Archiv für Dezember 2009

Muslimische Fundis wettern gegen Weihnachtsfest

Donnerstag, 31. Dezember 2009

weihnachten

Yusuf al-Karadawi, ein bekannter Prediger ägyptischen Ursprungs, wettert in seiner Wahlheimat Katar, das am Persischen Golf liegt, gegen Christbäume und die Silvesterfeiern (das Bild zeigt Weihnachten in Dubai). In der Schweiz habe man ein Minarettverbot ausgesprochen und dennoch würden Muslime christliche Feste feiern, ereiferte sich der Scheich.

Sieben Prozent der arabischen Welt sind Christen  

Dabei übersieht der mittlerweile 83-Jährige aber, dass im arabischen Raum sieben Prozent der Bevölkerung Christen sind. Dazu kommen noch die vielen ausländischen Gastarbeiter, die Christen sind. Allein im Scheichtum Katar leben rund 100.000 Christen. Sie durften vor fünf Jahren ihre erste Kirche bauen: ohne Turm, ohne Glocken und ohne Kreuz. Ähnliche Verhältnisse herrschen in der Türkei. Die christlichen Kirche sind nicht anerkannt, es dürfen keine Priester ausgebildet werden, Christen werden als Menschen zweiter Klasse behandelt. Christliche Preister dürfen nicht in Talaren auf die Straße gehen. Trotz dieser Unterdrückung entblödete sich der türkische Staatspräsident nicht, wegen des Volksentscheids gegen den Bau von Minaretten die muslimische Welt aufzurufen, ihr Geld aus der Schweiz abzuziehen.

Wohlhabende Muslime feiern Christmas 

Vor allem die wohlhabenderen Muslime feiern Christmas. Dabei empfinden sie sich keineswegs als Christen und glauben auch nicht, dass Jesus Christus Gottes Sohn ist. Weihnachten hat die Kraft, über die konfessionellen Grenzen hinweg lebensverbindend zu wirken.

Eminenz, Schweigen löst die Probleme nicht!

Mittwoch, 30. Dezember 2009

schoenborn

Dem Wiener Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn (im Spiegel-Bild mit Papst Benedikt XVI.)und seinem steirischen Kollegen Bischof Egon Kapellari gehen die innerkirchlichen Reformer ziemlich auf die Nerven. Kürzlich meinte Schönborn in seiner Grußbotschaft an die Teilnehmer der “Stephans-Matinee”, es sei hoch an der Zeit, die kirchliche Nabelbeschau zu beenden und beherzt “mit großer Offenheit auf die Bedürfnisse, die Sehnsüchte, die Nöte zu achten, die in der heutigen Gesellschaft oft in dramatischer Weise formuliert werden und die wir kirchlicherseits allzu oft überhören”. Es dürfe nicht verwundern, dass viele Menschen von der Kirche kaum etwas erwarten, weil sie “die Kirche als zu sehr mit sich selbst beschäftigt erleben”.

Die Gewichtung ist falsch

Der Kardinal hat Recht. Die Kirche geht zu wenig auf die Sorgen der Menschen ein. Diese Kritik ist berechtigt. Doch die Gewichtung des Kardinals ist eine falsche. Probleme lösen sich nicht, wenn man sie verschweigt. Dies ist so ähnlich wie wenn man zu einem Kranken sagt, “Reden wir nicht über Deine Krankheit, sondern konzentrieren wir uns auf das Leben”. Der Kranke wird das nur eine Zeit lang und nur unter Aufbietung all’ seiner Kräfte machen können. Dann wird ihn die Krankheit wieder einholen. 

