Archiv für Juli 2009

10.000 Uiguren in einer einzigen Nacht verschwunden

Freitag, 31. Juli 2009

03244811_400Die chinesischen Behörden sprechen von 150 Toten bei den jüngsten Unruhen in der westlichen Provinz Xinjiang, wo die muslimischen Uiguren leben. Doch nach Angaben der Exil-Uiguren werden dort 10.000 Menschen vermißt. Sie verschwanden in einer einzigen Nacht.  Rebiya Kadeer, Wortführerin der Uiguren im Ausland, sagt, die Menschen seien nach Protesten in Urumqi nicht mehr aufzufinden. “Wenn sie tot sind, wo sind ihre Leichen? Wenn sie festgenommen wurden, wo sind sie?” Kadeer fordert eine internationale Untersuchung der Unruhen Anfang Juli.

China will Kadeer zum Schweigen bringen

Die chinesische Regierung bestellte den japanischen Botschafter in Peking ein und verlangte, die “chinafeindlichen, separatistischen Aktivitäten” von Kadeer müssten beendet werden.

Weniger Essen verlängert das Leben

Donnerstag, 30. Juli 2009

dick500_500Eine drastische Reduktion der Kalorienzufuhr verlängert die Lebenszeit und ermöglicht ein gesünderes Leben mit höherer Lebensqualität. Das zeigen mehrere Untersuchungen an Affen und Menschen.

1989 begann im Nationalen Primatenforschungszentrum in Wisconsin eine Langzeitstudie an Affen. Dabei wurde die Kalorienzufuhr bei 30 Affen um 30 Prozent reduziert. Nun haben Ricki Colman und Richard Weindruch im Wissenschaftsmagazin “Science” ihre Ergebnisse präsentiert. Die Affen auf Diät wirkten deutlich jünger als die Tiere, die die normale Futtermenge erhielten. Sie verloren Fett, der altersbedingte Abbau von Muskelmasse verlangsamte sich. Der Blutzuckerspiegel war deutlich besser. Es gab keinen einzigen Fall von Diabetes. Der Anzahl der Krebserkrankungen sank um die Hälfte. Auch die altersbedingen Krankheiten sanken um zwei Drittel. Das Ergebnis war eindeutig: Die Kalorienreduktion verbesserte die Gesundheit und die Überlebensrate.

100-Jährige auf Okinawa

Studien bei Tieren sind das eine. Doch auch bei Menschen zeigt sich, dass weniger Esssen das Leben verlängert. Auf der japanischen Insel Okinawa gibt es viele 100-jährige Menschen. Sie aßen im Beobachtungszeitraum von 1949 bis Ende der 60er Jahre um 11 Prozent weniger Kalorien als normalerweise empfohlen. Dies lag nicht nur an der dortigen Maxime “Iss, bis der Magen zu 80 Prozent gefüllt ist”, sondern vor allem auch an der schwierigen wirtschaftlichen Lage. Die Ernährung bestand hauptsächlich aus Süsskartoffeln oder wurzelartigem Gemüse, zucker- und fetthaltige Nahrungsmittel konnte sich kaum wer leisten. Die Bewohner von Okinawa lebten nicht nur länger, sondern auch gesünder. Ihr Risiko, an Diabetes, Krebs oder an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu leiden, ist wesentlich geringer als bei Durchschnittsjapanern.  

25 Prozent weniger Kalorien, 10 Prozent weniger Gewicht

In den USA haben die Forscher Leanne Redman und Eric Ravussin die Auswirkungen einer 25-prozentigen Kalorienreduktion während sechs Monaten bei übergewichtigen Personen untersucht. Die Teilnehmer verloren rund 10 Prozent ihres Körpergewichts. Es zeigte sich ein positiver Effekt auf Diabetes-Risikofaktoren und für die Langlebigkeit. Der Energieverbrauch und die Stoffwechselrate waren während des Schlafs verringert. Die Forscher meinen, dies sei auf ein Herunterfahren des Stoffwechsels zurückzuführen. Dadurch entstünden weniger Sauerstoffradikale, die maßgeblich zur Alterung beitragen.

Das Drama einer lebenslangen, ungleichen Liebe

Dienstag, 28. Juli 2009

Während für den Zeichner und Frauenhelden Alfred Kubin die Landarztfrau Emmy Haesele nur eine von vielen Geliebten war, veränderte für sie die Begegnung ihr ganzes Leben. Brita Steinwendtner beschreibt in ihrem neu erschienenen Buch “Du Engel, Du Teufel” diese ungleiche Liebe.

