Archiv für Oktober 2009

Die Toten fallen in die liebenden Hände Gottes

Samstag, 31. Oktober 2009

allerseelen

Zu Allerheiligen und Allerseelen werden die Friedhöfe besucht, wie an keinem anderen Tag im Jahr. Das Gedenken an die Verstorbenen gehört zum ältesten religiösen Verhalten der Menschen. Das Schmücken der Gräber, das Entzünden einer Kerze, das Gebet beim Grab hat es bereits seit Beginn des Christentums gegeben. Am Allerheiligen- und Allerseelentag werden die Gräber bei der Gräbersegnung mit Weihwasser besprengt.

 

Ursprünglich wurde das Gedenken an die Verstorbenen am Tag nach Pfingsten, ähnlich dem Heiligengedenken abgehalten. Ansätze zu einem Allerseelentag gab es bereits im frühen Mittelalter. Der Tag Allerseelen am 2. November geht aber ganz konkret auf Abt Odilo von Cluny in Frankreich zurück. Von Odilo, der von 994 bis 1048 lebte, weiß man, dass er die Feier eines Gedächtnistages für alle verstorbenen Gläubigen nach dem Allerheiligenfest anordnete. Unter dem Einfluss des Reformklosters Cluny verbreitete sich dann der Allerseelentag sehr schnell in der gesamten Kirche.

 

Arme Seelen, Fegefeuer, Gericht, Himmel und Hölle 

 

Der christliche Glaube enthält aufgrund der Zusage der Auferstehung die Überzeugung, dass die Toten in ihrem Sterben in die liebenden und vollendenden Hände Gottes fallen. Die theologischen Theorien gründen auf die biblischen Erzählungen und auf die menschliche Erfahrung im Leben. Das so genannte Gericht Gottes kann nach menschlicher Vorstellung und nach den Erzählungen in der Bibel so vorgestellt werden: Ich stehe als ganzer Mensch mit meinen Fähigkeiten und Fehlern vor Gott und kann mich selber erstmals vollständig erkennen.

Im Mittelalter entwickelte sich eine Sorge um die Verstorbenen und wie es ihnen wohl bei diesem Gericht und auf dem Weg dorthin gehen werde. Es entstand das Bild vom „Fegefeuer“ als Reinigungsort der sündigen Seelen bevor sie noch zu Gott kommen. Daher betete man auch für die „Armen Seelen“. Die mittelalterlichen Ängste rund um die Jenseitsvorstellungen sind heute laut Studien aus der Sterbebegleitung kaum mehr vorhanden. Die Christen glauben daran, dass Gott uns so annimmt, wie wir sind. Die Erkenntnis nach unserem Tod, wie wir wirklich sind,kann grausam-höllisch sein und kann befreiend-himmlisch sein.  In der Theologie wird nicht von dem kalten Richtergott gesprochen. Es steht immer die Beziehung Gott-Mensch im Vordergrund. Alle Bilder, die im Laufe der Jahrhunderte von Himmel und Hölle gemalt wurden, sind die Vorstellungen von lebenden Menschen in ihrer jeweiligen Kultur.

 

Das Gebet drückt die Verbindung zum Toten aus

 

Wenn ein vertrauter Mensch gestorben ist, so kommen die Angehörigen zum Gebet zusammen. Dieses Gebet drückt die Verbindung der Lebenden zu den Toten aus und ermöglicht noch einmal Wünsche und Gefühle dem Verstorbenen mitzuteilen. Eine Frau war im Leben sehr verbittert und unzufrieden. Als Angehöriger schicke ich das Gebet: „Lass sie ruhen in Frieden!“ zu Gott und wünsche ihr diesen Frieden auf dem neuen Weg mit Gott.

 

Der 1. November hat viele Bedeutungen: Allerheiligen bei den Christen, Neujahrstag bei den Kelten

Freitag, 30. Oktober 2009

Kirchenjahr - Allerheiligen

 

Zu Allerheiligen besuchen viele Menschen die Friedhöfe, die ansonsten wenig Berührungspunkte mit der Kirche haben. Die römisch-katholische Kirche denkt an alle christlichen Heiligen. Für die Paten und Godenkinder ist der 1. November als “Godntag” von Bedeutung.

 

Das Fest wurde ursprünglich gleich nach Pfingsten gefeiert, da die Heiligen die Kirche weiterführen, die zu Pfingsten gegründet wurde. Erst durch iro-schottische Mönche des 8. Jahrhunderts wurde Allerheiligen am 1. November gefeiert. Ein Heiliger ist kein religiöser Hochleistungssportler. Heilige sind jene, die ihre Fähigkeiten für die Menschen einsetzen und die sich Gott so geöffnet haben, dass er schon im Leben ihr Heil geworden ist. Die Heiligenverehrung begann mit der Verehrung der Märtyrer, der Blutzeugen der ersten christlichen Jahrhunderte. Sie wurden aufgrund ihres Glaubens ermordet. Die Christen trafen sich an den Gräbern der Märtyrer oder verehrten später deren Reliquien. Um die zunehmende überschwängliche Personenverehrung in den folgenden Jahrhunderten einzudämmen, wurden die Heiligsprechungsverfahren eingeführt. Im Jahr 2001 gab es im römischen Heiligenverzeichnis rund 7000 Einträge.

