“Keine Lösung ist auch eine Lösung”

Wie gehe ich mit den “Macken” meines Partners um? Viele Ehen setzten ihre Existenz aufs Spiel bei den Versuchen ihre Eheprobleme zu lösen, meint Arnold Retzer. Viele Ehen würden an der Lösung scheitern (Bild: welt.de). Retzer ist einer der bekanntesten Paartherapeuten Deutschlands und hat das Buch “Lob der Vernunftehe” (Verlag Fischer) geschrieben, das er morgen Dienstag, den 26. Jänner 2010 um 19.30 Uhr bei Thalia, Linz-Landstraße 41, vorstellt.
Den Soll-Zustand auf den Ist-Zusand herunterschrauben
Es gebe zwei prinzipielle Möglichkeiten, Probleme zu lösen. Die übliche: Ist-Zustände auf Soll-Zustandsniveau zu bringen. Die zweite, weniger verbreitete Lösungsstrategie: Den Soll-Zustand auf Ist-Zustandsniveau herunterzuschrauben. Retzer greift zu einem Vergleich. Mitteleuropäer mag das Wetter zu vielen Jahreszeiten des Jahres nicht gefallen. Wenn wir nun zum Beispiel das Regenwetter zu einem Problem erklären, dann müssen wir uns nach Lösungen umschauen. Man könne Sonnentänze veranstalten, Gebete an Sonnengötter richten, etc. In den meisten Fällen werde sich kaum etwas ändern. “Wir gewinnen Energie und Zeit, indem wir uns Tänze, Gebete, etc. ersparen und wir gewinnen neue Möglichkeiten: man kann sich angemessene Regenbekelidung besorgen, vielleicht sogar einen Schirm, in den Süden fliegen……”
Diei resignative Reife: vom Vertragen zum Ertragen
Dauerhafte Beziehungen haben dauerhafte Probleme, Konflikte und Themen. Sich einen dauerhaften Partner aussuchen heißt, sich ein paar dauerhafte Probleme auszusuchen. “Entscheidend für Erfolg oder Misserfolg der Beziehung ist die Art des Umgangs mit Konflikten…..Es kommt also letztlich nicht darauf an, sich zu vertragen, d.h. Probleme zu lösen, sondern darauf, sich zu ertragen und mit Restriktionen zu leben.” Paare wüßten um diese unlösbaren Probleme, sie bezeichneten sie als “Macken”. Retzer nennt die Fähigkeit, ein Leben, eine Beziehung mit ihren Restriktionen zu ertragen, als resignative Reife.
Kritik fordert die Verteidigungsposition heraus
Vielleicht, so schreibt Retzer, hat man auch die Erfahrung gemacht, dass sich gelegentlich Probleme - fast wie von Geisteshand gesteuert - von selbst lösen, wenn sie nicht mehr den anstrengenden Veränderungsgeboten unterworfen werden. Die Erklärung sei einfach. Ein Partner, der ständig aufgefordert werde, sich zu veärndern, fühle sich, seinen Lebensstil, seine Überzeugungen und seine Autonomie in Frage gestellt. Die Folge: die Verteidigungsmaßnahmen stabilisierten genau das, was angegriffen werde. Lasse man die Angriff, würden auch die Verteidigungsmaßnahmen überflüssig. Veränderung könne möglich werden. Selbst “unlösbare” Probleme könnten sich manchmal in Luft auflösen, wenn man sie nicht zu verändern suche.