Archiv für Januar 2010

Die Krankenkassen sollen zur Fitnesskarte dazuzahlen

Freitag, 29. Januar 2010

fitness

Das Zusperren des beliebten Linzer Fitnesscenters pueblo provoziert die Frage nach der Vorsorge in unserem Gesundheitssystems, das an die Grenzen der Finanzierbarkeit angelangt ist.

Eine Hiobsbotschaft! Das beliebte Fitnesscenter pueblo in der Nähe des Pleschingersees in Linz sperrt zu. Am Sonntag, den 31.1. 2010 ist Schluß. Konkurs, heißt es. Es ist jammerschade. Auch wenn seit Jahren nichts mehr investiert wurde, ist es doch bei den Kundinnen und Kunden der Lage wegen sehr beliebt. Die großen Vorteile: Das Fitnesscenter ist geräumig und es liegt fast direkt an der Donau. Für die Läuferinnen und Läufer ist ideal zum Starten, sie sind sofort am Donauradweg.

Was wird tatsächlich für die Vorsorge gemacht?

Der Konkurs macht nachdenklich. Denn einerseits wird von den Verantwortlichen bei jeder Gelgenheit die Wichtigkeit der Gesundheit betot, aber andererseits wird wenig getan um sie zu fördern. Die Millionen und Milliarden rinnen lediglich in die Reparatur der Krankheiten. Die Spitäler, die auf sehr hohem Niveau sind, verschlingen Unsummen. Dazu kommen die Kosten der Kurheime, die vielen Arztbesuche der Patienten. Für die Vorsorge wird ein verschwindend geringer Prozetnsatz ausgegeben.

Wer sich ertüchtigt, wird seltener krank

Was wäre zum Beispiel, wenn die Krankenkassen jedem regelmäßigen Besucher eines Fitnesscenters 20 Euro zur Monatskarte dazuzahlen? Wer sich über das ganze Jahr hin regelmäßig ertüchtigt, ist seltener krank. Die Wahrscheinlichkeit, dass er einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erleidet, ist viel geringer. Die Kosten, die der Zuschuß zur Fitnesskarte verursacht, wären schnell eingespart. Die Krankenstände würden zurückgehen, wovon auch die Firmen profitieren würden. Trainierte Mitarbeiter sind nicht nur körperlich, sondern auch mental stärker und gesünder. Dadurch verfügen sie über ein besseres Auftreten. Auch die Unternehmen sind eingeladen, die Fitness ihrer Mitarbeiter zu unterstützen. Es gibt einige, die das bereits machen. Nicht aber die öffentliche Hand.

Die Diskussion um die Kosteneinsparungen greifen zu kurz, es braucht einen generellen Umbau

Die derzeitige Diskussion um die Sanierung des Gesundheitssystems greift zu kurz, weil sie zu wenig an die Wurzeln der Probleme herangeht. Sie reduziert sich auf Fragen der Beitragserhöhung und der Einsparungen. Die Diskussion muss tiefer gehen, nämlich in die Richtung, wie kann ich eine Gesellschaft fördern, in der die Menschen möglichst wenig erkranken.

Reden, die die Welt veränderten

Donnerstag, 28. Januar 2010

covers_h09

Es sind oft wenige Worte, die entscheiden. Reden, die Geschichte schreiben. Reden, die den Lauf der Welt verändern.

Jesus Christus, Bertha von Suttner, Marie Curie, Joseph Goebbels, Kaiser Hirohito, Leopold Figl, Bruno Kreisky, Margaret Thatcher, Helmut Kohl, Emmeline Pankhurst, Mahatma Ghandi, Wladimir Iljitsch Lenin, Martin Luther King, Nelson Mandela. Oft bleibt von großen Leben ein Satz: Winston Churchill und sein „Blood, toil, tears, and sweat“, John F. Kennedys Bekenntnis „Ich bin ein Berliner“ oder Ronald Reagans Aufforderung: „Herr Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer nieder.“

“Yes, we can!”

Der jetzige amerikanische Präsident Barack Obama verdankt seinen beispiellosen Erfolg vor allem drei Worten: „Yes, we can!“ Er hat damit die Stimmungslage einer Generation und den Nerv der Zeit getroffen. Der zuvor weithin unbekannte Senator katapultierte sich mit einer Rede auf dem Parteitag seiner demokratischen Partei in Boston ins Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit.

Auch Lügen machten Geschichte

Eine große Rede spiegelt nicht immer die Wahrheit einer Epoche wider, es sind auch die großen Lügen, die Geschichte machen. Worte haben Kriege begonnen und Frieden geschaffen. Und sie künden von großer Weisheit – oder fatalen Irrtümern, wie Neville Chamberlains „Friede in unserer Zeit“-Rede, nachdem er mit Hitler 1938 das Münchner Abkommen geschlossen hatte. Dieses Buch handelt von Reden, die Geschichte gemacht haben und es beschreibt die Geschichte dieser Reden.

Hördokumente

jelinek

Der Autor Gerhard Jelinek (Bild) präsentiert sein Buch am Dienstag, den 2. Februar, um 19.30 Uhr bei Thalia Linz-Landstraße. Der profilierte ORF-Journalist, er war unter anderem Leiter der Sendung “Report”, wird im Gespräch mit Josef Ertl die Hintergründe der großen Reden erläutern. von manch wichtigen Reden wird er Hördokumente bem Publikum vorspielen. 

