Nur die Ganztagsschule bringt Österreich weiter

Bundeskanzler Werner Faymann hat gedroht. Er meinte im heutigen (Samstag, den 4.12.2010) Mittagsjournal, er werde die ÖVP unter öffentlichen Druck setzen, dass sie der Gesamtschule für alle 10- bis 14-Jährigen zustimmt. Ob er damit Erfolg haben wird, ist zweifelhaft. denn es ist psychologisch schwierig, einen Partner zur Zustimmung zu bewegen, indem man ihn unter Druck setzt. Das geht fast immer schief.

Die Gesmtschule ist ein alter ideolgischer Hut

Leider greift der SPÖ-Vorsitzende mit seinem Vorschlag auf einen alten Hut zurück, der die österreichische Bildungsdebatte nicht weiterbringen wird. Die Volksschule ist eine Gesamtschule aller Sechs- bis Zehnjährigen. Sie verhindert aber nicht, dass rund 25 Prozent der angehenden Gymnasiasten so schlecht lesen, dass sie die gelesenen Texte weder verstehen noch wiedergeben können. 

Gerade die schwächeren Schüler bedürfen der ganztätigen Förderung

Die Kernfrage ist nicht, ob alle Zehn- bis 14-Jährigen in eine gemeinsame Schule gehen, sondern ob die Schüler ganztägig gefördert werden oder nicht. Heute sind viele Mütter berufstätig, sie haben daher nicht die notwendige Zeit, sich nachmittags um ihre Sprößlinge zu kümmern. Zu kontrollieren, ob sie beispielsweise ihre Hausaufgaben gemacht. Sie haben nicht die Zeit mit ihren Kindern zu lesen, ihre Mitschriften anzusehen, sie anzuhalten, gut im Unterricht mitzuhalten. 

Eltern und Lehrer überfordert

Nicht wenige Eltern geben einen Teil bzw. einen Großteil ihrer Erziehungs- und Förderaufgaben an die Schule ab. Die Lehrer sind mit diesen zusätzlichen Aufgaben oft überfordert. Denn einerseits müssen sie den vorgesehenen Lehrstoff durchziehen und Leistung abfragen und andererseits sollen sie sich die Zeit nehmen, die schwächeren Schüler zu fördern und Aufgaben des Elternhauses übernehmen.

Die Nachmittagsbetreuung bietet viele Chancen

Die Schüler benötigen Nachmittagsbetreuung. Sie brauchen Förderstunden, in denen das Gelernte geübt wird und die  Hausaufgaben gamcht werden. Es sollte jeden Nachmittag auch Sport gemacht werden zur körperlichen Erholung und geistigen Frische. Ein weiterer Schwerpunkt sollte die musikalische Bildung- und Ausbildung sein. Wenn die Schüler dann um 17 Uhr nach Hause gehen, sollten sie geistig mit Schule völlig abschließen und sich auf Familienleben freuen. Für die berufstätigen Mütter bzw. Väter wäre das eine große Entlastung, sodass sie sich ebenfalls auf das Zusammensein mit den Sprößlingen konzentrieren können.

Das Bildungssystem ist durchlässig genug

Wir brauchen die Ganztagsschule und nicht die Gesamtschule. Denn unser Bildungssystem ist durchlässig genug. Jeder Hauptschüler kann mit 14 Jahren noch auf das Gymnasium wechseln, jeder Lehrlinge kann an den Universitäten ohne Matura studieren, wenn er die Berufsreifepürfung ablegt. Deshalb sollte sich Faymann nicht auf Forderung konzentrieren, die er kaum durchbringt, sondern gemeinsam mit der ÖVP die Ganztagsschule umsetzen. Das wäre ein bildungspolitischer Wurf, auf den Österreich stolz sein könnte.

 

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