“Schon wieder ein Jahresring!”
Sonntag, 29. März 2009
Pühringer, Leitl und Landesrat Sigl beim Anschneiden der Geburtstagstorte
Beide sind Führungspersönlichkeiten, sie sind gleich alt (Jahrgang 1949), beide wollten nach oben. Auf dem Weg zum Landeshauptmann kreuzten sich die Wege, geschafft hat es der körperlich Kleinere: Josef Pühringer. Dem Größeren, Christoph Leitl, gelang der Sprung vom Landeshauptmann-Stellvertreter zum Präsidenten der Bundeswirtschaftskammer. Immer dann, wenn die beiden Landsleute auf der öffentlichen Bühne zusammentreffen, blitzt die Konkurrenz auf, wenn auch in versteckter oder in humorvoller Form.
“Trage es mit Fassung!”
1000 wichtigere und unwichtigere Alpha-Menschen und Adabeis strömten Freitagabend (27.3.2009) ins Linzer Pöstlingbergschlössl, um Leitl zum 60er zu gratulieren. Hauptlaudator war Landeshauptmann Josef Pühringer, der selbst im Oktober 60 wird. Er zitierte aus dem Briefverkehr der beiden, der alljährlich zwischen den beiden hin und her geht. Am 7. November 2005 schrieb Pühringer an Leitl: “Lieber Freund, es muss schon etwas besonders Hartes und Schmerzhaftes sein, wenn man zur Kenntnis nehmen muss, dass man immer der Ältere ist - alle Jahre beim Geburtstag wird es wieder deutlich. Trage es mit Fassung. Auch ich muss es mit Fassung tragen, dass Du mir immer voraus bist. Sollte ich einmal beim Seniorenbund landen, bist Du schon dort. Sollte ich einmal in ein Altenheim kommen, bist Du schon dort. Sollte ich einmal eine Altenehrung erhalten, hast Du sie schon erhalten - weil du eben um vieles Älter bist als ich.”
“Im Hintergrund lauert der Seniorenbund!”
Dem Brief Pühringers war das Glückwunschschreiben Leitls an Pühringer vorangegangen. “Lieber Sepp, herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag! Schon wieder ein Jahresring! Und im Hintergrund lautert der Seniorenbund! Von den medial gehandelten Kronprinzen gar nicht zu reden… Gut, dass Dich unser gemeinsamer Freund Franz Hiesl schon vor Jahren bei der Eröffnung des Seniorenheims in Perg angemeldet hat, denn rein von der Optik scheint Dein Eintritt in dasselbe unmittelbar bevorzustehen. Aber ich verspreche Dir, dass Franz und ich gerne auf kleine Kaffeeplauscherl vorbeikommen werden und - sollte es Dein körperlicher Zustand noch zulassen - Dich auch auf einen kleinen Fisch- oder Jagdausflug mitnehmen werden!”
“Neben Hiesl schaust Du automatisch jünger aus!”
Im März 2007 schrieb Leitl an Pühringer. “Möge das kommende Lebensjahr nicht schlechter werden - das bezieht sich sowohl auf das soeben Gesagte als auch auf deinen allgemeinen Zustand und die Optik, die davon ausgeht. Dennoch habe ich einen Trost für Dich: Unser gemeinsamer Freund Franz Hiesl hat kürzlich mit den Alt-Abgeordnten einen Ausflug gemacht. Mir ist berichtet geworden, dass er wirklich als “Alt-Ausseher” unter den jung gebliebenen Mandataren gewirkt hat. Mein Rat: Nimm Dir den Franz Hiesl oft an Deine Seite, dann schaust Du automatisch um einige Jahre jünger aus und niemand würde mehr einen Geburtsjahrgang 1939 tippen!” Pühringers Antwort: “Deine Aussagen haben sich gegenüber den der Vorjahre darin unterschieden, dass du erstmals zu Hiesl noch frecher warst als zu mir. Ich habe Freund Hiesl von Deinen Anwürfen in Kenntnis gesetzt - du wirst die volle Wucht des ÖAAB zu spüren bekommen.”
“Kein Anlass zur Melancholie”
Im Oktober 2008 schrieb Leitl an Pühringer: “Lieber Sepp! Zu Deinem letzten Geburtstag vor dem 70er (ich meine natürlich den Beginn des 7. Lebensjahrzehntes!) möchte ich Dir sehr herzlich gratulieren. Dein Geburtstag fällt nicht zufällig in den Herbst. Während ich im Frühling das Erwachen der Natur feiern darf, geht sie bei Deinem Geburtstag der Neige zu. Dies kommt natürlich auch in den optischen Erscheinungen zum Ausdruck. Das jedoch, mein lieber Freund, soll kein Anlass zur Melancholie sein, sondern dich daran erinnern, dass der Seniorenbund als Deine künftige politische Heimat soch sehr nahe gerückt ist.”
“An Jugend und Schönheit voraus!”
Pühringers Antwort an Leitl vom 3. November 2008: “Lieber Christoph! Bezugnehmend auf Deine Frechheiten im Brief vom Oktober 2008 anlässlich meines jugendlichen Geburtstages teile ich Dir mit, dass ich mich über Deine Glückwünsche sehr gefreut habe. Mit den dümmlichen Vergleichen zwischen Frühling und Herbst wilst Du nur darüber hinwegtäuschen, dass Du doch deutlich älter bist als ich. Denn bedenke: Wer im Frühling geboren ist, hat im Herbst schon ein Alter! Wer im Herbst geboren ist, ist an Jugend und Schönheit voraus! Wenn Du das nicht glaubst, schenke ich Dir gerne zum nächsten Geburtstag einen Spiegel!”
Krise, Wirtschaftskrise? Wer heute Samstag (29. März 2009) durch die Linzer Innenstadt flaniert, sieht keine Spur von Krise. Der erste schöne Frühlingstag lässt die Menschen gut drauf sein. Zu Tausenden schlendern sie durch die Landstraße, genießen das Wetter, sie kaufen ein. Viele tragen ein Sackerl mit den neuerworbenen Dingen, man genießt die laue Luft und den Sonnenschein. Die Tische und Bänke der Wirts- und Cafehäuser sind voll, vor allem jene, die im Freien sind. Der Konsum floriert. Das Leben ist schön.

