Nur der Würstelkocher fehlt zum Glück

11. August 2010

premium

Railjet nennt sich die Schnellzugverbindung der ÖBB, die beispielsweise auf der Strecke Wien-Zürich verkehrt. Für einen Aufpreis von 25 Euro zur ersten Klasse darf man im premium-Wagen Platz nehmen. Dieser ist sehr bequem, man kann gut mit dem Laptop arbeiten und man wird von einer ÖBB-Mitarbeiterin umfassend versorgt. Zum Beispiel mit Zeitungen oder mit kleinen Häppchen und Getränken.

Kein Würstelkocher in der Superklasse

Sie reicht auch die Speisekarte, wenn der Gast speisen möchte. Da ist zum Beispiel vom faschierten Braten mit Erdäpfelpüree die Rede. Weil der Hunger nicht so groß war, bestellte ich ein Paar Frankfurter. Doch die Zugbegleiterin riet davon ab. Denn die Würstel würden wahrscheinlich zerrissen sein, argumentierte sie. Denn sie müsse sie zum Erwärmen in die Mikrowelle geben. „Aber Sie werden doch einen Würstelkocher haben“, entgegnete ich. „Nein, den haben wir nicht“, antwortete sie. Ich verzichtete auf die Bestellung, denn Faschiertes am Vormittag war mir doch zu viel.

Die Moral von der G’schicht‘: Die Premium-Klasse ist vorzüglich ausgestattet. Wenn die ÖBB sich noch zum Ankauf eines Würstelkochers durchringen könnte, wäre das Paradies fast perfekt.

Naomi lässt die Welt unbefriedigt zurück

10. August 2010

naomi

Die Welt weiß jetzt, dass das angebliche Topmodel Naomi Campbell nicht weiß, von wem die Blutdiamanten stammen, die sie im September 1997 von unbekannten Männern nächtens in ihrem Hotelzimmer erhalten hat. Nach Aussagen von Augenzeugen soll sie zwar mit dem Diktator von Liberia, Charles Taylor, zuvor heftig geflirtet haben, aber dass das eine mit dem anderen zu tun haben könnte, kann die dunkle Schönheit nicht nachvollziehen.

Unterlief dem Schlächter Taylor eine Fehlinvestition?

Dass an Taylors Händen das Blut zehntausender unschuldiger Menschen klebt, wissen wir. Dass Campbell zu Zornausbrüchen neigt, ihr Personal schlägt und Rauschgift nicht abgeneigt ist, weiß die Öffentlichkeit aus zahllosen Berichten ebenfalls. Was wir aber nicht wissen, ist, ob es, und wenn ja, wann es zum Vollzug des Liebesaktes zwischen Taylor und Campbell gekommen ist. Sind die Diamanten ein Geschenk für bereits vollzogenen Sex oder eine Andeutung dafür, welche Fülle an Geschenken das Model nach dem Liebesakt erwarten darf, der dann möglicherweise gar nicht stattgefunden hat? Eine Fehlinvestition von Taylor? Fragen über Fragen.

Möglicherweise erinnert sich Naomi nicht mehr

Naomi lässt uns im Dunklen. Wir, die wir neugierig nach Informationen haschen, bleiben unbefriedigt zurück. Aber es könnte natürlich auch in diesem Fall sein, dass Naomi zwar das Faktum von sexuellen Handlungen bestätigt, aber nicht mehr weiß, um wen es sich gehandelt hat. Es könnte auch hier vorgekommen sein, dass plötzlich ein oder mehrere Männer da waren und sich etwas abgespielt hat. Die Frage nach dem wer könnte auch hier unbeantwortet bleiben. Man muss Verständnis haben. Ein Topmodel hat schließlich ein hartes Leben. Der Globus ist ihr Zuhause. Was ist da schon Liberia?

