Archiv für März 2010

Unsere Politiker, dynamisch auch im Sport

Mittwoch, 31. März 2010

hiesl

 

Spitzenpolitiker sind in der Regel dynamische Menschen. Das öffentliche Wirken fordert sie, sie gehen völlig in ihrem Beruf auf, der ihnen häufig auch Berufung ist. Der damit verbundene Stress führt zu vermehrter Cholesterol-Ausschüttung, der enorm hohe Zeitaufwand ist mit vielen Abendterminen verbunden, bei dem häufig gutes Essen zu später Stunde angeboten wird. Ein gutes Gläschen dazu kann man kaum verwehren. Die Kilos lagern sich in den Bauchringen ab, die mit den Jahren umfangreicher werden.

Die eigene Kondition und das Können werden überschätzt

Was tun? Bewegung, antworten die Fitnessgurus und Berater. Also zurück zum alten Hobby. Für die einen ist das Fußball, für die anderen Tennis, für die dritten Skifahren, je nach Vorliebe. Die fehlende Kondition und Praxis werden durch erhöhten Einsatz wettgemacht. Die Folge sind Unfälle und Verletzungen. Vizekanzler Josef Pröll hat sich beim Tennisspielen mit seinem Sohn die Achillessehne gerissen, vergangene Woche hat sich Oberösterreichs Landeshauptmannstellvertreter Franz Hiesl am Arlberg den Lendenwirbel gebrochen (er musste mit dem Hubschrauber abtransportiert werden), kürzlich hat sich der Linzer Bürgermeister Franz Dobusch eine Sehne im rechten Bein gerissen. Die Folgen: Wochenlange Rekonvaleszenz, keine Termine, herunter vom Vollgas.

Die Grenzen akzeptieren

So bedauerlich diese Unfälle und Verletzungen sind, so positiv können die Auswirkungen sein. Die Betroffenen sehen, dass es auch ohne sie geht. Die Politiker realisieren, dass es auch ein Leben ohne Terminhetze gibt. Sie sind an ihre Grenzen geraten, die sie nicht wahrhaben wollten. Die eigene Wichtigkeit relativiert sich.   

Die Emerging Markets: Eine Erfolgsgeschichte mit Schattenseiten

Mittwoch, 31. März 2010

inder

Länder wie China oder Indien, die sogenannten Emerging Markets, seien die Gewinner der Finanz- und Wirtschaftskrise, tönt es aus den Reihen der Experten. Sie hätten gegenüber den USA und Europa deutlich aufgeholt. Die Emerging Markets hätten viel geringere Staatsschulden und seien deshalb besser in der Lage, mit Wirtschaftsprogrammen die Märkte anzukurbeln.

Das Leben ist für die Einheimischen sehr hart

Diesem Paradies der Börsianer steht die Wirklichkeit der Menschen gegenüber. In den USA oder in Europa zu leben und zu arbeiten bleibt für viele Menschen aus den Emerging Markets ein großes Ziel, ein Traum. Denn nach wie vor kennen die Menschen dort, selbst wenn sie arbeiten, keine sozialrechtliche Absicherung. Sie kennen keine Kranken-, Pensions- oder Arbeitslosenversicherung. Es gibt keine Abfertigungen, außer für die großen, schwerverdienenden Manager. Die Behörden sind korrupt. Wer zum Beispiel in Indien einen Reisepass möchte, muss bis zu 1000 Euro bezahlen. Alles muss aus der eigenen Tasche berappt werden. Wenn ein Mädchen eine Ausbildung zur Krankenschwester machen möchte, muss sie dafür rund 7000 Euro aufbringen. Die Menschen sehen vom starken Wirtschaftswachstum wenig. Ganz im Gegenteil. Bei Ansiedelungen werden die Grundeigentümer enteignet, massive Umweltschäden sind häufig die Folge. Das Wirtschaftswachstum mag stark sein, doch die Menschen profitieren nur in einem  geringen Teil. Sie haben oft die Lasten zu tragen.