 

Der 1. November war der Neujahrstag der Kelten

 

Der Ursprung des Halloween-Festes ist der keltische Neujahrstag am 1. November. In Britannien, Irland und Nordfrankreich gedachte man der Toten. Der Name des Festes ist eine Verbalhornung von „Allerheiligen“ („all hallow souls“ oder „all hallow eve“ - Vorabend von Allerheiligen). Um den bösen Geistern zu wehren, zogen die Menschen von Haus zu Haus mit ausgehöhlten Kürbissen, die, von innen beleuchtet, grimmige Grimassen zeigten

 

Der Godntag

 

Zu bestimmten Zeiten im Kirchenjahr besuchen sich Pate und Godnkind gegenseitig. In Oberösterreich ist das meist Ostern, Allerheiligen und Weihnachten. Allerheiligen ist deshalb dabei, da an den Namenspatron gedacht wird, also eine Art Namenstag gefeiert wird.       

An diesen Tagen nehmen der Pate und die Patin eine „Godnsach“ mit. Das kann ein Striezel, ein kleines Geschenk sein. Der Striezel ist und war ein festliches Brot und verleiht der besonderen Verbindung Ausdruck. Aber auch das Beschenken des Paten und der Patin durch das Patenkind ist üblich. Das Wort „God“, „Gote“ oder in der Schweiz „Gotte“ geht auf den angelsächsischen Sprachraum zurück, auf „god moder“ – „mother in god“ und bedeutet „geistliche Mutter“. Dieses Wort kam im Mittelalter über den angelsächsischen Raum nach Österreich und vermischte sich mit dem Althochdeutschen „gotmouter“. Die Bedeutung des Wortes „Pate“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „geistlicher Vater“ oder „Beistand“. Der geistliche Beistand ist ein Begleiter im Glauben und im Leben, ein Gefährte für das Leben und ein Begleiter der Eltern in der christlichen Erziehung.

 

Der Pate ist Beistand und Helfer

 

Die Wurzeln des Patenamtes reichen in das vorchristliche Judentum zurück, wo bei den Aufnahmeriten der Proselyten ins Judentum drei Zeugen notwendig waren. Solche Bürgen und Garanten gab es auch im frühen Christentum bei der Taufe. Im dritten Jahrhundert n. Chr. wurde das heutige Patenamt grundgelegt. Im Mittelalter entstand durch die Trennung der Firmung von der Taufe auch das Firmpatenamt.

Der geistliche Beistand wurde für die Familien auch als Helfer/in im Notfall (zum Beispiel beim Tod der Eltern) gesehen. Oft haben vor allem Familien aus einfachen Verhältnissen einen gesellschaftlich höher stehenden Paten gesucht, um die Berufsausbildung der Kinder zu sichern. Neben den materiellen Gesichtspunkten ging es aber immer auch um die Begleitung des Kindes und der Jugendlichen im Leben.

 

 

Zitat des Tages

Freitag, 30. Oktober 2009

“Alles wirkliche Leben ist Begegnung.”

Martin Buber, jüdischer Philosoph.

“Die Begegnung bleibt die tiefste Sehnsucht des Menschen”, schreibt Johann Padinger, Pfarrer in Peuerbach, in seinen Gedanken zum Erntedankfest an seine Gläubigen. “Die bedeutensten Nährstoffe, die ein Mensch aufnimmt, kommen aus der Zuwendung und noch mehr aus der Zuneigung, die er erfährt.” Wenn schwere Kommunikationsstörungen da seien, spüre das der Mensch sofort. Das beste Essen schmecke nicht mehr wie sonst, wenn die Begegnungsebene gestört sei. Ebenso gäbe es die Erfahrung, dass Menschen in totaler Vereinsamung mit der Zeit immer weniger Wert auf das Essen legten. ”Essen ganz ohne Beziehung oder in einer schwer beeinträchtigten Beziehungswelt nähme unabhängig von der Qualität der Speise eine schwer verdauliche bis ungenießbare Note an. “Deshalb ist es so wichtig, nicht nur für eine gute Zubereitung von Speisen, sondern sich genauso um eine gute Aufbereitung des menschlichen Umfelds zu sorgen.”

“Die Welt vergöttert die Jugend, aber regieren lässt sie sich von den Alten”

Freitag, 30. Oktober 2009

christa

“Je grauer umso schlauer”, meinte Landeshauptmann Josef Pühringer (im Bild mit Gattin Christa) bei der Feier zum seinem 60er.

