Archiv für März 2009

“Schon wieder ein Jahresring!”

Sonntag, 29. März 2009
Pühringer, Leitl und Landesrat Sigl beim Anschneiden der Geburtstagstorte

Pühringer, Leitl und Landesrat Sigl beim Anschneiden der Geburtstagstorte

Beide sind Führungspersönlichkeiten, sie sind gleich alt (Jahrgang 1949), beide wollten nach oben. Auf dem Weg zum Landeshauptmann kreuzten sich die Wege, geschafft hat es der körperlich Kleinere: Josef Pühringer. Dem Größeren, Christoph Leitl, gelang der Sprung vom Landeshauptmann-Stellvertreter  zum Präsidenten der Bundeswirtschaftskammer. Immer dann, wenn die beiden Landsleute auf der öffentlichen Bühne zusammentreffen, blitzt die Konkurrenz auf, wenn auch in versteckter oder in humorvoller Form.

“Trage es mit Fassung!”

1000 wichtigere und unwichtigere Alpha-Menschen und Adabeis strömten Freitagabend (27.3.2009) ins Linzer Pöstlingbergschlössl, um Leitl zum 60er zu gratulieren. Hauptlaudator war Landeshauptmann Josef Pühringer, der selbst im Oktober 60 wird. Er zitierte aus dem Briefverkehr der beiden, der alljährlich zwischen den beiden hin und her geht.  Am 7. November 2005 schrieb Pühringer an Leitl: “Lieber Freund, es muss schon etwas besonders Hartes und Schmerzhaftes sein, wenn man zur Kenntnis nehmen muss, dass man immer der Ältere ist - alle Jahre beim Geburtstag wird es wieder deutlich. Trage es mit Fassung. Auch ich muss es mit Fassung tragen, dass Du mir immer voraus bist. Sollte ich einmal beim Seniorenbund landen, bist Du schon dort. Sollte ich einmal in ein Altenheim kommen, bist Du schon dort. Sollte ich einmal eine Altenehrung erhalten, hast Du sie schon erhalten - weil du eben um vieles Älter bist als ich.”

“Im Hintergrund lauert der Seniorenbund!”

Dem Brief Pühringers war das Glückwunschschreiben Leitls an Pühringer vorangegangen. “Lieber Sepp, herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag! Schon wieder ein Jahresring! Und im Hintergrund lautert der Seniorenbund! Von den medial gehandelten Kronprinzen gar nicht zu reden…  Gut, dass Dich unser gemeinsamer Freund Franz Hiesl schon vor Jahren bei der Eröffnung des Seniorenheims in Perg angemeldet hat, denn rein von der Optik scheint Dein Eintritt in dasselbe unmittelbar bevorzustehen. Aber ich verspreche Dir, dass Franz und ich gerne auf kleine Kaffeeplauscherl vorbeikommen werden und - sollte es Dein körperlicher Zustand noch zulassen - Dich auch auf einen kleinen Fisch- oder Jagdausflug mitnehmen werden!”

“Neben Hiesl schaust Du automatisch jünger aus!”

Im März 2007 schrieb Leitl an Pühringer. “Möge das kommende Lebensjahr nicht schlechter werden - das bezieht sich sowohl auf das soeben Gesagte als auch auf deinen allgemeinen Zustand und die Optik, die davon ausgeht. Dennoch habe ich einen Trost für Dich: Unser gemeinsamer Freund Franz Hiesl hat kürzlich mit den Alt-Abgeordnten einen Ausflug gemacht. Mir ist berichtet geworden, dass er wirklich als “Alt-Ausseher” unter den jung gebliebenen Mandataren gewirkt hat. Mein Rat: Nimm Dir den Franz Hiesl oft an Deine Seite, dann schaust Du automatisch um einige Jahre jünger aus und niemand würde mehr einen Geburtsjahrgang 1939 tippen!” Pühringers Antwort: “Deine Aussagen haben sich gegenüber den der Vorjahre darin unterschieden, dass du erstmals zu Hiesl noch frecher warst als zu mir. Ich habe Freund Hiesl von Deinen Anwürfen in Kenntnis gesetzt - du wirst die volle Wucht des ÖAAB zu spüren bekommen.”