Kapitalismus pur

Das Wachstum, das sich in den Emerging Markets abspielt, gleicht oft dem Englands im 19. Jahrhundert. Kapitalismus pur. Es wird heftiger Anstrengungen bedürfen, dass den Arbeitnehmerinnen und Arbeitern ihr Anteil am erwirtschafteten Mehrwert zukommt.

Die Schwellenländer beharren darauf, dieselben Fehler machen zu dürfen wie die Industrieländer

Die Regierungen der Emerging Markets wollen angesichts der Fortschritte und ihrem zunehmenden weltweiten Gewicht verstärkt mitreden. Aber: Mitbestimmen ist die eine Seite der Medaille, Verantwortung zu übernehmen ist die andere. Das hat sich ganz deutlich bei der Weltklimakonferenz in Kopenhagen gezeigt. Die Regierungen der Schwellenländer haben verhindert, dass es dort zu deutlichen Fortschritten im Kampf gegen die Klimaerwärmung gekommen ist. Sie wollen ungehindert den Dreck in die Luft blasen, jede Einschränkung bzw. Festschreibung auf Klimaziele wird abgelehnt. Es ist aber der falsche Weg, wenn die Schwellenländer darauf beharren, dieselben Fehler wie die Industrieländer zu machen bzw. machen zu dürfen.

Weit weg von sozialer und ökologischer Gerechtigkeit

Fazit: Die Schwellenländer sind am besten Weg aufzuholen, doch sie stehen erst am Beginn. Sie sind noch weit von sozialer und ökologischer Gerechtigkeit entfernt.

 

Landärzte werden zu Bettlern

Dienstag, 30. März 2010

landarzt

Die Linzer Innenstadt wird demnächst von Bettlern überflutet werden. Völlig verarmte Landärzte werden in die Landeshauptstadt strömen, sich rund um die Landstraße und den Hauptplatz postieren und auf Knien um Geld betteln. Die Menschen werden gnädig sein und die Mittellosen unterstützen.

Das Gejammere der Ärzte ist oft schwer zu ertragen

So oder so ähnlich muss man sich das Szenario vorstellen, dass der ehemalige Ärztekammerpräsident Otto Pjeta von den Landärzten malt. „Ohne Hausapotheke können Landärzte nicht überleben“, zeichnet er im Interview mit den Oberösterreichischen Nachrichten ein Bild des Niedergangs seines Berufsstandes. Das Gejammere der Ärzte ist oft schwer zu ertragen. Haben Sie schon einmal einen heruntergewirtschafteten Arzt getroffen, der wegen seines geringen Einkommens nicht überleben konnte? Ich jedenfalls nicht.

Die Standesvertretung ist sehr effektiv

Zu ihrer Standesvertretung kann man den Ärzten jedenfalls gratulieren. Sie bringen jedes Gesetz um, das für sie eine Schmälerung ihres Einkommens bedeutet. Erinnern Sie sich an die Gesundheitsreform im Frühjahr 2008? Die Ärzte mobilisierten alles dagegen und setzten sich schlußendlich durch.

Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus

Das Match um die Zukunft der Hausapotheken ist ein interessantes. Denn diesmal tritt die privilegierte Standesvertretung der Apotheker gegen die die privilegierte Standesvertretung der Ärzte an. Sie werden sich arrangieren, denn wie das Sprichwort schon sagt, eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.

Je mehr verschriebene Medikamente umso höher das Einkommen

Für die Landärzte sind Hausapotheken ein schönes Zubrot. Es macht bis zu 25 Prozent ihres Einkommens aus. Natürlich ist es für die Patienten von Vorteil, wenn sie nicht weit zu ihren Apotheken fahren müssen, sondern das Medikament gleich vom Arzt bekommen. Aber da der Arzt gleichzeitig am Medikament mitverdient, ist anzunehmen, dass er fleißig verschreibt. Je mehr verschriebene Arzneien,  umso höher sein Einkommen.

