Archiv für die Kategorie ‘Religion’

Bischöfe fordern Reformen ein

Freitag, 13. August 2010

iby

Der scheidende burgenländische Bischof Paul Iby (Foto: kleinezeitung.at) fordert Reformen in der katholischen Kirche. In einem Interview mit der katholischen Wochenzeitung „Die Furche“ betont er, in den letzten Jahren hätten hier Auseinandersetzungen begonnen, „denen wir uns nicht verschließen können“.

dom-clemente

Iby nahm auch zu den jüngsten Vorschlägen des 91-jährigen  brasilianischen Bischofs Dom Clemente Isnard (Bild) Stellung, der im Wesentlichen drei Reformpunkte einmahnt: Erstens einen neuen Modus der Bischofsbestellungen und die Notwendigkeit, daran Laien zu beteiligen. Zweitens Änderungen bei der Lebensform der Priester einschließlich des Pflichtzölibats. Drittens die Stellung der Frau in der Kirche. Iby dazu: „Dom Clementes Vorschläge sind mutig. Ich glaube, dass dieser Bischof in seiner Weisheit des Alters nicht persönliche Probleme, sondern Probleme der Kirche, die ihn bewegen, formuliert hat.“   

Sein Amt als Bischof und die damit verbundene Mittlerrolle zwischen Rom und Heimatdiözese beschrieb Iby als „Sandwich-Position“. „Vor allem, wenn ich das Beharren auf Tradition von Rom, dass ehr stark ist, hernehme, und auf der anderen Seite brodelt es an der Basis, wegen dieser Fragen.“ Aber es wäre schade, „wenn es hier zu Spaltungen käme“. Die auf dem Tisch liegenden Fragen und Anliegen der Basis „müssen bearbeitet, diskutiert und entscheiden werden“.

Lutheraner: “Tiefes Bedauern” über die Verfolgung der “Täufer”

Samstag, 24. Juli 2010

mennonitenkinder

Entschuldigungen haben es oft an sich, dass sie zu spät erfolgen. Aber es ist besser, sie kommen sehr spät als gar nicht. Mit einer sehr bewegenden Zeremonie hat die protestantische Bewegung in Form des Lutherischen Weltbundes am Donnerstag in Stuttgart Abbitte bei den Mennoniten für die grausame Verfolgung der Täuferbewegung geleistet.

Entschuldigung unter Gebet und kniend

In der Erklärung heißt es, man bitte um Vergebung für die Verfolgung der sogenannten Wiedertäufer im 16. Jahrhundert, für das spätere Vergessen und Ignorieren dieser Verfolgungen  sowie für alle unangemessenen, abwegigen und verletzenden Darstellungen von Wiedertäufern und Mennoniten durch lutherische Autoren bis zum heutigen Tag. Die Annahme des Textes erfolgte unter Gebet und kniend.

Absolute Gewaltlosigkeit

Der Vorsitzende des Lutherischen Weltbundes, Bischof Mark Hansen, würdigte die Mennoniten als Vorbild für Gewaltlosigkeit: „Wir können viel von ihnen lernen.“ Er errinnerte auch an die symbolische Bedeutung des Ortes Stuttgart. Der Reformator Johannes Brenz habe sich 1528 von Württemberg aus mit Nachdruck gegen die Hinrichtung von Täufern gewendet, da geistliche Irrtümer nicht nach weltlichem Recht bestraft werden dürften. Er war damit auf den Widerspruch seiner Kollegen Luther und Melanchthon gestoßen, die die Bestrafung der Täufer als Aufrührer befürworteten. Vielen tausenden Wiedertäufern kosteten die Verfolgungen das Leben. “Wer widerruft, wird geköpft, wer nicht wiederruft, wird verbrannt”, hieß es etwa in einem staatlichen Verdikt. Die “Wiedertäufer” galten als “linker” Flügel der Reformation. Sie setzten sich für radikalere soziale Reformen im Christentum ein als etwa die Reformatoren Luther und Zwingli.

