Der Rücktritt von Bischöfin Käßmann ist ein Verlust

kaessmann 

Der Rücktritt dieser Frau ist ein Verlust, ein schwerer Verlust. Sie führte ihr Amt mit einer Offenheit und Ehrlichkeit, die beeindruckten. Sie bekannte sich zu ihrer Krebserkrankung (2006) und zu ihrem Scheitern in der Ehe (2007), die ungewöhnlich waren.  An der Spitze der kirchlichen Karriere angelangt, zieht sie Konsequenzen, die sie dorthin katapultieren, wo sie begonnen hat: als Pastorin. Die deutsche evangelische Bischöfin und Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Margot Käßmann, hat ihre Ämter zurückgelegt. Die 51-jährige, vierfache Mutter zog damit die Konsequenzen einer alkoholisierten Autofahrt vom Wochenende, bei der sie mit 1,54 Promille erwischt worden war, nachdem sie eine Ampel bei rot überfahren hatte.

Der persönliche Preis für das Amt war ihr zu hoch

Käßmann hat die Auseinandersetzung nicht gescheut. So hat sie den Afghanistan-Einsatz der deutschen Truppen kritisiert und damit ausgesprochen, was viele denken. Die Konflikte und die dauernde öffentliche Präsenz haben ihr zugesetzt, sodass kürzlich bereits bekannt hatte, sie wünsche sich die Privatsphäre zurück. Dies waren zweifellos die Hintergründe, die sie nun zum Rücktritt veranlassten. Dabei war sie erst vier Monate als Chefin der deutschen Protestanten im Amt. Der persönliche Preis, den sie für das Amt zahlen sollte, war ihr offensichtlich zu hoch.

Wer nie zu tief ins Glas schaut, werfe den ersten Stein

Natürlich ist es alles andere als vorbildlich, mit derartigen Menge Alkohol am Steuer erwischt zu werden. Aber das ist kein Rücktrittsgrund. Wer ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein. Sie hat niemanden verletzt und Fehler zu machen ist menschlich. Zu tief ins Glas zu schauen kann jedem passieren. Würden solche Maßstäbe angelegt, müssten täglich unzählige Amts-und Würdenträger zurücktreten.

Sie ließ niemanden kalt

Käßmanns Rücktritt ist deshalb so bedauerlich, weil sie in einer unglaublich authentischen Weise diese Position ausfüllte. Als erste Frau in dieser Funktion legte sie einen neuen Stil an den Tag. Sie spielte nicht die Rolle der Unfehlbaren, sondern sie bekannte sich zu ihren Schwächen und zu ihrem Ringen. Zugleich war sie mit ihren Positionen ein öffentlicher Reibebaum, der die Menschen zur Positionierung herausforderte. Sie ließ niemanden kalt.

Ihr Verhalten war und ist konsequent

Konsequent war ihr Verhalten in der Vergangenheit, konsequent ist ihr Rücktritt nach der Alko-Fahrt. Konsequent wird die vierfache Mutter auch in der Zukunft bleiben. Ihr Sein und Wesen wird auch in Zukunft gefragt sein. Sie hat in vier Monaten soviel profil gezeigt, dass sie der Öffentlichkeit auch in Zukunft erhalten bleiben wird. In welcher Rolle auch immer.

 

Eine Antwort zu “Der Rücktritt von Bischöfin Käßmann ist ein Verlust”

  1. Exorzist sagt:

    ja, eine äußerst unbequeme hatte die moralische stärke zurückzutreten.
    ein zufall, daß sie “erwischt” wurde ? ich glaube nicht mehr an zufälle !
    schauen wir uns doch mal andere “persönlichkeiten” an wie z. b. den CSU-politiker otto wiesheu.
    der fuhr im suff einen menschen tot und platt, wurde kurz aus dem verkehr gezogen und ist heute höher in der karriereleiter als je zuvor …
    persönlich verantwortung übernehmen - etwas UNDENKBARES für berufspolitiker und rinnen …

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