Archiv für April 2010

Griechische Tragödie

Donnerstag, 29. April 2010

papandreou

Rund 135 Milliarden sind es, die die Griechen bis 2012 benötigen, um eine Staatspleite zu verhindern (das Bild zeigt Minsiterpräsident Papandreaou). Vorerst. Wahrscheinlich werden es mehr werden. Ihre Verschuldung lässt die EU in ihren Grundfesten erschüttern. Denn warum sollen die Bürger anderer EU-Länder wie zum Beispiel die Deutschen und Österreicher zahlen, wenn die Griechen jahrelang über ihren Verhältnissen gelebt haben?

Der gesamte Süden Europas ist eine griechische Tragödie

Aber Griechenland ist nicht allein. Die internationalen Rating-Agenturen haben die Kreditwürdigkeit von Spanien und Portugal herabgestuft. Wird aus dem gesamten europäischen Süden eine griechische Tragödien? Erleben wir auch dort griechische Verhältnisse? Wie ernst die Situation ist, hat das gestrige Gipfeltreffen von Dominique Strauss-Kahn, dem Chef des Internationalen Währungsfonds, und Jean-Claude Trichet, dem Chef der Europäischen Zentralbank, in Berlin gezeigt.

Die Deutschen zahlen wieder einmal für Europa

Die Deutschen zahlen wieder einmal für Europa. Die griechische Krise kostet sie ein Drittel mehr als die Franzosen. Deutschland rettet auch Frankreichs Banken. Die französischen Banken halten für 51 Milliarden Euro griechische Staatspapiere, Deutschlands Banken für 31 Milliarden. Hans Werner Sinn, Präsident des ifo-Institutes in München, sagt ganz klar, die Deutschen und damit auch die Österreicher einen erheblichen Teil ihres Geldes nicht wiedersehen werden.

Geschwächte Nationalstaaten, gestärkstes Brüssel

Die Folgen der griechischen Pleite sind ganz klar. Entweder die anderen europäischen Staaten zahlen. Das werden sie aber nur tun, wenn sie ganz massiv in die nationalen Haushaltsbudgets eingreifen können. Diese verlieren ihre Autonomie und müssen die Bedingungen der Geldgeber akzeptieren. Oder Staaten wie Griechenland, Spanien und Portugal scheiden aus dem Euro-Raum aus, führen wieder eigene Währungen ein, die sie sogleich abwerten.  Derzeit läuft die Entwicklung in Richtung Eingriffe in die nationalen Budgets. Damit werden Europa und Brüssel stärker und die Nationalstaaten schwächer.

 

Bayern München: Erfolg durch mentale Stärke, Disziplin und Geschlossenheit

Mittwoch, 28. April 2010

bayern

Bayern München steht im Finale der Champions League. Mit einem überragenden 3:0 Sieg in Lyon haben sich die Bayern einen großartigen Erfolg erspielt. Sie stehen nun im Endspiel der europaweit Besten, sie führen in der Deutschen Bundesliga und stehen im deutschen Cup-Finale.

Der Wille, immer die Besten zu sein

Worauf ist dieser sensationelle Lauf zurück zu führen? Es ist vor allem ihre mentale Stärke. Für die Bayern gibt es stets nur ein Ziel: die Besten zu sein. Die Vereinsführung legt die Latte stets sehr hoch. Aufgrund dieser Zielausrichtung werden die Trainer und Spieler ausgewählt und engagiert. Das hat natürlich  auch seine Kehrseite. Wer das Vertrauen nicht mehr hat, die Leistung für das Ziel zu erbringen, muss gehen.

Disziplin: Alle haben sich Trainer van Gaal unterzuordnen

Ein weiterer Erfolgsfaktor ist die Disziplin. Es gibt eine klare Hierarchie. Der Trainer ist der Chef, ihm haben sich alle unterzuordnen, er definiert das Spielsystem und die Taktik. Zu Beginn der Saison lief es für die Bayern sehr schlecht. Denn so manche Führungsspieler wollten oder konnten sich dem System des neuen Trainers von Gaal nicht unterordnen. Der Konflikt eskalierte, van Gaal stand vor der Ablöse. Doch der Holländer setzte sich dank der Rückendeckung durch den Vorstand durch und der Erfolg kehrte zurück.

Mannschaftliche Geschlossenheit

Die Bayern überzeugten gestern, Dienstagabend in Frankreich durch mannschaftliche Geschlossenheit, dem dritten Erfolgsfaktor. Das Team ist ein homogenes Gefüge. Jeder weiß, was er zu tun hat. Wer seine Aufgaben nicht erfüllt, wird ausgetauscht. Jeder ist ersetzbar, auch die Stars. Trainer van Gaal setzte das kompromisslos um. Gleichzeitig hat er Vertrauen in seine Spieler. Er steht hinter ihnen, schenkt jungen Nachwuchsspielern das Vertrauen, die sie zu Höchstleistungen anspornt.