Vielen Ärzten geht es ums Geld und weniger um die Patienten

Otto Pjeta fürchtet, dass es keine Ärzte mehr geben wird, die am Land ihren Dienst versehen wollen. Warum wohl? Die Ärzte betonen doch immer, das Wohl der Menschen stehe bei ihnen an erster Stelle. Da müsste es doch egal sein, ob das Patienten vom Land oder von der Stadt sind. Oder ist es doch anders? Geht es vielleicht doch vorrangig um die Einkommenshöhe und ein bequemes Leben? Sind nicht viele Ärzte heute genau dieselben Materialisten wie viele andere auch?

Berichte über Missbrauchsfälle sind für Papst “kleinlicher Tratsch”

Montag, 29. März 2010

Nichts ist oft entlarvender als scheinbar nebenbei ausgesprochene Sätze. So meinte Papst Benedikt XVI. in seiner Predigt zum gestrigen Palmsonntag, der Glaube verleihe den Mut, sich nicht von dem kleinlichen Klatsch der vorherrschenden Meinung einschüchtern zu lassen.

Realitätsverlust

Wir wissen nun, was Joseph Ratzinger denkt. Das Bekanntmachen der sexuellen Missbräuche durch Priester ist also „kleinlicher Tratsch“.  Das ist vor allem für die Opfer eine desaströse Aussage. Und sie sagt viel darüber aus, was Ratzinger wirklich denkt. Die Tausenden von Missbrauchsfälle weltweit sind für ihn nichts anderes als kleine Unfälle auf Nebenschauplätzen, die die Kirche in ihrem Auftrag, die Welt zu missionieren, nicht behindern können.  Wer so spricht, leidet offensichtlich unter Realitätsverlust.

Warum sind die ÖBB-Züge immer verspätet?

Montag, 29. März 2010

 

 

 

zug 

Den Österreichischen Bundesbahnen stehen teure Zeiten bevor. Vor allem die vielen Verspätungen könnten das notorische Defizit der Bahn noch vergrößern. Die Bahn muss fernreisenden Kunden in Zukunft 25 Prozent des Kartenpreises zurückzahlen, wenn die Verspätung länger als eine Stunde beträgt. Ist der Zug gar mehr als zwei Stunden verspätet, erhält der/die Bahnfahrer/in die Hälfte retour. Für Jahreskartenbesitzer gilt, dass sie zehn Prozent des Monatspreises erstattet bekommen, wenn mehr als zehn Prozent der Züge auf einer Strecke mehr als fünf Minuten Verspätung haben. Das hat der Nationalrat vergangene Woche beschlossen. Er war dazu aufgrund einer EU-Vorgabe gezwungen.

Pendler beklagen die Verspätungen

Die ÖBB sind geradezu Weltmeister bei Verspätungen. Das beklagen die Arbeitnehmer, die per Bahn zur ihrer Arbeitsstelle pendeln. Die Arbeiterkammer, die zweifellos nicht bahnfeindlich gesinnt ist, hat eine Umfrage unter 1100 Arbeitnehmern durchführen lassen, wobei mit 80 Prozent an erster Stelle die Klagen über die ständigen Verspätungen stehen. Unseren Schweizer Nachbarn, die ein gut funktionierendes und ausgebautes Bahnnetz gewohnt sind, sind die ständigen Verspätungen auf der Strecke  Zürich-Wien und retour ein Rätsel. Zum Beispiel am vergangenen Samstagvormittag. Der railjet aus Wien kam in Linz schon mit fünf Minuten Verspätung an. In Salzburg betrug sie bereits sieben Minuten, in Innsbruck 15, in Zürich gar 29 Minuten.

Warum ändert sich nichts?

Es ist den ÖBB zu konzedieren, dass sie ihr Service ausbauen. Aber diese ständigen Verspätungen sind ein erhebliches Ärgernis. Nicht nur für die Kunden, sondern sie müssten doch der Bahn selbst ein Dorn im Auge sein. Für ein derartiges notorisches Fehlverhalten kann es nur zwei Ursachen geben: Unfähigkeit oder Unwilligkeit. Beides ist inakzeptabel.

