Archiv für die Kategorie ‘Uncategorized’

Landsleute zeigen sich von ihrer besten Seite

Mittwoch, 12. Juni 2013

Rund 1000 Soldaten waren während des Hochwasers in Oberösterreich im Einsatz zur Hochwasserbekämpfung, 550 arbeiten noch immer im Bereich von Eferding bis Goldwörth. Die Wähler  haben schon gewusst, warum sie vor ein paar Monaten mit  so großer Mehrheit für den Verbleib  der Wehrpflicht  gestimmt haben.  Diese Einsätze sind es, die dem Heer Ansehen bei den Menschen bringen.
So schlimm die Flut war,  so eindrucksvoll war das Verhalten der Landsleute. Sie förderte eine Solidarität zutage, die beeindruckte. Die Menschen  zeigten sich von ihren edelsten Seiten.   Diese positiven Reaktionen dürfen unsere Gesellschaft mit Freude und Stolz erfüllen. Das beginnt vom wirklichen Ausdruck des Mitgefühls für die Geschädigten, reicht über die konkrete Mithilfe bis hin zu den Geldspenden und den Hilfsaktionen von zahlreichen Firmen.
Als wesentliches Rückgrat haben sich wieder einmal die ehrenamtlichen Organisationen herausgestellt.  Zehntausende Feuerwehrleute  haben geholfen, die Katastrophe abzuschwächen und  zu verhindern . Sie haben für einen geordneten Ablauf gesorgt.  Viele Feuerwehrleute haben ihren Beruf hintangestellt,  um für  die  Geschädigten   und Bedrohten da zu sein. Dabei legten sie eine unglaubliche Professionalität an den Tag.
Es haben nicht nur die Schutzdämme gegen die Flut gehalten, sondern auch die Grundmauern und Dämme der Solidarität und der Gesellschaft. Dies  in Zeiten, in denen zumindest einige Jahre lang  der Erfolg und das Glück  des Einzelnen  überproportional  propagiert wurden. Die gelebte Hilfe darf uns zuversichtlich  stimmen,  dass auch die  noch kommenden Belastungen der Zukunft positiv bewältigt werden.

Wien, Wien, nur Du allein

Mittwoch, 12. Juni 2013

Als Provinzler ist uns natürlich klar, dass in Österreich zuerst Wien und dann lange nichts kommt. Wir haben uns daran gewöhnt. Manches Mal wird uns aber die Herabstufung doch etwas zu viel. „Der Wasserstand steigt, aber Wien ist sicher“, titelte diese Woche ein Medium, das sich selbst als  Qualitätsblatt definiert.  Schwergetan haben sich die  Wiener  Kollegen auch mit dem  oberösterreichischen Cupsieg. „Dem SV Pasching  ist der Cupsieg  mehr oder weniger passiert“,  schrieb dasselbe Medium  eine Woche zuvor über den Erfolg des  Drittligisten. Nein, der Sieg über den Fußballmeister Wiener Austria ist dem Linzer Vororteklub   nicht zufällig passiert, denn sie haben zuvor bereits die Salzburger Austria  und Rapid eliminiert. Austria-Trainer- Peter Stöger sah das völlig richtig: „Pasching hat sich den Sieg verdient.“ Möglicherweise singen die Wiener Journalistenkollegen zu oft das Lied Wien, Wien, nur du allein, sollst stets die Stadt meiner Träume sein!  Dort, wo ich glücklich und selig bin, ist Wien, ist Wien, mein Wien!

Der Papst redet Klartext: Der Wohlstand macht faul, träge und egoistisch

Samstag, 01. Juni 2013

Die Wahl des Argentiniers  Jorge Mario  Bergoglio zum Papst hat die römisch-katholische Kirche  völlig verändert. Die innerkirchlichen Spannungen, die sich in vergangenen Jahren und Jahrzehnten unter Johannes Paul II. und Benedikt XVI. aufgebaut haben, sind fürs Erste entschärft. Es ist ein positives Klima eingekehrt,  mit dem Raunzen und Sudern ist es erst einmal vorbei. Fragen wie die Aufhebung des Zölibats und der Gleichberechtigung der Frau sind keineswegs gelöst. Doch die  persönliche Haltung von Papst Franziskus, aus dem Evangelium heraus zu leben, ist für viele ein eindrucksvolles Zeugnis.  Dabei scheut der Mann  nicht vor klaren Worten zurück.  So warnte er Montag bei der Frühmesse vor einer „Kultur des Wohlstands“, die den Menschen   „feige, faul und  egoistisch“ werden lasse. Als Beispiel führte er den Trend zur Ein-Kind-Familie aus materiellen Motiven an. „Nein, nein, bloß nicht mehr als ein Kind, denn dann können wir nicht in Urlaub fahren, können das Haus nicht kaufen“, umschrieb er dieses Denken. 
Martin Felhofer, Abt des Stiftes Schlägl und geistlicher Assistent der gesamtösterreichischen Frauenbewegung, ist wie viele andere von Franziskus angetan (Interview Seite 5).  Unter anderem von seiner Aussage, dass   die Kirche aus sich herausgehen müsse. Wenn  sie nur um sich kreise, sei  sie krank.
Der neue Mann in Rom  bedeutet auch Hoffnung für die Diözese Linz. Denn Ludwig Schwarz wird  in zwei Jahren 75 und  muss damit  automatisch seinen Rücktritt einreichen.  Die Chancen, dass ein  Mann des Ausgleichs und der  Vernunft  an die Spitze gerufen wird, ist unter  Franziskus wesentlich größer als unter   Benedikt XVI.

Entblösst

Samstag, 01. Juni 2013

Die männlichen Geschlechtsgenossen sind gerne Angeber. Sie lieben es, Potenz zu zeigen, zum Beispiel in Form großer, starker und schneller Autos. Sie brüsten sich bei Stammtischfreunden mit ihren angeblichen Aufrissen und sexuellen Erfolgen. Derartiges Imponiergehabe ist  lächerlich, widerwärtig  und eines  Gentleman unwürdig. Opfer dieser Schwachbrüstigkeit sind Frauen,  denen  ein schlechter Ruf angehängt wird.
Aber auch die Damenwelt ist nicht ohne. Statt der Stammtischfreunde sind es die besten Freundinnen, die über jedes kleinste Detail des Liebenslebens informiert werden: Wie oft, auf welche Art und Weise, welche Unterwäsche, ob schnell oder langsam, ob von vorne  oder hinten oder von oben oder unten.  Von der vermeintlichen Tatsache, dass das körperliche Zusammensein ein Akt der Intimität  ist, bleibt nicht viel übrig.  Dabei   geht der Austausch von Liebe und Zärtlichkeit   nur die beiden Betroffenen etwas an. Und sonst niemanden. Dabei sollte man es auch belassen.

Das Musiktheater ist ein Markstein für die Offenheit das Landes

Samstag, 13. April 2013

Unser Entscheiden reicht weiter als unser Erkkennen.“ Dieser Satz des Philosophen und Aufklärers Immanuel Kant trifft wohl auch auf das neue Musiktheater zu. Der Bau hinterlässt unauslöschliche  Spuren im Land. Er wird zu einem Markstein  eines neuen Oberösterreich. Eines weltoffenen Landes, das nicht nur wirtschaftlich auf Internationalität setzt, sondern auch kulturell. Diese geistige Öffnung ist unabdingbar in Zeiten der europäischen Einigung und der Globalisierung. Hier gab und gibt es Defizite, hier muss aufgeholt werden.
Die Eröffnung hat das  Interesse der  internationalen Medien auf sich gezogen.  Zum einen, weil sich ein Land in Zeiten der Sparstifte so einen Bau leistet, leisten kann  und gezielt auf Kultur setzt. Zum anderen, weil    im Ausland Linz noch immer häufig mit Adolf Hitler in Verbindung gebracht wird.  Die Symbolik könnte nicht stärker sein. Just auf jenem Platz,  auf dem  der Führer  in seinen Plänen ein  Opernhaus  vorgesehen hatte,  steht nun das Musiktheater. Ein Haus der Moderne, der Vielfalt  und der Weltoffenheit anstelle diktatorischer, einfältiger  und rassistischer   Bühnenaufmärsche.
Diese   Offenheit wird von zwei Kräften getragen.  Den Sozialdemokraten mit Franz Dobusch an der Spitze, die in Linz schon seit Jahren zeitgenössische Kultur realisieren.  Und  von der ÖVP. Landeshauptmann Josef Pühringer hat den Bau trotz hartnäckigem Widerstand der Freiheitlichen durchgesetzt.       Die Stärke der FPÖ ist das Opponieren und Verhindern. Soll sie ihre Politik umsetzen, scheitert sie häufig. Siehe   schwarz-blaue  Koalition oder  das Kärnten-Desaster.  Die Gesellschaft lebt von Kräften, die die Ängste überwinden  und neue Wege gehen. In  Linz ist das wieder einmal gelungen.

Musiktheater: Große Bühne, kleine Probleme

Samstag, 13. April 2013

Große Bühne, kleine  Probleme. 180 Millionen Euro wurden in das neue Musiktheater  investiert, bühnentechnisch spielt es alle Stückerln. Die Akustik hält jedem Vergleich mit den großen Häusern der Welt stand.  Sowohl schalltechnisch als auch von der  Erdvibration wurde es gegenüber der danebenliegenden Westbahnstrecke perfekt abgedichtet. Dazu kamen die monatelangen Vorbereitungen für die  Eröffnung und die Premieren. Und dann das: Am Tag vor der Eröffnung streikte der Drucker, der die Platzkarten auswerfen sollte.
Dass solche Probleme viel Ärger bereiten können und häufig nur unter Einsatz eines Technikers gelöst werden können, haben viele schon erlebt. Was also unter dem Zeitdruck tun? So griff man zur guten alten Handschrift und füllte die Kärtchen aus. Das Problem wurde gelöst.   Derartige Vorfälle  bestärken  Vorbehalte gegenüber  dem technischen Fortschritt.  Nach dem Motto:  Der Computer und seine Anhängsel sind  letzten Endes doch nur  Blechtrotteln.

Das Musiktheater muss die Herzen der Menschen begeistern

Samstag, 13. April 2013

Ist das Musiktheater tatsächlich eine so teure Burg, für die noch die Enkelkinder zurückzahlen müssen, wie das Manfred Haimbuchner beim gestrigen FPÖ-Parteitag befürchtete? Es kostet rund 180 Millionen Euro. Nur für die  Kindergärten allein gibt das Land jährlich 190 Millionen aus. Im internationalen Vergleich ist es günstig. Die Elb-Philharmonie  in Hamburg, die seit 2007 in Bau ist,  sollte ursprünglich 77 Millionen Euro kosten. Derzeit liegt die Kostenschätzung bei 575 Millionen Euro, eröffnet soll sie 2017 werden. Wäre das Linzer Musiktheater  – wie ursprünglich geplant –   Ende der 1990er-Jahre beim  Römerberg   gebaut worden,  hätte es nur die Hälfte gekostet.
Der Neubau  ist ein Meilenstein.  Er ist ein Gipfel in der musikalischen Entwicklung des Landes, für die die  Gründung der Landesmusikschulen in den 1970er-Jahren einen Grundstein gelegt hat und die in der Eröffnung des Neubaus der Bruckneruniversität 2014 einen weiteren Höhepunkt erfährt. Noch immer werden vor allem Wien und Salzburg  mit österreichischer  Musik  verbunden. Doch die Kenner wissen längst, dass  Oberösterreich die meisten Nachwuchsmusiker für die Wiener Philharmoniker stellt.  Franz Welser-Möst  ist ein Aushängeschild  dieser  Qualität.   Das Brucknerorchester hat sich längst einen internationalen Ruf erworben.
Eine der Stärken des Landes  ist, dass es keine  abgehobenen Eliten gibt, sondern alles für alle offen ist. Das ist ein zentraler Punkt. Nur so wird das Musiktheater auf Dauer bei der Bevölkerung reüssieren können. Es braucht die Verankerung im Volk. Die Menschen müssen das Musiktheater als ihr Haus sehen, auf das sie stolz sind, dessen Aufführungen sie begeistern und die sie sich auch leisten können.

Die Sparer werden verunsichert

Samstag, 13. April 2013

Die Sparer haben es nicht leicht. Die Zinsen sind auf einem Tiefststand, in Wahrheit setzt es  Jahr für Jahr Verluste. Die Inflation beträgt zwei bis drei Prozent, was zu einer Entwertung des Angesparten führt. Auf Neudeutsch heißt das finanzielle Repression. Die Notenbanken  argumentieren den niedrigen Zinssatz mit der Notwendigkeit der Ankurbelung des  Wirtschaftswachstums.Die Finanzminister freuen sich, denn auf diese Art und Weise werden die Staaten still ihre Schuldenberge los. Die Sparer zahlen die Zeche. Vor diesem Hintergrund  haben zwei oberösterreichische Bankdirektoren  gemeint, die Sparer sollten im Fall einer Bankenpleite mit ihrem Angesparten mithaften. Dass diese zypriotische Diskussion  plötzlich hier im Land geführt wird, ist  doch einigermaßen überraschend. Ihre Intention war es, die Kunden aufzufordern, ihr Geld nur seriösen Instituten wie den Ihren anzuvertrauen.  Doch sie haben das Gegenteil bewirkt.  Die Sparer, die ohnehin schon stark irritiert sind,  wurden neuerlich verunsichert.

Hengstschläger hat der ÖVP ein Ei gelegt

Samstag, 30. März 2013

Markus Hengstschläger hat der ÖVP ein Ei ins Osternest gelegt. Es stinkt, befinden die Landesoberen. Hengstschlägers Ablehnung einer medizinischen Fakultät in Linz stinkt ihnen abernicht so, dass sie den Genetiker  verdammen. Sie sind nachsichtig, nach dem Motto, jeder Gestank verzieht sich und es ist noch keiner daran  verstorben. Hengstschläger stellt  sich  selbst in Diskussion.  Er steht vor der Frage: Ich oder ich? Welches Ich erhält den Vorzug?  Der Professor für Genetik an der Wiener Medizin-Uni  oder das Mitglied des Linzer Universitätsrates?  Der Standort bestimmt den Standpunkt. Es mag durchaus respektable Gründe geben, gegen eine weitere medizinische  Fakultät in Österreich aufzutreten.     Aber welche Vision hat er?Gerade   als Vorsitzender der Denkfabrik academia superior ist er herausgefordert, hier Antworten zu geben.
Hengstschläger sei der Spruch der Lateiner in Erinnerung gerufen: Si tacuisses, philosophus mansisses. Hättest Du geschwiegen, wärest Du ein Philosph geblieben.

Papst Franziskus lässt die römisch-katholische Kirche wieder auferstehen

Samstag, 30. März 2013

Jorge Mario Bergoglio ist ein Phänomen. Allein die Bilder aus dem römischen Jugendgefängnis Casal del Marmo vom Gründonnerstag beeindruckten. Er saß kniend und ohne sein Käppchen (Pileolus) vor den Jugendlichen  und wusch ihnen die Füße.  Unter ihnen eine Muslimin. Man sah, dass es für ihn  mehr als ein Ritual war.  Er erweckte vielmehr den Eindruck eines Arbeiters als den eines Papstes. Seine Worte im Gefängnis drückten sein Programm aus. „Jeder von uns muss sich fragen: Bin ich wirklich bereit, dem anderen zu dienen und zu helfen? Wir müssen uns gegenseitig helfen, das ist das, was uns Jesus lehrt und das ist , was ich tue.  Es ist meine Pflicht, doch  ich tue es von Herzen.“
Papst Franziskus hat den Jugendlichen die Füße gewaschen, den Kardinälen aber vor seiner Wahl den Kopf.Vor dem Konklave hatte er seine inhaltlichen Vorstellungen  präsentiert. Die Kirche sei aufgerufen, aus sich selbst heraus und  an die Ränder zu gehen, sagte er. Nicht nur an die geographischen Ränder, sondern an die Grenzen der menschlichen Existenz. Wenn sie das nicht mache, kreise sie nur um sich selbst und werde krank.  Die um sich selbst kreisende Kirche glaube, dass sie eigenes Licht habe. Damit gebe sie aber jenem schrecklichenÜbel der geistlichen  Verweltlichung Raum.
Dass Bergoglio Recht hat, lässt sich auch in unseren Breiten beobachten.  Welche Arbeit der Kirche findet allgemeine  gesellschaftliche Anerkennung, auch von jenen, die mit ihr nichts am Hut haben?  Das Wirken der Caritas, also jenes Teils der Kirche,  die sich um die Nöte und Sorgen der Menschen kümmert.     Ob hingegen Priester einen Stehkragen tragen oder ein Sakko interessiert die Menschen herzlich wenig.
Papst Franziskus lässt die Kirche  wieder auferstehen. Das hat sie dringend nötig.

Medizin am Limit: Die politische Lüge

Samstag, 23. März 2013

Die beste Versorgung für jeden Patienten. Das versprechen uns die Politiker. Wenn das so stimmt, müsste jeder Patient beim Zahnarzt eine Goldplombe bekommen. Er erhält aber eine Amalgamfüllung, weil die Kosten für die Krankenkasse zu hoch wären. Ähnlich agieren die Spitäler. Es gibt also eine Kosten-Nutzen-Relation, die für die meisten Menschen einsichtig ist. Der medizinische Fortschritt und die alternde Gesellschaft  führen die Finanzierbarkeit des Gesundheitssystems an die Grenzen. Die Politik tut so, dass jede notwendige Therapie oder Diagnostik jederzeit für alle Patienten verfügbar ist.
 Schweden hat aus den neuen Realitäten die Konsequenzen gezogen. Es wird überlegt, was nötig und sinnvoll ist. Dieses Prinzip heißt Priorisierung. Für die Spitalsärzte gibt es spezielle Leitlinien. Jede mögliche Therapie- oder Diagnostikoption trägt einen Vermerk von 1 bis  10, von sehr wichtig und gut begründet (1)bis kaum wichtig und weniger gut begründet (10). Neben der Schwere der Krankheit  fließen auch die Kosten mit ein.
Therapien können extrem teuer sein. Für spezielle Lungenkrebsformen kosten sie  bis zu 50.000 Euro und die Patienten leben im Durchschnitt gerade 1,2  Tage länger.  Solche  Therapieformen belasten das US-Gesundheitsbudget jährlich mit mehr als 440 Milliarden Dollar. Hier sind die Onkologen gefordert festzustellen, was noch nützlich ist.
Die Einsparungen im Gesundheitswesen erfordern eine gesellschaftspolitische Diskussion darüber, welche Kriterien bei der Priorisierung maßgeblich sein sollen. Die Politik verweigert sich der Wahrheit und verspricht stattdessen den Himmel auf Erden, wo die Menschen doch längst wissen, dass die Realität eine andere ist.

Überreguliert

Samstag, 23. März 2013

Leben wir in einem freien Land? Im Prinzip ja, aber wenn es konkret wird, ist es  nicht so sicher.  Das Leben ist oft bis ins kleinste Detail geregelt. In St. Jakob am Thurn in Puch bei Hallein hat eine Witwe für ihren 31-jährigen, an Krebs verstorbenen Mann ein von einem Künstler gestaltetes schmiedeeisernes Kreuz aufstellen lassen. Die Vorderseite ist aus spiegelndem Edelstahl. Auf dem Grab liegen Steine, die von den Bergen stammen, die der Verstorbene gemeinsam mit seinem Vater erklommen hat.  Nachdem es Beschwerden aus der Bevölkerung gegeben hat, hat die Gemeinde  nun die Witwe  aufgefordert, das Grab neu zu gestalten und die Friedhofsordnung einzuhalten.
Die  Mitbürger  verhalten sich intolerant, kleinkariert und vorgefasst.  Ihre Engstirnigkeit verstecken sie hinter der Devise: Vorschrift ist Vorschrift.  Die Freiheit verkommt zum Schlagwort, wenn sie konkret wird. Denn Freiheit bedeutet etwas zu akzeptieren, was einem nicht gefällt. Anderes zuzulassen und Größe zu zeigen, ist nicht jedermanns Sache. Überregulierung schützt dabei.

Die wahren Herausforderungen im Gesundheitssystem kommen erst noch

Samstag, 16. März 2013

Die Spitalsbetreiber klagen,  die Ärzte protestieren, die Spitalsbediensteten fühlen sich benachteiligt, weil sie die Inflation nicht voll abgegolten erhalten. Im Gesundheitssystem knirscht es. Warum? Die Zeiten hoher Zuwächse sind vorbei, das Prinzip „Sie wünschen, der Staat  spielt“ ist Vergangenheit. Aufgrund der Staatsverschuldung und geringer wirtschaftlicher Wachstumsraten werden die Zuwächse der Gesundheitsausgaben auf zwei Prozent jährlich reduziert.
Diese vergleichsweise  sanfte  Reform lässt sich beispielgebend an der Entwicklung des psychosozialen Dienstes pro mente ablesen. 1970 startete die Organisation mit einem Mitarbeiter, heute, 43 Jahre später, sind  es 1500.    Das Land förderte die Hilfsorganisation viele Jahre mit zweistelligen Wachstumsraten.   Nun wurden sie  auf zwei Prozent jährlich reduziert.  Laut  pro-mente-Chef Werner Schöny  bräuchte er aber jährlich fünf bis sechs Prozent mehr, um die  Nachfrage der  Bevölkerung abzudecken.    Wenn die Gehaltskosten der Mitarbeiter um 2,75 Prozent steigen, pro mente aber nur zwei Prozent erhält, „müssen wir überall Personal einsparen. Damit müssen wir leben. Wir bauen den Sozial- und Gesundheitsbereich ein bisschen zurück.“
Um das  gute österreichische Gesundheitssystem abzusichern, wird nun an allen   Schrauben  leicht gedreht. Das ist für alle Beteiligten eine neue Erfahrung und deshalb schmerzhaft.   Aber  letzten Endes sind alle  guten Willens und kompromissbereit.  Das belegt die Einigung beim Gehaltsstreit in den Ordensspitälern und das ist ein gutes Signal. Wir stehen erst am Beginn der  Herausforderungen, denn mit den Fortschritten der Medizin und der  älter werdenden Gesellschaft  steigen die Gesundheitskosten rapid an.

Favoritensterben

Samstag, 16. März 2013

Angelo Scola zog als einer der Favoriten ins Konklave ein und kam als Erzbischof  von Mailand wieder heraus. Die Unterstützung der Italiener und von Kardinal Christoph Schönborn waren zu wenig. Und dann unterlief den Italienern noch eine peinliche Panne. Mit Freude dankten sie Gott am Mittwochabend um 20.23 Uhr in einer Pressemitteilung, dass er Scola zu seinem Stellvertreter auf Erden berufen habe. Zu der Zeit wurde  der Argentinier Jorge Bergoglio als Papst Franziskus bereits seit etwa zehn Minuten von mehr als 100.000  Gläubigen am Petersplatz gefeiert. Die Aussendung wurde nach einer dreiviertel   Stunde korrigiert.
Vor zu starkem Selbstbewusstsein warnt auch Jonathan Chu. Der Chinese, der die Interessen der chinesischen Investorengruppe bei Steyr Motors vertritt, meint zu  der von so manchen  Asiaten vertretenen Haltung, sie seien die Zukunft der Welt,  solche Selbstbetrachtungen seien nie gut. Wenn jemand behaupte, ihm gehöre die Zukunft, dann sei sein Abgang schon vorprogrammiert.

Hoffen auf ein päpstliches Wunder

Samstag, 09. März 2013

Das war den italienischen Kardinälen zu viel. Da gingen doch tatsächlich die Amerikaner her und berichteten jeden Abend, welche Positionen sie bei den Beratungen der Kardinäle eingenommen hatten. So viel Offenheit geht nicht. Die Amerikaner mussten sich beugen und dürfen forthin schweigen.
Als außenstehender Beobachter fragt man sich, was daran so schlecht ist, wenn die Öffentlichkeit erfährt, welche Themen und Positionen eines der obersten Gremien, die 115  wahlberechtigten Kardinäle,  vertreten und einnehmen? Sind das Geheimnisse  oder wichtige kirchliche Fragestellungen, die alle Gläubigen betreffen? Es wäre  doch  interessant zu erfahren, welche Meinungen jene Männer einnehmen, die den nächsten kirchlichen König, den Papst wählen.
Allein an diesem Beispiel ist ersichtlich, wie reformbedürftig die kirchliche Hierarchie und Struktur sind. Sie ist unverändert eine Monarchie. Offenheit und Mitbestimmung bleiben die Ausnahme. Ein paar erleuchtete Auserwählte entscheiden, die weniger erleuchtete Masse  hat zu gehorchen. Die römisch-katholische Kirche ist nach wie vor eine geschlossene Gesellschaft.
In wenigen Tagen werden wir wissen,  wer das neue Oberhaupt sein wird. Angesichts  der Zusammensetzung des Kardinalskollegiums sollte man die Hoffnungen auf Änderungen nicht allzu hoch schrauben. Die Traditionalisten sind eindeutig in der Mehrheit.  Denn Benedikt XVI. hat ebenso wie sein Vorgänger Johannes Paul II. darauf geschaut, dass nur  Linientreue das Kardinalsrot  erhalten. Aber den hoffnungsfrohen  Gläubigen steht immer noch die  Möglichkeit des Wunders offen. Wunder passieren viel öfter als man glauben möchte.

Duschen

Samstag, 09. März 2013

Es gibt günstige Fitnessstudios mit Monatsbeiträgen  von 20 bis 30 Euro. Für das  Duschen darf extra bezahlt werden, meist 50 Cent. Das führt dazu, dass sich so manche das Waschen   ersparen. Rein in die Umkleidekabine, Körperspray unter die verschwitzten Achseln und rein in die Tagesbekleidung. Diese jungen Herren setzen bei ihren Freundinnen vermutlich  auf die Wirkung ihres trainierten Körpers  und auf den Geruchsfetischismus.  Schon Napoleon soll seiner Josephine  aus Ägypten geschrieben  haben: „Wasche Dich nicht mehr, ich komme bald zurück!“
Ähnlich dürften die Betreiber von Thermalbädern denken. Benützt man die Duschen,  so kommt maximal 20 bis 30 Sekunden Wasser von oben.  Will man sich die Haare waschen und   den Körper einseifen, muss man mehrfach den Druckknopf betätigen,  um die  Körperwäsche vollenden zu können.  Das ist unangenehm und bei allem verständlichen Sparwillen eine Zumutung.  Ob die Manager der Thermalbäder  zu Hause auch in so kurzen Intervallen duschen?

Ja zur Homo-Ehe und zur Adoption

Samstag, 02. März 2013

Das römische Reich ging an seiner moralischen  Verkommenheit unter. Es sei dort drunter und drüber gegangen. So wurde es uns in der Schule gelehrt. Einen ähnlichen Niedergang des Abendlands befürchten jene, die sich gegen die Schwulenehe und gegen das Adoptionsrecht stellen. Ideologischer Hort dieser Fraktion ist die römisch-katholische Kirche.  In den Reihen ihrer Priester gibt es zwar nicht wenige  Homosexuelle und   einflussreiche Homo-Seilschaften,  aber  in den  Predigten und lehramtlichen Äußerungen  gelten homosexuelle Verhältnisse als pfui.
Nun haben sowohl der Europäische Gerichtshof  als auch der deutsche Verfassungsgerichtshof  die Diskriminierung homosexueller Paare und das  Adoptionsverbot verurteilt.  Selbst  die CDU und Angela Merkel ändern ihre  Position Richtung Gleichstellung. In Oberösterreich hat sich der schwarze Landesrat und Bauernbundobmann  Max Hiegelsberger in dieselbe Richtung geäußert. Seine Argumentation ist einleuchtend.  Wenn gut für das Kind gesorgt werde, sei gegen eine Adoption nichts einzuwenden. Denn die strengen Adoptions-Regeln würden ja weiterhin gelten. Was ist auch dagegen zu sagen, wenn zwei Menschen sich lieben und Verantwortung füreinander und für ein Kind übernehmen wollen? Dass jeder Sexualakt auf Zeugung ausgerichtet sein muss, ist lediglich geltende Lehre der Kirche, sie wird aber  nicht einmal von  katholisch praktizierenden Ehepaaren eingehalten.
Homosexuelle  werden oft als sexuelle Monster hingestellt, was sie nicht sind. Ihnen die Eheschließung zu erlauben und das Adoptionsrecht zu geben, bedeutet nicht, in Sodom und Gomorra zu enden.    Der moderne Rechtsstaat gründet auf Freiheit und Gleichheit. Diese Rechte gelten auch für Homosexuelle.