„Du Unbeschreibliche, Du Hauch meiner Seele , du Schönstes und mein lebendiges Traumgebilde.“  So schrieb der Zeichner und Maler Alfred Kubin, der in Wernstein am Inn wohnt, 1933 an seine damalige Geliebte, die Salzburger Landarztfrau Emmy Haesele.  Ihre Antwort: „Ja, du bist der im tiefsten Herzengrunde geahnte, der mir von Anbeginn an Verheißene, auf den ich hingelebt habe, für den ich in dieses Dasein getreten bin.“

Kubin ein rücksichtsloser Frauenheld

Die Salzburger Autorin Brita Steinwendtner zeigt in ihrem eben erschienenen Buch „Du Engel, Du Teufel – Emmy Haesele und Alfred Kubin – eine Liebesgeschichte “ (Verlag Haymon, 17,90 Euro) eine ganz andere Seite des Künstlers Kubin. Nicht den genialen Zeichner, sondern den rücksichtslosen Frauenhelden: „Er hatte viele Geliebte. Sie kommen und gehen. Seine Frau Hedwig weiss es, sieht und toleriert es, weil sie ihn liebt und ihr gemeinsames Leben auch andere Formen von Vertrautheit und Verstehen kennt. Sie toleriert es selbst dann, wenn die Geliebte die eigene Schwester ist oder die Frau des soeben verstorbenen Bruders. Sie sublimiert ihre Kränkung in der Überzeugung, dass er für seine Kunst die Abwechslung brauche. Sie stellt ihr Leben zurück. Manche meinen –  sie sagt es mitunter selbst -, sie hätte sich für ihn geopfert. Es heißt, dass sie in Schaffenskrisen ihres Mannes ihm die Liebschaften sogar vermittelt hätte.  Der Volksmund hat seine eigenen Worte: Er sei ein Weiberer gewesen. Die Mägde habe er nach Passau zur Abtreibung geschickt. Er sei mit dem Teufel im Bunde.“

Die Affäre gibt dem alternden 56-Jährigen neue Lebenskraft

Kubin war 56 Jahre alt, als die Liebe mit Emmy Haesele begann. Er war von Alterangst gequält und in Panik, nicht mehr arbeiten zu können. Die Affäre mit Haesele gibt ihm neue Jugend und Kraft. Doch nach zweieinhalb Jahren, im Jänner 1936, wirft der Maler Haesele aus dem Haus. „Pack deine Koffer!“ Die Zurückweisung erlebt Emmy Haesele als Schock. „Die Verbindung mit Kubin hat sie zur Künstlerin werden lassen, sie wird an ihrer Karriere arbeiten und Erfolg haben. Als Frau ist sie für immer gebrochen, und alle kommenden Katastrophen und drastischen Entschlüsse wird sie damit in Zusammenhang bringen. Sie ist tödlich verletzt.“

Der Preis für die Liebe: die Familie ist zerstört

Haesele zahlt einen hohen Preis. Ihre Kinder Heinz und Mesi wenden sich von ihr ab. Mesi will sich umbringen, Heinz fällt 1940 an der Front in Frankreich. Die Ehe mit ihrem Mann ist zerstört, er meldet sich ebenfalls freiwillig an die Front und wird im Oktober 1944 vermisst gemeldet. Er kehrte nicht zurück.

Kubin weist sie nach 12 Jahren neuerlich von der Tür

Nach dem Tod von Kubins Ehefrau Hedwig im August 1948  besuchte sie Kubin überraschend  in Wernstein. Doch er weist sie von der Tür. Dennoch gibt es einen Briefwechsel. 1959 stirbt Kubin 82-jährig. Haesele schreibt auf einem kleinen Stück Papier: „Jetzt, da Alfred und Hedwig sich uns im Ewigen vereinen, ist doch alles wieder gut?“ Ihr Herz blutet noch immer. Kubin ist begraben, aber nicht tot.