 

Ratzinger war wesentlicher Teil des Schweigesystems der Kirche

Samstag, 27. März 2010

Der Skandal um die sexuellen Missbräuche Minderjähriger durch katholische Priester und Mönche hat nun auch Papst Benedikt XVI. erreicht. Abgesehen davon, wie sich der ehemalige Erzbischof von München in Einzelfällen im Detail genau verhalten hat, in jedem Fall hat er von den Vorfällen Kenntnis gehabt. Und er hat sich so verhalten, wie sich die gesamte Kirche verhalten hat. Er hat geschwiegen, er hat nichts unternommen, um den Opfern zu Recht und Wiederherstellung der Würde zu verhelfen.

Als Glaubenspräfekt war er voll informiert

„Es gab in der ganzen katholischen Kirche keinen einzigen Mann, der so viel wusste über die Missbrauchsfälle, und zwar ex officio, von seinem Amt her, sagte der Schweizer Theologe Hans Küng im Schweizer Fernsehen. Er bezieht sich dabei auf einen Brief, den Josef Ratzinger im Mai 2001 in seiner damaligen Funktion als Präfekt der Glaubenskongregation geschrieben hatte. In dem 2005 bekanntgewordenen Schreiben, das auch auf der Website des Vatikans steht, seien die kirchlichen Würdenträger angewiesen worden, alle Voruntersuchungen und Anschuldigungen zu Missbrauchsfällen an Ratzinger weiterzuleiten. Die Untersuchungen sollten geheim bleiben. Dieses Schreiben wird aus Sicht des Vatikans zu Unrecht als Beleg für einen „Kultur des Schweigens“ zitiert. Es sei vollkommen deutlich, dass solche rein kirchenrechtlichen Normen kein Vertuschen beabsichtigt oder gefördert hätten. Im Gegenteil sei es ein „klares Prinzip“, dass kirchliche Stellen Strafanzeige stellen müssten, wenn dies nach staatlichem Recht verlangt werde, sagt Charles J. Scicluna, Kirchenanwalt der Glaubenskongregation für schwere kirchenrechtliche Vergehen.

Der Papst hat nichts für die Opfer getan

Das mag zwar juristisch am Papier stimmen, doch die Praxis war die des Verschweigens und Vertuschens. Bisher sind noch keine Schreiben Ratzingers aufgetaucht, dass er angewiesen hätte, die Missbräuche bei den staatlichen Stellen anzuzeigen, Gespräche mit den Opfern zu führen, diesen Therapien  und Entschädigungen zu zahlen. Das ist eine für die Kirche bittere Erkenntnis. Ihr Papst hat sich durch Schweigen und Nichtaufarbeitung schuldig gemacht. Erst jetzt, unter dem Druck der immer stärker werdenden Missbrauchswelle und der Öffentlichkeit, hat er sich in einem Brief an die irische Kirche geäußert. Ein Brief, der für Dezember angekündigt war und erst Mitte März erschienen ist.

Strafzettel-Sorgen

Samstag, 27. März 2010

Freitagvormittag in Linz. Ich muss zum Hauptbahnhof, um mir meinen Bahnausweis abzuholen. Ich suche einen Parkplatz, den ich bei der zweiten Runde auch vor der Post finde. Schnell, schnell zum Automaten, um einen Parkschein zu lösen, denn die Sheriffs sind in Linz schnell zur Stelle und man zahlt dann rund 22 Euro Strafe. Der Automat nimmt trotz mehrmaliger Versuche die Ein-Euro-Münze nicht. Also schnell zum nächsten Automaten. Der Euro fällt wieder durch. Mehrmals. Ich habe keine andere Münze zur Hand, ich habe es eilig, gebe auf. Wahrscheinlich wird es einen Strafzettel setzen, denke ich mir auf dem Weg zum Bahnschalter. Nach zehn Minuten bin ich retour. Gespannt schaue ich auf die Windschutzscheibe des Wagens, kein Strafzettel, wunderbar!

Parkautomaten funkionieren nicht

In Zeiten der handys und der Laptops erscheint dieses Münzeinwerfen beim Parkautomaten vorsintflutlich. Es gibt zwar auch in Linz die Möglichkeit, via handy die Parkgebühr zu entrichten, doch die Kritiken in den Zeitungen darüber waren ziemlich vernichtend. Dennoch werde ich nächstens einen Versuche wagen. Die Behörden gehen mir auf die Nerven. Abkassieren wollen sie, aber sie sind nicht in der Lage, für funktionierende Geräte zu sorgen.

