Archiv für Juni 2010

Papst-Gipfel endet mit Kompromiss

Mittwoch, 30. Juni 2010

ratzing

Die Auseinandersetzung in der römischen Kurie, wie die katholische Kirche mit den Missbrauchsfällen in ihren Reihen umgeht, hat mit einem Kompromiss geendet. Papst Benedikt XVI. hat den Wiener Kardinal Christoph Schönborn (Foto: spiegel.de) und den früheren Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano zu sich gebeten. Während Josef Ratzinger und Schönborn für einen offenen Umgang und eine umfassende Aufklärung plädierten, sah Sodano darin lediglich die persönliche Verfehlung einzelner.

Schönborn ist manchen im Vatikan zu mächtig

Schönborn hatte aus Sicht der vatikanischen Beamten seine Grenzen insofern überschritten, als er öffentlich kritisiert hatte, dass Sodano im Gegensatz zu ihm und Ratzinger eine Untersuchungskommission im Missbrauchsskandal von Kardinal Hans Hermann Groer abgelehnt habe. Diese Kritik Schönborns war ein Bruch der vatikanischen Tradition, dass interne Meinungsverschiedenheiten nicht nach außen getragen werden.

“Missverständnisse” wurden geklärt

In der vatikanischen Erklärung, die nach dem Gipfel am Montag, an dem neben Ratzinger, Schönborn und Sodano auch Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone teilgenommen hat, herausgegeben wurde, hieß es, es seien einige „Missverständnisse“ geklärt worden, die „teils“ auf Äußerungen von Schönborn zurückzuführen seien. Insbesondere wurde daran erinnert, dass bei Anklagen gegen einen Kardinal nur der Papst zuständig sei.

Bedeutet “chiacchericcio” Geschwätz oder Tapferkeit?

Kardinal Sodano, der ja bei der Ostermesse am Petersplatz plötzlich das Wort ergriffen hat, um öffentlich seine Solidarität mit dem kritisierten Papst kundzutun, nutzte die Gelegenheit, das „Missverständnis“ um das von ihm verwendete Wort „chiacchericcio“ (Geschwätz) klarzustellen. Der Begriff sei irreführend als Mangel an Respekt für die Opfer sexuellen Missbrauchs interpretiert worden. Das Wort, so Sodano, sei wörtlich aus der Palmsonntagspredigt von Benedikt XVI. entnommen worden. Dort sei sie auf die „Tapferkeit“ bezogen gewesen, „sie sich nicht vom chiachierriccio (Geschwätz) der herrschenden Meinungen einschüchtern lässt“.

“La Repubblica” spricht von Machtkampf

Die gewöhnlich gut informierte „La Repubblica“ schrieb, dass im Vatikan ein Machtkampf ausgebrochen sei zwischen jenen, die mit dem Thema Missbrauch offener umgehen wollten und jenen, die an Aufklärung nicht so interessiert seien. Mit Argwohn werde im Vatikan auch der exzessive und überproportionale Aufstieg des möglichen Papst-Nachfolgers Schönborn beobachtet.  Aus der Umgebung von Schönborn wurde verlautet, dass der Wiener Erzbischof mit dem Ergebnis des Gesprächs leben könne. Es handle sich um einen typisch römischen Text, mit dem alle zufrieden sein könnten.

  

Fussball-WM: Führt endlich den Videobeweis ein!

Montag, 28. Juni 2010

lampard

Alle Welt sieht es, nur die Schiedsrichter sehen es nicht. Der Schuss des Frank Lampard (Bild: sportschau.de) an den Querbalken in der 38. Spielminute schlug deutlich hinter der Torlinie auf. Doch den Engländern wurde das Tor vorenthalten. Deutschland konnte den 2:1 Vorsprung in die Pause retten und schickte England gestern schließlich mit 4:1 nach Hause.

Mexiko krass benachteiligt

Abends wurde dann Mexiko Opfer schiedsrichterlicher Fehlentscheidungen. Das 1:0 der Argentinier war eindeutig ein Abseitstreffer. Doch der Pfiff des Unparteiischen blieb aus und die bis dahin besseren Mexikaner gerieten in Rückstand, den sie nicht mehr aufholten.