Minarettverbot Zeichen gegen den Machtanspruch des Islam

Mittwoch, 27. Januar 2010

 minarett

Ein interessantes Ergebnis ergibt die Analyse der Universität von Bern über die Schweizer Volksabstimmung zum Verbot von Minaretten (das Bild zeigt das Minarett von Wangen). Die Stimmbürger, die sich Ende November 2009 mit 57,5 Prozent der Initiative zum Bauverbot von Minaretten angeschlossen haben, wollten damit ein Zeichen gegen die Verbreitung des Islams in der Schweiz setzen. Das bedeutet aber nicht, dass die Muslime in der Schweiz generell abgelehnt werden, so die Studienautoren der Abteilung Kommunikation der Universität Bern. 

Linke für Minarette, Rechte dagegen

Das Stimmverhalten war stark vom Links-Rechts-Gegensatz geprägt: Die Linke lehnte sie mit über 80 Prozent Nein-Stimmen deutlich ab. Die Rechte stimmte ihr fast ebenso klar zu. Entscheidend für den Ausgang war deshalb das Verhalten der politischen Mitte. Diese nahm das Minarettverbot im Verhältnis zwei zu eins an. Die Sympathisantinnen und Sympathisanten der Schweizer Volkspartei (SVP) standen nahezu geschlossen hinter der Initiative, die Anhänger der Grünen und der Sozialdemokraten lehnten sie massiv ab.

Christen für Minarettverbot

Von den gesellschaftlichen Merkmalen wirkte sich die Bildung am stärksten auf das Ergebnis aus. Wer als Bildungsabschluss eine Berufslehre vorweisen kann, stimmte zu 76 Prozent mit ja. Wer eine höhere Berufsschule oder eine Hochschule besuchte, war nur zu 48 Prozent respektive 34 Prozent für das Minarettverbot. Sowohl protestantische als auch katholische Christen stimmten zu rund 60 Prozent für die Initiative, religionslose Personen lehnten sie ab.

Zeichen gegen die weitere Ausbreitung des Islam

Bei den Entscheidungsmotiven der Befürworter wurde weitaus am häufigsten gennant, ein symbolisches Zeichen gegen die Ausbreitung des Islam in der Schweiz setzen zu wollen. Etwa jeder sechste Befürworter begründete seine Entscheidung als Reaktion auf die Diskriminierung der christlichen Kirchen in islamisch geprägten Ländern. Konkrete Kritik an den in der Schweiz lebenden Muslimen gaben nur 15 Prozent der Ja-Stimmen als Motiv an. Die Zustimmung zum Minarettverbot kann damit nicht als generelle Ablehnung der in der Schweiz lebenden Muslime interpretiert werden. Zudem erklärte sich eine Mehrheit von 64 Proeznt aller Stimmenden voll oder ziemlich davon überzeugt, dass sich die schweizerische und die islamische Lebensweise gut vertragen.

“Keine Lösung ist auch eine Lösung”

Montag, 25. Januar 2010

streit

Wie gehe ich mit den “Macken” meines Partners um? Viele Ehen setzten ihre Existenz aufs Spiel bei den Versuchen ihre Eheprobleme zu lösen, meint Arnold Retzer. Viele Ehen würden an der Lösung scheitern (Bild: welt.de). Retzer ist einer der bekanntesten Paartherapeuten Deutschlands und hat das Buch “Lob der Vernunftehe” (Verlag Fischer) geschrieben, das er morgen Dienstag, den 26. Jänner 2010 um 19.30 Uhr bei Thalia, Linz-Landstraße 41, vorstellt.

Den Soll-Zustand auf den Ist-Zusand herunterschrauben

Es gebe zwei prinzipielle Möglichkeiten, Probleme zu lösen. Die übliche: Ist-Zustände auf Soll-Zustandsniveau zu bringen. Die zweite, weniger verbreitete Lösungsstrategie: Den Soll-Zustand auf Ist-Zustandsniveau herunterzuschrauben. Retzer greift zu einem Vergleich. Mitteleuropäer mag das Wetter zu vielen Jahreszeiten des Jahres nicht gefallen. Wenn wir nun zum Beispiel das Regenwetter zu einem Problem erklären, dann müssen wir uns nach Lösungen umschauen. Man könne Sonnentänze veranstalten, Gebete an Sonnengötter richten, etc. In den meisten Fällen werde sich kaum etwas ändern. “Wir gewinnen Energie und Zeit, indem wir uns Tänze, Gebete, etc. ersparen und wir gewinnen neue Möglichkeiten: man kann sich angemessene Regenbekelidung besorgen, vielleicht sogar einen Schirm, in den Süden fliegen……” 

Diei resignative Reife: vom Vertragen zum Ertragen

Dauerhafte Beziehungen haben dauerhafte Probleme, Konflikte und Themen. Sich einen dauerhaften Partner aussuchen heißt, sich ein paar dauerhafte Probleme auszusuchen. “Entscheidend für Erfolg oder Misserfolg der Beziehung ist die Art des Umgangs mit Konflikten…..Es kommt also letztlich nicht darauf an, sich zu vertragen, d.h. Probleme zu lösen, sondern darauf, sich zu ertragen und mit Restriktionen zu leben.” Paare wüßten um diese unlösbaren Probleme, sie bezeichneten sie als “Macken”. Retzer nennt die Fähigkeit, ein Leben, eine Beziehung mit ihren Restriktionen zu ertragen, als resignative Reife.