“Kein Anlass zur Melancholie”

Im Oktober 2008 schrieb Leitl an Pühringer: “Lieber Sepp! Zu Deinem letzten Geburtstag vor dem 70er (ich meine natürlich den Beginn des 7. Lebensjahrzehntes!) möchte ich Dir sehr herzlich gratulieren. Dein Geburtstag fällt nicht zufällig in den Herbst. Während ich im Frühling das Erwachen der Natur feiern darf, geht sie bei Deinem Geburtstag der Neige zu. Dies kommt natürlich auch in den optischen Erscheinungen zum Ausdruck. Das jedoch, mein lieber Freund, soll kein Anlass zur Melancholie sein, sondern dich daran erinnern, dass der Seniorenbund als Deine künftige politische Heimat soch sehr nahe gerückt ist.”

“An Jugend und Schönheit voraus!”

Pühringers Antwort an Leitl vom 3. November 2008: “Lieber Christoph! Bezugnehmend auf Deine Frechheiten im Brief vom Oktober 2008 anlässlich meines jugendlichen Geburtstages teile ich Dir mit, dass ich mich über Deine Glückwünsche sehr gefreut habe. Mit den dümmlichen Vergleichen zwischen Frühling und Herbst wilst Du nur darüber hinwegtäuschen, dass Du doch deutlich älter bist als ich. Denn bedenke: Wer im Frühling geboren ist, hat im Herbst schon ein Alter! Wer im Herbst geboren ist, ist an Jugend und Schönheit voraus! Wenn Du das nicht glaubst, schenke ich Dir gerne zum nächsten Geburtstag einen Spiegel!”

Die Sonne bringt den Aufschwung

Samstag, 28. März 2009

hauptplatz2Krise, Wirtschaftskrise? Wer heute Samstag (29. März 2009) durch die Linzer Innenstadt flaniert, sieht keine Spur von Krise. Der erste schöne Frühlingstag lässt die Menschen gut drauf sein. Zu Tausenden schlendern sie durch die Landstraße, genießen das Wetter, sie kaufen ein. Viele tragen ein Sackerl mit den neuerworbenen Dingen, man genießt die laue Luft und den Sonnenschein. Die Tische und Bänke der Wirts- und Cafehäuser sind voll, vor allem jene, die im Freien sind. Der Konsum floriert. Das Leben ist schön.

Der erste schöne Tag zum Radeln

Auch der Donauradweg erlebt die heuer höchste Frequenz. Ein idealer Tag zum Laufen oder Walken. Viele fahren seit das erste Mal seit der Winterpause ihr Rad aus. Die Radgeschäfte sind voll, die einen kaufen sich ein neues Cycle, die anderen bringen das alte zum Service. Beim Grassinger in Lambach, der die italienische Edelmarke Pinarello vertreibt, ist wirklich was los. Selbst Wolfgang Fasching, mehrfacher Sieger der 4000-km-Tour durch die USA, holt seinen Renner.

Der Frühling vertreibt die Tristesse

Es ist unübersehbar.  Die Sonne bringt die Menschen in Bewegung. Der Winter war lang und hart, die ständigen Meldungen über die Krise, die Kurzarbeit, die Zunahme der Arbeitslosigkeit taten ein übrigens. Wenigstens dieser Tag lässt die Herzen der Menschen wieder höher schlagen. Und ab morgen Sonntag, sind die Tage wieder eine Stunde länger hell. Das sind doch Perspektiven.

Bin wieder da: Ernst Strasser

Freitag, 27. März 2009
Ernst Strasser wird ÖVP-Spitzenkandidat bei EU-Wahl

Ernst Strasser wird ÖVP-Spitzenkandidat bei EU-Wahl

Ich bin da, ich bin weg,…..Nicht nur Jörg Haider gefiel sich in diesem Spiel zwischen seinem Kärntner Engagement und der Bundespolitik. Ernst Strasser agiert ähnlich. Brüche und überraschende Wechsel kennzeichnen die Karriere des nunmehrigen Spitzenkandidaten der ÖVP für die Europawahl Anfang Juni. Verließ er 2004 von einem Tag auf den anderen das Innenministerium, um sich selbständig zu machen, so kehrt er nach fünf Jahren in die Politik zurück.