“Als mein Vater 1970 seinen 60. Geburtstag gefeiert hat, habe ich mir gedacht, er ist jetzt alt. Heute bin auch ich alt, aber nur in der Geburtsurkunde. Manchmal denke ich mir, wenn ich morgens aufstehe, ich bin immer noch der Obmann der Jungen ÖVP. Und wenn ich mich dann in den Spiegel schaue, denke ich mir, je grauer umso schlauer.” Mit diesen launigen Worten bedankte sich Landeshauptmann Josef Pühringer Donnerstagabend bei den 2000 Gästen, die ins Linzer Design-Center geströmt waren, um ihn zum 60er hochleben zu lassen. Und er zitierte Henry de Motherlant: “Die Welt vergöttert die Jugend, aber regieren lässt sie sich von den Alten.”

Ein Sonntagskind

Pühringer wurde am Sonntag, den 30. Oktober 1949 um 18.30 Uhr in der Landesfrauenklinik, die wegen der Schäden des Zweiten Weltkriegs im Wagner-Jauregg-Krankenhaus,  damals Narrenhaus genannt, untergebracht war, geboren. Er war beachtliche 54 cm groß und 3,82 kg schwer. “Wir dürfen nie vergessen, dass es in den 40-er und 50-er Jahren ums Überleben ging, heute geht es bei allen Problemen immer ums bessere Leben.” Heute würden die Startnummern für die Zeit nach der Krise vergeben. Oberösterreich, nach seinen Worten “das schönste Land der Welt”, solle das Wirtschaftsland Nummer eins in Österreich bleiben. Gleichzeitig müsse es ein Land der geistigen Weite, der Kultur, der Wissenschaft und Künste sein. Er richtete einen eindringlichen Appell der Gemeinsamkeit an die SPÖ, die FPÖ und die Grünen. Sein Credo laute, eine Politik mit Leidenschaft und Augenmaß. “Und wenn dann mein oberster Chef (gemeint ist Gott, Anm.d.Red.) am Ende der Tage sagt, Sepp, so schlecht hast du es nicht gemacht, dann bin ich zufrieden.”

Wir brauchen Leistungsträger an den Universitäten

Donnerstag, 29. Oktober 2009

demo

“Der Hahn gehört gerupft”, skandierten die rund 10.000 Studenten bei ihrer Demonstration Mittwochabend in der Wiener Innenstadt. Auf den ersten Blick sind die Forderungen der Studierenden legitim. Sie wollen genügend Ausbildungsplätze und Lehrpersonal haben, damit sie das Studium halbwegs in der vorgesehenen Zeit absolvieren können. Also Bedingungen, die wir vor 30 Jahren an den Unis vorgefunden haben.

Das Gymnasium ist zur Hauptschule abgesunken

Aber die Verhältnisse haben sich geändert. Als ich 1969 die Volksschule beendet habe, wechselten nur vier Mitschüler ans Gymnasium. Rund 90 Prozent besuchten die Hauptschule. Am Gymnasium hatten wir eine Aufnahmsprüfung zu bestehen. Von den 44 Gymnasiasten der ersten Klasse schafften es nur elf, also 25 Prozent, bis zur Matura. Und rund die Hälfte der Maturanten absolvierten ein Studium. Heute findet der Ausleseprozess viel später statt. In Wien besuchen rund 80 Prozent der Volksschüler das Gymnasium. Und dann strömen sie an die Universitäten.

Studieneingangsphase mit Überprüfung der Qualifikation

Auch wenn manche das nicht so gern hören wollen. Die Absolvierung einer Universität ist nur für jene gedacht, die über ein entsprechendes Wissen verfügen und entsprechende Fähigkeiten haben. Aber jeder, der über diese Voraussetzungen verfügt, sollte die Uni unabhängig von seiner sozialen Herkunft absolvieren können. Es ist aber leider eine Tatsache, dass viele nach der Matura nicht wissen, was sie tun sollen. Dann beginnen sie aus Verlegenheit ein Studium. Es sind daher alle Vorschläge vernünftig, die eine Studieneingangsphase vorsehen. Sie sollte mit einer entsprechenden Prüfung enden, die sicherstellt, dass die angehenden Studenten tatsächlich qualifiziert sind.

Studiengebühren sind gerecht

Das an den Unis entstandene Chaos ist auch eine Folge der Abschaffung der Studiengebühr. Ein Student kostet den Staat 12.000 Euro jährlich, die Absolventen gehören zu den Privilegierten der Gesellschaft. Es ist daher richtig und gerecht, wenn die Studenten einen kleinen Beitrag von rund 370 Euro pro Semester zu den hohen Kosten leisten, für die alle Steuerzahler aufkommen. Es muss Schluss sein mit der Mentalität, dass der Staat als Selbstbedienungsladen gesehen wird, der für alles und jedes aufkommt und den Menschen die persönliche Verantwortung nimmt. Wir verdanken unseren Wohlstand der Leistungsgesellschaft, die nur von Leistungsträgern angeführt werden kann. Deshalb sollte sich jeder Sutdent als Leistungsträger verstehen.

Kleinkarierter Parteigeist statt weitsichtiger europäischer Politik

Mittwoch, 28. Oktober 2009

hahn

Der innerparteilich geschwächte Kanzler Werner Faymann hat sich aufgeplustert und mit Johannes Hahn (Bild) als EU-Kommissar eine falsche Entscheidung getroffen.