Spielentscheidende Fehlpfiffe

Angesichts derartig schwerwiegender und spielentscheidender Fehlpfiffe ist die Einführung des Videobeweises unumgänglich. Es steht zu viel auf dem Spiel, dass man weiterhin so dilettantisch agieren darf. Millionen und Milliarden Zuseher auf den Fernsehschirmen sehen, wie sich die Dinge tatsächlich auf dem Platz abspielen. Fehlentscheidungen werden sofort offenbar. Doch der Weltfußballverband FIFA, angeführt von behäbigen, altgedienten Funktionären, lässt den Videobeweis nicht zu.  Wenn es noch eines deutlichen Fingerzeiges für dessen Einführung bedurft hätte, so war das am gestrigen Spieltag zwei Mal der Fall.

 

Die Kleinen schicken die Großen nach Hause

Freitag, 25. Juni 2010

 italien

Die Franzosen sind schon zu Hause, die Italiener kommen nach. Die Blüte der Zwerge bei der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika geht weiter. In einem unglaublichen spannenden Spiel schickte die kleine Slowakei den Weltmeister von 2006 gestern vorzeitig zurück.

Die Realität holt die Träume ein

Diese Prognosen hätten wohl vor der WM niemand geglaubt. Auch hier beweist sich einmal mehr. Die Realität holt die Träume ein. Auch der Sieg von Japan über Dänemark ist eine Sensation. Die Dänen reisen ebenfalls vorzeitig zurück nach Europa. Am Sonntag fährt nach dem Spiel Deutschland gegen England ein weiterer Turnierfavorit nach Hause.

Die Großen sind saturiert, die Kleinen spielen beherzt auf

Die sogenannten Kleinen spielen beherzt und unbelastet auf. Die großen europäischen Nationalmannschaften sind voll mit Stars und Egoisten. Die hochbezahlten Spieler kommen ausgebrannt aus den Spielen der nationalen Meisterschaften und der Championsleague. Zudem haben sie häufig Probleme, sich unterzuordnen und ein Team zu bilden. Besonders augenscheinlich war das bei den Franzosen. Nach dem Gewinn des Weltmeistertitels 1998 sind sie nun auf einem Tiefpunkt angelangt.

Die Globalisierung macht auch die Welt des Fußballs klein

Diese Weltmeisterschaft ist unglaublich spannend. Sie wird es bleiben, denn die ehemals weiten Qualitätsabstände zwischen den ehemaligen großen Fußballnationen und den sogenannten Zwergen sind massiv geschrumpft. Heute kann faktisch jeder jeden schlagen. Die Effekte der Globalisierung sind im Fußball besonders deutlich. Die Welt rückt näher zusammen.    

 

Bill Clintons Feuer lodert immer noch

Donnerstag, 24. Juni 2010

clinton

Mit heiserer Stimme und Feuer in den Augen gab Bill Clinton nach dem gestrigen Sieg der 1:0 Sieg der USA gegen Algerien und dem damit verbundenen Aufstieg in die nächste Runde der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika ein Interview. Die Begeisterung über die Leidenschaft der US-Boys war ihm ins Gesicht geschrieben. Angriff um Angriff hatten sie gegen das algerische Tor geführt, Chance um Chance vergeben. Aber sie gaben nicht auf. Ihre Beherztheit wurde in der 91. Minute mit dem Siegestor belohnt.

Er hat einfach Herz

Der ehemalige US-Präsident hat einfach Herz. Er hat es oft bis über Adie Grenze belastet, mehrere Stents mussten ihm bereits eingesetzt werden. Sein Charisma ist noch immer überwältigend. Kein Wunder, dass da nicht nur Praktikantinnen im Weißen Haus schwach werden. Er ist eine faszinierende Persönlichkeit. Immer wieder stand er auf der Tribüne auf, um seinen Boys zu applaudieren.

Der Mann ist grooßartig

Auch wenn ihm manche seinen präsidialen sexuellen Ausflug mit Zigarre im Schoß von Monica Lewinsky bis heute nicht verzeihen: der Mann ist großartig. Er verkörpert Lebensfreude und er hat sich bis heute seine lausbübisches Grinsen bewahrt. Vergleicht man seine achtjährige Präsidentschaft mit der der Vorgänger und Nachfolger, so muss man sagen, er hat wunderbar regiert. Gäbe es doch mehr solche Bill Clintons!

 

Die Kirche ist zu wenig offen und zu hierarchielastig

Donnerstag, 24. Juni 2010

Die Bischofskonferenz hat getagt und es ist immerhin einiges herausgekommen. So werden Priester sofort dienstfrei gestellt, sollte ein begründeter Verdacht auf sexuellen Missbrauch bestehen. Dies ist doch eine ganz wesentliche Änderung. Ich erinnere mich an einen Fall, der in meiner Zeit als Chefredakteur der Rundschau passiert ist. Im Zeitraum 2003/2004 berichtete die Rundschau in einem Aufmacher über Übergriffe eines Religionsprofessors in Linz. Er soll Jugendliche in seine Wohnung eingeladen zum Alkohol verführt haben, um sich ihnen in Folge unsittlich zu nähern.  Der Priester wurde versetzt und Pfarrer im Bezirk Grieskirchen.