Meischi, der neue Literat

06. August 2010

Walter MEISCHBERGER, Karl Heinz GRASSER

Ist Walter Meischberger (im Bild mit Karl Heinz Grasser, diepresse.com) ein Dummkopf oder will er die österreichische Öffentlichkeit auf den Arm nehmen? Diese Frage drängt sich auf angesichts seiner Erklärung zum Tagebuch, das die Staatsanwaltschaft bei der Hausdurchsuchung beschlagnahmt hat und in dem Meischberger die angebliche Überweisung von 45 Millionen Euro von Libyens Diktator Muammar al-Gadaffi auf ein Konto von Jörg Haider in Liechtenstein festhält. Es habe sich lediglich um ein Notizbuch gehandelt, so Meischberger, in dem „Realität und Fiktion, Wunsch und Wirklichkeit verschwimmen“.

Das Leben ist viel einfacher als man glaubt

Bettina Steiner gibt auf diese schwachsinnige Ausrede im Feuilleton der „Presse“ die richtige Antwort. Ihre Rubrik „Marginalie“ titelt sie mit „Ist Meischbergers Notizbuch gar Literatur?“ Die Naivität des ehemaligen FPÖ-Generalsekretärs ist kaum mehr zu überbieten. Er, der wegen der Provisionen im Buwog-Verkauf im Visier der Justiz ist, lässt zu Hause dieses Tagebuch sprich Notizbuch herumliegen. So gewieft, dass er mit dieser „Nebelgranate“, wie dies Harald Fischl interpretiert, von der Buwog-Causa ablenken wolle, ist Meischberger wiederum nicht. Es ist ihm einfach peinlich, dass ihm dies passiert ist. Und um sich nicht neue Fronten aufzumachen, wiegelt er nun ab und tut das als Fiktion ab. Er hat einfach Material gegen seinen früheren Mentor Jörg Haider gesammelt, der ihm ja bereits 1999 seinen Verzicht auf ein Nationalratsmandat um 2,5 Millionen Schilling abgekauft hat. Meischberger hat einfach gemeint, man könne dieses Wissen wieder einmal gegen Geld oder ein anderes Gegengeschäft abtauschen. So einfach ist das. Der Schuss ist aber nach hinten losgegangen. Meischberger steht endgültig ohne Hosen da.

Ein Hoch der Speckknacker!

05. August 2010

speckknacker

Im Sommer werden gerne Wurstsalat und Essigwurst angeboten. Der Essig kühlt und macht Gusto auf diese Speise. Doch nicht selten wird einem etwas vorgesetzt, das geschmacklich mehr Ähnlichkeit mit Holzspänen als mit Wurst hat. Speziell bei Wurstsalaten werden Produkte verwendet, die einem die Bissen im Hals stecken lassen.

Kulinarischer Abstieg

Leider hat auch die Essigwurst einen starken kulinarischen Abstieg genommen. Vielen Wirten beliebt es, hier die fetthaltige Extrawurst zu verwenden, weil sie zu faul sind, sich um gute Knackwürste umzusehen. Sie bevorzugen es, Billigprodukte einzukaufen. Es ist heute schon ein wahres Wunder, wenn für die Essigwurst Knacker verwendet werden. Geradezu paradiesisch werden die Zustände, wenn die gute alte Speckknacker zum Zug kommt: Knackwürste mit kleinen, weißen Speckstückchen. Die Jüngeren wissen oft schon vielfach nicht mehr, was eine Speckknacker ist. Denn sie wird nur mehr von wenigen Fleischhauern hergestellt, die Wert auf Qualität legen.

Ein Aufruf

Für die echte Essigwurst dürfen nur Speckknacker verwendet werden. Ich rufe geradezu dazu auf, nur solch‘ eine Essigwurst zu essen. Darunter sollte man es nicht tun.

 

Haider ein politischer Betrüger?