Nach der Krise kam der Erfolg

Vor einem Jahr war Bayern in der Krise. Jürgen Klinsmann, der ein paar Jahre zuvor das deutsche Sommermärchen bei der Weltmeisterschaft 2006 wahr hat werden lassen, wurde vorzeitig entlassen. Im Sommer kam Erfolgstrainer van Gaal. Er setzte trotz aller Widerstände sein System durch. Vor sechs Monaten wurde noch seine Ablöse diskutiert, jetzt ist er der große Star und Bayern München steht vor dem vielleicht besten Ergebnis seiner Vereinsgeschichte.

 

Die Vorzeigetürkin der Schwarzen

Dienstag, 27. April 2010

ozkan 

Noch bevor sie im Amt ist, ist der Wirbel schon riesengroß. Mit ihrer Forderung nach einem Kruzifix-Verbot in den Schulen hat Aygül Özkan vor allem in ihrer eigenen Partei einen Riesenwirbel ausgelöst. Nach einer Protestwelle zog sie die in einem Spiegel-Interview erhobene Forderung zurück.

Erstes muslimisches Regierungsmitglied in Deutschland

Die 38-jährige türkischstämmige Özkan wird heute zur Sozialministerin in Niedersachsen als erstes muslimisches Regierungsmitglied in Deutschland angelobt. Nicht als Mitglied einer linken Partei, sondern als CDU-Politikerin. Damit setzen die Christ-Demokraten ein Signal. Wer sich integriert, kann in die höchsten Ämter aufsteigen. Auch als Muslim. Stellen Sie sich das umgekehrt vor. Die Welt würde staunen, würde es zum Beispiel in der Türkei oder in Saudi Arabien ein christliches Regierungsmitglied geben.

Türen auf für die Zuwanderer

Die CDU dreht mit dieser Bestellung den Spieß um. Galten bislang die Grünen und die SPD als die Parteien der Zuwanderer und die CDU als Gegner der Muslime, verkehrt sie mit Özkan die Verhältnisse. Sie sagt ganz klar: Wer die Grundlagen der westlichen Demokratie anerkennt und leistungsbereit ist, dem stehen die Türen offen. Damit springen die Christdemokraten über den eigenen Schatten.

Die ÖVP darf sich ein Vorbild nehmen

In Österreich würde so eine spektakuläre Entscheidung der ÖVP sehr gut tun. Auch hierzulande gilt: Die Zuwanderer bevorzugen die SPÖ und die Grünen. Die Schwarzen gelten eher als die Bremser und Verhinderer, die nur noch von den Freiheitlichen übertroffen werden. Doch Zuwanderung ist heute eine gesellschaftliche Realität und keine Partei kann einen Bevölkerungsanteil von rund zehn Prozent auf Dauer ignorieren. Wer sich integriert, der soll aufsteigen. Stellen Sie sich die Überraschung vor, wenn eine Muslimin zur Landesrätin in Tirol, Ober- oder Niederösterreich berufen würde! Aber so weit sind wir noch nicht. Die Schwarzen jubeln schon, wenn es eine Frau auf die Regierungsbank schafft.

Protest gegen das politische Establishment

Montag, 26. April 2010

heinzi

Der Sieger des gestrigen Wahlsonntags ist der Nicht- bzw. der Weißwähler. Er hat die absolute Mehrheit erzielt. Dagegen nehmen sich die 78,9 Prozent der Stimmen für Amtsinhaber Heinz Fischer, die, auf alle Wahlberechtigten umgelegt, lediglich ein Drittel ausmachen, vergleichsweise bescheiden aus. Die Ursachen der Verweigerung sind vielfältig und vor allem ernst zu nehmen.

Leute der zweiten und dritten Reihe

Die Menschen sind unzufrieden mit dem Fortgang der Politik. Sie spüren, dass vornehmlich Leute der zweiten und dritten Garnitur am Ruder sind. Politik hat zu wenig Gestaltungskraft. Den Bürgern wird viel abverlangt, sie sollen sparen, im Beruf flexibel sein und alle Lasten tragen, die Politik kann sich hingegen zu keinen gravierenden Reformen durchringen. Es herrscht Populismus, kaum ein Volksvertreter wagt es, die Dinge beim Namen zu nennen und unliebsame Wahrheiten auszusprechen. Beschönigung allüberall.