Eine Million Gläubige weltweit

Der Gemeinschaft der Mennoniten gehören mehr als eine Million Gläubige an, viele leben in den USA und Kanada. Das Bild zeigt deutschstämmige Mennonitenkinder in Kanada. Etwa 30.000 davon leben in Deutschland. Ihr Name geht auf den niederländisch-friesischen Theologen Menno Simons (1496-1561) zurück. Als Teil der Täuferbewegung wurden Mennoniten in der Reformationszeit und noch danach verfolgt. Durch die Nachstellungen wurden sie in alle Welt zerstreut. Mennoniten lehnen Gewalt und das leisten von Eiden rundweg ab. Sie lehnen Taufen im Kindesalter ab, weil als Voraussetzung für eine Taufe die bewusste Hinwendung  zu Christus gilt. Deshalb wurden sie auch als „Wiedertäufer“ bezeichnet. Simons lehnte apokalyptische Visionen ab und setzte dem eine Ethik der leidenden Liebe und eine strikte Ablehnung jeglicher Gewalt entgegen. Die Mennoniten lehne kirchliche Ämter hierarchien ab, die Ortsgemeinden sind weitgehend autonom. Es wird die klare Trennung von Kirche und Staat befürwortet.

In Ober- und Niederösterreich wurden 250 Täufer hingerichtet

Im Rahmen der oberösterreichischen Landesausstellung „Renaissance und Reformation“, die derzeit im Schloß Parz bei Grieskirchen gezeigt wird, wird auch ein kurzes Kapitel der Täuferbewegung gewidmet. Sie wurden auch im Land ob der Enns sowohl von Katholiken als auch den Protestanten verfolgt. Die Täufer waren vor allem im Raum Linz und Steyr konzentriert. In Ober- und Niederösterreich wurden rund 250 Anhänger der Täuferbewegung hingerichtet.

 

Die Implosion der römisch-katholischen Kirche

Montag, 19. Juli 2010

johannes

 

„Krise einer moralischen Instanz“ titelt Daniel Deckers seinen Leitartikel in der Samstagausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (17. Juli 2010, Seite 1). Aus Anlass der zahlreichen sexuellen Übergriffe von Priestern auf Jugendliche setzt er sich sehr kritisch mit dem Zustand der römisch-katholischen Kirche auseinander. „Es ist nach den strukturellen Bedingungen zu fragen, die ein Klima in der Kirche begünstigen, in dem die institutionellen Abwehrreflexe nach wie vor weitaus stärker sind als die Bestrebungen, sich jenen moralischen Ansprüchen zu unterwerfen, welche die Kirche gegenüber ihren Mitgliedern wie auch gegenüber der Gesellschaft erhebt.“

Gegensatz zwischen Charisma nach außen und Zentralismus nach innen

Deckers sieht dieses „Paradox durch niemanden so sehr personifiziert wie durch Papst Johannes Paul II (Bild): nach außen ein charismatischer Anwalt von Menschenrechten, nach innen mit Hilfe des damaligen Kardinals Ratzinger ein Verfechter theologischer Tabuzonen und ein Exponent höfisch-zentralistischer Tendenzen, in deren Gefolge das Lebensgefühl viele Katholiken und das Selbstverständnis der Kirchen in einen kaum noch zu überbrückenden Gegensatz geraten. Als Papst haben Ratzinger nicht nur die kognitiven Dissonanzen mit voller Wucht eingeholt, die während des vorangegangenen Pontifikats erzeugt worden sind. Mit einer Kurie, die angesichts der Globalisierung der Kirche strukturell rückständiger denn je, und einem Bischofskollegium, das gerade in den Kardinalsrängen intellektuell ausgezehrt ist wie seit Jahrzehnten nicht, hat Benedikt ein Erbe angetreten, das die Probleme, vor denen die Kirche steht, eher befördert denn gemildert hat.“

Der Priestermangel stellt alles in Frage

Deckers pessimistische Schlußfolgerung: „Daher ist auch nicht erkennbar, ob und wenn ja, woher die Institution Kirche in ihrer gegenwärtigen Lage neue Kräfte zuwachsen können. Im Gegenteil: In den meisten westeuropäischen Ländern ist die Kirche auf dem besten, nicht nur als Kulturmacht zu implodieren, sondern auch als Institution.“ Der Mangel an Priestern habe Ausmaße angenommen, die das Selbstverständnis der katholischen Kirche alltagspraktisch dementieren, mittels ihrer Sakramente Zeichen des Heils in die Welt zu setzen. Eine Kirche ohne Klerus  führe sich selbst ad absurdum.

Papst-Gipfel endet mit Kompromiss

Mittwoch, 30. Juni 2010

ratzing

Die Auseinandersetzung in der römischen Kurie, wie die katholische Kirche mit den Missbrauchsfällen in ihren Reihen umgeht, hat mit einem Kompromiss geendet. Papst Benedikt XVI. hat den Wiener Kardinal Christoph Schönborn (Foto: spiegel.de) und den früheren Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano zu sich gebeten. Während Josef Ratzinger und Schönborn für einen offenen Umgang und eine umfassende Aufklärung plädierten, sah Sodano darin lediglich die persönliche Verfehlung einzelner.