04. August 2010

War Jörg Haider tatsächlich ein politischer Betrüger, wie Hans Rauscher aus Anlass der angeblichen Überweisungen von 45 Millionen Euro von Libyens Diktator  Muammar al-Gaddafi auf ein Konto in Liechtenstein in seiner heutigen Kolumne im „Standard“ schreibt? In Facetten möglicherweise ja. Er, der SPÖ und ÖVP wegen ihrer Abkassiererei heftig kritisiert hat, hat sich selbst so verhalten.

Aber ihn nur als Betrüger zu sehen und jene 27 Prozent der Wähler als Idioten hinzustellen, die ihm 1999 die Stimme gegeben haben, greift zu kurz. Sie ist eine überzogene, polemische Sichtweise. Haider hat die Machtstrukturen und den Privilegienstadl, den Rot und Schwarz seit 1945 aufgebaut hatten, heftig und zu Recht kritisiert. Die jahrzehntelange Machtausübung hatte zu Verkrustungen und Missbräuchen geführt, die vielen Bürgerinnen und Bürgern aufgestoßen sind. Zudem griff er das Thema der völlig unkoordinierten und nicht vorhandenen Asyl- und Integrationspolitik auf, an der sich ebenfalls viele Menschen stießen. Er attackierte die Sozialpartner und zwang die Wirtschafts- und Arbeiterkammer zu Reformen, zu der sie sich aus eigenem Antrieb nicht durchringen konnten. Ihnen fehlte die notwendige Erneuerungskraft. Haider motivierte sie dazu, indem er die Zwangsmitgliedschaft und damit ihre Macht grundlegend in Frage stellte.

Haider war ein begnadeter Populist, ein hervorragender Oppositionspolitiker. Gescheitert ist er dort, wo er gezwungen war, selbst zu regieren und damit zu zeigen, was er kann, wenn er selbst über Macht verfügt. Das war Anfang 1990 in Kärnten so, als er wegen seines Sagers der „ordentlichen Beschäftigungspolitik im Dritten Reich“ als Landeshauptmann abgewählt worden ist. Das war  neuerlich mit dem Regierungseintritt im Jahr 2000 der Fall, dem Beginn der schwarz-blauen Koalition.

Zudem war er ein hemmungsloser Egozentriker. Gute Leute in seiner eigenen Partei wie Norbert Gugerbauer oder Heide Schmidt ertrug er nicht. Er ließ sie entfernen. Er holte sich lieber unqualifizierte Leute von der Straße, die zu ihm unkritisch aufblickten und ließ sie rasch aufsteigen. Diese konnten die schnelle Karriere nicht verarbeiten und bereicherten sich, wie die Fälle Meischberger, Grasser etc. zeigen.

Haiders Bilanz ist eine gemischte. Er hat wesentlich zu notwendigen Erneuerungen in Österreichs politischem System beigetragen. Dort, wo er an den Hebeln der Macht sass, hat er sich verhalten wie die Machtträger anderer Parteien auch. Hier ist er gescheitert.

Warum ist die Westautobahn nicht durchgehend dreispurig?

03. August 2010

autobahn

Eine Staulawine wälzt sich im Schritttempo dahin. Es ist 30 Grad heiß, der Sommer ist am Wochenende zurückgekehrt. Es ist Sonntag, der 2. August, Schauplatz Westautobahn ab Seewalchen Richtungsfahrbahn Wien. Hunderte und Tausende aus dem Großraum Linz wollen, von den Strandbädern und den Badeplätzen des Traun- und Attersee kommend, nach Hause.