Beide Prozesse müssen parallel laufen

Die römisch-katholische Kirche benötigt beides. Sie braucht die Reformen wie die Umsetzung der Gleichberechtigung der Frauen, die Beseitigung der Diskriminierung der Geschiedenen,  die Anerkennung der positiven Aspekte der Sexualität, die Mitbestimmung der Ortskirchen etc. und sie muss sich der Nöte der Menschen, der Lebensbewältigung annehmen. Führt sie beide Prozesse durch, würde sie enorm an Glaubwürdigkeit gewinnen. Sollte Schönborn direkt oder indirekt die Reformer für den müden Zustand der Kirche verantwortlich machen, wäre das nichts anderes als ein Ablenkungsmanöver von den Verantwortlichkeiten der herrschenden konservativen Kräfte.

Asylantenheim: Fekter beschenkt Niessl großzügigst

Dienstag, 29. Dezember 2009

fekter

Innenministerin Maria Fekter hat mit ihrer Entscheidung, im südburgenländischen Eberau ein Erstaufnahmezentrum für Asylanten zu errichten, Landeshauptmann Hans Niessl ein Wahlkampfgeschenk gemacht, das großzügiger nicht sein könnte. Niessl müßte Fekter dafür mehrmals täglich abbusseln. Er kostet dieses Geschenk auch in aller Ruhe und Gelassenheit aus. Volksfreund wie er ist, lässt er seine Bürgerinnen und Bürger zu Wort kommen und in einer Volksbefragung am 21. März abstimmen.

Fekter führt die burgenländischen Schwarzen in eine Sackgasse

Dass diese für Fekters Projekt negativ ausgeht, ist klar. Über Asylantenheime abstimmen zu lassen bewegt sich ungefähr auf dem Niveau, wie wenn der Staat die Bürgerinnen und Bürger fragt, ob sie mehr oder weniger Steuer zahlen wollen. Niessl benutzt die Abstimmung, um sich vom Vorwurf des Populismus reinzuwaschen. Und er erwartet sich einen Motivationsschub für die Landtagswahl am 2. Mai. Die in der Opposition agierende Landes-ÖVP wird sich sehr schwer tun, aus der Gasse, in die sie ihre Parteifreundin Fekter geführt hat, herauszukommen. Dass die Missstimmung unter den Landes-Schwarzen groß ist, zeigt, dass Fekter ihren Schiurlaub unterbrach, um mit ihnen die Causa sechs Stunden lang zu diskutieren.

Lasten gleichmäßig aufteilen

Einen vernünftigen Vorschlag hat die Grüne Klubobfrau im burgenländischenLandtag, Grete Krojer, gemacht. Sie meint, die Asylbewerber sollten auf alle Bundesländer gleichmäßig aufgeteilt werden. Das wäre eine Lastenverteilung auf alle Schultern. Kleinere Aufnahmezentren sind zu bevorzugen, da die Integration leicht fällt.

Niessl ein Populist?

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So leicht wie es sich Niessl bisher in der Diskussion gemacht wird, darf es sich aber ein Landesverantwortlicher auch nicht machen. Nur Njet zu sagen ist zu wenig. Der burgenländische Landtagswahlkampf wird vorerst eine vernünftige Lösung verhindern. Diese wird erst möglich nach der neuen Machtverteilung. Denn dann hat sich die Nervosität gelegt und die politische Vernunft wird wieder einkehren.

Das Nichtraucherschutzgesetz ist zahnlos

Montag, 28. Dezember 2009

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Gesundheitsminister Stöger schimpft auf die Wirte wegen der Nichteinhaltung des Raucherschutzes, doch das Gesetz ist zahnlos. Die Wirte haben sich wieder einmal durchgesetzt.