Schönborn ist manchen im Vatikan zu mächtig

Schönborn hatte aus Sicht der vatikanischen Beamten seine Grenzen insofern überschritten, als er öffentlich kritisiert hatte, dass Sodano im Gegensatz zu ihm und Ratzinger eine Untersuchungskommission im Missbrauchsskandal von Kardinal Hans Hermann Groer abgelehnt habe. Diese Kritik Schönborns war ein Bruch der vatikanischen Tradition, dass interne Meinungsverschiedenheiten nicht nach außen getragen werden.

“Missverständnisse” wurden geklärt

In der vatikanischen Erklärung, die nach dem Gipfel am Montag, an dem neben Ratzinger, Schönborn und Sodano auch Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone teilgenommen hat, herausgegeben wurde, hieß es, es seien einige „Missverständnisse“ geklärt worden, die „teils“ auf Äußerungen von Schönborn zurückzuführen seien. Insbesondere wurde daran erinnert, dass bei Anklagen gegen einen Kardinal nur der Papst zuständig sei.

Bedeutet “chiacchericcio” Geschwätz oder Tapferkeit?

Kardinal Sodano, der ja bei der Ostermesse am Petersplatz plötzlich das Wort ergriffen hat, um öffentlich seine Solidarität mit dem kritisierten Papst kundzutun, nutzte die Gelegenheit, das „Missverständnis“ um das von ihm verwendete Wort „chiacchericcio“ (Geschwätz) klarzustellen. Der Begriff sei irreführend als Mangel an Respekt für die Opfer sexuellen Missbrauchs interpretiert worden. Das Wort, so Sodano, sei wörtlich aus der Palmsonntagspredigt von Benedikt XVI. entnommen worden. Dort sei sie auf die „Tapferkeit“ bezogen gewesen, „sie sich nicht vom chiachierriccio (Geschwätz) der herrschenden Meinungen einschüchtern lässt“.

“La Repubblica” spricht von Machtkampf

Die gewöhnlich gut informierte „La Repubblica“ schrieb, dass im Vatikan ein Machtkampf ausgebrochen sei zwischen jenen, die mit dem Thema Missbrauch offener umgehen wollten und jenen, die an Aufklärung nicht so interessiert seien. Mit Argwohn werde im Vatikan auch der exzessive und überproportionale Aufstieg des möglichen Papst-Nachfolgers Schönborn beobachtet.  Aus der Umgebung von Schönborn wurde verlautet, dass der Wiener Erzbischof mit dem Ergebnis des Gesprächs leben könne. Es handle sich um einen typisch römischen Text, mit dem alle zufrieden sein könnten.

  

Die Kirche ist zu wenig offen und zu hierarchielastig

Donnerstag, 24. Juni 2010

Die Bischofskonferenz hat getagt und es ist immerhin einiges herausgekommen. So werden Priester sofort dienstfrei gestellt, sollte ein begründeter Verdacht auf sexuellen Missbrauch bestehen. Dies ist doch eine ganz wesentliche Änderung. Ich erinnere mich an einen Fall, der in meiner Zeit als Chefredakteur der Rundschau passiert ist. Im Zeitraum 2003/2004 berichtete die Rundschau in einem Aufmacher über Übergriffe eines Religionsprofessors in Linz. Er soll Jugendliche in seine Wohnung eingeladen zum Alkohol verführt haben, um sich ihnen in Folge unsittlich zu nähern.  Der Priester wurde versetzt und Pfarrer im Bezirk Grieskirchen.

Die Kirche wusste immer schon ihre Macht einzusetzen

Der Herausgeber der Rundschau und meine Wenigkeit wurden in der Folge vom Generalvikar der Diözese zu einem Gespräch geladen. Er erklärte uns, dass er mit dem Artikel wenig Freude habe und er erwarte, dass er darüber im Vorhinein informiert werden möchte. Es sprach es zwar nicht so direkt aus, aber er hat gemeint, wir sollten ihn über Fälle wie diesen informieren, aber in der Zeitung nichts schreiben. Dies geschah zu einer Zeit, als die Kirche keine Anteile mehr an der Rundschau hielt, sich aber das Zustimmungsrecht bei der Bestellung des Herausgebers und des Chefredakteurs gesichert hatte. Die Kirche wusste immer schon ihre Macht und Einflussmöglichkeiten einzusetzen.