Stillstand löst sich mit Schritttempo ab

Der Verkehrsfunk von Ö 3 verkündet zwar, dass die Unfallstelle im Gegenverkehrsbereich von Steyrermühl geräumt sei, doch es bewegt sich nichts. Stillstand löst sich mit Schritttempo ab. Es ist keine Besserung in Sicht. Die Autofahrer sind trotz der Hitze sehr diszipliniert. Es ist keine Spur von Aggressivität zu spüren, fast alle sind sehr geduldig, nur hin und wieder wechselt einer die Spur, um vielleicht doch einen kleinen Vorteil zu ergattern. Als wir uns der angeblichen Unfallstelle nähern, ist vom Zusammenstoß weit und breit nichts zu sehen. Die Trümmer sind längst weggeräumt, doch die Verkehrsüberlastung verhindert die Auflösung des Staus.

Erst als es dreispurig weitergeht, lösen sich die Kolonnen auf

Die Lawine von Autos und der Kolonnenverkehr lösen sich erst ab Sattledt auf, wo die Autobahn dreispurig wird. Erst ab hier wird wieder normales Fahren möglich. Das ist auch die Moral der Geschicht‘: Die Westautobahn ist überlastet, Staus wie der am Sonntag sind keine Seltenheit. Die Westautobahn sollte von Wien nach Salzburg durchgehend dreispurig sein, so wie sie sich in großen Teilen Niederösterreichs und zwischen Linz und Sattledt präsentiert. Die Politiker und die Autobahnbetreibergesellschaft ASFINAG hätten die Chancen dazu gehabt, denn diese Strecke wird derzeit erneuert und saniert. Das kostet viele Millionen. Doch es wäre sinnvoller gewesen, die Sanierung zum dreispurigen Ausbau zu nützen. Jetzt, wo sich die Sanierung dem Ende zuneigt, sind die zwei Spuren überlastet. Es fehlt an Weitsichtigkeit, die Verkehrsentwicklung wurde und wird einfach unterschätzt.

Die blauen Abkassierer sind Geschichte

02. August 2010

haiderjorg

Er hat also auch abkassiert. Er, der Zeit seiner politischen Laufbahn davon gelebt hat, die roten und schwarzen Abkassierer zu kritisieren, hat selbst genommen. Die Aufdeckung von Jörg Haiders (Bild) Briefkastenfirmen in Liechtenstein, gefüllt mit 45 Millionen Euro, sind der endgültige Todesstoß für das blaue Erneuerungsprojekt, das er Mitte der 80-er Jahre gestartet  hat und das in der schwarz-blauen Koalition des Jahres 2000 gipfelte.

Die “Buberlpartie” hat ebenfalls genommen

Sein ehemaliger Generalsekretär Walter Meischberger hat abkassiert, Shooting-Star und Finanzminister Karl Heinz Grasser wird ebenfalls des Nehmens beschuldigt. Haiders ehemalige Pressesprecherin und spätere Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer hat sich um viel Geld auf FPÖ-Kosten schöne Kleider gekauft, was das Blut der Funktionäre in Wallung gebracht hat.

Das Erneuerungsprojekt ist gefallen

Haider ist Geschichte. Sowohl körperlich als auch geistig und ideell. Die FPÖ-Abspaltung Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ) war ein letztes Aufbäumen, die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, dass es bei der nächsten Nationalratswahl den Sprung ins Parlament verpassen wird. Die FPÖ wird es hingegen weiter geben, obwohl Haider sie vor Jahren als finanziellen Scherbenhaufen hinterlassen hat.

Strache kann Haider das Wasser nicht reichen

Doch mit Heinz-Christian Strache an der Spitze werden die Freiheitlichen wohl nie so stark werden wie einst mit dem Jörgl. Das wissen die Blauen selbst am besten. Die internen Diskussionen um Straches Verbleib an der Spitze haben schon begonnen. Sein Glück ist das Fehlen einer personellen Alternative. Das Abschneiden bei der Wiener Landtagswahl im Oktober wird über sein weiteres Schicksal entscheiden. Er hat sich selbst die Latte hoch gelegt, indem er sich als die Alternative zu Bürgermeister Michael Häupl präsentiert. Es kann durchaus sein, dass er die Latte reisst.      

