Archiv für November 2009

Advent, Advent, das erste Lichtlein brennt…….

Donnerstag, 26. November 2009

 advent

Das Wetter beschert uns zwar noch sehr warme Temperaturen und beinahe frühlingshafte Witterung, doch übermorgen ist bereits der erste Adventsonntag.

Das lateinische Wort „adventus“ bedeutet Ankunft. In der Adventzeit geht es um die Frage: Was dürfen wir hoffen? Wann kommt die Erlösung? Wann kommt Gott? Der Advent ist die Vorbereitungszeit auf das Weihnachtsfest. Die Christen feiern zu Weihnachten die Geburt Christi, dass Gott durch Jesus Christus ganz und gar im Menschen gegenwärtig geworden ist.

Die Sehnsucht nach dem unvergänglichen Glück bleibt letztlich unerfüllt

In unserem Leben streben wir nach dem unvergänglichen Glück. Letztlich stillen die Erfahrungen im Leben diese Erwartungen aber nicht ganz. In den biblischen Texten ist von hoffnungslosen Situationen und prophetischen Visionen die Rede. Der Advent macht aufmerksam auf die beiden Pole des Lebens: Mangel und Fülle, Hoffnung und Hoffnungslosigkeit. Die gesellschaftlichen Themen von Gewinnsteigerung durch das Weihnachtsgeschäft und versteckte soziale Armut kreisen genau um diese Pole. Theologisch lehrt der Advent die Kunst, das, was dem Menschen im Letzten fehlt, offen zu halten. Somit stellt der Advent folgende Funktion von Religion in den Mittelpunkt: Unterbrechung.

 Die Zeit vor der Ankunft des römischen Kaisers war “adventus”

 Die Römer bezeichneten den ersten offiziellen Besuch eines Herrschers oder die Thronbesteigung eines Kaisers als „adventus“. Die älteste Adventzeit wird in Spanien bezeugt, wo eine vierzehntägige Vorbereitungszeit vor dem Fest „Erscheinung des Herrn“ am 6. Jänner begangen wurde. In Rom wurden unter Papst Gregor I. im 6. Jahrhundert vier Sonntagsmessen mit adventlichen Gesängen vor dem Weihnachtsfest gefeiert. Anders hat sich der Advent in Gallien entwickelt, hier wurde diese Zeit als Fastenzeit begangen.

Heute wird die Adventzeit in der Liturgie nicht mehr vordergründig als Fastenzeit bezeichnet, sondern als Zeit der Vorbereitung und Erwartung. Weil „der Gesang der Engel zu Weihnachten wieder wie etwas Neues erklingen soll“, wird im Advent kein Gloria gesungen, im Gegensatz zur österlichen Bußzeit. Mit dem 1. Adventsonntag beginnt für die Kirche auch das neue liturgische Kirchenjahr.

Den ersten Adventkranz gab es erste 1924 in Köln

 Am Adventkranz werden nacheinander vier Kerzen angezündet, als Zeichen für Christus, der „Fülle des Lichtes“. Mit der Adventkranzweihe wird am Samstagabend vor dem ersten Adventsonntag in den Pfarren der Advent liturgisch begonnen. Die Segnung der Adventkränze und der Kerzen in den dunklen winterlichen Kirchen ist ein Zeichen der Hoffnung. Der Adventkranz ist ein junger Brauch. Der evangelische Theologe Johann Wichern (+1881) wollte in dem Schülerheim, im „Rauhen Haus“ die Zeit auf Weihnachten verkürzen. Seit 1840 feierte er im Advent jeden Tag eine Andacht und zündete jeweils eine Kerze an. Die Schüler stellten diese 24 Kerzen auf Reisigzweige. Somit war der Vorläufer des Adventkranzes und des Adventkalenders erfunden. Der erste Adventkranz in einer katholischen Kirche wurde erst 1924 in Köln verwendet.

Der dritte Adventsonntag heißt auch „Gaudete“ „Freuet Euch“, weil die Freude auf das nahende Weihnachtsfest im Mittelpunkt steht. Dieser Sonntag wird auch durch eine andere Farbe der dritten Kerze am Adventkranz zum Ausdruck gebracht.

 

 

Dubai hat auf Sand gebaut

Donnerstag, 26. November 2009

dubai

Dubai, das Land der Superlative. In jeder Hinsicht wollte das Emirat am Persischen Golf weltweit an der Spitze sein. Mit Emirates wollten sie die größte Luftflotte der Welt aufbauen. Dubai sollte zum größten Flughafen weltweit werden. Der höchste Wolkenkratzer wurde errichtet. Zahllose Prestigeobjekte wie die künstlich aus Sand und Felsen im Meer aufgeschütteten Inselwelten “The World”, “The Palm Jumeirah” und “Dubai Water Front” sollten den kleinen Wüstenstaat zum Zentrum des weltweiten Luxus machen. Doch nun stellt sich  im Zuge der Finanzkrise heraus, dass das Vorzeigeland am Rande der Pleite steht.

Vorläufig fehlen 80 Milliarden Euro

Das Emirat hat um Zahlungsaufschub für zwei Staatsholdings ersucht. Der Schuldenstand beträgt rund 80 Milliarden Euro. Ursache ist, dass das Interesse an Luxus durch westliche Investoren schlagartig zurückging. Wer will schon Millionen von Euro für Wohnungen im Wüstenstaat hinblättern, wenn er an der Börse einen erheblichen Teil seines Vermögens verloren hat? Das letzte Großprojekt, der Nakheel Tower mit einer Höhe von mehr als 1000 Metern und projektierten Kosten von über 25 Milliarden Euro, wurde bereit auf Eis gelegt.

Als Europäer kommt sich in Dubai als Trottel vor

In den vergangenen Jahren hatte ich zweimal das Vergnügen, das boomende Emirat zu besuchen. Als Europäer kam man sich angesichts des Baubooms vergleichweise als Trottel vor. Das Emirat verkaufte sich nach dem Motto, wir zeigen der Welt, wie es geht. Zahllose Glaspläste schossen in die Höhe, ein Prestigeprojekt jagte das andere. Aber selbst der ganze Reichtum und die dargebotene Glitzerwelt ließen kein Wohlgefühl hochkommen. Trotz der Hitze der arabischen Halbinsel blieb es im Inneren kalt und leer. In jeder europäischen Altstadt ist weitaus gemütlicher.  