Österreichs Gesundheitsminister Alois Stöger ist wegen der Nichteinhaltung des Rauchverbots auf die Wirte schlecht zu sprechen. „Ich merke ja, dass in vielen Gaststätten der Nichtraucherschutz nicht eingehalten wird.“ Die Wirte hätten dem „Nationalrat einen Kompromiss abgerungen und haben sich daran zu halten. Wer einen Kompromiss will, muss den auch einhalten. Ich bin da ärgerlich, wenn man das schleifen lässt“, sagt Stöger. „Das Gesetz muss eingehalten werden. Ich akzeptiere keine Ausreden.“

De facto wird in allen Gaststätten ungehemmt weitergeraucht

Das wahre Problem besteht darin, dass das Gesetz, das seit Jahresbeginn 2009 in Kraft ist, windelweich ist. In Lokalen bis 50 Quadratmeter darf in Österreich ungehemmt weitergeraucht werden. Ebenso in Lokalen bis 80 Quadratmetern, wenn eine Trennung in zwei Räume nicht möglich ist. Dafür genügt eine Bestätigung des Gemeindeamtes. In Lokalen von mehr als 80 Quadratmetern darf ebenfalls weitergeraucht werden, aber nur bis Mitte 2010, und sofern beim Gemeindeamt beantragt wurde, dass eine räumliche Trennung geplant ist. Die Wirte nutzen natürlich diese Spielräume zu ihren Gunsten aus. Sie sind mit dieser Lösung sehr zufrieden. In der Regel steht der Hauptraum des Lokals weiterhin den Rauchern zur Verfügung, die kleineren Nebenräume werden als Nichtraucherräume geführt.

Die Wirte sind zufrieden

Bertl Stockhammer, Mostbauer in innviertlerischen Weilbach ist zufrieden mit der Regelung. Seine Gäste kommen zum Großteil aus dem niederbayerischen Raum. „Aus meiner Sicht funktioniert es ganz gut. Wir haben 100 Sitzplätze für Raucher und 100 für Nichtraucher. Es gibt weder mit den Rauchern noch mit den Nichtrauchern Probleme.“ Im Hauptraum darf geraucht werden, die beiden Nebenräume sind für die Nichtraucher vorgesehen. Günter Unger, einer der beiden Wirte der weithin bekannten „Bums’n“ in Schärding, hat 180 Sitzplätze für Nichtraucher (Nebenräume) und 140 für Raucher (Haupträume). „Wir haben zu wenig Plätze für die Raucher“, sagt er. Es habe deshalb im Keller ein Raucherstüberl eingerichtet.

Wirte wollen, dass Gäste rauchen können

Trotz der großzügigen Regelung für die Raucher gibt es keine einzige Anzeige gegen Wirte wegen Verstoßes gegen das Raucherschutzgesetz, sagt Alfred Panholzer von der zuständigen Gewerbeabteilung der Bezirkshauptmannschaft Schärding. Seine persönliche Erfahrung sei, dass die Wirte daran interessiert seien, dass die Gäste weiterhin rauchen könnten. Es werde nach dem Motto agiert, wo kein Kläger, da kein Richter. In größeren Städten ist das anders. In Wien wurden in organisierten Aktionen hunderte Wirte angezeigt.

Stöger mimt den Harten

Gesundheitsminister Stöger gibt derweil den Harten. Es werde keine Ausweitung der Phase für die Umbauarbeiten der Wirte mit Lokalen von mehr als 80 Quadratmetern Größe geben, sagt er, diese müssten bis zum 1. Juli 2010 abgeschlossen werden. „Die Wirte hatten lange genug Zeit zu handeln.“ Im internationalen Vergleich liegt Österreich beim Nichtraucherschutz abgeschlagen auf den letzten Plätzen.

Ein Stern ist aufgegangen

Donnerstag, 24. Dezember 2009

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“Schließe die Augen und sage das Wort Indien.”

Rudyard Kipling, Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger (1907)

 

Rückblick auf die Indienreise

Auch die Inder feiern Weihnachten. Nicht nur die Christen, sondern auch die Hindus und Muslime. Es ist einfach ein Fest. Sichtbar wird es an den Sternen, die die Familien an ihren kleinen Häusern aufhängen. Ein Stern ist aufgegangen. Nicht nur in Bethlemhem, Jesu Geburtsstadt, sondern auch am tropischen Subkontinent. Außerdem gibt es zu Weihnachten spezielle Kuchen und Torten, die sich die Menschen an diesem Festtag gönnen. Während in unseren Breiten Schnee und Minusgrade dominieren, feiert Südinden bei Temperaturen von 30 Grad. Sowohl in der Luft als auch im Meer.

