen geplant.
Anschober: Das S-Bahn-Netz ist langfristig die spannendere Alternative. Denn die Frage ist, wie rasch kann  ich mit einer Straßenbahn eine Region erreichen?  Die Zeitfrage ist im Wettbewerb mit dem Auto eine mitentscheidende.

Frage: Die Grünen sind autobahnfeindlich. Sie sind gegen  den Westring und gegen den dreispurigen Ausbau der Innkreis-Autobahn.
Anschober: Dass der dreispurige Ausbau nicht kommt, haben wir gemeinsam mit Franz Hiesl beschlossen.

Auf Ihren Druck hin. Hiesl sagt, er ist Landesrat für den Straßenbau und nicht für die Straßen-Verhinderung.
Tatsache ist, dass wir es gemeinsam  beschlossen haben. Wir können die Probleme nicht lösen, indem wir die Straßen immer breiter machen. Eine Konsequenz ist, dass wir ständig steigende Feinstaubwerte haben und dass die Kinder gesundheitliche Probleme bekommen. Wir müssen lernen, dass  jetzt der öffentliche Verkehr ausgebaut werden muss. 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung hat kein Auto. Das, was in der Schweiz machbar ist, müssen wir doch auch schaffen.

Frage: Wie geht es Ihnen mit Ihrem Koalitionspartner ÖVP?
Anschober: Die Bundes-ÖVP ist in einem katastrophalen Zustand. Die Kooperation auf Landesebene ist korrekt. Es herrscht eine  Kultur der Zusammenarbeit. Das unterscheidet Regierungen mit grüner Beteiligung von jenen ohne Grüne. Das werden wir im Wahlkampf  sichtbar machen. Die Zusammenarbeit ist ein tägliches Ringen, aber das ist normal. Es bewegt sich in die richtige Richtung.

Frage: Wo merkt man die Handschrift der Grünen?
Anschober: Ohne Grüne hätte es nie eine Energiewende gegeben, es hätte keine Joboffensive für 38.000 grüne Arbeitsplätze gegeben.  Grüne Technologien sind die Leitindustrie des 21. Jahrhunderts. Es würde ohne Grüne keine Einspar- und Effizienzprogrogramme im Energiebereich geben. Oberösterreich ist hier inzwischen eine Modellregion in Europa.

Frage: FP-Obmann Manfred Haimbuchner kritisiert, es werde im Bereich der Alternativenergien zu viel und zu lange gefördert.
Anschober: Er will mit allen Mitteln, das Rad der Zeit, das wir vorangetrieben haben, zurückdrehen. Er will zurück in die 1960er-Jahre. Ein Zurückschrauben der Standards hätte das bedeutet, dass man Wohnen teurer macht.  Mittelfristig erspare ich mir mit energetischen Standards Energiekosten.  Sozialer Wohnbau ist inzwischen ökologischer Wohnbau.

Frage: Steckt hinter dem Konflikt mit Haimbuchner nicht auch die Auseinandersetzung, wer nach 2015 Koalitionspartner der ÖVP wird?
Anschober: Wir haben in Oberösterreich  das Proporzsystem, das ich für völlig falsch erachte. Das war ein gutes Modell in der Zeit des Wiederaufbaus, aber man muss es demokratiepolitisch modernisieren. SPÖ und FPÖ lehnen die Abschaffung leider ab. Wir wollen hier politischen Druck machen.
Ich denke noch nicht an die nächste Wahl, es stehen noch dreieinhalb Jahre viel Arbeit an