Bedeutungslos

Samstag, 02. März 2013

Kaum hatte Benedikt XVI. seinen Rücktritt bekannt gegeben, kam Bewegung in die römisch-katholische Kirche. Der britische Kardinal Keith O’Brien sprach sich für die Aufhebung des  Zölibats aus.   Der ehemalige  deutsche Kurienkardinal  Walter Kasper tritt für das Frauen-Diakonat ein.  Die deutsche Bischofskonferenz  erlaubt nun vergewaltigten Frauen  die Anwendung der „Pille danach“.
Aber noch immer bewegen sich die Bischöfe und Kardinäle weit hinter der Realität. Noch immer verbieten sie die Pille als Mittel der Empfängnisverhütung.  Allein in Deutschland wird die „Pille danach“ mehr als 400.000-mal verschrieben. In absehbarer Zeit soll sie  auch ohne Rezept erhältlich sein.  Allein in der Frage  der Empfängnisverhütung kann man ablesen, was die  Menschen  von der Kirche erwarten: nichts. Die moralischen Fragen,  die die   Bischöfe und Kardinäle  bewegen, sind für die Menschen bedeutungslos. Sie haben gelernt, auf eigenen Beinen zu stehen.

Sex am Arbeitsplatz

Samstag, 23. Februar 2013

Der Leiter eines Altenheimes im Bezirk Linz-Land soll ein umtriebiger Mensch sein. So schildern ihn seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.  So sollen Betten  nicht nur zur Unterbringung Pflegebedürftiger  verwendet worden sein.  Aber wieso ist denn Sex am Arbeitsplatz schlecht? Raucher dürfen sich ja auch  ihrer Sucht  hingeben. „Beziehungen in der Arbeitswelt müssen so ablaufen, dass das Arbeitsumfeld nicht gestört werden darf“, erklärt  Helga Kempinger, Leiterin der Abteilung Arbeits- und Sozialrecht in der Arbeiterkammer. Sex sei da grundsätzlich nicht gestattet. Sollte man erwischt werden, könne es eine Verwarnung geben. Sollte es neuerlich passieren, sei das ein Grund für eine Entlassung oder Kündigung. Sex wird oft  für Intrigen missbraucht.  Da wird der Sekretärin unterstellt, sie habe den Posten nur, weil sie es mit dem Chef  treibe. Erfolgreichen Frauen  wird vorgehalten, sie hätten sich nach oben geschlafen. Sex bewegt die Gemüter. Auch wenn es sich häufig  nur um Neid und Missgunst  handelt.

Der Kapitalismus zerstört die Familien

Samstag, 23. Februar 2013

Der  Staatsschuldenkrise folgt die Pensionskrise. „Sie wird vier Mal so große Auswirkungen haben wie die Finanzkrise“, sagte der gebürtige Innviertler Johann Prader, einer der 24 Exekutivdirektoren beim Internationalen  Währungsfonds, im Interview mit dem KURIER. Je reicher die Länder, umso geringer die Geburtenrate. In Hongkong und Singapur liegt sie unter eins, in Österreich bei 1,4. Um die Bevölkerungsanzahl stabil zu halten, müsste sie  2,02 betragen.
Dieter Thomä, Philosoph und Professor an der Universität St. Gallen, hält den Kapitalismus für ein familienfeindliches System. Für den Kapitalismus zähle nur der Nutzen, den man aus seinem Tun ziehe. In der Familie werde hingegen ein unglaublich hoher Aufwand für andere getrieben.  Der Kapitalismus fordere den ungebundenen, flexiblen, einsatzbereiten und gewinnorientierten Menschen. Entscheidet man sich für eine Familie, legt man sich aber in einem hohen Ausmaß fest. Der Kapitalismus zersetzt schleichend die Familie und damit eine der Grundlagen, von denen er lebt.
In den nordischen Staaten  und in Frankreich ist es gelungen, die Geburtenrate so hoch zu halten, dass die Bevölkerungszahl gleich bleibt. Ihre Familienpolitik  setzt   auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.  Kinder können   in Krippen abgegeben werden und damit Frauen rasch zurück in den Beruf. Für Aufsehen hat  eine von Experten vor drei Wochen veröffentlichte  Studie über die deutsche Familienförderung  gesorgt.  Die rentabelsten Kosten für den Staat  sind Investitionen in  Kindergärten und -krippen. Familiensplitting, Kinderbeihilfen  und Elterngeld bleiben weitgehend wirkungslos.
Fazit: Der  Weg  des Ausbaus von Kinderkrippen ist der richtige.

Enttäuschte Liebe

Montag, 18. Februar 2013

 Jubel brandete auf, als Papst Benedikt XVI. Samstagmittag,  17. Dezember 2005, die Sala delle Benedizioni  im  Petersdom betrat.    1000 Oberösterreicher hatten sich  versammelt, um der Sonderaudienz beizuwohnen, zu  der der Bayer aus Anlass der Übergabe des 30 Meter hohen Christbaums aus  Afiesl geladen hatte.  Landeshauptmann Josef Pühringer hat Joseph Aloisius Ratzinger in seiner Rede fast zu einem Oberösterreicher gemacht, wäre Ratzinger  eben nicht in Marktl, sondern ein paar Kilometer weiter östlich des Inns geboren. Ratzinger wiederum erzählte, dass er mit seiner Mutter des öfteren Ausflüge nach Oberösterreich gemacht habe.
Von diesem emotionellen Höhepunkt weg ging es bergab. Ein Tiefpunkt war die Bestellung des konservativen Windischgarstner Pfarrers Gerhard Wagner  zum Linzer Weihbischof im Februar 2009. Ratzinger lud Kardinal Christoph Schönborn und Bischof Ludwig Schwarz in Rom vor, um über die  Ablehnung  Wagners zu  beraten. Diözesanpressesprecher Ferdinand Kaineder musste gehen. Benedikt XVI. hatte damit alle Hoffnungen zerstört, sein Pontifikat könnte sich doch von seiner 24-jährigen Tätigkeit als Präfekt der Glaubenskongregation unterscheiden. Auch in seiner Zeit als oberster Glaubenshüter  hatte er Kontakte zu Oberösterreich. Er besuchte die Sommertreffen des konservativen Linzer  Priesterkreises.  Gemeinsam mit seinem Bruder Georg machte er  Urlaub im Petrinum. Den Mühlviertler Kurt Krenn, den er aus der gemeinsamen Zeit an der Hochschule  in Regensburg kannte, schätzte er nicht sonderlich.  Er soll Krenns Berufung zum  Wiener Erzbischof verhindert haben.  Ratzinger setzte auf Schönborn, Krenn auf seine Polen im Vatikan.
Ratzingers spektakulärster Schritt  war sein letzter.   Für seinen Rücktritt wird er in die Kirchengeschichte eingehen.  Damit hat er sich auch  mit den Oberösterreichern versöhnt, deren  überwiegende Mehrheit Reformen einfordert.

Tschechische Preise

Montag, 18. Februar 2013

Erste Fahrt zum Interview  ins südböhmische  Krumau, das heuer Teil der grenzüberschreitenden Landesausstellung ist. Kurz nach dem Grenzübergang Wullowitz kommt von hinten ein weißer Skoda mit hoher Geschwindigkeit näher,   das  Blaulicht hinter der Windschutzscheibe  aktiviert.  Eine Zivilstreife.  Ich sei in Skorovice  zu schnell gewesen, 69 statt der erlaubten 50 km/h, erklärt der Polizist in gebrochenem Deutsch.  Papiere  vorzeigen,   500 Kronen Strafe (20 Euro). Zu meiner Entgegnung, ich verfüge über keine Kronen,  sagt er, das sei kein Problem.  Der Polizeiwagen verfügt über  ein modernes Kreditkartensystem, man kann auch mit der Bankomatkarte zahlen. Sie sind für österreichische Verkehrssünder gerüstet. Ich könne von Glück reden, dass ich nicht  um ein km/h schneller gefahren sei, denn dann hätte der Spaß  100 Euro gekostet, sagt er.
Im Vergleich dazu nimmt sich das Essen im Zentrum von Krumau günstig aus.   445 Kronen  (18 Euro) für zwei  sehr gute Hauptspeisen, eine Nachspeise und zwei Getränke.

Gmunden braucht eine große Lösung

Samstag, 09. Februar 2013

Gmunden will sich zukunftsfähig machen. Die Traunbrücke und die Straßenbahn sollen neu gebaut werden, Asamer errichtet am See ein Hotel, die renovierte Seilbahn soll die Gäste wieder auf den Grünberg bringen und eine neue Therme soll zusätzliche  Touristen anlocken (siehe Seite 5). Bei allen Projekten gibt es in der Bevölkerung Widerstand.  Vor allem aber gegen den Standort der Therme im  schönen und beliebten Traunsee-Strandbad. Es handelt sich ja auch nicht um eine richtige Therme, sondern um ein Hallenbad, weil Gmunden über kein Heißwasser verfügt. Geführt soll das Hallenbad von der oberösterreichischen  Thermenholding werden,   deren erfolgreicher Generaldirektor Markus Achleitner damit wenig Freude hat. Ihm schwant, dass ihm  ein Defizitträger aufgehalst wird. Aber  er ist  loyal gegenüber seinem Eigentümer.
Als Außenstehender fragt man sich, warum das Land Oberösterreich und die Stadt Gmunden  nicht eine große Lösung anstreben.  Im wunderbar gelegenen Toscanapark steht ein in die Jahre gekommenes Kongresszentrum herum, das kaum genützt wird. Warum baut man hier nicht neu, errichtet ein Hotel, ein zeitgemäßes Veranstaltungszentrum und eine Therme respektive ein Hallenbad? Das hätte Potenzial und könnte zu einem Vorzeigeprojekt werden.   Parkplätze wären auch zur Genüge vorhanden.
Die Verantwortlichen sollten den Widerstand in der Bevölkerung nutzen, um ihre  Überlegungen weiterzuentwickeln. Die Proteste sind eine Chance, die man aufgreifen sollte.  Es geht nicht um Justament-Standpunkte, sondern um die optimale Lösung, die   Gmunden weiterbringt und  die auch die Bürger zufriedenstellt.

20 Euro Strafe

Samstag, 09. Februar 2013

Wer kennt sie nicht, jene Langsamfahrer auf der Autobahn, die auf der Überholspur mit 80 bis 100 km/h dahingondeln, obwohl die rechte Fahrspur frei ist? Das Gesetz schreibt vor, dass sie sich auf rechten Spur bewegen müssten.  Wie darf nun der nachkommende Fahrer reagieren, der  auf den  Langsamfahrer  aufschließt und ihn am Überholen hindert?
 Rechts überholen ist jedenfalls verboten. „Ihn mit der Lichthupe kurz anblicken ist erlaubt“, erläutert  Oberösterreichs Verkehrs-Oberst  Josef Reiter.  Zu drängeln sei hingegen untersagt. Meist handle  es um schwächere Fahrer,  die man durch das knappe Auffahren  nervös mache. Man müsse dann einfach warten, bis der Langsamfahrer auf die rechte Spur wechsle.   Oberst Reiter  findet, dass derartige Fälle  selten  seien. Er sei kürzlich  mit  einem ORF-Team auf der Suche nach derartigen Verkehrssündern einen halben Tag erfolglos unterwegs gewesen.  Verstöße  gegen das Rechtsfahrgebot sind mit 20 Euro Strafe jedenfalls  billiger als falsch parken.

Die kleine Welt Oberösterreich, in der die große ihre Probe hält

Samstag, 12. Januar 2013

Diese erste Arbeitswoche im Jänner war von Selbsterkenntnissen geprägt. Vor allem Michael Spindelegger, Josef Ackerl und Peter Assmann glänzten. „Besser fad mit Hirn als schillernd und hohl“, sagte  Vizekanzler Michael Spindelegger über sich selbst beim ÖVP-Neujahrsempfang in Linz. Sein  Hirn   wies aber  Gedächtnislücken auf. „Wir sind die Partei, die Hand anlegt und nicht die Hand aufhält.“ Die Namen Ernst Strasser, Alfons  Mensdorff- Pouilly, Karl-Heinz Grasser  und Otto Gumpinger dürften dem ÖVP-Obmann   entfallen sein. Landeshauptmann Josef Pühringer sah sich genötigt, Spindelegger in Abwandlung des Buchtitels   „Der Mann ohne Eigenschaften“ (von Robert Musil)   Profil zuzuschreiben:  „Du bist ein Mann mit Eigenschaften.“
Zeitgleich präsentierte sich   Landeshauptmannstellvertreter Josef Ackerl in Wels vor 400 Genossen, unter ihnen der Bundeskanzler, als Kenner der  Zeitgeschichte. „Die Zwangsverpflichtung ist eine Idee der Nationalsozialisten gewesen, mit dem Reichsarbeitsdienst, wo man g’sagt hat, es schadet net, wenn man mit dem Kramp’n und der Schaufel durch die Gegend rennt. Und de Frauen soll’n in die Kuchl geh’n. Des brauchen wir alles nimma!“ „Eine Entgleisung!“, befand  Parteigenosse Bundespräsident Heinz Fischer. 
Peter Assmann schmiss diese Woche seinen Job als Direktor der Landesmuseen hin. Er tat dies mit einem wunderbaren Zitat von Erich Kästner: „Was immer auch geschieht: Nie sollt ihr so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken.“  Der Linzer Fondsmanager Alois Wögerbauer  griff  auch auf Kästner zurück, als er interessierten Anlegern empfahl, flexibel  zu bleiben.  „Man  soll auf einem Standpunkt stehen, aber nicht darauf sitzen.“
All  diese   Reden spielten sich ab in der kleinen Welt Oberösterreichs, in der die große ihre Probe hält.

Lebenswege

Samstag, 12. Januar 2013

Landesrat Rudi Anschober ist mutig. Das muss er wohl auch sein. Denn eine Regierungsfunktion auszuüben, ohne  Abend- und Wochenend-Termine   wahrzunehmen, ist in der politischen Landschaft Österreichs einzigartig. Gleichzeitig gibt er freiwillig Macht ab, was ebenfalls  eine Ausnahme ist.
Kehren Menschen nach einer Burn-out-Erkrankung zurück, sind sie in der Regel verändert. Das Leben ist ein anderes als vorher.   „Ich habe mich selbst aus den Augen verloren“, bekennt er. Jetzt ist er dabei, es wiederzufinden. Indem er beispielsweise Kuchen bäckt.   Meine persönliche Selbstfindung sieht etwas anders aus, aber jeder soll das machen, was ihm guttut.
Anschober ist sich bewusst, dass sein Gesundungsprozess noch nicht zu Ende ist. Ganz der Alte werde er nicht mehr sein, sagt er. Er probiert es noch einmal. Wie sein Leben aussehen wird, wenn er wieder völlig gesund ist, ist momentan  schwer einzuschätzen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass er nach 30 Jahren vom Weg der Politik abbiegt

Gesundheit braucht finanzielle Anreize

Samstag, 12. Januar 2013

Lässt ein Autobesitzer seinen Wagen nicht regelmäßig servicieren, steigt   der Autoproduzent  bei der Garantie aus.  Sperrt  er den Wagen nicht ab und wird dieser gestohlen,  verweigert die Versicherung die  Bezahlung des Schadens. Verursacht  ein Pkw-Lenker im Winter mit Sommerreifen einen Unfall, steigt die Versicherung aus.
Wir erachten es beim Auto als Selbstverständlich,  dass Fehlverhalten zu finanziellen Konsequenzen führt.  Dieser Grundsatz gilt in keiner Weise in unserem Gesundheitssystem.  In der Nacht von Samstag auf Sonntag füllen  beispielsweise Alkoholisierte, darunter viele  Jugendliche, die  Unfallambulanzen der Spitäler, weil sie sich im Rausch verletzt haben: bei  Schlägereien, mit gebrochenen Gläsern und Flaschen, bei  Verkehrsunfällen.  Sie lassen sich behandeln und gehen nach  Hause, die Allgemeinheit bezahlt. Ihr Fehlverhalten  zeitigt  keine Folgen.
Solange Geld im Überfluss  da ist, mag das so sein.  In Zeiten,  in denen die Finanzierungen schwieriger werden,   muss man über die Effizienz nachdenken und die Systeme schärfen, damit für jene die Hilfe da ist,  die sie benötigen. Dies gelingt, wenn man positives Verhalten belohnt und schädliches bestraft. So wäre es  zu überlegen, dass man besoffene Schläger einen Teil der Kosten ihres Spitalsaufenthalts selbst bezahlen lässt. Dass dies funktioniert, haben die Erfahrungen mit dem Mutter-Kind-Pass gezeigt. Als die verpflichtenden Untersuchungen für die Babys abgeschafft wurden und das Kinderbetreuungsgeld trotzdem ausbezahlt wurde, sind nur mehr wenige Mütter zu den Untersuchungen erschienen. Heute sind sie wieder obligat.
Im derzeitigen Gesundheitssystem ist es völlig egal, ob sich jemand positiv oder negativ verhält. Im Gegenteil: Jene, die für sich selbst Vorsorge betreiben, sind die Draufzahler. Denn mit ihren Beiträgen zahlen sie die Kosten für jene mit, die sich keinen Deut um ihre Gesundheit scheren und hohe Kosten verursachen. So kann Solidarität wohl nicht aussehen.  Wenn man schon keine finanziellen Bestrafungen vornehmen will, so sollten doch wenigsten für jene finanzielle Anreize geschaffen werden, die sich um Vorsorge bemühen. Ein Euro in der Prävention erspart sieben Euro Behandlungskosten.

Im Sissi-Film

Samstag, 12. Januar 2013

Andächtig lauschte ich  den Worten  des bekannten Quantenphysikers Anton Zeilinger, bis er mich aus der Lethargie riss. „Ich begrüße Ihre Kaiserliche Hoheit, Mag. Markus  Habsburg-Lothringen.“   Was,  ein Kaiser? Wer? Wo? Ich blickte durch den bis auf den letzten Platz gefüllten Klostersaal in Traunkirchen, um nach einem Herrn mit einer Krone auf dem Haupt zu suchen. Man bedeutete mir, dass der grauhaarige ältere Herr mit dem  gütigen Gesicht  der Gesuchte  sei.  Ich gab  meiner Fantasie Raum,   um mir vorzustellen, ob dieses Gesicht in die Reihe der mir bekannten Habsburger-Köpfe  passen würde.   Ja, sehr gut sogar.  Würde es die Monarchie noch geben, wäre die offizielle Bezeichnung dieses  Mannes „Erzherzog von Österreich“, wurde mir erklärt.  Immer wieder werden  Redner von monarchischen Rückfällen  erfasst. Angehörige blauen Blutes werden als   Kaiserliche Hoheiten, Fürsten und Grafen begrüßt statt als  republikanische Bürger.  Es kann sich nur um Sequenzen aus  Sissi-Filmen handeln.

Buchgenuß

Samstag, 22. Dezember 2012

Die Paketzusteller haben Hochsaison. Die im Internet bestellten Geschenke müssen noch vor Heiligabend  ankommen.  Sogar eine Buchhandlungskette  verteilt Online-Gutscheine, damit der Kunde sie nicht mehr  im Geschäft belästigt, sondern zu  Hause vor dem Computer sitzen  bleibt.
Doch dieser Trend ist ein verkehrter. Er vernichtet bei   uns Arbeitsplätze, Geschäfte sperren zu. Wer profitiert von den Buchbestellungen im Internet? Ein US-Konzern. Und die Paketzusteller, deren Mitarbeiter im Niedriglohnbereich beschäftigt sind. Dabei sind die online bestellten Bücher nicht billiger als  jene im Geschäft.  Der Buchhändler bietet Service, man kann nachfragen, schmökern, welche Neuerscheinungen am Markt sind oder um Empfehlungen bieten. Man kann dort Leute treffen, sich unterhalten, einen Kaffee trinken, in Bücher hineinblättern, Anregungen aufnehmen. Und der Buchhändler kann jedes Buch ebenfalls   bestellen.  Das ist dann ebenso schnell da wie das  im Internet georderte.

Der Konsumrausch sichert die Jobs

Samstag, 22. Dezember 2012

Morgenvormittag, ein paar Stunden vor der Bescherung am Heiligen Abend, besteht die letzte Möglichkeit in den Geschäften zuzuschlagen. Die  vergangenen Wochen waren  ein einziger  Stress. Die Straßen und Parkhäuser  in den Städten waren vollgepropft  mit Autos, die Geschäfte überfüllt, als gäbe es kein Morgen. Vom beschworenen Schlagwort der  stillsten Zeit im Jahr keine Spur,  mit der  christlichen Weihnachtsbotschaft hat das   Gedränge  nicht das Geringste zu tun.
Weihnachten ist das Hochfest des Konsums. Der Handel erzielt in diesen  Tagen   einen Großteil seines Jahresumsatzes. Das ist gut so. Denn Umsätze sichern Arbeitsplätze. Sowohl in der Produktion wie im Verkauf.
 Bröckeln die Umsätze, würde das  eine Wirtschaftskrise signalisieren. Wer braucht in Zeiten überschuldeter öffentlicher Haushalte noch eine Rezession dazu? Sie  würde unser  Kartenhaus tatsächlich gefährlich ins Wanken bringen. Auch wenn sich das heurige Wachstum  auf rund ein Prozent abgeschwächt hat, der Konsum hält. Der Handel ist einer der wenigen stabilen Faktoren.
Zum Konsumrausch hat auch der Mentalitätswandel beigetragen. Das Geld, das man hat, wird ausgegeben. Die Sparrate ist deutlich gesunken. Die Angst vor  der Entwertung der Währung lässt die Menschen das Geld ausgeben. Der Handel brummt. Nach den Feiertagen geht’s wieder los.

Pühringer – Wer sonst?

Samstag, 15. Dezember 2012

Tagtäglich spult er ein Arbeitsprogramm ab, dass man meint, morgen wären Landtagswahlen. 25 Jahre gehört er nun der Landesregierung an  und Josef Pühringer zeigt keinerlei Ermüdungserscheinungen, auch wenn die Haare grauer werden. Wenn  es sein muss, macht er auch noch die Arbeit von zwei weiteren Regierungsmitgliedern mit und verhandelt nebenbei die Gesundheitsreform des Bundes. Bei ihm gelten umgekehrte Verhältnisse. Die Gefahr eines Burn-out besteht vielleicht  dann, wenn er Urlaub hat.
Politiker dürfen auch einmal gelobt werden. Die vergangenen 25 Jahre waren gute  für Oberösterreich. Die Chancen der Umbrüche wurden genutzt: der Fall des Eisernen Vorhangs 1989,  der  Beitritt zur EU 1995 , die Auswirkungen der Globalisierung, die  Wirtschafts- und Finanzkrise  2007/’08.  Oberösterreich steht in wichtigen Bereichen österreichweit an der Spitze: bei der Beschäftigung, beim Wirtschaftswachstum,  im Export, in der Landwirtschaft,  im Sozialbereich,  beim musikalischen Nachwuchs.
In einem Jahr will der nunmehr  63-jährige Pühringer über seinen Abgang entscheiden.  Ob er  bei der Wahl 2015 zum vierten Mal  als Landeshauptmann antreten wird  oder ob er es sein lässt. Seine Umfragewerte und seine Aktivitäten lassen vermuten, dass er  neuerlich kandidieren wird.    Zudem ist die Nachfolgefrage ungeklärt.

Europa ist wunderbar

Samstag, 15. Dezember 2012

Reist man in die bzw. durch die USA, lernt man  Europa wieder schätzen. Der nächtliche Flug von Santiago de Chile nach Miami  mit den American Airlines kommt  mit 40-minütiger Verspätung an. Es folgt ein halbstündiges Anstellen bei der Passkontrolle. Der Hinweis, man verpasse den Anschlussflug nach Washington,  wird geflissentlich  ignoriert.  Der Koffer muss ausgecheckt und wieder eingecheckt werden. Neuerliches halbstündiges Anstellen bei der Sicherheitskontrolle, der  Anschlussflieger  ist natürlich weg.  Völlig andere Verhältnisse  findet der  Fluggast beim Schalter der Lufthansa am Washington-Dulles-Airport. Einchecken ohne  Wartezeit.  Der Lufthansa-Jumbo  legt die Strecke  Washington–Frankfurt in sieben Stunden zurück und kommt   25 Minuten  zu früh an.  Das Bordpersonal gibt die  Anschlussflüge durch und entschuldigt sich, weil  das Gate nicht sofort  angefahren werden kann. In Frankfurt verlässt man den Jumbo, geht auf eine morgendliche Weißwurst und hat irgendwann eine Passkontrolle – ganz ohne Wartezeit. Europa ist wunderbar.

Nach der Medizin-Fakultät nun die TU Linz!

Samstag, 15. Dezember 2012

Nach der Medizin nun die TU Linz!Das war überzeugend. Das Konzept, das eine Expertengruppe zur Realisierung der medizinischen Fakultät der Linzer Universität vorgelegt hat, war wirklich gut und gescheit. Josef Pühringer, Josef Ackerl und Franz Dobusch konnten damit bei Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle punkten.
Aber die  Medizin mit der damit verbundenen Universitätsklinik  ist  nur ein Bein der  Neuaufstellung. Die Politiker sollten den Vorschlag der Wirtschaftskammer  und der Industrie  zur  Realisierung  einer Technischen Universität (TU) Linz aufgreifen.  Denn Oberösterreich benötigt nicht nur Ärzte, sondern auch bestausgebildete Techniker, damit unsere  exportabhängige  Wirtschaft im internationalen  Wettbewerb  gut bestehen kann. Unser Wohlstand wird  nun einmal mehr als zur Hälfte im Ausland verdient.  Nur wenn wir vorne dabei sind, können wir    das hohe Niveau des Gesundheitssystems, der Ausbildung und der Kultur finanzieren.
Ähnlich  dem Konzept  zur Med-Fakultät sollte nun eine Expertengruppe  eingesetzt werden, die  Pläne für eine TU Linz erstellt. Bruno Buchberger, Gründer des Softwareparks Hagenberg und  Mitglied der Zukunftskommission  des Landes, wäre dafür herausragend geeignet. Das TU-Konzept sollte bis zum Sommer stehen, damit es ebenso wie die Med-Fakultät in den Forderungskatalog an die nächste Regierung einfließt.

Europa der Regionen

Samstag, 15. Dezember 2012

Als Konsequenz aus dem Spekulationsskandal in Salzburg hat der Leitartikler eines rosaroten Blattes vorgeschlagen, den Ländern die Gesetzgebung und die Budgethoheit wegzunehmen. Das bedeutet ihre de-facto-Auflösung zugunsten einer Beamten-Außenstelle der Wiener Zentrale.   Würde  man diesen Gedanken konsequent weiterspinnen, müsste man auch den Städten und Gemeinden, von denen  ebenfalls viele spekuliert haben,  die Finanzhoheit aberkennen  und nach Wien transferieren, das in seiner unendlichen Weisheit  und Güte  den Geldsegen über das Land  ergießt. Der Traum eines jeden Zentralisten.
Der  Gegenvorschlag von uns Provinzlern: Wir sparen die Wiener Regierungsstellen ein und übertragen  die Kompetenzen einerseits der EU und andererseits den Ländern.   Die Ländern wiederum bilden mit ihren Nachbarn  neue europäische Regionen. Das wäre das Ende des Nationalismus und der  Nationalstaaten, die  im vergangenen Jahrhundert auch  viel Unglück über uns gebracht haben.  Das wären tatsächlich   neue Perspektiven.