Kritik fordert die Verteidigungsposition heraus

Vielleicht, so schreibt Retzer, hat man auch die Erfahrung gemacht, dass sich gelegentlich Probleme - fast wie von Geisteshand gesteuert - von selbst lösen, wenn sie nicht mehr den anstrengenden Veränderungsgeboten unterworfen werden. Die Erklärung sei einfach. Ein Partner, der ständig aufgefordert werde, sich zu veärndern, fühle sich, seinen Lebensstil, seine Überzeugungen und seine Autonomie in Frage gestellt. Die Folge: die Verteidigungsmaßnahmen stabilisierten genau das, was angegriffen werde. Lasse man die Angriff, würden auch die Verteidigungsmaßnahmen überflüssig. Veränderung könne möglich werden. Selbst “unlösbare” Probleme könnten sich manchmal in Luft auflösen, wenn man sie nicht zu verändern suche.

Es ist nicht die Aufgabe Österreichs, die Arbeitsmarktprobleme Anatoliens zu lösen

Freitag, 22. Januar 2010

 

anatolien

Soll es eine verstärkte Zuwanderung geben, wie das manche in ihren Leitartikeln oder beispielsweise die Industriellenvereinigung fordert? Die Bevölkerung sagt vermutlich nein, die Bundesregierung sagt ebenfalls nein. Der „Nationale Aktionsplan Integration“ setzt primär auf die Integration der hier bereits ansässigen Zuwanderer und wirkt restriktiv gegen Neuzuwanderung.

Deutschkenntnisse sind unabdingbar

Auch wenn die Grüne Opposition dagegen anläuft, der Vorschlag der Regierung ist in den Grundzügen richtig. Es wurde in den vergangenen 20 Jahren viel zu wenig für die Integration getan. Das muss sich ändern. Von jenen Familienmitgliedern, die im Familienzuzug (also Frauen und Kindern) zuwandern, Grundkenntnisse in der deutschen Sprache zu verlangen, ist überfällig. Ein gutes Bespiel ist die zweitgrößte oberösterreichische Stadt Wels. Es gibt dort viele Türken, die eine Türkin aus ihrer anatolischen Heimat heiraten, wie mir die Welser Sozialstadträtin berichtete. Häufig handelt es sich um von den Eltern arrangierte Ehen. Diese jungen Mädchen können natürlich kein Wort Deutsch. Auch in Österreich wird zu Hause kein Wort Deutsch gesprochen, die Kinder lernen nur Türkisch und kommen somit ohne Deutschkenntnisse in die Schule, wo die großen Probleme beginnen. Aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse haben sie schlechte Schulerfolge und in der Folge sehr schlechte Chancen am Arbeitsmarkt. Ein Teufelskreis, der durchbrochen werden muss.

Der österreichische Arbeitsmarkt wird überfordert

Die Wirtschaftslage ist nicht dazu angetan, die Einwanderung zu fördern. Die Arbeitslosigkeit steigt. Es ist nicht die Aufgabe Österreichs, die Arbeitsmarktprobleme Anatoliens zu lösen. Das schafft die Türkei schon alleine, es ist ein boomendes Schwellenland. Zudem dürfen wir nicht vergessen, dass 2011 die Arbeitsmarktbarrieren für die Osteuropäer fallen. Das heißt, dass die Arbeitnehmer jener osteuropäischen Staaten, die 2005 der EU beigetreten sind, in Österreich arbeiten dürfen. Da haben wir Herausforderung genug, um all diesen Menschen Arbeit und Brot bieten zu können.

Günter Wallraff überzeugt

Mittwoch, 20. Januar 2010

wallraff

Er differenziert, ist beeindruckend, authentisich, überzeugend und glaubwürdig. Der bekannteste deutsche Aufdeckungsjournalist Günter Wallraff las Dienstagabend bei Thalia in Linz aus seinem neuen Buch “Aus der schönen neuen Welt - Expeditionen ins Landesinnere”. Rund 250 Gäste hörten dem inzwischen 68-jährigen Autor fasziniert zu. Mehrere Zuhörer drückten ihm ihre Wertschätzung aus.   

“Die widerlichste Rolle war die bei BILD”

“Ich spiele gerne verschiedene Rollen. Wenn es sein muss, spiele ich auch einmal mit meinem Leben”, sagte er. “Ich mache das weiter, ich habe noch einiges vor.” Durch seine Arbeit sei er von einem schüchternen zu einem angstfreien Menschen geworden. Die widerlichste Rolle, die er je gespielt habe, sei die bei der Bild-Zeitung gewesen. “Das war eine so verkommene und zynische Truppe, die sich ihrer Macht so bewusst war und Rufmord betrieben hat”, sodass es als Folge sogar Selbstmorde gegeben habe.

Mehr Entschleunigung und Gleichheit

Was unsere Gesellschaft benötige, sei eine Entschleunigung, die Einhaltung der Menschenrechte, Qualität, soziale Standards und mehr Gleichheit. Die Politiker bemesse er daran, wie sie die Grenzen ihrer eigenen Partei überschreiten würden. “Ich bin zum Beispiel mit dem ehemaligen Sozialminister Blüm von der CDU befreundet.” Der ehemalige SPD-Kanzler Schröder habe die Partei von den eigenen Wurzeln gekappt. Oscar Lafontaine habe er als Oberbürgermeister kennen und schätzen gelernt. Schon vor zehn Jahren habe er als Finanzminister die Banken kontrollieren wollen. Die weltweite Finanzkrise habe ihm später Recht gegeben. Obwohl Lafontaines Partei die Linke nicht seine Partei sei, brauche es Politiker vom Schlage Lafontaines. Er selbst sei nie Mitglied einer Partei gewesen. Er unterstütze in der Regel die Minderheiten. Minderheiten hätten nicht immer, aber doch mehrheitlich Recht.