Die großen Lebensprobleme sind nie auf immer gelöst

Im Juli 1962 betritt sie erstmals wieder das Haus Kubins. „Die Leidenschaft ist beruhigte Erinnerung geworden. Durch die Zeit entschärft. Sie setzt die Geschichte dieser Liebe fort, sanfter, schmerzloser, aber lebensbestimmend immer noch. Manchmal wünscht sie sich, neben Alfred Kubin auf dem Friedhof von Wernstein begraben zu werden.“ Kein Tag vergeht, an dem Emmy Haesele nicht ein Kubin-Buch oder eine Mappe durchblättert.  „Die großen Lebensprobleme, hat sie bei C.G. Jung gelesen, sind nie auf immer gelöst. Sind sie es einmal, so ist es ein Verlust. Ihr Sinn und Zweck scheint nicht in ihrer Lösung zu liegen, sondern darin, dass wir an ihnen arbeiten, und das allein würde uns vor Verdummung und Versteinerung bewahren.So schreibt einer, denkt sie, der keine Lebensprobleme hat oder sich keine macht. Ach, wäre ich doch verdummt und versteinert.“
1987 stirbt sie 93-jährig im oberösterreichischen Bad Leonfelden.

Ein Geisterbahnfahrer

Montag, 27. Juli 2009
Graf möchte Südtirol zurück nach Österreich haben

Graf möchte Südtirol zurück nach Österreich holen

Der Dritte Nationalratspräsident Martin Graf ist “bestürzt”. Leider nicht bestürzt über sich selbst, sondern bestürzt über die Reaktionen auf seinen Vorschlag, Südtirol sollte über seinen Verbleib bei Italien bzw. die Rückkehr nach Österreich abstimmen. Dieser Mann, der eine hohe Staatsfunktion innenhat, hat nichts begriffen. Er hat nicht verstanden, dass Europa die Zeit des Nationalismus zum Großteil überwunden hat. Dass die Zeit vorbei ist, in der man die Rückholung von Gebieten fordert, sondern die Grenzen öffnet und über sie hinweg zusammenarbeitet. Der Zusammenschluß zur EU ist die Antwort Europas auf den verheerenden Nationalismus. 

Das Erheben von Gebietsansprüchen führt in die Sackgasse 

Grafs Politik und Ideenwelt ist gefährlich. Er möchte das Rad der Geschichte zurückdrehen. Würde sie realisiert, würde dies einen Rückfall in die Zeit der Nationalismus des 19. und 20. Jahrhunderts bedeuten, der verheerende kriegerische Konsequenzen für den europäischen Kontinent und seine Bevölkerung gehabt hat. Würden andere Politiker ähnlich wie er agieren, würden Gebietsansprüche erhoben werden, die desaströse Folgen für alle in Europa und der gesamten Welt haben würden. 

Graf als Dritter Präsident nicht mehr tragbar

Das Glück ist, dass Graf nicht wichtig ist. Dass er aber als Dritter Nationalratspräsident eine Funktion innehat, in der er Österreich schaden kann. Das hat er mit seinem Vorstoß getan. Weil er aber offenbar wenig begreift, wird er auch nicht verstehen, dass er Konsequenzen ziehen und zurücktreten sollte. Da er sich dazu bisher nicht in der Lage zeigt, sollte er vom Parlament abgewählt werden.

Pfarrer Schandera kritisiert Amtsführung des Papstes

Samstag, 25. Juli 2009

Der Schwanenstädter Stadtpfarrer kritisiert, dass Josef Ratzinger seine Mitarbeiter an der Basis nicht hört.

Die Unzufriedenheit mit der Amtsführung von Papst Benedikt XVI., speziell sein Vorgehen gegen die Diözese Linz, ist groß. Dies kommt immer wieder zum Ausdruck, so unter anderem im Sonntagswort des Schwanenstädter Stadtpfarrers Gilbert Schandera in den Oberösterreichischen Nachrichten (Ausgabe vom 25. Juli 2009, Seite 33). Unter dem Titel “Warum ich nicht zu Papstmessen gehe” schreibt er: “…….Aber zu Papstmessen etwa gehe ich bewußt nicht. Angesichts der drängenden Reformaufgaben in der Kirche, die von der Kirchenleitung - so scheint es - nicht einmal angeschaut werden und über die nicht einmal diskutiert werden sollte, werden solche Feiern zum Spektakel und zum Ablenkungsmanöver.” 