“Österreich ist stark von der internationalen Konjunktur abhängig”

Samstag, 01. Dezember 2012

Johann Prader ist einer der 24 Exekutivdirektoren des Internationalen Währungsfonds (IWF) mit Sitz in Washington. Eine erstaunliche Karriere für den 61-jährigen Innviertler, der aus Roßbach im Bezirk Braunau stammt.
 Prader ist wegen seines Wissens sehr angesehen. Er hat die Lateinamerika-Krise ebenso miterlebt wie die Probleme in Osteuropa und jene Asiens. Während andere Staaten ihre Vertreter regelmäßig austauschen, ist Prader  seit 1987 beim IWF. Er betont gegenüber der Delegation der Wirtschaftskammer in Washington die Wichtigkeit der internationalen Vernetzung für  ein kleines Land.
 KreditaußenständeÖsterreichs Banken haben  zum Beispiel 2008 in Osteuropa Kreditaußenstände in der Höhe von 100 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gehabt. Der IWF hat für die Finanzierung von zwei Drittel gesorgt, die EU für ein Drittel. Österreich wurde also durch die internationale Solidarität gerettet. Durch die internationale Verflechtung ist das Land aber auch anfälliger für  Krisen. Würde die Auslandsnachfrage einbrechen, würde in Österreich der Lebensstandard dramatisch sinken.  Prader: „In Österreich wird die Autonomie des Landes im Weltwirtschaftsgefüge überschätzt.“  Die Menschen wollen beides – reich und unabhängig sein. „Reich sein kann man aber nur durch die Integration in die Weltwirtschaft.“
 BeeinflussungDamit gibt es aber auch Grenzen für die Handlungsmöglichkeiten Österreichs. Um die Wirtschaft  zu stimulieren, muss das  in ganz Europa passieren.  Länder wie Österreich würden nur über einen  geringen Grad der Beeinflussung verfügen. Aufgrund des Engagements heimischer Firmen in Osteuropa werde zum Beispiel die Wiener Börse von den Finanzinvestoren wie eine osteuropäische behandelt.
 Der Druck auf Österreich, international wettbewerbsfähig zu sein, sei sehr groß. „Diese Wettbewerbsfähigkeit erleidet immer wieder Rückschläge“, sagt Prader. So  im Herbst 2008, als das Parlament in Wien in  Folge des Nationalratswahlkampfes Maßnahmen beschloss, die zu einer Erhöhung der Verschuldung um fünf Prozent führten. Und das zu einem Zeitpunkt, als kurz zuvor die Pleite der Lehman-Bank das Weltfinanzsystem an den Rand des Abgrunds geführt hat.
Durch den Eintritt Osteuropas und Chinas in die Weltwirtschaft hätten sich die Rahmenbedingungen massiv verändert, denn China hat durch seine Arbeitskräfte den weltweiten Arbeitsmarkt um ein Drittel erhöht. Prader zitiert die deutsche Kanzlerin Angela Merkel, die  gesagt hat: „Europa stellt acht Prozent der Weltbevölkerung, 25 Prozent der Weltproduktion und 50 Prozent der Weltsozialausgaben.“ Österreich habe  viele Beamte, hohe Sozialausgaben und sei zudem Weltmeister bei den Subventionen. 
Die erste Verschiebung der wirtschaftlichen Kräfte hat es bereits durch den Fall der Berliner Mauer und den Eintritt Osteuropas und Russlands in den Weltmarkt gegeben.  Europas Staaten haben die mit dem Fall des Eisernen Vorhangs verbundenen Änderungen durch Kreditaufnahmen aufgeschoben, da Geld durch die gemeinsame Euro-Zone zu günstigen Zinsen zur Verfügung stand. Prader rechnet nicht damit, dass die Euro-Krise schnell gelöst werden könne. Griechenland mache zwar nur zwei Prozent des europäischen Bruttoinlandsprodukts aus, aber es habe eine Krise bei den Finanzinvestoren ausgelöst. „Wenn es eine wachsende Weltwirtschaft gibt, ist es leichter, eine Lösung für die wirtschaftlichen Ungleichgewichte und die sozialen Ansprüche zu finden.“ Momentan sei das Wachstum aber beschränkt.

“Europas Sozialstaats-Modell ist auf Dauer nicht finanzierbar”

Samstag, 01. Dezember 2012

„Das europäische Modell des Sozialstaats ist  nicht überlebensfähig.“ Zu dieser Einschätzung kommt Adolfo Laurenti, Chef-Ökonom des  Finanzdienstleisters „Mesirow Financial“ mit Sitz in Chicago. Die sozialen Werte seien in Europa lebendig, aber die Ausformung sei nicht mehr finanzierbar. Es fehlten das Geld und  das notwendige Wirtschaftswachstum.
 „Europa wird Prioritäten setzen müssen. Wir sind seit 50 Jahren gewohnt, dass wir alles haben – Bildung, Gesundheit und Kultur. Das wird  auf Dauer nicht funktionieren“, sagte der aus Italien  stammende Laurenti vor der Wirtschaftskammer-Delegation, die auf Besuch in den USA war. Es werde in Europa zu tief greifenden Änderungen kommen müssen, an dessen Ende ein neues Sozialmodell stehen werde.
 Optimistische SichtDabei ist Laurentis Sicht über Europa wesentlich optimistischer als jene der Amerikaner, die auch das Ende des Euros erwarten.  „In den USA interessiert die Leute nur die Frage, wann die europäische Währung platzt“, sagt Laurenti. Er werde  täglich zwei bis drei Mal darauf angesprochen. Er gebe darauf folgende  Antworten.  „Wer die Geschichte Europas betrachtet, wird feststellen müssen, dass das prognostizierte Ende immer erst viel später gekommen ist.“ So habe der aus Wien stammende Wirtschaftswissenschafter Friedrich August von Hayek bereits in den 1930er-Jahren das Ende des Kommunismus vorausgesagt. „Es ist aber erst 60 Jahre später eingetreten.“
Den Euro werde es laut Laurenti so lange geben, solange dazu der politische Wille bestehe. In Europa seien die Euro-Befürworter (noch) in der Mehrheit. Der Wille zur politischen Zusammenarbeit sei ebenfalls  stark. „Es gibt in den Krisenländern Griechenland, Italien und Spanien eine Menge Fortschritte, um die Budgetdefizite abzubauen und die Arbeitsmärkte zu reformieren.“ Das seien langfristige Prozesse, denen die USA zu ungeduldig gegenüberstehen würden. In einem Punkt hätten die Amerikaner Recht – nämlich in ihrer Kritik an der Unfinanzierbarkeit des europäischen Sozialstaatsmodells. Selbst der Europäische Zentralbankpräsident Mario Draghi habe eingestanden, dass das alte Modell tot sei.
 Heterogenes BildIn den USA würden die Äußerungen der europäischen Verantwortungsträger genau verfolgt. Diese seien sehr unterschiedlich –  zum Beispiel, ob Griechenland in der Euro-Zone verbleibe oder nicht. Die Finanzmärkte würden entsprechend reagieren. Diese unterschiedlichen Meinungen würden dazu beitragen, dass die Amerikaner ein heterogenes Bild von Europa hätten.
Laurenti ist in Summe optimistisch für Europa. „Am Ende werden sich die USA und auch die Briten täuschen. Den Euro wird es weiter geben.“  Aus drei Gründen: Erstens: Der politische Wille und die Energie zum Erhalt des Euro sei da. Zweitens: Europa könne aus wirtschaftlichen Gründen nicht auf den Euro verzichten. Eine Rückkehr zu den früheren Währungen würde zu einem  großen finanziellen Schaden führen. Drittens: Europa sei bereits viel integrierter und europäischer als man wahrhaben wolle.

Neue Wege für die USA und Europa

Samstag, 01. Dezember 2012

Manchmal fühlt man sich in ein Entwicklungsland versetzt. Viele Brücken sind rostig, Autos  alte Kisten, die Infrastruktur ist veraltet. Obwohl die USA  viele Probleme haben, halten sie wenig von Europa. Ihre Einschätzung, dass das  europäische Sozialmodell  nicht haltbar ist, ist im Grunde richtig. Wenn wir ehrlich  sind, wissen wir, dass Änderungen unabdingbar sind.  Nur: Diese Wahrheit  spricht  kaum jemand  offen aus. Ohne Abstriche und   Eigenleistungen wird es auf Dauer nicht gehen. Der Staat wird langfristig nur mehr eine Grundversorgung bieten können. Die Zeiten, wo er für alles aufkommt, sind vorbei. Die Pensionen werden auch in Zukunft sicher sein. Die Frage ist, wie hoch sie sein werden und ab welchem Alter sie ausbezahlt werden. Die Veränderungen in der Weltwirtschaft durch den Eintritt Osteuropas und Chinas und ihren günstigen Produktionen sind gravierender als wir meinen. Sie erschüttern nicht nur Europas Sozial- und Wirtschaftssysteme, sondern auch jenes der USA und Japans. Die Amerikaner haben mit der Wahl von  Obama klargemacht, dass das Wachstum allen zugutekommen muss, nicht nur den Reichen. Ihr Glaube an den  Traum der Karriere des Tellerwäschers zum Millionär ist erschüttert. Sowohl die USA als auch Europa müssen neue Wege gehen.

Radikale Wende in der Altersvorsorge

Samstag, 01. Dezember 2012

Die Sorge um die Höhe der  Pensionen beginnt die  Politiker umzutreiben. Finanzministerin Maria Fekter hat  im KURIER-Interview eine Verbesserung der 2003 eingeführten Zukunftsvorsorge angekündigt, die von 1,6 Millionen Österreichern abgeschlossen wurde. Sie weiß, dass die  schwachen Renditen und die halbierte staatliche  Prämie nicht ausreichen,  um die   Lücken der geringer werdenden Pensionen  zu füllen.  Der Schweizer Bundesrat Alain Berset will ebenfalls reformieren.  Nach Berechnung der deutschen Regierung wird  2025 der  Durchschnittspensionsbetrag nur noch 46 Prozent des letzten Nettoeinkommens sein.  Wirtschaftsprofessor Laurence Kotlikoff von der Boston University vergleicht das Umlageverfahren der staatlichen Pensionsversicherungen mit einem betrügerischen Schneeballsystem. Das funktioniert bekanntlich nur, solange eine ständig wachsende Zahl neuer Einzahler dafür sorgt, dass die früheren Teilnehmer  ihre versprochenen Zahlungen erhalten. Aufgrund der   Geburtenziffern sinken aber die Einzahler.
Das Ausland zeigt, wie es geht.   In den USA können die  Bürger bis zu 15 Prozent ihres Einkommens unversteuert  in Aktien und Fonds zur Pensionsvorsorge einzahlen. In Frankreich sind es bis zu  132.000 Euro.Schweden und Australien haben die private Vorsorge massiv gefördert. Die Altersvorsorge benötigt eine radikale  Wende.

Idylle St. Peter

Samstag, 27. Oktober 2012

Pure Idylle. So präsentiert sich das Dorf St. Peter bei Linz auf einer Aufnahme aus dem Jahr 1937, die   die Einband-Innenseiten des neuen Buches „Linz-Zeitgeschichte“ ziert. Sonntagnachmittag  fuhren die Linzer nach St. Peter zur Landpartie. Großzügige Gastgärten und Ausflugsgasthäuser  lockten die Städter an. Auf dem Zizlauer Bach wurde mit Zillen gefahren. Die fruchtbaren Böden  zwischen der Traunmündung  und der Donau waren der Gemüsegarten von Linz. Die Standler bezogen von dort ihre Ware.
Keine zwei Monate nach dem Einmarsch der Nazis  wurden am 4. Mai 1938   die Hermann-Göring-Werke   Linz gegründet  und St. Peter wurde niedergewalzt.  Das Dorf stand den Rüstungs- und Kriegsplänen  Hitlers  im Weg, es wurde  von der Landkarte getilgt. Heute ist die voestalpine ein weltweit erfolgreiches Industrieunternehmen.  Vielleicht geht der  Fortschritt einmal so weit,   dass die Produktionshallen inmitten grüner Wiesen stehen und St. Peter zum Teil wiederaufersteht.

Misstrauen gegenüber dem gespag-Vorstand

Samstag, 27. Oktober 2012

Wasser predigen, Wein trinken. Diesen Anschein erweckt die Bestellung eines dritten Vorstands in der landeseigenen Spitalsholding gespag. Während in allen Krankenhäusern  aufgrund der Spitalsreform gespart werden muss, wird die Spitze personell aufgestockt. Kein Wunder, dass die Bediensteten und die Öffentlichkeit kaum Verständnis für diesen Schritt zeigen.
Aufsichtsratsvorsitzender Franz Mittendorfer begründet die Aufstockung mit dem Bedarf an „konsequenten, entscheidungsbefugten Personen“ (Interview Seite 8). Er ist als Eigentümervertreter mit dem Vorstand wesentlich mitverantwortlich, dass die geplanten 2,3 Milliarden Euro tatsächlich eingespart werden.  Auch wenn er dem bisherigen Zweier-Vorstand  gute Arbeit bescheinigt, hat er offensichtlich Zweifel, dass die beiden  das in Zukunft schaffen werden.  Anders ist sein Verlangen nach einem  zusätzlichen Vorstand nicht zu erklären. Es muss hier Schwächen  bei einem oder bei beiden Vorstände  geben, die  bisher  nicht nach außen transportiert worden sind.
Würde es sich  um ein privates Unternehmen handeln, würde  der Vertrag des schwächelnden Vorstands mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht verlängert werden.  Doch    die gespag ist der Verband der Landesspitäler, sie ist also im öffentlichen Besitz. Die Letztentscheidung trifft die Politik.   Die Kriterien politischer Entscheidungen sind andere als die privater Eigentümer. Um den politischen Konsens mit der SPÖ in der wichtigen Frage der Spitalsreform nicht zu gefährden, werden die Verträge der bisherigen Vorstände eben verlängert.   Und ein Dritter wird bestellt, der  die  notwendige Härte und Konsequenz  der Umsetzung der Reform  sichern soll.

Russland serviert heute Wasser statt Wodka

Samstag, 27. Oktober 2012

Kennen Sie Tartastan? Es ist eine russische Vorzeigeregion, beinahe so groß wie Österreich, nahe des Ural gelegen, 1000 km östlich von Moskau. Den Fußballfans ist deren Hauptstadtverein Rubin Kasan ein Begriff, weil er in der Champions League spielt.  Der Regierungschef ist ein junger, smarter Typ mit mongolischem Einschlag,  der in Moskau selbstbewusst  erklärt, wie man mit Industrieparks    Investoren aus aller Welt anzieht.
Russland wirbt  intensiv um westliche Unternehmen. Das bekam auch Landeshauptmann Josef Pühringer bei seinen Treffen mit den   Gouverneuren  zu spüren.  Er wurde sofort um Folgetermine gebeten, damit die Dinge konkret werden. Statt Wodka wurde  Wasser kredenzt. Das moderne Russland ist anders.     Es bemüht sich um Infrastruktur, es bietet gut ausgebildete Leute.  Österreichs Firmen haben  hier beste Chancen, denn wir sind beliebt.
Den Wettbewerb um ausländische Investoren führen nicht nur die Russen, sondern auch die Asiaten und fast alle Regionen der Welt.    Wir müssen aufpassen, dass wir ihn bestehen.   Die üblichen Bundesländervergleiche, bei denen sich Oberösterreich auf die Schulter klopfen kann, sind nur ein Maßstab. Wir müssen im internationalen Wettbewerb bestehen.   Wolfgang Eder, Vorstandsvorsitzender der voestalpine, beklagte am Montag eine  „Kostenstruktur, die eine dauerhafte Fertigung in Europa nicht mehr zulässt. Wenn Europa nicht bald die Kostenbremse zieht, wird es auch für uns eng. Europa hat sich für einen Weg entschieden, der nicht  industriefreundlich ist.“
Ohne Industrie geht es aber nicht. Sie sorgt für Arbeitsplätze und Wohlstand. Hier stehen die nächsten zehn Jahre Hausaufgaben an, die durchaus auch schmerzhaft sein können.

Seelenverwandtschaft

Samstag, 27. Oktober 2012

“Beim Empfang der Deutschen waren auch nicht mehr Gäste“,  staunte der Vertreter der Konrad-Adenauer-Stiftung über den Andrang im Moskauer Hotel Baltschug Kampinski,  das gleich gegenüber dem Roten Platz liegt. Das noble Haus an der Moskwa  wird  von einem Österreicher geführt.  Botschafterin Margot Klestil-Löffler hatte  Mittwochabend zum Nationalfeiertags-Empfang geladen, der von den Oberösterreichern gestaltet wurde (Bericht Seite 9). Die Lieder der Florianer Sängerknaben, das Essen, das Bier und der Wein, die Offenheit  und die Gemütlichkeit eroberten die Herzen der Russen.
Zu den Deutschen schauen  die Russen auf. Sie bewundern ihre Tüchtigkeit und ihre Präzision. Aber emotional stehen sie den Österreichern  näher. Die Ösis finden aus ihrer Sicht die Balance zwischen Ost und West, sie sind nicht so steif, die Russen fühlen sich verstanden. Der Empfang war  Ausdruck der Verbundenheit zwischen der österreichischen und der russischen Seele.

Die Musik spielt in Asien, Europa hingegen jammert

Samstag, 13. Oktober 2012

“Hier spürt man die Dynamik, zu Hause spürt man sie nicht“, sagt Wolfgang Kalt. Er ist Leiter der Lenzing-Niederlassung in Indonesien. Ähnlich empfindet es Rudolf Kern aus Seewalchen, der ebenfalls bei Lenzing in Südostasien arbeitet. „Ich hoffe, dass Europa bald aufwacht. Die Leute hier sind  sehr ambitioniert und bereit, etwas Neues zu lernen.“ Die beiden Österreicher sind fasziniert von der Dynamik der Asiaten und können sich kaum vorstellen, in ihre früheren Bürojobs in der Heimat zurückzukehren. Wer meint,  Europa könnte sich auf den Vorsprung von Wissen und Technologie verlassen, irrt. „Hut ab vor dem, was ich in Asien gesehen habe“, sagt Matthias Ludwig, Leiter des Infineon-Werkes in Malaysia.  7000 Mitarbeiter stellen dort pro Stunde eine Million Chips her.  Asien sei in Forschung und Entwicklung eine ernsthafte  Konkurrenz. Die Infineon-Mitarbeiter, die eine Sechs-Tage-Woche und 48 Stunden Normalarbeitszeit haben, sind hungrig. Manche arbeiten zwei Schichten durch, die Firmenleitung  muss sie bremsen.
Es ist unübersehbar. Asien ist im Aufbruch.  Die Musik spielt nicht mehr bei uns in Europa. Abgesehen von den jeweils mehr als  einer Milliarde Einwohnern in China und Indien, allein Indonesien ist mit einer Bevölkerung von 240 Millionen halb so groß wie die EU. Die Dynamik Asiens ist nicht aufzuhalten. Das Lamentieren in Europa, dass alles schlechter wird, ist unerträglich und bringt uns nicht weiter. Wir müssen die Dinge anpacken, die Probleme lösen, uns der Welt öffnen und die sich bietenden Chancen nutzen. Der Hauptmarkt für die BMW-Motoren aus Steyr ist inzwischen China. Lenzing macht 60 Prozent des Umsatzes in Asien. Wir sollten dort dabei sein, wo die Musik spielt.

Es bleibt nur die Hoffnung auf ein Wunder

Samstag, 13. Oktober 2012

Ein Jubiläum,  bei dem es nichts  zu feiern gibt.  So präsentiert sich der 50. Jahrestag des II. Vatikanischen Konzils(1962-65). Papst Benedikt XVI. rief ein Jahr des Glaubens aus. Doch was heißt glauben? „Die Grundgebärde des Glaubens ist der Aufbruch“, sagte der Hochschulseelsorger Karl Strobl (Seite 5). Doch von Aufbruch weit und breit keine Spur. Im Gegenteil, die römische Kurie rührt seit Jahren Beton an. Besonders seit der Übernahme des Pontifikats durch Johannes Paul II. 1978. Wie ist für engagierte Menschen der Widerspruch erträglich zwischen den Fortschritten in der Welt und dem, was die römische Lehre verkündet?
Wer mit der Kirche nicht durch eine besondere Liebe verbunden ist, müsste sie konsequenterweise verlassen. Das tun auch viele, interessanterweise viele Frauen, die sich der Verweigerung der katholischen Gleichberechtigung und der aufgezwungenen Demutsrolle  verweigern. Jene, die auf Änderungen hoffen, werden sich noch gedulden müssen. Unter dem Pontifikat von Benedikt XVI. wird es keine Reformen  mehr geben. Ob sich die Dinge mit einem neuen Papst zum Positiven wenden, ist angesichts der Zusammensetzung des Kardinalskollegiums zweifelhaft. Es bleibt im Prinzip  das Warten auf Zeichen und Wunder. Man sollte es nicht glauben, aber die gibt es. Wer hätte in den 1980er- Jahren schon erwartet, dass die orthodoxen kommunistischen Systeme und der Eiserne Vorhang so sang- und klanglos zusammenbrechen?
Die vielen Reforminitiativen arbeiten und wirken. Sie haben eine nicht zu unterschätzende Sprengkraft. Sie werden sich früher oder später durchsetzen. Entweder innerhalb oder außerhalb der römisch-katholischen Kirche.

Migrant Arnie

Samstag, 13. Oktober 2012

“Ich habe alle meine Hindernisse zu Vorteilen gemacht.“ Der Auftritt von Arnold Schwarzenegger bei der Frankfurter Buchmesse war eine perfekte Show. Mehr 1000 Besucher stürmten die ARD-Bühne, um Arnies Buchpräsentation „Total Recall – Die wahre Geschichte meines Lebens“ mitzuerleben. Immer wieder nahm er Bezug auf den kleinen Landbuben aus der Steiermark, der es so weit gebracht habe, dass er sogar mit Michail Gorbatschow gefrühstückt habe. Aber es habe nicht nur Siege gegeben, „sondern ich habe Fehler gemacht. Plötzlich war alles aus.“ Aber das Wichtigste sei, dass man „aufsteht und sich abputzt. Jetzt rollt er wieder, der Wagen meines Lebens. Und ich sage euch, er läuft nicht schlecht!“
Was macht der  65-Jährige nun, nach dem Abtritt als Gouverneur von Kalifornien und der Scheidung von seiner Frau Maria Shriver? „Ich rufe die Menschen zu mehr Fitness und Bodybuilding auf. Ich bin immer noch hungrig.“ Aus dem Terminator sei ein Governator und nun ein Educator geworden.   Die Leute jubelten ihm zu.  Wie es ihm tatsächlich geht,  erfuhr man nicht. Der Zuspruch der Fans ist jedenfalls ungebrochen groß, seine Show ist  sehenswert.  Arnie lebt. „I’ll be back!“

Es fehlt uns die Leichtigkeit des Seins

Samstag, 22. September 2012

Auf dem Weg in die Redaktion traf ich einen ehemaligen Journalistenkollegen, der sich mit einer kleinen Mahnung  verabschiedete: „Pass’ auf das Burn-out auf!“ Das Bekenntnis des Grünen Landesrates Rudi Anschober hat  diese  moderne Zivilisationskrankheit neuerlich bewusst gemacht.  Es ist überraschend, dass doch  einige  Menschen, die  einem als  fleißig, tüchtig, engagiert, vorbildlich und stark erscheinen,  davon betroffen sind.
Es ist eine Binsenweisheit, dass der Druck auf alle  gestiegen  ist. Dieser beginnt teilweise bereits im Kindergarten und in der Volksschule, weil hier bereits erste Weichen für die spätere Karriere gelegt werden.  Der Ausleseprozess setzt sich  an den   Neuen Mittelschulen, den   Gymnasien und an den Universitäten fort.  Die Erwartungshaltungen  an den Arbeitsplätzen sind  gestiegen.  Die   Arbeitnehmer  sollen  in kürzerer Zeit noch mehr leisten und bessere Qualität abliefern.  
Überstunden ohne  zusätzliches Entgelt  sind vielerorts  Praxis.  Das Handy und  das Internet  machen eine  Verfügbarkeit rund um die Uhr und auch am Wochenende möglich.

Es steigt  nicht nur der Druck  in der Arbeitswelt, sondern auch       im Privaten. Der Mensch soll auch hier perfekt sein. Als Partner, als Vater oder Mutter. Die Kinder sollen optimal erzogen werden, die Frau bzw. der Mann  sollen wunderbare Liebhaber sein und gleichzeitig den Müll entsorgen und die Wäsche  bügeln. Sowohl im Beruflichen als auch im Privaten ist das Umfeld unsicher geworden. Obwohl man das Beste gibt, wird man gekündigt bzw. der Partner verlässt einen, weil er einen vermutlich  Besseren gefunden hat.
Diese Unsicherheiten ängstigen die Menschen.  Sie und das  Streben nach Perfektion lassen uns verkrampfen, die Lockerheit des Lebens und die Leichtigkeit des Seins gehen verloren.  Gerade im Scheitern machen wir aber die Erfahrung, dass es weitergeht, manchmal sogar besser als vorher.  Wie der Bad Ischler Weltenwanderer Gregor Sieböck in seinem neuen Büchlein “Lebe.Jetzt!” schreibt: „Wir werden täglich vom Netz des Lebens getragen. Dies in Dankbarkeit zu erkennen, befreit uns von Angst und schafft Lebensfreude.“

Scharingers Tanz auf drei Kirtagen

Samstag, 08. September 2012

Ludwig Scharinger ist wieder da.  Der Hobby-Trompeter und abgetretene Generaldirektor der Raiffeisen-Landesbank (RLB) tanzt   auf drei Kirtagen. Er vertritt die Stadt Linz im Kompromissverfahren um den Swap mit der Bawag, er sitzt im Aufsichtsrat der ÖBB und er ist Vorsitzender der österreich-russischen Freundschaftsgesellschaft.
Bei all diesen Tätigkeiten hat er den Sanktus der RLB-Spitze. Aus den Bankgeschäften hält er sich wohlweislich raus, denn es ist klar, dass Heinz Schaller der Chef ist.  Äußert  er Wünsche  gegenüber den Mitarbeitern, gehen diese zuerst zu  Schaller fragen, ob er dem zustimmt.  Zwar haben   manche Kommentatoren gemeint,  Scharinger werde nicht aufhören können, den Boss zu spielen, doch sie wurden eines Besseren belehrt.  Er  hielt sich  das vergangenen halbe Jahr seit seinem Abgang Ende März zurück. Dazu trug  auch bei, dass sowohl Präsident Jakob Auer als auch Schaller  von Anfang an klar machten, wer nun der Chef ist.
Scharinger, der demnächst seinen 70er  feiert,  hat große Pläne.   Vergangenen Mittwoch war der Generaldirektor der russischen Eisenbahnen zu einem Vortrag in Wien.  Scharinger erzählt von Überlegungen,  die russische Breitspur  vom ostslowakischen Kosice  bis nach Wien zu verlängern und  hier  ein Umlade- und Logistikzentrum  zu errichten.  Zuvor stehen aber  noch andere, viel banalere  und  unangenehme  Aufgaben an. Was passiert mit den  vier Regionalbahnen    wie der Mühlkreisbahn oder der  Almbahn, die die ÖBB zusperren will? Der Anreiter Scharinger vertritt hier jedenfalls die Ansichten seines Unternehmens, was Landeshauptmann Josef Pühringer nicht so gefällt.
Die Russen sind Scharingers Freunde, die Amerikaner sein Feindbild. Dass Wladimir Putin mit der   Demokratie Probleme hat, stört ihn nicht. Es geht ihm um Geschäfte.  
In der Swap-Affäre der Stadt Linz hat es Scharinger nicht nur mit der Bawag zu tun, sondern auch mit   VP-Chef Erich Watzl.  Er  bearbeitet den   Linzer Vizebürgermeister, doch auf eine gemeinsame Linie mit der SPÖ einzuschwenken. Doch Watzl widersetzt sich beharrlich Scharingers Bemühen. Er verweist auf die politische Verantwortung der Linzer SPÖ-Spitze und sieht darin  ein Hauptthema für die Wahlauseinandersetzung  2015.
 Ob es einen Kompromiss in der Swap-Affäre geben wird, ist völlig offen. Ein ranghoher Linzer Finanzverantwortlicher bewertet  eine 50:50-Lösung als inakzeptabel für die Stadt. Bei einer Streitsumme von 421 Millionen Euro wäre das immerhin ein Brocken von 210 Millionen. Linz, so meint der Experte  könnte wohl nur einer 80:20-Entscheidung zustimmen. Eine Hürde, die selbst  Scharinger nur schwer wird überspringen  können.