Billigmärkte pressen die Menschen aus

Grundsätzliche Kritik übte Wallraff an Billig-Märkten wie Lidl. “Lidl ist ein System, das Menschen auspresst.” Lidl habe Filialen geschlossen, nur um die Installierung von Betriebsräten zu verhindern. Eine Ausnahme sei DM. Das liege an der Persönlichkeit des Unternehmers. Wallraff schlägt vor, für die Konsumenten Positivlisten von Unternehmen zu erstellen, die soziale und ökologische Standards einhielten. “Das Verbraucherbewusstsein ist da.”

gunter

Marathon in zwei Stunden 50 Minuten

Wallraff fühlte sich in Linz sichtlich wohl. Er blieb noch lange im Thalia-Café sitzen und erzählte. Zum Beispiel, dass er Marathons laufe und seine Bestzeit zwei Stunden 50 Minuten beträgt. Diese Zeit beeindruckte mich sehr. Aber, so sagte Wallraff, er sei jetzt nicht mehr so schnell, weil er nun eine künstliche Hüfte habe.

Es gibt kaum etwas Vernünftigeres als die Liebe für die Vernunftehe

Mittwoch, 20. Januar 2010

vernunftehe

Der Arzt, Psychologe und führende Paartherapeut Deutschlands Arnold Retzer (Bild unten) hat mit seinem Buch “Lob der Vernunftehe - eine Streitschrift für mehr Realismus in der Liebe” ein intensiv diskutiertes Buch auf den Markt gebracht. Am kommenden Dienstag, 26. Jänner, präsentiert er seine Thesen um 19.30 Uhr bei Thalia Linz, Landstraße 41.

retzer

Lassen Sie sich durch den Titel nicht täuschen. Arnold Retzer spricht sich weder für die arrangierte Ehe noch für eine Zweckgemeinschaft aus Vernunftgründen aus. “Es ist vernünftig, wenn die Ehe auf die Liebe setzt”, ist seine Hauptthese. Es gebe kaum etwas Vernünftigeres als die Liebe für eine Vernunftehe.

Die Ehe und die Liebesbeziehung - zwei unmögliche Beziehungsformen

Dennoch unterscheidet er zwischen Liebe und Ehe. “Die Radikalität der Liebesbeziehung bezeugt sich auch in ihrer Bedingungslosigkeit und Absolutheit. …Liebe kann, ja muss großzügig auf Gerechtigkeit verzichten. In der Liebe gibt es auch keine Fairness. …Sie ist Überwältigung und/oder freiwillige Unterwerfung. Von der Liebe lassen sich keine Ansprüche ableiten……Liebe ist etwas, was sich schenkt, ohne auf Gegenliebe rechnen zu können.”

Die Ehe hat ein rationales Fundament

Die Ehe hat dagegen für Retzer “ein rationales Fundament. Sie ist ein Vertragsverhältnis zu gegenseitigem Nutzen. ….In einer Ehe kann man Ansprüche auf Gerechtigkeit, Gleichberechtigung und Herrschaftsfreiheit haben.” Beide Formen der Beziehung, Liebe und Ehe, so Retzer, seien für sich genommen auf Dauer mit dem Leben bzw. mit einem zufriedenstellenden Zusammenleben und Alltag unvereinbar. Die wahre Liebe müsse, um sich zu erhalten, alles vermeiden, sich dauerhaft zu machen. “Das unlösbare Problem: Die wahre Liebe muss, um sich zu erhalten, ihre institutionelle Verankerung  - und damit im Grunde sich selbst - vermeiden.”

Die Ehe als geregelte Langeweile

Auch wenn die Regeln der Ehe eingehalten würden, also etwa Gerechtigkeit und Vertragstreue, und solche Ehen gut zu funktionieren scheinten, machten sie oft einen seltsamen Eindruck von geregelter Langeweile. Hier könne sich nun die Liebesbeziehung als Ressource anbieten. “Die erfolgreiche Vernunftehe tut gut daran, auch auf die Liebe zu setzen. Dass es vernünftig ist, die Liebe als Ressource zur Entlastung der Ehe zu nutzen und dabei ohne allzu viele Anstrengungen aus der aufregenden und pathologieverdächtigen akuten Anfangsliebe eine gelassene Vernunftliebe entstehen zu lassen.”

Wie auch immer Sie zu den Thesen von Retzer stehen: Diskutieren Sie mit ihm am kommenden Dienstag!

Asylwerber-Heim in St. Georgen: Die Einheimischen sind gespalten

Montag, 18. Januar 2010

 

 

thalham

Wie St. Georgen im Attergau mit seinem Erstaufnahmezentrum für Asylwerber umgeht (das Bild zeigt Bürgermeister Auzinger vor dem Lager; Foto: nachrichten.at).

St. Georgen im Attergau ist ein kleinbürgerlicher Ort, drei Kilometer vom Westufer des Attersees entfernt, am Rande des oberösterreichischen Salzkammerguts gelegen. Die Gemeinde zählt 4200 Einwohner. Geschäfte, Wirtshäuser, Trafiken und Cafés reihen sich links und rechts der Straße auf. Besonders im Winter ist es ruhig. Es gibt keine Touristen, selbst die Asylwerber bleiben wegen der Kälte zu Hause. Doch das politische Beben um das südburgenländische Eberau, wo nach Wunsch von Innenministerin Maria Fekter ein drittes Erstaufnahmezentrum für Asylwerber errichtet werden sollte, hat auch St. Georgen erreicht. Journalisten und Kamerateams kamen in Scharen, um zu sehen, wie es denn der Gemeinde mit ihren Asylanten gehe. Denn St. Georgen und Traiskirchen sind derzeit die beiden einzigen Erstaufnahmezentren in ganz Österreich.