Antworten auf den Priestermangel fehlen 

Erneuerung und Vertiefung einer Glaubensgemeinschaft geschehe zuerst aus dem Gebet und der Besinnung auf die Wuzeln und Quellen. Besonders die Katholiken hätten aus der Bibel zu lernen und müssten aus mancher Veräußerlichung zurückfinden zur Gottesfrage. “Erneuerung und Vertiefung geschieht aber auch durch konkrete REFORM nach redlicher Auseinandersetzung und Diskussion in den Gemeinschaften, - in alter kirchlicher Überzeugung, dass darin der Heilige Geist wirkt. Solange jahrzehntelang um die Seelsorge und den Glauben bemühte Pfarrer keine Möglichkeit haben, dem Papst ihre Sorgen vorzutragen, die der Mangel an geistlichen Seelsorgern und der drohende Zusammenbruch der Pfarren auslöst, solange sind mir diese Feiern suspekt. Wichtiger als einmal einen spektakulären Gottesdienst zu feiern wäre, dafür zu sorgen, dass alle Pfarren jeden Sonntag Messe feiern können. Die Eucharistie ist die Grundlage und der Kern jeder Pfarrgemeinschaft. Die Gruppen und Pfarren brauchen sie, damit sie geistlich nicht verhungern. Jesus hat den Menschen das nötige Brot gegeben, wie wir am Sonntag im Evangelium hören. Die Kirche hat in seinem Gefolge die nötige geistige Nahrung zu geben.”

Wo bleiben die Proteste der Muslime?

Freitag, 24. Juli 2009

 

Verfolgung der Uiguren in China

Verfolgung der Uiguren in China

Als eine dänische Zeitung Mohammed-Karikaturen veröffentlichte, empörte sich die gesamte muslimische Welt. Wenn hunderte Glaubensbrüder in China an Verfolgung sterben, protestiert kaum jemand.

“Die drei Kräfte des Bösen” sieht der für Fragen der Minderheiten in der chinesischen Regierung zuständige Vizeminister Wu Shimin als Ursache der Unruhen in der Uiguren-Provinz Xinjiang: Extremismus, Separatismus und Terrorismus. Laut offiziellen Angaben sind dabei 197 Menschen ums Leben gekomen, mehr als 1600 seien verletzt worden. Die Uiguren selbst sprechen von 500 bis 1000 Toten. Die Unruhen beschäftigen Chinas Führung so schwer, dass Präsident Hu Jin Tao seine Reise zum G-8-Gipfel in Italien abgebrochen hat. Auslöser der Unruhen waren Proteste der einheimischen Uiguren gegen Übergriffe von Han-Chinesen.  Gerüchten zufolge hätten Uiguren eine Chinesin vergewaltigt, was sich im Nachhinein als Falschmeldung herausgestellt hat.

Der Mord an der Ägypterin regt die Menschen mehr auf als 200 erschossene Uiguren

Der Beobachter fragt sich, wo angesichts dieser Verfolgung die weltweite Solidarität der Muslime mit ihren Glaubensbrüdern in China bleibt? Lediglich der türkische Ministerpräsident Erdogan sprach von “Völkermord” und ein Dutzend Menschen protestierten vor der Botschaft Pekings in der indonesischen Hauptstadt Jakarta. Ansonsten blieb es auffallend ruhig. Der Mord an der Ägypterin Sherbini in Deutschland entfachte mehr Zorn.

Man will es sich mit China nicht verscherzen

Eigenartig. Da erschienen in einer dänischen Zeitung einige Mohammed-Karikaturen und die muslimische Welt empörte sich. Europäische Botschaften wurden belagert, Fahnen verbrannt, dänische Produkte wurden boykottiert. Botschafter wurden einberufen, die Verhältnisse erinnerten an vorkriegsähnliche Zustände. In Xinjiang wird das Blut von Hunderten Muslimen vergossen, die Volksgruppe wird drangsaliert und schikaniert, es rührt sich kein Protest. 

Freiheit und Kritik wird offensichtlich mehr gefürchtet als Gewalt und Repression

Könnte es sein, dass die damaligen Proteste nicht spontan, sondern gesteuert waren? Dass die Verantwortlichen in der muslimischen Welt es nicht für so gut halten, es sich mit dem Rohstoff-Großeinkäufer China zu verscherzen? Oder fühlt man sich durch Karikaturen und freies westliches Denken mehr bedroht als durch Knüppel und Gewehre? Gewalt und Unterdrückung, die Mittel der Chinesen, kennt die muslimische Welt aus eigener Erfahrung. Es schaut aus, als treffe sie diese weniger als Freiheit, Kritik und friedlicher Widerspruch.