Einen “Bosheitsakt Faymanns” nennt Michael Völker im heutigen Leitartikel des Standard (28.10.2009) die Bestellung von Wissenschaftsminister Johannes Hahn zum EU-Kommissar. Tatsächlich ist Hahn ein typischer Kompromiss der großen Koalition. SPÖ-Vorsitzender Bundeskanzler Werner Faymann, der nach den schweren Niederlagen bei den Landtagswahlen innerparteilich angeschlagen ist, versucht Stärke zu zeigen, indem er der ÖVP Schwierigkeiten macht und den ehemaligen Vizekanzler Wilhelm Molterer als österreichischen EU-Kommissar ablehnte. Molterer ist das Opfer dieses kanzlerischen Aufplusterns.

Faymann hat dem Selbstmordattentäter Molterer seinen Aufstieg zu verdanken

Alleine die Argumente gegen Molterer sind absurd: Dieser habe im Juni des vergangenen Jahres mit dem Sager “Es reicht” die große Koalition gebrochen und Neuwahlen herbeigeführt. Das stimmt zwar, aber ohne dieses Selbstmordattentat wäre Faymann heute weder SPÖ-Vorsitzender noch Bundeskanzler. Faymann muss in Wahrheit Molterer dankbar sein. Dieser verhalf ihm zum Aufstieg an die Staatsspitze. Im Sinne der Vertretung österreichischer Interessen wäre Molterer zweifellos der bessere Kandidat gewesen. Er hätte das wichtige Agrarressort bekommen, das mehr als 40 Prozent des gesamten EU-Budgets verwaltet. Mit Hahn kann es passieren, dass wir ein unbedeutendes und einflussloses Ressort bekommen.

Die Politiker sind selbst schuld am geringen Interesse an der europäischen Politik

Diese Entscheidung reiht sich nahtlos in andere europapolitische Entscheidungen ein. Es geht nicht darum, wie Österreich in Brüssel auftritt, welchen Beitrag unser Land zur europäischen Politik leisten kann. Nein, es wurde wieder einmal eine europäische Frage nach innenpolitischen, kleinkarierten parteilichen Gesichtspunkten entschieden. Wieder einmal wurde eine Chance vertan. Das Heulen unserer Politiker, die Menschen interessierten sich nicht für Europa, ist nichts anderes als Gewäsch. Die Wahrheit ist, sie sind selbst verantwortlich für das geringe Interesse an Europa.

Aus Verletzungen und Niederlagen Perlen formen

Dienstag, 27. Oktober 2009

perle

Wie man mit Niederlagen und Schmerzen umgeht, entscheidet darüber, ob man das Leben gut bewältigt oder nicht. Das zeigt eine Havard-Studie, die 268 Absolventen 70 Jahre lang begleitete. 

Was lässt das Leben gelingen? Forscher der amerikanischen Eliteuniversität Harvard haben sieben Jahrzehnte hindurch 268 Männer von ihren ersten Collegejahren in den späten 1930er Jahren  an bis ins hohe Alter begleitet. Für George Vaillant, der die Studie seit Jahrzehnten mitbetrieben hat, ist die zentrale Frage der menschlichen Entwicklung nicht, was einem alles zustoßen kann, sondern wie man mit Problemen und Widrigkeiten umgeht. “Das wichtigste Interpretationsmuster ist für ihn die psychoanalytische Kategorie des Abwehrmechanismus, also die unbewusste Reaktion eines Menschen auf Schmerzen, Konflikte, Mängel und Unsicherheit”, schreibt die Zeitschrift “Psychologie Heute”, die die Studie in ihrer November-Ausgabe veröffentlicht hat.

Niederlagen in Siege verwandeln

Vaillant zitiert gerne den Vers des englischen Dichters William Blake: “Wohl und Wehe sind fein verwoben.” Ihm geht es immer wieder darum zu zeigen, wie auch die vermeintlich negativen Seiten des Lebens, Schmerz und Niederlagen durch geschickte Anpassungs- und Abwehrstrategien in Siege umgewandelt werden können. Reife Abwehrmechanismen gleichen der Leistung einer Muschel, die ein störendes Sandkorn in eine Perle verwandelt. Vaillant: “Auch Menschen können aus Verletzungen und  Niederlagen in ihrem Leben auf unbewusste und kreative Weise Perlen formen.” 

Sport wichtig für die körperliche und die psychische Gesundheit

Als die untersuchten Personen ihr Pensionsalter erreichten, formulierte Vaillant sieben Hauptfaktoren, die mit einiger Verlässlichkeit ein gesundes Älterwerden voraussagen ließen. Die Anwendung reifer Abwehrmechanismen ist einer dieser Faktoren. Die anderen sind Bildung, stabile Partnerbeziehungen, kein Alkoholmissbrauch, Nichtrauchen, ein Mindestmaß an körperlicher Betätigung und gesundes Körpergewicht. Regelmäßiger Sport während der frühen Studienjahre ermöglichte eine bessere Prognose für die psychische Gesundheit als für die körperliche Gesundheit. Zwischen 50 und 75, so fand Vaillant heraus, sind Humor und Altruismus immer häufiger anzutreffen, während die unreifen Mechanismen wie Verleugnung und Verdrängung immer seltener werden. 

