Die armen Schweine

Ist es moralisch vertretbar, wenn 29 Schweine narkotisiert und dann im Schnee eingegraben werden, um zu untersuchen, wie es Lawinenopfern ergeht? Genau das passierte im Tiroler Ötztal, mit Genehmigung der zuständigen Ethikkommission. Das Bauchgefühl sagt nein. Diese Tiere sind liebevolle Lebewesen, denen man einen derartigen Tod nicht antun darf.
Ist die Empörung scheinheilig?
Aber ist unsere Empörung nur eine oberflächliche und scheinheilige? Denn täglich werden in Österreich, in Europa und vielen Teilen der Welt hunderttausende Schweine industriell abgeschlachtet. Viele von ihnen wurden geradezu industriell hochgezüchtet, nur zum Zweck des späteren Tötens, damit die Menschen billiges Fleisch essen können. Da sterben ja die 29 Schweine in Tirol einen vergleichweise sinnvollen Tod, wenn aus den Erkenntnissen später Menschenleben gerettet werden können. Denn die meisten Schweine werden nur zum Zweck geschlachtet, dass sich die Menschen mit deren Fleisch die Bäuche vollschlagen können.
Wie gehen wir mit den Tieren um?
Der Tod der Lawinenschweine weist uns auf ein Tabu der westlichen Welt hin. Wie gehen wir mit den Tieren um? Durch die industrielle Tötung und die kleinteilige Schnitzel-Verpackung im Supermarkt haben wir verlernt, was es heißt zu töten. Wir haben vergessen, dass Blut an unseren Fingern klebt, wenn wir Fleisch essen. Wir haben verlernt, dass Nahrung etwas Wertvolles ist, das seinen Preis hat. ÂÂ
Recht auf Würde im Leben und im Tod
Es gibt Menschen, die aus Achtung vor den Tieren vegetarisch leben. Jene, die nicht auf Fleisch verzichten wollen oder können, sollten sich dessen bewusster sein, was das Fleisch am Teller bedeutet. Dass auch Tiere ein Recht auf Würde haben, im Leben und im Tod.