Die Arbeiter aus Asien wurden ausgebeutet

Nun bricht der Glanz und Schein. Dubai baute auf Pump. Und es profitierte von der Ausbeutung der Arbeiter, die hauptsächlich aus Asien kamen. Sie mußten Tag und Nacht schuften, wer aufmuckte, dem wurde sofort die Arbeitserlaubnis genommen und ins nächste Flugzeug gesetzt. Sozialleistungen gab es keine. Doch die Asiaten schwiegen, konnten sie doch Geld verdienen, um ihre Angehörigen zuhause zu versorgen. Es ist zu befüchten, dass Dubai noch schneller zusammenbricht als es entstanden ist. Emir Scheich Mohammad bin Raschid Al Maktum, dessen Visionen den Besuchern immer wieder angepriesen wurden, hat auf Sand gebaut.

Amtszeit des Präsidenten auf sieben Jahre verlängern, aber nur einmaliges Antreten

Mittwoch, 25. November 2009

fischer

Heinz Fischer (Bild) wird als Bundespräsident kandidieren. Er wird bei seiner Wiederwahl einen großartigen Sieg erringen. Angesichts der Klarheit des Sieges scheuen sich die ÖVP, die FPÖ, das BZÖ und die Grünen davor, einen Kandidaten aus ihren Reihen aufzustellen. Verlorene Liebesmüh’, sagen sich die Strategen. Ein Wahlkampf fordert organisatorische Anstrengungen und kostet viel Geld. Wie soll man die Funktionäre und Mitarbeiter motivieren, wenn kaum eine Aussicht auf einen Sieg besteht?

Sinnloser Wahlkampf

Die Argumente in der Bevölkerung, man solle sich den Wahlkampf sparen, sind nicht von der Hand zu weisen. Allerorten wird gepredigt, es müsste gespart werden. Aber Demokratie ist Demokratie, das Recht geht vom Volk aus. Und ein vom Volk gewählter Bundespräsident stellt eine Grundlage der Demokratie dar. Da und dort tauchen Diskussionen über die Sinnhaftigkeit der Institution des Bundespräsidenten auf. Gegen eine Abschaffung spricht, dass sich das österreichische Verfassungssystem bewährt hat. Bei einer allfälligen Abschaffung müsste der Bundeskanzler die Kompetenzen des Präsidenten übernehmen. Wer will aber einen derartig starken Kanzler?

Sieben Jahre Amtszeit, nur eine Kandidatur

Aus den genannten Überlegungen wäre es sinnvoll, die Amtszeit des Präsidenten zum Beispiel von sechs auf sieben Jahre zu verlängern und gleichzeitig ein Verbot einer Wiederkandidatur festzulegen. Somit könnte jeder Präsident sieben Jahre im Amt sein, dann müsste er ausscheiden. Sieben Jahre sind genug. Genug Zeit, politische Leitplanken einzuschlagen, falls er solche einschlagen will. Für die Bürger ist ein und dasselbe Gesicht sieben Jahre an der Spitze des Staates lange genug. Dann sollte jemand anders die Chance bekommen, das Amt mit neuem Leben zu erfüllen. Und man könnte sich so sinnlose Wahlkämpfe ersparen wie jenen, der uns im April 2010 bevorsteht.

Pflicht-Zölibat und Verbot der Frauenweihe sind Verletzungen der Menschenrechte

Dienstag, 24. November 2009

pfarrerinnen

Das Bild zeigt protestantische Pfarrerinnen und Pfarrer in Deutschland.

Eine vernichtende Kritik am Pflicht-Zölibat und dem Verbot der Frauenweihe in der römisch-katholischen Kirche übten die Referenten bei der Enquete “Kirchenreform und Menschenrechte”, die von der Plattform ”Wir sind Kirche” am Freitag, 20.11.2009 durchgeführt worden ist. Der Pflichtzölibat ist menschenrechtswidrig, sagte Heribert F. Köck, der Professor für Staats-und Europarecht in Linz war. Dasselbe gelte auch für das Verbot der Frauenweihe. Köck gilt als gestandener Katholik, ist CVer und alles andere als Revolutionär. Deshalb wiegen seine Worte umso schwerer.   

Auch die Kirche darf die Grundrechte nicht einschränken

Köck sagte, die Menschenrechte würden mit dem göttlichen Naturrecht begründet. Aber für das kirchliche Recht sei auch die “Wesensgehaltssperre” anzunehmen. Nach diesem Prinzip dürfe kein Grundrecht durch den Gesetzgeber so weit eingeschränkt werden,  dass sein Wesensgehalt verloren gehe. Durch die zwingend ausschließende Alternative, entweder Priester oder Ehe und Familie werde aber eines der beiden Grundrechte auf Ehe und die freie Berufsausübung ausgeschlossen. Alle Menschen hätten aber auf beide Grundrechte schon aus dem göttlichen Naturrecht Anspruch. Damit sei die Grenze der “Wesensgehaltssperre” bei weitem überschritten, begründete Köck die Menschenrechtsverletzungen.

Teilweise mittelalterliche Rechtsstandards in der Kirche

Kirchliche Verfahren werden unter Prinzipien durchgeführt, die zumindest teilweise mittelalterlichen Rechtsstandards entsprechen, beurteilte Köck die kirchliche Justiz. Die Vertreterin von “Wir sind Kirche” Deutschland, Sigrid Grabmeier, bestätigte dies in ihrem Bericht über Verfahren gegen aktive Katholiken in Regensburg. Solche Prozesse würden in Latein abgehalten, Übersetzungen gäbe es keine. In den Urteilen würden Behauptungen aneinander gereiht und Begründungen fehlten.

Kirche unterzeichnete weder die Menschenrechte noch die Menchenrechtskonvention

Köck erläuterte, die römisch-katholische Kirche habe weder die Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte unterzeichnet noch sei sie der Europäischen Menschenrechtskonvention beigetreten. Dies liege nicht nur daran, dass es rechtlich unüberwindbare Hindernisse gäbe. Als entscheidenden Grund nannte Köck, dass der Papst meine, keinem irdischen Gericht verantwortlich zu sein. Die Menschenrechte müssen daher von “innen” gefordert werden, sei er überzeugt.