Effizient, aber unbeliebt

Der gebürtige Grieskirchner hat ursprünglich eine typische Politikerlaufbahn eingeschlagen. Nach seinem Engagement in der Salzburger Hochschulpolitik wechselte er als Sekretär zum oberösterreichischen Bauernbund. Er ging dann als Sekretär zum damaligen Vizekanzler und ÖVP-Obmann Josef Riegler nach Wien. Als er Anfang 1990 sah, dass Riegler keine große Zukunft beschienen ist, verließ er als Erster das Kabinett und wechselte zur Firma Umdasch nach Amstetten. Plötzlich holte ihn Landeshauptmann Josef Pröll als Landesparteisekretär der niederösterreichischen ÖVP zurück. Er erwarb sich den Ruf, in der Organisation effizient zu sein, aber seine Zornausbrüche waren gefürchet. Wirklich beliebt war Strasser nie, er ist der Prototyp eines Macchiavellisten, eines Menschen, der die Machtspiele kennt und Macht einzusetzen weiss.  Zusammen mit Erwin Pröll wirkte er an der Demontage des damaligen ÖVP-Obmanns Erhard Busek mit. 2000 entsandte Pröll Strasser als seinen Verteter in die neugebildete schwarz-blaue Koalition in die Regierung Schüssel I.

Er kennt die Machtspiele

Im Laufe der Zeit wurden die Gräben zwischen Schüssel und Strasser immer tiefer, bis Strasser schließlich über Nacht alles hinwarf. Dass Schüssel voll auf seinen Finanzminister Karl Heinz Grasser setzte, konnte er kaum verwinden. Der Kanzler war voll des Zorns über die Art des Absprungs. Während Strasser sein Glück in der Privatwirtschaft suchte, zerpflückte die Opposition vor allem die Zusammenlegung von Polizei und Gendarmerie, die er zur Umfärbung des Apparates von rot auf schwarz genutzt hatte. Strasser ging verschiedenen Jobs nach, er wurde unter anderem Berater des Tiroler Medienunternehmens Moserholding. Dies war insofern von Bedeutung, als er auch Aufsichtsrat der oberösterreichischen Rundschau wurde und damit mitverantwortlich für die Einstellung der regionalen Verkaufsausgaben Ende 2008 war. Dieser Schritt wurde von der Bevölkerung bedauert, schließlich waren die Zeitungen sehr beliebt und wöchentlich rund 100.000 Stück davon verkauft.  

Unausgesprochene Spannungen

Die Einstellung der Verkaufs-Rundschau ist ein Besipiel dafür, dass die Beziehungen zwischen Strasser und der oberösterreichischen ÖVP nicht die besten waren. Es bestand stets ein gewisses, unausgesprochenes Spannungsverhältnis. Im innerparteilichen Machtgefüge galt Strasser stets als Niederösterreicher.  Nun hat der Niederösterreicher Josef Pröll den Niederösterreicher Ernst Strasser unbeschadet all’ der laut gewordenen Kritik zum Spitzenkandidaten für die EU-Wahl gemacht. So funktioniert Politik.

Europäisches Niveau fehlt

Mittwoch, 25. März 2009
Linz09

Linz09

Linz hat ein veritables Problem. Das Europäische Kulturhauptstadtjahr 09 droht zu einem Schuß nach hinten zu werden. Wollte die Landeshauptstadt von ihrem Image als verschmutzte Industriestadt wegkommen und sich europaweit als moderne, aufgeschlossene Urbanitätssiedlung präsentieren, so droht sie nun von der Nazi-Vergangenheit eingeholt zu werden.

Wofür steht Linz 09?

