Archiv für Mai 2009

Das häßliche Gesicht von Chinas Kommunisten

Dienstag, 26. Mai 2009

Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi steht schon wieder vor GerichtNordkorea, Burma, Sudan: Chinas Außenpolitik setzt auf Diktatoren

Unentwegt lächeln sie und winken dem Volk aus der Ferne huldvoll zu. Die Führungselite der chinesischen Kommunisten in Partei und Regierung weiß, wie sie nach außen hin auftritt. Doch zwei Aktualitäten in der internationalen Politik belegen, wie ihre Machtausübung tatsächlich aussieht. Alles, was der Macht dient, wird genutzt. Dagegen spielen Menschenrechte und Demokratie keine Rolle. 

China ist der Schlüssel für Nordkorea

Nordkoreas Diktator Kim Jong il hat eine Atombombe zünden lassen. Der gestörte Führer plustert sich gegenüber der Welt wieder einmal auf. Vor allem gegenüber dem neuen amerikanischen Präsidenten  Barak Obama. Und die Welt muss wieder einmal zusehen, ohne eingreifen zu können. Der Schlüssel zur Änderung der Verhältnisse liegt bei den Chinesen. Ohne ihren Rückhalt könnte der Diktator nicht so provokant agieren. Sie setzen keine Zeichen und Signale, dass sie eine Änderung in Nordkorea herbeiführen wollen. Tatsächlich spielen ihnen diese Verhältnisse in die Hände. Sie gefallen sich darin, dass sie den Schlüssel für das Nachbarland in der Hand halten.

Burmas Generäle haben Angst vor einer zierlichen Frau

Nicht nur im Norden, sondern auch im Süden setzen Chinas Kommunisten auf eine Diktatur. Sie unterstützen Burmas Generäle, die ihr Land wie einen Kerker halten. Sie, die Hardliner, haben gleichzeitig Angst vor einer kleinen, zierlichen Frau. Die 63-jährige Friedensnobelpreisträgerin und Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi (Bild), sowieso schon im Dauerhausarrest, steht neuerlich vor Gericht, weil ein verrückter Amerikaner über den See zu ihrem Haus geschwommen ist und sie ihn kurz gepflegt hat. 

Haftbefehl gegen den Sudans Präsidenten

Nicht nur in Asien, auch in Afrika pflegen die Chinesen beste Kontakte zu Diktatoren. So zum Beispiel zu Sudans Präsidenten al-Baschir, gegen den ein Haftbefhel des Internationalen Strafgerichtshofs wegen Völkermords vorliegt. Die fundamentalistisch-islamistische Regierung führt in der Provinz Dafur seit 20 Jahren einen grausamen Vertreibungskrieg, dem bisher geschätzte 200.000 Menschen zum Opfer gefallen sind. 2,5 Millionen einheimische wurden vertrieben. Aber China hungert nach Öl und setzt deshalb auf die Karte der sudanischen Diktatur.

Diese Liste der zweifelhaften chinesischen Außenpolitik ließe sich fortsetzen. Ihr offensichtliches Motto ist “der Zweck heiligt die Mittel”.

Karlspreis für den Visionär Andrea Riccardi

Samstag, 23. Mai 2009

Andrea Riccardi

Andrea Riccardi

Andrea Riccardi, Professor für Zeitgeschichte und Gründer der Gemeinschaft Sant’Egidio, forderte bei der Verleihung des Karlspreises in Aachen die “feste und dauerhafte Verbindung” Afrikas mit Europa.

 

Europa läuft nach Einschätzung des diesjährigen Trägers des Karlspreises zu Achen, Andrea Riccardi, Gefahr, in den Strömungen der Globalisierung zu einer vernachlässigbaren Größe zu werden. “Dies wäre ein Verlust für die Welt und die Zivilisation”, sagte der Professor für Zeitgeschichte und Gründer der Gemeinschaft Sant’ Egidio am Donnerstag (21.5.09) beim Festakt im Krönungssaal des Aachener Rathauses. 