Die Kirche wusste immer schon ihre Macht einzusetzen

Der Herausgeber der Rundschau und meine Wenigkeit wurden in der Folge vom Generalvikar der Diözese zu einem Gespräch geladen. Er erklärte uns, dass er mit dem Artikel wenig Freude habe und er erwarte, dass er darüber im Vorhinein informiert werden möchte. Es sprach es zwar nicht so direkt aus, aber er hat gemeint, wir sollten ihn über Fälle wie diesen informieren, aber in der Zeitung nichts schreiben. Dies geschah zu einer Zeit, als die Kirche keine Anteile mehr an der Rundschau hielt, sich aber das Zustimmungsrecht bei der Bestellung des Herausgebers und des Chefredakteurs gesichert hatte. Die Kirche wusste immer schon ihre Macht und Einflussmöglichkeiten einzusetzen.

Ist die Kirche aus sich heraus überhaupt reformfähig?

Nun soll das alles anders werden. Die Energie, die Kardinal Christoph Schönborn in die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle der vergangenen 50 Jahre gesetzt ist, lässt hoffen.  Doch um einige kritische Frage kommt die römisch-katholische Kirche nicht herum. Warum hat eine Institution, die sich die Wahrheit und Gewaltlosigkeit auf die Fahnen schreibt, nicht die Kraft, aus sich heraus zu verhindern, dass es zu solchen Fällen kommt? Wie kann es passieren, dass die Wahrheit jahrzehntelang unterdrückt wurde? Die Kirche hat erst reagiert, als die Opfer den Weg über die Gesellschaft wählen mussten, um die Kirche und ihre Vertreter auf ihr Leid aufmerksam zu machen.

Es braucht strukturelle Änderungen

Die Kirche ist nicht offen genug, sie ist zu Hierarchie-lastig. Einige wenige entscheiden alles. Wenn sie sich hier nicht strukturell ändert, werden all‘ die Änderungsbeschwörungen und Ombudsstellen nicht helfen. Die Kirche muss ihre verkarsteten Strukturen aufbrechen und wesentlich stärker auf ihre Mitglieder und Mitarbeiter hören. Sie wissen, wo es fehlt, was nicht zeitgemäß ist und was die Gotteskinder erwarten. 

Ein neuer roter Star wurde aufs ÖBB-Pferd gesetzt

Mittwoch, 23. Juni 2010

pelinka

Der Mann muss ja wirklich ein Talent sein. 23 Jahre ist er jung und schon wird er Leiter der Abteilung Public Affairs bei der schwer defizitären Bundesbahn. Diese Bestellung hat sicher nichts damit zu tun, dass er bisher Pressesprecher der eher glücklosen Bildungsministerin Claudia Schmied war. Und auch damit nichts, dass er seit April Sprecher des SPÖ-„Freundeskreises“ im ORF-Stiftungsrat ist. Der junge Mann ist einfach unglaublich qualifiziert.

Der Vater vermittelte ihm das Talent

Nikolaus Pelinka wird sich diese Positionen hart erarbeitet haben. Sein Vater Peter Pelinka, ehemals Chefredakteur der Arbeiterzeitung und nunmehr Chefredakteur der Illustrierten „News“, wird seinem Sohn das Medientalent einfach in die Wiege gelegt haben. Wir dürfen auch überzeugt sein, dass Pelinka senior seine Arbeit bei News und als Moderator der ORF-Diskussionssendungen am Sonntagabend unbeeinflusst und ohne SPÖ-Nähe gestalten wird. Wir sind sicher, dass auch Peter Pelinkas Bruder, der Politikwissenschafter Pelinka, seine politischen Analysen ohne Linksdrall unters Volk bringen wird.

Verhaberungen

Nur böse Zungen werden hier behaupten, dass es sich um unzulässige Verhaberungen handelt. Wir glauben vielmehr dem SPÖ-Vorsitzenden und Bundeskanzler Werner Faymann, der am Dienstag den Vorwurf der politischen Einflussnahme bei der Besetzung Pelinkas zurückgewiesen hat. Wir sind sicher, dass hier alles mit rechten - sprich linken - Dingen zugegangen ist.