Zwei Hauptursachen sind für das sich abzeichnende Schlammassel verantwortlich. Erstens: Die politisch Verantwortlichen haben den Rahmen zuwenig abgesteckt, wie sich die Stadt der europäischen Öffentlichkeit zeigen will. Es wird deutlich, dass es für die Intendanz zuwenig Vorgaben gegeben hat. Das rächt sich nun. Weil, zweitens, die Intendanz mit dem Programm überfordert ist. Können Sie ein Bespiel für ein herausragendes Projekt, eine Aufführung etc. nennen? Wofür steht Linz 09? Das Dilemma begann schon zu Jahresbeginn, der Start war bereits eine Enttäuschung.

Hitler überdeckt die Leere

Das Versagen der Politik und von Intendant Martin Heller spiegelt sich in der internationalen Berichterstattung. Weil es über Veranstaltungen auf europäischem Niveau kaum etwas zu sagen gibt, konzentrieren sich die Journalisten auf das herkömmliche Image. Auf Adolf Hitler, der aus einem besseren Bauerndorf eine Industriestadt gemacht hat, der aus Linz neben Wien und Budapest die dritte große Donaumetropole errichten wollte, der hier in seiner Jugend gelebt hat, der sich hier begraben lassen wollte.  Dass sich Linz im Rahmen des Kulturhauptstadt mit dieser prägenden Vergangenheit auseinandersetzen muss, ist Pflicht. Die Kritik, man hätte die Ausstellung “Die Kulturhauptstadt des Führers” weglassen sollen, ist ein Trugschluß.

Briten kommen Hitler schauen

Es gibt einen weiteren Faktor, der unterschätzt wurde. Es besteht eine große Kluft zwischen den Sichtweisen der hier Lebenden (Innensicht) und den Gästen, die hieher kommen (Außensicht). Jene Briten beispielsweise, die mit Ryanair nach Linz kommen, wollen sehen, wo ihr großer historischer Feind Hitler gelebt hat, wo er aufgewachsen ist. Wir, die wir hier wohnen und arbeiten, wollen hingegen mit der Vergangenheit möglichst wenig zu tun haben und uns so präsentieren, wie wir uns verstehen: als aufgeschlossene, moderne, wirtschaftlich erfolgreiche Gesellschaft.

Dilemma wird Wahlkampf-Thema

Das Zusammentreffen all’ dieser Faktoren führt zu jenem Dilemma, indem die Kulturhauptstadt Linz 09 derzeit steckt. Politik und Intendanz sollten sich rasch zusammensetzen, um für den Rest des Jahres noch zu retten, was noch zu retten ist. Die Bevölkerung ist bislang enttäuscht. Es wird nicht lange dauern, bis sich Parteien dieses Schlammassels annehmen werden, um daraus im beginnenden Landtags- und Gemeinderatswahlkampf Kapital zu schlagen.

Der Goleador auf der Gugl

Mittwoch, 25. März 2009
Wird Krankl den Umbruch schaffen?

Wird Krankl den Umbruch schaffen?

Mit der Bestellung von Hans Krankl als neuen Trainer ist LASK-Präsident Michael Reichl ein wirklicher Schachzug gelungen. Nach fünfmonatiger Tristesse und des sportlichen Niedergangs unter Klaus Lindenberger richten sich die Blicke wieder auf die Linzer Gugl. Krankl hat noch immer öffentliche Zugkraft. Ob er auch fußballerisch erfolgreich sein wird, muss sich erst zeigen. Bisher haben sich seine Trainererfolge in Grenzen gehalten.

Neues Team hat oberste Priorität

Die Entscheidung, Lindenberger zum Trainer zu machen, ist von vielen Fans von Anfang an als Fehlentscheidung beurteilt worden. Abgesehen davon hat der LASK ein weiteres gravierendes Problem. Die Mannschaft ist überaltert. Das war schon so, als sie in die oberste Liga zurückkehrte. Otto Baric hat diese Meinung damals schon in Interviews geäußert. Aber der Erfolg war da und ließ über dieses gravierende Problem hinwegsehen. Sollten sich der LASK und Krankl auf eine Vertragsverlängerung über die Saison hinaus verständigen, wird der ehemalige Goleador ein komplett neues Team aufbauen müssen.

