Archiv für Mai 2010

Die Machtverhältnisse im Burgenland wurden einzementiert

Montag, 31. Mai 2010

niesslhans

Mit versteinerter Miene saß Burgenlands Landeshauptmann Hans Niessl (Bild: diepresse.com) in der Zeit im Bild II, um dem staunenden Fernseh-Volk zu erklären, dass er bei der Landtagswahl sehr gut abgeschnitten habe. Das zweitbeste Ergebnis in den vergangenen 30 Jahren sei es gewesen, beharrte er auf einem Erfolg. Warum können Politiker nicht zugeben, was die Wahrheit ist: Dass er nämlich 3,63 Prozent der Stimmen und damit die absolute Mehrheit verloren hat?

Die ÖVP auf der Verliererstraße

Natürlich sind 48,55 Prozent für die SPÖ in Zeiten wie diesen gut bis sehr gut. Aber aus einem Verlust einen Wahlsieg zu machen, ist wenig glaubwürdig. Nicht nur die SPÖ ist mit einem blauen Auge davon gekommen, ähnlich ist es der ÖVP gegangen. Ein Minus von 2,21 Prozent und ein Rückfall auf 34,17 Prozent ist eine Niederlage.

Liste Burgenland der Sieger

Der Gewinner des Wahlsonntags war die erstmals angetretene Liste Burgenland, hinter der der ehemalige FPÖ-Obmann Wolfgang Rauter steht. Auf Anhieb erzielten sie vier Prozent der Stimmen und ziehen damit ins Landesparlament ein. Die Liste Burgenland erklärt auch das schwache Abschneiden der FPÖ, die zwar um 3,55 Prozentpunkte auf 9,30 Prozent zulegte, aber deutlich hinter ihrem bundesweiten Ergebnissen liegt.

Katastrophe für die Grünen

Desaströs ist das Abschneiden der Grünen. Die Serie ihrer schwachen Ergebnissen setzt sich fort. Sie verloren 1,25 Prozentpunkte und fallen nach dem derzeitigen Auszählungsstand unter die Vier-Prozent-Hürde und damit aus dem Landtag. Möglicherweise sichern ihnen die Briefwahlstimmen noch den Verbleib.

Es bleibt wie es war

Fazit der Wahl im Burgenland: Es hat sich wenig geändert, die Machtverhältnisse wurden bestätigt. Niessl bleibt Landeshauptmann, ebenso die absolute SPÖ-Mehrheit in der Landesregierung, möglicherweise auch im Landtag. Profitiert hat das Oppositionslager um die FPÖ und die FPÖ-nahe Liste Burgenland.

Wer’ s glaubt, wird selig

Freitag, 28. Mai 2010

WATYKAN PAPIE¯ JAN PAWE£ II ZMAR£ NAVARRO-VALLS 

Jetzt haben wir es amtlich. Die Spitze der römisch-katholischen Kirche hat zu keiner Zeit die Missbrauchsfälle durch Priester und Mönche unterschätzt und vertuscht. Weder Joseph Ratzinger in seiner 25-jährigen Zeit als Präfekt der Glaubenskongregation noch Papst Johannes Paul II.  (1978-2005). Dies behaupten jedenfalls die Sprecher der beiden Päpste.

Anderslautende Behauptungen entsprächen nicht den Tatsachen, sagt der frühere  Pressesprecher von Johannes Paul II., Joaquin Navarro-Valls (Bild). Johannes Paul II. sei es gewesen, der dem Wiener Kardinal Hans Hermann Groer nach Bekanntwerden von Missbrauchsvorwürfen 1995 Christoph Schönborn als Koadjutor zur Seite gestellt habe. Außerdem habe Johannes Paul II. ein kirchenrechtliches Verfahren gegen den Gründer der Ordensgemeinschaft „Legionäre Christ“, Marcial Maciel Degollado, eröffnet, dem ebenfalls sexueller Missbrauch vim Kindern vorgeworfen wird.