“Die erste Mission Europas heisst Afrika”

Die nach ihrem Zentrum, dem ehemaligen Kloster Sant’Egidio im römischen Trastevere benannte Gemeinschaft hat heute in 70 Ländern mehr als 50.000 Mitglieder und setzt sich für Ausländer und Flüchtlinge, für arme, obdachlose, rauschgiftsüchtige oder aidskranke Menschen ein. Wie sehr Sant’Egidio vor allem das Schicksal Afrikas am Herzen liegt, machte Riccardo in Aachen deutlich. Er zitierte den früheren Präsidenten der italienischen Republik, als er sagte, die Zukunft Afrikas müsse fest und dauerhaft mit Europa verbunden werden. “Die erste Mission Europas heißt Afrika.” Entwicklungszusammenarbeit und die Bekämpfung von Krankheiten wie Aids seien Aufgaben für Europa und die wahren Antworten auf den unaufhaltsamen Migrationsfluss. “Wenn die Wirtschaft und die Hoffnung in Afrika neu erstarken, wird er gestoppt werden.” Als ein Kontinent, der seit 60 Jahren in Frieden lebe, sei Europa in der Welt ein Friedenszeichen. Wenn Europa in seiner Verschiedenheit vereint sei, verwirkliche es die Kultur des Zusammenlebens. 

Ein Marschallplan für Afrika

Tatsächlich haben die europäischen Großmächte mit dem Ende der Kolonialherrschaft im, vergangenen Jahrhundert die afrikanischen Länder sich selbst überlassen. Aber Afrika kommt ohne internationale Hilfe nicht in die Höhe. China hat die Situation genutzt, arbeitet mit den schwarzen Diktatoren zusammen und sichert sich so die dringend benötigten Rohstoffe und nutzt den Kontinent als Absatzmarkt für billige Produkte. Ein Negativbeispiel dafür ist der Sudan. Angesichts der Flüchtlingsflut aus Afrika ist Europa gezwungen zu reagieren. Afrika braucht einen Marschallplan, damit die Menschen in ihrer Heimat Perspektiven sehen. Zugleich muss Europa den Druck auf die Diktatoren, die Menschenrechte einzuhalten und Demokratie zu ermöglichen, aufrechterhalten.

Die FPÖ im Kampf gegen das Establishment

Freitag, 22. Mai 2009

Die Gewinne der FPÖ werden weitergehen, weil sie sich als Kraft im Kampf gegen das Establishment präsentiert. Und das Establishment fällt mit seiner Kritik auf die Strategie der FPÖ hinein.

Der Mechanismus ist seit mehr als 20 Jahren ähnlich. Der Bundespräsident, der Kardinal, der Bundeskanzler, der Vorsitzende der jüdischen Kultusgemeinde etc. kritisieren heftig die Freiheitlichen. Früher Jörg Haider, nun HC Strache. Das Resultat war dasselbe wie heute. Die FPÖ wurde von Wahl zu Wahl stärker.

Einbrüche bei den Sozialdemokraten

Die teilweise massiven Verluste bei der Arbeiterkammerwahl haben die Sozialdemokraten aufgeschreckt. In ihrer Hochburg Wien verloren sie beinahe 13 Prozent. Das ist ein Erdrutsch. Und ein schlechtes Omen für die Wiener Landtagswahl, die spätestens im Herbst 2010 ansteht. Für den nächsten Urnengang, die Wahl zum EU-Parlament am 7. Juni, muss ebenfalls mit FPÖ-Gewinnen gerechnet werden. 

Freiheitliche setzen auf Tabubrüche

Warum dieser Trend zu den Freiheitlichen?  Mit ihren Slogans und Sprüchen wie “Abendland in Christenhand”  begehen sie teilweise Tabubrüche und ziehen alle Pfeile der Kritik auf sich. HC Strache ist ein Grenzgänger. Mit dem Mißbrauch des Kreuzes im Wahlkampf hat er überzogen. Aber für viele oberflächliche Beobachter entsteht dennoch der Eindruck, die FPÖ sei die einzige Gegenkraft zu den Etablierten, zu den Saturierten, zu den Systemverteidigern. Die FPÖ wolle für die kleinen Mann die Welt verändern, doch die herrschenden Kräfte würden sie unterdrücken.