“Keine negativen Auswirkungen durch die Asylwerber”

„Es wäre mir am liebsten, wenn die Berichterstattung wieder zurückgeht und sich alles wieder beruhigt“, sagt Martin Gassner, der das im Ort beste und beliebteste Café mit angeschlossener Konditorei betreibt. „Die Medienberichte waren zu negativ.“ Für den 35-Jährigen, der nebenbei an der Wiener Wirtschaftsuniversität studiert, gibt es keine negativen Auswirkungen durch die Asylwerber. „Mir ist nicht bekannt, dass ein Tourist weniger gekommen oder ein Haus nicht gekauft worden ist.“ Es sei bei ihm auch nie eingebrochen worden, wiewohl er wisse, dass das in anderen Geschäften der Fall gewesen sei. Er beschäftige drei Mitarbeiter aus dem Kosovo, „sie alle sind ganz toll und fleißig, ich könnte mir nicht vorstellen, dass ich sie nicht habe“. Unter ihnen ist eine Küchenhilfe, die seit sieben Jahren bei ihm ist. „Sie und ihr Mann arbeiten, sie haben zwei Kinder, sie sprechen perfekt Deutsch und sie sollen nun nach neun Jahren abgeschoben werden. Das finde ich für eine Frechheit.“

Medienberichte geben Gegner des Lagers Aufwind

Probleme mit der intensiven Medienberichterstattung hat auch Bürgermeister Wilhelm Auzinger, obwohl er selbst dadurch im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gestanden ist. „Gut ist das nicht“, sagt der Religionslehrer, die Medien hätten das Negative aufgescheucht und den Gegnern des Erstaufnahmezentrums Aufwind verschafft. Dabei könne die Gemeinde ganz gut mit dem Lager leben. „Wenn es geschlossen werden würde, wäre das ein wirtschaftlicher Schaden für die Gemeinde.“

114 Asylwerber aus 24 Nationen

Derzeit sind im Lager, wie das Erstaufnahmezentrum im Volksmund genannt wird, 114 Asylwerber aus 24 verschiedenen Nationen untergebracht. Sie bleiben maximal vier Wochen, bis entschieden wird, ob ihr Asylantrag akzeptiert wird oder nicht. Rund 100 Beschäftigte, wovon 30 direkt aus St. Georgen kommen, kümmern sich um sie: 23 Polizisten, 25 Mitarbeiter der deutschen Organisation homecare, die sich um die Verpflegung sorgen, 37 Mitarbeiter des Bundesasylamtes, der neunköpfige Wachdienst, sieben Fremdenpolizisten. „Es wird gut gearbeitet“, sagt Bürgermeister Auzinger. Für die Unternehmen der Gemeinde bringt das Lager Aufträge. Ein Bauer liefert die Milch, Bäcker die Semmeln, ein Metzger aus der Umgebung das Fleisch. Bei Reparatur- und Umbauarbeiten gibt es Aufträge für die Maler, Tischler und Tapezierer. Örtliche Ärzte sorgen für die medizinische Betreuung.

“Das Lager soll zugesperrt werden”

Doch jene, die das Lager positiv sehen, sind in der Minderheit. „Das Lager soll auf jeden Fall zugesperrt werden“, meint beispielsweise Alois Billinger, dessen Bruder Tischler ist und Nutznießer von Aufträgen aus dem Lager ist. Er selbst ist Handelsvertreter, seine Frau und seine Nichte arbeiten im Spar-Markt. „Es gibt fast kein Geschäft, das noch nicht bestohlen worden ist“, sagt er. Erst letzte Woche seien dort wieder Asylanten mit gestohlenen Wodka-Flaschen erwischt worden. Die Delikte würden nicht einmal mehr angezeigt, denn den Täter passiere eh nichts. „Sie kriegen zwar ein Hausverbot, sie lachen und gehen dann wieder hin.“ Dass Georg Pöllmann das bestreite, sei ja klar, denn als Leiter des Erstaufnahmezentrums müsse er das so sagen. „Aber beim Billa und bei Spar erwischen sie jede Woche einen.“

Nur 21 Vorfälle bei 2300 Asylwerbern

Pöllmann, der seit 22 Jahren für das Innenministerium in St. Georgen arbeitet,  zeichnet ein völlig anderes Bild. Im vergangenen Jahr seien in Summe rund 2300 Asylwerber da gewesen. Die größte Gruppe kommt aus Tschetschenien, die zweitgrößte aus Afghanistan. Es habe insgesamt 21 Vorfälle gegeben, „zwei oder drei waren Ladendiebstähle. Es gab keinen einzigen Einbruch.“ Die schwierigsten Vorkommnisse hätten sich im Lager selbst abgespielt, davon bekomme aber die Bevölkerung nichts mit. Es handle sich meist um Probleme zwischen Familien verschiedener Nationalitäten. Der Prozentsatz  sei sehr gering und betreffe nur jeden Hundertsten. Dass gegen die Täter nichts unternommen werde, stimme einfach nicht. Wenn es zu einem Einbruch komme, gebe es eine Strafanzeige. Schwere Delikte würden zur Entlassung aus der Bundesbetreuung führen, das Taschengeld von 40 Euro monatlich werde gestrichen, der Täter werde an einen anderen Ort verlegt.