  

Die große Koalition versagt

Dienstag, 22. Juni 2010

reinkarnation

 

Verschieben, verschieben, verschieben. Das ist die derzeitige Leistung der österreichischen Regierung. Alle drängenden Probleme und Fragen werden auf die Zeit nach dem 10. Oktober verschoben. So sind sie, die Politiker. Sie meinen, wenn sie die Wählerinnen und Wähler mit Belastungen verschonen, werden sie die Landtagswahlen in der Steiermark und Wien ungeschoren überstehen.

Die Menschen wissen längst, was auf sie zukommt

Sie unterschätzen, dass die Menschen längst wissen, was Sache ist. Ihnen ist klar, dass Belastungen kommen werden. Wenigstens ein Teil der Schulden muss zurückbezahlt werden. Über mögliche Maßnahmen wird schon seit Monaten diskutiert. Die ÖVP möchte die Mineralölsteuer erhöhen, die SPÖ die sogenannten Reichen zur Kasse bitten.

Wofür beziehen die Minister ihr Gehalt?

SPÖ und ÖVP versagen derzeit völlig. Man muss die Minister fragen, wofür sie ihr Gehalt beziehen. Für bloßes Verwalten von Schulden? Sie machen ihre Aufgaben nicht. Das Pensionssystem muss reformiert werden, die Menschen gehen zu früh in Rente. Die Staats- und Verwaltungsreform ist überfällig. Die Vorschläge von den Experten liegen auf dem Tisch. Lediglich die Politiker entscheiden nicht. Sie haben Angst, ihren eigenen Wählergruppen weh zu tun. Die SPÖ muss die ÖBB sanieren, die ÖVP Kürzungen bei den Beamten durchsetzen. Aber nichts passiert.

Gnadenfrist bis Weihnachten

Die große Koalition hat noch eine Gnadenfrist bis Weihnachten. Wenn sie bis dahin nicht Maßnahmen zum Schuldenabbau, zur Anpassung des Pensionssystems und der Staats- und Verwaltungsreform setzt, sollte sie zurücktreten und eine andere Regierung die Probleme lösen.

Ein Wunder: Die Beziehung hält seit 400 Jahren

Montag, 21. Juni 2010

ortenburg

Der Glaube versetzt Berge. Das belegen die Beziehungen zwischen Ortenburg im Landkreis Passau und der 100 km weit entfernten Bevölkerung aus der oberösterreichischen Region um die Bezirksstadt Grieskirchen. 1626  trafen in der Grafschaft Ortenburg (das Bild zeigt das Schloß) die ersten evangelischen Flüchtlinge aus diesem Raum ein, die vom katholischen Habsburgerkaiser Ferdinand II. vertrieben worden waren. Nun, fast 400 Jahre später, stellten sich die Ortenburger den Grieskirchnern im Rahmen der Ortenburg-Woche vor.

Ortenburg-Woche in Grieskirchen

Weißwürste und Brezen waren Samstagvormittag jene Produkte, die von den  Grieskirchnern am stärksten nachgefragt wurden.  Am Stadtplatz präsentierten sich Ortenburger Betriebe mit ihren Spezialitäten. Es gab Mostkuchen, Honig, Most, Likör, Stickereien etc. an den Ständen am Stadtplatz. Zwischendurch erklangen die Stimmen des gemischten Chores. „Ich bin angenehm überrascht, wie sehr sich unsere Bevölkerung beteiligt“, sagte Ortenburgs Bürgermeister Hans Halser. Dieser Tag des Marktes war ein Teil der Ortenburg-Woche. Vergangenen Mittwoch hatten bereits Ortenburger Schüler Grieskirchner Schulen besucht. Donnerstagabend wurde über die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Bayern und Oberösterreich diskutiert, Freitagabend wurde die Ortenburg-Ausstellung im Grieskirchner Rathaus eröffnet. Anschließend spielten und sangen im Pfarrsaal der Männergesangsverein Unteriglbach, der Aushamer Viergesang und das Ensemble „PompAdur“. Der Heimatforscher Walter Fuchs brachte den Grieskirchnern in Bilder die Schönheiten und die Geschichte der 7200-Seelen-Marktgemeinde näher. Samstagabend gab es eine Begegnung mit der Gemeinde Wallern, Sonntagvormittag einen Festgottesdienst in der evangelischen Kirche.