Klägliche Versuche, die Chefs reinzuwaschen

Nachdem der Missbrauchsskandal in der römisch-katholischen Kirche derartige Ausmaße angenommen hat, versuchen nun offensichtlich die Assistenten und Mitarbeiter ihre ehemaligen Chefs reinzuwaschen. Aber um ein Faktum kommen die Verantwortlichen nicht herum. Ratzinger und Johannes Paul II. haben seit mehr als 30 Jahren die Geschicke der Kirche geleitet bzw. Ratzinger leitet sie noch immer. Und in dieser langen Zeit sollen sie die Fälle weder vertuscht noch von ihnen gewusst haben. Hier gilt der Spruch: Wer’s glaubt, wird selig.

Waren Ratzinger und Johannes Paul II. tatsächlich nicht informiert?

Nehmen wir den für sie günstigsten Fall an, dass sie tatsächlich nichts gewusst haben. Selbst in diesem Fall kann man ihnen den Vorwurf nicht ersparen, dass sie nicht informiert gewesen sind, was in ihrer Organisation los war. Denn die Fälle gab es weltweit zu Tausenden. Der Verdacht liegt nahe, dass sie die Dinge nicht sehen wollten, weil ansonsten das von ihnen vertretene  Bild der Kirche erschüttert worden wäre. Das hätte von ihnen ein Umdenken und ein anderes Handeln verlangt, das sie stets abgelehnt haben. Der Fall Groer belegt dies eindeutig. Vertreter einer offenen Linie des II. Vatikanischen Konzils wurden abgelehnt, wichtig war den Kirchenführern der Glaube an die Unbefleckte Empfängnis Mariens, die Ablehnung von künstlicher Empfängnisverhütung und das Eintreten für den Zölibat. Ob sie menschlich und intellektuell qualifiziert waren, spielte kaum eine Rolle. Entscheidend war die Einhaltung der von Johannes Paul und Ratzinger vorgegebenen konservativen kirchenpolitischen Linie. Insofern sind ihre Verteidigungsstrategien kläglich und sie sollen zu ihrer Verantwortung stehen. Denn alle Versuche, diese Linie durch Tatsachen wie Missbrauch kritisch zu hinterfragen, wurden als Einzelfälle und Abweichlertum gewertet.

Eine Lanze für die Spekulanten

Donnerstag, 27. Mai 2010

schaller

Eine Lanze für die Spekulanten brach Heinrich Schaller (Bild), Vorstand der Wiener Börse, Mittwochabend bei seinem Vortrag an der Johannes Kepler Universität Linz. „Ein Spekulant ist einer, der eine Aktion setzt, weil er sich in der Zukunft etwas erwartet“, sagte er. Auch ein Unternehmer, der ein Produkt herstelle, von dem er erwarte, es verkaufen zu können, sei ein Spekulant.

Spekulanten können Märkte nicht vor sich hertreiben

Für die Börsen seien Spekulanten „extrem wichtig“, da sie mit ihrem Geld die Funktion hoher Liquidität herstellten. Sie seien systemimmanent. „Die Börse braucht Teilnehmer, die Umsatz tätigen“, so Schaller. Hohe Liquidität und Umsätze seien für den Kauf und Verkauf von Aktien wichtig. Die Frage, ob Spekulanten die Märkte so beherrschen könnten, dass sie sie vor sich hertreiben könnten, wenn sie wollten, verneinte er. Die Spekulanten seien nicht schuld an der jetzigen Situation. Kein Mensch würde gegen Griechenland spekulieren, wenn es eine vernünftige Schuldenpolitik gemacht hätte.

Schlechte Eigenkapitalausstattung österreichischer Unternehmen

Unternehmen benötigten für ihre Investitionen Kapital, das sich manche an den Börsen holten. Österreichs Betriebe gehören aber bei der Eigenkapitalausstattung zum letzten Drittel in der EU. Je mehr Eigenkapital ein Unternehmen habe, umso besser könne es Krisen überstehen.