Der König von Porsche geht

Donnerstag, 23. Juli 2009

Wendelin WiedekingWendelin Wiedeking ist zurückgetreten, nachdem er den Machtkampf mit VW verloren hat. 

Der Mann hat Geschichte geschrieben. Dennoch muss Wendelin Wiedeking gehen. Der 57-jährige, der seit 1992 an der Spitze von Porsche steht, hat in 17  Jahren aus dem Defizitbetrieb im baden-württembergischen Stuttgart-Zuffenhausen einen hochprofitablen Sportwagenbauer gemacht. Der Umsatz stieg von 978 Millionen Euro auf 7,466 Milliarden. Aus dem Abgang von 122 Millionen machte er einen Gewinn von 8,569 Milliarden. 

VW-Übernahme gescheitert an der Politik ………. 

Wiedeking zieht die Konsequenzen aus dem verlorenen Machtkampf mit VW und mit Ferdinand Piech.  Er wagte das schier Unmögliche. Die mit 12.000 Beschäftigten relativ kleine Porsche AG wollte den Riesen VW mit 177.000 Beschäftigten übernehmen. Der Kampf des David gegen den Goliath ging für den Goliath aus. Wiede-King (nomen est omen!) unterliefen zwei Fehler. Erstens unterschätzte er die Politik. Er wollte bei der EU-Kommission die Sonderrechte des 20-Prozent-Eigentümers an VW, des Landes Niedersachsen, kippen lassen. Doch hinter dem niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff stand die deutsche Kanzlerin Angela Merkel, die sich bei der EU für den Verbleib der Sonderrechte aussprach. EU-Kommissionspräsident José Manuel Baroso benötigt Merkel für seine Wiederwahl und Merkel benötigt wiederum die Stimmen der 177.000 VW-Beschäftigte für die Bundestagswahl am 27. September. Wiedeking verlor dieses politische Match.

……und an der Finanz- und Wirtschaftskrise

Der zweite Faktor, der Porsches ehrgeiziges Vorhaben scheitern ließ, war die Finanz- und Wirtschaftskrise. Die damit verbundenen Einbrüche am Auto- und Aktienmarkt ließen die Kredite, die für die Übernahme notwendig waren, auf 10 Milliarden Euro anschwellen. Das war zuviel für Porsche. Der eilends herbeigerufene Finanzinvestor, der Staatsfonds von Qatar, konnte und wollte die Situation auch nicht retten, denn er war vornehmlich an den Anteilen von VW interessiert. Wiedeking zog die Konsequenzen und trat nun zurück.

Er war der bestverdienenste Manager Deutschlands

Finanziell braucht sich Wiedeking nicht zu sorgen. Er erhält 50 Millionen Euro Abfindung, die Hälfte davon spendet er sozialen Zwecken. In den vergangenen Jahren hat er dank seines cleveren Vertrages ausgezeichnet verdient. 80 Millionen waren es im vergangenen Jahr, denn er erhielt ein Prozent vom Porsche-Gewinn. Damit war er der bestverdienenste Manger Deutschlands.  Das ist dennoch eine Kleinigkeit im Vergleich zu den Milliarden, die der Familienclan Porsche durch Wiedekings Erfolgskurs einfuhr.

Porsche hat die besten Zeiten hinter sich

Nun wird Porsche zur zehnten Marke im Hause von VW. Man braucht kein Prophet zu sein, um zu prognostizieren, dass die Zuffenhausner Autobauer die beste Zeit hinter sich haben werden. Nicht die Besseren, sondern die Mächtigeren haben sich durchgesetzt. Einen Wiedeking gibt es nur einmal.

Diözese Linz ist in einer Abwärtsdynamik

Mittwoch, 22. Juli 2009

Bischof Ludwig Schwarz

Bischof Ludwig Schwarz

Alle Beteiligten der Konflikte der vergangenen Wochen und Monate sind beschädigt. Das Ansehen der Kirche sinkt, die Mitarbeiter sind verunsichert.

Eine Woche nach der überraschenden Ablöse von Ferdinand Kaineder als Pressesprecher hängen alle Betroffenen wie angeschlagene Boxer in den Seilen. Es gibt keinen Sieger, alle Agierenden sind beschädigt. Die an sich sehr starke Diözese Linz befindet sich in einem Abwärtstrend, der durch die Auseinandersetzungen um die verhinderte Bestellung Gerhard Maria Wagners zum Weihbischof und die Absetzung Kaineders an Dynamik gewonnen hat. Das Ansehen der Kirche bei der Bevölkerung und den Gläubigen ist schwer ramponiert, die kirchlichen Mitarbeiter sind massiv verunsichert.  