Ein Bettelverbot löst die Armut nicht

Freitag, 26. März 2010

bettler

Wenn Bettler auf den Straßen der Innenstädte auf Knien um Geld bitten und Obdachlose herumliegen, ist man irritiert. Da sind die schönen, alten Häuser, die luxuriösen Geschäften mit ihren Verlockungen in den Auslagen, die Cafes mit ihren Terrassen, da sind die Flaniermeilen und plötzlich liegt, sitzt oder kniet jemand, meist in schlechter und heruntergekommener Kleidung, und bittet um Hilfe. Das ist unangenehm, verstört und passt so überhaupt nichts ins Bild der Idylle. Der Anblick reizt, provoziert, fordert heraus.

Bettler und Arme sind Teil der Gesellschaft

Er ist aber Teil der Realität. Er spiegelt die Gesellschaft wider. Es gibt eben nicht nur gutes Auskommen und Wohlstand, sondern auch jene, die in dem immer schneller werdenden Rhythmus nicht mitkommen. Die von der Dynamik ausgespieen werden.  Sie fühlen sich krank, arm und bedürftig und scheuen sich nicht, das auch zu zeigen. Der Großteil versucht ja, das Nicht-Mitkommen zu verbergen.

Es gibt Missbräuche

Betteln generell zu verbieten wie das jetzt die Wiener SPÖ mit einer Novelle zum Landessicherheitsgesetz tun möchte, ist keine Lösung. Sicherlich gibt es auch hier Missbräuche wie organisierte Gruppen aus Osteuropa, die sich ein schnelles Körberlgeld verdienen wollen und die Gutmütigkeit und Großherzigkeit von sozial eingestellten Menschen auszunutzen versuchen. Doch das sind Ausnahmen und hier gibt es bereits Bestimmungen, die zum Beispiel aggressives Betteln oder Betteln mit Kindern verbieten. Betteln ist die sichtbare Form von Armut, niemand bettelt aus Vergnügen.

Im Zweifelsfall für die Schwachen

Am Gericht gibt es den Grundsatz „in dubio pro reo“, im Zweifelsfall für den Angeklagten. Im Sozialwesen sollte ein ähnlicher Grundsatz angewendet werden, nämlich im Zweifel für den Schwachen. Die Grenze zwischen Missbrauch und wirklicher Unterstützungsnotwendigkeit ist oft schwer zu ziehen. Was aber nicht passieren sollte, ist, dass notwendige Hilfe aufgrund zu strenger Bestimmungen verweigert wird. Menschlichkeit sollte der Maßstab sein.

Der Aufarbeitungsprozess musste der Kirche aufgezwungen werden

Donnerstag, 25. März 2010

groer

Und sie bewegt sich doch. Gemeint ist nicht die Erde um die Sonne, wie das Galileo Galilei  in der Auseinandersetzung mit der römisch-katholischen Kirche unterstrichen hat, sondern die Kirche selbst. Nach Jahren der Vertuschung und des Verschweigens  beginnt jene Institution, die sich stets auf Gott beruft, den sexuellen Missbrauch Minderjähriger durch Priester und Mönche aufzuarbeiten. Sie will die Kriminellen in ihren Reihen anzeigen. Bischof Klaus Küng kündigte an, die Kirche werde die Therapien für die Opfer zahlen.

Vertuschung im Namen Gottes

Sie macht das nicht freiwillig. Dieser Aufarbeitungsprozess wurde ihr von außen aufgezwungen. Jahre- und jahrzehntelang wurden die Opfer mit ihrem Leid, ihren Klagen und Anklagen nicht gehört und nicht ernst genommen. Es wurde vertuscht. Eine Haltung, die Gott und dem Evangelium widerspricht. Durch Amtsträger, die im Namen Gottes wirken. Das ist das Schlimme an diesem Skandal, der sich eben dadurch von den anderen Missbrauchsfällen in der Gesellschaft unterscheidet.