Nein zu Börsenumsatzsteuer und Alleingang bei der Finanztransaktionssteuer

Schaller wehrt sich energisch gegen die Einführung einer Börsenumsatzsteuer und gegen einen österreichischen Alleingang bei der Finanztransaktionssteuer. Beide Maßnahmen würden zu einer Vertreibung von Investoren führen. Ausländische Investoren machen aber zwei Drittel des Umsatzes an der Wiener Börse aus. Für sie sei es überhaupt kein Problem, das Geld im Fall von zusätzlichen Steuern abzuziehen und woanders zu investieren. Eine geringere Liquidität führe aber zu Umsatzverlusten bei den Unternehmen und zum Abbau von Arbeitsplätzen. Als im Jahr 2000 in Österreich die Umsatzsteuer abgeschafft worden sei, lag der Anteil der ausländischen Handelsteilnehmer bei zehn Prozent, heute seien es 64 Prozent.

Unternehmen präsentieren gute Ergebnisse

Zur aktuellen Situation meinte Schaller, die Unternehmen erzielten heuer wesentlich bessere Ergebnisse als wie vor einem Jahr. Auch die Auftragslage hätte sich wesentlich verbessert. Die Unternehmen hätten die notwendigen Restrukturierungsmaßnahmen gesetzt, ohne dass die Arbeitslosigkeit massiv gestiegen wäre. Diesen guten unternehmerischen Perspektiven stehe die Stimmung an den Märkten gegenüber, die wegen der hohen Staatsschulden schlecht sei. Das Gejammer um den schwächeren Euro kann Schaller nicht nachvollziehen, da dieser den Exportbetrieben neue Chancen auf den weltweiten Märkten eröffne. „Ein schwächerer Euro ist gut für die Wirtschaft, aber die Amerikaner machen sich deswegen Sorgen.“ Der Euro-Kursverfall sorge für negative Stimmung an den Börsen, die aber fundamental nicht gerechtfertigt sei. „Die Aktienkurse werden wahrscheinlich noch weiter fallen.“ Die Psychologie sei ganz, ganz wichtig.

Inflation nicht gefährlich

An eine Hyperinflation glaubt Schaller nicht. Im Moment sei die Inflationsgefahr nicht groß. Eine gewisse Inflation von zum Beispiel zwei Prozent habe es immer schon gegeben.

 

Zweierlei Maß

Mittwoch, 26. Mai 2010

finanzblase 

Die Amerikaner haben im Herbst 2008 mit dem Platzen der Immobilien-Blase und dem Börsensturz die größte Finanz- und Wirtschaftskrise seit der Großen Depression 1930 ausgelöst. Die gesamte Welt hatte und hat darunter zu leiden.

Wer ist verantwortungslos?

Nun, da es aufgrund der Verschuldung einiger Länder in der EU eine vorübergehende Krise gibt, geraten die Amis in Panik. „Wir dürfen nicht zulassen, verantwortungslose Länder zu retten, ehe unser eigenes Haus in Ordnung ist“, sagt der republikanische Senator Jim DeMint. „Eine Krise, die durch Verschuldung und Ausgaben entstanden ist, können wir nicht durch weitere Verschuldung und Ausgaben lösen.“ Der Ansatz sei der falsche, und die Vereinigten Staaten „sollten da nicht mitmachen“, argumentiert  DeMint.

Die Amerikaner setzten auf die Geldschwemme

Liest man diese Worte des US-Senators, meint man, man sitzt im falschen Film. Die amerikanische Notenbank FED hat mit ihrer Geldschwemme wesentlich zur Immobilienblase beigetragen. Es war die Regierung des Republikaners George W. Bush, die die Lehman Brothers pleite gehen ließ. Es waren die amerikanischen Banken, die die faulen Immobilienkredite weltweit verkauften. Und mit einer Geldschwemme sondergleichen versuchten Regierung und Notenbank die Krise abzufedern.

Solidarität ist ihnen ein Fremdwort

Folgt man den Worten des US-Senators, so dürfen die Amerikaner all‘ das tun, was sie bei den anderen, wie zum Beispiel den Europäern, ablehnen. Solidarität ist ihnen ein Fremdwort. Wenn sie aber selbst Fehler machen, klagen sie nicht darüber, was sie anderen Ländern antun. Sie sehen es als Selbstverständlichkeit an, dass die Welt die Lasten trägt, die sie ihr aufbürden.