Indien verändert

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Indien verändert den Besucher. So auch uns, die wir 25 Tage im südindischen Raum unterwegs waren. Die Gründe für die Faszinination sind viele. Trotz ihrer Armut sind die Menschen freundlich und offen. Es ist keine Aggression zu spüren. Vielleicht da und dort eine gewisse Ungeduld bei den Verkäufern in den Touristengeschäften. Denn die Käufer sind weniger geworden und sie weigern sich auch, die teilweise massiv überhöhten Preise zu zahlen. Der Reichtum und die Schönheit der Natur sind überwältigend. Kein, Wunder, dass die Europäer verzweifelt nach Wegen gesucht haben, um an den Schätzen teilzuhaben. Die Bäume, die Blüten, die Sträucher, das Wurzelwerk, die Kräuter, die Gewürze. Indien bietet alles im Überfluß.

Der Westen profitiert vom jahrtausende alten Wissen

Faszinierend ist auch das jahrtausende alte Wissen. Ob in der Medizin (Ayurveda) oder der Philosophie oder der Religion. Ob Yoga, Hinduismus, Tantra oder Buddhismus:  Die Menschen des Westens profitieren von diesen alten fundierten Lehren. Wer sich nach Indien begibt, begibt sich auf eine Reise, die erst der Beginn ist. Die Wirkungen halten lebenslang an. Mit Wehmut verlässt man das Land.

Ende der Serie

Die römisch-katholische Kirche scheitert ununterbrochen an der Sexualität

Montag, 21. Dezember 2009

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Der Missbrauchsskandal von Irland mit Hunderten von Opfern ist nur einer von vielen in der römisch-katholischen Kirche. Es ist noch nicht lange her, da gerieten einige US-Diözesen an den Rand der Pleite wegen der Zahlungen, die sie an Missbrauchsopfer leisten mussten. Unvergessen sind auch die sexuellen Übergriffen des ehemaligen Wiener Kardinals Hans Hermann Groer während seiner Zeit als Vorgesetzter im Gymnasium Hollabrunn. Er musste zurücktreten und starb aus lauter Gram und Scham völlig zurückgezogen und vereinsamt.

Alle sind Opfer

Die römisch-katholische Kirche scheitert ununterbrochen an der Sexualität, weil sie sie verdrängt und verbietet. Es sei nur erinnert an die vielen Beziehungen, die Priester heimlich und versteckt unterhalten. Alle sind Opfer: die Priester selbst, ihre Partnerinnen und die Kinder, die aus diesen Verhältnissen entspringen. Die Konservativen und Reaktionären in der Kirche halten ein System aufrecht, das völlig verkrustet und verkorkst ist. Die Sexualität, eine unserer stärksten Lebenskräfte, wird an ihrer Entfaltung gehindert. In der Folge kommt es dann den bekannten Fehlentwicklungen.

Scheitern ist Teil des Lebens

Sind die verheirateten Pfarrerinnen und Pfarrer der protestantischen Kirchen schlechtere Seelsorger als ihre katholischen Glaubensbrüder? Sind die orthodoxen Priester von ihrem Dienst stärker abgelenkt, weil sie Frauen und Kinder haben? Wohl kaum. Es stimmt schon, dass Verheiratete der Gefahr der Scheidung ausgesetzt sind. Aber Entwicklung, Trennung und Scheitern sind Teil des Lebens. Diesen Prozessen sind alle Menschen ausgesetzt, auch die zölibatär Lebenden. Den Pflichtzölibat abzuschaffen bedeutet der Freiheit und dem Leben Raum geben. Dazu sollte sich die römisch-katholische Kirche endlich durchringen.