Ich bin ein Rechtsbrecher

Samstag, 01. September 2012

Ich gestehe,  ich bin ein notorischer Rechtsbrecher. Jeden Sonntagmorgen pendle ich zum Linzer Hauptbahnhof, um mir  Zeitungen zu kaufen.  Gott sei Dank haben dort die Geschäfte geöffnet. Es herrscht stets Hochbetrieb, vor dem Bahnhof findet man kaum einen Parkplatz. Wenn ich wieder von dannen ziehe, muss ich durch jene Unterführung, in der auch der Busbahnhof stationiert ist. Dort darf man nur 10 km/h fahren, die Höchstgeschwindigkeit  ist mehrfach auf den Asphalt gesprayt. Ich versuche, diese einzuhalten, doch ich musste feststellen, dass das nicht möglich ist. Mein Wagen hat Automatik und er fährt – ohne Gas zu geben – 14 km/h. Wenn ich die Toleranzgrenze von 10 km/h für mich beanspruche  und annehme, dass mein Wagen die Geschwindigkeit um 10 Prozent zu hoch anzeigt, bin ich mit 14 km/h immer noch zu schnell. Also wäre eine polizeiliche Bestrafung angebracht. Mein ganzes Bemühen ist umsonst.  Ich bin ein Rechtsbrecher. Eine andere Variante wäre, einhaltbare Vorschriften zu erlassen.

Das Ausbildungssystem ist unzureichend

Samstag, 25. August 2012

Auch diese Woche wurde wieder einmal   darüber diskutiert, ob Österreichs Bildungssystem an einer gemeinsamen Schule für alle 10- bis 14-Jährigen genesen soll. Der gelernte Polizist und nunmehrige Tiroler Landeshauptmann Günther Platter, der erst kürzlich seine Vokabelkenntnisse gegenüber   dem Teamspieler David Alaba unter Beweis gestellt  hat („How do you do?“), tat kund,  er sei dafür.  Platters Wortmeldungen  werden  offensichtlich für so bedeutend  gehalten, dass sich in der ÖVP niemand dazu äußert.
Tatsächlich ist die Frage der Gesamtschule eine zweitrangige. Wenn der uns im Schulunterricht  eingetrichterte Satz „Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir“ stimmt,  dann produziert das Bildungssystem am Leben vorbei. Denn die Wirtschaft bräuchte zum Beispiel Lehrlinge, die lesen, rechnen und schreiben können. Unsere exportorientierten Betriebe benötigten  viel mehr HTL-Abgänger und Fachhochschul- und Uni-Absolventen  von technischen und naturwissenschaftlichen Studienrichtungen. Ihr Fehlen beeinträchtigt bereits das Wirtschaftswachstum, das wir in Zeiten überbordender Staatsschulden wie einen Bissen Brot  benötigen.
Oberösterreich  ist zwar beim Wirtschaftswachstum  und bei der Arbeitslosenrate  bundesweit Spitze,  aber in der Ausbildung  schauen wir nicht gut  aus.  Beim Anteil der Lehrlinge an den 15- bis 19-Jährigen sind  wir  Dritter.  Bei der Reifeprüfungsquote liegen wir am fünften Rang, beim Anteil der Schüler  an der AHS sind wir nur Sechster. Bei der Studierendenquote (Unis  & Fachhochschulen)      gar nur Siebenter. Dieses Ausbildungszeugnis bewegt sich zwischen  Genügend und  Nicht genügend. Es ist schön, dass sich Oberösterreich um eine Medizin-Uni bemüht.  Aber wir  haben  auch ein Pflichtenheft  zu erledigen.  Die Ausbildungsmöglichkeiten  reichen nicht aus.   Wir brauchen mehr HTL,  mehr Fachhochschulen und  mehr technische  Studienrichtungen.  Der vierprozentige Anteil Oberösterreichs am gesamtösterreichischen Universitätsbudget ist ein Skandal.
 Ausbildung sichert die Zukunft.  Gerade ein so stark exportorientiertes Land wie   unseres   hat hier  nicht genügend vorgesorgt.

Litzlberg-Stars

Samstag, 25. August 2012

Mädchen  und Burschen, Frauen und  Männer plätschern im Attersee beim öffentlichen Badeplatz Litzlberg in Seewalchen. Manche tragen sogar beim Schwimmen Sonnenbrillen. Wie Enten recken sie ihre Köpfe   in die Höhe, damit ihre Gesichter nicht nass werden. Dabei taucht man selbst bei korrektem   Brustschwimmen das Köpfchen unter Wasser. Aber das wollen diese bebrillten ländlichen Pin-ups nicht.  Möglicherweise fühlen sie sich wie die Hollywoodstars  an den Pools der Luxushotels in Beverly Hills. Fred Astaire, Liz Taylor, Katharine Hepburn, James Stewart, Rex Harrison, Cary Grant, Ingrid Bergman, die Beatles, Marlene Dietrich –  obwohl sie    in ihren Villen über Pools verfügten, kamen sie in die  Hotels, um ein paar Bahnen zu schwimmen, in der Sonne zu liegen oder um Drehbücher zu lesen.  Raquel Welch startete ihre Karriere, indem sie mit ihrem beinahe nackten Körper am Pool posierte. Leider sind  wir nicht in Los Angeles, sondern  in Litzlberg und  somit  werden die bebrillten Schwimmer  Litzlberg-Stars bleiben.

Freude an der Bewegung ist ein Schatz fürs ganze Leben

Samstag, 18. August 2012

Ramon Martinez, Facharzt  für Innere Medizin und Kardiologe, bringt die Sache  im Vorwort seines neuen Buches „Cholesterin selbst senken in zehn Wochen“ auf den Punkt.  Während früher die Menschen viel Bewegung und wenig  Nahrung  hatten, ist es heute umgekehrt.  Wir verfügen über viel Nahrung und wenig Bewegung.
Die Niederlage Österreichs mit null Medaillen bei den Olympischen Spielen in London hat  eine  Diskussion ausgelöst. Von verschiedenen Vertretern wurde die Forderung  nach einer  täglichen Turnstunde erhoben. Ob diese Maßnahme Österreich in Zukunft tatsächlich einen Medaillenregen beschert, wird sich weisen. Aber inhaltlich ist sie aus anderen Gründen richtig und wichtig. In Oberösterreich sind 20 Prozent der Kinder im Pflichtschulalter von sechs bis 14 Jahren übergewichtig. 22 Prozent  weisen Schwächen im Bewegungsapparat auf.   An normalen Tagen sitzen sie 2,3 Stunden vor dem Fernseher, wenn schulfrei ist, gar 3,3 Stunden. Pro Tag verbringen sie 1,4 Stunden mit Computerspielen, an schulfreien Tagen 2,3 Stunden.
Der Befund ist katastrophal. Wenn Kinder schon übergewichtig sind, wie  werden sie erst im Alter von 40, 50 Jahren aussehen? Es erwartet sie eine deutliche Minderung der Lebensqualität, die Krankenkassen eine enorme finanzielle Belastung.

Gesteigertes Wohlbefinden

Wie kann man gegensteuern? Während die Kinder früher teilweise kilometerlange Märsche zur Schule zurückzulegen hatten, werden sie heute transportiert.  Um  eine Verhaltensänderung zu erreichen,  führt kein Weg an der täglichen Turnstunde vorbei. Sie bedeutet  nicht Vorbereitung für den Hochleistungssport, sondern Bewegung.  Gemeinschaftsspiele wie Völkerball lösen auch heute noch  bei den Kindern und Jugendlichen  Begeisterung aus. Entscheidend  ist die Vermittlung  der Freude  an der Bewegung. 
Wie wichtig Sport  für das gesamte Leben ist, belegen zum Beispiel die neuen Forschungsergebnisse zu Alzheimer, an dem jeder Dritte über  90 Jahren erkrankt.   Die bisher einzig bekannte wirksame Vorbeugung ist Bewegung.    Man sollte es nicht glauben.
Bewegung    führt nicht nur zu körperlicher Fitness,  sondern  sie verbessert auch die geistig-mentale Verfassung und das psychische Wohlbefinden.  Gelingt diese Vermittlung , so   erhalten die Kinder einen Schatz, von dem sie das ganze Leben zehren.

Verhaltensoriginell

Samstag, 18. August 2012

Für schulische Problemkinder wurde ein neuer Begriff erfunden. Sprach man bis vor kurzem von verhaltensauffälligen Kindern, so werden sie nun als verhaltensoriginell bezeichnet. Auf die Frage, was denn das bedeute,  meinte Landesschulratspräsident Fritz Enzenhofer: „Früher sagte man Gretz’n dazu.“
Setzte es zu meiner Schulzeit vor 40 Jahren bei    Fehlverhalten manchesmal eine Kopfnuss, so wird heute offensichtlich Schülern über den Kopf gestreichelt, damit aus dem originellen Haupt möglicherweise  ein Genieblitz entspringe. Wir dürften  damit einer glänzenden Zukunft entgegengehen, denn  die Verhaltensoriginellen werden immer mehr.
Vermutlich werden sich die Griechen, die auf Kosten vieler europäischer  Steuerzahler leben, auch bald   nicht mehr als Schuldner, sondern als  Verhaltensoriginelle definieren. Schließlich haben sie sowohl die Komödie als auch die Tragödie erfunden. Am Ende des Theaters steht aber die Demaskierung an.

Beschneidung: Das Wohl des Kindes geht bevor

Dienstag, 14. August 2012

„Die Religionsfreiheit ist in Gefahr.“ Mit diesen Worten marschierten kürzlich die Vertreter verschiedener Religionsgemeinschaften bei einer Pressekonferenz zur Verteidigung der Beschneidung auf. Oskar Deutsch, der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, meinte sogar, ohne Beschneidung wäre es Juden und Moslems nicht mehr möglich, in Österreich zu leben. Ein Verbot würde einer „geistigen Vertreibung“ nahekommen.

Harsche Worte in einer Diskussion, die durch die Urteilsbegründung des Kölner Landgerichts ausgelöst wurde. Warum wird so hart reagiert, obwohl eigentlich nicht wirklich etwas passiert ist? Die Religionsgemeinschaften fühlen sich offensichtlich zutiefst getroffen, anders ist die Schärfe ihrer Reaktion nicht zu erklären. Geht man der Sache näher auf den Grund, so ist sie jedenfalls nicht so klar, wie die religiösen Funktionäre sie sehen. Die Beschneidung ist eindeutig ein Eingriff in das Recht auf körperliche Unversehrtheit des Kindes. Diese hat einen ganz hohen Stellenwert in der Verfassung. Der Linzer Universitätsprofessor Bruno Binder sagt dazu: „Dass sich Menschen aus religiösen Gründen selbst etwas antun, das mag sein. Dass man das aber Kindern antut und Eltern die Macht gibt, dies aus religiösen Gründen zu tun, das scheint mir doch ein sehr weitgehender Eingriff zu sein. Kinder haben ja keine Wahl.“

Bei der Beschneidung kollidieren zwei Grundrechte. Jenes auf körperliche Unversehrtheit mit dem Recht auf Freiheit der Religionsausübung. Bis dato wurde die Beschneidung als Teil der Religionsfreiheit verstanden. Die jahrhundertelange bzw. jahrtausendelange religiösen Tradition haben das so vorgesehen. Religionsgemeinschaften und ihre Regeln sind aber keine starren Gebilde, sondern sie entwickeln sich im Laufe der Zeit meist langsam, aber doch weiter. Deshalb sollten sich die Hüter der Traditionen überlegen, ob die Beschneidung nicht erst zu einem späteren Zeitpunkt, nämlich mit Erreichen der Volljährigkeit, vollzogen wird. Professor Binder hat völlig Recht, wenn er meint: „Die Religionen verlangen vom liberalen Rechtsstaat immer sehr viel Verständnis. Der liberale Rechtsstaat hat es und soll es auch haben. Es erscheint mir doch ein sehr wichtiger Teil des Rechtsstaates zu sein, dass wir Kinder nicht einer körperlichen Verstümmelung aussetzen.“

Arbeitgeber und Arbeitnehmer müssen sich anpassen

Dienstag, 14. August 2012

Realität und Wunschbild klaffen  auseinander. Auf der einen Seite sollten die Menschen erst mit 65 Jahren in Pension gehen, auf der anderen Seite liegt das  tatsächliche Pensionsalter noch immer unter 60.  Die Wirtschaft beklagt  einen Mangel an Facharbeitern,   aber über 50-Jährige sind auf dem Arbeitsmarkt faktisch nicht vermittelbar.
Bisher wurden ältere Arbeitnehmer ohne Chance auf einen neuen Job über die Invaliditätspension abgefangen. Die Verschärfungen schließen nun diese Möglichkeit. Sie erzwingen neue Lösungen, die von allen Beteiligten eine Änderung ihres Verhaltens einfordern.
Es kann nicht sein, dass die Unternehmen ihre älteren Mitarbeiter möglichst schnell in die Pension schicken. Umgekehrt kann man es den Firmen nicht verübeln, dass sie zum 30-Jährigen greifen, der genauso gut ausgebildet ist wie der 60-Jährige, der aber doppelt so teuer ist. Es ist konsequent,  wenn Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl eine Abflachung der Lohnkurve vorschlägt. Die Jungen sollen mehr verdienen, die Älteren weniger.
Für die Arbeitnehmer ist die längere Lebensarbeitszeit eine große Herausforderung. Denn sie müssen dazu körperlich in der Lage sein. Das setzt Gesundheit und eine gewisse Fitness voraus. Die Realität spricht aber eine andere Sprache. Der Bevölkerungsanteil der Übergewichtigen hat von 25 auf 38 Prozent zugenommen,  Blutzucker (Diabetes) ist rasant im Steigen.
Zur körperlichen Fitness kommt die geistige. Der technische Fortschritt bedingt eine Weiterentwicklung des Wissens.    Dauernde  Fortbildung  ist Standard.  Wir werden auch nicht das ganze Leben denselben Beruf ausüben können.   So kann man wohl schwer 50 Jahre lang als Dachdecker oder als Schwerarbeiter am Hochofen zubringen. Die Veränderungen  werden uns zwingen, neue Beruf zu erlernen.
Ältere Arbeitnehmer bedürfen des Schutzes. Da sie in der Regel Familie haben, sind sie nicht mehr so mobil wie die jungen Ungebundenen. Sie können auch nicht von 1000 Euro brutto leben, denn ihre Gage wird der Pensionsberechnung zugrunde gelegt. Und körperlich sind sie  nicht mehr so belastbar wie ein 30-jähriger Spring-ins-Feld. Dafür verfügen sie über andere Stärken wie zum Beispiel ihre Erfahrung. Und für jene, die trotz aller Bemühungen nicht mehr vermittelbar sind, wird  ein zweiter, geschützter Arbeitsmarkt notwendig.
Wir alle, Arbeitgeber wie Arbeitnehmer, müssen uns an die neuen Verhältnisse anpassen.

Regulierungswut

Dienstag, 14. August 2012

Die Regulierungswut ist manchmal grenzenlos. Ein Beispiel gefällig? Seit Kurzem prangt   auf der Freistädterstraße B 125 am Stadtende von Linz eine neue Tafel mit einer 60 km/h-Begrenzung. Dabei ist das Straßenstück, beginnend an der Ortsende-Tafel von Linz bis zum Ortsschild Plesching, lediglich 400 Meter kurz. Es handelt sich beileibe nicht um ein gerades Straßenstück, sondern sie ist kurvig. Das heißt, man kann dort wegen der reduzierten Sicht nicht wirklich beschleunigen.
 Dies ist  kein Einzelfall. Überall im Land wachsen  Geschwindigkeitsbeschränkungen wie die Schwammerln aus dem Boden. Ist nur ein Lkw unterwegs, kann er meist nicht mehr überholt werden, ständig  bildet sich Kolonnenverkehr. Dass sie damit den Verkehrsfluss massiv stören,  interessiert Politiker und  Beamte offensichtlich wenig. Ständig neue Vorschriften. Der freie Bürger, begabt  mit eigenverantwortlichem Handeln und Hausverstand, ist ein Fremdwort. Manchmal hat man das Gefühl, dass man zum völligen Trottel erklärt wird.

Josef Pühringer soll 2015 nochmals antreten

Dienstag, 14. August 2012

Was wird Josef Pühringer machen? Wird er 2015 ein viertes Mal als Landeshauptmann antreten?  Die Hälfte der sechsjährigen Legislaturperiode ist im Herbst  erreicht, die Landtagswahl wirft ihre Schatten voraus. Denn es müssen die personellen Weichenstellungen getroffen werden, die Spitzenkandidaten der Parteien sollen marketing- und bekanntheitsmäßig aufgebaut werden, damit ein erfolgreiches  Abschneiden möglich ist.

Entholzer SP-Favorit Als ziemlich gesichert gilt das Antreten von Manfred Haimbuchner für die Freiheitlichen und von Rudi Anschober bei den Grünen. Es gibt zu beiden keine  ernsthaften  Alternativen. Die SPÖ ist noch auf der Suche nach einem Nachfolger von Josef Ackerl. Landesrat Reinhold Entholzer gilt als Favorit. Mit seiner Aussage, eine Koalition mit den Freiheitlichen nicht auszuschließen, hat er jedoch innerparteiliche Kritik auf sich gezogen. Klubobfrau Gerti Jahn hat auch ihre Unterstützer, wie das Interview von  Nationalratspräsidentin Barbara Prammer (Interview Seite 3) belegt.
Landeshauptmannstellvertreter Franz Hiesl hat nun erstmals öffentlich kundgetan, was bei den Bürgermeistern, Funktionären und Mitarbeitern gängige Meinung ist. Josef Pühringer, im Herbst   63, sollte  nochmals als ÖVP-Spitzenkandidat in die Landtagswahl 2015 gehen.   Diese Position  fußt auf  zwei Begründungen. Pühringer sei ungebrochen fleißig und erfolgreich, es sei ihm nach wie vor lustig. Weiters sei kein/e klare/r Nachfolger/in in Sicht.

Pühringer entscheidet Ende 2013 Der Landeshauptmann hält sich  bedeckt. Er will Ende 2013/Anfang 2014 entscheiden, ob er nochmals kandidiert. Er wartet den Wahlausgang in Niederösterreich ab. Dort tritt Erwin Pröll zum vierten Mal an. Und er will sich das Ergebnis der Nationalratswahl im Herbst 2013 und die damit verbundene Regierungsbildung  ansehen.
Pühringer beobachtet derzeit sehr genau die Reaktionen auf eine eventuelle neuerliche Kandidatur. Schlägt ihm Widerstand und Kritik entgegen, wird er es sein lassen. Er ist in einer günstigen Position, denn er muss  nichts mehr beweisen.  Er hat 2009 mit 47 Prozent ein Ergebnis erzielt, das sich nur schwer wiederholen lassen wird. Aber die Partei muss  über eine Wiederkandidatur froh sein. Denn noch immer  bringt Pühringer die meisten Stimmen.   Er ist die unbestrittene Nummer eins.

Die Autos schieben

Dienstag, 14. August 2012

D ie  Grüne Verkehrssprecherin Ulrike Schwarz hat ihren Vorschlag , im Ortsgebiet die  generelle Höchstgeschwindigkeit von 50 auf 30 km/h zu reduzieren, nicht  vollständig durchargumentiert.  Denn man könnte damit nicht nur  die Unfallzahlen reduzieren,  sondern die 30 km/h  auch als Maßnahme  zur  Bekämpfung der  zunehmenden Fettleibigkeit und des Blutzuckers nutzen.  Indem die Autofahrer unter  Mithilfe der Passanten  ihre Blechkisten  einfach schieben.  Es würde sich alles  in Wohlgefallen lösen. Es gäbe   kaum mehr Unfälle, keinen Lärm, keine Abgase und  es wäre ein Beitrag zur Volksgesundheit. Warum sind wir nicht schon früher auf diese geniale Idee gekommen?
Die 30 km/h müssten konsequenterweise auch für die Radfahrer  und die öffentlichen Verkehrsmittel gelten.  Das wäre  echte Entschleunigung. Die Mühlviertler Pendler werden  den Vorstoß ihrer  Rohrbacher Abgeordneten schätzen.  Sie brauchen sich in Zukunft nicht mehr so   hetzen. Schwarz sei  Dank!

Mit Konflikten in die Sommerpause

Samstag, 28. Juli 2012

Oberösterreichs Großparteien ÖVP und SPÖ sind von  einem Konflikt durchzogen. Der neue Landesrat Reinhold Entholzer  hat mit seiner Offenheit gegenüber den Freiheitlichen  ein Thema aktualisiert, das die Sozialdemokraten mit regelmäßiger Wiederkehr  beschäftigt: Wie halten wir es mit der FPÖ?  Die Linken  lehnen eine  Koalition  kategorisch ab. Entholzer, der die Führung in der Landes-SP übernehmen will und wahrscheinlich auch übernehmen wird,  sagt, er habe als Gewerkschafter  keine schlechten Erfahrung mit den freiheitlichen     Arbeitnehmervertretern gemacht. Deshalb  könne er eine Koalition auch nicht ausschließen. Wie immer die  Landtagswahl 2015 ausgehen wird, er hat die Tür  gegenüber der FPÖ geöffnet und damit den politischen Spielraum seiner Partei erweitert.

Die Landes-ÖVP  beschäftigt ein personeller Konflikt. Wirtschaftsbundobmann Christoph Leitl und   Wirtschaftslandesrat Viktor Sigl  wehren sich energisch gegen einen Wechsel Sigls  in die Position des  Landtagspräsidenten. Sie dementieren, dass es nach der Wahl 2009  eine Vereinbarung mit Landesparteiobmann Josef Pühringer  gegeben habe, wonach dieser Wechsel  zur Hälfte der Periode 2012  über die Bühne gehe.  Pühringer  möchte Landesparteisekretär Michael Strugl   zum neuen Landesrat  küren,  unter anderem in Anerkennung  der drei Wahlkämpfe, die Strugl  für ihn konzipiert  hat. Strugl hat  bereits öffentlich erklärt, dass er für den Wahlkampf 2015 nicht mehr zur Verfügung stehe.        Die Frage ist nun, wer stärker ist: Pühringer oder Leitl? Pühringer ist für die Landesregierung verantwortlich. Gleichzeitig ist es Tradition, dass der Wirtschaftslandesrat aus dem Wirtschaftsbund kommt. Und Sigl leistet gute Arbeit. Erschwerend kommt dazu, dass das Verhältnis zwischen Pühringer und Leitl  ein sensibles ist, das unter anderem aus den Jahren herrührt, als beide  Interesse für die Nachfolge von Josef Ratzenböck als Landeshauptmann zeigten.   
Pühringer haut selten mit der Faust auf den Tisch. Er vermeidet offene Konfrontationen. Aber die Frage bedarf einer Lösung, denn sie beschäftigt  Medien und Partei. Strugl muss warten und warten. In der Volkspartei hat  es Tradition, dass die Parteisekretäre in die Regierung aufsteigen. Siehe Erwin Wenzl, Josef Ratzenböck, Josef Pühringer und Franz Hiesl. Pühringer braucht  eine Lösung. Die Zeit heilt  die Frage nicht.

Der Turnador

Samstag, 28. Juli 2012

Fitnesscenter sind   Tempel für den Körper.  Aber auch der Geist und die Seele sollen sich erholen. Wellness,  also Wohlfühlen wird verkauft. Die gelebte Praxis ist etwas differenzierter. Flimmerkisten  hängen reihenweise in den Räumen mit den Laufbändern, Cross- und Radtrainern. Aus den Lautsprechern dringt musikalische  Dauerberieselung. Ist im Swimmingpool Aquafitness angesagt, drehen die Vorturnerinnen die Musik derart laut, dass sie die Bänke in  der Sauna erbeben lässt.  Dann  noch die Reinigungsdamen mit ihren fahrbaren Putzgeräten, die lärmmäßig  Höllenmaschinen gleichen. Sie heißen wohl nicht zufällig  „Turnador“. Es wird  im Fitnesscenter nicht nur der Körper gepeinigt, sondern auch Geist und Seele. Wohlfühlen ist etwas anderes.

Schluss mit den exzessiven Besäufnissen

Samstag, 21. Juli 2012

Ein Jugendlicher springt im Vollrausch vom Party-Schiff in die Donau und ertrinkt. Ein anderer fährt ein junges Paar nieder, der Bursch stirbt. Jedes Wochenende muss das Rote Kreuz zu Einsätze ausfahren, um jugendliche Alkoholleichen in die Spitäler einzuliefern. Für die Kosten dürfen die Einzahler in die Sozialversicherungskassen aufkommen. Also wir alle.
Gesoffen und gekotzt wurde früher auch, vornehmlich Bier und Wein, manchmal auch Schnaps. Doch heute „schneiden“ sich nicht wenige Jugendliche mit Hochprozentigem wie Wodka regelrecht um. Sie wissen dann nicht mehr, was sie tun. Angesichts der zunehmenden Exzesse  ist es nur konsequent, wenn Landeshauptmannstellvertreter Josef Ackerl als verantwortlicher politischer Referent eine  Alkoholobergrenze von  0,5 Promille  für Jugendliche von 16 bis 18 Jahren einführen will.   Dass dies ein richtiger Schritt ist, zeigen die Erfahrungen in Kärnten. Seit der Einführung der Maßnahme  ist die Zahl der sinnlosen  Besäufnisse zurückgegangen.
Der Aufschrei gegen Ackerls Vorstoß ist groß. Doch jene, die dagegen protestieren wie zum Beispiel die Jugendorganisationen, sind bisher den Beweis schuldig geblieben, dass ihre Appelle gefruchtet hätten. Nur dagegen zu sein, ist zu wenig. Dass Alkoholverbote  mit Androhung entsprechender Konsequenzen wirken, zeigt jenes für Fahranfänger.  Auch wenn die Mitfahrer oft sternhagelvoll sind, der Chauffeur, der eben den Führerschein gemacht hat, ist nüchtern.
 Es werden gesellschaftlich zunehmend Stimmen laut, die dem Staat zu viele Eingriffe  in das Leben des Einzelnen vorwerfen.  So  argumentiert  Christian Ortner von „ortneronline“. Das Zentralorgan des Neoliberalismus“,   der Bürger  habe das Recht, vom Staat in Ruhe gelassen zu werden.   Natürlich steht jedem das Recht zu, sich so zu betrinken, wie er will. Das gilt auch für Jugendliche. Aber wenn sie  ungewollt ihr eigenes wie auch das Leben anderer gefährden, ist Schluss mit lustig.

Sommerfreuden

Samstag, 21. Juli 2012

Der Sommer bietet so manche Freuden. Die Damen  tragen gern kurze Röcke und Kleider, sie zeigen Bein. Damit richten sich  die  Blicke der Männer noch intensiver auf sie. Dabei ist eines  zu beobachten.  Kommen sie  zum Beispiel auf einer  Kreuzung zu stehen, ziehen sie  sich gerne  den  Mini mit beiden Händen nach unten.  Warum?,   frägt  die Logik der Männer. Wenn  man schon bewusst kurz  trägt, warum wollen  die Damen  ihr   Röckchen nach unten verlängern? Sie wollen doch    ihre Schönheiten präsentieren. Ihre pragmatische Antwort: Weil es beim Gehen den Rock bzw. das Kleid nach oben zieht und das könnte dann doch zu viel des Guten sein.
Für Männer geziemt es sich nicht, mit Shorts und Ruderleiberl durch die Gegend zu laufen.  Außer am Strand. Bei ihnen  ist das Gegenteil zur Damenwelt der Fall. Sie versuchen  ihre Hose nach oben zu ziehen, wenn diese über den Bauch nach unten gerutscht ist.  Das Match Damenbeine gegen Bierbäuche  endet  wohl eindeutig zugunsten des weiblichen Geschlechts.