Gerlinde Kaltenbrunner auf dem Mount Everest

Montag, 24. Mai 2010

kaltenbrunner

Gerlinde Kaltenbrunner ist heute auf dem Gipfel des Mount Everest gestanden. Damit hat die 39-Jährige den 13. von 14 Achttausendern bestiegen.  Es fehlt ihr noch noch der K 2, den sie im Sommer erobern will. Damit könnte sie die dritte Frau sein, die auf den Spitzen aller  Achttausender gestanden ist.

Extreme Leistung gepaart mit Vor- und Umsicht

Die Windischgarstnerin erbringt seit Jahren außerordentliche Leistungen. Sie ist eine der besten Bergsteigerinnen der Welt. Doch an Vorsicht und Umsicht kann es keine der anderen mit ihr aufnehmen. Denn im Zweifel hat sie geplante Aufstiege verschoben bzw. abgebrochen, denn sie ging nie ein unkalulierbares und unverantwortbares Risiko ein. Sie hat der Gesundheit der sie begleitenden Bergsteiger den Vorrang gegeben vor ihren eigenen Gipfelerfolgen. Das ist menschliche Größe und Reife. 

Vorbild an Bescheidenheit

Bei all’ ihren Erfolgen ist sie ein Vorbild an Bescheidenheit geblieben. Wir schauen zu Dir auf, liebe Gerlinde!

Wendezeit mit Umsturz des Weltbildes

Freitag, 21. Mai 2010

kolumbus

„Das 15. und 16. Jahrhundert waren eine Wendezeit mit dem Umsturz des wissenschaftlichen Weltbildes.“ Roman Sandgruber, Vorstand des Instituts für Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Johannes-Kepler-Universität in Linz, machte bei seinem Vortrag Donnerstagabend in Peuerbach diesen Umsturz an vier Punkten fest. Ich hatte das Vergnügen, diesen Vortrag, der im Rahmen der Ausstellung „Astronomie der Renaissance“ stattfand, zu moderieren.

Entdeckung der Welt durch die Europäer

1.     Die Entdeckung und Eroberung der Welt durch die Europäer. Kolumbus (Bild) habe sich bei seinen Fahrten auf die Rechentafeln verlassen, die der Astronom Georg von Peuerbach berechnet habe. Peuerbach habe bereits Zweifel am geozentrischen Weltbild (die Sonne und die Planeten kreisen um die Erde) geäußert.

2.     Es habe sich eine neue Wirtschaft entwickelt, die häufig als Frühkapitalismus bezeichnet werde. Es habe sich um einen gewaltigen ökonomischen Aufbruch gehandelt.   

3.     Luthers Reformation und die radikale Lehre der Wiedertäufer, die damals die Religion der kleinen Leute gewesen sei. Die Wiedertäufer seien sowohl von den Katholiken als auch den Protestanten bekämpft worden. So habe es zum Beispiel in Steyr Todesurteile gegeben.

4.     Die Suche nach einer neuen Friedensordnung für Europa, die durch den 30-jährigen Krieg (1618-1648) enttäuscht worden sei.

Das Mittelalter war keine finstere Zeit

Das Mittelalter sei keine finstere Zeit gewesen, wie mancherorts behauptet werde. Es seien hier die Grundlagen für die Industrialisierung gelegt worden, es habe ungeheuer viel zum europäischen Aufstieg beigetragen. Es sei bereits eine globalisierte Welt gewesen. Aus China seien Erfindungen wie die des Schubkarrens, des Steigbügels, des Kompasses, des Papiers, der ersten Form des Buchdrucks, des Schießpulvers, des Porzellans und der Kokshochöfen nach Europa gekommen.  Die Europäer hätten die Mühlen, die Uhr, die Brillen und das Fernrohr, den Buchdruck, Kanonen und Gewehre erfunden. Österreich habe sich zum Zentrum der Eisenindustrie entwickelt. 20 Prozent der weltweiten Produktion habe rund um den steirischen Erzberg stattgefunden.