Die Jungen wollen Veränderung

Das ist auch der Grund, warum die FPÖ bei den Jungen so eine Zugkraft hat, wie erst jetzt wieder in einer Studie festgestellt wurde. Die Jungen sind unzufrieden, sie haben den Eindruck, die Älteren, die Etablierten lebten auf Kosten der Zukunft, also auf ihre Kosten. So zum Beispiel bei den Pensionen. Oder beim Kima- und Umweltschutz. Oder bei den Arbitsplätzen. Während die Jungen gekündigt werden, weil sie oft nur Leiharbeiter sind, wie zum Beispiel in der voestalpine, können die Älteren ihre Arbeit behalten. Und sie fürchten auch die Konkurrenz durch die Zuwanderer. Sie lehnen es ab, schlechtere Bildungs- und damit Lebenschancen zu haben, nur weil große Teile in den Klassen nur unzureichend Deutsch können.

Vorbehalte gegen die  Grünen

Auch die Grünen wollen Veränderung. Doch in den Augen vieler haben sie das Handicap, eher ür eine Politik der Zuwanderung zu stehen als dageben aufzutreten. Dazu kommt der Vorbehalt in der Arbeiterschaft, dass die Grünen mit ihrer Umweltpolitik die Umsetzung von Infrastrukturprojekten und damit die Schaffung von Arbeitsplätzen verhinderten.  Deshalb tendieren sie daher eher zur FPÖ.

Grönemeyer am 26. Juni in Linz

Dienstag, 19. Mai 2009

Professor Dr. med. Dietrich Grönemeyer

Professor Dr. med. Dietrich Grönemeyer

 

 

Der Arzt Dietrich Grönemeyer, Bruder des bekannten Pop- und Rocksängers Herbert, spricht bei Thalia über die Eigenverantwortung in der Gesundheit.

Professor Dr. med. Dietrich Grönemeyer (57) ist der wohl bekannteste Arzt Deutschlands. Sein wissenschaftliches Renommee als “Vater der Mikrotherapie” machte ihn ebenso bekannt wie sein gesundheitspolitisches und globales humanistisches Eengagement.  In seinem Bestseller “Lebe mit Herz und Seele” (Verlag Herder, 8,30 Euro) legt er seine sieben Haltungen zur Lebenskunst dar. 

 

Erste Haltung: Lebe jetzt und sei gegenwärtig. Nutze deine Zeit (”In der Ruhe liegt die Kraft”)

Zweite Haltung: Steh für dich selber ein und sei auch für andere da (”Das Glück ist von Geburt ein Zwilling”)

Dritte Haltung: Freue dich am Leben und überwinde das Leiden (”Wer nicht genießt, wird ungenießbar”)

Vierte Haltung: Werde wie ein Kind - lerne bewusst den Anfängergeist (”Leidenschaft und Begeisterung versetzen Berge”)

Fünfte Haltung: Begegne dem Alter - finde dich selber (”Jugend ist ein Geisteszustand”)

Sechste Haltung: Leben ist etwas Wunderbares - und Leben bis zuletzt (”Dieses Leben ist eines der schönsten”) 

Siebte Haltung: Engagiere dich als Weltbürger - und liebe deine Heimat (”Das Neue klug und weise mit dem Alten verbinden”)

Ganzheitlicher Medizinbegriff

Seit 1996 hat Grönemeyer an der Privatuniversität Witten/Herdecke den Lehrstuhl für Radiologie und Mikrotherapie, den einzigen Lehrstul dieser Art weltweit, inne. Er vertritt besonders die von ihm so bezeichnete Mikrotherapie, nämlich schmerztherapeutische Eingriffe unter computer- oder kernspintomografischer Kontrolle. Er vertritt einen ganzheitlichen Medizinbegriff, unter dem er High-Tech-Medizin und Therapieformen aus dem Bereich der Naturheilkunde und anderen Kulturkreisen (z.B. die Traditionelle Chinesische Medizin, Ayurveda) versteht.  