Kein öffentliches Suhlen im Fritzl-Sumpf

Montag, 23. März 2009

Josef Fritzl sitzt lebenslang und “bereut das alles von ganzem Herzen”. Möglicherweise wird er ebenso lang eingesperrt sein wie die 24 Jahre, die er seine Tochter gefangen gehalten hat. Selbst wenn er wirklich bereut, die Schäden, die er an seinen Kindern und an seiner Frau angerichtet hat, wird er nie mehr gutmachen können.

Einmal Hölle genügt

 Der Fritzl-Prozeß ging schnell vorüber. Er war vor allem auch deshalb erfolgreich, weil der Schutz der Opfer gelungen ist. Das war schon bei der Aufdeckung des familiären Verbrechens so. Dass so manche Boulevard-Medien vorzeitig aus St. Pölten abgereist sind, bestätigt die gute Arbeit der Justizbehörden. Der Boulevard hat wohl erwartet, sich im Sumpf der familiären Verbrechen öffentlich suhlen zu können. Doch das Vorhaben, getrieben von Gier nach Zusehern und Geld, ist gescheitert. Für die Opfer hätte das bedeutet, die Hölle, die sie erlebt haben, nochmals in der Öffentlichkeit zu durchschreiten. Das ist ihnen Gott sei Dank erspart geblieben.

Päpstliche Ideologie statt Menschlichkeit

Sonntag, 22. März 2009

Papst Benedikt XVI. bringt das, was der Glaubenspräfekt Josef Ratzinger stets war: ein Reaktionär. Seine Afrika-Reise unterstreicht einmal mehr, dass es ihm um eine erzkonservative Ideologie geht. Sie hat Vorrang vor Menschlichkeit. Mit Glauben und der Nachfolge Christi hat dies wenig zu tun. Eher schon mit der Haltung der Pharisäer, denen die dogmatische Einhaltung der Regeln und Gesetze über alles ging. Aus Jesu Leben und Lehre lässt sich das Kondomverbot nicht ableiten. Vor allem angesichts der 22 Millionen HIV-Infizierten in Afrika. Auch nicht das Abtreibungs-Verbot für Frauen, deren Leben durch die Schwangerschaft in Gefahr ist oder die vergewaltigt wurden.

Hart im Austeilen, sensibel im Einstecken

Je länger das Pontifikat dauert, umso sichtbarer wird Ratzingers reaktionäre Haltung. Die Aufhebung der Exkommunikation für die antisemitische Pius-Bruderschaft und die Nominierung von Gerhard Maria Wagner zum Linzer Weihbischof sind neben den Äußerungen bei der Afrika-Reise die aktuellsten Beispiele. Die Signale zum Beginn des Pontifikats wie das sechsstündige Gespräch mit dem mit Lehrverbot belegten Theologen Hans Küng sind Vergangenheit. Die Hoffnungen, dass er sich als Papst zur Mitte hin bewegt, hat er enttäuscht. Überraschend ist, wie sensibel er auf Kritik reagiert, wo er doch Positionen vertritt, die von der Mehrheit der Gläubigen abgelehnt werden. Einige Katholiken, “die es eigentlich besser wissen konnten”, hätten auf ihn “eingeschlagen”. Er tadelt im Brief an die 4000 Bischöfe die “sprungbereite Feindseligkeit” seiner Kritiker. Aber sind das Kondomverbot für HIV-Kranke oder das Abtreibungsverbot für vergewaltigte Mütter oder Schwangere in Lebensgefahr keine Schläge?

Wer gesund stirbt, hat mehr vom Leben

Sonntag, 22. März 2009

Ein wunderbares Bild zeichnet Siegfried Meryn von Hippokrates, dem Star-Mediziner der Griechen. “Nach heutiger Diktion war er Arzt, Lebensberater, Psychologe, Gesundheitscoach und Umweltmediziner in einem. So zog er auch klimatische Einflüsse, die Beschaffenheit der Städte, die Jahreszeiten oder die Qualität des Trinkwassers in seine Überlegungen mit ein”, schreibt Meryn in seinem Buch “Wer gesund stirbt, hat mehr vom Leben” (Verlag Ecowin). Freitagabend (20.3.09) präsentierte Meryn, Facharzt und Universitäts-Professor für Innere Medizin, vor rund 200 Zuhörern sein Buch in der Linzer Thalia-Buchhandlung. Der Wiener ist bekannt von Funk und Fernsehen. Sein Buch führt seit Wochen die Bestseller-Listen an. 