Ist die Kirche aus sich heraus überhaupt reformfähig?

Nun soll das alles anders werden. Die Energie, die Kardinal Christoph Schönborn in die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle der vergangenen 50 Jahre gesetzt ist, lässt hoffen.  Doch um einige kritische Frage kommt die römisch-katholische Kirche nicht herum. Warum hat eine Institution, die sich die Wahrheit und Gewaltlosigkeit auf die Fahnen schreibt, nicht die Kraft, aus sich heraus zu verhindern, dass es zu solchen Fällen kommt? Wie kann es passieren, dass die Wahrheit jahrzehntelang unterdrückt wurde? Die Kirche hat erst reagiert, als die Opfer den Weg über die Gesellschaft wählen mussten, um die Kirche und ihre Vertreter auf ihr Leid aufmerksam zu machen.

Es braucht strukturelle Änderungen

Die Kirche ist nicht offen genug, sie ist zu Hierarchie-lastig. Einige wenige entscheiden alles. Wenn sie sich hier nicht strukturell ändert, werden all‘ die Änderungsbeschwörungen und Ombudsstellen nicht helfen. Die Kirche muss ihre verkarsteten Strukturen aufbrechen und wesentlich stärker auf ihre Mitglieder und Mitarbeiter hören. Sie wissen, wo es fehlt, was nicht zeitgemäß ist und was die Gotteskinder erwarten. 

Ein Wunder: Die Beziehung hält seit 400 Jahren

Montag, 21. Juni 2010

ortenburg

Der Glaube versetzt Berge. Das belegen die Beziehungen zwischen Ortenburg im Landkreis Passau und der 100 km weit entfernten Bevölkerung aus der oberösterreichischen Region um die Bezirksstadt Grieskirchen. 1626  trafen in der Grafschaft Ortenburg (das Bild zeigt das Schloß) die ersten evangelischen Flüchtlinge aus diesem Raum ein, die vom katholischen Habsburgerkaiser Ferdinand II. vertrieben worden waren. Nun, fast 400 Jahre später, stellten sich die Ortenburger den Grieskirchnern im Rahmen der Ortenburg-Woche vor.

Ortenburg-Woche in Grieskirchen

Weißwürste und Brezen waren Samstagvormittag jene Produkte, die von den  Grieskirchnern am stärksten nachgefragt wurden.  Am Stadtplatz präsentierten sich Ortenburger Betriebe mit ihren Spezialitäten. Es gab Mostkuchen, Honig, Most, Likör, Stickereien etc. an den Ständen am Stadtplatz. Zwischendurch erklangen die Stimmen des gemischten Chores. „Ich bin angenehm überrascht, wie sehr sich unsere Bevölkerung beteiligt“, sagte Ortenburgs Bürgermeister Hans Halser. Dieser Tag des Marktes war ein Teil der Ortenburg-Woche. Vergangenen Mittwoch hatten bereits Ortenburger Schüler Grieskirchner Schulen besucht. Donnerstagabend wurde über die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Bayern und Oberösterreich diskutiert, Freitagabend wurde die Ortenburg-Ausstellung im Grieskirchner Rathaus eröffnet. Anschließend spielten und sangen im Pfarrsaal der Männergesangsverein Unteriglbach, der Aushamer Viergesang und das Ensemble „PompAdur“. Der Heimatforscher Walter Fuchs brachte den Grieskirchnern in Bilder die Schönheiten und die Geschichte der 7200-Seelen-Marktgemeinde näher. Samstagabend gab es eine Begegnung mit der Gemeinde Wallern, Sonntagvormittag einen Festgottesdienst in der evangelischen Kirche.

Der Glaube überwand alle Hindernisse

Der gemeinsame protestantische Glaube hat die Bindungen zwischen den Evangelischen in Oberösterreich und dem bayerischen Ortenburg über die Jahrhunderte eng und lebendig gehalten. Graf Friedrich Casimir (1591-1658) von Ortenburg, der selbst der neuen Lutherischen Lehre anhing, gewährte den Flüchtlingen aus dem Land ob der Enns Schutz. Die einen zogen weiter in die Reichsstädte Regensburg, Nürnberg, Augsburg, etc., die anderen blieben in Ortenburg. Unmittelbar vor Ostern 1626 fanden hundert dieser Flüchtlinge, davon 42 Kinder, zumeist aus dem Raum Grieskirchen, Neumarkt und Peuerbach in Ortenburg Zuflucht. Bis Ende 1626 trafen nochmals mehr als 100 Glaubensflüchtlinge ein. Da für die vielen Obdachlosen auf Dauer keine entsprechenden Wohnungen zur Verfügung standen, überließ ihnen der Graf in dem östlich von Ortenburg gelegenen Waldgebiet Grund und Boden, den sie roden und sich darauf ansiedeln konnten. So entstanden die heutigen Orte Vorderhainberg und Hinterhaimberg. Die Oberösterreicher brachten aus ihrer Heimat den Mostobstbau mit.