Den Aufbrüchen folgte die Krise des 17. Jahrhunderts

Den Aufbrüchen im 15. und 16. Jahrhundert sei die Krise des 17. Jahrhunderts gefolgt. Durch die Gold- und Silberimporte aus Südamerika sei der hiesige Edel- und Buntmetallbau und der Eisenabsatz zusammengebrochen. Der Weinbau sei in die Krise gekommen. Der Export der Ochsen von Ungarn nach Deutschland, der auf den sogenannten Ochsenstraßen durch Österreich führte, sei zusammengebrochen. Es habe eine kleine Eiszeit eingesetzt, es sei um ein bis zwei Grad kälter geworden. Der 30-jährige Krieg, die Vertreibung der Protestanten durch die Gegenreformation mit dem Verlust von hochqualifizierten Menschen und der Hexenwahn seien weitere Phänomene des Niedergangs gewesen. Zudem hätten sich die Handelsströme an den Atlantik mit den Zentren Amsterdam und Antwerpen verlagert. Dazu habe auch die Schwäche Venedigs beigetragen, denn die Routen von der Lagunenstadt in den Norden Richtung Breslau, Ostsee und Nürnberg seien durch Österreich verlaufen.

Gemeinsames Putzen senkt die Scheidungsrate

Donnerstag, 20. Mai 2010

putzen

Putzen ist nicht meine Sache. Da war schon in der Zeit der Kindheit und des Erwachsenwerdens so, als der Vater mich und meine Brüder Samstagnachmittag zur wöchentlichen Reinigung des Hofes abkommandierte. Er spritzte mit dem Schlauch den Betonboden, wir durften den Schmutz wegkehren. Eine Arbeit, die mich anödete und der ich bei jeder Gelegenheit zu entkommen suchte. Das einzige Argument, das mein Vater anerkannte, war, wenn ich angab, ich müsste für die Latein-, Mathematik- oder andere Schularbeiten und Prüfungen lernen. Ich saß im Zimmer und konnte durch das Fenster genüsslich meinen Brüdern beim Kehren zusehen.  Außerdem verstand ich sowieso nicht, was dieses penible Putzen bringen sollte. Da war mir ja das Autowaschen noch lieber, auch wenn der Vater hier sehr genau war. Mit dem Rehleder musste der Wagen pickobello abgewischt werden. Kein nasses Fleckchen wurde toleriert. Mit dem sauberen Wagen wurde Sonntagvormittag auf dem Kirchenplatz vorgefahren und zur Heiligen Messe gegangen.  

Wenn die Männer helfen, ist alles gut

Heute habe ich zwei Damen engagiert, die meine Wohnung einmal wöchentlich aufsuchen, um die Reinigung, das Waschen und Bügeln der Wäsche zu erledigen. Ich bin gewissermaßen privilegiert, was ich genieße. Aber nun macht mich in meiner Selbstgefälligkeit eine Meldung stutzig. Eine amerikanische Studie unter 3500 verheirateten Paaren hat ergeben, dass gemeinsames Putzen die Scheidungsrate erheblich senkt. Die Scheidungsrate war am höchsten, wenn die Mutter berufstätig war und der Vater kaum etwas zur Hausarbeit und Kindererziehung beitrug. Das liegt aber nicht allein an der Berufstätigkeit der Frau. Denn wenn die Männer in diesem Fall besonders viel mithalfen, war das Risiko nur leicht erhöht gegenüber der idealen Kombination von nicht berufstätigen Frauen mit zuhause stark engagierten Ehemännern.

Haushaltsarbeit stabilisiert die Ehe

Dieses Ergebnis räumt mit der Vorstellung auf, dass in stabilen Ehen der Mann arbeiten gehe und die Frau den Haushalt übernehme. „Diese Studie weist darauf hin, dass der Beitrag der Väter an unbezahlter Arbeit zu Hause eine Ehe stabilisiert, unabhängig davon, ob die Mütter arbeiten oder nicht“, sagen die Autoren.