Subsidiarität, Solidarität und Geschwisterlichkeit statt Zentralismus, Hierarchisierung und Klerikalisierung

Der österreichische Theologe und Sohn des früheren Bundespräsidenten Walter Kirchschläger, Bibelwissenschafter in Luzern, stellte unter dem Bibelwort “nicht ist es so unter euch” dem Zentralismus, der Hierarchisierung und der Klerikalisierung Subsidiarität, Solidarität und Geschwisterlichkeit gegenüber. Paul Weiß, langjähriger Pfarrer und Fundamentaltheologe in Innsbruck, verlangte, dass Dogmen wie die Bibel auch historisch-kritisch zu betrachten seien und heute neu formuliert werden sollten. Er zeigte Modelle, wie die Botschaft Jesu heute vernünftig und glaubwürdig gelebt werden könne.  

Die Frauenpriesterweihe ist eine Konsequenz der Gleichheit aller Getauften

Der Primas der anglikanischen Kirche, Erzbischof Rowan Williams, hat bei einem Vortrag in Rom im Rahmen seines Besuches bei Papst Benedikt XVI. die Frauenpriesterweihe und die Zulassung von Frauen zum Bischofsamt in der englischen Kirche ausdrücklich verteidigt. Ein Verzicht auf diese Praxis, die aus katholischer Sicht ein Haupthindernis für die gegenseitige Anerkennung ist, würde dem Verständnis anglikanischer Christen von der Gleichheit aller Getauften zuwiderlaufen.

Weltweiter Paradigmenwechsel

Montag, 23. November 2009

china

 Die weltweiten Gewichte verschieben sich vom Westen weg zugunsten Asiens unter der Führung Chinas.

Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble hat Recht. In einem Interview mit “Bild am Sonntag” meinte er, die Finanzkrise werde ähnlich gravierende Folgen haben wie das Ende des Ost-West-Konflikts. “Die Finanzkrise wird die Welt so stark verändern wie der Fall der Mauer. Die Gewichte zwischen Amerika, Asien und Europa verschieben sich dramatisch. Und diese Entwicklung ist noch längst nicht am Ende.”

Ist Barack Obama zu milde?

Wie ohnmächtig die USA geworden sind, beschreibt Kurt Seinitz im Leitartikel der “Kronen Zeitung” von heute, Montag (23.11.09). Nach einem Jahr als Präsident, so meint er, könne man sehen, wie schwach Barack Obama (im Bild mit Chinas  Präsident Hu Jintao) agiere. Der Iran nutze Obamas Dialogangebot zur Fortsetzung seiner Hinhaltetaktik. Israel setze seinen Siedlungsbau in Palästinensergebieten fort, obwohl dies die neue US-Regierung ablehnt. Netanyahu tanzt Obama auf der Nase herum. In China gelten die USA als Papiertiger.

Die USA sind militärisch und wirtschaftlich ohnmächtig

Natürlich kann man Obama vorwerfen, er agiere mit Samthandschuhen. Sein Vorgänger George W. Bush tat das Gegenteil und er fuhr den Laden gegen die Wand. Den USA wird vor Augen geführt, wie schwach sie geworden sind. Sie sind schwer verschuldet und müssen den Chinesen dankbar sein, dass sie ihre Staatsanleihen kaufen. Militärisch sind die USA zwar weiterhin die einzige Macht, die weltweit einsatzbereit ist, aber die Kriege im Irak und in Afghanistan offenbaren ihre Schwäche. Sie sind nicht in der Lage, die Konflikte für sich zu entscheiden.

Paradigmenwechsel auch innerhalb der Gesellschaften: Das Internet schwächt die Printmedien

Wir sind Zeugen eines weltweiten Paradigmenwechsels. Der Westen, sprich die USA, aber auch Europa, schwächeln, Asien wird unter der Führung Chinas immer stärker. Dieser Paradigmenwechsel ist nicht nur wirtschaftlich und militärsich zu beobachten, sondern findet auch innerhalb der Gesellschaften statt. Deutlich ist dies am Mediensektor zu sehen. Das Internet wird immer stärker, die Printmedien schwächer.

“Armut ist ein mentales Problem”

Donnerstag, 19. November 2009

armut

Armut in den Schwellen- und Entwicklungsländern ist ein großes Problem. “Doch Armut ist ein mentales Problem, keine Frage der Rohstoffe oder Intelligenz”, sagt der Dalai Lama im Buch “Führen, Gestalten, Bewegen” (Kapitel 8: Unternehmertum und Armut, campus-Verlag).  Wenn alle Menschen die Prinzipien der Rechten Anschauung und des Rechten Handelns anwenden würden, wäre das Ergebnis rascher Fortschritt.

Vier Voraussetzungen müssten erfüllt sein, um diesen raschen Fortschritt zu erzielen.

1. Die Regierung eines Landes müsste motiviert sein, im Interesse aller Menschen zu handeln, und nicht nur im Interesse einer wirtschaftlichen oder politischen Elite.

2. Das Wirtschaftssystem müsste nach den Prinzipien einer verantwortlichen freien Marktwirtschaft ausgerichtet werden.

3. Die gesetzlichen Regelungen müssten das Unternehmertum fördern.

4. Es müsste eine freiwillige Familienplanung eingeführt werden, um das Bevölkerungswachstum erfolgreich zu verlangsamen.

Geld für schlechte Zeiten auf die Seite legen

Die Schaffung von Arbeitsplätzen sei nur mithilfe des Unternehmertums erfolgreich möglich. Buddha habe diesen Wert erkannt und Unternehmer ermuntert, durch Verlässlichkeit und Verkaufsgeschick den Erfolg zu suchen. Er riet ihnen außerdem, für schlechte Zeiten Geld auf die Seite zu legen und einen Teil ihrer Gewinne mit ihren Mitarbeitern zu teilen.

Jeder muss zuerst für sich selbst sorgen

Nach buddhistischer Auffassung, so der Dalai Lama, sei es oberste Pflicht jedes Haushalts, für sich selbst zu sorgen. Erst danach könne sich ein Mensch um andere kümmern. Unternehmertum sei eine ausgezeichnete Möglichkeit, für sich selbst und andere zu sorgen und einen angemessenen Lebensstandard zu erreichen. ”Unternehmertum ist mit Abstand die beste Möglichkeit, Menschen zu einem besseren Einkommen zu verhelfen und sie so zu aktiven Teilnehmern an der Wirtschaft zu machen.”