Evangelische Enklave inmitten des katholischen Bayern

Ortenburg konnte sich als evangelische Enklave inmitten des katholischen Bayern halten. Grund dafür war ein Urteil des Reichskammergerichts in Speyer vom 4. März 1573, das die damals von Bayern bestrittene Reichsunmittelbarkeit der Grafschaft Ortenburg betätigt hatte. Es war dies ein Sieg des Grafen Joachim zu Ortenburg über den bayerischen Herzog Albrecht V. Graf Joachim war 1563 offiziell zum Protestantismus übergetreten, was dem Herzog ein Dorn im Auge war. Die Mehrheit der Bevölkerung war ebenfalls evangelisch, doch Graf Joachim war klug und weise genug, den Katholiken in seiner Grafschaft weiterhin die ungestörte Ausübung ihres Glaubens zu erlauben.

Die Geheimprotestanten gingen wallfahren

Während die eine Gruppe der Evangelischen aus Österreich flüchtete, kehrten andere Österreicher wieder zwangsbekehrt zum Katholizismus zurück, um ihre Höfe und ihren Besitz nicht aufgeben zu müssen. Sie betrieben ihren Glauben im Geheimen und wurden deshalb als Geheimprotestanten bezeichnet. Geheimprotestanten aus ganz Oberösterreich machten regelmäßig Wallfahrten nach Ortenburg, um dort evangelische Predigten zu hören und das evangelische Abendmahl zu empfangen. Offziell gaben sie an, nach Altötting zum katholischen Marienwallfahrtszentrum zu gehen, tatsächlich marschierten sie aber nach Ortenburg. Von dort schmuggelten sie auch potestantische Bücher mit nach Hause. 

Die Pfarrer aus Wallern kamen aus Ortenburg

Als nach dem Toleranzpatent von Kaiser Josef II. die Ausübung des Protestantismus 1781 in Österreich erlaubt worden war, kam mit Jakob Koch ein Ortenburger als erster Pfarrer nach Wallern (Bezirk Grieskirchen). Er war der Bruder des damaligen Ortenburger Pfarrers. Die Familie Koch besetzte über vier Generationen die Pfarrersstelle von Wallern, der letzte ging 1936 in Pension.

Bindungen durch Heiraten gefestigt

Gefestigt wurden die Bande zwischen den Geheimprotestanten in Oberösterreich und den Evangelischen in Ortenburg auch durch Heiraten. Denn junge Protestanten suchten nach einer Braut potestantischen Glaubens.

Das Land ob der Enns war zu 80 Prozent protestantisch

Die oberösterreichische Landesausstellung ist heuer dem Thema „Reformation und Renaissance“ gewidmet. Sie findet im Renaissanceschloss Parz bei Grieskirchen statt. Zur Zeit der Reformation war das Land ob der Ens zu 80 Prozent protestantisch, wurde aber im Zuge der Gegenreformation fast komplett zwangsbekehrt. Zu sehen ist ind er Landesausstellungim Schloß Parz auch ein silberner Abendmahlskelch aus Ortenburg aus dem Jahr 1573. Die eingangs beschriebene Ortenburg-Woche soll die alten Beziehungen zwischen Oberösterreich und Bayern festigen. Es gibt nicht wenige Nachfahren von nach Bayern geflüchteten Evangelischen, die die Ausstellung zum Anlass nehmen, um nach ihren Wurzeln zu suchen.   

  

 

  

Ozean der Weisheit

Donnerstag, 07. Januar 2010

dalaiarmut

Der Beginn des neuen Jahres ist immer eine Zeit guter Vorsätze. Der Dalai Lama ist nicht nur ein religiöser Führer, sondern auch ein Weisheitslehrer, dessen Ratschläge sehr durchdacht sind, ohne dabei den moralischen Zeigefinger zu erheben. Dalai Lama heißt sinngemäß Ozean der Weisheit.