Schlingerkurs von Bischof Schwarz

Bischof Ludwig Schwarz erweckt nicht den Eindruck, dass er das Ruder fest in der Hand hat und das Kirchenschiff ruhig und sicher durch die Untiefen und Strudel der Gewässer leitet.  Er versucht zwar, einmal jener, das andere Mal der anderen Gruppierung nachzugeben und sie so zufriedenzustellen. Das Resultat ist jedoch ein Schlingerkurs, der Bischof vermittelt wenig eigenständige Stärke. Durch dieses Nachgeben fühlen sich die einzelnen Gruppen in ihren fragwürdigen Vorgangsweisen bestärkt, es verhindert eine eigenständige Linie des Bischofs. So darf zum Beispiel der Bischof erpresserischen Drohungen, wie zum Bespiel den Kirchenbeitrag nur dann zu zahlen, wenn eine Entscheidung nur so und so getroffen wird, nicht nachgeben. Wenn er das macht, verliert er seine Glaubwürdigkeit und Stärke.

Strukturprobleme der Kirche ungelöst

Die römisch-katholische Kirche laboriert derzeit an zwei strukturellen Problemen.

1.Es wurde noch immer keine Lösung für das Verhältnis zwischen der Zentrale in Rom und den Lokal- und Regionalkirchen gefunden. Deutlich wurde dieses Grundproblem bei der Bestellung von Wagner zum Weihbischof. Die Entscheidung wurde einseitig in Rom getroffen, ohne auf die Diözese Linz und die Kirche in Österreich zu hören. Das desaströse Resultat dieser einseitigen Entscheidung ist bekannt.

2. Die römisch-katholische Kirche zeichnet sich durch eine Bandbreite an Vielfalt aus. Da gibt es rechte Gruppen, die alles beim Alten lassen wollen, es gibt linke Flügel wie die Arbeiterpastoral, die sehr progressiv sind. Alle bekennen sich zur Nachfolge Jesu und zum Katholizismus. Diese Vielfalt zu leben ist nur in einem intensiven Dialog möglich. Zudem bedarf es Führungspersonen, die integrativ wirken, starke Persönlichkeiten, die idealerweise von allen Gruppierungen respektiert werden.

Kirche ist Teil der gesamtgesellschaftlichen Krise

Die Kirche ist ebenso im Umbruch wie die Gesellschaft selbst. Sie kritisiert zwar die Krise des westlichen Gesellschaftsmodells, ist aber in Wahrheit selbst Teil der Krise. Sie ist selbst im Umbruch. Wohin die Reise geht bzw. gehen kann, hat das II. Vatikanum aufgezeigt.

Essen und Einkaufen um 40 Cent

Montag, 20. Juli 2009

Der Sozialmarkt SOMA unterstützt Bedürftige mit günstigen Lebensmittel. Vor zehn Jahren gegründet, gibt es nun bereits 23 Märkte in ganz Österreich.

Es ist Freitag, knapp vor zehn Uhr. Eine Schlange von rund 30 Menschen wartet vor dem Sozialmarkt Soma in Linz, Wiener Straße 46. Fast alle sind Frauen, manche haben ihre Kinder mit, sie tragen Taschen und Rucksäcke. Sie sind gut und adrett gekleidet. Außenstehende würden nie vermuten, dass die Wartenden arm sind. So arm, dass sie anstehen müssen, um ein Kilogramm Brot für 30 Cent zu bekommen.

Es finden nur 20 Einkaufswagerl Platz

Sie sind geduldig und diszipliniert. Manchmal klingelt ein handy oder es wimmert ein Kind. Die Blicke richten sich sehnsüchtig auf das eiserne Gitter, das die Abteilungsleiterin Inge Jachs pünktlich um Zehn aufsperrt. Sie begrüßt die Kunden mit einem freundlichen Guten Morgen, die Ersten dürfen rein in den Markt, der sich äußerlich kaum von normalen Supermärkten unterscheidet. Weil die Verkaufsfläche mit 200 Quadratmetern klein ist und nur 20 Einkaufswagerl zur Verfügung stehen, werden nicht alle auf einmal vorgelassen. Wenn die Ersten bezahlt haben und somit wieder Wagerl frei sind, öffnet sich das Gitter für die Nächsten. Die Anstehenden müssen sich gedulden.