Im Sommer täglich drei bis vier Delikte von Ausländern

 Dass es mehr kriminelle Vorfälle in St. Georgen gibt, bestreitet Pöllmann nicht. Sie kämen aber nicht aus dem Erstaufnahmezentrum. Die Täter sind teils sogenannte Dämmerungseinbrecher, osteuropäische Banden, die von der vorbeiführenden Westautobahn herunterfahren und sich schnell wieder aus dem Staub machen. Oder sie werden von Asylanten begangen, die in privaten Quartieren in St. Georgen und Umgebung untergebracht sind. „Das Lager ist nicht das Problem“, bestätigt Revierinspekteur Ludwig Leposchitz vom örtlichen Polizeiposten. Die Probleme verursachten die extern Untergebrachten, die „netten Besuch“ aus ganz Österreich bekämen. Der Kärntner, der dem Posten in St. Georgen zugeteilt ist, meint, man müsste die Regeln verschärfen. So sei beispielsweise seit sieben Jahren ein visumpflichtiger Türke da, der bereits 38 strafbare Handlungen und mindestens ebenso viele Verwaltungsübertretungen begangen habe. Er sitze derzeit zwei Monate in Wels im Gefängnis, aber er dürfe nicht abgeschoben werden. Er habe nun einen Antrag auf eine Daueraufenthaltsgenehmigung gestellt, „ich traue mich wetten, dass er die bekommt“. Während sich im Winter relativ wenig abspiele, gehe im Sommer die Post ab. Drei bis vier Delikte täglich gebe es mit Ausländern, in der Regel sind es Ladendiebstähle, Raufereien und familiäre Streitigkeiten. Ob die Polizisten frustriert seien? „Frustriert nicht, aber man wundert sich, welche Asylwerber abgeschoben werden und welche trotz Straffälligkeiten da bleiben dürfen.“

Reichsarbeitsdienstlager in der Nazizeit

Das Erstaufnahmezentrum hat eine lange Geschichte. Während des Zweiten Weltkriegs war es ein Lager des Reichsarbeitsdienstes RAD. Nach Kriegsende waren kriegsvertriebene, lungenkranke Flüchtlinge untergebracht. Daraus wurde eine Pflegeanstalt für chronisch kranke Flüchtlinge. Jede größere Krise spülte ihre Opfer nach St. Georgen. Aus Vietnam und Kambodscha kamen die boat-people, aus Uganda die vom Diktator Idi Amin Vertriebenen. Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989/90 viele Rumänen. Da am es zu einem tiefgreifenden Vorfall. Ein Mitarbeiter des Geheimdienstes Securitate ermordete einen anderen Rumänen und einen einheimischen Bauern, der zufällig Zeuge wurde. Ein Aufstand in der Bevölkerung war die Folge. Vor dem Gemeindeamt kam es zu einer Großdemonstration. „Als Obmann des Pfarrgemeinderates stand ich auf der anderen Seite der Demonstranten“, schildert Bürgermeister Auzinger die Lage. „Die Gemeinde war gespalten in jene, die gegen alles war, was mit Flüchtlingen zu tun hatte und in jene, die trotz des Mordes zu differenzieren versuchten.“ Im Laufe der Jahre stritt sich die Gemeinde wieder zusammen und es wurde wieder relativ ruhig. 

Zuspitzung der Lage 2004

Bis zum Sommer 2004. Damals waren viele junge Tschetschenen, Moldawier, Georgier und Kosovo-Albaner im Lager einquartiert. Rudelweise fielen sie in die Geschäfte ein und stahlen, was nicht niet- und nagelfest war. Wieder kam es zu einer großen Demonstration. Die Bürger wollten sogar die vorbeiführende Westautobahn blockieren. Die Politik reagierte rasch. In Arbeitskreisen einigten sich die Gemeinde, die Landesregierung und das Innenministerium auf folgende Maßnahmen. Die Anzahl der Asylwerber wurde von 250 auf 120 halbiert, die Zahl der Polizisten wurde auf 40 aufgestockt, für die Zeit von 22 Uhr bis sechs Uhr früh wurde ein de-facto-Ausgehverbot verhängt, es wurden mehr Frauen und Familien einquartiert. Die Aufenthaltsdauer im Lager, die zuvor zehn bis 15 Jahre betragen hatte, wurde auf drei bis vier Wochen beschränkt, weil es in ein Erstaufnahmezentrum umgewandelt wurde, das dann die Asylwerber anderen Aufenthalten zuteilt. Die Lage beruhigte sich wieder.

Polit-Steit um Eberau bedeutet Aufwind für Lager-Gegner

Durch den koalitionären Streit in der Regierung um das geplante dritte Erstaufnahmezentrum in Eberau verspüren die grundsätzlichen Gegner des Lagers Aufwind. Ihr Wortführer ist der freiheitliche Ortsobmann Franz Schneeweiss, der auch Sprecher der Bürgerinitiative gegen das Erstaufnahmezentrum ist. Er startet eine Unterschriftenaktion, um eine Volksabstimmung über das Lager zu erzwingen, die am selben Tag wie jene in Eberau stattfinden soll. „Was für Eberau gilt, muss auch für St. Georgen gelten.“ Der sonntägliche Stammtisch im Gasthaus Kiener, dem Schneeweiss angehört, pflichtet  ihm bei. „Das Lager muss weg“, ist der einhellige Tenor. 80 Prozent der Bevölkerung sei dagegen, ist man sich sicher. „Ja, wo sollen sich denn unsere Touristen hinsetzen, wenn die Bankerl voll mit Ausländern sind?“, meint die Wirtin. „Wir sind eine Fremdenverkehrsgemeinde, da passt das Lager nicht.“ Der ehemalige Tourismusverbandsobmann lässt das Argument, dass die Asylanten für den massiven Rückgang der Nächtigungen schuld seien, nicht gelten. Dies habe vielmehr mit den Billigpauschalreisen in den Süden zu tun, außerdem machten die Leute heute im Winter und im Sommer Urlaub, dafür blieben sie aber oft nur mehr zwei, drei Tage.