Fischer Mann der Vernunft, aber nicht der Herzen

„Fischer ist ein Mann der Vernunft, aber nicht der Herzen.“ Mit diesem Leitartikel trifft Christoph Kotanko im Kurier den Nagel auf denKopf. Fischer ist Staatsnotar und er hat in der Vergangenheit fehlerfrei agiert. Dass er 78,9 Prozent der abgegebenen Stimmen erhielt, lag vor allem am Fehlen attraktiver Gegenkandidaten. Überraschend sind vor allem die 5,4 Prozent für den christlichen Fundamentalisten Rudolf Gehring. Ein Achtungserfolg.

Bauchfleck für die Freiheitlichen

Ihr Ziel weit verfehlt haben die Freiheitlichen. Heinz Christian Strache wollte das Fehlen eines ÖVP-Kandidaten nutzen, um sich zumindest kurzzeitig zum Führer des bürgerlichen Lagers aufzuschwingen. Aus dem Bestreben wurde ein politischer Bauchfleck. Er hat mit der rechtsextremen Barbara Rosenkranz die falsche Kandidatin gewählt. Es ist ein wichtiges Signal, dass derartige Vertreter kaum Chancen haben.

Wo bleiben die Reformen?

Was bleibt von dieser Wahl? Der Ruf nach Reformen. Die Menschen verweigern dem politischen Establishment die Zustimmung. Doch werden die staatstragenden Parteien daraus lernen? Wahrscheinlich nicht. Der oberste Mann an der Regierungsspitze hat bereits kundgetan, dass er nicht bereit ist, beispielsweise bei einer Änderung des Bundespräsidentenamtes mitzuwirken. Es sollte nur ein einmaliges Antreten erlaubt sein, dafür die Periode auf acht Jahre verlängert werden. Das kann sich sogar Präsident Fischer vorstellen. Aber so lange Leute solchen Formats am Ruder sind, wird einem der Pessimismus geradezu aufgezwungen.

Die Kirchenaustritte treffen die Falschen

Freitag, 23. April 2010

pastoralreferenten

Endlich! Nun gibt es in der römisch-katholischen Kirche die ersten personellen Konsequenzen. Der Bischöfe von Augsburg und Brügge sind zurückgetreten, weiters ein irischer Bischof. Die Plattform „Wir sind Kirche“ erwartet sich vom Vorarlberger Oberhirten Elmar Fischer ebenfalls den vorzeitigen Abgang. Seine Verteidigung der “g’sunden Watsch’n” und seine Äußerung, dass Homosexualität heilbar sei, haben für manche das Fass zum Überlaufen gebracht.

Austritte führen zu finanziellen Einschnitten

Die Kritik an Papst Benedikt XVI. ist nach seinem Malta-Besuch etwas abgeklungen. Er soll bei seinem Treffen mit den Missbrauchs-Opfern Tränen in den Augen gehabt haben. Neben dem Image-Schaden sind für die Kirche die vielen zusätzlichen Austritte ein Problem.  Denn das Geld fehlt an allen Ecken und Enden. Allein in Oberösterreich haben ihr mehr als 5000 Personen von Jänner bis März den Rücken gekehrt. Österreichweit sind die Austritte im ersten Quartal 2010 gegenüber 2009 um rund 40 Prozent auf 30.000 gestiegen. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren „nur“ 21.100.

Bei den Laienmitarbeitern wird gespart

Auch wenn es unmittelbar keine Kündigungen gibt, müssen die Diözesen langfristig beim Personal einsparen. So hat sich in der Erzdiözese Wien die Zahl der Laien innerhalb der letzten zehn Jahre von 803 auf 705 reduziert. Auch die Zahl der Priester ist zurückgegangen: von 788 auf 731. Die Austritte treffen eigentlich die Falschen. Denn die Austretenden wollen Reformen, die die Laienmitarbeiter (das Bild zeigt Pastoralreferenten) auch wollen. Ihre Posten werden aber aufgrund des Geldmangels reduziert.

 

Cougars: Die Berglöwinnen suchen Frischfleisch

Donnerstag, 22. April 2010

madonna

Cougars, Berglöwinnen, nennen sich die Frauen, die wie Demi Moore und Madonna (51, im Bild mit Jesus Luz, 24) mit jungen Männern anbandeln. „Aber manchmal sehen die Raubkatzen ganz schön alt aus“, meint Christiane Heil in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (Seite 48, 18.4.2010).