Acht Euro für Waren im Wert von 60 Euro 

Ein Warten, das sich lohnt. „Ich habe gestern acht Euro bezahlt und Waren bekommen, die im normalen Supermarkt bestimmt 60 Euro gekostet hätten“, erzählt die Mutter eines 17jährigen Sohnes und einer 14jährigen Tochter. 2,5 Kilogramm Schinken, ein Kilogramm Frankfurter, vier Packerl Semmerl zum Aufbacken, Osterkron-Käse, Thunfisch und Apfelmus. „Wenn man Kinder hat, muss man etwas machen, dass sie satt werden. Zum Beispiel Thunfischaufstrich oder Spaghetti Carbonara“, sagt die 48jährige Alleinerzieherin. „Ich habe das von meiner Oma gelernt.“ Ihr Leben ist hart. Aufgrund verschiedener Erkrankungen ist sie zu 50 Prozent Invalide, deshalb kann sie auch nicht mehr als 25 Wochenstunden arbeiten. Sie wurde vor zehn Jahren geschieden, das Haus in Enns musste verkauft werden, der Ex zahlt keinen Unterhalt, weder für sie noch für die Kinder. Die Familie muss von 800 Euro netto im Monat leben. Deshalb darf sie auch bei Soma einkaufen. Die Obergrenze liegt beim Ausgleichzulagenrichtsatz, der heuer für den Einzelpersonenhaushalt 775 Euro beträgt. Wer darunter fällt, erhält einen Ausweis, der zum Einkauf bei Soma berechtigt.

Täglich 200 bis 250 Käufer

Die Schar der Käufer im Linzer Markt wächst und wächst. Im Schnitt sind es derzeit 200 bis 250 täglich. In letzter Zeit sind besonders Frauen, Junge und Menschen in prekären Beschäftigungsverhältnissen von der zunehmenden Armut betroffen. „Die Nachfrage ist groß und wird permanent größer“, sagt Alexander König, der Linzer Standortleiter. Soma Linz war der erste soziale Supermarkt, er ist 1999 gegründet worden. Mittlerweile gibt es in ganz Österreich 23 solche Märkte mit rund 30.000 Kunden. Die Idee ist bestechend einfach, der Erfolg kein Wunder. Supermärkte wie maximarkt oder der Lebensmittelgroßhändler Pfeiffer überlassen Soma Waren, die zwar noch in Ordnung sind, aber normalerweise im Müll landen würden. Wie zum Beispiel Osterhasen nach Ostern. „Wir holen diese Waren in den Kreislauf zurück, um sie Menschen anzubieten, die Probleme in der Grundversorgung haben.“ Man helfe damit den Supermärkten auch sparen, denn sonst müssten sie für die Entsorgungskosten aufkommen. „Wir garantieren jedem Lieferanten, dass wir die Waren innerhalb von 48 Stunden abholen.“ Mittlerweile gibt es bereits rund 1000 Partnerbetriebe. Manche wie Fischer-Brot schenken selbst frische Ware her. Täglich stellt der Großbäcker Roland Fischer einen Klein-Lkw voll mit frischgebackenem Brot gratis zur Verfügung.

Manche kauften anfangs den Laden leer

Das soziale Engagement wurde zu Beginn von besonderen Schlaumeiern auch ausgenutzt. Einzelne kauften den Laden leer, um die Ware ein paar Straßen weiter zum vollen Preis zu verhökern. Um diesem Missbrauch einen Riegel vorzuschieben, darf nur mehr maximal dreimal die Woche um maximal acht Euro eingekauft werden.

Dem Linzer Bürgermeister Franz Dobusch ist Soma ein besonderes Anliegen. Er stellte 100.000 Euro für den Umbau des Marktes zur Verfügung. Zudem hat die Stadt 25 Langzeitarbeitslose angestellt, die für Soma arbeiten.