- Ziehe in Betracht, dass große Liebe und große Leistungen große Risiken mit einschließen.

- Wenn Du verlierst, versäume nicht die innewohnende Lektion.

- Folge den drei “A’s”: Selbstachtung, Achtung für andere, und Ver-Antwortung für alle Deine Handlungen

- Bedenke, das nicht zu bekommen, was Du Dir wünscht, manchmal ein Glücksfall ist

- Lerne die Regeln, damit Du weisst, wie Du sie richtig brichst

- Lass’ nicht zu, dass durch einen kleinen Streit eine große Freundschaft verletzt wird

- Wenn Du bemerkst, dass Du einen Fehler gemacht hast, unternimm sofort etwas, ihn zu berichtigen

- Verbringe täglich etwas Zeit allein

- Sei offen für Veränderungen, aber lass’  Deine Werte nicht los

- Bedenke, dass Schweigen manchmal die beste Antwort ist

- Lebe ein gutes, ehrhaftes Leben. Wenn Du älter wirst und zurückdenkst, wirst Du es ein zweites Mal genießen können

- Eine liebevolle Atmosphäre in Deinem Zuhause ist das Fundament für Dein Leben

- Bei Unstimmigkeiten mit geliebten Personen beziehe Dich nur auf die aktuelle Situation und wühle nicht in der Vergangenheit herum

- Teile Dein Wissen. Dies ist ein Weg zur Unsterblichkeit

- Sei freundlich zu Deinem Planeten Erde

- Geh’ einmal im Jahr an einen Platz, an dem Du noch niemals zuvor warst

- Bedenke, dass die beste Beziehung die ist, in der Eure Liebe zueinander größer ist als Euer Bedürfnis füreinander

- Beurteile Deinen Erfolg anhand dessen, was Du aufgeben musstest, um ihn zu erlangen

- Gehe an die Liebe und an das Kochen mit unbekümmerter Hingabe heran

Ein in allen Situationen ruhiger, gesammelter und konzentrierter Geist!

Dienstag, 15. September 2009

lotus

Obwohl die Lotusblüte aus dem Schlamm hervorwächst, hat sie eine rein weiße Blüte. Sie ist ein Symbol für unseren Geist, der zwar unrein ist, jedoch rein werden kann.

Der Dalai Lama und der Kapitalismus, Teil 3.

Ziel sollte es sein, dass der Geist in allen Situationen des Lebens ruhig, gesammelt und konzentriert ist, sagt der Dalai Lama im Kapitel 3 des Buches “Führen, Gestalten, Bewegen”, das dem Thema der Schulung des Geistes gewidmet ist. Außerdem soll uns die Schulung ermöglichen, Entscheidungen rasch aus unterschiedlichen Sichtweisen zu analysieren. Dazu müsse der Geist offen und beweglich sein. Wenn der Geist durch Zorn, Hass, Ungeduld, Angst oder mangelndes Selbstbewußtsein  getrübt ist oder wenn er unter dem Eindruck negativer Ereignisse der Vergangenheit emotional aufgewühlt ist, verschwenden wir wertvolle Denkzeit.  Diese negativen Gedanken und Emotionen kosten Zeit, die wir besser auf konstruktives Denken verwenden sollten. Der Zweck der Schulung des Geistes besteht also darin, die Kraft des Geistes zu maximieren und auf wichtige Entscheidungen zu bündeln.

Hören Sie offen zu statt sich zu ärgern!

Der Managementcoach Muyzenberg nennt ein Beispiel für dieses Prinzip. “Wenn Sie beispielsweise auf Kritik ärgerlich oder defensiv reagieren, können Sie sich so konditionieren, dass Sie stattdessen aufmerksam zuhören und überlegen, ob Sie aus der Situation etwas lernen können. Der Schutzreflex wird also durch den Reflex des offenen Zuhörens ersetzt.”

Wartezeiten für die Meditation nützen

Die Schulung des Geistes erfolg durch Meditation. Sie muss keine Unterbrechung des Aktivitätsflusses darstellen, sie kann eingeschoben werden, wenn Momente der Ruhe und Klarheit gefragt sein. Jede Verzögerung, jede Wartezeit ist eine gute Gelegenheit, um eine Übung in den Alltag einzubauen. Die Meditationen können verschieden sein. Es gibt zum Beispiel die Meditation im Gehen, bestimmte Atemtechniken, Meditation im Sitzen oder auch die Analytische Meditation. Sie soll die Fähigkeit stärken, eine Fragestellung aus vielen unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten und sich beliebig lange darauf zu konzentrieren.  ”Nehmen sie beispielsweise eine negative Emotion wie Ärger. Zunächst reflektieren Sie über die zerstörerischen Auswirkungen des Ärgers auf Ihre körperliche Gesundheit und Ihre emotionalen Beziehungen. Analysieren und reflektieren Sie nicht nur ein- oder zweimal, sondern immer wieder, bis die Erkenntnis Teil Ihres tieferen Verständnisses geworden ist. “  