Was mache ich nun mit den Ergebnissen dieser Studie, die dem Putzen so einen hohen Stellenwert beim Glück der Ehe einräumen? Mir bleibt wohl nichts anderes übrig als wie bisher allein zu leben. Es bleibt mir zwar das große Eheglück vorenthalten, dafür kann ich mich aber auch dem ungeliebten Putzen entziehen.   

Brasilien und Spanien sind für Netzer die WM-Favoriten

Mittwoch, 19. Mai 2010

netzer 

Die Favoriten für den Sieg bei der in vier Wochen beginnenden Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika sind für den deutschen Alt-Internationalen Günter Netzer (im Bild mit seiner Frau) Brasilien und Spanien. „Die Brasilianer spielen nicht mehr den Hurra-Stil der vergangenen Jahre, sondern ein wenig europäischer“, sagte er Dienstagabend vor 1500 Gästen  im Donauforum der Linzer Oberbank.  Die Spanier hätten bei ihrem Sieg bei der Europameisterschaft vor zwei Jahren in Wien eine großartige Leistung gebracht und verfügten heute über dieselbe Mannschaft wie damals.

Deutsche Tugenden müssen technische Überlegenheit ersetzen 

Auf Platz drei stuft Netzer die Engländer ein, denn es sei Teamchef Fabio Capello gelungen, die Mannschaft auf Erfolg zu trimmen. Dann kommen für Netzer die „üblichen Verdächtigen Holland, Italien, Argentinien und ein wenig Deutschland“.  Die Deutschen hätten in den beiden vergangenen Jahren keine zufriedenstellende Leistung geboten, ihre Stärke sei das Phänomen, „auf den Knopf zu drücken und die Leistung abrufen zu können“. Deutschland sei nun durch den Ausfall von Michael Ballack geschwächt, „ein echtes Handicap“, es komme nun darauf an, wer ihn ersetzen könne. Die vielen jungen Spieler seien kein Problem, es komme lediglich darauf an, dass sie zu ihrer allerbesten Leistung fänden. „Wir haben keine Spieler von Weltklasseformat, aber wir haben unsere deutschen Tugenden wie Kampfgeist, mannschaftliche Geschlossenheit, Ordnung, Disziplin, Zusammenhalt und Physis. Deswegen schlagen wir Mannschaften, die uns überlegen sind.“ Als persönlichen Favoriten für den Torwart nennt Netzer Manuel Neuer von Schalke 04. Trotz seines verhältnismäßig jungen Alters sei er ziemlich komplett. Aber auch Tim Wiese und Jörg Butt seien erstklassige Wahl.

Löw ein guter Teamchef

Löw verfüge über drei schlechte Sturmspitzen: Klose, Gomez und Podolsky. Die drei hätten zwar eine schlechte Saison gespielt, Trainer Jogi Löw vertraue ihnen aber, weil sie im Team ihre Leistung gebracht hätten. Er selbst hätte den Schalker Kurany auch nicht nominiert. Denn Kiesling von Bayer Leverkusen sei der bessere Fußballer. Netzer hält Löw für den idealen Teamtrainer, dieser könne die Mannschaft weiterbringen, „ich würde ihn nach der Weltmeisterschaft weiterarbeiten lassen.“

“Ich bin am liebsten faul”

Netzer zeigte sich bei dem von Jörg Wontorra moderierten Auftritt durchaus selbstkritisch. „Ich bekenne mich dazu, dass ich am liebsten faul bin.“ Wenn es aber notwendig gewesen sei, sei er ein „besessener Arbeiter“ gewesen. Nachdem er nun 13 Jahre lang im Ersten Deutschen Fernsehen ARD Fußballspiele kommentiert habe, wolle er diese „Leidensgeschichte“ beenden. „Ich höre auf, für mich ist es genug.“ Das habe er im Leben immer so gehalten.