Soziale Fertigkeiten wichtiger als Intelligenz oder Herkunft 

Vaillant stellte fest, dass es die sozialen Fertigkeiten und keineswegs die intellektuelle Brisanz oder die soziale Herkunft sind, die uns erfolgreich altern lassen. Echte menschliche Beziehungen sind notwendig. Gute Geschwisterbeziehungen erweisen sich als besonders mächtig: 93 Prozent der Männer, denen es im Alter von 65 sehr gut ging, hatten in ihrer Jugend ein äußerst enges Verhältnis zu einer Schwester oder einem Bruder. 

Unter den Anzügen oft gequälte Herzen

Als die 268 Teilnehmer in den 1960er Jahren das mittlere Lebensalter erreichten, veränderte sich ihr Leben oft dramatisch. Viele Teilnehmer waren beruflich sehr erfolgreich, einige kandidierten für den US-Senat, einer war Kabinettsmitglied und einer wurde sogar Präsident (J.F. Kennedy). Aber es wurden auch Schatten sichtbar. Schon 1948 wurden bei 20 Mitgliedern schwere psychiatrische Probleme diagnostiziert. In den 50ern hatte bereits ein Drittel der Männer klare Symptome einer Geisteskrankheit. Unter den Anzügen der Havard-Elite schlugen häufig gequälte Herzen.

Nur schwarze Eunuchen im Harem des Sultans

Sonntag, 25. Oktober 2009

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Der Harem spielte eine entscheidende Rolle in der Politik des osmanischen Reichs. Die Frauen und Konkubinen nahmen über den Sultan Einfluss, um ihre und die Position ihrer Kinder für die Zukunft abzusichern.

Ein kleiner Nachtrag zur Istanbul-Reise, über die ich vor zwei Wochen berichtet habe. Der Topkapi-Palast des Sultans ist ein besonderes Juwel der Metropole am Bosporus. Josef Matuz, der Professor für Osmanistik und allgemeine Turkologie in Freiburg (Deutschland) war und mit “Das Osmanische Reich - Grundlinien seiner Geschichte” (Verlag Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt) ein Standwerk verfasst hat, schreibt auf Seite 88 über den Harem des Sultans. “Im Harem leisteten nur total emaskulierte, schwarze Eunuchen Dienst. Außer dem Sultan war allen Männern, selbst den weißen Eunuchen, der Zugang verwehrt. Eunuchen waren durch Kastration zeugungsunfähig gemachte Männer. Bei den schwarzen Eunuchen sind nicht nur die Hoden, sondern auch der Penis entfernt worden.”

Der Sultan im goldenen Käfig des Harems 

Der Harem spielte eine bedeutende Rolle in der Politik des osmanischen Reichs. Auf Seite 140 schreibt Matuz: “In den ersten Jahren seiner Herrschaft ergab sich Sultan Murat III. (1574-1595) vollständig dem Einfluss seiner Favoritin, Safiye Sultan, einer gebürtigen Venezianerin. Später traten für ihn seine amourösen Ambitionen vollends in den Vordergrund. Damit war eine Art Präzedenzfall eingetreten: Die meisten späteren Sultane lebten im goldenen Käfig des Harems und kümmerten sich kaum um die Regierungsgeschäfte.”

Die Zeit der “Weiberherrschaft”

In seiner völligen Abhängigkeit vom Harem wurde der Sultan seinen neuen Großwesiren gegenüber immer misstrauischer. Unter seiner Herrschaft wechselte das Amt zehnmal seinen Inhaber. Die durchschnittliche Amtsdauer der Großwesire betrug von 1579 an nicht einmal anderthalb Jahre. Murat III. verkehrte mit den Großwesiren meist nur noch schriftlich: Er ließ sich von ihnen durch kurzgefasste Vorlagen über die bevorstehenden wichtigsten Maßnahmen informieren. Die Entscheidung über die bedeutensten Staatsangelegenheiten wurde meist im Harem getroffen, zunächst unter Beteiligung der Favoritin, später der Muttter des Sultans, des schwarzen Obereunuchen sowie anderer Höflinge. Nicht umsonst wird die mit Murat III.  beginnende Epoche oft die Zeit der “Weiberherrschaft” genannt.”