Der Geist ist wie die Lotusblüte

Der Dalai Lama vergleicht den Geist mit der Lotusblüte. obwohl sie aus dem Schlamm emporwächst, hat sie eine rein weiße Blüte. Sie ist ein Symbol für unseren Geist, der zwar unrein ist, aber rein werden kann.

Rom sieht die Splitter im Auge der Diözese Linz, nicht aber die Balken im eigenen Auge

Montag, 10. August 2009

Obwohl die italienische Gesellschaft der päpstlichen Sonne so nahe ist, ist sie krank.

In Italien tobt ein Kampf über die Zulassung der Abtreibungspille RU 486. Während die italienische Arzneimittelbehörde RU 486 für die ersten sieben Schwangerschaftswochen genehmigt hat, sieht die katholische Kirche den Schutz der ungeborenen Kindern gefährdet. Italien hat eine der niedrigsten Geburtenraten europaweit. Die Italiener gefallen sich zwar darin, den Papst laut ”Papa, Papa, Papa” zu rufen, an seine Vorstellungen und Anweisungen halten sie sich aber kaum. Die italienische Gesellschaft ist ein Krisenfall, obwohl sie der päpstlichen Sonne so nahe ist. Und manche sind unverfroren genug, die Rompilger noch auszubeuten. Manche Restaurant- und Barbesitzer schämen sich nicht, von erschöpften und dürstenden Papstpilgern sechs Euro für einen Liter Wasser zu verlangen.

Jene, die bei der Diözesansynode unterlegen sind, gehören heute zu den Anschwärzern 

Aber statt vor der eigenen Tür zu kehren und den Balken im eigenen Auge zu sehen, kümmern sich der Papst und die Kurie um die Splitter im Auge der Diözese Linz. Obwohl Linz bei allen Vergleichsziffern (Spendenhöhe, sonntäglicher Kirchenbesuch, Peterspfenning, etc.) die beste Diözese Österreichs ist, wird sie systematisch als Problemfall dargestellt. Obwohl sich Oberösterreich inzwischen zu einem Industrieland entwickelt hat, ist die katholische Kirche stark geblieben. Ein an sich nicht hoch genug zu schätzende Leistung. Weil sie mit der Diözesansynode das II. Vatikanische Konzil konsequent umgesetzt hat und die Laien in der Pastoralarbeit eine nicht zu ersetzende Rolle spielen. Jene, die bei den Abstimmungen der Diözesansynode deutlich unterlegen sind, sind teilweise noch dieselben, die heute den Kurs der Diözese anschwärzen. Doch sie haben Erfolg. Denn Johannes Paul II. und Benedikt der XVI. haben einen Kurswechsel durchgeführt. 

Es geht nicht um die Seelsorge und Leistung, sondern um Machtfragen  

 Papst Benedikt XVI. und seinem Kurienhofstaat geht es offensichtlich weniger um die Leistungen der Kirche, sondern um Machtfragen. Sie wollen ihr Verständnis und ihre Interpretation von Katholizität der Diözese aufzwingen. Dass sie dabei mehr Schaden als Nutzen stiften, stört sie nicht wirklich. Mit einer gewissen Vielfalt und einer gewissen katholischen Breite können sie wenig anfangen. Wenn sich jemand wie Margit Hauft, die Vorsitzende der Laien, für die Priesterweihe der Frau ausspricht, ist das für sie inakzeptabel. Sie präferieren im Zweifelsfall die kleine, rechtgläubige Herde gegenüber der breiten Volkskirche.

“Passen Sie auf, dass Sie in Rom Ihren Glauben nicht verlieren!”

Eines kann man heute schon mit einiger Sicherheit prognostizieren. Wenn Rom mit dem überforderten Bischof Ludwig Schwarz diesen Kurs gegen die Diözese Linz weiterfährt, wird es gelingen, aus der gut funktionierenden Volkskirche eine kleine Schar rechtsgläubiger Christen zu machen. Dann ist vieles zerstört, aber man ist auf dem Kurs Roms. Das ist die Art und Weise, wie Rom seine Probleme löst. Als ich vor etlichen Jahren meinem Dissertationsprofessor erzählte, dass ich nach Rom fahre, warnte mich dieser: “Passen Sie auf, dass Sie dort Ihren Glauben nicht verlieren!”