Der Papst und die Kurie versagen in ihren Führungsaufgaben

Samstag, 14. Juli 2012

Was funktioniert eigentlich im Vatikan? Der Leiter der Vatikanbank wurde abberufen, der Kammerdiener des Papstes verhaftet, monatelang gingen persönliche Briefe und Dokumente von Benedikt XVI. an die Medien.  Beim Konzert von  Daniel Barenboim  im Hof  der Sommerresidenz Castel Gandolfo  am Mittwoch verdeckte ein großes schwarzes Quadrat ganz oder teilweise das Gesicht des Papstes auf dem Großbildschirm. „Benedikt wandelte sich zur tagischen Figur ohne Gesicht, ohne dass ihm jemand zur Seite sprang.  Seine gesamte Rede nach dem Konzert musste der Papst in diesem misslichen, halbgeschwärzten Zustand halten.  Das ist eigentlch ein unglaublicher Vorgang, zumal er von den Verantwortlichen  mit Schweigen übergangen wurde“, schreibt  Christian Geyer in der  renommierten „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. „Es passt ins Bild einer liederlich agierenden Hofmaschinerie, dass hinter den geschlossenen Fensterläden zum Publikum hin während des Konzert laut geschwatzt wurde, als gingen den Rest des Papstes die Gäste des Hausherrn nichts an. “ Und: „Ein besonders exponiert stehender Sicherheitsmann gähnte für alle sichtbar immer wieder ins kulturelle Ereignis hinein.“ 

Bischof wünschte sich Rücktritt

Alles andere als zum Gähnen zumute ist Bert Brandstetter, dem Präsident der Katholischen Aktion der Diözese Linz. „Wenn Sie den Rücktritt einreichen, werde ich ihn annehmen“, fauchte der sonst so ruhige Bischof Ludwig Schwarz. Was brachte das Blut seiner Exzellenz so in Wallung? In einer Presseaussendung  solidarisierte sich die Katholische Aktion mit den Forderungen  der Kirchenreformbewegungen. Sie will priesterliche Kompetenzen für die Laien. Was für Schwarz „theologisch nicht vertretbar“ ist. Theologie hin oder her, es ist eine Tatsache, dass immer mehr Gemeinden  ohne Pfarrer dastehen und überlegt werden muss, wie das Pfarrleben auch ohne priesterliche Stehkrägen funktionieren kann.  Brandstetter: „Entweder öffnet die Kirche den Zugang zum Priesteramt, zum Beispiel durch die Aufhebung des Zölibats, oder sie gibt Laien mehr Kompetenzen. Zu beidem Nein zu sagen, gefährdet die Seelsorge.“ Morgen, Montag, erhät der Bischof einen Brief Brandstetters mit diesem Inhalt.

Bischöfe in der Zwickmühle

Die Bischöfe sind in der Zwickmühle: Zwischen dem Vatikan und der Basis, die  Reformen fordert. Doch der Papst und Rom kommen ihren Führungsaufgaben nicht nach. Sie verweigern sich den Entwicklungen  und den neuen Realitäten. Sie  bevorzugen es, in der  Vergangenheit zu leben, als alle katholisch waren und  brav in die Sonntagsmesse pilgerten.

Liebe, die anspringt

Samstag, 14. Juli 2012

Das, was ich schon oft  befürchtet habe, ist eingetreten. Ein  Hund hat kürzlich in der Linzer Altstadt einem Mann einen Teil seines besten Stückes abgebissen. Das mag für Schmunzeln sorgen, für den Betroffenen ist es  aber nur bedingt lustig. Er  ist seine Vorhaut los,  sein Paradestück   durchlöchert.
 Im Grunde genommen bin ich ein Tierliebhaber. Diese Zuneigung hat aber ihre Grenzen. Nämlich dann, wenn ich  von   Hunden angesprungen und   an gewissen Körperstellen  abgeschleckt werde.  Erfolglos  versuchen Frauchen/Herrchen einzugreifen, indem sie mit wenig Erfolg   „Sitz!“ oder „Platz!“ rufen.   Die Tiere  machen aber unbekümmert weiter.  Bis dann die  Besitzer erklären, dass das Anspringen eigentlich Ausdruck der  Zuneigung sei.    Eine Liebe, die sich Männer nur von Frauen wünschen.

Der positive Geist lässt auf eine Überwindung der EU-Krise hoffen

Samstag, 16. Juni 2012

Wiie kommt Europa aus der Krise? Eine simple Antwort gibt es nicht, weil die Probleme vielschichtig sind. Mehrere Krisen überlagern sich. Da ist die weltweite Finanzkrise. Dazu kommt die Bankenkrise. Und die Schuldenkrise der Staaten. Einzelne Länder wie Griechenland verschärfen mit ihren innerstaatlichen Strukturproblemen die Lage. In anderen Staaten wie  Spanien platzen Immobilienblasen. Die extrem hohe Arbeitslosigkeit   ist auch Ausdruck der  Hilflosigkeit.  
Die EU ist bisher die Antworten schuldig geblieben.  Es wurde lediglich ein Notzelt gezimmert, mehr nicht.  Wirklich gelöst wurde  nur wenig.  Staaten und nationale Regierungen haben versagt. Die EU ist zu schwach für die Lösungen. Sie hat nicht die notwendigen Kompetenzen. Hoffnung gibt die Tatsache, dass sich die EU  in Krisen stets  weiterentwickelt hat. 
 
Der Geist und das Klima, in dem die Diskussionen   über die Reformen stattfinden, sind positiv.  Nicht Rechthaberei und ideologische Versteifungen  stehen  im Vordergrund, sondern die Suche nach Lösungen. Von diesem Geist konnten sich die Besucher der Podiumsdiskussion über Europa an der Linzer Universität überzeugen (Bericht Seite 8). Josef Weidenholzer, seit einem halben Jahr Abgeordneter, ist angetan von diesem  Klima im Europaparlament, das  die Sachpolitik über Parteiinteressen stellt. Es wäre wünschenswert, wenn dieser Geist auch auf die österreichische Innenpolitik abfärben könnte.

Es bedarf einer Vertiefung der Europäischen Union. Und ihrer demokratischen Weiterentwicklung. Wir brauchen einen gewählten europäischen Präsidenten, eine gewählte Regierung, europäische Parteien und eine Aufwertung des Europaparlaments. Europa braucht Köpfe und Gesichter. Die Krise erfordert neue Antworten  und Durchbrüche. Es ist Zeit zu handeln.

Ein Boykott der Fußball-Europameisterschaft bringt nichts.

Samstag, 09. Juni 2012

Das runde Leder rollt, die Begeisterung ist entfacht. Ist Ihnen aufgefallen, dass die Europäische Kommission die Fußballeuropameisterschaft in der Ukraine boykottiert? Haben Sie Präsident José Manuel Barroso auf der Ehrentribüne vermisst?
Die politischen Diskussionen um den diktatorischen Präsidenten Wiktor Janukowitsch, die die Schlagzeilen der vergangenen Wochen beherrscht haben, schwächen sich ab. Die Fußball-Leidenschaft hat nun die Oberhand. Sowohl die ukrainische Bevölkerung als auch  die Opposition wollen, dass möglichst viele Fans und Prominente ihr Land besuchen. Sie wollen nicht nur Geld verdienen, sondern mit den Menschen reden, die aus jenen Ländern kommen, die für sie Vorbild sind. Auch sie streben nach Freiheit, Menschenrechte, Demokratie  und sozialer Gerechtigkeit. Sie wollen Europäer sein wie wir.

Ist Michel Platini naiv?

Boykotte bringen selten die Resultate, die gewünscht sind. Denn die Machthaber spielen auf dem Klavier des Nationalismus und  geben der Opposition die Schuld an der Ausgrenzung. Es kommt häufig zu einer Übereinstimmung zwischen dem Volk und den autoritären und gewalttätigen  Herrschern. Die  Oppositionellen werden als Vaterlandsverräter denunziert.
Eine ungewöhnlich naive Position hat UEFA-Präsident Michel Platini eingenommen, der die Spiele mit dem Argument verteidigt, es handle sich hier um Sport und nicht um Politik. Gelten die Gebote  der Fairneß, der Wahrhaftigkeit, der Unverletzlichkeit und der Würde   nur im Sport und nicht  in der gesamten Gesellschaft? Natürlich soll die  EM stattfinden, auch in der Ukraine.  Aber das bedeutet nicht, auf beiden Augen blind zu sein für die   Unterdrückung. Verantwortungsträger zu sein bedeutet Position zu beziehen. Nicht nur für das Geld, sondern auch für die menschlichen Werte.

Ukraine braucht eine europäische Perspektive

Ja, die Politiker sollen indie Ukraine fahren. Sie sollen nicht nur dem Lackl Janukowitsch  das Handerl reichen, sondern sich in Begleitung der TV-Kameras auch mit der Opposition treffen  und die inhaftierte Julia Timoschenko besuchen.   Vor allem sollen sie der Ukraine eine europäische Perspektive bieten. Das haben wir Europäer aus Rücksicht auf Russlands Wladimir Putin bisher verweigert. Es hat  mit dazu beigetragen,  Janukowitsch  andie Macht zu bringen.

Es gibt nur die eine

Samstag, 12. Mai 2012

Polylove ist der neue Trend in Amerikas Geschlechterverhältnis.  Darüber klärte uns Gabriele Kuhn  in ihrer Kolumne im gestrigen KURIER-Freizeit-Magazin auf. Ein Partner genügt nicht mehr, die  sexuelle   Zuneigung wird auf mehrere Menschen verteilt. Mit dem Einverständnis aller Beteiligten, alle wissen von den anderen. Vielmännerei und Vielweiberei zugleich. Das monogame Beziehungsmodell hat ausgedient,  Multitasking  ist angesagt.  Das klingt interessant, ist aber in jedem Fall ziemlich anstrengend. Ob man da noch den Überblick behält?
Weder Gabriele Kuhn noch Gerhard Hartmann sind von Polylove  überzeugt.   „Es gibt nur die eine“, widersprach  mir Hartmann sofort und vehement, als ich  dem 58-fachen  österreichischen  Staatsmeister, der 24 Jahre lang den österreichischen Rekord im Marathon hielt, während des gemeinsamen Laufens  davon erzählte. „Die eine ist es wert, dass wir nur für sie da sind. Alles andere kannst du vergessen.“

Die Kindergärten werden unterschätzt

Samstag, 12. Mai 2012

Globalisierung verbindet. Denn der technische Fortschritt und die damit verbundene Beschleunigung  verkürzen die Kommunikation und die Wege rund um die Welt.  Die Globalisierung kann aber auch trennen.  Das wird ersichtlich  am Beispiel  der Kinder von Migranten,   das der Linzer Vizebürgermeister Klaus Luger  anführt. Obwohl sie hier geboren sind, sprechen sie schlechter Deutsch als ihre Eltern, die zugewandert sind. Die Ursache: Zu Hause wird die Heimatsprache gesprochen und es werden die heimatlichen Fernsehkanäle gesehen. Die Kinder erfahren ein Sprachdefizit, das sich zu einem Bildungsdefizit  auswachsen kann, das sie ihr Leben lang begleitet.
Die Einführung des Gratiskindergartens ist wohl die beste Frucht, die der Wahlkampf  für die Landtagswahl 2009 mit sich gebracht hat.   Denn die Kindergärten ermöglichen zwei essenzielle Aufgaben. Sie erlauben es den Müttern,  arbeiten zu gehen. Und sie  bieten die Chance, Defizite  der Kinder in der Sprache, Bildung und im psychosozialen Verhalten aufzuarbeiten. Die Kinder sind in einem Alter, wo ein Gegensteuern noch möglich ist.  Passiert das erst zehn Jahre oder noch später, ist das viel schwieriger und wesentlich kostspieliger.
Die Aufgaben der Kindergärten haben sich  gewandelt. Hießen sie früher Kinderaufbewahrungsanstalten, so sind sie heute eine ganz entscheidende  Bildungseinrichtung. Ihre Bedeutung wird noch immer unterschätzt. Es ist nur konsequent, dass die KindergärtnerInnen   höher qualifiziert werden. Sie verdienen eine bessere Entlohnung.  Denn mit den Erfolgen, die sie mit ihrer nachhaltigen Arbeit erzielen, ersparen sie der Gesellschaft langfristig viel Geld.

Small is beautiful

Samstag, 05. Mai 2012

Wer auch immer die heutige Präsidentschaftswahl in Frankreich gewinnen wird, er steht vor einer großen Herausforderung. Er muss Frankreich sanieren, denn Nicolas Sarkozy ist in weiten Bereichen gescheitert. Während es den Menschen im Großraum Paris halbwegs gut geht, erzielte die extreme Rechte im Süden neue Rekordergebnisse.
 Frankreich ist ein Zentralstaat.  Deutschland,  Österreich und die Schweiz sind hingegen Bundesstaaten. Die Macht liegt nicht im Zentrum allein, sondern verteilt sich auch auf die Länder bzw. die  Kantone. Der Föderalismus macht die Staaten offensichtlich wirtschaftlich stärker, weil auf die Bedürfnisse, auf die Stärken  und Schwächen und Mentalitäten  genauer eingegangen werden kann.  Es ermöglicht den Menschen mehr Mitwirkung, auch wenn dadurch die Entscheidungswege manchmal länger dauern. Aber  das gehört zur Eigenart demokratischer Prozesse. In der österreichischen Reformdiskussion  werden die Stärken des Föderalismus    negiert.  Während  sich bei der Verwaltungsreform des Bundes nur wenig  bewegt,  werden die Länder an den Pranger gestellt. Reform bedeutet  nicht Zentralismus. Wie hat der  österreichische Alternativ-Nobelpreisträger Leopold Kohr schon gesagt?  Small is beautiful.

Wer evangelisiert wen?

Samstag, 05. Mai 2012

Die Mönche verstehen sich   in  ihrer Geschichte  stets als  Reformer,  versuchen sie doch, ihre Vorstellung  des    Reiches Gottes in der ganzen Radikalität zu leben. Österreichs Ordensgemeinschaften setzen nun mit der Bestellung von  Ferdinand Kaineder zu ihrem Pressesprecher ein klares Signal ihres Reformwillens.  Denn der als liberal geltende Kaineder war als  Sprecher der Diözese Linz abberufen worden.
 Während die Orden  Kaineder holen, hat das Medienreferat der Erzdiözese Wien Ende April gemeinsam mit der als konservativ geltenden Hochschule Heiligenkreuz eine Tagung zum Thema „Neuevangelisierung in den neuen Medien, Gott im Web“ veranstaltet. Als Referenten traten  unter anderem Vertreter der fundamentalistischen  Plattform  kath.net auf. Die innerkirchlichen   Fronten sind  klar. Auf der einen Seite  stehen die Reformer mit den Mönchen, den Pfarrern und  den  Laien,  auf der anderen Seite die  Bischöfe an der Seite des Papstes, die blockieren. Der Konflikt geht ganz tief.

Es wächst zusammen, was zusammen gehört

Montag, 30. April 2012

Als die Zahnradfabrik ZF in Passau 1985 die    Betriebserweiterung feierte, lud der damalige bayerische Ministerpräsident   Franz Josef Strauss  Landeshauptmann Josef Ratzenböck zum Festakt  ein, weil einige Hundert Oberösterreicher dort arbeiteten. „Nach Meinung der Wissenschaft ist der erste bayerische Herzogsstuhl in Enns-Lauriacum gestanden und er gehört deshalb mir“, sagte Ratzenböck unter dem Gejohle der Belegschaft. „Wenn das so ist, bist du mein Filialleiter in München“, setzte  er in Richtung Strauss unter dem Lachen der Zuhörer fort. Der stiernackige Strauss ging zum Rednerpult, beugte sich darüber und sagte: „Jetzt spricht der Filialleiter!“
Diese Anekdote ist nur ein kleiner Beleg für  die wechselvolle Geschichte zwischen Österreich und Bayern. Ursprünglich gab es Österreich nicht, es war Ostbayern. Die Grenzen gingen in den Kriegen mit den Awaren im Osten hin und her. Die Verbindungen mit Bayern sind bis heute eng geblieben, die österreichischen Dialekte werden zum bairischen Sprachraum gezählt.
Oberösterreich fühlt sich mentalitätsmäßig den Bayern besonders verbunden, viel mehr als den Wienern. Nicht nur, weil das Innviertel erst 1779 zum Land ob der Enns kam. „An der Enns beginnt der Balkan“, pflegte der bekannte Journalist Kurt Vorhofer (1929-1995) zu sagen, wenn er mit dem Zug von Salzburg nach Wien fuhr.   Die eben eröffnete Landesausstellung im bayerischen Burghausen, in Ranshofen und Mattighofen beleuchten die Beziehungen, auch anhand der geschichtlichen Ereignisse. Sie findet in der wunderschönen Gegend entlang diesseits und jenseits des Inn statt. Zur landschaftlichen Erbauung  kommt, dass die Regionen Burghausen und Braunau wirtschaftlich  boomen.  In Abwandlung des Satzes von Willy Brandt kann man sagen, es wächst zusammen, was zusammengehört.

Bayern statt Wien

Montag, 30. April 2012

Schafft die Landesregierungen und Landtage ab! Diese Forderung hat sich Josef Bucher, Chef der politischen Kleinstgruppe BZÖ, an die Brust geheftet.  Offensichtlich im Bestreben, sich zu mehr Größe aufzublasen.  Der Kärntner  versucht, sich damit über die Bedeutungslosigkeit der Orangen in den Ländern hinwegzuschwindeln.   Ihm dürfte auch entgangen sein, dass die Bundesländer die Republik gegründet haben und nicht die Republik die Länder. Und: Er  verwechselt wieder einmal Reform mit Zentralismus. Uns Oberösterreichern gefällt es nicht, nach der Wiener oder Kärntner Pfeife zu tanzen.
Unsere Vorstellungen sind viel radikaler.   Uns schwebt vor, uns im Europa der Regionen mit den westlichen Nachbarn zusammenzuschließen. Zum Beispiel: Oberösterreich mit Salzburg, Bayern und Baden-Württemberg. Schon Kaiser Josef II. hat um 1770 deren Attraktivität erkannt, als er versuchte,  Bayern für  Österreich zu gewinnen. Mit den westlichen Ländern  verstehen wir uns jedenfalls besser als mit der Region jenseits der Enns.

Kinder sind ein Glück und keine Belastung

Samstag, 21. April 2012

Schlecht schauen wir aus. Europas Länder sitzen  auf einem Berg von Schulden, die Zahl der Geburten sinkt   seit Jahrzehnten. Die Sozialsysteme geraten in Schieflage, weil es zu wenig Einzahler und zu viele Nutznießer geben wird. Als Mittel dagegen wird die Zuwanderung gehandelt.  Sie kann  das Problem des Geburtenmangels nur abschwächen, aber nicht lösen.  Kaum ein Politiker traut sich auszusprechen,  dass unsere Gesellschaften wieder mehr Kinder brauchen.  Das Gift des  Nationalsozialismus wirkt heute noch  nach,  das die   Produktion von möglichst vielen arischen Kriegern pries.  Als meine Großmutter das  zehnte  von insgesamt 14 Kindern   geboren hatte, verliehen     ihr örtliche Funktionäre das Mutterkreuz. Sie äußerten das Begehr, es sollte doch mit dem Vornamen Adolf heißen. Meine Großeltern lehnten diesen Wunsch ebenso ab wie den,  das Kreuz in der Stube abzuhängen.
Kindern das Leben zu schenken, ist die höchstpersönliche Entscheidung der Frau bzw. des Paares. Damit Frauen das tun können,  brauchen sie die Sicherheit, für den Nachwuchs  sorgen zu können. Frauen sind heute hoch qualifiziert, sie wollen ihr Potenzial  leben. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf  ist der Dreh- und Angelpunkt.  Wer für eine berufsfreundliche  und  umfassende Kinderbetreuung sorgt, kann sich über viele Geburten freuen. Das lässt sich an Frankreich und den nordischen Staaten studieren. Je katholischer ein Land ist, umso weniger Kinder werden geboren.
Kinder sind ein Glück und selten eine Last.  Das sieht man an den Mehrkinderfamilien, die mit wenig Geld auskommen müssen und trotzdem glücklich sind.

Nur ja nichts von den Regierungen erwarten!

Samstag, 14. April 2012

Was darf man sich von Regierungen erwarten? Wenig bis gar nichts.  Das Wort, das gestern gesprochen wurde, gilt heute nicht mehr. Jahrelang wurden  geförderte Bausparverträge und Pensionsvorsorgen angepriesen, deren Zuschüsse nun um die Hälfte reduziert wurden.  Wie reagieren Sie, wenn Ihr Partner den abgeschlossenen Vertrag bricht? Sie werden klagen.  Der Staat darf  dies  ungestraft tun.
Der britische Erfolgsautor Tom Hodgkinson hat in seinem Buch „Die Kunst, frei zu sein“ in einem eigenen Kapitel eine klare Empfehlung ausgesprochen: „Vergiss die Regierung!“ Er meint: „In unseren westlichen, mehr oder weniger liberalen Demokratien kommt uns selten in den Sinn, dass wir vielleicht auch ohne Regierung leben könnten… Wir schimpfen über die Trottel an der Macht und wählen dann eine neue Gruppe von Trotteln. Wir  glauben an Reform, jenen endlosen, unnützen Prozess der Einmischung. Hoffnung triumphiert über Erfahrung. Regierungen tun zu viel, und das meiste davon tun sie schlecht.“ Weiters spricht er uns aus dem Herzen, wenn er schreibt: „Es ist absurd, dass wir der Regierung zwischen einem Viertel und der Hälfte unseres  Einkommens für das Privileg zahlen, bevormundet und tyrannisiert zu werden. Sogar von den angeblich unterdrückten mittelalterlichen Bauern erwartete man nur, dass sie zehn Prozent ihres Gewinnes und ihrer Produktion abführten.“ 
Hodgkinson empfiehlt, selbst mehr Verantwortung zu übernehmen. „In Wahrheit sind wir alle frei. Die Frage ist nur, ob wir bereit sind, unser Recht auszuüben. Stattdessen versinken wir in Arbeitssklaverei und Einkaufssklaverei.  Die Fesseln sind vom Geist geschmiedet.“

Erschienen in der OÖ-Beilage des Kurier vom 15.4.2012

 

Polnische Aushilfen

Samstag, 14. April 2012

Mit den polnischen Pfarrern ist es  ein rechtes Kreuz. Sie werden geholt, um die immer größer werdenden Lücken in den Pfarren mit traditionalistisch gesinnten Priestern aus der Heimat des früheren Papstes zu füllen. Andreas Skoblicki, der laut eigener Aussage die Sünden riechen kann,  trieb sein fundamentalistisches Unwesen in Kopfing.   Aufregungen gibt es auch   in seiner neuen Pfarre Neuhofen an der Ybbs. Gerhard Swierzek legt ebenfalls Wert auf Zucht und Ordnung. Weil ihm die Wahl eines  homosexuellen Pfarrgemeinderates nicht schmeckt,  legte er die Pfarrerstelle  von Stützenhofen nieder. Dabei übersah er aber den Balken im eigenen Auge. Seine Ex-Geliebte meldete sich im KURIER zu Wort und bekannte ihr Verhältnis mit dem Geistlichen. Seither ist er im Krankenstand. Wie Skoblicki im Herbst.
 Was soll man mit den polnischen Brüdern tun? Der  Kopfinger Pfarrer Josef Kammerer meinte, sie sollten in ihrer Heimat bleiben, sie fänden dort schon Arbeit.   Fundamentalisten    sind keine Lösung, sie schaden nur.

Die Posaunen der Reformer werden zwar gehört, aber Benedikt XVI. bleibt die Antworten schuldig

Samstag, 07. April 2012

Jahrelang stießen die Vertreter österreichischer Reformbewegungen in der katholischen Kirche auf eine Mauer des Schweigens. Die Plattform „Wir sind Kirche“ wollte in den 90er-Jahren im Vatikan Unterschriften übergeben. Niemand empfing sie.  Am Gründonnerstag  gab  Benedikt XVI.   vor 3000 Priestern im Petersdom plötzlich eine Antwort.  Niemand erwartet, dass der Bayer  und Traditionalist plötzlich eine Kehrtwendung vollzieht, aber immerhin.  Er redete und argumentierte, der Ton war gemäßigt.
Josef Ratzinger  kennt die österreichische Kirche aus   Besuchen und Urlauben ganz genau. Sie ist der bayerischen  ziemlich ähnlich.   Er weiß,  dass die Reformer keine   Hetzer sind, sondern aus der katholischen Mitte kommen, die um die Zukunft  ihrer Pfarren fürchten.
Ratzinger bezieht die üblichen Positionen.  Er  sagt Nein zu den Reformanliegen  und fordert Gehorsam ein. Vor allem Gehorsam gegenüber seinen  Positionen.  Die inhaltlichen Fragen hat er nicht beantwortet.   Er  hat keine Antwort gegeben, wie die  Pfarren in Zukunft ohne Priester auskommen können.   Er  hat keine Antwort gegeben auf die Gleichberechtigung der Frauen. Er ist die Antwort schuldig geblieben auf die Forderung der Gläubigen und Mitarbeiter nach Mitbestimmung.
  Den kirchlichen Reformern ergeht es wie den Israeliten beim Einzug in ihr Gelobtes Land. Sie haben   bereits mehrfach die Mauern von Jericho  umkreist. Trotz ihrer Posaunenklänge   rührt sich nichts.  Die Mauern stürzten erst am siebenten Tag nach der siebenten Umrundung ein. Unter dem Pontifikat von Benedikt werden die vatikanischen Mauern noch halten. Doch die Posaunen werden lauter und lauter.

Sauf’ was G’scheit’s!

Freitag, 06. April 2012

Eine richtungsweisende Aktion haben jugendliche Besucher bei der Mostkost  in Niederthalheim geliefert.  Sie haben sich nicht wie üblicherweise mit Wodka oder Whiskey niedergekübelt, sondern mit der Landessäure. Ihr Griff zum Mostkrug steigert das Bruttosozialprodukt.  Das Geld bleibt im Land, die Einkommen  der Bauern steigen, es werden wieder mehr  Mostobst-Bäume angepflanzt. Auch wenn das Entsetzen des Roten Kreuzes angesichts der Alkoholleichen, des öffentlichen Herumurinierens  und des Gekotzes groß war, so haben die Jugendlichen doch gemäß der  Leiberl-Aufschrift  einer Innviertler Landjugendgruppe gehandelt: „Sauf’was G’scheit’s!“ Warum soll es in Niederthalheim anders zugehen als beim Münchner Oktoberfest, wo die Alkoholleichen auch auf den Böschungen hinter den Festzelten herumliegen? Der Darwinismus feiert fröhliche Urständ’: Wer’s aushält, überlebt. Wer die natürliche Auslese nicht übersteht, kann sich auf  den Grabstein meißeln lassen:  Gefallen für das Vaterland bei der Mostkost!

David Steindl-Rast: “Fasten ist das, was uns die Werke der Liebe kosten”

Dienstag, 03. April 2012

David Steindl-Rast (86) ist  österreichisch-amerikanischer Benediktinermönch, Eremit, Spiritualitätslehrer und weltweit Vortragsreisender. Johannes Pausch (62) hat das Europakloster Gut Aich bei St. Gilgen gegründet und ist Abt.

 Frage: Die Sonne scheint, die Natur blüht und gedeiht und die Menschen sollen sich in der Fastenzeit kasteien.
 Johannes Pausch: Wir kasteien uns nicht. Nur wenn man  eine Abmagerungs- oder Schönheitskur machen will, dann muss man sich kasteien.