Die Intrigen der Roxelane

Begonnen hat der Einfluss des Harems auf die Politik unter Süleymann, dem Prächtigen (1520-1566). Er war ganz unter den Einfluss seiner neuen Frau, Hurrem Sultan, einer vormaligen Sklavin, geraten. Hurrem Sultan, die von den Europäern wegen ihrer möglicherweise ostslawischen Abstammung Roxelane genannt wurde, intrigierte gegen die Freundschaft, die den sehr erfolgreichen Großwesir Ibrahim mit dem Sultan verband. Sie brachte es fertig, dass der hochbegabte Politiker und Diplomat Ibrahim, der Busenfreund des Sultans, im März 1536 kurzerhand hingerichtet wurde. Die Hinrichtung eines weiteren Großwesirs, Kara Ahmets (1555), war ebenfalls auf den Einfluss Roxelanes zurückzuführen. Sie wollte das höchste Amt des Reiches für ihren Schwiegersohn Rüstem freibekomen. Mehr oder weniger auf Roxelanes Bestrebungen wurde auch Prinz Mustafa, ein Sohn des Sultans aus der Ehe mit seiner ersten Frau Gülbehar, im Jahre 1553 beseitigt, um die Thronfolge für einen ihrer eigenen Söhne zu sichern.

Pühringer am Höhepunkt seines politischen Lebens

Sonntag, 25. Oktober 2009

puhringer

Josef Pühringer feiert am Freitag, 30. Oktober seinen 60. Geburtstag. Mit dem Gewinn der absoluten Mehrheit in der Landesregierung bei der Wahl am 27. September 2009 und den überlegt geführten Regierungsverhandlungen hat er seinen politischen Zenit erreicht.

Josef Pühringer feiert diese Woche am 30. Oktober seinen 60. Geburtstag. Er ist am Höhepunkt seines Lebens. Als Vollblutpolitiker hat er am 27. September bei seinem dritten Antreten als Landeshauptmann seinen größten Erfolg gefeiert. Er hat sich ihn mit jahrzehntelanger Arbeit und Einsatz verdient. Niemand und nichts war ihm zu gering, dass er sich seiner bzw. der Sache nicht angenommen hätte. Es zeichnet ihn aus, dass er nicht auf Härte, sondern auf Überzeugung gesetzt hat.

Menschlichkeit hat Vorzug gegenüber dem Recht

Pühringer ist vom christlichen Glauben geprägt. Im Zweifelsfall gibt er nach und der Menschlichkeit den Vorzug. Dies wurde deutlich im Konflikt um den Verbleib des kosovarischen Mädchens Arigona Zogaij, bei dem sich seine ÖVP für die Abschiebung aussprach, Pühringer jedoch persönlich für ihren Verbleib votierte. Das dürfte auch der Grund sein, warum das Mädchen noch da ist.

Aus dem schwarz-grünen Experiment wird eine Ära

Es spricht für ihn, dass er auf den Wahlsieg nicht mit Hochmut reagierte, sondern mit Demut. Er ist bodenständig im besten Sinn des Wortes. Er traf mit der SPÖ und der FPÖ Grundsatzvereinbarungen und bindet sie in die Regierungsarbeit ein, gleichzeitig setzt er die Koalition mit den Grünen fort. Aus dem schwarz-grünen Experiment der vergangenen sechs Jahre wird mit der Verlängerung um eine weitere Legislaturperiode eine Ära. Auch deswegen wird Pühringer in die Landesgeschichte eingehen. Mit den klug geführten Regierungsverhandlungen hat er die Vormachtstellung der ÖVP für die nächsten zehn Jahre gesichert.

Der engste Kreis begleitet ihn seit vielen Jahren

Pühringer ist ein treuer Mensch. Der Großteil seiner VP-Regierungsmannschaft gehörte in den 70-er und 80-er Jahren dem Landesvorstand der Jungen ÖVP an, als er deren Landesobmann war. Landeshauptmannstellvertreter Franz Hiesl war damals Kassier, Landesrat Viktor Sigl gehörte dem Vorstand ebenso an wie der neue Erste Landtagspräsident Friedrich Bernhofer. Weitere Vorstandsmitglieder waren Walter Murauer und Otto Gumpinger. Murauer ist als langjähriger Nationalratsabgeordneter bereits ausgeschieden, der Landtagsabgeordnete Gumpinger nahm sich durch seine Visa-Affäre selbst aus dem Spiel.

Beharrlichkeit ersetzt den Griff zum Schwert

Was sind Pühringers Schwächen? Der Karikaturist Gerhard Haderer zeichnet ihn als Bitzler, als Mann, der da und dort in die Luft geht. Das stimmt wohl. Aus seiner Leidenschaft und Emotionalität heraus hat er gern seitenlange Briefe an Journalisten diktiert, wenn er sich ungerecht behandelt fühlte. Seine Sensibilität hat er sich bewahrt, er hat sich keinen Panzer umgelegt. Manche würden sich von ihm mehr Führungsstärke wünschen. Doch er greift nicht gern zum Schwert, sondern setzt auf Beharrlichkeit.