Starke Persönlichkeiten fehlen

Er sei sich mit Franz Beckenbauer einig, dass es besser gewesen sei, in den 70-er Jahren ein Fußballprofi gewesen zu sein als heute. Heute würde man zwar wesentlich mehr Geld verdienen, aber damals habe es mehr Typen und stärkere Persönlichkeiten auf dem Platz gegeben. Das sei aber nicht nur ein Phänomen im Fußball, sondern in der gesamten Gesellschaft so. „In der heutigen Gesellschaft fehlen Typen, die etwas Besonderes darstellen. Nicht immer dieser Einheitsbrei!“

Rebell am Ball

Wontorra beschrieb Netzer als „Rebell am Ball, der einen Ferrari, eine Disco, lange Haare und viele Frauen“ gehabt habe. „Aber am Platz habe ich immer meine Leistung gebracht. Deshalb mussten die Kritiker ruhig sein“, entgegnete Netzer. Als er bei Real Madrid gespielt habe, sei er einmal heimlich nach Las Vegas zur Hochzeit der Tochter von Frank Sinatra geflogen. Das sei nie aufgeflogen.

Champions League-Finale: Chancen für Bayern 50 zu 50

Am Samstag ist das Finale der Champions League. Die Chancen für Bayern München definiert Netzer mit 50 zu 50, „mehr nicht“. „Das wird ein hochinteressantes Spiel.“ Das Gefährliche an Inter Mailand sei, dass sie sich ausgezeichnet verteidigten und gleichzeitig zwei sehr gefährliche Stürmer hätten. „Wehe, wenn sie ein Tor schießen.“  Bayern verfüge über eine Mannschaft, die sich nun gefunden habe. Robben spiele auf seinem obersten Niveau, „ich bin gespannt, wie lange er das halten kann“.

“Österreich braucht Geduld”

Über Österreichs Nationalteam meinte Netzer, man sei dabei etwas Neues zu beginnen. „Das ist lobenswert, es braucht Unterstützung und Geduld. Bei den Spielern muss man Ehrgeiz und Engagement erkennen. Ich glaube, Österreich ist am richtigen Weg.“

  

Die Politiker sind schuld, nicht die Spekulanten

Dienstag, 18. Mai 2010

boersencrash

Die Spekulanten seien schuld am Verfall des Euro, tönt es aus den Reihen der Politiker. Es bedürfe entschiedener Maßnahmen, um diesen bösen Buben das Handwerk zu legen, die ganze Volkswirtschaften an den Rand des Ruins brächten.

Die Politiker haben hemmungslos Geld ausgegeben

Die Wahrheit ist eine andere. Die sogenannten Spekulanten decken bloß das Versagen der Politiker auf. Denn die Politiker haben ihre Hausaufgaben nicht gemacht. Sie haben den Menschen in ihren Ländern Dinge versprochen und Geschenke gemacht, für die kein Geld da ist. Sie haben auf Pump gelebt und sollen nun die Schulden zurückzahlen. Die Abwertung des Euro setzte erst ein, als bekannt wurde, dass Griechenland derartig hoch verschuldet ist, dass es möglicherweise seine Schulden in Form von Anleihen nicht mehr bedienen kann. Die griechischen Regierungen haben mit ihren falschen Daten Europa zehn Jahre lang betrogen. Wer leiht schon gern jemandem Geld, von dem er erwarten muss, dass er es nicht zurückbekommt? Wohl niemand. Wer ist daran schuld? Der, der die Schulden gemacht hat oder jener, der damit rechnen muss, dass er das Geld nicht zurück bekommt und sich nun absichert? Zusätzlich bestand die Gefahr, dass bei einer Pleite Griechenlands vor allem die Banken in Deutschland und Frankreich pleitegefährdet sind, da sie den Griechen Anleihen von beinahe 100 Milliarden Euro abgekauft haben, die dann wertlos wären. Zur Staatspleite wäre eine Bankenpleite gekommen. Was das heißt, kann sich jeder selbst ausrechnen.

