Die Vorzeigetürkin der Schwarzen
ÂÂ
Noch bevor sie im Amt ist, ist der Wirbel schon riesengroß. Mit ihrer Forderung nach einem Kruzifix-Verbot in den Schulen hat Aygül Özkan vor allem in ihrer eigenen Partei einen Riesenwirbel ausgelöst. Nach einer Protestwelle zog sie die in einem Spiegel-Interview erhobene Forderung zurück.
Erstes muslimisches Regierungsmitglied in Deutschland
Die 38-jährige türkischstämmige Özkan wird heute zur Sozialministerin in Niedersachsen als erstes muslimisches Regierungsmitglied in Deutschland angelobt. Nicht als Mitglied einer linken Partei, sondern als CDU-Politikerin. Damit setzen die Christ-Demokraten ein Signal. Wer sich integriert, kann in die höchsten Ämter aufsteigen. Auch als Muslim. Stellen Sie sich das umgekehrt vor. Die Welt würde staunen, würde es zum Beispiel in der Türkei oder in Saudi Arabien ein christliches Regierungsmitglied geben.
Türen auf für die Zuwanderer
Die CDU dreht mit dieser Bestellung den Spieß um. Galten bislang die Grünen und die SPD als die Parteien der Zuwanderer und die CDU als Gegner der Muslime, verkehrt sie mit Özkan die Verhältnisse. Sie sagt ganz klar: Wer die Grundlagen der westlichen Demokratie anerkennt und leistungsbereit ist, dem stehen die Türen offen. Damit springen die Christdemokraten über den eigenen Schatten.
Die ÖVP darf sich ein Vorbild nehmen
In Österreich würde so eine spektakuläre Entscheidung der ÖVP sehr gut tun. Auch hierzulande gilt: Die Zuwanderer bevorzugen die SPÖ und die Grünen. Die Schwarzen gelten eher als die Bremser und Verhinderer, die nur noch von den Freiheitlichen übertroffen werden. Doch Zuwanderung ist heute eine gesellschaftliche Realität und keine Partei kann einen Bevölkerungsanteil von rund zehn Prozent auf Dauer ignorieren. Wer sich integriert, der soll aufsteigen. Stellen Sie sich die Überraschung vor, wenn eine Muslimin zur Landesrätin in Tirol, Ober- oder Niederösterreich berufen würde! Aber so weit sind wir noch nicht. Die Schwarzen jubeln schon, wenn es eine Frau auf die Regierungsbank schafft.