Putin ist und bleibt ein Mann des Geheimdienstes

28. Juli 2010

 wladimir

Wladimir Putin, der starke Mann in Moskau, hat wieder einmal sein wahres Gesicht gezeigt. Er ist und bleibt ein Mann des Geheimdienstes, obwohl er in der Politik Karriere gemacht hat. Nach dem spektakulären Agentenaustausch zwischen den USA und Russland hat der Ministerpräsident die aufgeflogenen Spione getroffen, mit ihnen diskutiert und gesungen. „Sie werden weiter für uns arbeiten. Wir werden einen würdigen Platz für sie finden“, sagte der ehemalige KGB-Offizier am Samstag bei seinem Besuch in der Ukraine. „Wir haben über das Leben gesprochen und gemeinsam Lieder gesungen.“

“Verräter enden böse”

„Verräter“ hätten die Enttarnung verschuldet, schimpfte der KGB-Mann Putin. Die Abweichler würden ermittelt und sie würden den Preis für ihre Taten zahlen, drohte er. „Agenten leben nach eigenen Gesetzen und diese Gesetze sind jedem gut bekannt.“ Verräter würden stets „böse enden“.

“Hartes Los der Spione”

Putin warb um Verständnis für das „harte Los“ russischer Spione. „Man muss jahrelang Aufträge im Interesse des Heimatlandes ausführen, ohne auf diplomatische Rückendeckung zu hoffen. Dabei bringen sie ihr eigenes Leben und das Leben ihrer Angehörigen in Gefahr, die nicht einmal wissen, wer sie sind und für wen sie arbeiten.“

Der KGB-Mann Putin regiert nun Russland seit mehr als zehn Jahren. Wie wird er da agieren? Wohl wie ein Mann des Geheimdienstes.

Portugal setzt auf Angola

27. Juli 2010

angola

Die Portugiesen machen es vor, die anderen EU-Länder sollten sich an ihnen ein Bespiel nehmen. Portugal setzt die Hoffnungen auf seine ehemaligen Kolonien. In Brasilien sind portugiesische Unternehmen schon länger aktiv, nun konzentriert es sich auf das südwestafrikanische Angola (siehe Karte oben).

Zweistellige Wachstumsraten

Während sich die EU mühsam aus der Rezession kämpft, weist Angola zweistellige Wachstumsraten auf. Angola ist mittlerweile Portugals wichtigster Handelspartner außerhalb Europas. 2009 machten die Geschäfte mit der ehemaligen Kolonie bereits sieben Prozent der portugiesischen Gesamtexporte aus. Um die Beziehungen zu festigen, besuchte Portugals Präsident am vergangenen Wochenende die angolanische Hauptstadt Luanda. Er wurde von einer 80-köpfigen Wirtschaftsdelegation begleitet. Das 13 Millionen zählende Land ist seit 1975 von Portugal unabhängig.

Viele Bodenschätze

Die „New York Times“ berichtet, Portugal habe seinen Fokus von Brasilien nach Angola verlagert, da auf dem südamerikanischen Markt die heimische Konkurrenz bereits sehr groß ist. Konkurrenz hat Portugal auch in Angola. Vor allem China versucht, wirtschaftlich Fuß zu fassen. Denn Angola verfügt über enormen Rohstoffreichtum: Erdöl, Diamanten und andere Bodenschätze wie Uran. 2008 verdrängte Angola Nigeria vom Platz eins unter den afrikanischen Erdölproduzenten.