Die selbst auferlegten Regeln werden nicht eingehalten

Europas Politiker haben sich selbst nicht an die Regeln gehalten, die sie sich auferlegt haben:  Dass die Verschuldung nicht mehr als drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts betragen darf. Auch die Deutschen unter Kanzler Schröder haben das nicht getan. Dazu kommt noch eine Geburtsschwäche des Euro-Raums. Die Länder sind zu verschieden in Bezug auf Wirtschaftskraft, Finanzdisziplin und Kreditwürdigkeit, als dass sie eine Währungsunion bilden könnten. Nun sollen die Geburtsfehler des Euro beseitigt werden. Man darf gespannt sein, ob und wie sich die 16 verschiedenen Staaten einigen können.

Was machen die Politiker? Sie erhöhen die Steuern.

Was machen Politiker, wenn sie Geld brauchen? Richtig: Sie erhöhen die Steuern. Das soll nun mit einer Transaktionssteuer passieren. Die Spekulation werden sie damit nicht eindämmen. Sie versuchen damit lediglich, am Kuchen der Finanzwirtschaft mitzunaschen und die Löcher in ihren Haushaltskassen zu füllen. Spekulation wird es immer geben. Denn sie bedeutet nichts anderes als Erwartungshaltung.

 

  

Hält der Euro auf Dauer?

Montag, 17. Mai 2010

Volcker Economy 

Trotz des 750-Milliarden-Rettungsschirms steht der Euro auf tönernen Füßen. Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Josef Ackermann, bezweifelt,  dass Griechenland seine Schulden wird zurückzahlen können. Paul Volcker (Bild), ein vernünftiger Finanzmann, ehemaliger Chef der amerikanischen Notenbank FED und Berater des US-Präsidenten Barack Obama, hat Zweifel, ob sich der Euro auf Dauer wird halten können. Beide haben sich für ihre Äußerungen Rüffel der deutschen Regierung geholt. Während die Politiker den Ernst der Situation zu zerstreuen versuchen, sagen die Experten die Wahrheit. Und die ist alles andere als rosig.

Die Deutschen wollen die DM zurück

Der Euro hat am Freitag mit 1,2348 einen neuen Tiefststand gegenüber dem Dollar erreicht. Auslöser soll die Drohung des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy gewesen sein, aus der Euro-Zone auszusteigen. Dieses Gerücht mag stimmen oder nicht, doch es klingt nicht unplausibel. Während die Spitzen der deutschen Politik und Wirtschaft den Euro verteidigen, ist die Stimmung in der Bevölkerung längst gekippt. Die große Mehrheit wünscht sich die DM zurück. Selbst die renommierte Frankfurter Allgemeine Zeitung hat in ihrer Samstag-Ausgabe (Seite 15) Überlegungen über die Zukunft des Euro angestellt. Was wäre, wenn sich die Euro-Zone in zwei Gruppen aufteilen würde? Eine Hartwährungsunion aus Deutschland, Österreich, den Benelux-Staaten, Finnland, Tschechien und Polen. Der Rest der Euro-Zone bildeten eine Weichwährungsunion. Während die Hartwährungsländer aufwerteten, werteten die Weichwährungsländer ab. Die Idee im Hintergrund für diese Trennung ist das „Europa der zwei Geschwindigkeiten“.

So manche Politiker haben den Ernst der Lage noch nicht begriffen

Ob die europäischen Politiker den Ernst der Situation begriffen haben, dass sie ihre überbordenden Schulden abbauen müssen, muss noch immer bezweifelt werden. Als geistiges Nackabatzl hat sich der spanische Ministerpräsident Jose Luis Zapatero herausgestellt, der derzeit den Vorsitz im EU-Rat innehat. Bei einem vom besorgten spanischen König Juan Carlos initiierten Gipfeltreffen mit dem Oppositionsführer Mariano Rajoy  hat Zapatero energische Maßnahmen zur Sanierung des scher defizitären Haushalts abgelehnt. Es bedurfte des Drucks der deutschen Kanzlerin Angela Merkel und der Anrufe von Barack Obama und des chinesischen Ministerpräsidenten Wen Jiabao, dass sich Zapatero zu einem Sparpaket durchrang.