moore

Das ist der neue Trend in Hollywood: Reifere Damen suchen jungen Partner (”Junges”, “Welpe”) , die ihre Söhne sein könnten. Demi Moore (48) hat vor einigen Jahren diese Cougar-Revolution losgetreten. Sie hat den 16 Jahre jüngeren Ashton Kutcher (32) geheiratet. Zuvor hatte sie bereits nach ihrer Scheidung von Bruce Willis einige jugendliche Begleiter. „Dass Demis jugendliche Begleiter vom Alter her besser zu einer ihrer Töchter gepasst hätten, bot Hollywood jahrelang immer neuen Tuschelstoff – auch wenn Moore, dank dezenter Schönheitsoperationen, Diäten und stundenlangen Quälereien mit dem obligatorischen Yoga-Lehrer, am Arm eines jüngeren Liebhabers stets eine gute Figur machte“, so Heil. Aber Damen zwischen 40 und 60 tun sich nicht so leicht, einen jungen Lover zu finden. Adele Testani von der Partnervermittlung „Hurrydate“ hat versucht auf den Cougar-Trend aufzuspringen.  „Es hat nicht geklappt. Viele Menschen bevorzugen einfach traditionellere Beziehungen.“ Es herrscht ein chronischer Männermangel, wenn es darum geht, reifere Singles zu vermitteln.

Die Scheidungsrate schnellt nach oben

Die Verbindungen zwischen älteren Damen und jungen Herren stehen unter keinem guten Stern. Mit dem Altersvorsprung der Frau schnellt auch das Scheidungsrisiko enorm in die Höhe. Bei einem Altersunterschied von fünf, sechs Jahren ist es dreimal so hoch wie bei gleichaltrigen Paaren. Der junge Mann freut sich zwar über das geringere Schwangerschaftsrisiko, mag aber vom jungen Schönheitsideal nicht lassen.

Junge Männer wollen schnellen Sex

Viele Männer haben zudem andere Erwartungen als die Cougars. Sie wollen schnellen Sex statt gemeinsame Aktivitäten. Heil in der FAZ: „Bei der ersten Kreuzfahrt für weibliche Singles und ihre jüngeren Partner, die vergangenen Dezember aus dem kalifornischen San Diego in mexikanische Gewässer führte, sollen sich im Whirlpool an Deck ein paar Szenen abgespielt haben, die den Reeder „Carnival Cruise Line“ dazu bewogen, mit Rücksicht auf die Familien an Bord künftig keine Cougar-Veranstaltungen mehr zu buchen.“   

Anselm Grün: Verwandle Deine Angst in einen Freund!

Dienstag, 20. April 2010

angst

 Ängste beherrschen uns Menschen (das Bild zeigt “der Schrei” des Malers Edvard Munch). Die Angst zu versagen, einen geliebten Menschen zu verlieren, die Angst vor Verlust des Arbeitsplatzes, die Angst vor dem Abstieg, die Angst Ansehen zu verlieren, die Angst krank zu werden und zu sterben.

Akzeptiere die Angst und rede mit ihr

Pater Anselm Grün kennt diese Ängste und er fordert uns auf, sie zu akzeptieren. „Man muss die Angst annehmen und mit ihr reden“, sagte der 65-jährige Benediktiner aus der bayerischen Abtei Münsterschwarzach Samstagnachmittag in dem mit mehr als 500 Zuhörern vollbesetzen Saal des Bildungshauses Schloss Puchberg bei Wels. Je stärker man gegen die Ängste ankämpfe, umso stärker würden sie werden. Angst sei notwendig. Aber: „Wir sind eine Gesellschaft, in der Angst pathologisiert wird.“ „Man kann sie nicht kontrollieren, man kann nur hinschauen, wann sie sich melden.“

Weg von der Perfektion und hin zum Mut, auch Fehler machen zu dürfen

Die Heilung in der Bibel entstehe immer in der Begegnung. Grün nennt die Geschichte von der Heilung des Gelähmten. Jesus heilte ihn, indem er ihm die Sünden vergibt. Als erster Schritt müsse die Einstellung geändert werden, damit Heilung möglich werde. Oft gehe es um falsche Grundannahmen. Die Einstellung sei häufig unmenschlich. „Wir haben oft Lebensmuster, die uns blockieren. Ängste zu versagen, zu stottern, zu schwitzen. Damit nehmen wir uns die Chancen für das Leben. Ich darf mich blamieren, ich darf Fehler machen, das weist mich als Menschen aus. Dagegen lassen die Einstellungen, dass mich alle mögen müssen  und dass ich perfekt sein muss, nicht leben.“ Die Wahrheit des Menschen sei, dass er nicht perfekt sei. Die Angst führe zur Frage, wie sich der Mensch definiere. Definiere er sich von der Angst oder von Gott her? „Wir sollen mit der Angst reden, dass sie uns zu Gott führt.“

Nicht perfekt sein zu wollen entlastet

Jesus habe den Gelähmten aufgefordert: „Steh‘ auf, nimm‘ Dein Bett und geh‘!“ Das Bett sei das Zeichen der Unsicherheit und der Lähmung. Man soll die Unsicherheit verlassen und sie gleichzeitig mit sich tragen. Denn Unsicherheit und Schwäche seien erlaubt. Dagegen raube der Perfektionismus ganz viel Energie. Man soll einfach das tun, was man spüre und nicht alles perfekt vorbereiten. „Das ist eine Entlastung für mich.“

Grün definiert mehrere Arten von Ängsten.