Der Glaube überwand alle Hindernisse

Der gemeinsame protestantische Glaube hat die Bindungen zwischen den Evangelischen in Oberösterreich und dem bayerischen Ortenburg über die Jahrhunderte eng und lebendig gehalten. Graf Friedrich Casimir (1591-1658) von Ortenburg, der selbst der neuen Lutherischen Lehre anhing, gewährte den Flüchtlingen aus dem Land ob der Enns Schutz. Die einen zogen weiter in die Reichsstädte Regensburg, Nürnberg, Augsburg, etc., die anderen blieben in Ortenburg. Unmittelbar vor Ostern 1626 fanden hundert dieser Flüchtlinge, davon 42 Kinder, zumeist aus dem Raum Grieskirchen, Neumarkt und Peuerbach in Ortenburg Zuflucht. Bis Ende 1626 trafen nochmals mehr als 100 Glaubensflüchtlinge ein. Da für die vielen Obdachlosen auf Dauer keine entsprechenden Wohnungen zur Verfügung standen, überließ ihnen der Graf in dem östlich von Ortenburg gelegenen Waldgebiet Grund und Boden, den sie roden und sich darauf ansiedeln konnten. So entstanden die heutigen Orte Vorderhainberg und Hinterhaimberg. Die Oberösterreicher brachten aus ihrer Heimat den Mostobstbau mit.

Evangelische Enklave inmitten des katholischen Bayern

Ortenburg konnte sich als evangelische Enklave inmitten des katholischen Bayern halten. Grund dafür war ein Urteil des Reichskammergerichts in Speyer vom 4. März 1573, das die damals von Bayern bestrittene Reichsunmittelbarkeit der Grafschaft Ortenburg betätigt hatte. Es war dies ein Sieg des Grafen Joachim zu Ortenburg über den bayerischen Herzog Albrecht V. Graf Joachim war 1563 offiziell zum Protestantismus übergetreten, was dem Herzog ein Dorn im Auge war. Die Mehrheit der Bevölkerung war ebenfalls evangelisch, doch Graf Joachim war klug und weise genug, den Katholiken in seiner Grafschaft weiterhin die ungestörte Ausübung ihres Glaubens zu erlauben.

Die Geheimprotestanten gingen wallfahren

Während die eine Gruppe der Evangelischen aus Österreich flüchtete, kehrten andere Österreicher wieder zwangsbekehrt zum Katholizismus zurück, um ihre Höfe und ihren Besitz nicht aufgeben zu müssen. Sie betrieben ihren Glauben im Geheimen und wurden deshalb als Geheimprotestanten bezeichnet. Geheimprotestanten aus ganz Oberösterreich machten regelmäßig Wallfahrten nach Ortenburg, um dort evangelische Predigten zu hören und das evangelische Abendmahl zu empfangen. Offziell gaben sie an, nach Altötting zum katholischen Marienwallfahrtszentrum zu gehen, tatsächlich marschierten sie aber nach Ortenburg. Von dort schmuggelten sie auch potestantische Bücher mit nach Hause. 

Die Pfarrer aus Wallern kamen aus Ortenburg

Als nach dem Toleranzpatent von Kaiser Josef II. die Ausübung des Protestantismus 1781 in Österreich erlaubt worden war, kam mit Jakob Koch ein Ortenburger als erster Pfarrer nach Wallern (Bezirk Grieskirchen). Er war der Bruder des damaligen Ortenburger Pfarrers. Die Familie Koch besetzte über vier Generationen die Pfarrersstelle von Wallern, der letzte ging 1936 in Pension.

Bindungen durch Heiraten gefestigt

Gefestigt wurden die Bande zwischen den Geheimprotestanten in Oberösterreich und den Evangelischen in Ortenburg auch durch Heiraten. Denn junge Protestanten suchten nach einer Braut potestantischen Glaubens.

Das Land ob der Enns war zu 80 Prozent protestantisch

Die oberösterreichische Landesausstellung ist heuer dem Thema „Reformation und Renaissance“ gewidmet. Sie findet im Renaissanceschloss Parz bei Grieskirchen statt. Zur Zeit der Reformation war das Land ob der Ens zu 80 Prozent protestantisch, wurde aber im Zuge der Gegenreformation fast komplett zwangsbekehrt. Zu sehen ist ind er Landesausstellungim Schloß Parz auch ein silberner Abendmahlskelch aus Ortenburg aus dem Jahr 1573. Die eingangs beschriebene Ortenburg-Woche soll die alten Beziehungen zwischen Oberösterreich und Bayern festigen. Es gibt nicht wenige Nachfahren von nach Bayern geflüchteten Evangelischen, die die Ausstellung zum Anlass nehmen, um nach ihren Wurzeln zu suchen.   