Verdrängte Liebe zur schönen Phila

Als Moderator des Abends erlaubte ich mir, aus Meryns Buch die Behandlung des makedonischen Königs Perdikkas II. zu zitieren. “Legendär ist die Behandlung Perdikkas II. durch Hippokrates. Seine Leibärzte hatten ihn mit den üblichen Aderlässen und Klistieren traktiert, doch letztendlich war ihnen kein Erfolg beschieden. Schließlich ließ Perdikkas Hippokrates höchstpersönlich nach Makedonien kommen. Statt Heilkräuter oder chirurgische Instrumente auszupacken, vertieft sich der in ein langes Gespräch mit dem Patienten und befragt ihn nach seinen Träumen. Schlußendlich eröffnet er dem König: Seine Krankheit habe ihre Ursache in der verdrängten Liebe zur schönen Phila, der Konkubine seines Vaters. Perdikkas, zunächst außer sich vor Zorn, sah letztendlich ein, dass es an der Zeit war, seiner Leidenschaft nachzugeben. Als der Makedonierkönig wieder gesund war, wurde Hippokrates reich beschenkt. Das Angebot, des Königs Leibarzt zu werden, schlug er jedoch aus.”  

Träume sind mehr als Schäume

“Es ist paradox”, so Meryn, “je länger wir heute in der Medizingeschichte zurücksehen, desto Zukunftsweisenderes ist dort zu finden. Was heute in diversen Reformzirkeln des Medizinbetriebs an Rettungsmodellen skizziert und diskutiert wird, haben schon die ältesten bekannten Kulturen nachhaltig gelebt. Psychosoziale Zugänge wurden bereits im alten Ägypten praktiziert, wo Ärzte chronisch Kranken Übernachtungsmöglichkeiten einrichteten. Am nächsten Morgen befragten die Doktoren die Patienten eindringlich nach ihren Träumen, um so die Ursache für die Leiden zu finden. ”

Der Hüter des Darmausgangs

“Im Bestreben, zumindest 110 Jahre alt zu werden, hatten schon die Pharaonen erkannt, dass Vorbeugung aussichtsreicher war, als auf Heilung nach bereits eingetretenem Schaden zu hoffen. Ramses II., der für seine Zeit das biblische Alter von 80 erreichte, hielt sich einen ganzen Stab an Gesundheitscoaches, jeder davon für ein eigenes Organsystem verantwortlich. So hatte etwa der “Hüter des Darmausgangs” dafür zu sorgen, dass die Verdauung des Pharaos stets in Schwung gehalten wurde.”

 

P.S.: Die nächste Buchpräsentatin bei Thalia Linz, Landstraße 41, findet am Donnerstag, 26.3.2009, um 19.30 Uhr statt. Gast ist der ORF-Journalist Hugo Portisch, der über sein Leben in der Toscana erzählt. www.thalia.at

Lesen, Laufen, Lieben, Lachen

Donnerstag, 19. März 2009

Dr. Johannes Neuhofer, in Linz sehr bekannter Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten, hat ein bemerkenswertes Buch herausgebracht. Er setzt sich in “Patienten brauchen mehr als ein Rezept” (Ueberreuter-Verlag) kritisch mit dem Gesundheitssystem an sich, aber auch mit dem Verhalten von Ärzten und Patienten auseinander. Sein Rat: Jeder sei letztlich selbst für seine Gesundheit verantwortlich, dem Arzt käme lediglich die Rolle eines Lebenscoach und Wegbegleiters zu. Der Arzt dürfe nicht zum Medizinalingenieur verkommen.