 

Der Scheich von Dubai kürzte den Indern die Hälfte des Gehalts

Montag, 21. Dezember 2009

Unterwegs in Südindien, Teil 15: Inder als Gastarbeiter

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Nicht wenige Inder verdienten ihr Butterbrot in der bis vor kurzem boomenden arabischen Metropole Dubai. Doch nun hat ihnen der dortige Scheich wegen der Finanzprobleme die Butter vom Brot gestrichen. Anil Kumar hat am dortigen Flughafen, der Heimat der Emirates Airlines, als Elektrotechniker gearbeitet. Er verdiente 20.000 Rupies, das sind umgerechnet 300 Euro monatlich. Vor acht Monaten wurde ihm mit einem Federstrich die Hälfte des Gehalts gekürzt, sodass dem 26-Jährigen nur mehr 10.000 Rupies (150 Euro) verblieben. Er war einer von 15.000 Indern, die die Konsequenzen zogen und in die Heimat zurückkehrten. Er arbeitet nun im Hotel „The Avenue Regent“ in der Hafenstadt Kochi an der südindischen Westküste als Sicherheits- und Empfangsmann. Hier verdient er zwar 4000 Rupies (rund 60 Euro), aber er ist wenigstens zu Hause. Und diesen Hoteljob sieht er sowieso nur als vorübergehende Lösung an.

Indien ist ein günstiges Reiseland

Montag, 21. Dezember 2009

Unterwegs in Südindien, Teil 14

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Der Eintritt ins Museum 5 Rupies, die Stunde im Internet-Cafe 20 Rupies. Indien ist ein günstiges Reiseland. Wer sich wie ein Einheimischer bewegt, kann mit wenig Geld auskommen. Für einen Euro bekommt man 68 Rupies. Eine Nudelsuppe mit Hühnerfleisch 40 Rupies, Fisch in Curry 55 Rupies, Chicken-Curry 65 Rupies. Wer hingegen im Fünf-Stern-Hotel „The Travancor Heritage“ an der Küste absteigt, zahlt für das Abendbuffet 619 Rupies. Für den frischgepressten Orangensaft legt der Gast dort bereits 113 Rupies ab, für den er in einem normalen Restaurant 40 Rupies bezahlt.

essen

Das Drei- bis Vier-Sterne-Hotel in Madurai kostete 2000 Rupies, das sehr gute Hotel „The Avenue Regent“ in Kochi 6000 bis 7000. Am Günstigsten ist es, wenn man einen Einheimischen kennt, der dann mit den Hotels verhandelt. Denn auch hier gibt es wie in fast allen Läden „discount“, also Preisnachlässe. Als Tourist ist man ständig der Gefahr ausgesetzt, nicht nur mehr, sondern ein Mehrfaches der normalen Preise zu bezahlen. In Touristengeschäften ist Handeln ein Muss, am besten ist es, erst einmal 40 bis 50 Prozent der verlangten Preises anzubieten.

 

 

Die Hafenstadt Kochi hatte immer schon Verbindungen in die gesamte alte Welt

Montag, 21. Dezember 2009

Unterwegs in Südindien, Teil 13: die Hafenstadt Kochi

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Aus den Lautsprechern tönt „Felix Navidad“, „We wish you a merry Christmas and a happy New Year“, sogar die Melodien von „Oh Tannenbaum“ und „Stille Nacht, heilige Nacht“ sind zu hören.  Die Eingangshalle ziert eine Plastiktanne, geschmückt mit goldenen Kugeln und Ketten, goldenen und roten Maschen. Im Nebenraum werden Kuchen und Torten verkauft. Das Hotel „The Avenue Regent“ im Zentrum der Hafenstadt Kochi bietet seinen Gästen westliches Flair. Auch die Zimmerbar hat sich westlichen Gewohnheiten angepasst: Schokolade von Nestle liegt auf, Chips und Bier werden angeboten.