Kritik von Krebsexperten

Grönemeyers medizinische Ansätze sind in der Fachwelt umstritten. Der Vorstand des Deutschen Krebsforschungszentrums Otmar Wiestler bezeichnet viele von Grönemeyers Ideen als “wissenschaftlich nicht haltbar”. Nach Auffassung des Präsidenten der Deutschen Krebsgesellschaft Michael Bamberg wecke Grönemeyer “unberechtigte Hoffnungen”.

Spannender Abend

Für einen spannenden Abend am 26. Juni um 19.30 Uhr bei Thalia Linz, Landstraße 41, ist also gesorgt. Der Eintritt ist zwar gratis, aber wegen des Andrangs bitte Platzkarten bei Thalia besorgen. Mir persönlich fällt die wunderbare Aufgabe zu, den Abend zu moderieren.

Der Donau-Raum als gemeinsame EU-Strategie

Dienstag, 19. Mai 2009

Donau-Initiative beim Europa-Forum im Kloster Göttweig

In der trotz Wahlkampf für das Europaparlament fehlenden Debatte um das zukünftige Europa wurde beim 14. Europa-Forum im Kloster Göttweig am Wochenende (16./17.7.2009) der bisher sinnvollste Vorschlag gemacht. Emilia Müller, die bayerische Staatsminsterin für Europa-Angelegenheiten, Österreichs Außenminister Michael Spindelegger und sein rumänischer Amtskollege Cristian Diaconescu sprachen sich für eine gemeinsame Donau-Strategie aus. Eine Initiative zur Förderung des Donauraums mit Blick auf eine bessere Anbindung der Schwarzmeer-Region mit ihren 350 Millionen Einwohnern.  

Den Donauraum in die europäische Entwicklung einbinden

Ähnlich wie bei der Ost-Strategie oder der Mittelmeer-Strategie der EU soll der wirtschaftliche, politische und kulturelle Raum entlang der Donau auf sinnvolle Weise in die europäischen Entwicklungen eingebunden werden. Schwerpunkte sollen der Ausbau der Wasserstraße, der Energieversorgung, die innere Sicherheit, aber auch der kulturelle Austausch gefördert werden.

Habsburger überließen Serbien den Russen

Karel Schwarzenberg, bis vor kurzem tschechischer Außenminister, erinnerte an historische Fehlentscheidungen der Habsburger, die im 19. Jahrhundert das zur Integration in ihren Herrschaftsbereich angebotene Serbien abgelehnt und es den Russen überlassen haben. Schwarzenberg sagte, vieles bleibe in der EU gefährdet, solange die aus dem Zerfall Jugoslawiens hervorgegangenen Länder von der EU-Integration ferngehalten würden. Er begrüßt die Donau-Initiative, aber er hält die bloße Betrachtung von Marktchancen für unzureichend, denn tragfähige Beziehungen bedingten vor allem gegenseitiges Verständnis und Hilfsbereitschaft.

Die Hoffnung gilt Europa

Der rumänische Außenminister Diaconescu nannte als Projekte den Umweltschutz entlang der Donau, den Klimawandel und seine Folgen und die Energiesicherheit. Bulgarien sei zum Beispiel voll und ganz vom russischen Erdgas abhängig und damit erpressbar. In der Schwarzmeerregion lebten rund 300 Millionen Menschen,  die auf ein besseres Leben, mehr Sicherheit und Rechtsstaat hofften. Die Schaffung guter und tragender Beziehungen sei im besten Interesse Europas.

Zu schnell für den 345. Marathon

Montag, 18. Mai 2009

Eigentlich wollte Gerhard Wally den Linzer Marathon, seinen 345., in 3:45 Stunden laufen. Aber er war um neun Minuten schneller. So wurden es 3:36 Stunden. Aber wie es der Zufall so will, erzielte er er mit seiner Zeit exakt der 345. Gesamtplatz, an seinem 345. Marathon. “Marathonherz, was willst Du mehr”, so Wallys Resume.