Kardinal Groer war eben kein Einzelfall

Es ist heute offensichtlich, dass die Causa des ehemaligen Wiener Kardinals Hans Hermann Groer (Bild) kein Einzelfall war. Kirchenintern waren seine sexuellen Missbräuche in seiner Zeit am Gymnasium Hollabrunn bekannt. Ich erinnere mich an ein Hintergrundgespräch mit dem ehemaligen Wiener Weihbischof Kuntner Anfang der 90er Jahre, der zu diesem Thema meinte, es sei zwar schlimm, was Groer gemacht habe, aber was habe es heute für einen Sinn, diesen alten Mann kurz vor seiner Pension noch öffentlich anzuklagen. Josef Votzi von der Zeitschrift „profil“ hat es kundgetan. Rückblickend und im Wissen um die tausenden kirchlichen Missbrauchsfälle weltweit hat Votzi Recht gehabt.

Die offene Gesellschaft wird sich gegenüber dem noch immer relativ geschlossenen System Kirche auf Dauer durchsetzen

Noch wehren sich der Papst und seine führenden Amtsträger gegen strukturelle Reformen. Aber sie werden kommen. Wie immer zu spät. Das noch immer relativ geschlossene System Kirche wird sich jedoch dem Druck und dem Sog, der von der offenen Gesellschaft ausgeht, letztlich nicht entziehen können.

Die “g’sunde Watsch’n” hat immer noch Saison

Mittwoch, 24. März 2010

elmar-fischer

Der Stammtisch hat immer noch Verständnis dafür: Die „g‘sunde Watsch’n“ hat für ihn eine positive pädagogische Wirkung. So auch für den Vorarlberger Bischof Elmar Fischer (Bild), der meint, „dass einem doch dann und wann die Hand ausrutschen kann“ und dass solche Aktionen für jungen Menschen hilfreich sein können.

Der Herr Professor flickte mir eine

Vor einem halben Jahrhundert war die Watsch’n ein übliches Erziehungsmittel. Ich erinnere mich noch gut, als ich 1971 als Zwölfjähriger in der zweiten Klasse des Stiftsgymnasiums Wilhering in der großen Pause des Vormittagsunterrichts vom Klassenvorstand eine fing. Der Herr Professor war emotional erleichtert, ich war schockiert, überspielte dies aber vor meinen Klassenkollegen als Lässigkeit. Der Anlaß war ein nichtiger, es gab eine Rauferei am Gang, die zwei Kämpfenden wurden von den Umstehenden lautstark angefeuert, was den Herrn Professor zwang, das Konferenzzimmer zu verlassen und nach Ordnung zu schauen. Weil ich die Raufenden vor der herannahenden Autorität warnte und dieser mich dabei sah, flickte er mir eine. Der damalige Warnruf unter den Schülern lautete übrigens „chief“.

Es wird lediglich Angst verbreitet

Wenn ich mich rückblickend an die Internatszeit erinnere, gehört diese Watsch’n zu den negativen Ereignissen. Sie war einfach übertrieben, ich mußte halt herhalten, weil der Klassenverstand mit dem Spitznamen Tasso sonst niemand bestrafen konnte, weil er zu spät war. Positive pädagogische Wirkungen hatte die Watsch’n keine, auch nicht jene, die ich hin und wieder von meinem Vater bekam. Er verbreitete damit bei mir und meinen Geschwistern lediglich eine gewisse Angst.

Wie man in den Wald hineinruft…..

Es ist ein Fortschritt, dass die g’sunde Watsch’n verboten wurde. Pädagogische Ziele wie zum Beispiel das Setzen von Grenzen sind anders zu erreichen. Ganz wesentlich ist beispielsweise wie sich der Vorgesetzte bzw. Pädagoge persönlich gegenüber dem Schüler verhält. Hier trifft das Sprichwort zu „wie man in den Wald hineinruft so schallt es zurück“. Ziele bzw. Grenzen bedürfen der Erläuterung, der Überzeugung und des konsequenten Handelns.