1. Die Angst, vor dem Gericht der Menschen nicht zu bestehen. Viele Menschen fühlten sich be- und verurteilt. Die Grübeleien, was die anderen denken könnten, können den Menschen blockieren. Jesus fordere die Menschen auf, keine Angst zu haben, denn nicht sie selbst würden reden, sondern der Geist Gottes. “Dem trauen, was in mir ist.” Angst hänge immer mit unserem Geist zusammen, mit unserem Ego. Man solle der Intuition trauen. Er selbst habe sich selbst auch unter Druck gesetzt, als er vor 30 Jahren mit seiner Vortragstätigkeit begonnen habe. Jetzt traue er sich selbst und seinem Inneren.

2. Die Angst vor dem Unbekannten in uns, das wir verstecken müssen. “Die Menschen haben ein Selbstbild, aber sie haben Angst, dass die anderen durch das Fenster schauen könnten.” Heilung erfolge durch Gott. “Gott weiss alles, er nimmt auch alles an.” Vor Gott sei nichts verhüllt, deshalb werde auch nichts verhüllt.

3. Die Angst vor körperlichen und psychischen Verletzungen. Grün: “Die Seele ist geschützt. In uns gibt es einen Bereich, der nicht verletzt werden kann. Das ist der innere, heilige Raum.” Die Angst dürfe sein, aber der innere Kern bleibe unverletzt.

4. Die Angst, missachtet und verlassen zu werden. Diese Angst hänge mit frühkindlichen Erfahrungen zusammen. Aber: “Ich bin wertvoll vor Gott, auch wenn sie mich verlassen haben.” Die Frage sei, ob es der Mensch es mit sich selbst aushalte, ob er es aushalte allein zu sein.

5. Die Angst im Boot zu versinken. “Bin ich fixiert auf den Boden, der mich nicht trägt?”, fragt Grün. Jesus sage Petrus, dass das Boot auf dem See Genesareth nicht untergehen werde. Die Angst vor Gott komme auch im Gleichnis von den Talenten zum Ausdruck. Aus Angst vor Gott vergrabe er sie. Dagegen würden die anderen belohnt, die sich ge- und vertraut hätten. “Wer alles kontrollieren will, dem gerät das Leben außer Kontrolle.” Eine Beziehung, wo einer den anderen kontrolliere, scheitere. Das angstmachende Gottesbild habe immer mit der Angst vor sich selbst zu tun. Man müsse das kontrollierende Selbstbild in Frage stellen. Die Katastrophe nach außen zu projizieren, habe stets mit der eigenen Katastrophe zu tun. Man müsse auch hier den Weg des Vertrauens gehen.

6. Die Angst vor der eigenen Wertlosigkeit. Nach dem Motto: “Ich muss etwas leisten, dass ich wertvoll bin.” Diese Angst könne nur im Glauben überwunden werden.

7. Die Angst vor der Haltlosigkeit. Das sei die Angst der hysterischen Menschen. Sie hielten sich krampfhaft an etwas fest.

8. Die Angst vor der Schuldhaftigkeit des Menschen

9. Die Angst vor der Nähe, des zu Nahe-Kommens. Dass sei die Angst, die anderen könnten meine Schwäche sehen.

10. Die Angst vor dem Tod. Die Todesangst gehöre wesentlich zum Menschen. Viele Süchte seien von der Todesangst geprägt. Der andere Weg sei es, sich als etwas Besonderes zu fühlen. Gericht bedeute nicht, dass wir gerichtet würden, sondern auf Gott hin ausgerichtet werden.

Die Angst zerbricht das Ego

Grün empfiehlt, nicht gegen die Angst zu arbeiten, sondern auf die Angst zu schauen und sie vor Gott hinzuhalten, ohne sie zu bewerten. Gott nehme die Angst nicht weg, sondern er trage sie in der Hand. Zu einer tiefen Erfahrung, so Grün, gehöre immer das Schaudern. Er nennt als ein Beispiel einen schönen Sonnenuntergang. “Furcht und Angt haben eine positive Wirkung, denn treiben uns an, anders zu handeln.” Die Angst zerbreche das Ego, breche das Ego in uns auf, damit wir für Gott durchlässig würden. Wer keine Angst habe, haben kein Maß. Man solle die Angst als Freund nehmen, die mir etwas sagen wolle. ”Wenn ich die Angst anschaue, kann ich meine Seele besser kennenlernen.” Wer sich diese Gefühle erlaube und zulasse, nehme der Angst die Macht.