Nächstes  Jahr Linz-Marathon am 25. April

Sein Gesamtfazit: “Heiß war’s.” Die burgenländischen Laufkollegen, mit denen er am Samstag im “Josef” ein wenig gefeiert hat, waren schneller, obwohl die letzten nach eigenen Aussagen erst um 3 Uhr früh ins Bett gingen. Gerhard ergriff um 22 Uhr die Flucht, war der Start doch schon 8.30 Uhr. Ob er im nächsten Jahr in Linz wieder an den Start gehen wird, weiss er noch nicht. Denn der findet bereits am 25. April 2010, eine Woche nach dem Wien-Marathon, statt. Und Linz ist zeitgleich mit dem Marathon von Bonn.

Schweizer setzen auch auf Alternativmedizin

Montag, 18. Mai 2009

Eine bemerkenswerte Entscheidung hat die Schweizer Bevölkerung in einer Volksabstimmung gestern, Sonntag (17.5.09) getroffen. Zwei Drittel (67 Prozent) sprachen sich für die Verankerung der Komplementärmedizin (Alternativmedizin) in der Verfassung aus. Zur Komplementärmedizin gehören zum Beispiel die Homäopathie oder die asiatischen Heilmethoden wie die die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), Ayurveda (aus Indien) oder die tibetische Medizin.

Heilpraktiker in Deutschland anerkannt

Österreich hinkt hier im internationalen Vergleich weit nach. in Deutschland gibt es beispielsweise den anerkannten Beruf des Heilpraktikers. In Österreich nicht. Besonders kritisch und verfolgend agiert hier die Österreichische Ärztekammer. Jene, die hier auf diesem Gebiet tätig sind, werden von ihr angezeigt. Es ist unter anderem auf ihren Lobbyismus zurückzuführen, dass hier so wenig angeboten und bezahlt wird.

Diskussion um die Finanzierung

Nach dem Volksentscheid ist in der Schweiz nun die Diskussion ausgebrochen, wie man die Komplementärmedizin im Rahmen des Sozialversicherungssystems finanzieren kann.

Postings sind der moderne, unzensierte Stammtisch

Samstag, 16. Mai 2009

Anonymität und fingierte Namen verführen Kommentatoren im Internet (poster) zu strafrechtlich relevanten Äußerungen.

Darin waren sich alle Teilnehmer am Podium einig. Hass-postings, Verleumdungen etc. dürfen keinen Platz in den online-Zeitungen haben. Postings sind Stellungnahmen und Meinungen von Lesern zu Artikeln oder Personen in Internet-Medien. Sie werden häufig unter einem fingierten Namen oder im Schutz der Anonymität abgegeben. “Schreibe nichts, was Du nicht auch unter Deinem eigenen Namen schreiben könntest”, sagte Herbert Weissengruber, ein leidenschaftlicher poster. Montagabend (11.5.2009) diskutierte eine Expertenrunde im vollbesetzten Linzer Presseclub zum Thema “postings: Meinungsfreiheit contra Mediengesetz”.

11.000 postings täglich

Gerlinde Hinterleitner, Chefredakteurin des erfolgreichsten Internet-Mediums “derstandard.at”, erzählte, dass sie täglich rund 11.000 postings erhielten. Bei besonders brisanten Themen seien es oft 13.000. Zu Beginn des standard-online sei jedes posting von einem Redakteur freigeschalten worden. Das gehe aufgrund der vielen Antworten nicht mehr. Deshalb habe der Standard eine software entwickelt, den sogenannten “Foromat”, der nach bestimmten Regeln entscheide, ob ein posting veröffentlicht werde. 70 Prozent würden veröffentlicht, 20 % der Redaktion vorgelegt und zehn Prozent fielen durch. Hinterleitner, eine Frau der ersten Stunde, hält die postings für eine enorme Bereicherung für das Medium, aber die negativen postings seien oft frustrierend.

Poster glauben, sie sind anonym, sind es aber nicht

Carsten Hebenstreit von “nachrichten.at” ist ein posting-fan. nachrichten.at würde alle postings prinzipiell zulassen, erst im Nachhinein werde kontrolliert, ob sie in Ordnung seien oder nicht. Manchmal komme der Vorwurf, es werde zensuriert, wenn man postings rausnehme. Hebenstreit betonte, die poster würden glauben, sie seien anonym, “sie sind es aber nicht”. ORF OÖ online agiert ähnlich wie nachrichten.at. In der ersten Phasee würden ebenfalls alle postings freigeschalten, sagte Thomas Riha. Das Problem sei einfach, dass man zuwenig Personal habe, um alle postings vor der Veröffentlichung zu lesen. Er stehe den postern sehrpositiv gegenüber, der Vorteil gegenüber print sei das weitaus schnellere feed-back.