Touristennepp an der Hotelrezpetion

Doch der Schein trügt. Der Touristennepp wird sogar von den Managern der Rezeption ganz offiziell betrieben. Die Gäste werden angelogen, dass sich die Balken biegen. Die Fahrt nach Fort Kochi, dem Hafen, wo die Portugiesen im 15. Jahrhundert gelandet sind, wird mit 18 km Länge und eineinhalb Stunden Fahrzeit angegeben. Und Rikschas seien teurer als Kleintaxis. So lassen wir uns überreden zu einer Fahrt mit dem Kleintaxi. Kosten: 520 Rupies, rund acht Euro. Tatsächlich ist die Strecke 10 km kurz, sie dauert 25 Minuten und die Rikscha kostet mit 200 Rupies bei der Rückfahrt deutlich weniger als die Hälfte. Aber so geht es einem, wenn man in einer Stadt fremd ist und nicht einmal den Mitarbeitern der Hotelrezeption vertrauen kann.

Chinesisches Fischer-Handwerk

Fort Kochi ist ein wunderbarer Platz. Am Ufer gibt es eine Reihe alter und hoher Holzkonstruktionen zu sehen. Große viereckige Netze werden ins Wasser gelassen, die nach rund 15 Minuten wieder rausgeholt werden (Bild). Das Gegengewicht zu den Netzen bilden Steine, die an großen Seilen festgemacht  sind. Chinesische Fischer, die mit Kaufleuten vom Hofe des Kublai Khan Anfang des 13. Jahrhunderts hierherkamen, brachten diese spezielle Art des Fischens mit. Hinter dem Strand stehen unter riesigen alten Bäumen Häuser aus holländischer und englischer Zeit.

Vasco da Gama starb hier und wurde hier begraben

Die St. Francis-Kirche, die älteste Kirche nach europäischer Bauart auf indischem Boden, wurde von Franziskaner-Mönchen gebaut. 1524 wurde hier der große portugiesische Seefahrer Vasco da Gama begraben, vierzehn Jahre später überführte man seine Gebeine nach Belem in Portugal.

Die “schwarzen Juden” verstanden sich gut mit den lokalen Herrschern

Auch wenn nur mehr wenige ältere Juden in Kochin leben, ist der Besuch der Synagoge empfehlenswert. Die meisten „schwarzen Juden“ wanderten mit der Gründung des Staates Israel in ihre neue Heimat aus. Die ersten Kontakte mit Kochi reichen zurück bis in die Zeit von König Salomo, dessen Händler bis hieher kamen. Juden siedelten sich hier an, als die Römer mit der Zerstörung Jerusalems 70 nach Christus die Juden in alle Welt zerstreuten. Auf Bildern ist die Episode vom Kaufmann Joseph Rabban zu sehen, der um das Jahr 1000 vom König mit einem Dorf bei Kodungallore und mit diversen Privilegien ausgestattet wurde und dort wie ein kleiner König herrschte. Die Schenkungsurkunde Bhaskara Ravi Varmans (962-1020), in Kupfertafeln eingeschnitten, wird in der Synagoge aufbewahrt. Die Juden erfreuten sich der Gunst des Rajas, wurden aber von den Portugiesen verfolgt. 1662 zerstörten sie die Synagoge. Zwei Jahre später – inzwischen herrschten die Holländer – wurde sie wieder aufgebaut. In dem äußerlich einfachen Bau wurde der Boden mit handgemalten chinesischen Fliesen ausgelegt, die der Kaufmann Ezekiel Rahabi Mitte des 18. Jahrhunderts aus Kanton mitgebracht hatte.

Wunderbare hinduistische Wandmalereien

Wirklich sehenswert ist auch der Mattancherry-Palast, der heute ein Museum ist. Er wurde 1555 von den Portugiesen errichtet und dem Raja Vira Kerala Varma (1537-1565) geschenkt. Zu sehen sind schön geschnitzte Decken und hinduistische Wandmalereien aus dem 16./17. Jahrhundert. Es werden die Herrscher und ihre Familien präsentiert, ihre Bekleidungen und Feste. Weiters erfährt man sehr viel über das Verhältnis zu den Kolonialherren und die Entwicklung der militärischen Truppen. Der Palast, der im 17. Jahrhundert renoviert wurde, heißt seitdem auch „Dutch Palace“.