Nur ohne negative Gedanken und Emotionen ist man wirklich frei

Ein Unterkapitel ist dem Thema “Regulierung und Freiheit” gewidmet. Es sei, so das religöse Oberhaupt der Tibeter, eine interessante Vorstellung, dass Freiheit und Regulierung zusammengehen könnten. Die Buddhisten seien überzeugt, dass Menschen, die mit der Rechten Motivation handelten, ihre Freiheit nicht ausnutzen würden. Wenn die Buddhisten von Freiheit sprächen, meinten sie in erster Linie, sich von schlechten Angewohnheiten, schlechten Gedanken oder schlechter Motivation zu befreien. “Wir sind nur dann frei, wenn wir nicht mehr unter negativen Gedanken und Emotionen leiden.”

Alle haben Anspruch auf Gerechtigkeit und einen angemessenen Lebensstandard

Aus buddhistischer Sicht haben alle Menschen denselben Anspruch auf Gerechtigkeit und einen angemessenen Lebensstandard, unabhängig von ihren körperlichen und geistigen Fähigkeiten und Stärken.

Bruckner-Festival soll Linz 09 folgen

Dienstag, 17. November 2009

sepp

Landeshauptmann Josef Pühringer gibt in einem Interview mit dem Chefredakteur der Passauer Neuen Presse, Ernst Fuchs, und meiner Wenigkeit einen umfassenden Überblick über die Arbeit der nächsten sechs Jahre. Das Gespräch fand in Pühringers Stammlokal, dem Galeriecaf´e in Traun, statt.

Frage: Sie feierten am 31. Oktober Ihren 60. Geburtstag. Sie erzielten mit 46,8 Prozent am 27. September 2009 das beste Ergebnis ihrer bisher drei Wahlen. Wie geht es Ihnen am Zenit Ihrer politischen Laufbahn?

Pühringer: Ich fühle mich sehr gut. Ich habe das Wahlergebnis mit großer Freude und Dankbarkeit entgegengenommen. Ich nehme es auch mit großer Demut, denn mehr Zustimmung bedeutet auch mehr Verantwortung. Ich bin froh, dass es gelungen ist, die Koalition mit den Grünen fortzusetzen. Und darüber hinaus mit den Sozialdemokraten und den Freiheitlichen ein Manifest der Zusammenarbeit zu unterzeichnen. Denn in schwierigen Zeiten kann das Motto nur heißen, gemeinsam für Oberösterreich. 

Frage: Warum haben Sie sich für die Fortsetzung der schwarz-grünen Koalition entschieden?

Pühringer: Sie hat in den vergangenen sechs Jahren funktioniert. Wir konnten uns auf ein gemeinsames Programm einigen, wenn auch erst nach einigen Grundsatzdiskussionen. Und es gab keinen Grund, die Koalition aufzugeben. Vor sechs Jahren haben wir die Grünen gebraucht, um eine Mehrheit zu haben. Diesmal brauchten wir sie nicht. Aber wir haben ihnen anständigerweise dasselbe Angebot gemacht wie zum Zeitpunkt, als wir sie gebraucht haben. Ich wollte auch nicht, dass in der Bevölkerung der Eindruck entsteht, der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, jetzt kann er gehen. Die Grünen haben auch zugestimmt, dass es eine erweiterte und vertiefte Zusammenarbeit mit den Sozialdemokraten und Freiheitlichen gibt.

Frage: Was sind Ihre Hauptziele für die kommenden sechs Jahre?

Hauptziel ist die Vollbeschäftigung

Pühringer: Das Hauptziel schlechthin ist, so schnell wie möglich aus der Krise zu kommen und die Wiederherstellung der Vollbeschäftigung. Wir sind als das Wirtschafts- und Exportbundesland Nummer 1 in Österreich am stärksten von der Krise betroffen. Wir haben 17 Prozent der Einwohner, aber 27 Prozent der österreichischen Exporte. Und trotzdem haben wir die niedrigste Arbeitslosigkeit. Auch jetzt in der Krise. Im Oktober hatten wir eine Arbeitslosenrate von 4,3 Prozent. Davon träumen auch die Bayern. Wir haben uns 2,5 Prozent von der österreichischen Arbeitslosenrate abgekoppelt. Trotzdem haben wir um 10.000 Arbeitslose mehr als vor einem Jahr.

In sechs Jahren ein Steuerausfall von 2,6 Milliarden Euro

Jetzt ist die Zeit für Reformen. Wir müssen die bürokratischen Apparate reduzieren. Es ist wie in der Natur. Wir müssen die Bäume zurückschneiden, damit sie wieder austreiben können. Wir werden das in einem strukturierten Prozess im ersten Halbjahr 2010 einleiten. Wir haben einen gigantischen Steuerausfall von 193 Millionen Euro plus 30 Millionen Entfall in anderen Bereichen wie zum Beispiel der Krankenhausfinanzierung. Das steigt im nächsten Jahr noch einmal um 100 Millionen gegenüber der Planung. Es werden uns in der Legislaturperiode von 2009 bis 2015 2,6 Milliarden Euro fehlen. Das muss man verkraften. Es geht uns besser als anderen. Wir haben Rücklagen von 700 Millionen Euro, wir haben noch die Rückzahlungen aus der Wohnbauförderung, die wir um 350 Millionen verkaufen können, die Gemeinden haben bei uns Schulden aus dem Wasser- und Kanalbau von 300 Millionen, die können wir aber derzeit nicht zurückfordern, weil sie die Gemeinden nicht sofort zurückzahlen können. Wir stehen deutlich besser da, aber mir reicht’s. Wir werden auch kurzfristig Schulden machen müssen, aber über den Konjunkturzyklus hinweg wollen wir ausgeglichen bilanzieren.

Die Forschungsquote auf vier Prozent erhöhen 

Wir wollen die Forschungsquote auf vier Prozent erhöhen und einen eigenen Forschungsfonds im Land installieren. Wir wollen in die Bildung und in die Universitäten investieren, damit wir dabei sind, wenn in Österreich die Zukunftsfähigkeit verteilt wird.

Frage: Ihren kritischen Blick in Ehren, aber als Bayer hat man den Eindruck, in Oberösterreich tut sich was, es ist dynamisch, es ist besser als Bayern. Vor 20 Jahren war das umgekehrt. Was ist das Geheimnis des Erfolgs?