Das Herz zu Gott aufheben

David Steindl-Rast: Unserer Meinung  nach ist Fasten  Ausdruck der Freude, der Vorfreude auf Ostern. Es ist verbunden mit dem Gebet, mit dem  Aufheben des Herzens zu Gott. Fasten ist immer das, was uns die guten Werke kosten. Das mehr oder weniger Essen beim Fasten ist gar nicht so wichtig.

Pausch: Ein gutes Werk selbst ist schon das Fasten.
Steindl-Rast: Fasten ist, was der Liebesdienst kostet.
Frage: Ein Beispiel?
Steindl-Rast: Früher aufstehen, um einen Kranken besuchen zu können.
Pausch: Etwas tun, was ich früher vernachlässigt habe. Die Frau, die Kinder. Zeit nehmen, achtsam werden.
Steindl-Rast: Wenn ich mit Unternehmern spreche, taucht immer wieder die Frage der Familie auf. Sie kommt zu kurz.  Da würde fasten weniger arbeiten bedeuten, vielleicht sogar einen Verlust dafür in Kauf zu nehmen, um für die Familie da zu sein.
Pausch: Gleichzeitig ist es auch  ein Liebesdienst, wenn ich mir selber Gutes tue. Wenn ich weniger grantig, weniger abgespannt,  weniger hektisch bin, dann  ist das für meine Umgebung eine ungeheure Erleichterung.

Steindl-Rast: Das Gegenteil wäre, wenn sich jemand Kasteiungen auferlegt und deshalb nur grantig ist.
Pausch: Da gibt es das Beispiel von dem Mönch, der abends gerne eine Zigarre geraucht hat. Er hat dem Abt gesagt, er raucht als Fastenopfer keine Zigarre mehr. Worauf der gemeint hat, tun  Sie  das sich und Ihren Schülern nicht an.
Steindl-Rast:  Es ist das Ausbessern von dem, wo  wir  zu anderen Zeiten nachlässig sind.   Viele von uns haben schlechte Essensgewohnheiten.

Wir fressen zu viele Gefühle in uns hinein

Pausch:  Man soll wieder mehr das Kauen lernt. Kauen ist das halbe Leben. Das ist nicht nur ein körperlicher Vorgang, sondern auch ein seelischer. Wir fressen zu viel in uns hinein, um gute und schlechte Gefühle damit zuzudecken. Um dann die Last in Form von Kilos mit uns herumzuschleppen. Es ist wichtig, das Essen bewusster zu gestalten. Für viele ist es ein größeres Fastenopfer, sehr bewusst und langsam zu essen als überhaupt nichts zu essen.
Steindl-Rast:     Beim Fasten im Sinn von etwas weniger Essen wäre es eine gute Regel, dass man etwa genauso lang oder länger zum Essen braucht als normal. Dass man langsamer und bedächtiger isst. Der Grund, warum wir uns beim Essen weniger freuen ist, dass wir uns gar nicht Zeit lassen beim Essen. Es muss alles schnell gehen.
Pausch: Wir hauen das Essen rein und schmecken und riechen es gar nicht mehr.
Steindl-Rast: Manche, die über Fast Food lachen,  essen  richtig gutes Essen, aber sie essen es schnell hinunter.  Das ist noch ärger als Fast Food langsamer zu essen.

Frage: Was ist das Ziel des Fastens?

Alles loslassen, was uns beschwert

Pausch: Das Ziel ist ein gutes Leben und  Freude  und Sehnsucht zu finden.
Steindl-Rast: Und alles loszulassen, was uns beschwert.     Der Satz, ich beschwere mich über jemanden anderen,  sagt ganz klar, dass man sich selbst belastet, wenn man sich beschwert.
Pausch: Manche sagen, ich beschwere mich ja nicht, aber dann nörgeln sie immer an jemandem anderen herum. Diese Haltungen machen den Leib kaputt, die Seele kaputt, die Beziehungen kaputt, sie töten die Freude von Anfang an.

Leer werden

Steindl-Rast: Wir sollen Fasten von dem, was uns beschwert und keine wirkliche Nahrung gibt. Vieles im Fernsehen oder Radio nährt weder den Geist  noch die  Seele. Viele Leute schauen sich Dinge an, die ihnen Sorgen und Angst machen. Von dem zu fasten, ist heutzutage wichtiger, als vom Essen zu fasten.

Ein Buch lesen

Frage: Ihr Ordensgründer, der heilige Benedikt, empfiehlt den Mönchen, in der Fastenzeit ein Buch zu lesen.
Pausch: Es ist eine Freude, ein Buch vom Anfang bis zum Ende gelesen zu haben. In der Zeit Benedikts (480–547 n. Chr.) waren Bücher eine  große Seltenheit. Er sagt zu den Möchen, ihr müsst in der Fastenzeit etwas lernen. Im Lesen etwas Lernen ist etwas Entscheidendes für unsere Weiterentwicklung. Im Fasten öffnen wir uns damit  für  etwas Neues. Es ist vor allem ein Akt der Demut.
Steindl-Rast: Und es ist ein Akt der Disziplin. Eine unserer  Schwierigkeiten ist unsere Zerstreutheit. Wenn man sich vornimmt, ein Buch vom Anfang bis zum Ende in den 40 Tagen der Fastenzeit zu lesen, auferlegt  man sich eine gewisse Disziplin. Man erweist auch dem Autor seine Ehrfurcht. Es ist auch gut, gemeinsam zu lesen.

Fasten in Zeiten der Veränderung

Frage: Wann sollte man fasten?
Pausch: Der heilige Benedikt sagt, man sollte immer fasten. Immer heißt,  mit der Haltung zu leben, die das Fasten bedeutet.
Steindl-Rast: Aber er sagt das deshalb,weil das die meisten nicht durchhalten können. So machen wir es wenigstens 40 Tage. Diese 40 Tage bedeuten Wanderung, Änderung und Umdenken.
Pausch: Das ist ja heute gefordert. In allen Unternehmen spricht man von „Change“. Das ist eine Wandlung. Umdenken, Neuwerden, sich verändern.
Steindl-Rast: Man soll immer dann fasten, wenn es um Änderung und Wandel im Leben geht.
Pausch: Früher hat man vor den großen Feiertagen den Fasttag gehabt.  Damit man sich richtig auf das Fest einstellen kann.

Leer werden macht empfänglich

Frage: Heißt Fasten, sich auf bestimmte Dinge zu konzentrieren?
Pausch: Ich würde eher sagen leer werden.
Steindl-Rast: Leer werden kommt zuerst, dann wird man empfänglich.

Frage: Wie wird man leer?
Pausch: Indem ich weniger esse, weniger Fernsehen schaue, weniger im Internet surfe  oder mich im Alltag weniger ärgere.

Was nichts kostet, bringt nichts

Wie sollte man fasten?
Steindl-Rast: Freudig, Wenn  man es nicht freudig tut, sollte man es lassen.
Pausch: Jesus sagt, macht es nicht wie die Heuchler, die ein finsteres Gesicht machen.   Er sagt, bereitet euch auf einen Festtag vor. Das ist die Grundhaltung. Das fällt einem nicht leicht, wenn man mitten in einem Änderungsprozess steckt. Wenn man sich nicht herausgefordert fühlt, ist die Situation, in die ich hineingehe, auch nichts wert. Es kostet mich nichts.
Steindl-Rast: Dann kommt die Konzentration herein. Man sollte dankbar fasten. Um dankbar zu sein, brauchen wir heute eine Einengung auf weniger. Wir haben so viel, dass wir gar nicht nachkommen mit der Dankbarkeit.  Wenn man sich auf etwas weniger konzentriert, bemerkt man erst, was das für ein Geschenk ist. Man könnte auch sagen: Fasten ist, sich reichlich Zeit zu lassen, um eins nach dem anderen anzuschauen und zu sehen, was das für ein Geschenk ist. Dann kommt die Freude. Denn was immer wir anschauen und nicht als gegeben hinnehmen, zum Beispiel dass wir Atmen können, dass wir Sehen können, dass wir Arbeit haben, darüber können wir uns freuen.

Pausch: Jetzt in der Fastenzeit esse ich zwei kleine Weckerl und trinke eine Tasse Tee. Ich werde ganz kreativ. Die Dinge, die mir früher nie eingefallen wären, die fallen mir jetzt plötzlich ein. Ich schreibe weiter an einem Buch, das lange liegen gebleiben ist, ich entwickle ein Konzept.

Steindl-Rast: Von außen gesehen bist Du auch viel lustiger. Leicht und unbeschwert.

Die Sehnsucht bleibt auch in der Erfüllung

Frage: Trotz der Erfüllung der Wünsche bleibt oft eine Sehnsucht.

Pausch: Wenn uns nach der Fastenzeit die absolute Freude gelingen würde, dann bliebe uns ja nichts mehr.

Steindl-Rast: Ich sitmme dem schon bei, aber man könnte das aber auch missverstehen, dass die Sehnsucht das Gegenteil ist von der Freude. Sie ist nur der Gegenpol. Die Sehnsucht und die Erfüllung gehören immer zusammen.  Erfüllung ohne Sehnsucht wäre das Ende. Das kann man den Menschenoft nicht erklären. Man muss es auch nicht erklären. Man muss nur an Augenblicke erinnern, wo sie große Freude erlebt haben. Dann weiss jeder, dass in dieser Freude Erfüllung und Sehnsucht zusammen waren.

Die Machtsysteme brechen zusammen

Frage: Wir leben in einer Zeit des Umbruchs.Sie, Bruder David, sprechen davon, dass wir eine derartige Umbruchszeit seit 6000 bis 7000 Jahren nicht mehr erlebt haben. Das ist ein sehr, sehr großer Zeitraum.

Steindl-Rast: Das ist der Zeitraum unserer Zivilisation, die Zeit, in der unsere Kultur entstanden ist.  Das reicht zurück bis zu den frühesten Ägyptern und den Babyloniern. Wir gehen in eine neue Axialperiode ein. Diese ist von Anfang an ein Machtsystem, in dem wenige die Macht haben, und die Mehrzahl arbeitet und ausgebeutet wird. Dieses System wurde niemals oder nur für kurze Zeit hinterfragt. Heute wird es mehr und mehr hinterfragt. Ich kann es gar nicht glauben. Überall auf der Welt stehen die Menschen auf und sagen, wir lassen uns nicht länger ausbeuten. Das hat man in der Dimension vor zehn Jahren noch gar nicht gehört. Das steigert sich jetzt. Das bedeutet, dass unser Machtsystem, auf dem unsere Zivilisation beruht,  unter unseren Augen zusammenbricht. Darum wird die Frohbotschaft so wichtig. 

Die Menschen wollen in Würde leben

Pausch: Die große Gefahr besteht, dass das von den Medien darauf reduziert wird, das sind arme Leute, die mehr Geld haben wollen. Es wird auf die Materie reduziert. Das stimmt nicht. Diese Menschen wollen in Würde leben, sie wollen geachtet werden. Sie wollen, dass ihre Meinung gilt. Sie wollen angenommen werden. Sie wollen in Freiheit und nicht in Unfreiheit leben. Sie wollen alle Grundwerte, die die Menschenwürde ausmachen, auch wirklich leben dürfen. 

Gewaltfreiheit

Steindl-Rast: Es geht auch um Gewaltfreiheit. Es finden in so vielen Ländern gewaltfreie Revolutionen statt. Gewalfreiheit, Menschenwürde und Teilen machen das Reich Gottes aus. Sie sind genau entgegengesetzt zu den Machtsystemen, die wir seit mehr als 6000 Jahren gelebt haben. Wir sehnen uns jetzt ausdrücklicher nach dem Reich Gottes.

Pausch: Dass wir das Reich Gottes wirklich erreichen, das wage ich zu bezweifeln. Bei den Systemveränderungen gibt  es Widerstände, Widerparts, Entwicklungen. Es ist aber offenkundig, dass sich jetzt eine grundlegende Entwicklung ereignet.

Auch die Kirche ist ein Machtsystem

Steindl-Rast: Wir sagen nicht, dass das Reich Gottes jetzt hier einfach anbricht. Es besteht aber die ganz große Gelegenheit, zu fragen, was hat Jesus uns wirklich gebracht? Das ist keineswegs das, was uns die offizielle Kirche gibt. Denn sie ist seit dem römischen Kaiser Konstantin in das Machtsystem eingetreten. Es brechen jetzt von unten und von innen her diese Möglichkeiten auf.

Frage: Die Aufbruchsbewegungen in der Kirche sind frustriert, dass so wenig weitergeht.

Steindl-Rast: Diese Initiativen habenvon viel von dem, wonach sich die Menschen sehnen. Nicht nur die Christen, sondern alle Menschen sehnen sich nach dieser Menschenwürde. Darum sprechen sie die Leute an.

Pausch: Es stimmt ja nicht, dass nichts weitergeht. Ich will die Kirche nicht verteidigen, aber natürlich geht es weiter. Nur geht es nicht von heute auf morgen, es geht nicht auf Knopfdruck. Man muss die Entwicklungen berücksichtigen. Wir können es nicht machen wie ein faschistoides System.Wir können die, die das nicht mitvollziehen können, einfach wegräumen und erschießen. Darum geht es ja nicht. Es geht darum, in einen Wandlungsprozess hineinzugehen. Alles was ich heute denke, sollte gestern schon passiert sein, das geht nicht.  

Die neue Welt in kleinen Zellen realisieren

Steindl-Rast: Wenn das ginge, wären das die Methoden des Machtsystems. Man kann das Reich Gottes nicht mit den Mitteln das Machtsystems aufrichten. Wie kann man es aufrichten? Durch kleine Zellen, durch kleine Gemeinschaften. Das kann in der Familie oder in einem Kloster wie hier beginnen. Durch eine Gemeinschaft, die gewaltfrei teilt und die die Menschenwürde anerkennt. Man sieht, wie anziehend das ist. Da rennen die Leute nur so hin, wenn das angeboten wird. Da ist kein Druck, da ist keine Gewalt. Sie sehen, da wird man respektiert. Da wird geteilt. Das kann unsere Umwelt retten.

Pausch: Ich spreche immer von den Frustlüsterern. Sie sind so frustriert und lüstern nach dem Erfolg. Die machen ganz viel kaputt. Statt zu sagen, so, jetzt machen wir einen Schritt nach dem anderen, und wir bauen an dem Prozess der Veränderung.

Frage: Wenn ich aber zum sechsten Mal die Stadt Jericho umkreise, um dieses Bild aus dem Alten Testament zu verwenden, und es tut sich nichts,  kann schon Frust aufkommen.  

Pausch: Wie oft muss ich meinem Bruder verziehen? Sieben Mal? Jesus sagt 77 mal. Es sind ja die Macher, die die Macht haben, die sagen, jetzt halten alle den Mund. Damit erreichen wir ja nichts. Weder in einer Schule noch in einer Gemeinde noch sonst irgendwo.

Steindl-Rast: Durch das Reden ist ja schon der Beginn gemacht. Durch das Reden ist die Beziehung hergestellt. Durch das Reden hat sich schon etwas geändert. Auch wenn es scheint, dass der andere überhaupt nicht zuhört. Das Reden bringt schon ein bisschen etwas in Gang.   

Pausch: Oder indem man einfach da ist. Wir Mönche sind einfach da. Wir versuchen das zu vermitteln. Und wenn es ein paar hundert andere Zellen gäbe, würde die Welt wahrscheinlich anders ausschauen. 

 

 

 

Ludwig Scharinger war stets ein Grenzgänger: Er hat immer ausgelotet wie weit er gehen kann

Samstag, 31. März 2012

Wie wird man einem Mann wie Ludwig Scharinger gerecht, der so viele Gesichter hat? Der 69-Jährige, der nun in Pension gehen muss, hat sich selbst, seiner Familie, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und seinen  Wegbegleitern  viel, so manchesmal zu viel   zugemutet. Er hat weder die anderen noch sich selbst geschont. Der Erfolg der Bank und damit sein Erfolg waren seine oberste Maxime. 
Scharinger war ein Macher, ein Umsetzer. Die Bilanz ist beeindruckend.  Die Raiffeisen Landesbank ist die  stärkste Regionalbank Österreichs. Er hat mit dazu beigetragen, dass Oberösterreich wirtschaftlich gut dasteht.     
Seine Erfolge wurden  respektiert, seine  Beliebtheit hielt sich aber in Grenzen.  Das war der Preis, den er bezahlte. Selbst seine Freunde waren  vorsichtig. „Wenn Du ihm den kleinen Finger reichst, reisst er Dir den ganzen Arm aus“, schildert ein mit ihm gut bekannter  Industriemanager  seine Erfahrungen. Scharinger ordnete selbst  seine Freundschaften dem Erfolg unter. Wieviele Freunde ihm nach dem Verlust  der Macht bleiben, wird sich weisen.
Der Entzug der Macht  wird für ihn eine neue,  nicht leichte Erfahrung. Aber er hat einige Funktionen, wo er weiterwerkeln kann. Ruhestand und Urlaub sind ihm ein Gräuel, Arbeit  ist sein Leben. Deshalb kehrt er bereits Montagfrüh wieder  ins Büro zurück.
 Die schwierige Phase des Umstiegs hat er bisher gemeistert.  Sein Nachfolger Heinz Schaller  hat ihm dafür     beim Abschied am Freitagabend Lob gezollt.  Eines ist jedenfalls sicher. Still wird es um Ludwig Scharinger nicht werden.

P. Anselm Grün: Bei Entscheidungen auf den Bauch hören!

Mittwoch, 28. März 2012

Der Bauch habe seine eigene Intelligenz, vor allem eine emotionale. Pater Anselm Grün, Seelsorger und spiritueller Berater, plädiert in seinem neuen Buch „Was will ich?“ für Bauchentscheidungen.

Anselm Grün füllt   die Säle. So zuletzt im Bildungshaus Schloss Puchberg in Wels. Der 67-jährige Benediktiner aus dem bayrischen Kloster Münsterschwarzach hat bis 2009 mehr als 15 Millionen Bücher verkauft. Er versteht sich als Lebensberater und hält Seminare, zu denen auch Vorstände  großer deutscher Unternehmen kommen.

KURIER: Der Frühling ist da. Die Natur blüht. Welche Gedanken verbinden Sie mit dieser Jahreszeit?
Pater Anselm Grün: Für mich sind das Bilder der Auferstehung. Nicht umsonst wird Ostern zu Beginn des Frühlings gefeiert. Und wenn die Natur aufblüht, spüre ich selber, dass neues Leben in mir  aufblüht. Es ist ein Zeichen, dass das Leben stärker ist als der Tod. Das, was wir in der Auferstehung feiern, sehen wir ganz konkret in der Natur. Im Frühling werden neue innere Geister und die Lust am Leben geweckt.

Was bedeutet Auferstehung?
Es hat zwei verschiedene Bedeutungen.  Nicht in das Dunkel hineinfallen, sondern in Gottes Liebe auferstehen.  Wir feiern die Hoffnung, dass nicht alles aus ist, sondern dass wir wieder aufstehen.  Wir feiern aber auch, dass wir jetzt aufstehen, aus dem Grab unserer Angst, unserer Resignation,  dass wir aufstehen aus der Zuschauerrolle.
Es gibt immer mehr Menschen, die in der Zuschauerrolle sind. Die wissen zwar alles besser, spielen aber nie mit und übernehmen keine Verantwortung. Da heißt  es aufstehen, selber Verantwortung übernehmen und selber leben.

Gibt es zu viele, die in der Zuschauerrolle sind?
Ja, eindeutig. Das kann man daran ablesen, wie die Menschen über die Politik, die Wirtschaft und den Sport reden. Die Zuschauer wissen immer alles besser, aber keiner übernimmt die Verantwortung.

Auferstehung bedeutet auch weiter zu hoffen, auch wenn Hoffnung zerschellt.
Auferstehung ist, dass  es kein Scheitern gibt, das nicht zum Neuanfang  werden kann. Aus Leid und  Scheitern kann neues Leben entstehen.

Pater David Steindl-Rast meint, dass man in den schwierigsten Phasen des Lebens  am meisten lernt. Das könne jeder feststellen, der auf sein Leben zurückblicke. Das Problem an der Sache ist, dass man im Dunkel der Nacht das Licht des Tages noch nicht sieht.
Deswegen ist Ostern ein Fest der Hoffnung. Im Grab hat man auch kein Licht gesehen. Wir feiern Ostern,  dass solche Grabessituationen doch nicht hoffnungslos sind. Dass dieses Licht von Ostern  in diese dunklen Situationen hineinleuchtet. Auch wenn wir es momentan nicht sehen, so ist Ostern doch ein Vorgriff. Es wird wieder sein.

Wie kann man so schwierige Situation praktisch bewältigen?
Ich erlebe immer wieder verfahrene Familiensituationen, wenn sich Kinder zum Beispiel nach dem Tod der Eltern wegen der Erbschaft zerstritten haben. Da ist viel Leid und Resignation da. Auferstehung heißt,  die Hoffnung nicht aufgeben, dass es einen neuen Anfang, ein neues Miteinander gibt.

Viele Beobachter sehen unsere Zeit als Umbruchszeit.
Natürlich ist jede Zeit auch eine Umbruchszeit. Aber ich meine schon, dass sich derzeit viel tut. Manches zum Guten. Zum Beispiel ist die Sensibilität für ethische Werte in der Wirtschaft gewachsen. Man kauft keinen Fußball mehr, der aus Kinderarbeit entstanden ist. Es gibt auch Abbrüche. So ist zum Beispiel die religiöse Erziehung in den Familien nicht mehr gewährleistet. Was hat das für Auswirkungen? Das  macht jenen teilweise Angst,  die zu wenig   Geborgenheit erfahren haben. Die politischen  Verhältnisse wandeln sich sehr schnell, die Bindungen an Parteien und Kirchen   sind nicht mehr so stark. Da ist viel in Bewegung, ohne das zu werten. Aber auch die Beziehung zur Natur ist neu gewachsen, die Verantwortung für die ganze Welt ist gewachsen. Es ist sicher einiges im Umbruch. Auferstehung ist die Hoffnung, dass der Umbruch  ins Leben hineingeht und nicht ins Negative.

Sie haben ein neues Buch über Entscheidungen verfasst. Warum tun sich viele Menschen mit Entscheidungen schwer?
Sie wollen  die absolut richtigen Entscheidungen treffen. Die  gibt es aber nicht. Es gibt nur kluge Entscheidungen. Es gibt die Lebensentscheidungen, ob ich heiraten oder ins Kloster gehen soll.  Und es gibt die alltäglichen Entscheidungen. Es gibt Menschen, die haben Angst vor Entscheidungen, weil sie Angst haben vor den Folgen, Angst, sie würden Türen schließen.
Wie entscheide ich richtig? Indem ich überlege und auf das Bauchgefühl höre.    Bei Entscheidungen steht man meist vor Alternativen. Es hilft, die Alternativen zu Ende zu denken.  Man muss  dabei die Gefühle beachten. Welche Gefühle  habe ich da, welche dort?  Dort, wo das Gefühl von Lebendigkeit, Freiheit und Liebe ist, dort ist die Entscheidung richtig.   Gefühle der Enge, der Angst und der Überforderung sprechen  gegen die  Entscheidung. Die Alten sprechen hier von Dämonen, man könnte auch von der Stimme des eigenen Über-Ichs reden, des eigenen Ehrgeizes, mit dem man sich letztlich selbst überfordert.

Die Römer raten, das Ende zu bedenken.
Thomas von Aquin sagt, prudentia (Klugheit) kommt von providentia  (Voraussehen).  

Warum haben die Menschen Angst vor Entscheidungen?
Sie haben Angst, die falsche Entscheidung zu treffen, die Angst unglücklich zu werden, die Angst, jemand könnte sie kritisieren. Solange man nicht entscheidet, kann man sich immer noch rausreden. In der Wirtschaft weiß man, dass es  das Schlimmste ist, keine Entscheidungen zu treffen. Dann geht gar nichts voran. Eine Entscheidung zu treffen ist besser als gar keine.

Entscheiden heißt auch, etwas auszuscheiden, etwas wegzulassen. Es bedeutet auch Verlust.
Das, was man verliert, muss man betrauern.   Betrauern bedeutet, das ist nicht möglich für mich, das fehlt mir.  Eine Studentin mit sehr guten Noten hätte Musik, Medizin und Sport studieren können. Man kann aber nur eines studieren, vielleicht zwei.  Das andere muss ich betrauern. Wenn ich das betrauere, kann ich auch Ja sagen zu dem, was ich tue.    Viele aber entscheiden sich und trauern nach, vielleicht wäre doch das andere besser gewesen.  Damit lähmt man sich selbst.

Man kann ja Entscheidungen auch revidieren, wenn  man  die falsche getroffen hat.
Man kann sie revidieren. Jede Entscheidung führt auch irgendwo in einen Engpass hinein. Das kann auch eine Herausforderung sein. Nicht jede Entscheidung ist Sonnenschein. Auch wenn die Entscheidung durch Höhen und Täler führt, führt sie trotzdem zum Ziel.

Sie verkaufen Millionen Bücher,  zu Ihren Vorträgen kommen   Tausende Besucher.  Was  ist der Grund für Ihren  Zuspruch?
Es ist schwierig, den eigenen Erfolg zu beschreiben. Ich bin dankbar dafür.  Ich glaube, ich spreche eine einfache Sprache, die die Menschen verstehen. Ich moralisiere nicht, ich werte die Menschen nicht ab, sondern nehme sie an.  Ich stelle mich nicht über sie, sondern suche mit ihnen einen Weg. Ich sehe die Menschen nicht allzu optimistisch, sondern vertrete eine positive Grundhaltung. Ich sehe in jedem Menschen auch den guten Kern.

Sie sind   auch zuständig für die wirtschaftlichen Belange Ihres Klosters. Auf der anderen Seite beschäftigen sie sich mit  Psychologie. Das sind zwei völlig verschiedene Dinge.
Das gehört schon zusammen. Ich versuche in der wirtschaftlichen Leitung auch ein Klima zu erzeugen,  wo Menschen  gerne arbeiten, wo sie geachtet sind. Das ist auch eine Form der nüchternen Therapie, dass ich Bedingungen schaffe, die heilsam sind. Ein Klima, wo ich anerkannt werde und neue Ideen entwickeln kann, tut der Seele auch gut. Das ist besser als  immer nur die Verletzungen anzuschauen. Natürlich muss ich auch nüchtern sehen, was  Zukunft hat, was  realistisch ist. Wie können wir die Wirtschaft so organisieren, dass die Menschen nicht überfordert werden, dass sie gerne arbeiten? Aber  natürlich auch, dass die Arbeit  Gewinn bringt. Man kann nicht auf Dauer wirtschaften, ohne Geld zu verdienen.

Für wie viele Mitarbeiter sind Sie zuständig?
Für 300.

Sie führen einen geregelten Tagesablauf. Wie viele Stunden arbeiten sie?
Ich bin nur vormittags im Büro.  Rund vier Stunden.

Wann schreiben Sie?
Dienstags und Donnerstags von sechs bis acht Uhr früh.