Die Angst als Freund und Weg zum Leben

Grüns Botschaft sei, sich den Ängsten zu stellen und sie nicht zu bewerten. “Sie brechen uns auf für Gott.” Ängste, die uns lähmten, seien auf falsche Bilder in uns selbst zurückzuführen. “Angst ist ein Begleiter, mit dem man sich anfreunden soll, damit sie ein Weg zum Leben wird.”

 

 

 

 

Ich wähle Seyffenstein!

Dienstag, 20. April 2010

kaiser

Bundespräsident Heinz Fischer hat mir am Sonntag in der Pressestunde vorgeworfen, ein schlechter Demokrat zu sein. Das ist starker Tobak. Weil ich mit den drei Kandidaten für die Präsidentenwahl nicht zufrieden bin, muss ich mir von ihm vorhalten lassen, „von der Möglichkeit des demokratischen Mitwirkens nicht Gebrauch zu machen“. Das ist eine glatte Unterstellung. Denn wenn ich wählen gehe, aber keinen der drei Kandidaten ankreuze, übe ich sehr wohl mein demokratisches Recht aus.

Fischer reiht sich ein in die alternden Bischöfe und Kardinäle

Hier klingt ein bisschen die Überheblichkeit eines Mannes durch, der sich seiner Wiederwahl sicher sein kann. Fischer erinnert mich an die Bischöfe und Kardinäle der römisch-katholischen Kirche. Sie sind auch alle deutlich über 70 und können nicht aufhören. Sie alle meinen unverzichtbar zu sein. Dabei wäre es gut, wenn sie Jüngeren Platz machen würden.

Sein lebenslanges Durchlavieren kommt ihm zugute

Fischer hat in seiner Amtszeit kaum Fehler gemacht. Das ist richtig. Aber er hat andererseits auch kaum Profil gezeigt. In der Position des Präsidenten kommt seine Art des Durchlavierens, die seine Karriere in der SPÖ gekennzeichnet hat, optimal zum Tragen.

Der Wahlsonntag ist eine Qual

Die Wahl am Sonntag ist eine Qual. Da gibt es einen christlichen Fundamentalisten, dann eine rechte Kandidatin, die noch nie im Konzentrationslager war, ihre zehn Kinder nicht taufen lässt und das Verbotsgesetz abschaffen will, und eben Fischer. Für mich sind alle drei unwählbar. Was werde ich tun? Ich werde dem Vorschlag des Kaisers folgen, der in seiner letzten Sendung „Wir sind Kaiser“ seinen Sekretär als Präsidenten (Bild oben) vorgeschlagen hat: Ich wähle Seyffenstein!

Anselm Grün: Die Essenz des Lebenstraumes zerbricht nie

Montag, 19. April 2010

lebenstraum

„Erinnern Sie sich an Ihre Kindheit? Als Sie stundenlang spielen konnten ohne zu ermüden?“ Pater Anselm Grün forderte bei seinen beiden Vorträgen zum Thema „Lebensträume“ die Zuhörer auf, innezuhalten und nachzudenken, was denn da in der Kindheit gewesen sei, das Sie so fasziniert habe, dass Energie schier ohne Ende da gewesen sei (das Bild ”Lebenstraum” stammt von der Schweizer Malerin Andrea Meister). 

Statt Wohnhäuser zu bauen erbaut Grün nun Häuser der Spiritualität

Er selbst wollte Maurer werden, erzählte der Benediktinerpater aus dem bayerischen Kloster Münsterschwarzach am Wochenende im Bildungshaus Schloss Puchberg bei Wels. Seine Faszination ließ auch diesmal drei Mal den Saal mit Zuhörern zum Platzen bringen. Es waren in Summe wohl zwischen 1500 und 2000 Gäste, die an seinen Lippen hangen. Grün wurde 1945 in der Nähe von München geboren. Bombenschäden hätten wohl bei ihm den Wunsch ausgelöst, das Haus wieder wohnlich zu machen. Maurer sei er nicht geworden, sagte er, aber den Wunsch, den Menschen ein spirituelles Zuhause zu geben, habe er verwirklicht. Es gehe nicht darum, den Berufswunsch tatsächlich zu realisieren, sondern die dahinter steckende Sehnsucht zu sehen. Diese könne auch sichtbar werden bei Lieblings-Figuren aus der Geschichte, aus Märchen etc. So habe ihm einer erzählt, seine Lieblings-Figur sei der Räuber Hotzenplotz gewesen. Der Mann sei aber Krankenpfleger geworden, aus dem Bedürfnis heraus, Armen und Schwachen zu helfen wie das auch Hotzenplotz gemacht habe.