Qualität der Arbeitnehmer ein Erfolgsfaktor

Pühringer: Unsere Leute sind sehr fleißig. Wir haben ein sehr gutes Arbeitnehmer-Potenzial. Bei vielen Gesprächen mit Investoren höre ich, ihr seid teuer, strenge Umweltauflagen, hohe Löhne und Sozialleistungen, aber ihr habt gute Leute. Wir haben zum Beispiel die eine oder andere Betriebsansiedelung gegen Bayern gewonnen, weil wir schneller sind im Behördenapparat, schneller mit den Genehmigungen. Die Umwidmungsverfahren gehen bei uns rascher als in anderen Ländern. Das ist heute wichtig, wo alles schnell gehen muss.

Auf ganzheitliche Entwicklung des Landes gesetzt

Und wir haben immer auf eine ganzheitliche Entwicklung des Landes geachtet. Wir haben nie gesagt, nur Straßenbau, nur Schiene, nur Forschung, nur Bildung, sondern wir haben immer versucht, in parallelen Schritten das Land in seiner Gesamtheit weiter zu entwickeln. Das hat sich auch bezahlt gemacht. Denn in der Wirtschaftskrise helfen allein bessere Straßen, allein bessere Schienen etc. nichts.

Frage: Was wird in die Universitäten investiert?

Enge Zusammenarbeit der Universität mit der Wirtschaft

Pühringer: Hier haben wir eine grobe Benachteiligung gegenüber den anderen. Wir sind erst 1965 Universitätsland geworden und das hängt uns nach. Wir waren nie gewollt, die Rektorenkonferenz hat einen Entschluss gefasst, hier keine Universität zu errichten. Uns geht es so wie einer Bauernfamilie, wo drei Kinder da sind, das Erbe ist aufgeteilt, und dann kommt ein Nachzügler, der auch noch etwas bekommen muss. Genauso geht es der Universität Linz. Wir hängen immer nach, wir bekommen nur 3,7 Prozent des gesamten Universitätsbudgets, das ist viel zu wenig. Wir müssen seit Jahren kämpfen, konnten jetzt einiges erreichen. Als die anderen Universitäten drei Prozent Erhöhung bekamen, erhielten wir sieben Prozent. Wir kommen nur in kleinen Schritten nach. Auf der anderen Seite hat sich die Universität Linz ein Alleinstellungsmerkmal erarbeitet. Sie ist die Universität mit der engsten Zusammenarbeit mit der Wirtschaft. Sie ist die Universität, wo Forschung und Anwendung am engsten zusammenarbeiten. Daher investieren wir all‘ die Jahre ohne Zuständigkeit sehr viel in die Universität. Immer wieder leisten wir Beiträge in Millionenhöhe, damit etwas ermöglicht wird, und machen damit Druck auf den Bund.

Frage: Wie gut sind die Chancen für die Errichtung einer medizinischen Fakultät?

Ärztemangel wird medizinische Fakultät ermöglichen

Pühringer: Derzeit sind sie nicht sehr hoch. Aber alle Studien zeigen, dass wir einem Ärztemangel entgegengehen werden. Es werden an den drei traditionellen Standorten Wien, Graz und Innsbruck nicht jene Kapazitäten untergebracht werden können, die wir brauchen. Durch sinkende Geburtenraten werden auch die studierenden Jahrgänge kleiner. Die alten Menschen werden mehr, die sehr alten überproportional mehr. Und wir wissen, dass gerade diese Menschen in einem überproportionalen Ausmaß die Medizin in Anspruch nehmen. Der Ärztenotstand wird dazu führen, dass wir eine Medizinuni bekommen werden. Ich kann jetzt nicht sagen, ob wir in vier oder sieben Jahren so weit sind.

Wichtige Unternehmen werden ins Ausland verkauft

Frage: Durch die Finanz- und Wirtschaftskrise sind wir in Oberösterreich erstmals mit dem Phänomen konfrontiert, dass ausländische Konzerne wichtige Unternehmen kaufen. Die FACC ging an die Chinesen, die AMAG ging ins Ausland, etc.

Pühringer: Diese Entwicklung muss man differenziert sehen. Man muss sich die Investoren ansehen. Derjenige, der zu uns kommt und investiert, ist herzlich willkommen. Bestes Beispiel ist BMW. Sie sind größter Steuerzahler in Österreich, das Werk ist bei uns in Steyr. Jene, die kommen, um ein Unternehmen zu erwerben, um es wegzurationalisieren, damit man einen Konkurrenten aus dem Feld nimmt, für die gilt Ausländer raus.

Frage: Wie ist das Verhältnis zwischen Bayern und Oberösterreich?

Pühringer: Es ist exzellent. Ich kenne jede/jeden in der bayerischen Regierung. Wenn es Probleme gibt, die ja selten sind, rufe ich den Ministerpräsidenten oder den Minister direkt an. Es gibt ein paar eingerichtete Gremien, der permanent arbeiten. Zum Beispiel die oberösterreichisch-bayerische Raumordnungskonferenz. Es gibt die Euregio, es gibt die Drei-Länder-Gesellschaft Niederbayern, Südböhmen und Oberösterreich. Ich bin jedes Jahr beim bayerischen Ministerpräsidenten oder er bei mir, ich bin mindestens bei einem Drittel der bayerischen Staatsminister oder sie bei mir. Der CSU-Landtagsklub wird im Juli nächsten Jahres seinen viertägigen Klubausflug nach Oberösterreich machen. Ich werde die Festrede beim Neujahrsempfang in Straubing halten, ich habe sie schon in Regensburg gehalten.

Frage: Welche Probleme gibt es mit Bayern?

Wettbewerb um Betriebsansiedelungen

Pühringer: Die Probleme, die es gegeben hat, waren die Betriebsansiedelungen. Weil für bayerische Geschmäcker unsere Betriebsansiedlungsgesellschaften etwas zu aggressiv vorgegangen sind. Manchmal klagt man, dass unsere Banken zu erfolgreich in Bayern unterwegs sind. Aber Konkurrenz belebt das Geschäft. Ein ganz schwieriges Problem war, dass unser Rettungshubschrauber auch in Bayern tätig sein kann und umgekehrt. Aber das ist auch gelöst. Wenn einer in Not ist, darf eine Grenze keine Rolle spielen.

