Die Kirche verwaltet ihren Untergang

missbrauch

Sie beteuern „Scham und Trauer“, sie wollen die diözesanen Ombudsstellen vernetzen. Die österreichische Bischofskonferenz beschäftigte sich in der Vorwoche mit den vielen Fällen von Kindesmissbrauch durch Priester. Das weltweite Vertuschungs- und Scheinheiligkeitskartell bricht in einer Radikalität zusammen, die einen erstaunen lässt. Die römisch-katholische Kirche präsentiert sich als Institution, in der Kindesmissbrauch System hat. Doch die  weltweit Tausenden von Missbrauchsfällen sind für Kardinal Christoph Schönborn und den Grazer Bischof Egon Kapellari kein Anlass, Strukturen in Frage zu stellen. Nein, die oberflächliche Flickschusterei wird weiter betrieben. Das Grundproblem, dass Priester mit dem Eintritt ins Seminar ihre Sexualität leugnen müssen, wird nicht angegangen. Diese Lebenskraft wird in der Folge deformiert. Die Devise ist, nur nichts ändern und in Frage stellen. All‘ diese Missbrauchsfälle werden lediglich als persönliche Verfehlungen schöngeredet. Reagiert und offengelegt wird erst dann, wenn es keinen anderen Ausweg mehr gibt. Zu einer Erneuerung und Reinigung aus sich heraus ist die Kirche nicht fähig.

Die Pfarrgemeinderäte tragen den römischen Kurs nicht mehr mit

Dabei ist die Kirche darauf und dran, die Treuesten ihrer Treuen zu verlieren. Die Pfarrgemeinderäte, also die allerengsten Mitarbeiter, tragen den römischen Kurs nicht mehr mit. 50,3 Prozent,  eine absolute Mehrheit, lehnt den Zölibat ab. Das ergibt eine Studie des Wiener Pastoraltheologen Paul Zulehner, der dies unter 7400 Personen, das sind ein Viertel aller Pfarrgemeinderäte , erhoben hat. 15 Prozent befürworten sogar die Priesterweihe der Frauen, obwohl der Vatikan darüber 1994 ein Diskussionsverbot erlassen hat. Im Gespräch mit der Zeitung „Die Presse“ kommt  Zulehner zum Schluss: „Wir verlieren die besten Leute. Unter den Engagiertesten existiert eine beträchtliche Kirchendepression. Man hat den Eindruck, dass sich die Pfarrgemeinden von der Kirchenleitung im Stich gelassen fühlen.“

Angst um Verlust der Pfarren

Die Pfarrgemeinderäte werden von fünf Sorgen geplagt: keine Kirchgänger, keine Kinder und Jugendliche, keine Ehrenamtliche, keine Priester am Ort, keine eigene Pfarrgemeinde mehr. Überschrift darüber. Keine Zukunft. Gäbe es wegen des Priestermangels keinen Pfarrer mehr, erwartet fast eine Zwei-Drittel-Mehrheit einen Rückgang der Zahl der Kirchenbesucher. Zulehner: „Durch die Beibehaltung der Zulassungsbedingungen für Priester opfert man die Feier der Eucharistie. Das verstehen die Leute nicht.“

Es braucht eine tiefe Reform

Zulehners Schlussfolgerung: „Es braucht eine tiefe Reform und keinen Neoklerikalismus, der da durch manche nachkommende Priester wiederkommt, die relativ wenig Gespür für synodale Vorgänge in der Kirche haben. Wenn die Kirche nicht ihren Untergang verwalten will, dann muss sie handeln. Wenn man das Bestehende festschreibt, treibt man die Verelendung voran.“

Es braucht neue Gesichter

Zulehner hat Recht. Doch unter Papst Benedikt XVI. wird sich nichts mehr ändern.  Er, Kardinal Schönborn und Egon Kapellari sind Untergangsverwalter. Von ihnen sind keine Impulse zur Erneuerung zu erwarten. Es bedarf einer neuen Generation, es bedarf neuer Gesichter. Die Abwärtsdynamik der Kirche hat ihren Tiefpunkt noch nicht erreicht.

 

Eine Antwort zu “Die Kirche verwaltet ihren Untergang”

  1. engel027 sagt:

    Es ist eine echte Dramatik, wie bieder die Mittel geworden sind, innerhalb der weltweiten katholischen Glaubensgemeinschaft persönliche, oder Wünsche und Vorstellungen einzelner Gruppierungen durchzudrücken. Die da sind, Abschaffung des Zölibats, Priesterweihe der Frauen, Rettung der Eucharistie, die heute notabene vielerorts längst zu einem katholischen “Sonderangebot” degradiert worden ist. Da wird auch vor so etwas Furchtbarem, wie Pädophilie nicht Halt gemacht. Galt bis vor kurzem noch: Im Zweifelsfalle für den Angeklagten, wird heute nicht einmal mehr zwischen sexuellen Übergriffen und Kopfnüssen differenziert. Vorverurteilung wird gefordert! Von Zölibatgesetzen wird gesprochen, wann wurde denn je jemand per Gesetz gezwungen Priester zu werden? Fazit: Das Einzige was heute innerhalb der katholischen Kirche fehlt, ist Realitätssinn und Ehrlichkeit.

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