Freude, nicht Askese

Bei der Präsentation des Buch am Mittwochabend (18.3.09) bei Thalia Linz fielen Neuhofers Rezepte bei den rund 200 Gästen auf fruchtbaren Boden. Krankheiten, so sagte er, seien ein Spiegel des Seelenlebens. Wie soll der Mensch heute leben, damit er gesund bleibe? Es komme auf die Ernährung, die Bewegung, die Spiritutalität und das Wohn- und Freunde-Umfeld an. Übertreibungen und Extreme lehnt der Linzer Facharzt ab. Man dürfe ja nicht perfekt sein, “es geht um Freude und nicht um Askese”. Er propagiert die die vier L: Lesen, Laufen, Lieben, Lachen.

Das Glück liegt in der inneren, seelischen Dimension

Spiritualität versteht Neuhofer als “geistige Hygiene”. Die Menschen sollten sich wieder mehr Zeit für sich selbst nehmen, um ihre innere Stimme zu hören.  Dann wisse jeder selbst, was zu tun sei. Darin sieht er auch das Glück: Das innere Gespür aktivieren, nicht bloß seinem äußeren Lebensfilm nachlaufen. Es sei auch der Sinn des Gebets, vom Alltag wegzukommen. “Wir brauchen die Stille, nicht denLärm.” Neuhofers Fazit: “Wir haben die seelische Dimension verloren, in der das eigentliche Glück steckt.”

Katholische Heuchelei

Montag, 16. März 2009

Nun ist Josef Friedl die Position des Dechanten los (Montag, 16.3.09). Der Pfarrer von Ungenach hat mit seinem öffentlichen Bekenntnis, eine Lebenspartnerschaft zu führen, Bischof Ludwig Schwarz zum Eingreifen gezwungen.  Dieser Schritt wird nicht der letzte sein, den die Kirchenhierarchie setzen wird. Es ist absehbar, wann Friedl die Position des Pfarrers verlieren wird.

Dieser “Sieg” bringt kein Glück

Die erzkonservativen Vernaderer der Diözese können jubeln. kath.net hat Friedl abgeschossen. Aber Siege wie diese bringen kein Glück. Auf dem Unglück anderer Menschen lässt sich nichts Dauerhaftes bauen. Sie bauen auf Sand und nicht auf Fels. Dieser Erfolg ist nicht nur moralisch unglaubwürdig, er ist auch unchristlich. Denn das Wirken dieser Traditionalisten ist begründet auf Rache für den Verzicht von Gerhard Maria  Wagner  auf das Amt des Linzer Weihbischofs. Dieses Handeln beruht auf dem alttestamentarischen Gedanken von “Aug’ für, Aug’, Zahn für  Zahn” auf nicht auf Jesu Forderung von Liebe und Mitgefühl. 

Unchristliche Auseinandersetzung

Was sich derzeit in der Diözese Linz abspielt, ist von Übel. Wagner wird gerüchteweise nachgesagt, er hätte einer Frau, die von ihm schwanger gewesen sei, Geld für die Abtreibung gegeben. Wagner weist dies von sich. Ganz im Gegenteil, er habe einer Frau finanziell geholfen, um einen Schwangerschaftsabbbruch zu vermeiden. Wer auch immer derartige Gerüchte in die Welt setzt, ist von negativen Gedanken getragen. Man kann über die Positionen von Wagner streiten und sie für schlecht finden. Aber auf dieser tiefen, unter der Gürtellinie sich befindenden Ebene darf die Auseinandersetzung nicht stattfinden. Das ist unchristlich.

Der Zölibat wird fallen

Rom und die Hierarachie sollten endlich die katholische Heuchelei beenden. Bei Friedl werden Konsequenzen gesetzt,weil es nicht mehr anders geht. Doch würden alle Pfarrer abgezogen, die Beziehungen zu Frauen haben, müßte die Kirche die Hälfte ihres Betriebs einstellen. Das kann und will sie nicht. Deshalb schaut man über die Realität hinweg. Doch die Wahrheit wird auch Rom einholen. Selbst wenn es noch Jahre oder Jahrzehnte dauert, der Zölibat wird fallen.