Frage: Linz war dieses Jahr Europäische Kulturhauptstadt. Wie lautet Ihr Resum´ee?

Linz 09 schuf Bleibendes

Pühringer: Von Linz 09 bleibt ungeheuer viel. Wir haben aus Anlass dieses Jahres Bleibendes geschaffen. So den Südflügel des Linzer Schlosses, der 1800 abgebrannt ist und jetzt wiedererrichtet wurde. Wir haben das gesamte Landhausviertel neu gestaltet und haben dafür den Bauherrenpreis 2009 für die bestgelungenste Architektur erhalten. Die Landesbibliothek wurde neu gestaltet. Es wurde mit dem Bau des Musiktheaters begonnen. Wir haben den Architektenwettbewerb für den Neubau der Bruckneruniversität abgeschlossen.

Brucknerfestival soll Linz 09 folgen

Die Stadt und das Land werden in den nächsten Wochen nachdenken, wie wir Kunst und Kultur nach Linz 09 weiter gestalten. Das Brucknerfest soll ein echtes Landes- und Landeshauptstadt-Festival werden. Ähnlich den Salzburger Festspielen. Ich denke persönlich an Vier-Sparten-Festspiele: Musik, Theater, Bildende Kunst und Literatur. Denn wir haben mit dem Lentos und dem Ars-Electronica-Center, dem Landesmuseum, dem Südflügel und der Landesgalerie Möglichkeiten, Großausstellungen zu präsentieren. Der Boden ist nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass wir in sechs Wochen bei Toulouse Lautrec  60.000 Besucher haben. 50.000 kamen zur Ausstellung „Kulturhauptstadt des Führers“, zum “Höhenrausch” kamen mehr als 200.000 Besucher. Linz wäre für so ein großes Festival ein guter Platz. Man muss auch die Umgebung von Linz miteinbeziehen, wie zum Beispiel die Stifte St. Florian, Wilhering und Kremsmünster.

Frage: Die Welt feiert das 20-Jahr-Jubiläum des Mauerfalls in Berlin und den Fall des Eisernen Vorhangs. Wie hat sich das Verhältnis zwischen Südböhmen und Oberösterreich entwickelt?

Mehr Arbeitsplätze durch die offenen Grenzen

Pühringer: Es ist gut, dass die Grenze gefallen ist. Und alle die, die sie sich zurückwünschen, kann ich nicht verstehen. Sie schauen dort weg, wo die großen Erfolge sind. Die Arbeitsplätze im Mühlviertel haben sich um 30 Prozent vermehrt, weil offene Grenzen neue Chancen bedeuten. Unsere Beziehung ist ein gutes Arbeitsverhältnis, aber es gibt durch das Atomkraftwerk Temelin und durch die Benes-Dekrete eine Belastung. Das darf und soll man nicht unter den Tisch kehren. Aber gerade weil es diese Probleme gibt, muss das Gespräch über die Grenze hinweg gestärkt werden. Ich werde das auch beim Landesfestakt an der Grenze am 11. Dezember auch deutlich sagen.

Frage: Herzenswärme ist zwischen Oberösterreich und Südböhmen noch nicht entstanden.

Unverständliche Provokationen durch Temelin

Pühringer: Da in letzter Zeit bei Temelin immer wieder von Südböhmen für mich unverständliche Provokationen gesetzt wurden, hat man das gebremst. Wir sind als Oberösterreicher ein Land mit sehr, sehr vielen Heimatvertriebenen. Wir haben auch die Böhmerwäldler bei uns.  Alle Heimatvertriebenen sind in einer solchen Situation eine Solidaritätsgemeinschaft. Wenn ich ein Böhmerwäldler wäre, ich verstünde es auch nicht, warum man den Herrn Benes verehrt. Und dass die Rechtsakte, die zur Vertreibung geführt haben, heute noch in der Verfassung sind. Und die Argumentation von tschechischer Seite, das waren eh alle Nazis, ist unfair, weil sie einfach nicht stimmt. Das trägt natürlich dazu bei, dass die Herzlichkeit Grenzen hat.

Frage: Temelin wird ausgebaut. Wird Oberösterreich hier protestieren?

Pühringer: Selbstverständlich. Wir werden alle Schritte, die uns nach internationalem Recht zustehen, ausnutzen.

Frage: Kann sich die Drei-Länder-Region Südböhmen, Oberösterreich und Niederbayern zu einem gemeinsamen Raum entwickeln?

Pühringer: Es zeigt sich jetzt schon, dass die gemeinsamen EU-Projekte aller drei Länder sehr erfolgreich sind. Wir sind ein interessanter Wirtschaftsstandort. Dieser Raum hat Zukunft. Wir in Oberösterreich unterstützen zum Beispiel die Europäischen Wochen in Passau. Solche Dinge sind wichtig, denn sie schaffen Plattformen, wo man zusammenkommt.

Frage: Welche gemeinsamen Projekte laufen derzeit?

Gemeinsamer Wirtschaftspark über drei Länder hinweg

Pühringer: Momentan läuft das auf der Ebene gemeinsamer EU-Projekte. Das sind sicher ein Dutzend Projekte. Ich kann mir vorstellen, dass man gemeinsame Industriezonen ausweist, ich kann mir vorstellen, dass man die Infrastruktur gemeinsam ausbaut. Ich kann mir vorstellen, dass man einen Wirtschaftspark gemeinsam bei der EU einreicht. Denn man bekommt nur dann Förderungen, wenn zwei oder drei Ländern daran beteiligt sind.

Frage: Wie sehen Sie die Zukunft der großen Volksparteien? Die CSU ist bei den Wahlen stark eingebrochen. Haben so große Volksparteien noch eine Zukunft?

CSU hat bei der Absetzung von Stoiber Fehler gemacht

Pühringer: Ich glaube schon. Wenn sie drei Dinge tun. Parteien dürfen ihre Grundsätze nicht verlassen, müssen sie aber zeitgemäß formulieren. Die Volksparteien haben sich immer durch besondere Bürgernähe ausgezeichnet. Das heißt aber nicht nur, dass ich die Hoheit über die Stammtische habe, sondern heißt, dass ich das, was die Menschen an den Stammtischen bewegt, in die Politik hineintrage. Eine Politik ist dann gut, wenn sie das bewegt, was die Menschen bewegt. Das muss die Politik mit Lösungen versehen. Die große Gefahr liegt darin, dass sich die Parteien mit sich selbst beschäftigen und mit Themen, die beim Bürger kein Echo haben.  Das war ein bisschen auch der Fall bei der CSU. Aber sie kommt wieder, davon bin ich überzeugt. Das Dritte ist, dass die Volksparteien die richtigen Leute brauchen. Es gibt manche in der CSU, die die Trennung von Edmund Stoiber zum falschen Zeitpunkt erkannt haben. Was damals in Bad Kreuth passiert ist, würden manche heute rückgängig machen.