Manche werden unter dem Deckmantel der Anonymität zu “Bestien”

Gerhard Öllinger von den Salzburger Nachrichten online neigt eher dazu, vor der Veröffentlichung alle postings zu kontrollieren. “Ich wünsche mir von den Postern mehr Gelassenheit und mehr Humor. Und mehr Akzeptanz von der Zeitungs-Redaktion. Wir sind mit dem Medium noch in einer Wild-West-Ära. Manche Leser verwandeln sich in reine Bestien. Sie drücken sich unter dem Schutzmatel der Anonymität so aus, wie sie es normal nie machen würden.”

Poster sind “Wichtigmacher”

Herbert Weissengruber, ein leidenschaftlicher poster, bekannte, user wie er würden sich einfach nur wichtig machen. Für wen dieses Forum eigentlich sinnvoll sei? “Für die Verlagsleute geht es nur ums Geld, denn viele Klicks bringen viele Inserate. Ich höre immer wieder, dass ihnen der Inhalt egal ist. Wenn ich die OÖN oder die Salzburger Nachrichten wäre, wäre mir das nicht egal. Die Politiker sollten das lesen, was die Leute schreiben. Denn dieses Forum ist der unzensierte Stammtisch.”

Medien können auf Schadenersatz geklagt werden

Paul Pichler, Jurist des Verbandes der Zeitungsherausgeber, erläuterte die rechtliche Situation. Falsche Tatsachenbehauptungen durch poster könnten als Kreditschädigung verfolgt werden, auch strafrechtlich. Weiters würden die Delikte der Ehrenbeleidigung, der Beleidigung, der Verleumdung,  der Verletzung des höchstpersönlichen Lebenbereiches, der üblen Nachrede, der Vorwurf der abgetanten Straftat verfolgt. Im e-commerce-Gesetz sei festgelegt, dass der Forumbetreiber für diese Delikte ebenfalls hafte, sobald er davon Kenntnis habe. Das bedeutet, dass die postings herausgenomen werden, sobald sich jemand beschwert. Denn jedes Medium müsse auf Anforderung des Gerichts den Schreiber bekanntgeben. Da greife das Redaktionsgeheimnis nicht.  Falls das Medium die Bekanntgabe verweigere, könne es auf Schadenersatz geklagt werden.

Nur fünf Prozent der user posten

Einig waren sich alle online-Betreiber, dass die Anonymität der poster zu negativen Äußerungen verleite. Sobald die Anonymität wegfiele und die poster mit ihrem wahren Namen zeichneten, würde sich das Problem von selbst lösen. Übrigens: Nur fünf Prozent der Leser eines online-Artikels posten. “Das ist eine Art moderner Stammtisch”, so Gerlinde Hinterleitner.

Der Bischof zeugte fleißig

Donnerstag, 14. Mai 2009

Fernando Lugo Staatspräsident von Paraguay

Fernando Lugo Staatspräsident von Paraguay

Der nunmehrige Präsident von Paraguay liebte vor 10 Jahren eine 16-Jährige. Seine ehemalige Putzfrau und eine ehemalige Aktivistin geben auch an, Söhne von ihm auf die Welt gebracht zu haben.

Der frühere Bischof Fernando Lugo, nun Präsident von Paraguay, mußte im April zugeben, mit Viviana Carrillo, die heute 26 Jahre jung ist, einen Sohn gezeugt zu haben. Das Verhältnis begann bereits vor zehn Jahren, als Carrillo 16 Jahre jung war. Sie warf ihm vor, das Autoritätsverhältnis mißbraucht zu haben. Sie sei dem Bischof damals nicht gewachsen gewesen. Der nunmehr 58-jährige  Präsident erklärte sich bereit, die finanziellen Verpflichtungen zu übernehmen. Doch damit kam ein Stein ins Rollen, der sich zu einer Lawine auszuwachsen scheint. Denn einige Tage später meldeten sich zwei weitere Damen, die angeben, einen Sohn vom Bischof zu haben: die Putzfrau an seinem früheren Bischofssitz und eine Aktivistin seiner Wahlkampagne.