Ungeklärte Nachfolgefrage Achillesferse der ÖVP

Wie es derzeit aussieht, wird Pühringer 2013 oder 2014 als Landeshauptmann ausscheiden. Die entscheidende Frage, wer ihm nachfolgen wird, ist nicht beantwortet. Das ist die Achillesferse der Landes-ÖVP, bei aller Stärke, die sie derzeit an den Tag legt. Das Regierungsteam bleibt mit Ausnahme der Bestellung der 36-jährigen Doris Hummer unverändert, von den Alten kommt keiner als Nachfolger in Betracht. Mitte der Periode soll Landesparteisekretär Michael Strugl in die Regierung wechseln. Diese Änderung ist überfällig. Strugl ist aufgrund seines strategischen Geschicks für die ÖVP unverzichtbar geworden. Er hat noch nicht jene Leutseligkeit, die Landeshauptleute in Oberösterreich benötigen. Aber das kann ja noch werden.

“Mehr Eigenverantwortung und eine stärkere Leistungsgerechtigkeit”

Freitag, 23. Oktober 2009

josefproll

Interview mit Josef Pröll am Donnerstagnachmittag, 22.10.2009. Der Vizekanzler ist um eine Dreiviertelstunde zu spät. Er ist im Stress, entschuldigt sich, reißt sich die schwarze Krawatte herunter - er kommt von einem Begräbnis - und bindet sich eine andere um, die er bei sich hat. Er entschuldigt sich dreimal für das Zuspätkommen, der Fotograf Robert Newald, der ebenfalls im Stress ist, drückt schnell ab. Pröll überschlägt die Beine und los geht das Interview, das Alexander Kain, stellvertretender Chefredakteur der Passauer Neuen Presse und meine Wenigkeit mit ihm führen. Pröll ist sympathisch. Neue Schuhe würden ihm nicht schlecht stehen, die jetzigen sind schon ein wenig ausgetreten und nicht mehr das neueste Modell, ein Schuhband ist abgerissen. Ein neuer Anzug wäre auch zu empfehlen, die Hose spannt. Wahrscheinlich hofft er noch immer abzunehmen und jenes Gewicht zu erreichen, das er nach einer Abnehm- und Sportphase damals als Landwirtschaftsminister hatte. 

Österreich und Deutschland hatten zuletzt Stress miteinander, weil Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) Österreich in die Nähe einer Steueroase gerückt hatte. Nun wurde er abgewählt. Zufrieden?

Pröll: Wir hatten eine harte Auseinandersetzung in der Sache. Er hatte mit seinen Vorwürfen den Bogen überzogen, so spricht man nicht mit seinen Nachbarn. Aber das Arbeitsverhältnis zu Peer Steinbrück war insgesamt sicherlich positiv geprägt. Jetzt bin ich gespannt, wer der Neue wird.

Was halten Sie von Karl-Theodor zu Guttenberg?

Pröll: Ich kann die deutsche Regierungsbildung nicht präjudizieren. Was mir wichtig ist, dass es eine gut-nachbarschaftliche Zusammenarbeit gibt. Mit dem Karl-Theodor habe ich persönlich ein sehr gutes Verhältnis, haben uns auf dem CSU-Parteitag getroffen und in der  Opel-Sache gut zusammengearbeitet. Ich halte ihn für ein ganz großes politisches Talent, das weit über Bayern hinaus Strahlkraft haben kann und haben wird.

Aber das Thema Bankgeheimnis ist ja noch immer nicht vom Tisch. Österreich soll automatisch eine Meldung nach Berlin geben, wenn deutsche Staatsbürger Geld in Österreich anlegen.

Pröll: Wir haben im Parlament die Grundlage geschaffen für eine transparentere Handhabung in dieser Sache. Aber eine automatische Meldung wird es mit uns nicht geben. Wir lassen uns auf die Forderung ein, bei einem klar begründeten Verdacht auch ohne richterlichen Beschluss und ohne Strafverfahren Informationen preiszugeben. Das ist qualitativ eine deutliche Verbesserung für die deutschen Behörden. Mehr gibt es nicht, das ist die Linie, die wir zwischen dem Bankgeheimnis für Österreicher und der Transparenz für ausländische Behörden ziehen. Damit sollten alle Seiten leben können.

Deutschland hat sich für eine bürgerliche Regierung entschieden. Ist das für Sie ein Thema in Wien?

“Wir haben leider keine FDP”

Pröll: Das ist ganz klar ein großes Thema, das wir sehr intensiv verfolgen. Es wird spannend, wo die deutsche Bundesregierung ihre Schwerpunkte setzen wird – schließlich sind Sie unser größter Exportmarkt und auch für Europa wird viel von Deutschland abhängen. Interessant ist das auch, weil wir in Österreich noch eine Große Koalition haben, bei Ihnen machen das Konservative und Liberale. Der Nachteil in Österreich ist, dass wir keine FDP haben.

Aber es gibt doch die FPÖ.

Pröll: Das ist nicht vergleichbar: Die FDP kommt aus der wirtschaftliberalen Ecke, während die FPÖ eine starke Rechtsorientierung hat. Was wir bräuchten, wäre auch so etwas wie die FDP.

In Deutschland ist die SPD aus der Regierung geflogen, bei Ihnen gilt sie als angeschlagen. Ähnlich ist das in anderen Ländern. Steckt die Sozialdemokratie in Europa in der Krise?