Frage: Sie verstehen sich stark als christlicher Politiker. Wo wird das sichtbar?

Die Sozialpolitik darf nicht zum Anhängsel verkommen

Pühringer: Man muss aufpassen mit Etikettierungen. Ich fühle mich einem christlichen Welt – und Menschenbild verpflichtet. Das bedeutet, dass man jegliche Politik am Menschen auszurichten hat. In einer christdemokratischen Partei, die ja immer stark wirtschaftlich ausgerichtet ist, darf die Sozialpolitik nicht zum Anhängsel werden. Das muss ein Kern- und Herzstück der Politik bleiben. Die Politik ist in erster Linie für die da, die es schwerer haben im Leben. Aus welchen Gründen auch immer. Wirtschaftlicher Ertrag muss immer der Verbesserung der Lebensqualität dienen. Er ist nie Selbstzweck. Er muss denen dienen, die es am dringendsten brauchen. Christliche Politik heißt daher Subsidiarität. Akzeptanz der kleinen Einheit, Nein zum Zentralismus, was die untere Ebene lösen kann, muss sie lösen. Keine Entmündigung der Bürger, keine Entmündigung der Familien, keine Entmündigung der Gemeinden.

Personalität, Solidarität, Subsidiarität

Christliche Politik heißt Solidarität. Das bedeutet Eintreten für die Schwächeren der Gesellschaft. Daher muss sie auf einer starken wirtschaftlichen Basis ruhen. Drittens das Prinzip der Personalität. Das heißt, die Würde des Menschen achten. Das verpflichtet uns auch in der internationalen Verantwortung, zum Beispiel in der Entwicklungshilfe.

Frage: Wo sehen Sie den größten Bedarf an Infrastrukturmaßnahmen?

Ausbau der Datenautobahnen und der Bildung

Pühringer: Ich sehe den Bedarf eher in der Technologie. Wir brauchen einen Ausbau der Datenautobahnen, einen Ausbau der Glasfaserkabel. Zweitens den Ausbau der Bildungs- und Forschungslandschaft. Drittens den Verkehrsausbau. Die Bahnverbindung von Linz nach Tschechien ist ganz, ganz wichtig. Ebenso der Westring in Linz. Alles andere ist ja in Bau. Bei den Nebenbahnen wird die Stunde der Wahrheit schlagen müssen. Dort, wo man mit Autobussen besser das Auslangen findet, werden wir auf Autobusse umstellen. 

“Wäre Österreich eine Aktie, ich würde sie kaufen”

Dienstag, 17. November 2009

helmut

Die Edelfeder Helmut A. Gansterer präsentiert morgen Mittwoch (18.11.2009) seinen neuen Knigge “Darf man als Nackerta ins Hawelka?” (molden-Verlag) um 19.30 Uhr bei Thalia Linz-Landstraße. Wie schon im vergangenen Jahr habe ich auch heuer wieder die Ehre und das Vergnügen, den zweifellos vergnüglichen Abend moderieren zu dürfen. Der Eintritt ist frei, eine Voranmeldung empfehlenswert (www.thalia.at).

“Wäre Österreich eine Aktie, ich würde sie kaufen”, sagt Gansterer auf die Frage “Darf man ein Patriot sein?” “Man hat mir schon so manches nachgesagt”, schreibt er. “Beispielsweise berüchtigten Optimismus. Oder Lust an der Provokation. Und jüngst lächelte man im Radio über die Quadratur des Kreises.”

Weltbürger, Europäer und Patriot

“Das bezog sich auf meine Überzeugung, man könne Weltbürger, Europäer und zugleich Patriot sein. Ich bleibe aber bei dieser Auffassung. Mehr noch: Ich halte polyglotte Patrioten für völlig normal. Oder noch krasser: Nur einer, der viel und gern in der Welt unterwegs ist, kann ein zutiefst überzeugter Österreicher sein. Das hat zwei Gründe.

Von der Ferne sieht man die Vorzüge des eigenen Landes

Erstens: Von ferne sieht man schärfer die Vorzüge des eigenen Landes. Zweitens: als Wirtschaftsbeobachter lernt man, auf österreichische Exportfirmen und deren Produkte stolz zu sein. Darunter: Stahl, Werkzeugmaschinen, Wein, Motorrräder und Seilbahnen aller Art.

Seilbahnen als Exportschlager

Zweitens: Ich war in Gesprächen mit unseren im Ausland dienenden Diplomaten und Außenhandelsdelegierten zunächst überrascht über Glanz & Gewicht dieser letzten Produktsparte. Das lag vielleicht daran, dass mir Seilbahnen aller Art und Größe so selbstverständlich waren. Ich bin in der schönen Welt der Zauberberge Semmering, Rax und Schneeberg aufgewachsen. Und als Biker liebe ich die Serpentinen der Alpen. Seilbahnen made in Austria gehören also zu meinem natürlichen Biotop. Erst heute nehme ich sie im Ausland bewusst wahr, und mit größtem Stolz, weil sei dort als besonders innovativ und sicher gelten.

Anlässlich eines Trend-Interviews mit den Gentlemen von Doppelmayr, dem Technologieführer im Seilbahnwesen, erlebte ich eine Niederlage. Ich regte an, alle Export-Gondeln als Österreichwerbung rotweißrot anzustreichen. Da hat man herzlich gelacht: Bei der Lackierung halte man sich lieber an die Wünsche der Kunden. Das musste selbst ich als polyglotter Patriot so halb und halb einsehen.”

Weitere G’schichten und G’schichterln von Gansterer morgen um 19.30 bei Thalia, Linz-Landstraße 41.

“Streben Sie doch das Unmögliche an!”

Montag, 16. November 2009

yunus

Seine Vision steht auf solidem Boden. Freidensnobelpreisträger Muhammad Yunus war vergangene Woche zu Gast bei der Verlagsgruppe Passau.

