Lutheraner: “Tiefes Bedauern” über die Verfolgung der “Täufer”

Entschuldigungen haben es oft an sich, dass sie zu spät erfolgen. Aber es ist besser, sie kommen sehr spät als gar nicht. Mit einer sehr bewegenden Zeremonie hat die protestantische Bewegung in Form des Lutherischen Weltbundes am Donnerstag in Stuttgart Abbitte bei den Mennoniten für die grausame Verfolgung der Täuferbewegung geleistet.
Entschuldigung unter Gebet und kniend
In der Erklärung heißt es, man bitte um Vergebung für die Verfolgung der sogenannten Wiedertäufer im 16. Jahrhundert, für das spätere Vergessen und Ignorieren dieser Verfolgungen sowie für alle unangemessenen, abwegigen und verletzenden Darstellungen von Wiedertäufern und Mennoniten durch lutherische Autoren bis zum heutigen Tag. Die Annahme des Textes erfolgte unter Gebet und kniend.
Absolute Gewaltlosigkeit
Der Vorsitzende des Lutherischen Weltbundes, Bischof Mark Hansen, würdigte die Mennoniten als Vorbild für Gewaltlosigkeit: „Wir können viel von ihnen lernen.“ Er errinnerte auch an die symbolische Bedeutung des Ortes Stuttgart. Der Reformator Johannes Brenz habe sich 1528 von Württemberg aus mit Nachdruck gegen die Hinrichtung von Täufern gewendet, da geistliche Irrtümer nicht nach weltlichem Recht bestraft werden dürften. Er war damit auf den Widerspruch seiner Kollegen Luther und Melanchthon gestoßen, die die Bestrafung der Täufer als Aufrührer befürworteten. Vielen tausenden Wiedertäufern kosteten die Verfolgungen das Leben. “Wer widerruft, wird geköpft, wer nicht wiederruft, wird verbrannt”, hieß es etwa in einem staatlichen Verdikt. Die “Wiedertäufer” galten als “linker” Flügel der Reformation. Sie setzten sich für radikalere soziale Reformen im Christentum ein als etwa die Reformatoren Luther und Zwingli.
Eine Million Gläubige weltweit
Der Gemeinschaft der Mennoniten gehören mehr als eine Million Gläubige an, viele leben in den USA und Kanada. Das Bild zeigt deutschstämmige Mennonitenkinder in Kanada. Etwa 30.000 davon leben in Deutschland. Ihr Name geht auf den niederländisch-friesischen Theologen Menno Simons (1496-1561) zurück. Als Teil der Täuferbewegung wurden Mennoniten in der Reformationszeit und noch danach verfolgt. Durch die Nachstellungen wurden sie in alle Welt zerstreut. Mennoniten lehnen Gewalt und das leisten von Eiden rundweg ab. Sie lehnen Taufen im Kindesalter ab, weil als Voraussetzung für eine Taufe die bewusste Hinwendung zu Christus gilt. Deshalb wurden sie auch als „Wiedertäufer“ bezeichnet. Simons lehnte apokalyptische Visionen ab und setzte dem eine Ethik der leidenden Liebe und eine strikte Ablehnung jeglicher Gewalt entgegen. Die Mennoniten lehne kirchliche Ämter hierarchien ab, die Ortsgemeinden sind weitgehend autonom. Es wird die klare Trennung von Kirche und Staat befürwortet.
In Ober- und Niederösterreich wurden 250 Täufer hingerichtet
Im Rahmen der oberösterreichischen Landesausstellung „Renaissance und Reformation“, die derzeit im Schloß Parz bei Grieskirchen gezeigt wird, wird auch ein kurzes Kapitel der Täuferbewegung gewidmet. Sie wurden auch im Land ob der Enns sowohl von Katholiken als auch den Protestanten verfolgt. Die Täufer waren vor allem im Raum Linz und Steyr konzentriert. In Ober- und Niederösterreich wurden rund 250 Anhänger der Täuferbewegung hingerichtet.