Darf es in Österreich noch Asylanten geben?

Schneeweiss äußert überhaupt den Verdacht, dass „im Lager viel vertuscht“ werde. Er habe erfahren, dass sich die Rettungseinsätze im Lager um 35 Prozent erhöht hätten. „Das Gewaltpotenzial im Lager überträgt sich auf den ganzen Ort.“ Außerdem könne es in Österreich keine Asylanten mehr geben, denn es sei ausschließlich von EU-Staaten umgeben.

Der soziale Auzinger gewann die Bürgermeisterwahl

Obwohl Schneeweiss sich der Unterstützung der großen Mehrheit in der Gemeinde sicher ist, hat er die Wahl zum Bürgermeister gegen den sozial eingestellten ÖVP-Mann Auzinger verloren. St. Georgen wurde von 1991 bis 2003 von einem FPÖ-Bürgermeister regiert, bis 2003 Auzinger gewählt wurde. Beim Urnengang im vergangenen Herbst legte die FPÖ zwar von 20 auf 30 Prozent zu, aber die ÖVP erhielt rund 48 Prozent. Die SPÖ sank von 23 auf 15 Prozent, die Grünen von zehn auf 6,5 Prozent.

Probleme mit der zweiten Generation

Ganz anderer Meinung als der „Lager-Schließer“ Schneeweiss ist sein Nachbar Gernot Haberl, von Beruf Tapezierer und Dekorateur. „Sicherlich gibt es Negatives, aber auch Positives. Was mich ärgert, ist, dass sie immer nur die wildesten Geschichten bringen.“ Wenn die Asylwerber im Sommer in den Markt gingen und rudelweise am Postparkplatz sitzen, rege das viele auf. „Wenn wir fremd wären, würden wir uns genauso verhalten.“ Die erste Generation, so Haberl, wären durch die Bank ordentliche Leute, die fleißig seien und arbeiteten. Probleme gebe es aber mit ihren Kindern, der zweiten Generation. Sie seien oft schlecht ausgebildet und kapselten sich in ihren Volksgruppen ab. Wegen der schlechten Ausbildung würden sie auch kaum Arbeit finden.

“Die gehören alle heimgeschickt”

Als Hort extremer Gegnerschaft der Asylsuchenden entpuppt sich auch die Bäckerei Innendorfer, dem ein Café angeschlossen ist. „Die gehören alle heimgeschickt“, fordert Anna Bergschober, die sich um 11 Uhr Vormittag ein Glaserl Prosecco genehmigt. „Die nehmen uns die Arbeit weg.“ Die 30-Jährige ist Hilfskraft bei der Firma Stieber im benachbarten Gampern. „Was passiert dann, wenn alle sagen, sie bringen sich im Fall der Abschiebung um, wie das die Mutter von Arigona Zogaj macht? Dürfen dann alle dableiben?“ Gerry, der beruflich Gastronomieeinrichtungen  verkauft, meint überhaupt, dass wir „zur Zeit mehr zweibeinige als vierbeinige Ratten haben“. In kurzer Zeit stemmt er vier G’spritzte. Ihm machen unter anderem die 40 Polizisten Sorgen, die nun im Ort seien. Ständig gebe es Kontrollen. Die wollten auch ihr Geschäft machen. Und es gebe es nun schon sieben Wirtshäuser, die Ausländern gehörten.

“Die meisten Österreicher suchen sich ja auch ein wärmeres Nest”

Eine völlig konträre Sicht der Dinge hat Hermann Haberl, der einen Kaffee trinkt und Zeitung liest. Er ist Mitte 40,  arbeitet bei der Agrarbezirksbehörde und praktiziert den Bogensport. Er ist sogar schon Weltmeister geworden. Seine viele Reisen in alle Teile der Welt haben ihn zu einem kritischen Geist gemacht. „Wir müssen einmal die braune Vergangenheit bewältigen. Diese Ideen schwirren immer noch in den Köpfen der Leute herum, obwohl diese Zeit schon zwei Generationen zurück liegt.“ Das Problem sei, dass viele St. Georgner die Probleme der Asylwerber nicht  sehen wollten. Die Asylverfahren dauerten viel zu lange, diese Menschen bräuchten dringend Arbeit. Die Einheimischen suchten nur nach ihren eigenen Vorteilen. „Unsere Leute gehen ja auch ins Ausland auf Montage. Die meisten Österreicher suchen sich ja auch ein besseres Nest.“ Die Globalisierung mache auch vor St. Georgen nicht halt. „Wir sind ein totes Nest, die meisten Einheimischen verschlafen die Entwicklung und leben in einer gewissen Selbstherrlichkeit.“

Die Gemeinden sollen endlich ihre Sparpotenziale heben!

Sonntag, 17. Januar 2010

peuerbach 

Der Präsident der oberösterreichischen Industriellenvereinigung, Klaus Pöttinger, hat mit seinem Vorstoß, die Anzahl der Gemeinden um die Hälfte zu reduzieren und sie so durch Verwaltungsreformen massiv zu entlasten, die Landes-ÖVP am falschen Fuß erwischt. Der Großteil der Gemeinden ist in den roten Zahlen, das Land kann nicht helfen, weil es selbst sparen muss. Es ist hoch an der Zeit, dass die Sache grundsätzlich angegangen wird.

