Die Liebe zwischen den Griechen und den Deutschen ist erkaltet

milo

Die Griechen sind von den Deutschen enttäuscht. Anders kann man die Flugblattaktion des griechischen Einzelhandelverbandes in der Athener Innenstadt nicht erklären. Der Verband fordert zum Boykott deutscher Waren auf. Anlass für die Aktion ist das Titelblatt des Magazin „Focus“, das die Venus von Milo (Bild) mit einem ausgestreckten Mittelfinger neben dem Schriftzug „Betrüger in der Euro-Familie“ zeigt.

Es herrscht doch Pressefreiheit, Herr Präsident!

„Wir fordern die deutsche Regierung auf, diese äußerst unangebrachte Publikation zu verurteilen“, fordert der Präsident des griechischen Verbraucherinstituts, Giorgios Lakouritis. Der Herr Präsident müsste wissen, dass in Deutschland Pressefreiheit herrscht und die Regierung hier nicht eingreifen kann. Möglicherweise ist das in Griechenland anders. „Die Griechen sind keine Betrüger“, behauptet der Herr Präsident weiters.  Das hat auch niemand behauptet. Tatsache ist aber, dass die griechischen Regierungen ganz Europa mit ihren gefälschten Zahlen betrogen haben. Sie haben sich damit den Euro-Beitritt erschwindelt und sie haben die EU jahrlang hinters Licht geführt.

25 Prozent der Griechen sind Staatsangestellte

Tatsache ist aber auch, dass die griechischen Medien die im Land herrschende Korruption anprangern. Das ist keine Erfindung oder negative Behauptung des Auslands, sondern eine innergriechische Kritik, mit der sich die Griechen selbst auseinandersetzen sollten. Tatsache ist drittens, dass jeder vierte Grieche ein Staatsangestellter ist. Dieser Prozentsatz ist doppelt so hoch wie im attackierten Deutschland. Der Staat wird von vielen als Selbstbedienungsladen angesehen. Dies erinnert eher an afrikanische Zustände als an europäische Verhältnisse. Und warum die Griechen ihrer eigenen Jugend keine Perspektiven und Chancen anbieten können, müssten eigentlich die Griechen selbst am besten wissen.

Haben die Deutschen tatsächlich auf den Bäumen Bananen gegessen?

Das alles hält aber Giorgios Lakouritis nicht davon ab, die Deutschen im Flugblatt zu beschimpfen. „Die Verfälschung einer Statue der griechischen Geschichte, Schönheit und Zivilisation, die aus einer Zeit stammt, wo die Deutschen Bananen auf Bäumen gegessen haben, ist unverzeihlich und nicht hinnehmbar.“ Dass die Deutschen in der Frühzeit Bananen auf den Bäumen gegessen haben sollen, ist vermutlich historisch nicht belegbar. Aber dass die Griechen eine wunderbare Geschichte haben, das stimmt. Leider ist ihnen dieses Denken und der Heroismus etwas abhanden gekommen. Heute sind so manche wehleidig und Jammerer.

Enttäuschte Liebe 

 Die momentanen Spannungen zwischen Deutschen und Griechen sind so etwas wie enttäuschte Liebe. Nach der deutschen Besetzung Griechenlands im Zweiten Weltkrieg besserten sich die Beziehungen. Die Griechen kamen als Gastarbeiter nach Deutschland, sie eröffneten gute und nette Lokale, die Deutschen fuhren gern auf die griechischen Inseln auf Urlaub. Deutschland finanzierte viele Jahre die EU, deren Gelder auch zu einem erheblichen Ausmaß nach Athen flossen. Aber nun ist der Geldsegen zu Ende, Deutschland hat selbst Probleme, seinen eigenen Haushalt zu finanzieren.  Die Griechen stehen mit den Schulden da und müssen sich ihre Suppe selbst auslöffeln. Das ist bitter.

Hinterlasse eine Antwort