  

 

  

Dichands Abgang wird die Medienlandschaft verändern

Freitag, 18. Juni 2010

dichand

Er verweigerte die Mitgliedschaft im Zeitungsherausgeberverband, doch so manche Verleger wollten sein wie er. Sie wollten soviel Geld verdienen wie er, sie wollten in der Politik so mitmischen wie er. Doch Hans Dichand blieb Zeit seines Lebens unerreicht.

Viele Politiker orientierten ihre Entscheidungen an Dichands Meinung

Der Tod des 89-jährigen Zeitungszaren wird gravierende Auswirkungen haben. Sein Abgang wird die Politik und die Medienlandschaft verändern. Nicht wenige Politiker orientierten ihre Entscheidungen daran, was wohl Dichand dazu sagen würde. Sein Einfluss war ein indirekter und direkter zugleich. Bezog er mit seinem Kleinformat einmal Position, hielten nur wenige Politiker dagegen stand. Wer sich ihm und seinen Interessen unterwarf, wurde gefördert. Nicht wenige ließen sich so „kaufen“.

Er verfügte über einen genialen Spürsinn

Sein Erfolg gründete sich auf seinem teilweise genialen Spürsinn. Er wusste, wo die Meinung des kleinen Mannes zu Hause war. Seinen Grundprinzipien bleib er treu. Er setzte auf das Kleinformat, auf kurze Artikel und auf Kolumnisten. Während viele andere Blattmacher ihr Konzept den Zeitumständen anpassten, behielt er seine Linie bei. Seine Leser dankten es ihm.

Missbrauch der publizistischen Macht

Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten. Mit seinen Kampagnen missbraucht er da und dort seine publizistische Macht, doch er konnte sich das leisten. Mit drei Millionen Lesern war die Kronen Zeitung unerreicht an der Spitze. Er starb wie er gelebt hatte. Von der Redaktion, die er täglich besuchte, wurde er ins Spital gebracht. Mit der Gründung der Krone hat er Ende der 50-er Jahre die österreichische Medienlandschaft aufgemischt. Sein Tod wird sie neuerlich verändern.     

Die Weltmeisterschaft der Außenseiter

Donnerstag, 17. Juni 2010

14759883

Natürlich war Spanien überlegen. Angriffswelle um Angriffswelle rollte gegen das Schweizer Tor. Doch das Bollwerk war nicht löchrig wie Schweizer Käse, sondern hielt stand. Das vom Strategen Othmar Hitzfeld geplante Konterspiel ging auf. Die Schweiz besiegte Europameister Spanien sensationell mit 1:0.

Die Kleinen fordern die Favoriten

Die Niederlage des Turnierfavoriten Spanien war der Höhepunkt der Überraschungen, die die kleinen Länder bisher bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika boten. Die Favoriten hatten alle Probleme, die Außenseiter zu schlagen. Weltmeister Italien kam gegen Paraguay über ein 1:1 nicht hinaus. Brasilien hatte alle Hände voll zu tun, um Nordkorea (!) 2:1 zu besiegen. Südkorea schlug den Europameister von 2004, Griechenland, mit 2:0. Die USA erreichten gegen England, das Mutterland des Fußballs, ein Remis: 1:1. Die Elfenbeinküste trotzte den Stars von Portugal ein 0:0 ab. Die Reihe ließe sich fortsetzen.

Die Globalisierung stärkt die Außenseiter

Bisher war die Fußball-WM das Turnier der kleinen Mannschaften. Die Welt ist nicht nur wirtschaftlich zusammengerückt, die Globalisierung hat auch das Niveau der ehemals haushoch Unterlegenen gehoben. Fußball wird nicht mehr nur von Europa und Lateinamerika dominiert, sondern findet heute weltweit in guter Qualität statt.

Die WM in Südafrika war eine richtige Entscheidung

Die WM in Südafrika stattfinden zu lassen, war eine richtige Entscheidung. Es hebt das Selbstbewusstsein des schwarzen Kontinents, der in der weltweiten Entwicklung hinten nachhinkt. Die Menschen rund um den Globus erfahren viel über das wunderschöne Land am Kap der guten Hoffnung. Nicht nur das Positive, sondern auch über die Probleme. Die Vuvuzelas kennt inzwischen fast jeder. Sie rufen die Welt auf, Südafrika zu sehen.