Die Gemeindegrenzen sind 150 Jahre alt und überholt

Die heutigen Gemeindegrenzen stammen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Um 1850 gingen die Menschen zu Fuß, die Begüterten verfügten über ein Fuhrwerk. Heute, 150 Jahre später, gibt es in jedem Haushalt mindestens ein Auto, in der Regel zwei oder mehr. Innerhalb von fünf oder zehn Minuten ist jede/r auf seinem Gemeindeamt. Der technische und wirtschaftliche Fortschritt hat die Gemeindegrenzen überholt. Ein Beispiel: Mein Heimatort Peuerbach (Bild oben) ist eine Kleinstadt mit 2200 Einwohnern. Der ehemalige Markt ist zugleich das Zentrum der Gemeinden Bruck-Wassen und Steegen. Das Gemeindeamt von Bruck-Waasen ist im Gemeindehaus von Peuerbach untergebracht, nur einen Stock höher. Die drei Gemeinden sind eine Pfarre und sie haben eine gemeinsame Infrastruktur. Wie in vielen anderen Orten oberösterreichs habensich an das zentrum Siedlungen von Häuslbauern angeschlosen. Diese Siedlungen gehören aber absurderweise nicht zu Peuerbach, sondern zu den Landgemeinden Steegen und Bruck-Waasen. Derartig überholte Gemiendegrenzen gibt es des öfteren. Andere Beispiele sind Neukirchen am Wald und Eschenau oder St. Georgen im Attergau, Berg und  Strass.  

Die Bevölkerung befürchtet bei Zusammenlegungen einen Verlust an Bürgernähe und Identität

Trotz der überholten Gemeindegrenzen lehnt der Großteil der Bevölkerung Gemiendezusammenlegungen ab. Sie fürchten einen Verlust an Bürgernähe und gewachsener Identität. Wahrscheinlich haben sie nicht unrecht. Es spielen in den Hinterköpfen aber auch machtpolitische Überlegungen eine Rolle. In den Landgemeinden hat meist der Bauernbund das Sagen bzw. er ist politisch sehr stark verankert. Bei Zusammenlegungen fürchten die Bauern einen Verlust an Einfluss und sie meinen, dass nur mehr in den Zentren investiert wird und nicht mehr am Land. Das ist nicht aus ihren Köpfen zu bringen.

Von Zusammenlegungen wäre die ÖVP hauptbetroffen

Gemeindezusammenlegungen sind politisch kaum umsetzbar. Die ÖVP wird sie kaum zulassen, da ihre politische Kernklientel hauptbetroffen wäre. Die SPÖ unterstützt sie, da sie ihr politisch nützen würden.

Warum mehrere Standesämter, mehrere Kehrmaschinen, mehrere Bauhöfe?

Dennoch sind Verwaltungsvereinfachungen höchst an der Zeit. Warum benötigt Peuerbach ein eigenes Standesamt, Bruck-Waasen und Steegen ebenso? Genügt nicht ein Standesamt für alle drei? Warum braucht Peuerbach eine Kehrmaschine und Bruck-Waasen eine eigene? Warum benötigt Bruck-Waasen einen eigenen Kindergarten? Warum wird die Schneeräumung aller drei Gemeinden nicht zusammengelegt und ein gemeinsamer Fuhrpark eingerichtet? Warum gibt es nicht ein gemeinsames EDV-System für alle drei Gemeinden?

Sparen statt Jammern

Die Gemeinden und das Land Oberösterreich sollen nicht über Geldmangel klagen, sondern zuerst die Einsparpotenziale heben, die vor ihrer Haustür liegen.

Die armen Schweine

Donnerstag, 14. Januar 2010

sau

Ist es moralisch vertretbar, wenn 29 Schweine narkotisiert und dann im Schnee eingegraben werden, um zu untersuchen, wie es Lawinenopfern ergeht? Genau das passierte im Tiroler Ötztal, mit Genehmigung der zuständigen Ethikkommission. Das Bauchgefühl sagt nein. Diese Tiere sind liebevolle Lebewesen, denen man einen derartigen Tod nicht antun darf.

Ist die Empörung scheinheilig?

Aber ist unsere Empörung nur eine oberflächliche und scheinheilige? Denn täglich werden in Österreich, in Europa und vielen Teilen der Welt hunderttausende Schweine industriell abgeschlachtet. Viele von ihnen wurden geradezu industriell hochgezüchtet, nur zum Zweck des späteren Tötens, damit die Menschen billiges Fleisch essen können. Da sterben ja die 29 Schweine in Tirol einen vergleichweise sinnvollen Tod, wenn aus den Erkenntnissen später Menschenleben gerettet werden können. Denn die meisten Schweine werden nur zum Zweck geschlachtet, dass sich die Menschen mit deren Fleisch die Bäuche vollschlagen können.

Wie gehen wir mit den Tieren um?

Der Tod der Lawinenschweine weist uns auf ein Tabu der westlichen Welt hin. Wie gehen wir mit den Tieren um? Durch die industrielle Tötung und die kleinteilige Schnitzel-Verpackung im Supermarkt haben wir verlernt, was es heißt zu töten. Wir haben vergessen, dass Blut an unseren Fingern klebt, wenn wir Fleisch essen. Wir haben verlernt, dass Nahrung etwas Wertvolles ist, das seinen Preis hat.  

Recht auf Würde im Leben und im Tod

Es gibt Menschen, die aus Achtung vor den Tieren vegetarisch leben. Jene, die nicht auf Fleisch verzichten wollen oder können, sollten sich dessen bewusster sein, was das Fleisch am Teller bedeutet. Dass auch Tiere ein Recht auf Würde haben, im Leben und im Tod.