Fahrer dicker Autos von Gott erwählt

Samstag, 25. April 2009

Der Reformator Johannes Calvin wird 500 Jahre alt. Seine Lehren haben die gesamte westliche Welt viel stärker geprägt als uns bewußt ist. Der Individualismus, die Arbeitsmoral, der Kapitalismus und demokratische Strukturen  gehen wesentlich auf ihn zurück. 

Im katholisch geprägten Österreich ist Johannes Calvin zwar nur wenigen bekannt, doch von den Auswirkungen seiner Lehre sind alle - zumindest indirekt - betroffen. Unser neuzeitlicher Individualismus, die protestantische Arbeitsmoral, der Kapitalismus - alles undenkbar ohne Calvin. “Er formulierte eine moderne Religion und er hat die stärkste Auswirkung aller Reformatoren”, sagte Univ. Prof. Ulrich Gärbler Mittwochabend (22.4.200) bei seinem Festvortrag im Evangelischen Museum Rutzenmoos. Der Kirchenreformator wurde 1509, also vor 500 Jahren, in Nordfrankreich geboren. Seine Hauptwirkungsstätte war Genf, wo er 1564 gestorben ist. Gärbler wiederum ist gebürtiger Kärntner und war unter anderem Rektor der Universität Basel.

Man leistet und leistet sich selbst nichts

Der große Soziologe Max Weber hat festgestellt, dass der Protestantismus eine Hauptwurzel für den Kapitalismus ist. Die Gläubigen seien bestrebt,  zwar viel zu leisten, sich selbst aber nichts zu leisten. Das führe zur Bildung von Kapital und Wohlstand. Vom Wohlstand werde abgeleitet, dass Gott einem wohlgesonnen sei. Denn sonst hätte er einem die Wohltaten nicht gegönnt. “Wer sich dicke Autos leisten konnte, durfte davon ausgehen, dass Gott ihn erwählt und nicht verworfen hatte”, schreibt Klaas Huizing in seiner Biographie “Calvin….und was vom Reformator übrig bleibt” (edition chrismon). Für Calvin, so Huizing, “ist nur der feste Glaube Zeichen der Erwählung”. Erst spätere Generationen deuteten auch den Wohlstand als Erkenntnisgrund, von Gott nicht verworfen zu sein. “Man muss also sehr genau zwischen Calvin und Calvinismus unterschieden.” Ähnlich argumentiert Gäbler. Die These, vom Wohlstand auf den Heilsstand zu schließen, sei nicht von Calvin, sondern vor allem vom amerikanischen Puritanismus unter Benjamin Franklin vertreten worden. Der amerikanische Protestantismus ist aber wesentlich von Calvin geprägt.  

Die Angst vor der Verdammnis

Das Streben calvinistischer Protestanten nach einem gottgefälligen Leben liegt in Calvins Lehre der “Doppelten Prädestination”: Gott habe von Anbeginn der Schöpfung die Menschen entweder zum ewigen Heil oder zur ewigen Verdammnis bestimmt. Die Angst vor der Verdammnis führt dazu, dass die Anhänger nach Anzeichen suchen, ob sie auserwählt sind oder zu den Verworfenen gehören. Große Autos können daher ein positives Zeichen sein, wenn sie mit der nötigen Demut gefahren werden.

Nur Christus ist das Haupt der Kirche

Gärbler nennt eine weitere wesentliche Auswirkung von Calvins Lehre: Die Überzeugung, dass Kirche von unten gebaut werden muss. Zu Calvins Lebzeiten im 16. Jahrhundert habe es drei Modelle von Kirchenordnung gegeben. 1. das traditionalistische , von der römisch-katholischen Kirche geprägte. 2. das lutherische, das ebenfalls von oben, aber von den jeweiligen Landesherren geprägt wurde, und 3. das calvinistische, das auf dem Gemeindemodell aufbaut. Die Einzelgemeinde ist hier vollgültig Kirche. Kirchenleitung wird als repräsentative Demokratie verstanden. Einzig Christus sei das Haupt der Kirche. Alle Kirchenleiter sind letztlich nur Diener Christi. Und wie in der politischen Macht soll die Leitung auf mehrere Schultern in einem Kollegium verteilt werden.