Der Präsident will die DNA-Tests nicht zahlen

Doch die Sache hat einen Haken. Der nunmehrige Präsident ist zwar bereit, sich den Vaterschaftstest zu unterziehen, doch die Kosten sind enorm hoch. Ein DNA-Test kostet 600 Dollar, was rund die Hälfte  eines durchschnittlichen Pro-Kopf-Jahreseinkommens ist. Für eine einfache Mutter unerschwinglich. Der Anwalt des Präsidenten erklärte, der Präsident könne auch nicht dafür aufkommen, weil er sein Einkommen einer wohltätigen Organisation vermacht habe. Somit bleibt die Sache vorerst im Umklaren.

Der Hoffnungsträger demontiert sich selbst

Die Opposition freut sich über die Selbstdemontage des neugewählten Präsidenten. Für das Land ist die Affäre dennoch tragisch, weil der ehemalige Hoffnungsträger sich selbst politisch erledigt. Er ist nämlich gelungen, das Land aus der Stroessner-Diktatur und der darauffolgenden Klüngelwirtschaft zu befreien. Und nun stolpert der ehemalige Befreiungstheologe über sich selbst. Lugo war der erste Bischof, der vom Papst in den Laienstand zurückversetzt worden ist.

“Suche Frau, die mich begleitet”

Donnerstag, 14. Mai 2009

Der Wiener Gerhard Wally läuft  alle zwei Wochen einen Marathon. In Linz ist es sein 345.

 Er ist ein Mann der Superlative. Wenn er am kommenden Sonntag (17.5.2009) in Linz an den Start (8.30 Uhr, voest-Brücke) geht, ist dies sein 345. Marathon. Heuer ist es sein zehnter Start. Beim Wien-Marathon (19.4.2009) lief Gerhard Wally die 42 km in 3:42 Stunden. Für seine Verhältnisse ist es eine relativ langsame Zeit. Der 51-jährige Wiener Magistratsbedienstete lief 14 Marathons unter drei Stunden, fünf exakt in 3:00 Stunden. Seine Bestzeit sind 2:52 Stunden.

“Ich bin noch zu haben”

Momentan hat er während der Woche nicht soviel Zeit zum Trainieren, da er in der Freizeit hauptsächlich seine Eltern pflegt. Das schlägt sich naturgemäß in einer langsameren Zeit nieder. Wenn er kommenden Samstagnachmittag aus Wien anreist, geht er um 15 Uhr zur VIP-Pastaparty. “Ich suche eine Frau, die mich begleitet”, sagt er im Interview mit mir. Wir kennen uns aus Wiener Zeiten, wir haben beide in der Prater Hauptallee trainiert. Gerhard ist immer noch ledig, “ich bin noch zu haben”, sagt er lachend. Interessierte Damen können sich bei ihm melden. Ich kann ihn jedenfalls empfehlen. Und Laufen verstärkt die Ausschüttung von Testosteron, wie mir SPÖ-Klubobmann Josef Cap, selbst Marathonläufer, bestätigte. 

Eine Woche später Start in Regensburg

Die meisten Marathons ist Wally in den Jahren 2006 und 2007 gelaufen, jeweils 38. ”Mehr war im Laufkalender nicht drinnen”, denn an manchen Sonntagen seien zwei Marathons gleichzeitig. Sein erster Marathonstart war 1986 in Wien. Nach Linz wird er eine Woche später am 24. Mai in Regensburg antreten. Er ist dies dort sein zehnter Start hintereinander. Im Schnitt läuft er alle 14 Tage einen Marathon. Seine Motivation? “Es hat halt so ergeben”, meint er lapidar. Denn die Städte, wo er antrete, gefielen ihm alle.

Hoffen auf regenfreies Wetter

Für Linz hofft der sympathische und leidenschaftliche Wiener auf halbwegs gutes Wetter. Es sollte ohne Regen abgehen.