Europa soll die Beziehungen zu den ehemaligen Kolonien intensiveren

Es ist hoch an der Zeit, dass sich die europäischen Länder um ihre ehemaligen Kolonien annehmen. Afrika ist beispielsweise im Vergleich mit Asien unterentwickelt. Dabei verfügt der Kontinent über enormes Potential. Zum einen über Bevölkerungsreichtum, zum anderen über viele Bodenschätze. China hat das Potenzial schon lange erkannt und engagiert sich enorm. Sie wollen Afrikas Bodenschätze und gleichzeitig sehen sie einen großen Absatzmarkt für ihre Billigprodukte. Europa muss Afrika neu begegnen. Auf gleicher Ebene, von Angesicht zu Angesicht. Die Zeiten, wo die ehemaligen weißen Kolonialherren auf die Schwarzen herabgeblickt haben, sind vorbei. Es ist Zeit für neue Partnerschaften. Europa hat das Wissen, die Technologie und das Kapital, Afrika die Ressouren. Verbindungen zwischen den ehemaligen Herren und den Knechten sind noch da. Sie sollten aktiviert werden, aber auf partnerschaftliche Weise. Afrika braucht für seine Entwicklung starke Partner, Europa neue Märkte, um Wachstum zu generieren. Europa sollte höchstes Eigeninteresse an einer gedeihlichen Entwicklung Afrikas haben. Die Afrikaner sollten Arbeit und Brot zu Hause verdienen können statt auf abenteuerliche und lebensgefährliche Fahrten über das Meer nach Europa zu setzen.

Beide können profitieren

Es läge eine win-win-Situation vor. Afrika und Europa sollten sie nutzen. Die Portugiesen zeigen es mit Angola, wie es geht. Die wirtschaftlichen Interessen gehen nicht nur in eine Richtung. Denn mittlerweile besitzen Angolaner bedeutende Anteile an portugiesischen Banken und anderen Unternehmen, etwa auf dem Energiesektor.  

Ja zu qualifizierter Zuwanderung

26. Juli 2010

Einen gewagten Vorstoß hat Außenminister Michael Spindelegger mit seiner Forderung nach 100.000 Zuwanderern unternommen. Bei näherer Betrachtung und Überlegung hat der ÖVP-Politiker Recht. Aufgrund der gesunkenen Geburten benötigt Österreich Nachwuchs, um die sozialen Systeme von Sozial-, Gesundheits- und Pensionsversicherungen und damit seinen Wohlstand halten zu können.

Zuwanderung ist dann sinnvoll, wenn die Menschen, die aus dem Ausland kommen, auch einen Arbeitsplatz finden. Dafür sind Sprachkenntnisse und Qualifikation erforderlich. Es wird nicht einfach sein, qualifizierte Arbeitskräfte zu bekommen, denn diese Menschen sind auch in ihren Heimatländern sehr gefragt. Wer verlässt schon freiwillig die Heimat, wenn es nicht unbedingt sein muss?

Ein erster Schritt wäre die Abschaffung jener Übergangsklausel, die Menschen aus den der EU 2005 beigetretenen Ländern bis 2012 untersagt, hier in Österreich zu arbeiten. Die Integration dieser Menschen wäre kein Problem, da sie aus dem europäischen Kulturkreis kommen. Man wird sehen, wie viele tatsächlich einwandern wollen, da wir sehr spät dran sind. Die Engländer haben  im Gegensatz zu Österreich und Deutschland ihren Arbeitsmarkt für die Menschen aus Osteuropa sofort geöffnet. Sehr viele Polen haben diese Chance genutzt und verdienen gutes Geld auf dem Inselstaat. Die wirklich guten Leute haben wahrscheinlich schon in anderen Ländern ihren Arbeitsplatz gefunden.

Die Zuwanderung wirft natürlich noch tiefergehende Fragen auf. Warum fehlt es unserer Gesellschaft an Nachwuchs? Was sind die Gründe für die geringe Geburtenrate? Die Verhältnisse der postindustriellen Gesellschaft können es alleine nicht sein. Denn Frankreich und die nordischen Staaten haben genügend Nachwuchs. Die Qualität einer Gesellschaft misst sich auch an ihrer Kinderfreundlichkeit. Offensichtlich haben wir hier ein Problem. Das kann auch durch Zuwanderung nicht gelöst werden.