 

 

 

Namaste! Ich ehre den göttlichen Geist in Dir!

Samstag, 19. Dezember 2009

Unterwegs in Südindien, Teil 12: Yoga

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 „Namste!“ Mit diesem traditionellen indischen Gruß heißt uns Meister  Narayana Kaimal täglich um 7.30 Uhr zur Yoga-Stunde willkommen. Die Hände vor dem Herzen wie zum Gebet gefaltet, beugt er den Kopf leicht. Und er erklärt uns, was das bedeutet. „Ich bin Du und Du bist ich. Das göttliche Bewusstsein ist in uns allen gleich. Alle(s) sind (ist) eins.“ Mit anderen Worten: „Ich ehre in Dir den göttlichen Geist, den ich auch in mir selbst ehre. Und ich weiß, dass wir somit eins sind.“ Kein Wettkampf, keine negativen Urteile, keine negativen Gefühle, kein Egoismus.

“Wir beide sind dann nur noch eins”

Einer Überlieferung zufolge soll Mahatma Ghandi auf eine Nachfrage von Albert Einstein, was er denn mit dem Gruß Namaste ausdrücken wolle, Folgendes geantwortet haben. „Ich ehre den Platz in Dir, in dem das gesamte Universum residiert. Ich ehre den Platz des Lichts, der Liebe, der Wahrheit, des Friedens und der Weisheit in Dir, wo, wenn Du dort ist und auch ich dort bin, wir beide nur noch eins sind.“

Das mystische “Dritte Auge”

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Manchmal wird auch noch eine tiefere Ehrbezeugung dadurch ausgedrückt, dass die gefalteten Hände angehoben und die Fingerspitzen beider Zeigefinger auf die Stelle zwischen den Augen gelegt werden. An eben jene Stelle, wo sich nach hinduistischer Lehre das mystische „Dritte Auge“ verbirgt.

Yoga soll uns zum göttlichen Bewußtsein führen

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Beim Yoga gehe es nicht primär um die Körperübungen, sagt Kaimal, sondern um die Erreichung des göttlichen Bewusstseins. Wer das erlange, habe die Spitze des Yoga erreicht. Der Einzelne sei lediglich Teil des größeren göttlichen Bewusstseins. Es gehe nicht um das Ich , sondern um die größere Einheit. Der Körper sei nur ein Mittel für den Geist. Es gehe nicht um Gymnastik und nicht darum, dass die Bewegung perfekt seien. Ziel sei, den Geist zu beruhigen. Dies geschehe dadurch, dass sich der Geist auf die Atmung konzentriere. Er soll hier und jetzt sein, nicht in der Vergangenheit und nicht in der Zukunft. Ständig würden  die Gedanken hin und her hüpfen. Aber nur der gegenwärtige Moment gehöre uns. Wir sollten uns verabschieden von den negativen Gefühlen, den Anhaftungen, Erwartungen, den Urteilen, den starken Gefühlen.

Die Dinge akzeptieren wie sie sind

M an müsse lernen, die Dinge einfach zu nehmen wie sie seien. Ohne Be- oder Abwertungen. Die Dinge einfach akzeptieren. Speziell im Westen seien die meisten Krankheiten psychosomatisch verursacht. Sie könnten durch die Konzentration des Geistes vermieden werden.

Ursprünglich diente Yoga als Mittel für die Meditation

Ursprünglich dienten die Yoga-Übungen primär dazu, die Sitzhaltung der Meditation länger auszuhalten. Erst im Laufe der Zeit wurde immer stärker bewusst, welch‘ positive Wirkungen die Übungen zeitigen.