“Die Menschen trauen wirtschaftsorientierten Parteien mehr zu”

Pröll: Ich sehe keine Krise der Sozialdemokratie. Was ich aber sehe, ist, dass die Menschen uns konservativen, christlich-sozialen und wirtschaftsorientierten Parteien mehr zutrauen, diese schwierigen Zeiten zu bewältigen.

Dabei möchte man meinen, dass die Menschen, wenn es ihnen wirtschaftlich schlechter geht, eher die Sozialdemokraten wählen.

“Anrecht auf Leistungsgerechtigkeit”

Pröll: Die Menschen haben es satt, wenn ausschließlich über Verteilungsgerechtigkeit diskutiert wird. Die vielen Menschen, die arbeiten gehen, die sich anstrengen, die Steuern zahlen, die haben ein Anrecht auf Leistungsgerechtigkeit. Die Sozialdemokraten denken nur ans  Verteilen. Darüber vergessen Sie, dass den Topf, aus dem die Verteilung bezahlt wird, jemand mit täglich harter Arbeit füllen muss. Wir sind auch für einen sozialen Ausgleich, aber zuerst einmal muss sich die Leistung wieder lohnen.

Sie haben dazu ein „Großprojekt Österreich angekündigt“. Wie sieht das aus?

“Unsere Leute gehen zu früh in die Pension”

Pröll: Es geht um die Frage, wie kann Österreich fitter werden, wo müssen wir nachschärfen, wo wettbewerbsfähiger werden? Ein Feld sind die Sozialsysteme. Da brauchen wir mehr Eigenverantwortung. Außerdem gehen die Menschen bei uns viel zu früh in Rente, diese Lücke müssen wir schließen.

Spielen auch Steuersenkungen eine Rolle?

Pröll: Wir haben uns ja in manchen Dingen einen Vorsprung gegenüber Deutschland erarbeitet. Niedrigere Steuern gehören dazu. Wir haben schon vor einem Jahr die Steuern um drei Milliarden Euro gesenkt.

Es gibt bei uns ja das Trauma von Österreich als dem besseren Deutschland. Glauben Sie, dass wir mit der neuen Regierung nur aufholen – oder gehen wir in Vorlage?

“Österreich ist kleiner und deshalb flexibler”

Pröll: (lacht) Deutschland ist immer die Vorlage, der wir nachstreben. Aber zugleich ist Österreich halt kleiner – und deswegen immer flexibler und geschmeidiger. Egal wie ihr euch anstrengt.

Ein österreichisches Vorbild, das sich Deutschland möglicherweise zu Herzen nimmt, ist die Autobahnvignette. Viele deutsche Autofahrer fühlen sich in Österreich abkassiert, wollen, dass auch die Österreicher bei uns zahlen. Hätten Sie ein Problem damit?

“Die Autobahnvignette trägt zur Kostenwahrheit bei”

Pröll: Ich kann die Diskussion nachvollziehen. Aber es geht nicht ums Abkassieren, sondern um einen Beitrag zur Kostenwahrheit im Verkehr. Wenn Deutschland hier nachzieht, dann werden das die österreichischen Kunden auf den deutschen Autobahnen verkraften können.

Für Diskussionen bei Ihnen sorgen die deutschen Studenten, die – um der deutschen Studiengebühr zu entgehen - in Österreich studieren. Wie wollen Sie das lösen?

“Entweder Studiengebühren oder Zugangsbeschränkungen”

Pröll: Lösen kann man das nur durch die Wiedereinführung der Studiengebühren oder Zugangsbeschränkungen. Das muss dann aber für alle gelten - nicht selektiv, etwa nur für Deutsche.

Sie sind selbst studierter Agrarökonom. Welche Lösung muss es für die Milchbauern in Österreich und Bayern geben?

“Mehr Geld für die Milchbauern”

Pröll: Die Milchwirtschaft steht vor erheblichen strukturellen Herausforderungen. Regional benachteiligte Gebiete wie Bayern oder Österreich merken das ganz besonders. Wir müssen dafür sorgen, dass es zwar einen Strukturwandel, aber keinen Strukturbruch gibt. Dazu brauchen wir mehr EU-Geld, um die Milchwirtschaft zu stützen. Die 82 Millionen Euro, die jüngst beschlossen wurden, sind ein wichtiger Schritt – kurzfristig. Langfristig müssen wir bei den Finanzverhandlungen für die Zeit nach 2013 darauf achten, dass diese Nachteile über eine ordentliche Finanzplanung für die ländliche Entwicklung abgefedert werden. Das werden harte Jahre der Bewährung für die Landwirtschaft- und Finanzminister werden.

Die Staatsanwaltschaft nimmt derzeit die österreichische Hypo Group Alpe Adria, eine Tochter der Bayerischen Landesbank, unter die Lupe, es gab Durchsuchungen. Was sagt der österreichische Finanzminister dazu?

Pröll: Es ist allen Vorwürfen auf den Grund zu gehen. Aber wo die Justiz ermittelt, haben Politiker zu schweigen.