47 Millionen Amerikaner ohne Gesundheitsversicherung? Schotten, die seit drei Generationen ganz gut von der Sozialhilfe leben? Passauer, die keine Arbeit finden? “Nennen Sie mir ein Problem, und ich sage, Sie brauchen ein social business”, erklärte Yunus vor den rund 520 Zuhörern selbstsicher. Sein Rezept: Arme zu Unternehmern machen. Was ihm zunächst in seiner Heimat und dann in vielen Ländern gelungen ist, hält Yunus für den Königsweg, um die Welt besser, sicherer und letztlich schöner an die nächste Generation zu übergeben. “Aber im Augenblick tun wir genau das Gegenteil. Und das will doch eigentlich kein Vater und keine Mutter.”

Das Unmögliche anstreben

“Michail Gorbatschow hat gesagt, dass er drei Monate vor dem Mauerfall noch geglaubt habe, dass die Mauer irgendwann im 21. Jahrhundert fallen werde. Niemand hat von uns das so schnell vorausgesehen.” Yunus zieht daraus den Schluss: “Was sind also unsere klugen Einschätzungen wert? Warum wollen wir immer den Chancen hinterherlaufen? Warum nicht den Möglichkeiten entgegensehen? Streben Sie doch das Unmögliche an!” Als er vor gut 30 Jahren erstmals 27 Dollar an 42 Frauen gegeben habe, um sie vor Kredithaien zu retten, habe auch er nicht gedacht, dass er von da an in Kreditgeschäften sein Lebenswerk sehen werde.

Der Gewinn bleibt im Unternehmen

Yunus’ Grameen-Projekt ist längst zu einer Unternehmens-Familie herangewachsen. Seine Firmen müssen sich selbst tragen, dienen aber nicht der Gewinn-Maximierung. Aller Gewinn verbleibt im Unternehmen oder kommt einer Region zugute. “Wir sind nur  kurze Zeit auf der Erde, und am Ende muss sich jeder Mensch fragen: Welche Spur habe ich hinterlassen? Wenn Sie nur Geld anhäufen, dann tun Sie das für sich allein. Wenn Sie aber nur einen Tag einem Menschen geholfen haben, wird der für immer an Sie denken.” Jeder Mensch habe selbstsüchtige, aber auch selbstlose Bestrebungen in sich. Vor allem junge Menschen ließen sich von selbstlosen Projekten begeistern. Auch auch immer mehr Firmen würden offenbar den Wert von Sozial-Unternehmen erkennen, wie sie die Grameen-Gruppe bietet. So will adidas mit Yunus den ersten Ein-Dollar-Sportschuh anbieten.   

Wo sich Frauen um das Geld kümmerten, wurde besser gewirtschaftet

Über den Beginn seiner Grameen-Bank erzählte er: “Als ich anfing, mich für die verschuldete Landbevölkerung einzusetzen, und versuchte, sie aus dem Griff der Kredithaie zu befreien, verhandelte ich zuerst mit den Banken. Ich warf ihnen erstens vor, dass nicht sie anstelle der Kredithaie den Armen Geld liehen. Und zweitens, dass die Banken Frauen praktisch grundsätzlich keine Kredit gewährten, egal ob arm oder reich. Bei meiner Bank wollte ich die Hälfte der Kredite an Frauen vergeben. Das war anfangs sehr schwierig, auch weil selbst die Frauen sagten: Gebt das Geld lieber meinem Mann, ich verstehe davon nichts. Nachs sechs Jahren hatten wir unser 50-50-Ziel aber erreicht. Und jetzt sahen wir: Dort wo Frauen sich um das Geld kümmerten, wurde besser gewirtschaftet. Die Familie hatte mehr davon, und besonders die Kinder profitierten als erste. Ganz anders war das bei den Männern, die zum Teil erst die eigenen Bedürfnisse befriedigen wollten. Also sagtenwir uns: Warum vergeben wir nicht nur noch Kredite an Frauen?”

Rehbraune Augen hat mein Schatz…….

Freitag, 13. November 2009

zogaj

“Ich habe nach den Gesetzen vorzugehen, egal ob mich Rehlein-Augen ansehen oder nicht”, meinte Innenministerin Maria Fekter im Jänner zum Asylfall des Mädchens Arigona Zogaj. Die Rehlein-Augen haben es auch dem Krone-Kolumnisten Michael Jeann´ee angetan. In der Kolumne vom 11. März 2009 spricht er vom “rehäugigen Kosovo-Girlie”.

Die Augen sind Fenster der Seele

Die Rehlein-Augen haben es den Hütern von Recht und Ordnung offensichtlich angetan. Sie müssen sie beeindruckt haben, sonst würden sie nicht davon reden. Die Augen sind Fenster der Seele. Wer empfindsam ist, wird sehen, dass die schönen Augen von Arigona Zogaj Traurigkeit ausdrücken. Sie spiegeln ihren Seelenzustand wider. Es ist wohl eine Unterstellung, davon auszugehen, dass das junge Mädchen so einen traurigen Blick aufsetzt, um damit nach Mitleid zu haschen.

Siegt das Gesetz oder die Menschlichkeit?

Von den schönen, traurigen Augen Arigonas sind die Vertreter von Recht und Ordnung offensichtlich irritiert. Wer in sie hineinblickt, tut sich schwer, über Arigona einfach mit der Gesetzesmaschinerie drüberzufahren. Zumal der Staat bzw. die Regierung selbst verantwortlich sind, dass sich die Asylverfahren jahrelang dahinziehen. Denn die Fragestellung ist in der Causa Arigona klar: Siegt das Gesetz oder die Menschlichkeit?

Singen wir das Lied “Rehbraune Augen hat mein Schatz……”

Um den Vertretern von Recht und Ordung die Entscheidung zu erleichtern, sei ihnen das Singen des bekannten und beliebten Liedes “Rehbraune Augen hat mein Schatz” empfohlen:

Rehbraune Augen hat mein Schatz

 und ihre Haare, die sind schwarz.

Sie ist die schönste auf der Welt,

die mir von allen so gefällt.

Rehbraune Augen hat mein Schatz

und ihre Haare, die sind schwarz.

Ist sie noch so weit und fern,

sie ist die Einzige, die hab’ ich gern.