Der Lebenstraum ist eine nie versiegende Quelle

Jeder hat seine eigenen Wünsche und Vorstellungen vom Lebenstraum. Die soll er auch verwirklichen. „Wenn jemand tief angesprochen wird, kommt er in Berührung mit sich selbst“, so Grün. Kindheitserlebnisse weckten ganz viel Energie. Lebensträume seien eine Quelle, die aus sich selbst schöpften. Sie gäben Energie, psychische und intellektuelle Energie. Und je mehr man sich begeistern könne, umso stärker kämen die Fähigkeiten zum Tragen.

Widerstände ernst nehmen und hinsehen

Wenn sich Widerstand aufbaue, sei es wichtig hinzuschauen. Man müsse den Widerstand ernst nehmen. Ist beispielsweise der Lebenstraum der eigene oder der des Vaters? Dem eigenen Selbst zu trauen, bedeute nicht, dass man immer gleich alles aufgeben müsse, was man bereits aufgebaut habe. Man müsse es vielleicht nur anders machen, auf die eigene Art und Weise. Wenn jemand an Burn out leide, bedeute das nicht unbedingt, dass er zu viel gearbeitet habe. Es könne sein, dass er nicht seinem eigenen Lebenstraum, sondern den Erwartungen von außen folge. Das raube Energie.

Zerbrochene Lebensträume zuerst einmal betrauern

„Wir können dankbar sein, wenn sich Lebensträume erfüllen“, so Grün, dessen Bücher bereits 16 Millionen Mal verkauft wurden. Aber was mache man, wenn sie sich nicht erfüllten, wenn sie zerbrächen? Hier zitiert er den Psychologen Alexander Mitscherlich. Man müsse das Zerbrechen zuerst einmal betrauern. Man müsse sich zu verpassten Chancen bekennen und durch den Schmerz hindurch gehen. Denn: „Wer nicht betrauert, erstarrt innerlich.“ Nur wenn man betrauere, komme man in Berührung mit dem eigenen Potenzial. Der Lebenstraum könne zwar zerbrechen, aber nicht die Essenz des Lebenstraumes. Man müsse die Frage stellen, was denn die ursprüngliche Idee des Lebenstraumes gewesen sei. „Wenn ich betrauere, komme ich in Berührung mit dem Grund der Seele und damit eröffnen sich neue Möglichkeiten.“

Jammern und Anklagen hilft nicht

Wenn man nicht betrauere, komme es zu zwei anderen Verhaltensweisen.

Erstens: Man jammert und ergeht sich in Selbstmitleid.

 Zweitens: Man klagt an.

 Aber beide Verhaltensweisen führten einen nicht weiter, es gehe um das Betrauern. Der Trauerprozess sei immer ein Betrauern der eigenen Lebensmöglichkeiten. Nur durch das Betrauern komme man zu seiner eigenen Quelle. Und ganz wichtig: „Es ist nie zu spät mit dem eigenen Lebenstraum in Berührung zu kommen.“ Jeder solle sich prüfen, wie er mit der Essenz des eigenen Lebenstraumes umgehe, wie er ihn verwirkliche. Man dürfe aber auch nicht im Schmerz stecken bleiben, denn das führe zu Lebensverarmung.

Die eigenen Lebensbilder überprüfen

Grün riet auch, die Bilder, die jeder über sich selbst habe, zu überprüfen. Es gebe die Bilder Selbstentwertung so wie es auch die Bilder der Maßlosigkeit und Selbstüberschätzung gebe. Das Bild, immer perfekt sein zu müssen, führe häufig zu Depressionen. Das wäre dem deutschen Nationaltorwart Enke passiert, der deswegen Selbstmord begangen habe.

Gott hat auch ein Bild von jedem Menschen

Jesus Christus spreche von der engen Tür, wo jeder durchgehen müsse. Das sei die Aufforderung an jeden, seinen Lebenstraum zu leben. Jesus fordere die Menschen auf, sich bei der Realisierung des Lebenstraumes anzustrengen. Nicht nur jeder Mensch habe einen Lebenstraum, sondern auch Gott habe ein Bild von jedem Menschen. Gott spreche zu jedem ein Urwort, deshalb sei jeder einmalig.