Anmerkung: Das Interview erschien in der OÖ-Beilage des Sonntags-Kurier am 25. März 2012

 

Khorchide: Der Islam ist eine Religion der Barmherzigkeit

Samstag, 24. März 2012

Wie ist Gott? Er ist der absolut Barmherzige.“ Der islamische Theologe Mouhannad Khorchide  ist der Überzeugung, dass „alles, was mit der Barmherzigkeit Gottes nicht im Einklang steht, ausscheidet“. In seinem Islam-Verständnis geht es um den Menschen. Das traditionelle Verständnis hingegen sieht den Islam  als Gesetzesreligion. „Von den 6800 Versen im Koran beschäftigen sich gerade einmal 80 mit Aussagen zur Gesellschaftsordnung.“
 Überall anders Der Begriff Scharia suggeriere ein abgeschlossenes Gesetzessystem. Das sei sie aber nicht, die Scharia sehe in jedem Land  anders aus. In Saudi Arabien dürfen beispielsweise die Frauen nicht mit dem Auto fahren. „Das steht aber nicht im Koran.“ Dagegen beschäftige sich der Koran zu zwei Dritteln mit der Frage, wie Gott ist. Und immer wieder laute die Antwort,  er sei der absolut Barmherzige. Der Koran enthalte fünf allgemeine ethische Prinzipien: Gerechtigkeit, Freiheit, Gleichheit, die Unantastbarkeit der menschlichen Würde und die soziale Dimension.
Der 41-jährige Khorchide, der in Saudi-Arabien geboren ist, hat im Libanon Islamwissenschaft und in Österreich Soziologie studiert. Nun ist er Professor für islamische Religionspädagogik in Münster. Diese Woche war er an der Linzer katholisch-theologischen Privatuniversität zu einem Gastvortrag. Khorchide: „Wer die Barmherzigkeit in  seinem Leben ausübt, veranlasst die Barmherzigkeit Gottes. Indem er  zum Beispiel Kranke besucht, indem er Menschen auf der Straße ein Lächeln schenkt. Die Offenbarung Gottes ist kein abgeschlossener Prozess.  Das Ziel ist die Vollkommenheit des Menschen, das ist die Bedingung, mit Gott eins zu sein.“ Durch die Scharia gehe das Eigentliche verloren, sagt Khorchide. Denn es gehe nicht um Gesetzesaussagen, sondern um den Menschen, der dahinter stehe.  Die islamische Mystik relativiere das Juristische. Das Eigentliche sei die Gemeinschaft Gottes, die Vollkommenheit des Menschen. „Wenn ich den Koran lese, gibt es keinen Gott, der nur verherrlicht werden möchte. Warum auch, er ist ja vollkommen. Es geht in meinem Islamverständnis um den Menschen.“
Refomer Mohammed sei ein Reformer gewesen, dem es um das Wohl der Menschen gegangen sei. So habe er beispielsweise das Erbrecht für Frauen eingeführt, die bis dahin nicht erbberechtigt gewesen seien.
 Khorchide definiert zwei Modelle islamischer Theologie. Das instruktionstheoretische, das eine Bedienungsanleitung sei, wie der Mensch zu funktionieren habe. Gott habe den Menschen erschaffen, deshalb wisse er am bestens, wie der Mensch zu funktionieren habe.  Das andere sei das dialogische Modell, das er vertrete. Gott  gebe keine Instruktionen vor, denn das wäre nicht der vollkommen barmherzige Gott, der bedingungslos schenke.

Anmerkung: Der Beitrag erschien in der OÖ-Beilage des Kuriers am Sonntag, 11.3.2012

P. David Steindl-Rast: Wir leben in einer Zeitenwende

Samstag, 24. März 2012

Der Einsiedler und Benektiner David Steindl-Rast ist wieder einmal zu Besuch im Europakloster Gut Aich bei St. Gilgen. Gemeinsam mit Abt Johannes Pausch hält der  86-Jährige, der 1952 in die USA ausgewandert ist, in der Fastenzeit eine Vortragsreihe. „Heilende Spiritualität“ war das Thema des ersten Abends. „Spiritualität ist Lebendigkeit“,  erklärte er, „eine Lebendigkeit, die alles umfasst, das Leibliche, das Psychische, das Geistige.“
 Spiritualität stehe in einer besonderen Beziehung zur Transzendenz, es gehe um Achtsamkeit in der Gottesbeziehung. Heilen bedeutet für den hageren Mönch mit der starken Ausstrahlung zu sich selbst zu finden,  „weil  in uns selbst das göttliche Selbst ist.“
Achtsamkeit Was den Menschen heile, sei Achtsamkeit.  Die Frage, was  bin ich wirklich, führe zu einem sinnerfüllten Leben.  Was auch heile, seien Beziehung und Berührung. Letztlich sei es  das Vertrauen, das heile.
Um das Thema Gott drehte sich der zweite Vortrags- und Diskussionsabend am Freitag. Kritisch äußerte sich der Benediktiner über den Zustand der römisch-katholischen Kirche. „Viele Menschen lieben Jesus, hassen aber die Kirche. Es muss sich etwas ändern. Die Kirche steht für viele Menschen nicht mehr für das, was Gottes Wille ist.“ Es sei das große Malheur gewesen, dass die Kirche unter dem römischen Kaiser Konstantin 313 n.Chr. zur Staatskirche gemacht worden sei.  Aus Protest seien die Mönche in die Wüste gegangen.   Die Klöster seien zu Orten geworden, wo die Menschen versucht hätten, das Reich Gottes zu verwirklichen: gewaltfrei, egalitär (alle sind gleich, ohne Hierarchie und Rangordnung) und in Solidarität (die Gemeinschaft teilt alles).
Steindl-Rast ist überzeugt, dass wir in einer Zeitenwende leben, „dass sich derzeit etwas ereigne, was sich seit 6000, 7000 Jahren nicht mehr ereignet hat. Diese Machtordnung bricht zusammen. Dadurch hat das Reich Gottes neue Chancen durchzubrechen.“ Auf die Frage, wann das Reich Gottes anbreche, habe Jesus stets geantwortet: „Jetzt, hier im Moment.“

Anmerkung: Der Beitrag erschien in der OÖ-Beilage des Kuriers am Sonntag, 11.3.2012 

 

Landeshauptmann von OÖ: Strugl ist wieder im Rennen

Samstag, 24. März 2012

Sein Auftritt war souverän. Er sprach ruhig und gelassen und zeigte  klar auf, worum es in Zukunft geht. Michael Strugl überzeugte  vergangenen Samstag bei  der  Denkwerkstatt academia superior, deren Abendveranstaltung von  rund 500 Gästen besucht worden ist.
Seit sich der Landesparteisekretär der ÖVP selbst aus dem Rennen um die Nachfolge von Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer genommen hat und Klubobmann Thomas Stelzer  favorisiert,  hat er an  Format und Statur gewonnen.  Gemeinsam mit Pühringer ist er das Hirn und die Schaltstelle der Landes-ÖVP.
Mit academia superior führt er die Partei geistig an die Globalisierung heran. Wenn Oberösterreich auf Dauer in der europäischen Spitze und auf den Weltmärkten erfolgreich sein will, muss es das auch auf dem geistigen und kulturellen Niveau sein. Strugl hat das erkannt und setzt das um. Er hat hier eine neue Tür aufgestoßen und eine neue Dimension eröffnet.
Es gehen hier Impulse aus, die in ihrer langfristigen Wirkung nicht zu unterschätzen sind. Umgekehrt ist es so, dass internationale Kapazunder auf Oberösterreich, seine Schönheit  und seine Qualitäten aufmerksam werden.
Strugl hat academia superior gegründet, weil er von der Notwendigkeit einer Denkwerkstatt internationalen Formats überzeugt ist. Damit hat er sich – gewollt oder ungewollt – wieder in die Reihe der Pühringer-Nachfolger eingereiht.

Wir sägen am Ast, auf dem wir sitzen

Samstag, 10. März 2012

Ausstieg aus dem Kyoto-Protokoll! Diese Forderung lässt aufhorchen, da man damit im ersten Schreck das Ende der Umweltpolitik verbindet. Studiert man die Argumente, so zeigt sich, dass dieses Verlangen, das neben anderen auch der freiheitliche Landesrat Manfred Haimbuchner aufstellt, durchaus seine Berechtigung hat. Österreich drohen 600 Millionen Euro an Strafzahlungen, weil wir die erlaubte Grenze der -Emissionen überschreiten.
Würden sich alle Länder der Welt an diese Spielregeln halten, wäre es wunderbar. Doch Kyoto umfasst nur noch drei Dutzend Industriestaaten, die zusammen für lediglich 15 Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich sind. Die großen Verschmutzer der Erde wie die USA, China und Indien, die für 50 Prozent der Emissionen verantwortlich sind, tun nicht mit. Russland und Japan wollen nicht weiter mitmachen. Wie unwirksam Kyoto damit ist, lässt sich mit folgendem theoretischen  Vergleich belegen. Für das Autofahren sollen Höchstgeschwindigkeiten eingeführt werden. Aber nur ein Teil der Autofahrer verpflichtet sich freiwillig, sich daran zu halten und ist auch bereit, Strafe bei Überschreitung  zu zahlen. Der große, überwiegende Teil fährt ungebremst weiter und zahlt auch keine Bußgelder. Wie lange werden die aufopferungswilligen Selbstverpflichter bereit sein,  Strafe zu zahlen?
 Wolfgang Eder, Generaldirektor   des oberösterreichischen Schlüsselbetriebs voestalpine,  hat am Montag im KURIER-Interview Klartext geredet.  Unsere Industrie, die in der Regel am letzten Stand der Umwelttechnologie ist,  kann sich  diese überzogenen Belastungen nicht mehr leisten. Das Linzer Unternehmen  verlagert ihre Produktion zunehmend ins Ausland. 2020 wird die Hälfte des Umsatzes bereits außerhalb Europas erwirtschaftet. Tritt Kyoto in Kraft, sieht sich Eder   gezwungen, die umweltkritischen Bereiche wie die Flüssigphase von der Kokerei über den Hochofen bis zum Stahlwerk   von  Linz abzuziehen. Nur noch ein Drittel der bisherigen Belegschaft  würde in Linz Arbeit finden.
Wir brauchen mehr Industrie und nicht weniger. Die Finanzkrise und die De-Facto-Pleiten der Südstaaten Europas, die kaum über industrielle Produktion  verfügen, zeigen eindrücklich, wie entscheidend  dieses  Standbein ist.  Nur eine florierende Industrie   kann  unseren  Wohlstand absichern. Wir sollten nicht am eigenen Ast sägen.

Die Fußgänger sind viel zu billig

Samstag, 10. März 2012

Die 111 Jahre alte Linzer Eisenbahnbrücke wird in der Karwoche wieder einmal für den Verkehr gesperrt. Das Bemerkenswerte ist ja, dass der Gehweg für die Fußgeher schon seit vielen Monaten geschlossen ist.  Als Laie  würde man meinen, dass beispielsweise die Autos und  Busse  eine viel stärkere Belastung für die Eisenkonstruktion darstellen müssten. Aber nein,   die Fußgeher  müssen auf die andere Straßenseite, um den  Radweg mitzubenützen.    Das ist jedoch kein leichtes Unterfangen. Denn der Verkehr strömt unaufhörlich. Warten, warten, warten ist die Devise.
 Es gibt hunderte  Fußgeher, die die Brücke queren müssen, speziell auf der Urfahraner Seite. Dort geht es zum   Gasthaus Lindbauer, zu den Kinder-Spielplätzen, zum  Spazierweg  entlang der Donau  und zum Radweg.  Wie wäre es mit   Zebrastreifen  für die Fußgeher auf beiden Brückenseiten, liebe Behörden? Offensichtlich ist der Fußgeher zu billig, weil man sich nicht um ihn kümmert. Die Politik greift erst ein, wenn es um viel Geld geht.

Der neue Landesrat Reinhold Entholzer wird für die SPÖ neue Räume erobern

Montag, 05. März 2012

Hermann Kepplinger hat  das Gesetz des Handelns an sich gerissen. Er, der stets Sachliche und Zurückhaltende, hat alle überrascht. Sogar seinen eigenen Parteichef Josef Ackerl. Niemand hatte mit seinem plötzlichen Rücktritt gerechnet. Die Partei werde über den Zeitpunkt entscheiden, hatte er noch im Herbst gegenüber dem KURIER  betont. Die SPÖ  habe ihn auf den Schild gehoben, deswegen werde sie auch über seinen Abgang entscheiden. Das sei eine Frage der Loyalität.
Wie so oft ist es auch diesmal anders gekommen. Statt wie  angekündigt die NS-Zeit in Linz aufzuarbeiten, wird  der 60-jährige Kepplinger in seine frühere Position  als Finanzdirektor nach Linz zurückkehren, um bis 65 zu arbeiten. Auch wenn die Kommunikation des Rücktritts alles andere als professionell war, sein Schritt ist richtig.  Der Posten des Finanzdirektors sollte ausgeschrieben werden, es war  Zeit, zu handeln. Die Linzer Finanzen sind durch die schiefgegangene Franken-Spekulation österreichweit in negative Schlagzeilen geraten.  Kepplinger ist ein Finanzexperte, er weiß, wie es geht. Er hat jene Erfahrung und genießt jenes Vertrauen, das die Stadt Linz  in Finanzdingen wie einen Bissen Brot benötigt.
Der Eisenbahner-Gewerkschafter Reinhold Entholzer wird ihm nachfolgen.  Er erntet rundherum Zustimmung. Er kann mit allen.  Das ist in der SPÖ keine Selbstverständlichkeit.  Bei den ÖBB kennt er sich aus, was für einen Verkehrs-Landesrat  eine gute Voraussetzung ist. Wenn der 52-Jährige aus Peuerbach klug ist, sammelt er die verschiedenen Gruppierungen hinter sich und lässt sich im November 2013 zum Nachfolger von Josef Ackerl als  Landesparteichef wählen. Vom persönlichen Zuschnitt ist er dazu in der Lage. Das belegt sein bisheriger Karriereverlauf.
Für die ÖVP und die FPÖ ist Entholzer nicht ungefährlich. Denn er spricht auch bürgerliche Wähler an. Sein Bruder Walter war ÖVP-Bezirksparteiobmann von Eferding und   Landtagsabgeordneter.   In seiner Jugend  war der Fußball sein Hobby.  Er spielte bevorzugt im Mittelfeld, wo er die Bälle  verteilte. Gelingt  ihm das auch in der Politik, kann er mit Pässen in die Weite und in die Tiefe neue Räume für die SPÖ aufreißen.

Jung und überfressen

Montag, 05. März 2012

Ernährung und Haushalt  bleibt ein Pflichtfach der  Neuen Mittelschule. Das hat der  Bildungsausschuss des Parlaments diese Woche   beschlossen. Eine gute Entscheidung, findet Landesschulratspräsident Fritz Enzenhofer.  Die Befunde der Schulärzte sind katastrophal. 20 Prozent der 6- bis 14-jährigen Kinder und  Jugendlichen in Oberösterreich sind übergewichtig, jedes zehnte Kind leidet bereits an krankhaftem Übergewicht. 22 Prozent weisen Schwächen im Bewegungsapparat auf. Die  Ursachen sind falsche  Ernährung und Bewegungsmangel. Statt im Freien herumzutollen, sitzen die Kinder heute herum: 2,3 Stunden täglich vor dem Fernseh-Kastl, wenn schulfrei ist, sogar 3,3  Stunden.  Und 1,4 Stunden vor Computerspielen, an schulfreien Tagen sogar 2,3 Stunden.
Die Ärzte empfehlen täglich eine Stunde Bewegung. Wie wär’s mit einer täglichen Turnstunde? Oder mit der Zumutung, den letzten Kilometer bis zur Schule zu Fuß zu gehen? Unsere Ängste,  unser Sicherheits- und Wohlstandsdenken schädigt unsere Kinder.

Balduin Sulzer: “Jene, die das große Sagen haben, sollen zuerst einmal zuhören”

Montag, 27. Februar 2012

Was denkt der Komponist und Zisterziensermönch  Balduin Sulzer, der am 15. März seinen 80. Geburtstag feiert, über die Kirche? Er sehe das sehr menschlich, sagt er im Gespräch mit dem KURIER. Bei den  Auseinandersetzungen gehe es  meistens nicht um die Kirche, „sondern es handelt sich um persönliche Machtspielchen. Wenn ich Papst bin, kann ich anders reden als wie wenn ich nicht Papst bin. Es sind doch sehr viele persönliche Machtversuche. Kriege ich einen Einfluss auf diese oder jene?“ Sulzer versteht zum Beispiel nicht, warum um Dinge wie die Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zur Kommunion „so ein  Tamtam“ gemacht werde.  „Ich halte diese Art von Zusatzmoral  für einen Unfug.   Sie kommt aus Lehrmeinungen, die eh nicht bewiesen sind.“
Es gebe nur einen wichtigen Satz:  „Deus caritas est. Gott ist die Liebe. Alles, was hier nicht dazupasst, ist falsch. Wenn ich Liebe gegen Gerechtigkeit ausspiele, wie das damals Bischof Krenn gemacht hat,   ist das falsch. Mit Liebe ist das Verständnis, das Mitdenken, das Mitfühlen gemeint. Um das soll sich jeder bemühen. Auch die Päpste, die Bischöfe und die Geistlichen.  Die, die das große Sagen haben, sollen einmal den anderen Leute zuhören. “ Vor allem Leute in Positionen seien leicht verführt,  diese auszunutzen. „Wenn einer oben ist, ist er angehalten, sich in den unteren hineinzuversetzen.“   Das sei nicht mit Unterwürfigkeit gleichzusetzen. „Man kann getrennte Einschätzungen haben. Man sollte aber den Respekt haben, den anderen  ausreden zu lassen.“ Das könne zu  Spannungen führen. „Aber aus  Spannungen wächst das Leben.“ Auch in der Musik gebe  es Konsonanzen und Dissonanzen.  „Pantha rhei, alles fließt,  wie die Griechen sagen.  Jeder Moment ist anders, auch wenn die  Situation gleich ist. Wir sitzen hier beim Gespräch jetzt unter anderen Voraussetzungen als zu Beginn vor 20 Minuten.“ Die Dinge würden sich ständig ändern.  „Ich persönlich bin nicht traurig, dass ich nicht so vorausplanen kann. Ich warte ab. Ich steige nicht geplant in den Gatsch, sondern ich lasse mich hineinschlittern. So schaut es aus, glaube ich.“
Es gehe nicht um das Zuhören können, sondern um das Zuhören müssen. Wie in der Musik, wo die Musiker  berufsmäßig zuhören müssten. Der zweite Geiger auf den ersten, der Cellist auf den Bratschisten. Das passiere in  der normalen Kommunikation oft nicht, weil man es nicht gelernt habe. „Im Religionsunterricht lernt man dieses und jenes, nur nicht, dass man dem anderen zuhören soll.
Zu den Feiern zu seinem  80er sagt er: „Man wird sich denken, was hat er denn, wegen der 80 Jahre. Aber ich bin das erste Mal 80  und das muss gefeiert werden.“ Aus eigener Erfahrung wisse er solche Anlässe seien  wichtig, um  jungen Musikern Auftrittsmöglichkeiten zu bieten.

Die Pfarren werden auch ohne Priester überleben

Samstag, 25. Februar 2012

Der Befund ist erschütternd. Ein Drittel der 474 Pfarren der Diözese haben keinen Priester mehr. Die Priester, die es noch gibt, sind im Schnitt deutlich älter als 60 Jahre. Also im Pensionsalter, wenngleich sie erst mit 70 in den Ruhestand treten.  Da es derzeit kaum Nachwuchs gibt und sich auch zukünftig kein Boom abzeichnet,   werden die  Pfarren ohne Priester dastehen. Damit wird das Beharren des Papstes  auf dem Zölibat  und dem Ausschluss der Frauen vom Priesteramt sich von selbst erledigen. Benedikt XVI. und der Großteil der österreichischen Bischöfe betreiben Realitätsverweigerung. Sie stecken den Kopf in den Sand und behaupten, alles sei in Ordnung. Würde ein Unternehmer seine Firma  sehenden     Auges in so eine Krise führen, würde er wohl der fahrlässigen Krida bezichtigt. Dabei ist das Interesse an einem Leben, das der Spiritualität gewidmet ist, groß.  Das belegen die Zahlen der jungen Menschen, die Theologie studieren.   Die Anzahl der Diakone steigt und hat in Linz die 100er-Grenze  bereits überschritten. Sie werden in Zukunft unsere Pfarren leiten.
Man könnte argumentieren, es sei die Privatsache einer Organisation, wenn sie nicht in der Lage ist, für ihre Zukunft zu sorgen. Doch die Kirchen sind wesentliche gesellschaftliche Kräfte.   Vor allem auch in den Gemeinden. Sie sorgen  für ein funktionierendes Gemeinschaftsleben. Sie predigen  den Gedanken der Solidarität.  Die Arbeit der Caritas für die Schwächeren ist anerkannt.  Sie begleiten die Menschen durch alle freudigen und erschütternden Ereignisse des Lebens.
Die Zeit wird über die realitätsfremden Vorstellungen des Papstes und der Bischöfe hinweggehen. Das hat die Geschichte mit Regelmäßigkeit  bewiesen.

Kleinkariert

Samstag, 25. Februar 2012

Können Sie sich in Österreich einen Bundespräsidenten vorstellen, der verheiratet ist, von seiner Frau aber seit 20 Jahren getrennt lebt und mit einer  Journalistin in „wilder Ehe“ zusammen ist?  Oder einen Außenminister,  der mit seinem Partner durch die Welt reist? Oder einen Hauptstadt-Bürgermeister, der  schwul ist? Oder einen Landeshauptmann, der in seiner Zeit als Minister mit der Mitarbeiterin ein Kind gezeugt hat? In  Deutschland ist das alles der Fall. Es betrifft Joachim Gauck, Außenminister  Guido Westerwelle, Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit und Bayerns Ministerpräsidenten  Horst Seehofer. In Österreich geht es  engstirniger zu. Da hat  Benita Ferrero-Waldner kurz vor ihrer Präsidentschaftskandidatur ihren Lebenspartner geheiratet,  damit die Verhältnisse „geordnet“ sind.   Da hat der politische Gegner 2009  versucht,   Landeshauptmann Josef Pühringer    mit erfundenen Affären zu beschädigten. Was lernen wir vom großen Bruder?   Politik ist Politik und Privates ist privat.

Brandstetters neues Buch: Der Heilige Aloisius

Mittwoch, 22. Februar 2012

Ein Interview mit dem aus Pichl bei Wels abstammenden Schriftsteller.

Frage: Wenn Sie die Entwicklung Ihrer Heimatgemeinde  Pichl anschauen, was fällt Ihnen auf?
Alois Brandstetter: Früher, als ich noch dort war,  war der Nachbar der Gaderbauer. Er hat 14 Joch Grund gehabt. Er hat von der Landwirtschaft gelebt. Wir hatten auch so viel Grund, mein Vater war aber noch Müller und Bäcker. Bauern mit 15 Joch Grund hat es eine Menge gegeben.  Jetzt sind sie  verschwunden.  Ein paar Bauern  haben alles zusammengekauft und führen eine mehr oder weniger  industrielle Landwirtschaft.  Auch die  Akustik ist verloren gegangen. Die  war ja fantastisch. Die Hühner sind  frei herumgelaufen und haben gegackert, die  Hähne   in der Früh  gekräht.  Der Traktor wurde  gestartet, die  Rösser sind  eingespannt worden. Pichl war komplett agrarisch.

Frage: Sie sehen die Entwicklung nicht so positiv?
Brandstetter: Ich leiste mir ein bisschen Nostalgie. Ich verstehe  schon die Notwendigkeiten, aber ich sehe es schon ein bisschen wehmütig. Pichl war eine Passauer Urpfarre, eine ganz alte Pfarre. Jetzt gibt es längst keinen Pfarrer mehr. Jetzt wohnt die  Pfarrassistentin in Grieskirchen. Es gibt in Pichl keine Gendarmerie und  keine Post mehr.  Die alten Häuser im Zentrum sind von Türken gekauft worden. Am Ortsrand stehen Villen von Welser Honoratioren, die keinen Kontakt mehr zur Urbevölkerung  haben. Das kann einem nicht gefallen.
Frage: Sie waren  ein Gegner der Innkreisautobahn.
Brandstetter: Es ist ein Vorbei- und Durchfahren. Die Feuerwehr hat jetzt größere Bergescheren, damit sie die Leute bei Unfällen aus dem Auto schneiden können.

Frage: Sie waren ja auch ein Gegner des EU-Beitritts.
Brandstetter: Mir hat nicht gefallen, dass wir so viele Rechte nach Brüssel abgeben. Ich bin ein Eigenbrötler, ein Provinzialist, ein Föderalist. Ich bin kein Fundamentalkritiker, aber  in einigen Punkten bin ich nicht einverstanden. Dass da so g’scheite Leute in Brüssel sitzen und  beim Euro solche Fehler machen, da wird man schon ein bisschen stutzig.

Frage: Gibt es eine oberösterreichische Mentalität?
Brandstetter: Ja, ich glaube schon. Tüchtig, realistisch, ein gewisser Hang zur Sentimentalität. Es ist ja phänomenal, dass Oberösterreich das einzige Bundesland ist, das  eine Hymne in Mundart hat. Wenn die gesungen wird, muss ich mich immer zusammennehmen.

Frage: Schreiben Sie immer noch täglich?
Brandstetter: Ja, auf jeden Fall. Oder ich recherchiere. Ich bin ein Frühaufsteher, ich stehe um fünf Uhr auf. Dann setze ich mich hin und schreibe. Dafür gehe ich schon um neun Uhr ins Bett.
 Ich habe so den Eindruck, ich schreibe mein letztes Buch. Ich war mit meiner Frau im Sommer in Mantua und in Castiglione. Das ist die Ortschaft, aus der der Heilige Aloisius von Gonzaga stammt. Ich habe mir immer schon einmal vorgenommen, dorthin zu fahren. Die Gonzagas waren die reichen Herzöge von Mantua, aber zehn Kilometer entfernt in  Castiglione war die ärmere Linie. Aloisius war der Erstgeborene von acht Kindern. 
Ich habe mir etwas ausgedacht, was vielleicht nicht so schlecht ist. Peter Paul Rubens war Hofmaler beim Vinzeno Gonzaga in Mantua.  Er war dort fünf Jahre und hatte viele Freiheiten.   Rubens ging dann zurück nach Antwerpen und malte sehr viel für die Jesuiten. Nur den Aloisius hat Rubens nie gemalt. Aloisius war berühmt für seine Keuschheit, er soll nicht einmal seine Mutter angesehen haben. Ein pathologischer Zug von Keuschheit.  Rubens ist zwar auch jeden Tag in die Kirche gegangen, aber er war ein Vitalist. Er hat  die Frauen wunderbar gemalt.  Er hatte ja selbst zwei wunderschöne Frauen.  Deshalb kann man sich vorstellen, warum Rubens den Aloisius nicht gemalt hat.
In Castiglione  wurde  für Aloisius, der mit 23 Jahren  gestorben ist,  eine Basilika gebaut.  Seine Mutter hat Rubens eingeladen, den Aloisius zu malen. Aber es kam nie dazu. Darum geht es im Buch, das ist  die Geschichte. Rubens schlug  vor, dass  es sein Schüler  Van Dyk machen solle.  Denn der sei ein junger Mensch.  Und Aloisius könne nur von einem jungen Menschen gemalt werden.

Demaskierung

Samstag, 18. Februar 2012

Die Maske  befreit.  Die Verkleidung im Fasching erlaubt uns,  Seiten unseres Wesens zu zeigen,  von denen wir meinen, sie normalerweise verbergen zu müssen. Wir erfahren eine Wandlung. Wir dürfen  sein, was und wie wir schon immer sein wollten. Schlummernde Teile unseres Lebens werden wachgerufen. Die großen Geheimnisse werden gelüftet. Die Lust, sich in etwas hineinzuversetzen, darf  ungeniert ausgelebt werden. Der eine will Frau sein, die andere Tanz-Mariechen. Man darf so wild sein wie man sonst nie sein dürfte. Zum Beispiel als Hexe mit einem großen Hexenzinken. Wir können unser zweites Leben leben. Ein Leben auf Probe. Unter dem Schutz der Maske darf über die Stränge geschlagen werden. Die Maske macht alle gleich, Reiche und Arme, Angesehene und Ignorierte.
Die Maske befreit nicht nur, sie verhüllt auch. Manche haben ein ganzes Leben lang eine Maske aufgesetzt.  Der Lobbyist Peter Hochegger  hat die Abkassierer unter den Politikern diese Woche im parlamentarischen Untersuchungsauschuss demaskiert.  Fratzen kamen zum Vorschein.