Mittagsmenü für 40 Cent - Auch Begüterte sind eingeladen

Mit dem Gewinn aus dem Lebensmittelverkauf wird das kleine Restaurant, das ein Stockwerk über dem Supermarkt liegt, subventioniert. Das Mittagsmenü kostet lediglich 40 Cent, dafür gibt es Suppe, eine Haupt- und eine kleine Nachspeise. Der Mittagstisch ist für jedermann/frau zugänglich, denn man möchte, dass sich bei Tisch alle zusammensetzen und die sozial Schwächeren nicht unter sich bleiben. Wer sich die 40 Cent nicht leisten kann, erhält das Menü gratis. „Aber wir wollen keine Almosen geben, das hat mit der Würde der Betroffenen zu tun“, so Soma-Vorstandsmitglied Karl Hiebinger. „Wir gehen mit den Leuten freundlich und wertschätzend um, nicht anders als Billa oder Hofer.“

“Ich bin nicht ausländerfeindlich, aber…..”

Aber selbst bei Menschen mit geringem Einkommen ist Sozialneid spürbar. „Ich bin nicht ausländerfeindlich“, sagt die 48jährige Mutter, „aber die sind unerhört und frech. Die greifen jede Semmel zehnmal an.“ Und die Ausländer wüssten von den Sozialaktionen viel früher. Vom Ausländerreferat des Magistrats. Ein 54jähriger Arbeitsloser, der bis Jahresbeginn bei einem Sicherheitsdienst beschäftigt war, äußert ebenfalls Vorbehalte gegen Ausländer, die hier im Soma-Markt mindestens die Hälfte der Kunden ausmachen würden. Diese würden alles ausnutzen, das Gekaufte zu Hause horten oder wegwerfen. „Aber Soma ist für mich eine große Unterstützung“, bekennt er. Er selbst muss mit 100 Euro pro Monat für das Alltägliche das Auslangen finden. Er sucht dringend Arbeit, „aber da schaut es schlecht aus. Es muss sich drastisch etwas ändern.“

Eine Hoffnung, die nur schwer zu erfüllen sein wird. Denn die Experten erwarten für Herbst neue Rekordziffern an Arbeitslosen.

 

Das monarchische Prinzip scheitert in der modernen Gesellschaft

Freitag, 17. Juli 2009

031f2a9ad3106eeb5Rückschläge wie die Absetzung von Pressesprecher Kaineder können die gegenwärtigen kirchlichen Veränderungsprozesse nicht aufhalten. 

“Die rechten Kreise,…..die haben ja auch mich angezündet.” Der Pfarrer von Ungenach, Josef Friedl, nimmt in der heutigen Ausgabe der OÖN ganz klar Stellung gegen kath.net. Sie bringen vorzügliche Leute wie den abgesetzten diözesanen Pressesprecher Ferdinand Kainder mit ihren bösartigen Methoden um Beruf und Existenz, werden aber ganz weinerlich, wenn sie selbst attackiert werden. “Gehetzt” fühlen sie sich, wenn man sie hart angreift. Aber auf einen groben Klotz gehört nun einmal ein grober Keil.  

Die Rechten haben keine Antwort auf die Zukunft 

Der Einwand, man sollte sie nicht zu wichtig nehmen, ist schon richtig. Sie können schaden, was an sich schlimm genug ist, aber ihre Wirkung ist endendwollend. Denn die Reaktionen auf die Absetzung Kaineders sind sowohl beim Klerus als auch bei den Laien in Oberösterreich eindeutig. Eine Solidaritätswelle mit Kaineder sondergleichen. Die rechten Vernaderer haben ein Problem: Sie haben keine Antwort auf die Zukunft der Kirche. Zurück in die Zeit vor dem Konzil löst weder den Priesterschwund noch lässt sich eine Seelsorge für alle Gläubigen aufbauen.

Der mündige Gläubige entscheidet selbst und lässt sich nicht von Rom gängeln

Vor allem gehen sie an der Entwicklung der Gesellschaft vorbei. In der Demokratie ist der mündige Bürger gefragt, er engagiert sich, er nimmt Stellung, an den Arbeitsplätzen wird Teamarbeit verlangt. Dies steht in klarem Widerspruch zum monarchischen Prinzip der römisch-katholischen Kirche, wo man noch immer versucht, mit Anweisungen aus Rom das Leben der Menschen bis hinein ins Ehebett zu regeln. Das ist zum Scheitern verurteilt. Heute sind Teilhabe und Kommunkationsprozesse gefragt. Bei allem Schmerz über die ungerechtfertigte Absetzung Kaineders kann diese unumkehrbare Entwicklung trösten. Eine lebendige Volkskirche ist heute ohne mündige, engagierte Gläubige nicht möglich. Daran ändern auch Schläge mit dem römischen Staberl nichts.