“Larmoyante, selbstbemitleidende Bequemlichkeit in Europa”

Austria AIT 

Erinnern Sie sich noch an die „Lissabon-Strategie“, die die EU vor einigen Jahren ausgerufen hat? Europa sollte bis 2010 zum wettbewerbsfähigsten Wirtschaftsraum der Welt gemacht werden. Nun sind wir mitten im Jahr 2010 und Europa ist drauf und dran, hinter den USA und Asien auf den dritten Rang abzurutschen.

Die Krise stärkte Asien, vor allem China

Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat eine Verschiebung der Gewichte zugunsten von Asien unter der Führung Chinas gebracht. Die sogenannten Schwellenmärkte, die Emerging Markets, gehen im Vergleich zur Ersten Welt, zu den USA und Europa, gestärkt hervor. Sie verfügen über hohe Devisenreserven, während die entwickelten Staaten schwer verschuldet sind.

Dramatischer Umbruch

Der frühere Vizekanzler und nunmehrige Industrielle Hannes Androsch (Bild: diepresse.com) hat heute im Interview mit Ö1 die Dinge beim Namen genannt. Die Veränderungen – der Aufstieg Indiens und Chinas sowie die digitale Revolution – seien in „geradezu umbruchartiger, dramatischer Weise“ im Gang. Diesem Wandel müsse die EU Rechnung tragen, sonst werde man scheitern. China und Indien hätten eine ganz andere Dynamik, während in der EU eine „larmoyante, selbstbemitleidende Bequemlichkeit“ vorherrsche. Die Entwicklung Chinas und Indiens sei nicht überraschend. Auf der anderen Seite solle man die Erneuerungskraft und Dynamik der USA nicht zu unterschätzen. „Wenn wir dem nicht Rechnung tragen, laufen wir Gefahr, gesandwiched zu werden. Wollen wir als Europa Mitspieler und nicht Spielball sein, dann müssen wir vieles ändern.“ Diese klare, ehrliche und offene Beschreibung der Situation hört man in Österreich selten.

Wohlstand in Europa in Gefahr

 In Brüssel ist man sich offensichtlich des Ernstes der Situation bewusst. So heißt es im Entwurf für die „Europa 2020“-Strategie, die die gescheiterte Lissabon-Strategie ablöst:  „Entweder machen wir weiterhin in langsamer und großteils unkoordinierter Geschwindigkeit der Reformen weiter und riskieren einen dauerhaften Verlust  an Wohlstand, langsame Wachstumsraten sowie Arbeitslosigkeit  und soziale Unrast“ oder die Europäer koordinierten ihre Wirtschafts-, Forschungs- und Sozialpolitik besser und mahnten reformfaule Nachzügler.

Härtere Arbeit für Erhalt des Wohlstands

Die Menschen spüren die Veränderungen. Sie spüren, dass die Zeiten, in denen es ständig bergauf ging, vorbei sind. Die Globalisierung macht die Welt kleiner, sie führt die Kontinente näher zusammen. Wir Europäer werden härter arbeiten müssen, um unseren Wohlstand halten zu können.

 

 

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