Meditation über “Ich bin es selber”

Nach der Auferstehung sei Jesus in die Mitte der Jünger getreten und habe ihnen gesagt: „Ego eimi autos. Ich bin es selber.“ Dieses Wort meine das Innere, das Unverletzliche, das Heilige eines jeden Menschen. Viele Menschen täten vieles, um anderen zu gefallen, um etwas zu beweisen. Es sei aber nicht so wichtig, was die anderen von einem dächten. Wer nicht authentisch sei, komme nicht in Berührung mit sich selber. Grün empfahl den Zuhörern, über den Satz „Ich bin es selber“ zu meditieren. Man müsse nicht viel darüber nachdenken, sondern ihn einfach wiederholen.

Buchhinweis: Anselm Grün, Lebensträume - Wegweiser zum Glück; Vier-Türme-Verlag Münsterschwarzach.

 

Die Kraft der Familienaufstellungen

Freitag, 16. April 2010

achleitner

Ursprünglich hatte sie mit 200 Besuchern gerechnet, gekommen sind mehr als 600. Karin Achleitner-Mairhofer war mit der Präsentation ihres ersten Buches  „Dem Schicksal auf der Spur“ (Ennsthaler-Verlag) Donnerstagabend, den 15. April 2010 in der Raiffeisen-Landesbank Linz sehr zufrieden. ORF-Moderator Reinhard Waldenberger führte in gewohnt professioneller Weise durch den Abend.

Beliebte Kolumnistin

Achleitner-Mairhofer war jahrelang die beliebteste Kolumnistin der Sonntags-Rundschau. „Ich weiß aus den Reaktionen von vielen Leserinnen und Lesern, dass es nicht wenige gab, die nur Ihre Kolumne gelesen haben“, sagte ich meinem Gastbeitrag bei der Präsentation. Mairhofer setzt in ihrer Arbeit auf die Kraft von Familienaufstellungen. Auf der Bühne präsentierte sie zwei Beispiele. Eine Mutter hatte in jungen Jahren eine Tochter geboren, die ihre Eltern zur Adoption freigegeben hatten. Sie verschwieg das ihrer späteren Familie, weil sie das so belastete und sie sich schämte. Trotz der vollständigen Liebe, die sie dem späteren Sohn schenkte, hatte dieser große Probleme. Erst durch eine Familienaufstellung, bei der die Mutter die Geburt ihrer Tochter gestand, konnte der Sohn geheilt werden.

Kinder übernehmen die Rolle der Verlassenen

Im zweiten Beispielsfall hatte der Mann wegen der Frau, die er dann geheiratet hat, seine Verlobte verlassen. Wenn die verlassene Verlobte in ihrer Rolle als quasi erste Frau nicht gewürdigt wird, übernehmen in solchen Fällen häufig die erstgeborenen Kinder unbewusst die Rolle der Verlassenen und leben ein Leben wie sie.

Sich aus den familiären Verstrickungen lösen

Das Bestreben von Mairhofer ist es, die Menschen aus ihren familiären Verstrickungen, aus ihren Schicksalen heraus zu lösen und ihnen ein autonomeres und freieres Leben zu ermöglichen. Denn jedem sei das Schicksal der Familie mitgegeben, dem er sich nur sehr schwer entziehen könne. „Wir bekommen das Leben von unseren Eltern und sind dadurch in ein Familiensystem eingebunden, dessen Werte, Gedanken und Schicksale auf unser Leben großen Einfluss haben.“ Sie spricht hier von morphogenetischen Feldern. „Aus größtenteils unbewusster Sippentreue wird das Unglück der Eltern weitergelebt, auch wenn an der Oberfläche der Kontakt der Kinder zu den Eltern sogar abgebrochen wurde oder ihr Verhalten verurteilt wird. Das bedeutet, dass zum Beispiel das Unrecht, welches in früheren Generationen geschah (wenn zum Beispiel jemand ausgegrenzt wurde, weil er nicht entsprochen hat, wenn jemand sich das Leben nahm, wenn uneheliche Kinder verschwiegen, wenn frühere Partner nicht geachtet, wenn Kinder abgetrieben werden, wenn Kinder früh starben oder tot geboren wurden, etc.), wird die Ordnung der Familie gestört. Dabei spielt es keine Rolle, ob man die Person gekannt hat oder nicht.“ Morphogenetische Felder sind sogenannte wissende Felder, das Frühere mit Späteren und Nahe mit Entfernten verbindet. Es existiert ein Gedächtnis, ein Feld, in dem sich immer wieder das Gleiche wiederholt, immer die gleichen Muster gelebt werden. Jede Änderung innerhalb des Systems hat Auswirkungen auf andere Teile des Systems.

Mairhofers Buch kann Interessierten wertvolle Erkenntnisse bieten. Die mehr als 600 Gästen waren jedenfalls von ihr angetan.