Die Gemeinden sind in der Krise

Samstag, 18. Februar 2012

Oberösterreichs Gemeinden sind am Ende.  Sie sparen seit Jahren. Und nicht erst, seit es die Diskussionen über   Kooperationen, Zusammenlegungen und  das Sparpaket gibt. Sie sparen, weil ihnen nichts anderes übrig bleibt.  Wer meint, hier noch  groß Geld holen zu können, irrt.   Ein Beispiel. Der Bauamtsleiter von Wallern geht in absehbarer Zeit in Pension.  Sein Bürgermeister wollte  den Posten einsparen, der Bauamtsleiter des benachbarten Bad Schallerbach  sollte die Agenden mit übernehmen.    Schallerbach meinte, dann müsste wegen der Mehrarbeit ein zweiter aufgenommen und bezahlt werden. „Das kann ich selbst auch“, antwortet Wallerns Ortschef  Franz Kieslinger.
Die Gemeinden sind nicht nur finanziell in der Krise. Aufgrund des Strukturwandels hält städtisches Verhalten in den ehemaligen Landgemeinden Einzug. Vor allem im Zentralraum. Städter erwerben günstige Baugründe und ziehen am liebsten eine zwei Meter hohe Mauer um ihr Haus.  Am Gemeinschaftsleben der Gemeinde nehmen sie – wenn überhaupt – nur am Rand teil. Aber auch die Einheimischen  haben zunehmend weniger Zeit. Die beruflichen Belastungen  sind gestiegen, viele  Frauen   sind berufstätig, das familiäre Zusammensein sollte auch gepflegt werden. Dies spüren nicht nur die Kultur-, die Musik und Sportvereine,  die Feuerwehren, die Parteien und die Kirchen. Es wird auch zunehmend schwierig,  genügend qualifizierte  Bürgerinnen und Bürger für den Gemeinderat zu finden.
Manfred Zeismann, Bürgermeister von Krenglbach (Bez. Wels-Land), beobachtet einen schleichenden Prozeß der Aushöhlung. Er fürchtet, dass sich die Gemeinden in zehn Jahren auflösen werden. Seine Sorge ist berechtigt.   Die Lebensqualität leidet in jedem Fall.

Die “Kulturfremdheit” der Gföhler

Dienstag, 14. Februar 2012

„Es gibt nur eine falsche Sicht der Dinge: der Glaube, meine Sicht sei die einzig richtige.“
Nagarjuna
Die Ausgang der Volksbefragung von Gföhl am Sonntag ist  eine Katastrophe.  Zwei Drittel  der Waldviertler Gemeinde lehnen den Bau einer buddhistischen Stupa ab. Dabei ist der Buddhismus alles andere als missionarisch. Ob Religion oder Weltanschauung, der Buddhismus zeichnet sich durch eine ausgesprochen friedliche Haltung aus.
Ein Lichtblick in der unerfreulichen Causa  ist die Haltung des Großteils der Gemeindemandatare  und des Bürgermeisters, die den Bau des 30 Meter hohen Denkmals mit 25 Metern  Durchmessern        unterstützt haben. Doch ihre Stimmen wurden von den Angstmachern übertönt.  Sie bombardierten mit Postwürfen  die Bewohner und kritisierten die auffällige Lage, die Größe und „Kulturfremdheit“ des Projekts. 
Was ist für die Gföhler Bürger „kulturfremd“, wenn man schon diesen dummen Begriff wiederholt? Sind nicht auch die Karl-May-Spiele, die jährlich in Gföhl stattfinden, „kulturfremd“? Winnetou reitet im Wilden Westen, in den USA. Die sind auch so weit weg wie die Buddhisten Asiens.Und erst die Zelte der Indianer. Alles kulturfremd, da die Waldviertler  doch schon so lange in Häusern wohnen.  Schauen die Gföhler nicht auch  „kulturfremde“,  im Ausland gedrehte   Sendungen im Fernsehen an?  Und was machen sie, wenn sie von einer „kulturfremden“ Kellner in einem Lokal bedient werden? Zum Beispiel von einer  Bürgerin aus dem benachbarten Tschechien?  Oder wenn sie von einer „kulturfremden“ Slowakin gepflegt werden? Die nächste Stufe von Kulturfremdheit wäre wohl entartet. Das hatte wir schon alles, in den 30-er und 40-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Aber das Gift dieses Denkens reicht offensichtlich bis heute.
Die Gföhler haben eine große Chance verpasst. Nämlich sich mit den Ideen und Vorstellungen des Buddhismus auseinanderzusetzen und die eigenen Welten und Gedanken zu überprüfen. Die Konfrontation mit dem anderen bietet die Möglichkeit, sich weiter zu entwickeln,  die eigenen Vorstellungen zu verwerfen oder zu vertiefen.
Als sehr wendig stellten sich die Lokalpolitiker heraus. Sie, die das Stupa-Projekt begrüßt haben, zeigten sich schlussendlich begeistert vom Demokratieverständnis ihrer Gemeindebürger. Statt ihre Niederlage einzugestehen, freuten sie sich über 52-prozentige Wahlbeteiligung. Das ist auch eine Methode, um am Ende auf Seiten der Sieger zu stehen.

 

Sparpaket: Investieren ist ebenso wichtig wie Sparen

Samstag, 11. Februar 2012

Wie auch immer man zum Sparpaket steht, es ist unumgänglich. Österreichs Schulden sind  zu hoch.  Die Zinsen und Rückzahlungen fressen einen zu hohen Anteil der Steuern auf, die die Bürger zahlen dürfen.   Je höher die Schulden, umso höher sind die Zinsen, die wir zahlen müssen. Profiteure der 220 Milliarden Schulden sind ausländische Investoren, die rund 75 Prozent der  österreichischen Anleihen aufkaufen. Unser Steuergeld wandert also  zu einem nicht unerheblichen Teil ins Ausland.
Es ist daher sinnvoll, sich nach der Decke zu strecken und   die Steuererlöse im Inland zu investieren.     Investitionen bringen Wachstum und Arbeitsplätze, Arbeit füllt die Sozialkassen. Es zeugt von Voraussicht, wenn das Land an seinen Investitionen festhalten will. Trotz der Einsparungen, die notwendig sind. Es ist gut, dass mit den Sparmaßnahmen früh begonnen wurde. Dass beispielsweise die Spitalsreform bereits abgesegnet ist. Dass die Verwaltungsreform schon läuft. Noch besser, weil billiger, wäre es gewesen, die Spitalsreform wäre bereits 2005 beim ersten Anlauf umgesetzt worden. Eines hat das Sparpaket neuerlich belegt. Man kann notwendige und unangenehme Maßnahmen hinauszögern, aber sie kommen mit Sicherheit: verspätet und deshalb verschärft.
Sparen und investieren. Das ist der Mix, der uns in den nächsten Jahren aus der Krise führen wird.   Der Weg ist eine  Gratwanderung. Es gilt, das   Maß immer wieder neu  zu definieren. Wir müssen die Altlasten abbauen, sie hinter uns lassen und  gleichzeitig  an der Zukunft bauen.  Straße, Schiene, Bildung, Forschung, Innovationen  und erneuerbare Energien  sind die  Themen der Gegenwart und der Zukunft. 
Investitionen in den menschlichen  Geist und in  die Materie     sorgen für jene Dynamik, die uns  aus der Krise führen wird.

Die neuen Juden

Samstag, 11. Februar 2012

Wiir waren nicht dabei beim gestrigen Burschenbundball.   Der KURIER wurde  ausgeladen. Nicht weil wir randaliert hätten, unbotmäßg gekleidet gewesen wären oder demonstriert hätten. Nein, wir wollten lediglich zusehen und zuhören. Wir waren neugierig, was da so vonstattengeht und was die Politiker denken und reden. Aber wir waren unerwünscht wegen kritischer Berichterstattung. Wir wissen nicht, ob wir deswegen traurig sein oder uns darüber freuen sollen. Wir hätten  gern gesehen, wie der Europaabgeordnete Franz Obermayr im Frack und Käppi seinen Rechtswalzer dreht. Und möglicherweise seinen Rülpser  von „Pogromstimmung“    wiederholt.
So blieben die „neuen Juden“, wie FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache die Burschenschafter beim Ball in Wien bezeichnet hat, unter sich.  Sie werden sich gut unterhalten haben und sich moralisch im Recht fühlen. Sie beklagen  zwar, sie würden  ins rechte Eck gedrängt und gesellschaftlich isoliert. Doch  sie handeln selbst genau so.  Sie schließen andere aus.

Der Linzer Burschenschafter-Ball belastet die schwarz-grüne Koalition

Samstag, 04. Februar 2012

Welcher Teufel den freiheitlichen Linzer Europaabgeordneten  Franz Obermayr geritten hat, von „Pogrom-Stimmung“ bei der Demonstration  gegen den Wiener Burschenbundball zu reden, bleibt  dem Beobachter unerklärlich. Landeshauptmann Josef   Pühringer  nennt  Obermayrs   Aussage  „unqualifiziert und historisch falsch“.   Wie soll nun Pühringer seine Teilnahme am Linzer Burschenbundball begründen, der ausgerechnet von Obermayr organisiert wird?
Unter Druck kommt Pühringer auch vom grünen Koalitionspartner.  „Ich verstehe Pühringer einfach nicht“, sagt  Landesrat Rudi  Anschober im Samstags-KURIER. „Er ist kein Rechtstümler, aber seine Teilnahme  am Ball ist das völlig falsche Signal. Vor allem, wenn man Obermayrs Aussage kennt.“  Der Ton in der Koalition wird schärfer. Am kommenden Samstag wollen die Grünen beim Ball gegen die Burschenschafter und die Teilnahme Pühringers demonstrieren.
Welchen Zweck die FPÖ mit ihrem  Gebaren verfolgt,  ist rätselhaft.  Denn die Freiheitlichen verbauen sich damit  ihre eigene Zukunft. Sie schließen sich  von einer Regierungsbeteiligung aus.  Auch auf Landesebene.  Obermayr leistet zwar Bundesparteiobmann Heinz Christian Strache Schützenhilfe, fällt aber gleichzeitig  Landesparteiobmann Manfred Haimbuchner in den Rücken, der mit den Schwarzen nach 2015 regieren will.

Wir lernen für die Schule, nicht für das Leben

Samstag, 04. Februar 2012

Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir.“ Ein  Spruch,  der sich gut anhört. Die Realität sieht anders aus. Das wissen die Schüler und die  Lehrer. Und das weiss inzwischen auch die Schuldnerberatung.
 Ein Drittel ihrer Klienten ist unter 30 Jahre jung. Gefolgt von der Gruppe der 31- bis 40-Jährigen mit einem Anteil von 25 Prozent. Allein in den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl der Privatkonkurse verdreifacht. Pro Jahr gibt es      österreichweit 1,5 Millionen Anträge auf Einzug per Gerichtsvollzieher. Mit den  öffentlichen Sparbudgets  werden die Zahlen  kontinuierlich nach oben gehen.
Um den Katastrophen     totaler Überschuldung  vorzubeugen, hat die Schuldnerberatung einen Finanzführerschein erarbeitet.  Sie wollte damit in die Schulen, um die Jungen auf den Umgang mit Geld  vorzubereiten. Sie scheiterte damit im Unterrichtsministerium , weil niemand bereit war, auf Stunden zu verzichten. Selbst ein Kämpfer wie Sozialreferent Josef Ackerl resigniert. „Das werden wir nicht mehr erleben.“ Wir lernen für die Schule, nicht für das Leben.

Hubert Gaisbauer über Papst Johannes XXIII.: “Er war von Herzen gut zu den Menschen”

Mittwoch, 01. Februar 2012

Hubert Gaisbauer (72) stammt aus Hagenberg bei Linz und war unter anderem Leiter der Abteilung Religion des ORF-Hörfunks. Kurz vor Weihnachten 2011 ist sein Buch „Ruhig und froh lebe ich weiter – Älter werden mit Johannes XXIII“ im Wiener Domverlag erschienen. Angelo Roncalli wurde    1958 zum Papst gewählt und nannte sich  Johannes XXIII. Er berief das II. Vatikanische Konzil ein und starb 1963 an Magenkrebs.
Das Buch schließt mit einem 38-seitigen Essay von Ewald Volgger, dem Rektor der katholischen Privatuniversität Linz,  über Loris Francesco Capovilla, den heute 97-jährigen Sekretär von Johannes XXIII., der in  Sotto il Monte lebt. 

Für die OÖ-Beilage des Kurier habe ich folgendes Interview mit Gaisbauer geführt:

Frage: Warum haben Sie das Buch geschrieben?
Hubert Gaisbauer: Der wichtigste Grund ist, dass ich selbst von dieser Arbeit sehr viel gewonnen  habe. Ich habe Papst Johannes XXIII immer sehr geschätzt. 1991 habe ich in Rom den Jesuitenpater Ludwig Kaufmann getroffen, der mir die Augen für Johannes geöffnet hat.  Ich persönlich glaube nicht, dass er ein Reformpapst war.  Denn er war ein Stockkonservativer. Er war jedoch ein Mann, der einen  neuen  Geist in die Kirche gebracht hat. In der Folge  habe ich begonnen, sein geistliches   Tagebuch, von dem auch Hannah Arendt so schwärmt,  und seine Briefe an die Familie zu lesen.  Dann bin ich auch noch draufgekommen, dass die Mutter von Johannes und meine Mutter am gleichen Kalenderdatumstag (20. Februar) gestorben sind.
Es hat sich für mich eine unglaubliche Welt aufgetan.  Die Welt einer Bauernfamilie in Norditalien, arm, fast noch Leibeigene, eine Großfamilie, mit 20, 30 Leuten in einem Raum beisammen. Obwohl er dann viele Jahre in Bulgarien, Istanbul und Paris war, hat er sich unglaublich  um die Familie gesorgt, materiell, geistig und geistlich.  
 Ab seinem 50. Lebensjahr  findet man zu jedem Geburtstag eine Überlegung von Johannes: Ich werde älter, wie geht es mir dabei und was habe ich noch zu erwarten. Als er 57 wurde,  schrieb er, ich muss jetzt auch an mein Sterben denken. Aber nicht zu meiner Betrübnis, sondern zur Erhöhung  meiner Lebensqualität. Er sagte, ruhig und froh lebe ich weiter, was auch der Titel des Buches ist.

Frage: Johannes XXIII gilt als Reformpapst, obwohl er sehr konservativ war.
Gaisbauer: Er war ein Mensch, der von seiner geistlich-gläubigen Überzeugung zutiefst erfüllt war.  Sein Glaube war, Dein (Gottes, Anm. d. Red.) Wille geschehe. Das war seine Richtschnur. Er hat erkannt, dass etwas Neues in die Kirche einkehren muss.  Das Bisherige war Erstarrung. Er sagte, Kirche ist kein Museum, sondern ein blühender Garten. Eines seiner schönsten Worte, das er bereits 1903 mit 22 Jahren in sein geistlichen Tagebuch geschrieben hat, lautet, man müsse erkennen,  was an einer Tradition il succo vitale, der lebendige Saft, ist.  Er verkörpert für mich die Treue und gleichzeitig die Erneuerung der Kirche. Er stellt das dar,  was Nietzsche von den Christen gefordert hat:     Jene, die immer von der Erlösung reden, sollten etwas erlöster aussehen. Er war kein Populist, sondern von Herzen gut zu den Menschen.

Frage: Seine Wahl zum Papst 1958 war eine  Überraschung.
Gaisbauer: Die gängige Lehrmeinung ist, dass er als  Übergangspapst gesehen wurde.  Alle dachten bereits an Giovanni Battista Montini, den späteren Papst Paul VI. (1963–1978). Aber der war damals noch kein Kardinal.
Montini war der erste, den Johannes XXIII zum Kardinal berufen hat.

Frage: Johannes XXIII hat bereits drei Monate nach seiner Wahl 1958 das II. Vatikanische Konzil angekündigt.
Gaisbauer: Ich habe lange mit seinem Privatsekretär Loris Francesco Capovilla gesprochen. Er betont, es war eine spontane Eingebung. Johannes hat später einmal gesagt, man darf Ideen haben, auch wenn man alt ist und sie möglicherweise nicht mehr zu Ende bringen kann. Und wenn man eine Idee hat, stellt man sich in die Kette dessen, was man als Willen Gottes bezeichnen kann. Er sieht sich als Instrument Gottes. Mit der Kurie, mit den Beamten im Vatikan, hat er überhaupt nicht können. Da gab es den berühmten Kardinal Stefano Ottaviani, der gesagt hat, hoffentlich holt mich der Herr bald zu sich, denn ich möchte noch als Katholik sterben. Die Kurie war äußerst skeptisch. Da hat Johannes eingegriffen, er hat die Richtung vorgegeben und es ist daher rechtens, ihn als Konzilspapst zu bezeichnen.
Er war der Kollegialität der Bischöfe  verpflichtet. Er hat sich nicht als Papst aufgespielt. Deshalb hat er auch bei der Konzileröffnung nicht die Tiara getragen, sondern nur die Bischöfsmütze.

Frage: Inwiefern kann er ein Vorbild sein?
Gaisbauer: Er war ein Mensch, der sich ständig seiner Fehler bewusst war.  Nicht im Sinne   katholischer Selbstverleugnung und Selbsterniedrigung.  Er schreibt zum Beispiel in seinem Tagebuch, dass er sich sehr geschwätzig gefühlt hat. Er redete sehr gern und er hatte das Gefühl, er redet zu viel. Er hat gewusst, dass das die Kehrseite seines Charismas ist,  dass er auf die Menschen zugehen kann.  Er hat zuerst einmal das Gute in den Menschen gesehen. Er war offen und tolerant. Er hat ständig Leute zum Essen eingeladen.
Er hat sich um die Familie gekümmert. In dem Sinn, wie es der Prophet Jesaia als richtiges Fasten definiert: Sich um die Armen kümmern und sich seinen Verwandten nicht entziehen.  Die Roncallis hatten alle schlechte Zähne. Er hat geschaut, dass    die Zähne der Brüder in Ordnung waren.
Er wird immer als der Fröhliche und Lustige dargestellt. Er hatte aber auch seine Zweifel und Bedenken. Am Grab seiner Schwester sagte er einmal,  wehe uns, wenn das alles eine Illusion ist, was wir glauben.

Frage: Sie schreiben im Buch vom „Roncallischen Blick“.
Gaisbauer: Er sieht das Gute im anderen, ohne alles zu beschönigen. Er hat nichts unter den Teppich gekehrt. Es ist der ehrliche, offene Blick eines Menschen, der sein Gegenüber liebt.   Er ist auf die Menschen ohne Vorurteil zugegangen.   Es ist der Blick der Liebe. Das hört sich zwar abgegriffen an,   aber bei ihm erlebt man es.  Wenn von diesem Blick etwas ins Buch eingeflossen ist, dann bin ich sehr glücklich.

Balduin Sulzer: “Zuhören ist das Wichtigste”

Dienstag, 31. Januar 2012

Balduin Sulzer wird  am 15. März  80 Jahre jung. Am Mittwoch wurde im Wiener Musikverein ein  Klavierquartett uraufgeführt. Für die OÖ-Beilage des KURIER habe ich folgendes Interview mit ihm geführt.

Frage:  Was bedeutet Musik für  Sie?
Balduin Sulzer: Musik ist das Wichtigste für meine Existenz, für mein Dasein. Das war nicht so geplant. Ich komme aus Großraming,  ich habe nicht gewusst, dass es so etwas wie klassische Musik gibt. Mein Vater war Holzknecht, die Mutter  Schneiderin.  1942 kam ich nach Linz, ans  Gymnasium auf der Spittelwiese. Die beiden  Domkapläne  Josef und Hermann Kronsteiner haben  sich meiner angenommen. Nicht weil ich so musikalisch war, sondern weil sie aus Losenstein und damit  aus derselben Gegend wie ich stammten.  Sie haben bemerkt, dass ich ein gutes Gehör habe und  haben mich in die Domchor aufgenommen. Sie verschafften mir Klavierstunden und ich durfte auf dem alten Klavier im Pfarrhof spielen. Meine Lehrerin  stammte aus einer Familie, in der Anton Bruckner gelegentlich verkehrt hatte. Sie hat mir stets von ihren Begegnungen mit  Bruckner erzählt, was für mich sehr spannend war.

Frage: Musik ist für Sie   ein Lebensgrund, ein Lebenssinn. Gleichzeitig haben Sie sich für den Eintritt in den Zisterzienserorden entschieden.
Sulzer: Im Laufe meiner Studentenzeit im Internat, ich war ab Herbst 1945 in Wilhering,  habe ich gemerkt, dass ich eine ganz gute Gabe habe im Umgang mit  jungen Menschen. In der sechsten, siebenten Klasse war ich manchmal Aushilfspräfekt. Ich hatte das Gefühl, dass mir die Kommunikation mit den Kleinen ganz gut gelungen ist. Es reifte in mir der Entschluss heran, mich mit Erziehung zu beschäftigen.  Der Orden hat die  Einladung an mich und andere ausgesprochen, im Haus zu bleiben und  im  Unterricht im Gymnasium  tätig zu sein. Ich hatte hier wegen der Musik eine gewisse Sonderstellung. Das alles zusammen hat mich mit fünf anderen Kollegen bewogen, in den Orden einzutreten.

Frage:  Sie haben Tausende Schüler unterrichtet. Ihr berühmtester war wohl Franz Welser-Möst.
Sulzer: Neben Wilhering habe ich auch am Musikgymnasium in der Linzer Stifterstraße  unterrichtet.  Es sind in Wilhering auch ein paar gute herausgekommen.  Walter  Gugerbauer ist beispielsweise Generalmusikdirektor in Erfurt.  Ernst Würdinger war Dirigent in Frankfurt und unterrichtet  heute Tonsatz an der Wiener Musikhochschule.

Frage: Ist Ihnen Welser-Möst am Musikgymnasium  bereits aufgefallen?
Sulzer: Ja, nur nicht in dem Ausmaß wie er heute bekannt ist. Es kam relativ bald zum Vorschein, dass er ein Leithammel ist. Er hat es zustande gebracht, dass  die Schüler in den Ferien eine Woche zusammenkamen, um zu proben. Er trieb auch Sponsoren auf, die das bezahlten.

Frage: Welche Bedeutung hat das Unterrichten für Sie gehabt?
Sulzer: Das war nicht von vornherein geplant. Ich bin kein Mensch, der 100 Jahre vorausplant und dann in Ohnmacht fällt, wenn das nicht eintritt. Ich gehöre zu den improvisatorischen Typen, die zuerst Gas geben und dann sehen, was sich ergibt. Und der dann bewusst in Vorgänge hineinstartet.
Die Musikvermittlung ist ein wichtiger Teil meines Lebens. Nicht die Musik als Aneinanderreihung von Tönen, sondern als Kommunikationsmittel. Musik verstehen alle Menschen, unabhängig davon, aus welchen Teilen der Welt sie kommen. Musik ist Ausdruck und Empfinden. Wenn ein Hund vor mir sitzt und ich sage zum ihm Flocki, merkt er aufgrund der Tongebung ganz genau, ob er etwas zu fressen oder Schläge bekommt. Das liegt im Tonfall. Der Tonfall ist etwas ganz Wichtiges.
Das Erste, was man können muss und was normalerweise nicht so  forciert wird, ist das Zuhören. Die Ohren aufzumachen und zu schauen, was das  Gegenüber sagt.  Nämlich nicht nur zu schauen, was der Betreffende   im Wortlaut  sagt, sondern, was er sagen will.
 Der Kollege im Orchester muss    auf den anderen Kollegen reagieren. Es kommt auf die ausdrucksmäßigen und ästhetischen Details und Feinheiten an. Man muss  für das Improvisatorische offen  sein.  Ich komme hin und  schaue, was ist los. Das ist in der normalen Kommunikation und Sprache  dasselbe.

Frage: Sie unterrichten, dirigieren, spielen an der  Orgel,  komponieren.   Was machen Sie noch?   
Sulzer: Es ist wichtig, dass man Dinge ermöglicht.  Dass man dazu beiträgt, dass sich die Schüler künstlerisch selbst erkennen.  Dass sie draufkommen, wo ihre Stärken liegen. Dazu gehört sehr viel Aufmerksamkeit, damit sie herausfinden, was sie selber sind. Ich habe zum Beispiel bei Wolfgang Holzmayr, der am Mozarteum unterrichtet und weltweit singt, einiges beigetragen, dass er  an sich selbst glaubt.

Frage: Was ist Komponieren?
Sulzer: Ich gehe immer von der Improvisation aus. Ich nähere mich einem Thema von der Emotion her an und nicht vom Intellekt. Ich denke nicht nach, ob das passt oder nicht. Danach versuche ich das verstandesmäßig zu klären. Dann gehe ich  schon ins Detail.

Frage: Das niederzuschreiben erfordert ja viel Disziplin.
Sulzer: Das kann man sagen. An einer Oper arbeite ich schon sieben, acht Monate. Ich arbeite auch sehr viel in der Nacht. Das hängt von meinen persönlichen psychischen Vorgängen ab. Manchmal bin ich nachts wacher als am Tag.

Frage: Sie besuchen ja fast täglich ein Konzert.
Sulzer: Ich versuche schon, möglichst viele zu erreichen, auch als Überlebensstrategie. Wenn ich das beobachte, ist mein Kopf tätig,  und das ist eine Möglichkeit, meine Existenz zu erhalten und zu intensivieren.
 Man verfällt nicht so leicht, vor allem hirnmäßig. Den geistigen Verfall  fürchte ich im Leben am meisten.  Ich habe   einen  sehr intelligenten 90-jährigen Mitbruder gehabt, der vor der eigenen Tür gestanden ist und  gesagt hat, ich finde nicht mehr heim. 

Frage: Was war das Wichtigste in Ihrem Leben?
Sulzer: Da sage ich selbstbewusst, es hat nichts gegeben, was nicht wichtig war (lacht). Das hat damit zu tun, dass ich ein improvisatorischer Typ bin und nichts vorausplane.   Ich schlittere wo hinein und schaue wie ich zurechtkomme. Hineinschlittern ist etwas anderes als planmäßig in den Gatsch zu steigen.

Frage: Was haben Sie noch vor?
Sulzer: Ich werde bis zum Grabesrand komponieren.

Balduin Sulzer, ein Engel der Musik

Samstag, 28. Januar 2012

Es war eines der beeindruckensten Interviews, das ich jemals geführt habe (siehe Seite 3).  Der Gesprächspartner war weder Politiker noch   Manager noch ein Star. Balduin Sulzer  ist ein Musiker, ein Komponist, ein Mönch. Er ist ein normaler, bescheidener 80-jähriger Mann. Ich gebe zu, ich bin ihm zugetan, schließlich hatte er mich im Stiftsgymnasium Wilhering acht Jahre lang in Musik unterrichtet. Er hat mir die Welt der klassischen Musik erschlossen. Ihm verdanke ich diese wesentliche Bereicherung. Seine  Stunden  waren für uns Schüler Erholung, denn er vermittelte   die Schönheiten der Musik in einer angenehmen Weise.
„Batschkerl“ – wie wir Schüler ihn mit Spitznamen nannten – hat aber auch etwas zu sagen. Seine Weisheiten sind einfach, aber wahr und wichtig.
 – Zuhören ist das Wichtigste. Es ist wichtiger als Reden. Es geht darum, das herauszuhören, was der andere wirklich sagen will.
– Der Tonfall ist ganz entscheidend, gemäß dem Sprichwort der Ton macht die Musik.
– Die Einfühlsamkeit und das Hineindenken in andere, in Schwächere und Andersdenkende.
– Die Bereitschaft, die Dinge, die da kommen, anzunehmen und nicht verzweifelt Ziele anzustreben. „Ich bevorzuge es, in den Gatsch hineinzuschlittern statt planmäßig  hineinzusteigen.“
Neben seinen Gedanken und Fähigkeiten ist es seine Art, die überzeugt. Er lacht gern und freut sich des Lebens. Eine positive Erscheinung. Die Musik ist sein Sein. Sein Arbeitszimmer ist von einer erfrischenden  „Ordnung der anderen Art“. Er hat  viele hervorragende Musiker herangebildet und  vieles  ermöglicht.  Mögen ihm noch viele Jahre gegönnt sein!