Unterwegs in Südindien, Teil 13: die Hafenstadt Kochi

Aus den Lautsprechern tönt „Felix Navidad“, „We wish you a merry Christmas and a happy New Year“, sogar die Melodien von „Oh Tannenbaum“ und „Stille Nacht, heilige Nacht“ sind zu hören. Die Eingangshalle ziert eine Plastiktanne, geschmückt mit goldenen Kugeln und Ketten, goldenen und roten Maschen. Im Nebenraum werden Kuchen und Torten verkauft. Das Hotel „The Avenue Regent“ im Zentrum der Hafenstadt Kochi bietet seinen Gästen westliches Flair. Auch die Zimmerbar hat sich westlichen Gewohnheiten angepasst: Schokolade von Nestle liegt auf, Chips und Bier werden angeboten.
Touristennepp an der Hotelrezpetion
Doch der Schein trügt. Der Touristennepp wird sogar von den Managern der Rezeption ganz offiziell betrieben. Die Gäste werden angelogen, dass sich die Balken biegen. Die Fahrt nach Fort Kochi, dem Hafen, wo die Portugiesen im 15. Jahrhundert gelandet sind, wird mit 18 km Länge und eineinhalb Stunden Fahrzeit angegeben. Und Rikschas seien teurer als Kleintaxis. So lassen wir uns überreden zu einer Fahrt mit dem Kleintaxi. Kosten: 520 Rupies, rund acht Euro. Tatsächlich ist die Strecke 10 km kurz, sie dauert 25 Minuten und die Rikscha kostet mit 200 Rupies bei der Rückfahrt deutlich weniger als die Hälfte. Aber so geht es einem, wenn man in einer Stadt fremd ist und nicht einmal den Mitarbeitern der Hotelrezeption vertrauen kann.
Chinesisches Fischer-Handwerk
Fort Kochi ist ein wunderbarer Platz. Am Ufer gibt es eine Reihe alter und hoher Holzkonstruktionen zu sehen. Große viereckige Netze werden ins Wasser gelassen, die nach rund 15 Minuten wieder rausgeholt werden (Bild). Das Gegengewicht zu den Netzen bilden Steine, die an großen Seilen festgemacht sind. Chinesische Fischer, die mit Kaufleuten vom Hofe des Kublai Khan Anfang des 13. Jahrhunderts hierherkamen, brachten diese spezielle Art des Fischens mit. Hinter dem Strand stehen unter riesigen alten Bäumen Häuser aus holländischer und englischer Zeit.
Vasco da Gama starb hier und wurde hier begraben
Die St. Francis-Kirche, die älteste Kirche nach europäischer Bauart auf indischem Boden, wurde von Franziskaner-Mönchen gebaut. 1524 wurde hier der große portugiesische Seefahrer Vasco da Gama begraben, vierzehn Jahre später überführte man seine Gebeine nach Belem in Portugal.
Die “schwarzen Juden” verstanden sich gut mit den lokalen Herrschern
Auch wenn nur mehr wenige ältere Juden in Kochin leben, ist der Besuch der Synagoge empfehlenswert. Die meisten „schwarzen Juden“ wanderten mit der Gründung des Staates Israel in ihre neue Heimat aus. Die ersten Kontakte mit Kochi reichen zurück bis in die Zeit von König Salomo, dessen Händler bis hieher kamen. Juden siedelten sich hier an, als die Römer mit der Zerstörung Jerusalems 70 nach Christus die Juden in alle Welt zerstreuten. Auf Bildern ist die Episode vom Kaufmann Joseph Rabban zu sehen, der um das Jahr 1000 vom König mit einem Dorf bei Kodungallore und mit diversen Privilegien ausgestattet wurde und dort wie ein kleiner König herrschte. Die Schenkungsurkunde Bhaskara Ravi Varmans (962-1020), in Kupfertafeln eingeschnitten, wird in der Synagoge aufbewahrt. Die Juden erfreuten sich der Gunst des Rajas, wurden aber von den Portugiesen verfolgt. 1662 zerstörten sie die Synagoge. Zwei Jahre später – inzwischen herrschten die Holländer – wurde sie wieder aufgebaut. In dem äußerlich einfachen Bau wurde der Boden mit handgemalten chinesischen Fliesen ausgelegt, die der Kaufmann Ezekiel Rahabi Mitte des 18. Jahrhunderts aus Kanton mitgebracht hatte.
Wunderbare hinduistische Wandmalereien
Wirklich sehenswert ist auch der Mattancherry-Palast, der heute ein Museum ist. Er wurde 1555 von den Portugiesen errichtet und dem Raja Vira Kerala Varma (1537-1565) geschenkt. Zu sehen sind schön geschnitzte Decken und hinduistische Wandmalereien aus dem 16./17. Jahrhundert. Es werden die Herrscher und ihre Familien präsentiert, ihre Bekleidungen und Feste. Weiters erfährt man sehr viel über das Verhältnis zu den Kolonialherren und die Entwicklung der militärischen Truppen. Der Palast, der im 17. Jahrhundert renoviert wurde, heißt seitdem auch „Dutch Palace“.